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Veröffentlicht am 18.01.2020

Spannender Roman um tragische Schicksale mit einem aufwändig konstruierten Handlungskomplex - mehr Thriller als Liebesroman

Weil ich dich liebe
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Im März 2002 verschwindet die fünfjährige Layla, Tochter der bekannten Violinistin Nicole und des gefeierten Psychologen Mark Hathaway spurlos aus einem Einkaufszentrum. Eine Lösegeldzahlung von vermeintlichen ...

Im März 2002 verschwindet die fünfjährige Layla, Tochter der bekannten Violinistin Nicole und des gefeierten Psychologen Mark Hathaway spurlos aus einem Einkaufszentrum. Eine Lösegeldzahlung von vermeintlichen Entführern wird nicht gefordert. Mark verzweifelt an der Suche, gibt seinen Beruf, seine Ehe und sich selbst auf und driftet in die Obdachlosigkeit ab.
2006 an Heiligabend überfällt die 15-jährige Evie Connor McCoy, den besten Freund von Mark aus seiner Kindheit und Jugend in Chicago. Evie ist erfüllt von Hass und Rachegedanken und benötigt Geld, um ihren Plan umzusetzen. Sie ahnt nicht, dass Connor McCoy Psychologe und Autor eines Buches ist, das ihr seit Jahren ein Begleiter ist.

Die Milliardärstochter Allyson Harrison hat scheinbar alles, was man sich erträumen kann, ist aber dennoch unglücklich und seit ihrer Jugend wegen kleinerer oder größerer Skandale in den Schlagzeilen.

Alle drei - Mark, Evie und Allyson treffen im März 2007 bei einem Flug von Los Angeles nach New York aufeinander und erkennen, dass ihre Schicksale miteinander verbunden sind.

Der Titel "Weil ich dich liebe" und auch das liebliche Cover suggerieren eine rührselige Liebesgeschichte und sind meines Erachtens falsch gewählt. Guillaume Musso erzählt eine tragische Geschichte, die aus drei Handlungssträngen besteht, die am Ende überraschend und raffiniert zusammengefügt werden und bei der die Liebe nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Auch wenn in dem kurzen Roman die einzelnen Personen nicht im Detail herausgearbeitet werden, fühlt man mit ihnen und ihren dramatischen Schicksalen mit. Berührend ist, wie sie vom Leben gebeutelt wurden, wie sie trauern oder mit ihren Schuldgefühlen kämpfen.
Zudem ist jede Geschichte für sich spannend aufgebaut: Was ist mit Layla passiert? Wird Evie sich ihrer Rache hingeben? Mit welcher Schuld muss Allyson leben?

Der Roman ist denkbar komplex aufgebaut, um die Lebenswege der handelnden Personen miteinander zu verbinden. Gebannt leidet man mit den Protagonisten mit, kann ihre Entscheidungen nicht vorhersehen und wartet gespannt auf die Auflösung. Dabei wechselt der Autor zwischen den Jahren und versetzt den Leser immer wieder an unterschiedliche Schauplätze zu verschiedenen Zeiten, schafft dies aber so schlüssig, dass man als Leser nicht überfordert oder verwirrt wird.

Ich war beeindruckt, als am Ende alle Fäden raffiniert zusammengezogen worden sind und das komplexe Beziehungsgeflecht und die Schicksalswege aufgeschlüsselt wurden. Schade, dass die Geschichte auf nur knapp 300 Seiten beschränkt war.
"Weil ich dich liebe" ist ein spannender Roman, um tragische Schicksale mit einem aufwändig konstruierten Handlungskomplex, den ich mehr als Thriller denn als Liebesroman empfunden habe.

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Veröffentlicht am 17.01.2020

Kriminalroman - statt spannend eher unfreiwillig fröhlich. Aufgrund des Lokalkolorits gut als unterhaltsame Urlaubslektüre geeignet

Mord im Olivenhain
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Als der Wunderheiler Damjan Martinović auf seinem Anwesen im Dorf Malnari bei Rijeka tot aufgefunden wird, nimmt Inspektorin der Mordkommission Sandra Horvat zusammen mit ihrem Team um Danijel Sedlar, ...

