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Veröffentlicht am 17.08.2019

Geheimnis um ein verschollenes Gemälde

Das Gemälde der Tänzerin
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Der neue Roman von Christine Jaeggi ist eine wunderbare Geschichte, die ein Familiengeheimnis, einen Mord und das Thema Raubkunst beinhaltet. Was für ein Mix!

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt, ...

Der neue Roman von Christine Jaeggi ist eine wunderbare Geschichte, die ein Familiengeheimnis, einen Mord und das Thema Raubkunst beinhaltet. Was für ein Mix!

Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt, wobei der Handlungsstrang in der Gegenwart mehr Raum einnimmt. In dieser begleiten wir Helena, die als Alleinerzieherin der Zwillinge Jolina und Jonas am Existenzminimum lebt. Die talentierte Ballerina musste damals ihre Karriere wegen ihrer ungeplanten Schwangerschaft abbrechen. Nun hat sie auch noch ihre Stelle in einem Modegeschäft verloren, weil sie durch einen Roboter ersetzt wurde.
Als ihr das Arbeitsamt eine Stelle als Zimmermädchen im Hotel Kronenberg in Zürich zuweist, ist Helena geschockt. Die Hoteliersfamilie ist genau diejenige, die vor Jahren ihre Zukunft zerstört hat. Doch Helena hat keine Wahl. Die Angst entdeckt zu werden, sitzt ihr jedoch ständig im Nacken. Im Hotel lernt sie die Amerikanerin Jessica Dixon kennen, die auf der Suche nach einem mysteriösen Gemälde ist. Dieses soll ihrer jüdischen Familie während des zweiten Weltkrieges von den Nazis geraubt worden sein. Die Spur führt ins Hotel Kronenberg, wo angeblich Raubkunst betrieben wurde. Der vor kurzem verstorbene Michael Kronenberg hätte sie kontaktiert, aber der Rest der Familie weigert sich mit ihr zu sprechen. Als Noah Kronenberg aus Mexiko zum Begräbnis seines verstorbenen Bruders anreist, hört er ebenfalls von dem verschollenen Gemälde der Tänzerin im Regen. Das weckt den Krimiautor in ihm und er beginnt zu recherchieren. Dabei stößt er auf einen Mord an einem Zimmermädchen im Jahre 1942. Aber auch Helena lässt die Geschichte um das gestohlene Gemälde nicht mehr los...

Im zweiten Handlungsstrang sind wir in den Jahren 1937 bis 1945. Wir lernen Lydia und ihre jüngere Schwester Hedi kennen. Die beiden sind in den Schweizer Bergen aufgewachsen und lebten auf einem Bauernhof. Als ihre Eltern sterben wird dieser verkauft und die Mädchen kommen bei einer Tante unter. Diese möchte Lydia mit dem unsympathischen neuen Besitzer des Hofes verheiraten, doch Lydia denkt nicht daran und flieht nach Zürich. Dort nimmt sie die Stelle eines Zimmermädchen im Hotel Kronenberg an, wo sie Hector Löwenfeld kennenlernt....

Der rote Faden des Romans ist das titelgebende Gemälde der Tänzerin im Regen. Gleich im Prolog erfahren wir von dessen Entstehung. Die spätere Suche wird verknüpft mit der Vergangenheit, in der das Gemälde zuerst geraubt wird und danach verschwunden ist. Eine spannende Geschichte, die sich auch dem Thema Raubkunst durch die Nazis widmet.
Wir lernen durch Helena aber auch die Sorgen einer alleinerziehenden Frau kennen, die am Existenzminimum lebt und das in der reichen Schweiz! Nicht nur Geldsorgen, sondern auch die typischen Probleme mit ihren pubertierenden Kindern und der Wahrung ihrer Identität im Hotel, bereiten Helena Schwierigkeiten. Außerdem gibt es dieses Familiengeheimnis der Kronbergs, in das auch Helena verstrickt wurde. Zu guter Letzt darf auch eine Liebesgeschichte nicht fehlen. Wer jetzt denkt, dass wären zu viele Themen für einen 400 Seiten Roman hat einerseits recht, doch Christiane Jaggi ist es hervorragend gelungen daraus eine tolle Geschichte zu kreieren, die man gerne liest und die einem nie langweilig wird. Im Gegenteil...man fliegt richtig durch die Seiten.
Manche Ereignisse waren zwar etwas vorhersehbar, andere wiederum konnten mich richtig überraschen und gaben dem Roman eine neue Wendung.

