Cover-Bild Die Tochter des Arztes
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9,99
inkl. MwSt
  • Verlag: Blanvalet
  • Themenbereich: Belletristik - Sonstiges
  • Genre: Romane & Erzählungen / Erzählende Literatur
  • Seitenzahl: 448
  • Ersterscheinung: 16.12.2019
  • ISBN: 9783734107740
Kathryn Hughes

Die Tochter des Arztes

Roman
Leena Flegler (Übersetzer)

Eine rätselhafte Botschaft, eine unerfüllte Liebe und ein Geheimnis, das die Macht hat, alles zu verändern …

1956: Es ist Ellen Crosbys erster Tag als Krankenschwester in Ambergate, einem Sanatorium in Manchester. Dort trifft sie auf eine geheimnisvolle junge Frau, die gerade von ihrem Vater eingewiesen wird, obwohl sie allem Anschein nach kerngesund ist. Noch weiß Ellen nicht, dass sie bald eine Entscheidung treffen wird, die ihrer beider Leben für immer verändert …
2006: Ambergate, mittlerweile nur noch ein altes, verfallenes Gebäude, zieht die Mittdreißigerin Sarah magisch an. Ihr Vater, ein in die Jahre gekommener Arzt, hat dort einst viel Lebenszeit verbracht. Auf dem Dachboden findet sie einen alten Koffer mit einer rätselhaften Botschaft darin. Sarahs Nachforschungen enthüllen eine Geschichte voller Leidenschaft und ungesühntem Unrecht ...

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Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.09.2021

Spannend und Emotional

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Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt.
1956 aus der Sicht der Schwesternschülerin Ellen, die gerade ihre Ausbildung in der psychiatrischen Heilanstalt Ambergate beginnt. Ellen hat Schwierigkeiten ...

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt.
1956 aus der Sicht der Schwesternschülerin Ellen, die gerade ihre Ausbildung in der psychiatrischen Heilanstalt Ambergate beginnt. Ellen hat Schwierigkeiten sich damit abzufinden, dass es viele Langzeitpatienten in der Klinik gibt, die als nicht therapierbar gelten. Am selben Tag als Ellen ihre Arbeit beginnt wird eine junge traumatisierte Frau in ihrem Alter eingeliefert, die eigentlich sehr gesund wirkt. Ellen ist schockiert über die damaligen Behandlungsmethoden und hinterfragt sie.
2006 wird die Geschichte aus Sicht der Historikerin Sarah, die ein Buch über die in den 1970er Jahren geschlossene Klinik, in dem ihr Vater einst als Arzt arbeitete, schreiben möchte. Sarahs Vater unterstützt sie nicht bei ihren Recherchen. Im Gegenteil, er bittet sie mit Nachdruck dieses Buch nicht zu schreiben. Ihre Recherchen bringen ein ungeahntes Geheimnis ans Licht.

Die Geschichte wird authentisch und bildhaft dargestellt. Sie ist emotional und spannend. Der Schreibstil ist flüssig.
Die Autorin hat sich viel Mühe mir ihrer Recherche gegeben.

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Veröffentlicht am 28.01.2020

Spannend und voller Emotionen

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INHALT:
November 1956: Füe Ellen ist es ihr erster Tag in Ambergate. Sie tritt dort ihren Dienst als Schwesternschülerin in der renomierten Heilanstalt an. Schon bald trifft sie auf Amy, die von ihrem ...


