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Veröffentlicht am 19.08.2019

Mit dem Wind

Mit dem Wind
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Handlung:
Frankfurt 1879
Mathilde ist ein äußerst abenteuerlustiges Mädchen und geht keinem Erlebnis aus dem Weg. Als Mathilde mit ihrer Mutter auf Kur ist, sieht sie das erste Mal einen Heißluftballon ...

Handlung:
Frankfurt 1879
Mathilde ist ein äußerst abenteuerlustiges Mädchen und geht keinem Erlebnis aus dem Weg. Als Mathilde mit ihrer Mutter auf Kur ist, sieht sie das erste Mal einen Heißluftballon und lernt den Heißluftballonfahrer Paul Naumann kennen. Mathilde ist von dessen Aufführung mehr als begeistert und hegt sofort den Wunsch ebenso schwerelos über die Erde zu fliegen und die Welt von oben betrachten zu können.
Nachdem sie Paul erst jahrelang assistiert hat, ermöglicht dieser Mathilde irgendwann, selbst einmal zu fliegen. Zusammen mit Paul erlebt Mathilde einige Abenteuer, sie werden nicht nur beruflich, sondern auch privat ein Paar. Bald wird das Glück mit einem Kind gekrönt und das Leben von Mathilde ist perfekt. Bis ein tragischer Unfall geschieht, nachdem alles anders sein wird, als zuvor...

Meinung:
Das Cover hat mir auf Anhieb gefallen. Es wirkt leicht und locker, gibt Hoffnung und zeigt den Wunsch und die Leidenschaft von Mathilde. Es werden Details aus dem Roman eingebracht, sei es die junge Dame, die durchaus Mathilde darstellen könnte oder die Heißluftballons, die ein großes Thema im Buch sind. Im unteren Teil befindet sich ein Fluss, der ein Handlungsort ist und einen besonderen Ort für Mathilde darstellt. Das Gesamtbild ist rund und stimmig, gefällt mir gut und passt perfekt zu dem Roman.

Als ich das erste Mal die Inhaltsangabe durchgelesen habe, war ich an der Handlung interessiert. Ich muss ehrlich sagen, dass ich mich mit dem Ballon fahren nie groß befasst habe und kaum etwas dazu weiß. Und erst recht nicht zu der damaligen Zeit, wo das alles noch recht neu und unbekannt war.
Dazu fand ich Mathilde direkt interessant. Sie wird besonders und anders beschrieben, modern, fortschrittlich und nicht nur auf ihr Aussehen und Auftreten bedacht. Das hat mir an ihrem Charakter sofort gefallen und ihr Wunsch nach Eigenständigkeit, sowie ihr Traum, eines Tages selbst über die Erde zu schweben war mir sympathisch. Es wurde deutlich, dass sie darum kämpfen will und somit deutete alles auf eine starke Protagonisten hin, auf die ich sehr gespannt war.

Von der ersten Seite bis zum Ende hat mir die Schreibweise unglaublich gut gefallen. Sie war leicht zu lesen, locker und einfach gehalten, weshalb ich sehr schnell in der Handlung weitergekommen bin. Hier kann ich wirklich sagen, dass die Kapitel nur so an mir vorbeigeflogen sind und ich viel zu schnell am Ende angelangt war.
Ich war erstaunt, was für ein schnelles und etwas vorlautes Mundwerk schon die jugendliche Mathilde hat und das dies auch so angehalten hat. Mathilde ist nie um eine Aussage verlegen und redet so, wie sie denkt. Dadurch wirkt sie menschlich und lebendig, hat mir in ihrem Auftreten gut gefallen.

Ab und an hätte ich es gut gefunden, wenn ein paar mehr historische Details eingebunden worden wären, das kam nur äußerst selten vor. So hat sich die Autorin wirklich besonders auf Mathilde, ihre Familie und das Ballonfahren konzentriert, was aber auch vollkommen in Ordnung ist. Eigentlich war es sogar gut, dass das Hauptaugenmerk darauf gerichtet war, so sind wunderbar sympathische und liebenswerte Charaktere entstanden.

Die Handlung spielt auf zwei Zeitebenen. Einmal beginnt die Handlung 1879 mit der jugendlichen Mathilde und man folgt ihrem Leben viele Jahre. Die zweite Zeitebene spielt im Jahr 1929 und darin beschreibt Mathildes Tochter Rosa kurz ihr Leben und vor allem Details aus dem Leben ihrer Mutter. Dies erzählt sie zwei verschiedenen Personen und darauf folgend gibt es immer einige Kapitel, in denen das Leben von Mathilde erzählt wird.
Das kam für mich äußerst überraschend, ich hatte eigentlich erwartet, dass durchweg das Leben von Mathilde geschildert wird. An sich finde ich die Idee, zwei zeitliche Ebenen einzubauen okay, konnte mich aber nur schwer mit Rosa anfreunden. Sie ist sehr schüchtern und zurückhaltend, ein kompletter Gegensatz zu ihrer starken, aufgeweckten und sympathischen Mutter. Ich fand die Kapitel aus der Vergangenheit stets interessanter, die Handlung wird einfach bunter und belebter beschrieben und wirkt nicht so steif.

Allgemein wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler beschrieben, der viele Details aus dem Leben der Protagonisten geben kann und oft auch in die Gedanken der Personen schaut. Hierbei begleitet man als Leser fast nur Mathilde und ihre Erlebnisse, nur selten wechselt der Erzähler auf Fritz und beschreibt auf einigen Seiten seine Gedanken und Handlungen.