Als der Wunderheiler Damjan Martinović auf seinem Anwesen im Dorf Malnari bei Rijeka tot aufgefunden wird, nimmt Inspektorin der Mordkommission Sandra Horvat zusammen mit ihrem Team um Danijel Sedlar, Jakov Milić und Mihajlo Zelenika die Ermittlungen auf. Durch die Obduktion stellt sich heraus, dass es sich um Mord handelt und Verdächtige gibt es einige, da Damjan auf seinem Anwesen in einer Art Kommune mit mehreren Mitbewohnern zusammenlebte. Zudem hatte er nicht nur "Patienten", die an sein Handauflegen zur Heilung glaubten, sondern auch Kritiker, die ihn als Scharlatan bewerteten.

"Mord im Olivenhain" ist nach "Mord mit Meerblick" der zweite Band der "Kroatien-Krimis" um Inspektorin Sandra Horvat, den man aber problemlos ohne Vorkenntnisse des ersten Romans lesen kann.
Der Krimi handelt hauptsächlich von den zahlreichen Befragungen der Zeugen und potentiellen Tätern, die in der Regel im Team durchgeführt werden. Eine klare Rollenverteilung ist dabei nicht ersichtlich, auch wenn Sandra, aus deren Perspektive der Krimi geschrieben ist, die Hauptfigur ist. Vor allem die männlichen Ermittler Milić und Zelenika geben sich lässig und haben immer wieder einen flapsigen Spruch auf den Lippen, was ich bei Ermittlungen in einem Mordfall unpassend fand, während Sedlar nur durch gutes Aussehen besticht. Zudem lockeren Umgangston passt meines Erachtens nicht, dass die Kollegen sich untereinander siezen. Zudem fand ich es befremdlich, dass die Befragungen mehr oder minder ohne Protokoll und zumindest zu Beginn immer im Kollektiv durchgeführt worden sind. Interessanter als den Mörder zu entlarven, war für mich die Motivlage: handelt es sich aufgrund des großzügigen Erbes von Damjan um Gier oder eher um Rache aufgrund seiner umstrittenen Heilmethoden?

Die Aufklärung des Falls ist dann eher enttäuschend, die Ermittlungsarbeit zu unbeholfen. Ein sehr offenherziges Geständnis brachte den Fall für meinen Geschmack zu einem zu einfachen Abschluss.

"Mord im Olivenhain" ist ein Kriminalroman, der statt spannend eher unfreiwillig fröhlich wirkt, aber aufgrund des spürbaren Lokalkolorits als unterhaltsame, aber wenig anspruchsvolle Urlaubslektüre gut geeignet ist.

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Veröffentlicht am 15.01.2020

Spannender und aufwühlender Roman über den Umgang mit psychisch Kranken in den 50er-Jahren und ein Familiengeheimnis in der Gegenwart

Die Tochter des Arztes
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1956 fängt Schwesternschülerin Ellen Crosby neu im Klinikum Ambergate an, einer psychiatrischen Einrichtung in Manchester. Geschockt ist sie von den Langzeitpatienten, die schon ihr halbes Leben in der ...

1956 fängt Schwesternschülerin Ellen Crosby neu im Klinikum Ambergate an, einer psychiatrischen Einrichtung in Manchester. Geschockt ist sie von den Langzeitpatienten, die schon ihr halbes Leben in der Klinik verbracht haben und als nicht therapierbar gelten. Der Arbeitsalltag ist hart, aber motiviert und engagiert versucht sie trotz des Drucks der ihr vorgesetzten Schwestern empathisch mit den Patientinnen umzugehen. Sie hinterfragt die unmenschlichen Behandlungen wie die Elektrokonvulsionstherapie, vor allem in Bezug auf die fast gleichaltrige Amy Sullivan, eine Patientin, die den Tod ihrer Mutter nicht überwunden hat und von ihrem Vater aus Hilflosigkeit in die Klinik gebracht wurde.

2006 interessiert sich Sarah Charlton für das in den 1970er-Jahren geschlossene Klinikum Ambergate, wo ihr Vater als Arzt gearbeitet hat. Sie ist Historikerin und dabei ein Buch zu verfassen, um den ehemaligen Patienten eine Stimme zu geben, erhält dabei aber keine Unterstützung von ihrem Vater. Auf dem Dachboden des im Verfall begriffenen Gebäudes, in das sie heimlich eindringt, findet sie eine Vielzahl von Koffern ehemaliger Patienten.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen, die sich allerdings nicht kapitelweise abwechseln. Nach einem Prolog, der in der Vergangenheit spielt, beginnt der Roman mit einigen wenigen Kapiteln im Jahr 2006 und wechselt anschließend in die Jahre 1956 bis 1958, die über zwei Drittel des Romans ausmachen. Auf diese Weise kann man tief in den Alltag einer psychiatrischen Klinik in den 1950er-Jahren eintauchen und sich ein Bild vom Umgang der Pflegekräfte mit den Patienten machen und ist schockiert über die unorthodoxen bis äußerst fragwürdigen Heilmethoden, die oftmals nicht darauf ausgerichtet zu sein scheinen, die Patienten jemals wieder in die Freiheit zu entlassen. Erschütternd ist auch, wie manche Patientinnen resigniert haben und Ambergate als ihr letztes Zuhause betrachten.
Als sich die Ereignisse zuspitzen, erfolgt ein Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart in schnellerer Abfolge, was den Roman auch durch die Cliffhanger dazwischen dynamisch macht und die Spannung steigert.