INHALT:
November 1956: Füe Ellen ist es ihr erster Tag in Ambergate. Sie tritt dort ihren Dienst als Schwesternschülerin in der renomierten Heilanstalt an. Schon bald trifft sie auf Amy, die von ihrem Vater eingewiesen wird, obwohl sie völlig normal wirkt. Noch weiss Ellen nicht, was sie erleben wird und wie das alles ihrer beider Leben verändern wird.
2006 ist Ambergate eine verfallene Ruine und doch fühlt sich Sarah magisch angezogen. In Amberglate hat ihr Vater sehr viel Zeit verbracht, möchte aber nicht darüber reden. Sie stellt Nachforschungen an und entdeckt eine Geschichte voller Unrecht.
MEINE MEINUNG:
Da ich Geschichten, die auf zwei Zeitebenen spielen, liebe, hat mich dieses Buch sofort interessiert. Und ich wurde nicht enttäuscht. Schon nach wenige Seiten hatte mich die Storie gepackt und ich habe das Buch in kurzer Zeit regelrecht inhaliert. Der Schreibstil ist unheimlich fesselnd geschrieben und lässt sich sehr flüssig lesen. Für mich waren beide Zeitebenen gleichermassen spannend und fesselnd. Der Vergangenheitsstrang besticht mit einer Geschichte, die schon sprachlos macht. Die Charaktere waren sehr gut gewählt, sie waren facettenreich und ihre Schicksale gingen mir sehr zu Herzen. Dieses Ausgeliefertsein die Hilflosigkeit und das Gefühl, das einem das eigene Leben langsam aus den Händen gleitet wirkte sehr authentisch und erschreckte mich doch sehr. Im Gegenwartsstrang findet die Geschichte, die 1956 so grausam begann, dann ihren Höhepunkt. Meine Befürchtungen haben sich leider bewahrheitet und am Ende liefen bei mir nur noch Tränen. Ich war so gerührt und so voller Mitgefühl und so voller Emotionen. Hach, es war einfach ein so tolles Buch.
FAZIT:
Ich habe das Buch in kurzer Zeit inhaliert- das sagt schon alles. Lest es, es ist einfach schön, spannend, voller Emotionen.

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Veröffentlicht am 03.08.2020

Eine bewegende Geschichte über die Praktiken in einem Sanatorium

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Dieser Roman von Kathryn Hughes hat mich mehr als positiv überrascht. Cover und Titel vermitteln eine ganz andere Story, als ich sie lesen durfte.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, einmal im Jahr ...

Dieser Roman von Kathryn Hughes hat mich mehr als positiv überrascht. Cover und Titel vermitteln eine ganz andere Story, als ich sie lesen durfte.

Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen, einmal im Jahr 1959 und im Jahr 2006. Der Schauplatz ist das Sanatorium in Ambergate nahe Manchester in Großbritannien.

2006 ist das Sanatorium nur mehr eine Ruine. Sarah Charlton interessierte sich schon immer sehr für die Geschichte um Ambergate. Ihr Vater war vor Jahrzehnten dort als Arzt tätig, schweigt aber beharrlich über diese Zeit. Das erweckt Sarahs Neugier nur noch mehr. Sie verschafft sich regelmäßig Zugang zum Lost Place, der bald abgerissen werden soll. Eines Tages entdeckt sie tatsächlich auf einen der Dachböden mehrere Koffer. Einer davon erweckt ganz besonders ihr Interesse. Und so versucht Sarah mehr über die Person, der der Koffer gehörte, zu erfahren...

Der Vergangenheitsstrang nimmt einen Großteil des Romans ein. Zu dieser Zeit beginnt die junge und engagierte Ellen Crosby ihre Ausbildung als Krankenschwester in Ambergate. Sie ist entsetzt über die oft mittelalterlich anmutenden Behandlungsgmethoden an vielen Langzeitpatienen.

Am selben Tag, als sie ihre Arbeit beginnt, wird ein junges Mädchen, Amy Sullivan, von ihrem Vater im Santoriumn untergebracht, die völlig gesund erscheint. Sie leidet unter dem Tod der Mutter und ihr Vater weiß sich nicht anders zu helfen, als sie ins Sanatorium zu stecken. Viele der Insassinnen wurden, wie diese junge Frau, von ihrer Familie nach einem tragischen Vorfall einfach "abgeladen" und/oder für verrückt erklärt. Frauen, die als Hysterikerinnen oder wegen eines Fehltrittes in der Familie zu dieser Zeit als unzumutbar abgeschoben wurden - und das vor gerade mal sechzig Jahren!!

Mit Ellen verbringen wir den Klinikalltag und erfahren so mehr über die Insassen und ihre Schicksale. Als sich Ellen mit Dougie anfreundet, der als Pfleger in der Männerabteilung arbeitet, erhalten wir auch einen kleinen Einblick in die Schicksale der männlichen Insassen, die vorallem aus Kriegstraumatiserenden besteht.

Das schwere Los mancher Frauen ging mir sehr zu Herzen. Die oftmals fragwürdigen Heilungsmethoden und die rigorose Art der Pflegerinnen und Ärzte nimmt einem beim Lesen oft die Luft zum Atmen.

Als sich die Ereignisse im letzten Viertel immer mehr zuspitzen, wechselt die Autorin öfters die Zeiten, was die Spannung erhöht.

Charaktere:
Die Charaktere sind vielfältig und facettenreich dargestellt. Vorallem Amy bleibt undurchschaubar. Der Autorin gelingt es mit überraschenden Wendungen vorzüglich Amy einmal als Opfer und dann wieder als Täterin darzustellen. Als Leser rätselt man bis zum Schluss, ob die junge Frau gesund oder psychisch krank ist.