Die Handlung wurde interessant beschrieben, es entstanden absolut keine Längen und ich habe das Buch gern gelesen. Leider muss ich sagen, dass mir die Handlung ab und zu etwas zu vorhersehbar war. Im Grunde waren einige Ereignisse oder Begebenheiten nicht überraschend für mich. Schon eher hatte ich das genau so gedacht und wurde bald darauf in meiner Vermutung bestätigt. Das fand ich etwas schade, weil es so wirklich keine Punkte gibt, die mich überrascht haben. Dadurch gab es natürlich auch keine hohe Spannungskurve.
Längen konnten erst gar nicht entstehen, da viele Zeitsprünge eingebaut wurden, die nur wenige Jahre umfassten und stets dann einsetzten, wenn etwas besonderes in Mathildes Leben passiert. Mir hat das Sprunghafte richtig gut gefallen, so wird wirklich nur das Wichtigste beschrieben und gleichzeitig passt das auch zu Mathilde. Sie bleibt nicht lange auf einem Punkt, will sich weiterentwickeln und lernen.

Lange Zeit war ich unentschlossen, welche Bewertung ich dem Buch geben werde. Ich fand die Handlung gut, aber nicht umwerfend und habe mir irgendwann gedacht, dass ich einfach mal das Ende abwarten werde. Und genau das war die richtige Entscheidung. Mir haben die letzten Seiten wirklich gut gefallen, ich war emotional berührt und gleichzeitig begeistert. Obwohl es auch nicht sonderlich überraschend war, hat es mich mitgenommen, wirkte natürlich und einfach passend.

Als Setting dient vor allem Frankfurt, dazu gibt es wenige Szenen in Wiesbaden, die einen wichtigen Schritt in ein neues Leben für Mathilde bedeuten. Es gibt nur wenige Orte in Mathildes Heimatstadt Frankfurt, wo Szenen spielen. Meist finden diese in der Wohnung der Familie Krämer, der Werkstatt von Paul Naumann oder dem Fluss statt, wo sie sich häufig mit Fritz trifft. Es gibt recht wenige Beschreibungen der Orte, man kann sie sich nur grob vorstellen oder sich einiges dazudenken. Deshalb fand ich es bewundernswert, dass die Wohnung der Krämers so lebendig, gemütlich und einladend wirkte. Man erfährt darüber nur ganz wenig und trotzdem strahlt sie ein heimeliges Gefühl aus.

Wie vielleicht schon aus meinen Worten herauszulesen war hat mir der Charakter von Mathilde richtig gut gefallen. Sie war eine starke Person, die für ihre Wünsche gekämpft hat, auch mal den Mund aufgemacht hat, wenn ihr etwas nicht gepasst hat und sehr natürlich in ihrem Auftreten war. Ihr ganzer Charakter war stimmig, sie war sympathisch und ich habe Mathilde gern auf ihrem Lebensweg begleitet.
Auch die anderen Protagonisten waren richtig gut ausgearbeitet, hatten besondere Charakterzüge und sind sich selbst treu geblieben. Haben ihre Meinung und Aussagen mit allem verteidigt und haben vor allem Mathilde unterstützt, ihr zugeredet und versucht, sie zu verstehen.
Lediglich Paul Naumann fand ich kompliziert. Er ist aus der Masse herausgestochen, weil er anders war und man ihn nicht einschätzen konnte. War er wirklich ein so sympathischer Mensch oder ist das nur eine Maske? Ich fand ihn auch in seiner Beschreibung nicht ganz so ausgereift und anschaulich. Ihm fehlt das besondere Etwas, dass ihm mir sympathisch gemacht hätte. So habe ich seine Handlungen und Aussagen hinterfragt und kritisch betrachtet.

Fazit:
Bis auf meinen Kritikpunkt, dass ich die Handlung etwas vorhersehbar fand, war ich wirklich angetan von dem Buch. Die Schreibweise war einfach wundervoll und ich habe es geliebt, wie schnell sich das Buch lesen ließ. Mathilde war ein sympathischer, aufgeweckter Hauptcharakter, der immer wieder Schwung in die Handlung gebracht hat und einfach toll war. Dazu hat mir die Ausarbeitung der anderen Charaktere gut gefallen und die Details über Heißluftballons waren interessant und es war dem Leser möglich, ein Stück dieser Geschichte mitzuerleben.

Veröffentlicht am 16.08.2019

Die Ärztin - Die Wege der Liebe

Die Ärztin: Die Wege der Liebe
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Handlung:
Berlin 1915
Der Krieg dauert noch immer an, auch wenn verkündet wurde, dass dieser am Ende des vorigen Jahres beendet sein sollte. Die Zivilbevölkerung wird immer mehr von den Kriegsgeschehnissen ...

Handlung:
Berlin 1915
Der Krieg dauert noch immer an, auch wenn verkündet wurde, dass dieser am Ende des vorigen Jahres beendet sein sollte. Die Zivilbevölkerung wird immer mehr von den Kriegsgeschehnissen gezeichnet. Nahrung fehlt, Frauen übernehmen die Berufe ihrer Männer und die Stimmung in der Stadt wird immer angespannter.
Auch für Ricarda bedeutet der Krieg einen Neubeginn. Sie schließt ihre Privatpraxis und nimmt eine Stellung an der Charité an, wo sie nicht nur zahlreichen Kindern auf die Welt hilft, sondern auch Frauen hilft, die bei ihrer Arbeit in den Munitionsfabriken verletzt wurden. Während sie beruflich ausgelastet ist, denkt sie in ihren freien Momenten nur an ihre Kinder. Der Sohn Georg wird an der Front vermisst, mit der Tochter Henni ist sie im Streit auseinandergegangen, bevor diese mit ihrem Mann nach Amerika gezogen ist. Und auch die jüngste Tochter macht Ricarda einige Gedanken. Sie testet ihre Grenzen aus und wird immer erwachsener und selbstständiger.
Ricarda gibt nie die Hoffnung auf, dass der Krieg hoffentlich bald enden wird und sie ihre Kinder unbeschädigt in die Arme nehmen kann. Doch nicht immer meint es das Schicksal gut mit ihr...