Ellen Crosby, die sich mit dem sympatischen Pfleger Dougie anfreundet, der ihr gerade in der Anfangszeit mit Rat und Tat zur Seite steht, ist eine junge Krankenschwester, die im Gegensatz zu manch verbitterter berufserfahrener Krankenschwester ein Herz für die Patienten hat und diese vorurteilsfrei wie Menschen behandelt. Durch sie erlebt man den Klinikalltag, aber auch aus der Perspektive von Amy, die sich nicht krank fühlt und ihrer Meinung nach nicht nach Ambergate gehört. Auch wenn sie noch nicht so abgestumpft wie manch "verrückte" Patientin ist, ist sie doch nicht ohne Grund in die Klinik eingewiesen wurden. Ihr unkontrollierbarer Hass zeigt sich dann auch in der Klinik und das Drama um ihre Person nimmt seinen Lauf.

"Die Tochter des Arztes" ist ein spannender und aufwühlender Roman, der insbesondere die Vergangenheit in den Fokus rückt, die jedoch eng mit den Nachforschungen von Sarah 50 Jahre später verknüpft ist. Spannung wird vor allem durch den Dachbodenfund Sarahs und das Schweigen ihres Vaters in der Gegenwart erzeugt. Die Geheimnisse klären sich erst durch die Ereignisse in der Vergangenheit auf, die vor allem durch den ambivalenten Charakter von Amy für packende Momente sorgt. Die Geschichte ist authentisch und bildhaft beschrieben und überzeugt des Weiteren durch die glaubwürdigen und individuell gezeichneten Charaktere.

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Veröffentlicht am 13.01.2020

Spannende Grundidee, aber die klischeehaften Charaktere und ihre grotesken Handlungen lassen die Geschichte ins Absurde abdriften

Das Verhängnis
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Die Brüder Jeff und Will sowie Tom, ein guter Freund von Jeff, sitzen abends in ihrer Stammkneipe, in der Jeffs Freundin Kristin als Barkeeperin arbeitet. Die drei werden auf eine junge, fremde Frau aufmerksam, ...

Die Brüder Jeff und Will sowie Tom, ein guter Freund von Jeff, sitzen abends in ihrer Stammkneipe, in der Jeffs Freundin Kristin als Barkeeperin arbeitet. Die drei werden auf eine junge, fremde Frau aufmerksam, die allein in die Bar gekommen ist. Sie schließen eine Wette ab, wer die Nacht mit der schönen Unbekannten, die sich als Suzy vorstellt, verbringen wird. Am Ende entscheidet sie sich für den schüchternen Will, aber Tom, der verheiratet und Vater zweier kleiner Kinder ist, lässt nicht locker.
Was die drei anfangs nicht wissen, ist, dass Suzy mit einem gewalttätigen Mann verheiratet ist und letztlich ganz andere Pläne für ihre drei neuen Bekannten entwickelt.

"Das Verhängnis" ist kein klassischer Kriminalroman. Es ist ein Spannungsroman, bei dem die Spannung allerdings sehr langsam aufgebaut wird. In einer langen Einführungsphase lernt man die allesamt wenig sympathischen und überwiegend dümmlich wirkenden Charaktere kennen, deren Gedanken und Taten stark von Sex und Gewalt geprägt sind. Die Protagonisten haben in ihrer Vergangenheit Traumatisches erlebt, das sie nicht verarbeitet haben und was ihre extremen Verhaltensweisen erklärt.

Der Roman zieht sich in die Länge, da die geschilderten Ereignisse bis zur im Klappentext angekündigten Katastrophe durch die einfältigen Charaktere belanglos erscheinen. Letztlich passiert in der kurzen Zeitspanne, die der Roman abdeckt, nicht allzu viel und das was sich ereignet, wirkt aufgrund der Fülle an ausfallenden Protagonisten, an gewalttätigen Männern und gleichgültigen Frauen überzogen und unglaubwürdig. Darüber hinaus fordern die stupiden Dialoge und die ständigen (unnötigen) Perspektivwechsel die Geduld des Lesers heraus.

