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Veröffentlicht am 08.07.2025

Ermittlungen im winterlichen Göteborg

Im Finsterwald
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Das junge Kindermädchen Maj ist mit ihren Schützlingen im Naturhistorischen Göteborg unterwegs, die Kinder lieben es, sich die ausgestellten Tiere anzusehen. Kurz vor der Schließung ist die Älteste plötzlich ...

Das junge Kindermädchen Maj ist mit ihren Schützlingen im Naturhistorischen Göteborg unterwegs, die Kinder lieben es, sich die ausgestellten Tiere anzusehen. Kurz vor der Schließung ist die Älteste plötzlich verschwunden und die Suche der Museumsmitarbeiter bleibt erfolglos, von der neunjährigen Alice fehlt jede Spur. Der Polizist Nils wird mit den Ermittlungen betraut und versucht mit Hilfe seiner Exfreundin Ellen das Kind zu finden.

Historische Kriminalromane sind nur bedingt meins, hier war ich aber zu allererste vom Cover angetan, das mich mit seiner Düsternis direkt angesprochen hat. Die Geschichte, rund um das Verschwinden eines Kindes, klang ebenfalls spannend. Die Autorin verlegt ihren Kriminalfall an einen realen Ort, das Naturhistorische Museum in Göteborg und sie räumt der Lokation viel Raum in der Geschichte ein. Hier spielt sich ein Großteil der Ermittlungsarbeit ab und man erhält als Leser einiges an Informationen über das Museum, seine Entstehungsgeschichte und besonders über die Dioramen, die einen wichtigen Platz in der Story einnehmen und noch heute unverändert zu bestaunen sind.

Marie Hermanson schreibt fließend und leicht, aber mit einer gewissen Hintergrundspannung. Ihre Figuren sind klar gezeichnet und wecken direkt Emotionen beim Leser, besonders natürlich das Kindermädchen Maj, selbst noch ein halbes Kind und der Vater der verschwundenen Alice. Gerade den familiären Hintergründen wird viel Platz eingeräumt. Die Arbeit der Polizei, ganz ohne die Möglichkeiten der heutigen Zeit, wird sehr anschaulich dargestellt. Es ist spannend, aber auch frustrierend, wenn man Nils bei den Befragungen begleitet und mühsam aus den Aussagen der Beteiligten ein Gesamtbild zusammenfügen muss. Der Kriminalfall baut sich so auch eher langsam und ruhig auf, es gibt immer wieder Ansätze, die sich letztlich als Sackgasse herausstellen, Motive und Verdächtige stehen und fallen mit neuen Erkenntnissen.

Als Leser glaubt man recht schnell, die Richtung erkannt zu haben, in die sich die Geschichte entwickelt, wird aber auch hier immer wieder von den neuen Entwicklungen beeinflusst. Die grobe Richtung ist allerdings bei mir immer gleich geblieben, da war einfach von Anfang an so ein beklemmendes Gefühl. Von der finalen Auflösung bin ich dann aber doch überrascht worden, ich finde sie wirklich gut konstruiert und durchaus nachvollziehbar.

Der Kriminalroman ist über lange Strecken hinweg eher ruhig, Spannung kommt erst zum Ende hin etwas auf, trotzdem liest sich das Buch sehr gut weg und hält einen als Leser bei der Stange. Es ist hier eher das Hintergründige, die Figuren und das Düstere, fast schwermütige Setting, das mich gefesselt hat. Das Cover gibt die Grundstimmung des Buches wirklich gut wieder. Wer mehr Action sucht, sollte eher ein anderes Buch wählen. Es gibt im Übrigen auch eine Vorgeschichte zu Nils und Ellen, auf die im Buch ab und zu Bezug genommen wird, es ist allerdings nicht zwingend notwendig diese zu kennen, man kann das Buch gut für sich allein lesen.

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Hoch emotional

Manchmal ist es sogar lustig
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Die Beziehung zu den eigenen Eltern ist ja nicht immer einfach, erst kümmern sie sich um einen, später kümmert man sich um sie, Konflikte sind da vorprogrammiert. Autor Norbert Kron kann ein Lied davon ...

Die Beziehung zu den eigenen Eltern ist ja nicht immer einfach, erst kümmern sie sich um einen, später kümmert man sich um sie, Konflikte sind da vorprogrammiert. Autor Norbert Kron kann ein Lied davon singen, Mutter Ida mag zwar alt geworden sein, ihre Bissigkeit hat sie allerdings noch lange nicht verloren.