Die Charaktere sind sehr individuell und lebendig, manchmal etwas zu sehr schwarz-weiß gezeichnet. Die Wandlung Caramelles fand ich zu schnell und etwas unglaubwürdig. Jolande hingegen ist der typische pubertierende Teenager, der gegen die Mutter rebelliert. Jonas hingegen ist das glatte Gegenteil und Helenas Halt...für einen Jungen in diesem Alter war er mir allerdings ein bisschen zu blass und gutmütig.
Noah ist ein interessanter und vielschichtiger Charakter, dem wohl alle Leserherzen zufliegen. Der Rest der Familie Kronenberg ist allerding das komplette Gegenteil.
Lydia fand ich stark und sympathisch...ein junges Mädchen, das ihren Weg geht.

Am Ende werden alle Geheimnisse aufgedeckt und alle losen Fäden führen logisch zueinander.

Schreibstil:
Christine Jaeggis Schreibstil liest sich kurzweilig und lebendig...man verliert sich sehr schnell in der Geschichte, die Gegenwart und Vergangenheit perfekt verbindet. Über jedem Kapitel steht der Name der jeweils erzählenden Figur. In der Gegenwart sind dies Helena und Noah, in der Vergangenheit Lydia. So lernt man alle Hauptprotagonisten immer besser kennen.
Die Personenübersicht am Anfang des Romans hilft zu Beginn des Romans doch einige Male nicht den Überblick zu verlieren.

Fazit:
Ein Roman mit vielen Facetten, der auf zwei Zeitebenen spielt und einige interessante Themen beinhaltet. Etwas vorhersehbar an manchen Stellen, aber auch mit vielen Überraschungen gespickt, hat mich "Das Gemälder der Tänzerin" gut unterhalten und schöne Lesestunden beschert.

Veröffentlicht am 16.08.2019

Überleben im Outback

Zu Staub
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Vor noch gar nicht allzu langer Zeit habe ich den zweiten Thriller der australischen Autorin "Ins Dunkel" gelesen. Zur selben Zeit kam auch ihr Debüt "The Dry" oder "Die Hitze" als Taschenbuch (mit neuem ...

Vor noch gar nicht allzu langer Zeit habe ich den zweiten Thriller der australischen Autorin "Ins Dunkel" gelesen. Zur selben Zeit kam auch ihr Debüt "The Dry" oder "Die Hitze" als Taschenbuch (mit neuem Titel) heraus. Beide haben mir gut gefallen (war gerade erstaunt, dass ich 3 1/2 und 4 Sterne vergeben habe...hatte ich beide Thriller doch noch in ziemlich guter und positiver Erinnerung).

"Zu Staub" ist ein Stand Alone und gehört nicht zur Reihe von Ermittler Aaron Falk. Ich würde es auch nicht als Thriller, sondern eher als Familiendrama bezeichnen.
Wir befinden uns im Westen von Australien, im Outback. Einsame Farmen, der nächste Nachbar ist Stunden entfernt, die Wüste und der Sand das alltägliche Bild. Man spürt beim Lesen direkt den Staub zwischen den Zähnen. Der Titel ist im wahrsten Sinne des Worters perfekt gewählt, auch wenn der englische Originaltitel "The Lost Man" ebenso passt. Wer sich in dieser Gegend verirrt oder nicht ausreichend ausgerüstet ist, hat kaum eine Überlebenschance. So ergeht es auch Cameron Bright. Er ist jedoch kein Fremder, lebt seit seiner Geburt auf der Familienranch und war perfekt ausgerüstet. Und trotzdem wird seine Leiche unweit des legendären "Stockman Grabes" gefunden. Sein Wagen steht vollbepackt mit der kompletten Ausrüstung etwa 10 km entfernt. Weder der herbeigerufene Polizeibeamte, noch der Sanitäter können eine Gewalteinwirkung erkennen. Doch warum sollte sich der allseits beliebte zweifache Familienvater, dessen Farm gut läuft, Selbstmord begehen? Die Umstände sind rätselhaft...