Meinung:
Von der Gestaltung gibt es starke Gemeinsamkeiten zu den bisher erschienenen Teilen. So ist auch diesmal die Schrift mittig, welche einen Farbverlauf besitzt und die Hauptfarbe des Covers, ein angenehmes, nicht zu grelles Orange, aufgreift. Darüber befindet sich eine junge Dame, der damaligen Mode entsprechend gekleidet, die etwas starr an dem Leser vorbeiblickt. Hier kann man auch hineininterpretieren, dass sie ein Ziel vor Augen hat und dieses unbedingt verfolgen will.
Unterhalb des Titels gibt es eine kleine Stadtszene, in denen auch der technische Fortschritt sichtbar ist. So gibt es sowohl Kutschen, als auch Automobile, Busse und Fahrräder. Insgesamt gefällt mir das gesamte Bild richtig gut. Es wirkt fröhlich, fällt durch die Farben ins Auge und ergibt ein rundes Gesamtbild.

Wie schon in den anderen Teilen gibt es auch hier wieder auf der Umschlaginnenseite eine kleine Karte von Berlin aus dem Jahre 1919. Dort wurden wichtige Orte, wie Wohnhäuser, die Charité oder bauliche Besonderheiten hervorgehoben und man kann die Wege der Protagonisten nachverfolgen. Mir hat das weitergeholfen, ich kenne mich in Berlin nicht sonderlich aus und ich fand es hilfreich, mir die Entfernungen anschauen zu können.

Weiterhin gibt es vor dem Beginn der Handlung eine kleine, feine Auflistung der Protagonisten. Nur die allerwichtigsten wurden aufgelistet, fast alle sind alte Bekannte aus den anderen Büchern. Es treten zwar einige mehr in der Handlung auf, aber insgesamt finde ich die Anzahl doch überschaubar und nicht zu umfassend. Mir gefällt es, dass ein jeder dort erwähnte Charakter auch ein Geburtsjahr bekommen hat. Das ist nur ein kleines Detail, für manche vielleicht nicht wichtig, aber so wurde ein jeder für mich gleich lebendig.

Nachdem der zweite Teil mit einem krassen Cliffhanger geendet hat, habe ich mir schon einige Gedanken zu dem Weitergang der Geschichte gemacht. Ein ganzes Stück weit habe ich auch den finalen Teil der Trilogie gewartet, um endlich von der Spannung erlöst zu werden. Dementsprechend war ich unglaublich glücklich, dass mir das Buch freundlicherweise vom Verlag zugeschickt wurde und ich schon vor dem offiziellen Erscheinungstermin lesen konnte, wie die Geschichte von Ricarda Thomasius weitergeht.

Ich glaube, so zwei-drei Seiten wurden aus dem zweiten Teil noch einmal aufgegriffen, in denen das Ende mit dem Cliffhanger nochmal geschildert wird. So wird man nicht zu abrupt in die Handlung hineingeworfen, sondern kann sich nochmal vor Augen rufen, was alles passiert ist und für den Moment wichtig ist.
Es gibt einen nahtlosen Übergang von dieser Szene zu den neuen Ereignissen, man kommt nicht ins Stocken, sondern kann bequem weiterlesen. Was ich auch direkt gemacht habe. Auch hier ist mir sofort wieder positiv aufgefallen, dass es am Anfang der neuen Kapitel immer eine Monats- und Jahresangabe gibt, die bei den zeitlichen Sprüngen eine große Hilfe sind. Diese finden ab und an statt, die Handlung beginnt 1914 und endet 1920. In den Jahren finden nicht nur auf der privaten Ebene der Familie Thomasius einige Ereignisse statt, sondern auch die Situation in der Welt ändert sich. Der Erste Weltkrieg beginnt und endet, am Ende gibt es kein Kaiserreich mehr. Daher war es wichtig und gut, dass stets eine Zeitangabe vorhanden war.
Außerdem hat es mir gut gefallen, dass die Abschnitte nicht zu lang gehalten wurden, höchstens vier-fünf Seiten. Dadurch kann man schnell mal nebenbei ein paar Seiten lesen und ich habe auch immer das Gefühl, dadurch schneller in der Handlung voranzukommen.
Mir hat es gut gefallen, dass die Kapitel nicht nur einen Handlungsstrang verfolgt haben, sondern die Beschreibungen zwischen mehreren gewechselt haben. So gab es eine bunte Mischung von Ricardas, Antonias und Hennis Erlebnissen, die vollkommen unterschiedlich waren und an verschiedenen Orten gespielt haben.

Lange wird die Spannung aufgebaut und auf einem guten Niveau gehalten. Dabei gibt es immer wieder ruhigere Abschnitte, in denen das tägliche Leben der Protagonisten dargestellt wird. Leider war für mich ab ungefähr der Hälfte der Handlung etwas die Luft raus. Ich habe immer noch mit Freude und Interesse gelesen, habe mich aber oft gefragt, was noch alles passieren wird und darauf gehofft, dass nicht noch unnötige Dramen eingebunden werden. Was leider am Ende etwas passiert ist. Die Geschichte ist zwar vollkommen glaubwürdig, mir aber zu viel. Mit den letzten ungefähr 30 Seiten war ich nicht ganz glücklich, deas letzte Kapitel fand ich wieder gut und bin mit dem Ende zufrieden.

Zu dem schnellen Lesen hat aber auch die äußerst angenehme und gute Schreibweise beigetragen. Sie erinnerte mich sofort an die anderen beiden Bände, ich erinnere mich, dass ich sie auch in meinen Rezensionen positiv herausgehoben habe. Ärztliche Sachverhalte wurden auch für Laien verständlich erklärt und sind nicht mehr so viel vorgekommen, wie in den anderen beiden Büchern. Hier hatte ich mehr das Gefühl, dass sich die Autoren auf die politische und private Situation der Protagonisten fokusiert haben.