Sehr einfühlsam und ehrlich erzählt der Autor, wie das Älterwerden seiner Mutter immer mehr Bereiche der Mutter-Sohn Beziehung beeinflusst und belastet, wie sie immer hilfebedürftiger wird, diese aber vehement ablehnt, wie sie immer mehr Aufmerksamkeit einfordert, andererseits aber auf ihrer Eigenständigkeit besteht, wie sie die jüngere Schwester drängt vorzusorgen, selbst aber die Zügel nicht aus der Hand geben will, aus Angst, ihr Heim zu verlieren. Er erzählt wie schwer das Zusammenleben mit der Mutter wird, wie kräftezehrend die immer häufiger werdenden Besuche und wie das "sich um sie kümmern" einen immer größeren Teil des eigenen Lebens einnimmt. Und schließlich ist da ja auch nicht nur die Mutter, sondern auch deren Schwester, obwohl jünger bereits schwer dement und ein guter Freund der Familie.

Demenz ist ein großes Thema im Buch und im Leben des Autors, denn nach der, liebevoll Annerl genannten jüngeren Schwester, erkrankt auch seine Mutter an dieser heimtückischen Krankheit. Mit einem Augenzwinkern und trozdem angemessenem Ernst erzählt er vom alltäglichen Wahnsinn im Dschungel der Pflegekassen, von der mühsamen Suche nach einem Heimplatz, oder einem empathischen Pflegedienst und all das auch oft genug im Alleingang und gegen den Willen des Pfleglings, der dafür keine Veranlassung sieht. Er nimmt den Leser mit bei Besuchen im Heim und beschreibt dabei den geistigen und körperlichen Verfall der geliebten Angehörigen, das es einem in der Seele wehtut. Und zwischen all dem setzt er die Vergangenheit der Eltern in Szene, die Flucht der Mutter als junges Mädchen aus der böhmischen Heimat, später die schwere Erkrankung des Vaters und auch das ein, oder andere Familiengeheimnis. Er zeichnet ein Bild seiner Mutter, das Bild einer Familie, einer ganzen Generation und das Bild einer heimtückischen Krankheit, die sich anschleicht, langsam aber mit einer Zerstörungskraft, wie sie ihres gleichen sucht in der Medizin, eine Krankheit, die einem die Erinnerungen nimmt und einen am Ende wieder zum Kind macht, eine Krankheit, die wie nur wenige die Diskussionen darüber anstößt, wann ein Leben noch lebenswert ist.

Ich habe selten ein Buch gelesen, bei dem ich so herzlich gelacht, aber auch schon nach wenigen Seiten so schlimm geweint habe. Die Geschichte ist so persönlich, aber passt in vielen Einzelheiten auch auf ganz viele andere Betroffene. Jeder, der mit dem Thema Demenz in Familie, oder bei Freunden schon zu tun hatte wird sich hier wiederfinden, entweder in einer der vielen, fast absurd komischen Situationen, in einer der traurigen, in einer der hilflosen, oder aber auch in einer der beängstigenden, gefährlichen, in denen man eigentlich nicht mehr will und kann, aber eben muss. Dieses Buch hat mich berührt, wie schon länger keines mehr und ich möchte mich herzlichst beim Autor dafür bedanken, dass er diese intimen Momente mit dem Leser teilt.

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Folgen der Umweltverschmutzung

Die Herde
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Können Tiere sich eigentlich verlaufen? Normalerweise spricht man ihnen doch den totalen Orientierungssinn zu, den brauchen sie ja auch, um beispielsweise Wasserlöcher zu finden, oder ihre Brutplätze. ...

Können Tiere sich eigentlich verlaufen? Normalerweise spricht man ihnen doch den totalen Orientierungssinn zu, den brauchen sie ja auch, um beispielsweise Wasserlöcher zu finden, oder ihre Brutplätze. Gerade Elefanten, die angeführt von ihrer Leitkuh immer wieder große Wanderungen unternehmen, sollten diesen besitzen. Um so merkwürdiger ist es, dass sich plötzlich eine ganze Herde aus ihrem angestammten Gebiet entfernt und nach Norden wandert, anscheinend einem unbekannten Ziel entgegen und dabei leider auch durch bewohntes Gebiet. Es liegt in der Natur der Sache, dass das Aufeinandertreffen von Mensch und Tier nicht ohne Folgen bleibt und so macht man bald Jagd auf die ausser Kontrolle geratenen Tiere.