Ellen hat das Herz auf den rechten Fleck und hinterfragt die Methoden, die in Ambergate Gang und Gäbe sind. Sie sieht in den Patienten noch Menschen mit schweren Schicksalen und versucht ihnen zu helfen, während die langjährigen Pflegerinnen oftmals völlig abgestumpft sind.

Einzig Sarah blieb mir etwas zu blass, aber ihr Part ist auch wesentlich reduzierter im Vergleich zu Ellens. Ich konnte mich zwar gut in ihre Figur hineinversetzen, aber ich fand nicht wirklich eine Bindung zu ihr.

Fazit:
Ein bewegender und erschütternder Roman, der mich positiv überraschte. Ich konnte den Roman kaum aus der Hand legen und empfehle die Geschichte gerne weiter.

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Veröffentlicht am 30.04.2020

Die Tochter des Arztes

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Handlung:
Manchester 1956
In einem Sanatorium beginnt die junge Ellen Crosby ihre neue Arbeit. Für sie geht damit ein langer Wunsch in Erfüllung, die junge Frau wollte schon lange eine Ausbildung zur Krankenschwester ...

Handlung:
Manchester 1956
In einem Sanatorium beginnt die junge Ellen Crosby ihre neue Arbeit. Für sie geht damit ein langer Wunsch in Erfüllung, die junge Frau wollte schon lange eine Ausbildung zur Krankenschwester machen.
Ungefähr zur selben Zeit wird eine junge Frau von ihrem Vater eingewiesen, gegen ihren Willen. Sie behauptet stets fest, dass sie kerngesund ist und gar nicht in dem Sanatorium sein sollte. Doch nicht jeder glaubt ihr, manche verachten die junge Frau, manche bemitleiden sie und manche mögen sie...

Manchester 2006
Mittlerweile ist Ambergate ein verfallenes, verlassenes Haus, ohne den Grauen der vergangenen Tage. Sarah interessiert sich sehr für das Gebäude, ganz zum Missfallen ihres Vaters, ein Arzt im Ruhestand, der in Ambergate gearbeitet hat.
Trotzdem schleicht sich Sarah immer wieder heimlich dorthin und erkundet das Anwesen. Und findet schließlich auf einem Dachboden alte Koffer, von denen einer eine besondere Geschichte erzählt. Sarah geht dem Geheimnis auf den Grund und entdeckt eine Geschichte voller Unrecht, Grauen und Liebe...

Meinung:
Zum einen Teil gefällt mir das Cover gut, zum anderen Teil auch wieder nicht. Ich mag sowohl die Farben, als auch den Hintergrund mit der weiten Parkanlage und dem Gebäude. Hier stelle ich mir vor, dass es sich um Ambergate handeln könnte, irgendwie strahlt das Haus sowohl etwas herrlich altmodisches aus, gleichzeitig wirkt es kalt und bedrohlich. Eine gute Mischung!
Die Schriftfarbe mag ich auch, sie wirkt auffällig, gleichzeitig aber auch bedeckt und bringt noch eine andere Farbe hinein. Was mir leider nicht gefällt ist die Dame in Krankenschwesteruniform. Ich würde es besser finden, wenn sie sich nicht dem Betrachter zuwenden würde. Vielleicht würde ich mich eher mit ihr anfreunden, wenn sie nach vorn schaut und man ihr Gesicht nicht erkennt.
So bin ich etwas zwiegespalten und finde das Bild nicht richtig gelungen.

Schon als ich das Buch das erste Mal gesehen hatte, klang es für mich interessant, doch ich hatte nicht das dringende Bedürfnis, es unbedingt lesen zu müssen. Irgendwie bin ich immer wieder darüber gestolpert, sei es in Buchhandlungen oder bei Instagram, ich habe das Buch öfter gesehen und irgendwann ging es mir nicht mehr aus dem Kopf. Schließlich kam der Moment, indem ich es doch unbedingt lesen wollte, gerade weil ich keine richtig schlechte Meinung dazu gehört habe. Und ich war sehr glücklich, es vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen zu haben, wofür ich mich auch hier nochmal bedanken möchte!