Auch hier finden viele Handlungen an schon bekannten Orten statt. Haupthandlungsort ist auch hier wieder Berlin, dazu kommt Freystetten und Amerika mit New York und Los Angeles. Besonders idyllisch wurde das Gut Freystetten dargestellt, es wirkt gemütlich und wurde von den Kriegsgeschehen nicht so stark getroffen. Auf dem Gut scheint ein wenig die Zeit stehen geblieben zu sein und bildet somit einen ruhigen Ausgleich zum hektischen Berlin, wo an jeder Ecke Armut herrscht und das Leben allgemein nicht so friedlich ist.
Etwas geschwächelt hat die Beschreibung von Amerika. Ich konnte mir die Orte zwar grob vorstellen, es wirkte aber nicht einladend, sondern trüb und zu gut um wahr zu sein. Gleichzeitig fand ich aber, dass das Leben dort interessant dargestellt wurde. Viele Charaktere sind scheinbar ohne Sorgen durchs Leben gegangen. Außerdem wurde das schöne Leben mit Partys, Glamour und schönen Menschen gut dargestellt. Ein kompletter Gegensatz zu dem Leben in Deutschland, wo Krieg herrscht, die Nahrung knapp ist und alle um ihre Lieben bangen.

Wie immer widmet sich der letzte Punkt meiner Rezension den Protagonisten. Wie schon erwähnt, treten wieder viele altbekannte Gesichter auf und nur wenige Personen kommen hinzu. Viele von ihnen fand ich positiv und lebendig dargestellt. Sie waren recht sympathisch und freundliche Wesen.
Diesmal hatte ich leider ein paar Probleme mit Ricarda. Sie hatte immer noch einige Züge an sich, die sie schon in den vorherigen Büchern auszeichnen. Doch sie, und auch ihr Mann Siegfried, altern schnell und oft habe ich ein Bild vor ihnen, dass sie um die zwanzig Jahre älter macht und als Greise darstellt. Klar, die Beiden haben viel erlebt und auch der Krieg hinterlässt bei einem Menschen Spuren. Bei ihnen ist es mir stark aufgefallen. Dazu fand ich Ricarda hier nicht ganz so sympathisch. Die neuen Sympathieträger sind eher die Töchter Ricardas, welche auch stark in den Vordergrund gerückt sind. Sie nehmen nicht mehr nur eine Nebenrolle ein, sondern sind stark präsent. Ich fand es gut, dass die Handlung mehr auf andere Charaktere übertragen wurde. So gibt es nicht nur abwechslungsreiche Schilderungen, sondern ich fand es vor allem bei Antonia interessant, wie sie mit der politischen Situation umgeht und oft habe ich in ihr ein Abbild der jungen Ricarda gesehen. Auch Antonia kämpft für ihre Wünsche und hat großes im Leben vor.

Fazit:
Es gibt wirklich nur kleine Dinge, die mir an dem Buch nicht so gefallen haben und für die ich gesamt einen halben Stern abziehe. Dazu zählt die nicht perfekte Darstellung von Ricarda, aber auch die nicht dauerhaft anhaltende Spannung, die mittendrin etwas nachließ.
Ein Highlight war auch hier wieder die Schreibweise, die offen, leicht und atmosphärisch war. Die Kriegserlebnisse und Folgen wurden anschaulich an den Einwohnern der Stadt gezeigt und ließ ein schonungsloses Bild entstehen. Es gibt gelungene Settings, die sich alle voneinander unterscheiden und Gegenpole bilden.
Auf jeden Fall bildet der dritte Teil dieser Reihe ein würdiges Ende, es bleiben keine offenen Fragen zurück und ich konnte das Buch mit einem Lächeln schließen. So gehört sich das:)

Veröffentlicht am 12.08.2019

Als wir im Regen tanzten

Als wir im Regen tanzten
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Handlung:
Berlin 1928
Die Filmindustrie blüht und noch immer sind die Stummfilmschauspielerin Recha und ihr Mann, der Regisseur Willi, tonangebend in der Branche. Doch so langsam ändert sich das, Recha ...

Handlung:
Berlin 1928
Die Filmindustrie blüht und noch immer sind die Stummfilmschauspielerin Recha und ihr Mann, der Regisseur Willi, tonangebend in der Branche. Doch so langsam ändert sich das, Recha ist Jüdin, erhält immer weniger Angebote. Willi bemerkt davon gar nichts, er will einen Film herausbringen, der an seine früheren Erfolge anknüpft. Das Paar entfremdet sich und leben aneinander vorbei. Werden die Beiden eine Zukunft haben?

Meinung:
Obwohl das Cover mit zurückhaltenden Farben ausgestattet wurde, ist es interessant und gibt stark eine Stimmung wieder, die in Deutschland zu der damaligen Zeit geherrscht haben muss. Von der Autorin habe ich noch kein Buch gelesen, habe sie aber alle schon in Buchhandlungen oder im Internet gesehen. Mir gefällt es, dass die Bücher einen Wiedererkennungswert haben, anhand einer Dame, die vom Betrachter abgewandt ist und ein Bauwerk betrachtet. Diese ist edel und vornehm gekleidet, scheint unsicher zu sein.
Zu der leicht düsteren Stimmung tut der Himmel sein Übriges. Dieser ist dunkel und voller Wolken dargestellt, die kein Licht durchlassen und der Welt einen trüben Anblick geben. Es scheint auf jeden Fall etwas Dunkles auf Berlin und ganz Europa zuzurollen, vielleicht eine Anspielung auf die Nazis?

Der Prolog, im Buch als Vorspann bezeichnet, hat mir richtig gut gefallen. Er gibt ein lebendiges und authentisches Bild auf die Charaktere, sowie auf die Situation in Deutschland wieder. Die Schreibweise war leicht zu lesen, hat das Interesse auf die weitere Geschichte angeregt. Auch die bisher auftretenden Personen, allen voran Recha und Willi wirkten auf den ersten Eindruck sympathisch und freundlich. Nach diesem ersten, positiven Eindruck habe ich mich auf das Lesen und die weitere Handlung gefreut. Leider hielt die Freude nicht lange an...