Der Klappentext des Buches hat mich direkt angesprochen, verspricht er doch einen Umweltthriller mit, wie ich fand, mysteriösem Unterton. Mysteriös wird es dann aber nicht wirklich, obwohl die finale Erklärung für das Verhalten der Tiere durch die Überlieferung einer alten, längst untergegangenen Kultur möglich ist. Aber der Reihe nach.

Das Buch verbindet mehrere Handlungsstränge, an unterschiedlichen Orten miteinander. Da ist zum einen China und das Geschehen um die wandernde Herde Elefanten. Hier findet der Hauptteil der Geschichte statt und hier begleitet man als Leser den schwedischen Zoologen Peter und die chinesische Ingenieurin Sui, die eigentlich für den Bau eines neuen Staudamms verantwortlich ist, dabei, wie sie versuchen die Tiere zu schützen. In Mexico trifft man auf Peters Vater, seines Zeichens Archäologe, der in einer Ruinenstätte nach Teilen eines Freskos sucht, um damit Antworten auf seine Fragen zu bekommen. In Borneo lernt man einen skrupellosen Großwildjäger kennen, in Bangkok einen jungen Polizeibeamten und in Houston eine wissbegierige Journalistin. All diese Figuren liefern Fragmente der Geschichte, wobei wichtigsten Geschehnisse sich in China und Mexico abspielen.

Der Schreibstil des Autors ist eingängig und macht es dem Leser leicht der Geschichte zu folgen, seine Beschreibungen der Landschaft lassen schnell Bilder vorm geistigen Auge entstehen. Die Story ist zwar spannend, entwickelt sich aber anders, als von mir erwartet und ich persönlich würde sie nur teilweise als Thriller einordnen. Grundtenor ist der Einfluss des Menschen auf die Natur und die damit einhergehenden negativen Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt. Die Verbindung dieser durchaus aktuellen Thematik mit dem Untergang einer alten lateinamerikanischen Hochkultur klingt vielversprechend, ist aber vielleicht dann doch etwas dünn in der Auflösung, genauso wie die Begründung, die der Autor für das Verhalten der Tier liefert. Hier fehlte mir final irgendwas, ohne das ich genau sagen könnte was das wäre. Wahrscheinlich hatte ich eben tatsächlich falsche Erwartungen an das Buch und habe mit einem anderen Ausgang gerechnet.

Trotzdem hat mich die Geschichte gut unterhalten, gerade Sui als Figur ist sehr interessant und macht eine große Entwicklung durch und mit ihrem unsympatischen Vorgesetzten und seinem Jagdkumpanen Gabriel gibt es genug Spannungspunkte, ohne die die Story vielleicht nur seicht dahin geflossen wäre. Leser, die es in einem Thriller nicht unbedingt ganz so nervenaufreibend mögen, werden sich hier sicher gut aufgehoben fühlen, mir war die Story fast etwas zahm.

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Weltraumabenteuer

Don't
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Im 22. Jahrhundert tobt der Kampf der Supermächte um die Ressourcen im All, als man ein rätselhaftes Artefakt entdeck, hat es für die Pan American States oberste Priorität, dieses als erste zu erreichen ...

Im 22. Jahrhundert tobt der Kampf der Supermächte um die Ressourcen im All, als man ein rätselhaftes Artefakt entdeck, hat es für die Pan American States oberste Priorität, dieses als erste zu erreichen und zu bergen. Die junge Offizierin Joan wird mit dieser gefährlichen Aufgabe betraut und muss sich mit einem neuen Schiff, einer neuen Crew und einer alten Bekanntschaft auseinandersetzen.

Autor Lothar Mischke liefert eine relativ klassische Science-Fiction Story. Eine nicht allzuferne Zukunft, die Menschheit ist ins All aufgebrochen und hat ihre Differenzen auch hierhin ausgeweitet, das Auftauchen eines fremden Objekts, das von den Überresten einer untergegangenen Zivilisation, bis hin zu einer Massenvernichtungswaffe alles sein kann und natürlich muss dieses Objekt unbedingt vor allen Anderen in Besitz genommen werden. Ist nicht unbedingt neu vom Setting, aber man muss ja nicht unbedingt das sprichwörtliche Rad neu erfinden, um eine spannende Story zu erzählen. Und spannend wird es hier sogar ziemlich schnell, legt doch der Autor seinen Protagonisten mehr als einmal, Steine, so groß wie Asteroiden, in den Weg. Da gibt es zum einen die feindliche Supermacht, die ebenfalls auf dem Weg zum Artefakt ist und es verwundert wahrscheinlich kaum, das hier die Chinesen die Bösen sind, einen geheimnisvollen Saboteur und den ein, oder anderen persönlichen Konflikt, dem sich Captain und Crew stellen müssen und das ist noch lange nicht alles.