Ich habe mit dem Lesen begonnen, als ich ziemlich unglücklich und traurig war und einfach nur nach einer Ablenkung gesucht habe. Und dafür war der Roman mehr als passend. Die Geschichte ließ sich unglaublich gut und flüssig lesen, sie war spannend und abwechslungsreich. Ich konnte mich ganz leicht darauf konzentrieren und mochte es, mich in die Geschichte fallen zu lassen und an nichts anderes mehr zu denken. Letztendlich hat dies dazu geführt, dass ich das Buch innerhalb von drei Tagen ausgelesen habe und am Ende enttäuscht war, dass es schon vorbei ist. Ich würde mich freuen, wenn weitere Werke der Autorin ins Deutsche übersetzt werden würden!

Von der ersten Seite an hat mir die Schreibweise richtig gut gefallen. Ich bin nur so durch die Handlung geflogen, oft war ich selbst überrascht, wie viele Seiten ich innerhalb von kurzer Zeit gelesen habe. Es gibt wunderbar lebendige Beschreibungen des Gebäudes, die ein Bild entstehen lassen, welches gleichzeitig interessant, aber auch abstoßend ist. Zudem wurde die Handlung auf eine lockere Art beschrieben, die Charaktere erschienen sehr lebendig und glaubwürdig, gerade Ellen hat mir durchweg richtig gut gefallen. Sie war mein Lieblingscharakter, ich fand es toll zu merken, dass sie eine wunderbare Krankenschwester ist und vieles hinterfragt
An der Schreibweise hat mir außerdem der realistische Charakter gefallen. Die Handlung wirkte nur selten wie ausgedacht und konstruiert, viele Geschehnisse waren natürlich und oft erschien es mir, als könnte die Geschichte genauso stattgefunden haben.

Die Erzählung findet auf zwei zeitlichen Ebenen statt. Zum einen gibt es mit Sarah einen Erzählstrang im Jahr 2006, das Sanatorium wurde geschlossen und es wird darüber kaum noch gesprochen. Das Gebäude verfällt und wird nicht mehr genutzt, Sarah bezweifelt, dass es noch lange stehen wird. Zudem wundert sich die junge Frau, weshalb ihr Vater nie über seine Vergangenheit in Ambergate spricht.
Zum anderen gibt es eine kleine Reise in die Vergangenheit. Im Jahr 1956 begleiten wir Ellen Crosby auf ihrem Weg in den neuen Job, bei neuen Herausforderungen und dem Alltag in dem Sanatorium. Hier gibt es meiner Meinung nach viel mehr Einblicke in das normale Leben der Charaktere, sie sind besser durchdacht und haben mehr Charme. Weiterhin war die Handlung für mich spannender, ich habe diese Abschnitte viel lieber gelesen, es ist mehr geschehen und ich konnte mir diese Kapitel viel besser vorstellen.
Mir hat dieser Erzählstrang in der Vergangenheit deutlich mehr gefallen, wie es meist der Fall ist. Oft kann ich mich damit besser anfreunden und finde die Handlung lebendiger.
Auf jeden Fall hatte die Geschichte in der Vergangenheit mehr Charme, mehr Handlung und mehr Spannung. Ich mochte die Charaktere mehr und insgesamt hatte er das gewisse Etwas. Ich fand ihn durchdachter, im Gegensatz zu ihm kommt die Handlung in der Gegenwart etwas fad daher. Es passiert nicht sehr viel, lediglich bei der großen Auflösung kommt mal etwas Spannung herein.

Als Setting dient vor allem Ambergate, alle anderen Örtlichkeiten haben eindeutig eine untergeordnete Rolle und tauchen nur sehr vereinzelt auf. Deshalb werde ich im Folgenden nur auf das Sanatorium eingehen.
Wir lernen das Haus zu zwei unterschiedlichen Zeiten kennen. In der Gegenwart ist es verlassen und erscheint absolut abstoßend und gruslig. So stelle ich mir ein Haus vor, welches verwunschen ist oder von dem Gruselgeschichten erzählt werden.
In der Vergangenheit jedoch mochte ich das Gebäude ganz gerne. Es klingt makaber anhand des Wissens, was in dem Haus alles passiert ist und welche Schicksale sich dort abgespielt haben. Klar wirkte es oft gruslig und kalt, aber immer wieder tauchten Szenen auf, in denen eine ungewohnte Wärme spürbar ist, die die Räume in einem anderen Licht erscheinen lässt. So entsteht eine Mischung, die man wahrscheinlich nur als äußerer Betrachter wahrnimmt. Besucher sehen vielleicht nur den einladenderen Aspekt, zudem werden sie nicht unbedingt in die Schlafsäle Einlass bekommen haben. Die Krankenschwestern, aber auch die Patienten werden genau den anderen Charakter des Hauses wahrgenommen haben.
Ich fand es interessant, dass man auch als Leser diese beiden Gesichter des Gebäudes wahrnehmen konnte. So kenne ich das gar nicht, meist nimmt man entweder nur die einladende oder die kalte Seite eines Hauses war. Davon war ich wirklich positiv überrascht und ich mochte diesen Aspekt sehr.