Schnell wurden viele Aspekte, die ich bisher gut fand, anders. Die Protagonisten haben mir nicht mehr so gut gefallen, sie wirkten plötzlich steif und ohne Gefühle. Auch die Schreibweise ließ zwischendurch nach und hat das Lesen erschwert. Es gab seitenlange Beschreibungen von Ereignissen aus der Vergangenheit, die wohl im ersten Teil der Reihe behandelt wurden. Gut und gerne hätten diese gekürzt werden können, so war mir das zu viel. Lange Zeit gab es kaum Informationen zu der politischen Situation, diese wurden erst später leicht mit einbezogen. Ich konnte mich nicht ganz auf die Handlung einlassen, brauchte viel Zeit, um mich daran zu gewöhnen und habe mich leicht ablenken lassen, weil mich das Buch nicht fesseln konnte.

Ab ungefähr der Mitte des Buches wurde es besser. Die Schreibweise hat mir irgendwann richtig gut gefallen. Sie war immer noch einfach gehalten, ließ sich aber plötzlich flüssiger lesen und wirkte lebendiger. Das hat dem Buch definitiv gut getan und genau das habe ich auch gebraucht, um am Lesen zu bleiben. Trotzdem gab es immer noch einige Längen, die immer mal wieder auftraten. Zum Ende hin wurden glücklicherweise weniger und auch kürzer. Oft plätscherte die Handlung einfach nur vor sich hin, ohne das etwas nennenswertes geschehen ist. Ein wenig mehr Drama hätte mir gut gefallen, es hätte Schwung in den Roman gebracht und würde einen guten Gegensatz zu den Beschreibungen bilden.

Ursprünglich hatte ich angenommen, dass sich das Buch fast ausschließlich um Recha und Willi drehen wird, sie bestimmen den Klappentext und auch der Vorspann hat mir diesen Eindruck vermittelt. Dem war leider nicht so. Viellleicht wären mir die Beiden sympathischer gewesen, wenn sie die klaren Hauptfiguren gewesen wären. Doch gleichzeitig gibt es noch einen Erzählstrang um Willis Schwestern Ille, sowie um Felice, ihrem Mann und den Kindern. Einen großen Bezug zueinander gab es leider nur sehr selten, meistens liefen die Stränge nebeneinander her, ohne Berührungspunkte. Obwohl Ille nur wenig aufgetreten ist, hätte ich auf sie verzichten können. Und auch Felice fand ich ziemlich anstrengend. Sie verkörperte zu stark die moderne Frau, die Job und Familie unter einen Hut bringt. Ich glaube, von den ganzen Charakteren fand ich sie am schwierigsten und kompliziertesten.

Als Setting wurde fast ausschließlich Berlin gewählt, nur wenige Szenen spielen woanders. Wenn dies der Fall ist, hatte ich das Gefühl, dass die Orte nicht so stark beschrieben wurden und etwas untergingen, was vollkommen in Ordnung ist. Dafür ist es der Autorin gelungen, ein lebendiges Berlin mit verschiedenen Seiten zu zeigen. Allen voran fand ich die Beschreibungen der ärmeren Viertel sehr gut beschrieben, sie ließen ein schonungsloses Bild entstehen und gaben dem Roman Ernsthaftigkeit und zeigten auch die Rechercherarbeit, die hinter dem Werk steckt.

Zu guter letzt komme ich noch zu den Protagonisten. Es gibt eine überschaubare Anzahl von Hauptprotagonisten. Dazu kommen noch einige wiederholt auftretende Personen, das wars. Zu keinen einzigen habe ich einen Bezug gefunden oder Sympathie aufbauen können. Die vier Hauptprotagonisten Recha, Willi, Felice und Quintus waren durchweg schwierig. Sie lebten oft einfach nur aneinander vorbei, haben nur wenig miteinander gesprochen und waren teilweise zu karriereorientiert. Es gab keine klärenden Gespräche, wodurch leicht Missverständnisse entstanden sind. Gefühle und Probleme wurden nur selten ausgesprochen, meist wirkten besonders Willi und Felice gefühlslos, fast schon roboterhaft.
Lediglich Rechas Bruder Gabriel hat sich aus der Masse etwas herausgehoben. Er war auch nicht komplett gelungen in seinem Auftreten, aber er war eine ehrliche Seele, die freundlich war und für seine Mitmenschen, allen voran für Recha, nur das Beste will. Wenn ich eine Lieblingsfigur nennen müsste, dann wäre es definitiv Gabriel.

Fazit:
Nach einem richtig guten Anfang anhand des Vorspanns wurde die Handlung für mich schnell langatmig. Ich wurde mit den Protagonisten durchweg nicht sonderlich warm, sie waren für mich meist zu egoistisch, unerreichbar, nicht lebendig genug.
Auch die Geschichte fand ich nicht perfekt, es gibt zu viele und ausführliche Beschreibungen, die die Handlung nicht weitertreiben. Dadurch hatte ich oft nicht wirklich Lust, weiterzulesen und ließ mich ablenken. Glücklicherweise ließ das irgendwann ab der Mitte des Buches nach und ich die Handlung wurde etwas interessanter und das Buch ließ sich besser lesen.
Am Ende fand ich die Schreibweise recht gut, sie war einfach gehalten, wurde mit der Zeit lebendiger und gab schonungslose Einblicke in die politische Situation. Dazu hat mir auch die Beschreibung des Settings gefallen, es zeigte wahre Ecken von Berlin.
Alles in allem hat mich das Buch aber leider enttäuscht. Es wurde eine interessante Handlung mit politischen Ereignissen versprochen, was nicht eingehalten wurde.