Der Fokus der eher ruhigen Geschichte liegt bei den Figuren, bei denen es sich großteils um Familienangehörige oder Backpacker, die auf der Farm arbeiten, handelt. Polizeiliche Ermittlungen gibt es kaum. Das Drama spielt sich unter den Farmbewohnern ab. Nathan und Bub sind jeweils der ältere und der jüngere Bruder von Cam. Ilse ist Cams Frau und Sophie und Lo seine Töchter. Carl, der bereits verstorbene Vater und Liz, die Mutter der Jungen, haben die Ranch bereits an Cam und Ilse übergeben. Harry ist ein alteingessener Farmmitarbeiter, der schon zur Famlie gehört. Xander ist der Sohn von Nathan, der über die Weihnachtsferien aus Brisbane angereist ist, wo er zu Schulzeiten bei seiner Mutter Jacqui wohnt. Und dann sind noch die Backpacker Simon und Kathy aus Großbritannien.

Das Leben unter Extrembedingungen steht in diesem Famliendrama im Vordergrund. Die außergewöhnliche Atmosphäre hat Jane Harper großartig eingefangen. Man spürt die Weite des Landes, den Sand und die Hitze durch jede Seite.
Gemeinsam mit unserem Hauptprotagonistent Nathan, dem ältesten Sohn der Brights, erleben wir die Ereignisse der Tage nach dem Tod von Cameron. Seine eigene Farm liegt in der Nachbarschaft, wo er wegen eines Vorfalles vor zehn Jahren als Einsiedler lebt. Diese Ereignis ist der Grund, dass Nathan von den Einheimischen gemieden wird. Bis zum Begräbnis am Weihnachtstag sind alle Familienmitglieder auf der
Ranch der Brights versammelt, wo die Emotionen nach und nach zu kochen beginnen. Misstrauen und Argwohn liegen in der Luft. Die Frage, ob die Einsamkeit in den Weiten des Outbacks das Böse hervorruft, wird immer wieder aufgeworfen.

Es beginnt ein Katz- und-Maus-Spiel, das den Leser mitnimmt und immer wieder aufs Neue rätseln lässt, was passiert ist. Trotzdem entwickelt sich die Geschichte im Mittelteil ein bisschen schleppend, jedoch ist immer eine unterschwellige Spannung vorhanden. Durch Rückblenden in die Vergangenheit erfahren wir mehr über die Kindheit der Brüder und diese offenbart einige düstere Familiengeheimnisse. Dadurch erhält man neue Gedankenanreize, die die Autorin gekonnt einsetzt und den Leser öfters auf falsche Fährten führt.

Die Auflösung war eine Überraschung, hat mir aber gut gefallen.

Schreibstil:
Wie schon bereits in ihren anderen Büchern schildert die Autorin wahnsinnig atmosphärisch und verleiht auch ihren Figuren Tiefe. Sie beherrscht es einfach großartig ihre Heimat stimmig und eindrücklich zu beschreiben, egal ob Dschungel oder Wüste.


Fazit:
Kein Thriller, sondern ein Familiendrama, welches vorallem wegen der großartigen Atmosphäre und ihren vielschichtigen Charakten punktet. Trotz einigere Längen im Mittelteil bleibt eine unterschwellige Spannung bestehen. Trotzdem finde ich "Zu Staub" bisher als das schwächste Buch der Autorin.

Veröffentlicht am 14.08.2019

Zu oberflächlich

Ein Cottage für deinen Sommer
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Der amerikanische Autor Waden Rouse schreibt unter dem Pseudonym Viola Shipman, dem Namen seiner Großmutter, nette Wohlfühlromane. Das Cover seines neuersten Buches passt nicht wirklich zu den Vorgängerromanen, ...

Der amerikanische Autor Waden Rouse schreibt unter dem Pseudonym Viola Shipman, dem Namen seiner Großmutter, nette Wohlfühlromane. Das Cover seines neuersten Buches passt nicht wirklich zu den Vorgängerromanen, bei denen man durch die ähnliche Covergestaltung sofort die Assoziation mit dem Autorennamen Viola Shipmann verbindet. Das ist schade, obwohl ich dieses neue Cover eigentlich ansprechender finde und es auch perfekt zum Sommer und dem Inhalt passt.

In jedem Buch des Autors geht es um bestimmte Familienerbstücke. Diesmal haben wir es mit einer Blockhütte zu tun.
Die Idee zur Geschichte für "Ein Cottage für deinen Sommer" kam Shipman durch Erinnerungen an seine eigene Kindheit und der Blockhütte seiner Großeltern in Missouri. Seine Hauptprotagonistin Adie Lou erlebt ähnliches: unbeschwerte Sommer in ihrer Kindheit im Sommerhäuschen am Michigansee ihrer Eltern. Als sie mit Mitte Vierzig vor der Scheidung steht, soll das Creaky Cottage, wie es ihre Eltern nannten, verkauft werden. Adie Lou entscheidet sich dagegen und beschließt ihr altes Leben hinter sich zu lassen und einen Neuanfang zu wagen. Ihren Plan, das heruntergekommene Cottage in ein Bed & Breakfast mit Wohlfühlambiente umzuwandeln, wird mit der Zeit immer schwieriger. Adie Lou stößt auf ein Hindernis nach dem anderen.