Mit Joan Landor als Kommandantin und Dr. Lana Hayward, einer Wissenschaftlerin, liefert der Autor direkt zu Beginn ein recht spannungsgeladenes und unfreiwilliges Hauptfigurenduo, das im Verlauf des Buches eine unglaubliche Entwicklung durchmacht und den Leser mehr als einmal überrascht. Als Gegenpol zu den weiblichen Besatzungsmitgliedern gibt es einen Trupp Marines, die mit der Absicherung der Mission betraut sind und deren Kommandant ausgerechnet ein alter Freund von Joan ist. Hier hatte ich ein wenig Angst, dass die Story zu sehr romantisiert werden könnte und somit eine Richtung einschlägt, die ich persönlich nicht unbedingt mag. Dieses Sorge war unberechtigt, der Autor hat es hier gut verstanden die richtige Balance zu halten, der Geschichte zwar ein paar mehr Fassetten zu geben, ohne aber zu viel Spannung rauszunehmen und somit die Grundaussage der Story zu verändern.

Ich durfte das Buch im Rahmen einer Leserunde lesen, was keinerlei Einfluss auf meine Rezension hat und fand es im Vorfeld sehr spannend, dass der Autor hier bewusst auf weibliche Hauptfiguren gesetzt hat. Er wollte eben mal keinen Captain Kirk, oder Picard im Kommandosessel, sondern eine Frau. Die Frage war nun, würde dies etwas ändern, würde eine Frau in Extremsituationen anders reagieren, würde sie andere Entscheidungen treffen, vielleicht emotionaler sein, weicher, oder weniger konsequent. Leider und das ist auch mein einziger Kritikpunkt an diesem Buch und ich spreche ihn eben auch nur an, weil der Autor das Augenmerk seiner Testleser*innen eben genau darauf gelenkt hat, ist es ihm nicht ganz gelungen hier ohne Klischees und Stereotype auszukommen. Da wird eben jeder der beiden Frauen ein überaus starker männlicher Gegenpart zur Seite gestellt, der mehr als einmal den Retter in glänzender Rüstung gibt. Da verfällt vor allem Joan in Verhaltensmuster, die nach langjähriger militärischer Ausbildung eher nicht zu erwarten wären und die man eine männlichen Figur, in der selben Situation wahrscheinlich nicht hätte tun lassen. Etwas hat mich in dieser Beziehung, besonders zu Anfang des Buches, ziemlich gestört. Es war bei den beiden Protagonistinnen öfter von - Ziehen im Magen, Kribbeln in der Magengegend etc, als Reaktion auf verschiedene Situationen - die Rede. Ich kann gar nicht richtig in Worte fassen, was genau mich an dieser Wortwahl gestört hat und ich bin mir sicher es ist wahrscheinlich völlig unbewusst vom Autor verwendet worden um die Gefühlslage seiner Figur in der jeweiligen Situation zu verdeutlichen, aber irgendwie ist es für mich so "typisch" Frau und öffnet damit direkt eine Schublade, in die die beiden Hauptfiguren definitiv nicht gehören.

Das Buch ist rasant und spannend erzählt, inklusive Raumschlachten ala Raumschiff Enterprise, es hält für die Protagonisten und den Leser gleichermaßen einige Überraschungen bereit und ist zwar erstmal in sich abgeschlossen, lässt aber genügend Fragen offen für die geplante Fortsetzung. Hier werde ich auf jeden Fall wieder mit am Start sein und bin schon sehr gespannt.

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Veröffentlicht am 11.06.2025

Das ewige Leben, zum Greifen nah.

Thanatopia
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In der Donau bei Wien wird eine Frauenleiche gefunden, Kommissar Landauer leitet die weiteren Ermittlungen zum Tod der jungen Frau und wird kurze Zeit später mit der Nachricht überrascht, dass es eine ...