Veröffentlicht am 10.08.2019

Tagebuch eines Buchhändlers

Tagebuch eines Buchhändlers
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Handlung:
Shaun Bythell betreibt die drittgrößte Secondhand-Buchhandlung in Schottland. Seitdem er diese 2001 erworben hat, hat er einiges miterlebt: Kunden mit besonderen Wünschen, kuriose Bücher, Auktionen ...

Handlung:
Shaun Bythell betreibt die drittgrößte Secondhand-Buchhandlung in Schottland. Seitdem er diese 2001 erworben hat, hat er einiges miterlebt: Kunden mit besonderen Wünschen, kuriose Bücher, Auktionen und Haushaltsauflösungen.
Sein riesig wirkender Buchladen scheint ein Paradies für jeden Büchernarr zu sein. Bodenlange Regale, vollkommen unterschiedliche Titel, dazu laden Sessel und ein Kamin zum Verweilen ein.
In seinem Tagebuch beschreibt Shaun Bythell ein Jahr lang fast jeden Arbeitstag, mal gibt es einiges zu berichten, mal wird der Tag in einem Satz zusammengefasst. Somit gibt er einen kleinen Einblick in sein Leben und in das Leben eines Buchhändlers.

Meinung:
Das Cover könnte ich stundenlang betrachten. Es ist einfach wunderschön gestaltet, wirkt gemütlich und urig. Der Betrachter wird dazu eingeladen, das Buch näher zu betrachten und darin zu blättern. Ich finde es richtig gelungen, das gesamte Bild wirkt einzigartig und ist für Buchliebhaber ein Traum: ein ganzes Haus voller Bücher. Nur zu gerne würde ich Mal durch den Raum streifen und die beschriebenen Regale mit eigenen Augen sehen.
Auch das regnerisch/winterliche Wetter finde ich unglaublich passend. Für mich ist das die schönste Jahreszeit, auch um in einem guten Buch zu lesen.
Einige Details des Hauses und des Herrn in der Tür, finden sich in der Handlung wieder und nur zu gerne hätte ich mir die Buchhandlung von Herrn Bythell so vorgestellt.

Für kurze Zeit, als ich das Buch erstmals gesehen habe, dachte ich, dass es sich um einen humorvollen Roman handelt, der Einzelheiten aus dem Buchhändleralltag erzählt. Schnell wurde ich eines besseren belehrt, schon beim Lesen des Klappentextes zeigt sich, dass der Buchhändler gleichzeitig der Autor ist und das Werk auf wahren Begebenheiten beruht, viele autobiographische Züge hat.
Auch mit der Tatsache konnte ich mich schnell anfreunden und war auf den ersten paar Seiten auch recht zufrieden. Mir hat die Schreibweise gefallen, es gab humorvolle Schilderungen und war in Ordnung. Doch irgendwie hat mein Interesse dafür immer mehr nachgelassen.

Das Tagebuch geht genau ein Jahr, nur wenige Tage, bei denen es sich stets um Sonntage handelt, wurden ausgelassen. Ansonsten gibt es immer einen Eintrag über die Geschehnisse des Tages, der mal länger, mal kürzer ausfällt. Dazu gibt es am Anfang eines jeden Monats ein Zitat von George Orwell, dass von dem Autor kommentiert wird. Außerdem werden noch kleine Extra-Details angegeben, wie bestellte Bücher, die Anzahl der Kunden oder die Einnahmen des jeweiligen Tages. Diese Aufmachung ist auf jeden Fall top!
Fast durchweg gut fand ich die Schreibweise. Die Tage wurden meist kurzweilig beschrieben, es gibt eine lockere humorvolle Art, perfekte Lesebedingungen. Das Buch lässt sich leicht vom Fleck weglesen und wenn man sich einen Tag vornimmt, kann man es locker auslesen.
Was mich gestört hat, waren einige Beschreibungen von Systemen, die online genutzt werden und zu denen der Autor einen Einblick geben will. Das war ein netter Versuch, dessen Inhalt bei mir aber nicht angekommen ist. Ich bin nie richtig dahinter gestiegen, was er damit sagen will und habe irgendwann solche Szenen etwas überflogen.

Ich hatte selbst schon Praktikas in einer Buchhandlung gemacht und einige kuriose Momente miterlebt. Daher war ich gespannt, was mich hier erwartet, mit was für lustigen Geschichten Shaun Bythell aufwartet. Leider gab es aber meist nicht so viel spannendes. Er fährt regelmäßig zu Auktionen oder kauft gefühlt täglich Bücher an. Lässt sich über Kunden und seine Mitarbeiter aus und fährt mit seiner Freundin durch die Gegend. Das wars im Grunde schon. Ich hatte wahrlich nicht einen dramatischen Roman mit Action erwartet, aber einige Szenen, in denen wirklich mal etwas passiert. Zum Beispiel wird in der Inhaltsangabe von einem besonderen antiquarischen Fund berichtet. Im Buch kam das nicht vor...

Einige Beschreibungen des Ortes Wigtown sind vorhanden, ebenso wie von dem Haus mit der Buchhandlung und Wohnung Bythells. Die Landschaftsbeschreibungen sind ganz gelungen, doch alles wirkt etwas wirr. Ich kann die Läden und Häuser für mich nicht ansatzweise auf einer imaginären Karte verorten. Und auch mit dem Buchladen selbst hatte ich Probleme. Nicht nur, ihn mir vorzustellen, sondern er wirkt nicht einladend. Wie ein grauer Kasten, der kalt und starr erscheint. Es scheint keine schön gestalteten Schaufenster zu geben oder irgendetwas, was dazu verführen könnte, den Laden zu betreten. Außer seinem Ruf...