Ich liebe Geschichten, in den Frauen einen Neuanfang wagen und ihr altes Leben auf den Kopf stellen. Das gibt mir immer wieder etwas Zuversicht, dass ich es vielleicht auch schaffen könnte, wenn es sein muss. Allerdings sollte es nicht zu "märchenhaft" ausarten, sondern realistisch bleiben. Das ist leider bei "Ein Cottage für deinen Sommer" nicht ganz passiert. Zu zuckersüß und simpel gestaltet sich Adie Lous Plan ohne wirklich viel Geld das Cottage zu einer richtigen Wellness-Oase umzugestalten. Die rosarote Brille, die der Autor bei seinen Geschichten auf hat, ist mir einfach zu viel des Guten.

Das beginnt bei den Renovierungsarbeiten, die Adie Lou in das Cottage steckt. Sie hat kein Geld und woher sie es nimmt, wird eigentlich nie richtig erwähnt. Es wird zwar einmal angedeutet, dass ihre Anwältin den Exmann "so richtig bluten lassen will", aber ob sie Erfolg hatte und wirklich Geld geflossen ist, kommt nie zur Sprache. Thema ist jedoch immer wieder, dass die Kosten immer mehr ansteigen und Adie Lou trotzdem nur das Beste von Besten in ihrer neuem Bed & Breakfast verarbeitet haben möchte. Ich renoviere momentan selbst und konnte bei den Beschreibungen einfach nur den Kopf schütteln, so blauäugig wird alles beschrieben! Man erkennt ganz genau, dass der Autor wohl noch nie selbst Hand angelegt hat. Alle Probleme und Unanehmlichkeiten lösen sich in Luft auf. Zu guter Letzt wird auch noch Adie Lou's Erzfeindin ganz plötzlich zur begeisterten Unterstützerin....pfff.

Die Charaktere sind ebenfalls etwas eindimensional. Alle sind fröhlich und helfen einander und die Probleme werden mit ein paar netten Floskeln hinweg gewischt. Wenn es doch nur so einfach wäre!! Sicherlich möchte ich mich bei einem Wohlfühlroman auch entspannen und dem realen Leben ganz gern entkommen, aber bitte mit etwas weniger Kitsch und rosaroter Brille!

Auch die Liebesgeschichte fand ich nicht wirklich plausibel bzw. brachte in mir keinerlei Gefühlsregung zustande.
Einzig mit der wundervollen Beschreibung des Häuschens und der Landschaft hat Shipman die Szenerie großartig zum Leben erweckt. Das Setting des Romans ist wirklich gelungen und erweckt Sehnsüchte. Was mich überrascht hat war allerdings, dass der Großteil des Romans nicht im Sommer, sondern im Winter spielt und Adie Lou die meiste Zeit fror. Nicht sehr passend zu Titel und Cover....

Für mich war es das zweite Buch des Autors und mein letztes. Seine Romane sind mir zu klischeehaft, zu "amerikanisch" (es werden sehr viele Beispiele von Filmen, Sitcoms usw. eingestreut, die hier in Europa kein Mensch kennt und somit auch oft die Pointen nicht verständlich sind) und zu oberflächlich.

Es tut mir leid...ich lese gerne einen Wohlfühlroman zwischendurch, aber dann sollte er wenigstens teilweise realistisch bleiben! Zugute halten kann ich dem Autor jedoch, dass er mit seinen Romanen an Erinnerungen an die Familie festhält und dem Leser immer wieder zu erklären versucht, dass man sich an kleinen Momenten erfreuen soll.

Fazit:
Mir war dieser Roman einfach zu klischeehaft, oberflächlich und "amerikanisch"...sorry! Die Umsetzung der netten Idee gefiel mir leider nicht wirklich, aber bitte bildet euch selbst eine eigene Meinung, denn viele Leser fanden es sehr gut....Geschmäcker sind eben verschieden! (Gott sei Dank!)