Die Grundidee des Romans ist interessant, aber die klischeehaften Charaktere und ihre grotesken Handlungen sorgen eher für fassungsloses Kopfschütteln, als für eine mitreißende Unterhaltung. Der Showdown am Ende ist blutig und passt zu der insgesamt dubiosen Geschichte. Die Auflösung ist überraschend, aber gleichzeitig wiederum abwegig, da sich die Hintergründe dafür nicht abgezeichnet haben.

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Veröffentlicht am 11.01.2020

Zwei parallele Erzählstränge: nüchtern geschildert, blasse Charaktere, wenig Spannung, aber furioses Finale

Das Gewicht des Wassers
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Die Fotografin Jean ist zusammen mit ihrem Ehemann Thomas, ihrer fünfjährigen Tochter Billie und ihrem Schwager Rich sowie dessen Freundin Adelaide auf einem Segelschiff vor den Isles of Shoals vor der ...

Die Fotografin Jean ist zusammen mit ihrem Ehemann Thomas, ihrer fünfjährigen Tochter Billie und ihrem Schwager Rich sowie dessen Freundin Adelaide auf einem Segelschiff vor den Isles of Shoals vor der Ostküste der USA unterwegs, um über einen historischen Mordfall zu recherchieren, der sich 1873 auf einer der Inseln ereignet hatte und nur unzufriedenstellend aufgeklärt wurde.

Auf dem Schiff ist die Atmosphäre angespannt. Jean beobachtet Thomas und Adelaide mit Argusaugen, fürchtet, ihr Mann könnte eine Affäre mit der jungen, anmutigen Frau haben. Die Katastrophe passiert erst am Tag ihrer Abreise, als ein Sturm aufzieht und die fünf der Natur schutzlos ausgeliefert sind.

Der Roman ist aus der Perspektive von Jean geschrieben, die sich fortlaufend mit Adelaide vergleicht, deshalb unsicher wirkt und sich kaum auf ihre Recherchearbeiten konzentrieren kann. In einer Bibliothek vor Ort hat sie Dokumente über die Gerichtsverhandlung gefunden sowie die Tagebuchaufzeichnungen aus dem Jahr 1899 von Maren Hontvedt, der einzigen überlebenden Zeugin des Mordfalls. Sie berichtet, wie sie 1868, jung und frisch verheiratet, von Norwegen in die USA immigrierte, wie sich ihr einsames Leben auf der Insel Smuttynose gestaltete, ihre Schwester und ihr Bruder nach dem Tod des Vaters nachfolgten und was sich in der Mordnacht ereignete, als ihre Schwester Karen und ihre Schwägerin Anethe brutal getötet wurden. Während die Auszüge aus der Gerichtsverhandlung übergangslos die Erzählung in der Gegenwart durchbrechen, sind die Abschnitte aus den Tagebüchern von Maren deutlich länger und durch eigene Kapitel von der Gegenwart gelöst.

Es ist schade, dass die beiden Handlungsstränge nicht miteinander verknüpft werden, so dass der Eindruck entsteht, zwei verschiedene Geschichten parallel zu lesen. Jean reflektiert oder kommentiert die Ereignisse von 1868 bis 1873, mit denen sie konfrontiert wird, in keinster Weise.
Augenscheinlich sind dennoch die Parallelen, denn beide Frauen befinden sich auf engstem Raum mit anderen Personen - Jean auf dem Segelschiff und Maren in dem kleinen Häuschen auf Smuttynose, in dem sie mit bis zu fünf weiteren Personen wohnte. Darüber hinaus sind sie von den Gezeiten und dem Wetter geplagt, Sturm, Regen und Kälte schutzlos ausgeliefert.

Das Beziehungsdrama in der Gegenwart auf dem Segelschiff weiß nicht so recht zu überzeugen. Die Charaktere bleiben blass, ihre Motive vage und Konflikte unausgesprochen. Vordergründig ist die Eifersucht und das Misstrauen Jeans, das ihre Gedanken beherrscht.

Die Enden beider Erzählstränge sind furios, werden aber zu nüchtern und übereilt geschildert, so dass die Spannung durchweg auf einem eher niedrigen Niveau bleibt und die Schicksale der Frauen nicht emotional packen können.

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