Mein wahrscheinlich größtes Problem hatte ich mit der Person Shaun Bythell. Von Anfang an lässt sich herauslesen, dass er nicht mit der Masse schwimmt und sein eigenes Ding macht. Was ich richtig toll finde. Doch schnell ging er mir auf den Keks. Er scheint von allen genervt zu sein: von Mitarbeitern, Kunden und teilweise auch von Freunden. Aller paar Seiten liest man, wie selten seine Mitarbeiter Aufgaben von ihm befolgen. Doch Bythell scheint sich fast darüber zu freuen und spricht nicht mal ein Machtwort.
Die Kunden nutzt er nur zum beobachten, an so gut wie keinem wird ein gutes Wort ausgelassen. Auf Konversationen scheint der Besitzer keinen Wert zu legen. Entweder die Leute kaufen was oder lassen ihn in Ruhe. Dadurch verstehe ich es nicht, dass die Buchhandlung doch so bekannt und einigermaßen beliebt ist. Ich würde dort nicht gern reingehen, wenn ich wüsste, dass der Herr mich genau beobachtet, möglicherweise bei Facebook postet und nicht sonderlich freundlich auftritt.
Oft habe ich mich gefragt, wie die Buchhandlung überleben kann. Nicht immer sind die Einkünfte sehr hoch und scheinbar jede Woche kauft Bythell mehrere Bücher an. Da frage ich mich, wie die finanzielle Lage von ihm wirklich ist, es wird in der Beschreibung auch erwähnt, dass die Kasse ständig leer sei. Das ist da ja eigentlich ein Widerspruch....
Seine Person fand ich auch nicht sehr sympathisch. Zum einen, wie erwähnt, die herablassende und genervte Art gegenüber Kundschaft, zum anderen ein betont lässiges Auftreten mit einer „mir doch egal – Haltung“ . Bythell wollte vielleicht betont locker und cool wirken, auf mich war es nur ein Versuch dessen.

Fazit:
Ich hatte mir viel mehr von dem Buch vesprochen. Einen humorvollen Einblick, mit teilweise ausführlicheren Beschreibungen und nicht so vielen Nichtigkeiten, wie wann er seine Freundin nahc London gefahren hat oder wieder abgeholt hat. Klar, gehört das zu seinem Alltag, aber nicht in den Alltag seines Berufslebens, von dem ich gerne mehr erfahren hätte.
Negativ bewerte ich die gesamte Figur von Shaun Bythell, den ich durchweg unsympathisch fand. Mich haben viele Eigenheiten gestört, ich kam mit seinem Wesen und Auftreten einfach nicht klar.
Sehr gut gefallen hat mir die gesamte Aufmachung des Buches, angefangen von dem Cover bis hin zur Seitengestaltung und oft die Schreibweise. Dazu habe ich zwar auch einen kleinen Kritikpunkt genannt, doch konnte ich mich ganz gut damit arrangieren.

Veröffentlicht am 08.08.2019

Königsberg - Bewegte Jahre

Königsberg. Bewegte Jahre
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Handlung:
Ostpreußen, Anfang des 20. Jahrhunderts
Die Zwistigkeiten zwischen den Familien von Reichenbach und von Schletter halten noch immer an. Mittlerweile hat sich die Feindseligkeit von Carl und Johannes ...

Handlung:
Ostpreußen, Anfang des 20. Jahrhunderts
Die Zwistigkeiten zwischen den Familien von Reichenbach und von Schletter halten noch immer an. Mittlerweile hat sich die Feindseligkeit von Carl und Johannes vor allem auf die beiden Söhne, Constantin und Maximilian, übertragen. Bei jeder Begegnung der Cousins müssen sie sich zusammenreißen und sie versuchen alles mögliche, um einander aus dem Weg zu gehen.
Nicht nur um die Söhne müssen sich die Väter sorgen, sondern auch die Töchter haben keinen leichten Weg vor sich. Victoria, Carls einzige Tochter, verliebt sich unglücklich und genau dieser Mann bringt ihr Unheil und stürzt sie in eine Krise.
Währenddessen hofft Johannes Tochter Helene, sich als Pferdezüchterin einen Namen zu machen, dem Gut so finanziell zu helfen und es zu modernisieren. Doch ihr Großvater rebelliert gegen die Pläne der Enkelin und es kommt immer wieder zu Streitigkeiten.
Werden die Kinder der Häuser von Schletter und von Reichenbach alle ihr Glück finden? Und ist es möglich, dass die Feindseligkeiten eines Tages enden?

Meinung:
Wie schon bei dem ersten Teil der Reihe gibt es auch hier recht viele leichte Farben, die ein wunderschönes Bild abgeben. Die verschiedenen Faktoren ergeben ein stimmiges Bild, welches mir richtig gut gefällt. Die Dame im Vordergrund trägt die Mode der damaligen Zeit, wirkt würdevoll und vollendet. Sie weiß genau, wie sie sich in Szene setzen kann und auf den ersten Blick stellt sie für mich Victoria dar, die in der Kurzbeschreibung als „mondän“ beschrieben wird.
Im Hintergrund ist ein hübsches Haus erkennbar, es wirkt einladend und prachtvoll. Insgesamt gefallen mir die Ähnlichkeiten der Cover, es scheint eine Geschichte mit Stil zu versprechen, die man auch geliefert bekommt!

Nachdem ich vor nicht allzulanger Zeit den ersten Teil gelesen hatte, war ich natürlich richtig froh, dass dieser Band so schnell darauf gefolgt ist. So gab es für mich keine lange Wartezeit, die Handlung des Vorgängers ist mir noch präsent und dementsprechend hatte ich keine Probleme damit, in das Buch zu finden.
Meine Erwartungen waren schon recht hoch, ich kenne schon Bücher der Autorin und bisher hat mich noch keines enttäuscht. Also habe ich darauf gehofft, dass mir auch dieses Buch gut gefallen wird und ich habe voller Freude mit dem Lesen angefangen.