In der Donau bei Wien wird eine Frauenleiche gefunden, Kommissar Landauer leitet die weiteren Ermittlungen zum Tod der jungen Frau und wird kurze Zeit später mit der Nachricht überrascht, dass es eine weitere Leiche gibt, eine, die der Ersten nicht nur bis aufs Haar gleicht, sondern auch ihre DNA stimmt überein. Ein Klon, ein sogenannter Quant, eine Art Gefäß, in das Menschen ihren Geist wie in einen Avatar in einem Computerspiel hochladen können. Es soll nicht die einzige Leiche bleiben und die Ermittlungen führen Landauer zu einer Gruppe, die auf der Suche nach dem "Danach" immer wieder ihren eigenen Tod inszenieren.

Das Wien und die Welt die der Autor beschreibt, hat wenig mit dem zu tun, wie wir es heute kennen. Die Geschichte spielt im Jahr 2095, eine Zukunft, die wenig Hoffnung macht. Die Klimakatastrophe konnte trotz Einsatz einer eigens dafür entwickelten KI nicht abgewendet werden, weite Teile der Erde sind auf Grund extremer Hitze unbewohnbar, die Menschen leben in einer durch Hologramme verschönerten Umgebung, um den Verfall nicht sehen zu müssen. Viele haben die Chance genutzt und ihr Gehirn in einen Computer hochgeladen um so von ihrem Stammkörper unabhängiger zu sein und länger zu leben. Einige wenige verweigern sich dieser Prozedur, wie auch die Physikerin Sahana, die in einem weiteren Handlungsstrang eine wichtige Rolle spielt.

Die Story setzt sich aus mehreren, eigentlich total spannenden Einzelelementen zusammen. Da ist der Handlungsstrang rund um die "Deather", die sich selbst töten und ihre Erfahrungen im Moment des Todes aufzeichnen, um dem Jenseits, dem Danach auf die Spur zu kommen, treibende Kraft ist hier die junge, skrupellose Stasja. Die Story ähnelt in ihren Grundzügen dem Film "Flatliners", allerdings ohne den medizinischen Hintergrund. Hier kommt es dann auch zu einer Verbindung zum zweiten Handlungsstrang rund um eine künstliche Intelligenz, die eigentlich zerstört sein sollte und nun etwas größenwahnsinnig versucht ihre ursprüngliche Aufgabe wieder aufzunehmen, den Schutz der Menschheit. Hier beginnt für mich das Ganze dann auch immer mehr aufzubröseln und der Autor verliert mich mehr und mehr. Schuld daran sind einmal, die philosophischen Geplänkel, die die KI hier führt und denen ich, je länger sie dauerten, immer schwerer folgen konnte. Zum Anderen der Großteil der Figuren. Während Stasja und Kommissar Landauer noch etwas Tiefe und Substanz bieten, fehlt mir die bei anderen völlig. So etwa bei Galahad Singh, bei ihm schwirrt mir einfach nur der Kopf, auch wenn ich seinen Musikgeschmack teile, aber auch die Rolle Sahanas erschliesst sich mir nicht ganz, ausser eben als Sparringspartner für die Auslassungen der KI, die sich selbst Nemo nennt und mit einem Unterseeboot durch den Weltraum segelt.

Mir war diese wilde Mischung aus "Matrix", "Flatliners" und "Surrogates" einfach zu viel. Wie ich erst im Nachhinein erfahren habe gibt es wohl zwei Vorgänger Bücher, die in der gleichen Welt angesiedelt sind und in denen einige der Figuren bereits vorkommen. Es ist wohl aber nicht zwingend nötig diese zu kennen. Keine Ahnung, ob ich das Buch dann anders wahrgenommen hätte. Wie ich schon sagte, die Bausteine der Story sind, jeder für sich genommen, eigentlich ganz meins und auch sprachlich konnte der Autor mich durchaus begeistern. Die Grundidee ist mega spannend, die Umsetzung der philosophischen Ansätze aber absolut wirr und leider auch etwas ausufernd. Was mir hier oft zu viel war, habe ich zum Ende hin dann aber vermisst. Leider lässt der Autor seine Leser hier dann ziemlich in der Luft hängen, Antworten gibt es nur wenige, dafür noch jede Menge Fragen. Unterm Strich leider doch eher unbefriedigend und selbst, wenn es eine Fortsetzung geben sollte, weiß ich nicht, ob ich mich nochmal in diese Realität hineinwagen werde.

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