Stets war die Geschichte mit viel Spannung verbunden, natürlich habe ich immer auf das große Geheimnis und die Auflösung dessen gewartet. Und muss leider sagen, dass ich mit mehr Drama gerechnet hätte. Irgendwie war mir das Rätsel am Ende nicht groß genug, ich hatte in diesem Bezug mehr erwartet. Immerhin wird darauf hingearbeitet, es wird oft von geheimnisvollen Vorgängen gesprochen und Sarahs Vater will nicht über die Vergangenheit in Ambergate sprechen. Das ließ mich darauf schließen, dass einiges im Argen liegt und etwas ganz großes passieren wird, welches mir den Atem raubt und einfach krass ist. Leider war dem nicht ganz so, das Geheimnis war durchaus überraschend und besonders, doch nicht so riesig wie gedacht.

Es gibt ganz viele wunderbar durchdachte Charaktere, die ganz viel Charme haben. Für mich gibt es diese vor allem in der Vergangenheit, diese habe ich mir lebendig vorstellen können, sie sind abwechslungsreich und zeigen viele Facetten. Selbst einige Figuren, die anfangs etwas schwieriger erscheinen, haben doch das Herz am rechten Fleck und lassen mal eine andere Seite sichtbar werde. So wirken auch die strengsten Krankenschwestern plötzlich weicher und sanfter, sie zeigen, was der Alltag in dem Sanatorium mit ihnen gemacht hat.
Leider fand ich es etwas schade, dass man bei vielen Patienten und Mitarbeitern des Sanatoriums nicht erfahren hat, was mir ihnen geschehen ist. Ob und wie lange sie noch dort bleiben mussten, haben einige vielleicht geheiratet oder Kinder bekommen? Einige Informationen dazu hätten mir gut gefallen. Außerdem wäre es auch möglich gewesen, dies in die Gegenwart einzuflechten, vielleicht hätte Sarah in Ambergate noch irgendwelche Aufzeichnungen finden können, wo es Details über andere Personen gibt, die im Roman auftauchen und Patienten des Sanatoriums waren. Das hätte für mich das Ende nochmal runder gemacht, denn einige davon gingen mir mit ihrer Art schon ans Herz.
In dem Erzählstrang in der Gegenwart bin ich von den Protagonisten nicht ganz so begeistert. Sie sind nicht sehr authentisch, wirken etwas steif und emotionslos. Hier konnte mich niemand so recht überzeugen, einem jeden hat das gewisse Etwas gefehlt, was sie einzigartig macht. Es gibt immer wieder Ansätze, die die Figuren mögenswert machen, doch sie sind nicht ganz ausgereift und facettenreich, ihre Schicksale gehen nicht so sehr zu Herzen.

Fazit:
Ich bin richtig froh, das Buch gelesen zu haben. Es hat mich überzeugt, wartet mit einer spannenden und abwechslungsreichen Geschichte auf und besticht durch viele verschiedene Aspekte. Sei es die Schreibweise, das Setting oder ein großer Teil der Charaktere. Sie konnten überzeugen und haben das Buch zu etwas besonderem gemacht, was wirklich lesenswert ist.
Ich habe lange überlegt, ob ich dem Buch eine Bewertung mit 4 oder 4,5 Sternen gebe. Ich war mir unschlüssig und habe immer wieder über meine Meinung gelesen. Manche Aspekte mögen negativ wirken, sind aber gar nicht so gedacht, sondern schneiden aufgrund der geteilten Erzählsituation etwas negativer ab, was nicht gleichbedeutend mit schlecht ist.
Insgesamt hat der Roman nämlich einen sehr positiven Eindruck bei mit hinterlassen und konnte mich auf verschiedenen Ebenen überzeugen, weshalb ich gute 4,5 Stern vergebe. Ich bin sehr froh, dem Buch eine Chance gegeben zu haben und es auch so oft gesehen zu haben, sodass es mir irgendwann nicht mehr aus dem Kopf ging. Ich kann nur eine Lesempfehlung aussprechen!