Der Roman wurde in zwei Teile geteilt, dazu gibt es noch einen Epilog, indem alle offenen Fragen beantwortet wurden. Innerhalb der Teile gibt es eine Untergliederung in Kapitel, wobei es am Anfang eines jeden Kapitels eine zeitliche Einordnung gibt. Das war wirklich wichtig. Es vergehen 16 Jahre auf 416 Seiten und natürlich gibt es Zeitsprünge, sonst wäre es gar nicht möglich, so viele Jahre auf so wenigen Seiten unterzubringen. Ich fand, dass die zeitlichen Sprünge immer gezielt eingesetzt wurden, nie zu viele Monate oder gar Jahre übergangen wurden. Es wurde in den folgenden Kapiteln immer kurz erwähnt, wenn in der Zwischenzeit etwas wichtiges passiert ist und ich hatte nie das Gefühl, etwas zu verpassen. Außerdem entstanden durch die sprunghafte Erzählung erst gar keine Längen, sondern es wurden sich wirklich nur auf Ereignisse beschränkt, die für die weitere Handlung wichtig sein könnten.
Besonders im zweiten Teil gibt es viele kurze Beschreibungen, in denen das Kriegsgeschehen knapp und präzise zusammengefasst wurde. Hier wurde man nicht seitenlang damit gequält, sondern es wurde kurz rekapituliert. Und auch wenn ich die Abschnitte informativ fand, haben sie mir nicht hundertprozent gefallen. Ich lese allgemein nicht gerne davon, wenn Abschnitte oder gar Kapitel hautnah an den Kriegserlebnissen dran sind. Hier kam es zwar nur vereinzelt vor, das waren für mich die Abschnitte, die ich nicht so gerne gelesen habe.

Genau wie im Vorgängerroman gibt es auch hier einen allwissenden Erzähler, der Einblicke in die verschiedenen Leben der Protagonisten gibt. Zwar gab es nur wenige Einblicke in die Gefühle und Gedanken der Charaktere, trotzdem wurden sie schnell lebendig und vertraut.
Richtig gut gefallen hat mir die Schreibweise, die einfach und locker war, mir ein schnelles Lesen ermöglicht hat. Besonders ansprechend fand ich in diesem Teil die Beschreibung von Kleinigkeiten. Seien es Gebäude, Orte oder Situationen, oft entstand innerhalb von Sekunden ein Bild vor Augen. Bei den Protagonisten war dies nicht so ausgeprägt, obwohl ich sie sympathisch und menschlich empfand, konnte ich sie mir nicht recht vorstellen.

Im Roman gibt es zwei Haupthandlungsorte, die Landgute der Familien von Schletter und von Reichenbach. Beide sind schon aus dem ersten Teil bekannt, sie scheinen sich kaum verändert zu haben und weckten den Wunsch, sie mit eigenen Augen zu sehen. Obwohl die Anwesen sehr unterschiedlich beschrieben werden, scheinen sie magisch und einen Besuch wert zu sein.
Dazu gibt es noch einige Nebenhandlungsorte, u.a. Johannisburg und Kriegsschauplätze. Auch diese wurden mit wenigen Worten genau umrissen und verströmten Wärme, wenn etwas positives geschah, aber auch viel Kälte, u.a. bei den Beschreibungen der Kriegsereignisse.

Im Grunde gibt es eine recht überschaubare Anzahl an Charaktere. Mir kam es zugute, dass ich sie alle noch im Gedächtnis hatte und so gar nicht erst ins Überlegen kam, wer zu wem gehört. An solchen Stellen zeigte sich deutlich, dass es wichtig ist, Kenntnisse aus dem ersten Teil zu haben. Die Handlung wird nicht noch einmal zusammengefasst, viel mehr gab es ab und an Erwähnungen auf Vergangenes, die nicht näher erklärt wurden.
Diesmal stehen die vier erwachsenen Kinder von Carl und Johannes im Vordergrund, die ältere Generation spielte eher eine Nebenrolle. Sie tauchten regelmäßig auf, haben sich charakterlich nur wenig verändert und es war schön, viele wiederzusehen.
Während die Kinder am Ende des ersten Teils noch nicht so entschlossen und stark wirkten, gab es zu diesem Teil eine deutliche Änderung. Sie sind plötzlich erwachsen geworden, gehen verschiedenen Vergnügen nach und sind in einem Alter, wo sie über eine Hochzeit nachdenken. Dabei haben alle ihren eigenen Kopf, lassen sich nicht so schnell etwas vorschreiben und rebellieren auch mal gegen die Eltern und Großeltern.
Besonders Helene fand ich interessant. An sich war sie eher ein stiller Charakter, der etwas blass wirkte. Aber in einigen Momenten ging durch ihren Körper und ihr Auftreten ein Ruck und sie war plötzlich selbstbewusst. Helene war für mich die Einzige der vier jungen Erwachsenen, die einen genauen Plan für ihre Zukunft hatte und an diesem festgehalten hat.
Richtig gut gefallen hat mir das Verhältnis der Geschwister zueinander. Besonders bei Victoria und Constantin kam dies stark heraus. Sie wirkten wie eine Einheit, haben sich gut verstanden und einander bei Problemen geholfen.

Fazit:
Mal wieder hat die Autorin einen richtig schönen Roman geschaffen, der mich bis auf ein kleines Detail überzeugt hat. Ich werde einen halben Punkt in meiner Bewertung abziehen, weil ich die Kapitel mitten im Kriegsgeschehen nicht so toll fand und auf diese gerne verzichtet hätte.
Ansonsten war die Schreibweise gewohnt wundervoll, die Protagonisten haben mir gefallen, die Handlung blieb stets spannend, ohne, dass unnötiges Drama eingebunden wurde. Dazu noch gezielt eingesetzte historische Fakten und das Lesevergnügen ist komplett!