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Veröffentlicht am 15.01.2020

Spannender und aufwühlender Roman über den Umgang mit psychisch Kranken in den 50er-Jahren und ein Familiengeheimnis in der Gegenwart

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1956 fängt Schwesternschülerin Ellen Crosby neu im Klinikum Ambergate an, einer psychiatrischen Einrichtung in Manchester. Geschockt ist sie von den Langzeitpatienten, die schon ihr halbes Leben in der ...

1956 fängt Schwesternschülerin Ellen Crosby neu im Klinikum Ambergate an, einer psychiatrischen Einrichtung in Manchester. Geschockt ist sie von den Langzeitpatienten, die schon ihr halbes Leben in der Klinik verbracht haben und als nicht therapierbar gelten. Der Arbeitsalltag ist hart, aber motiviert und engagiert versucht sie trotz des Drucks der ihr vorgesetzten Schwestern empathisch mit den Patientinnen umzugehen. Sie hinterfragt die unmenschlichen Behandlungen wie die Elektrokonvulsionstherapie, vor allem in Bezug auf die fast gleichaltrige Amy Sullivan, eine Patientin, die den Tod ihrer Mutter nicht überwunden hat und von ihrem Vater aus Hilflosigkeit in die Klinik gebracht wurde.

2006 interessiert sich Sarah Charlton für das in den 1970er-Jahren geschlossene Klinikum Ambergate, wo ihr Vater als Arzt gearbeitet hat. Sie ist Historikerin und dabei ein Buch zu verfassen, um den ehemaligen Patienten eine Stimme zu geben, erhält dabei aber keine Unterstützung von ihrem Vater. Auf dem Dachboden des im Verfall begriffenen Gebäudes, in das sie heimlich eindringt, findet sie eine Vielzahl von Koffern ehemaliger Patienten.

Der Roman handelt auf zwei Zeitebenen, die sich allerdings nicht kapitelweise abwechseln. Nach einem Prolog, der in der Vergangenheit spielt, beginnt der Roman mit einigen wenigen Kapiteln im Jahr 2006 und wechselt anschließend in die Jahre 1956 bis 1958, die über zwei Drittel des Romans ausmachen. Auf diese Weise kann man tief in den Alltag einer psychiatrischen Klinik in den 1950er-Jahren eintauchen und sich ein Bild vom Umgang der Pflegekräfte mit den Patienten machen und ist schockiert über die unorthodoxen bis äußerst fragwürdigen Heilmethoden, die oftmals nicht darauf ausgerichtet zu sein scheinen, die Patienten jemals wieder in die Freiheit zu entlassen. Erschütternd ist auch, wie manche Patientinnen resigniert haben und Ambergate als ihr letztes Zuhause betrachten.
Als sich die Ereignisse zuspitzen, erfolgt ein Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart in schnellerer Abfolge, was den Roman auch durch die Cliffhanger dazwischen dynamisch macht und die Spannung steigert.

Ellen Crosby, die sich mit dem sympatischen Pfleger Dougie anfreundet, der ihr gerade in der Anfangszeit mit Rat und Tat zur Seite steht, ist eine junge Krankenschwester, die im Gegensatz zu manch verbitterter berufserfahrener Krankenschwester ein Herz für die Patienten hat und diese vorurteilsfrei wie Menschen behandelt. Durch sie erlebt man den Klinikalltag, aber auch aus der Perspektive von Amy, die sich nicht krank fühlt und ihrer Meinung nach nicht nach Ambergate gehört. Auch wenn sie noch nicht so abgestumpft wie manch "verrückte" Patientin ist, ist sie doch nicht ohne Grund in die Klinik eingewiesen wurden. Ihr unkontrollierbarer Hass zeigt sich dann auch in der Klinik und das Drama um ihre Person nimmt seinen Lauf.

"Die Tochter des Arztes" ist ein spannender und aufwühlender Roman, der insbesondere die Vergangenheit in den Fokus rückt, die jedoch eng mit den Nachforschungen von Sarah 50 Jahre später verknüpft ist. Spannung wird vor allem durch den Dachbodenfund Sarahs und das Schweigen ihres Vaters in der Gegenwart erzeugt. Die Geheimnisse klären sich erst durch die Ereignisse in der Vergangenheit auf, die vor allem durch den ambivalenten Charakter von Amy für packende Momente sorgt. Die Geschichte ist authentisch und bildhaft beschrieben und überzeugt des Weiteren durch die glaubwürdigen und individuell gezeichneten Charaktere.

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