Veröffentlicht am 13.08.2019

Tritt ein in die Welt von Erebos

Erebos
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Nachdem Ursula Poznanskis erstes Jugendbuch schon einige Zeit auf meinem SuB schlummert, habe ich die Gelegenheit ergriffen bei der lieben Petrissa vom Blog Hundertmorgenwald bei ihrer Blogger Leserunde ...

Nachdem Ursula Poznanskis erstes Jugendbuch schon einige Zeit auf meinem SuB schlummert, habe ich die Gelegenheit ergriffen bei der lieben Petrissa vom Blog Hundertmorgenwald bei ihrer Blogger Leserunde zum Buch mitzumachen. Wir waren ein buntes Gemisch aus Erstleser und Wiederholungstätern =) Und in zwei Wochen wird es zum zweiten Teil wieder eine Leserunde geben, an der ich ebenfalls wieder teilnehmen werde, denn ich habe mir Erebos 2 bereits vorbestellt.
Ich bin mir sicher, dass die Meisten von euch bereits die Geschichte rund um Nick und dem geheimnisvollen Computerspiel Erebos kennen werden. Ich habe nur immer wieder gehört, dass es Poznanskis bestes Buch sein soll und dem kann ich nun zustimmen. Ich habe bereits einige Jugendbücher von ihr gelesen und auch zwei Thriller aus der Kaspary & Weninger Reihe. Die neue Thrillerreihe werde ich nicht lesen...da habe ich reingelesen und irgendwie wurde ich schon vo0n der Leseprobe nicht angesprochen. Die Bewertungen zu ihrer neuen Thrillerreihe sind leider auch alles andere als gut.

Ich muss zugeben, dass ich vom Buch bald genauso gefangen genommen war, wie Nick von seinem neuen Computerspiel, das er in der Schule zugesteckt bekommen hat. Dieses wird von Hand zu Hand weitergegeben und verändert die Schüler zusehends, nachdem sie damit begonnen haben. Die strengen Regeln verbieten über das Fantasy Rollenspiel zu sprechen oder preiszugeben welcher Mitschüler sich hinter den fantasievollen Namen und Figuren verstecken. Gemeinsam mit Nick trat ich ein in eine Welt, die voller Orks, Barbaren, Elfen, Zwergen oder Magier, ähnlich World of Warcraft, war. Da ich keine Bücher aus diesem Fantasy-Genre lese und auch kein World of Warcraft spiele, war es für mich eine komplett neue Welt, die mich in Poznanskis Roman allerdings sofort mitgerissen hat. Der Roman hat eine Sogwirkung, der man sich schwer entziehen kann. Auch ich rätselte, wer hinter welchen Figuren stecken könnte und wozu die Aufgaben dienen, die die Spieler als Aufträge erhielten. Schon bald bemerkt man, wie die Schüler manipuliert werden und vollkommen übernächtigt in den Unterricht kommen, denn Erebos bestimmt selbst, wann das aktuelle Spiel zu Ende ist und man Pause machen "darf". Die Aufgaben werden immer gefinkelter und das wirkliche Leben und das Spiel verschmelzen geradezu ineinander. Als Nick jedoch einen Auftrag erhält, der in der realen Welt einem Menschenleben schadet, kommen auch ihm langsam Zweifel wohin Eerebos führt und was dahinter stecken könnte...

Der ständige Wechsel zwischen der realen und virtuellen Welt erhöhte die Spannung nur noch. Man fiebert darauf hin endlich zu erfahren, was hinter Erebos steckt. Ich muss zugeben, ich hatte Angst, dass es etwas Mystisches oder Übersinnliches sein wird, denn damit komme ich schwer zurecht und hätte mir nicht gefallen. Doch das Ende ist gut gewählt und war eine Überraschung.
Ein klein bisschen gefehlt hat mir der weitere Blick auf die Gegner von Erebos, vorrangig vertreten durch den Englischlehrer Mister Watson und einigen seiner Schüler. Diese scheinen zum Ende hin kaum mehr auf.

Mit Nick hat die Autorin eine glaubwürdige Figur erschaffen, die mitten aus dem Leben gegriffen ist. Auch die Atmosphäre des Rollenspiels und die Faszination, die Erebos auf die Spieler ausübt, wurde großartig eingefangen.
Die soziale Isolation der Spieler und die Konsequenzen daraus sind sehr gut nachvollziehbar. Dabei greift Poznanski aber nicht zum erhobenen Zeigefinger, sondern zeigt jeden Leser auf, wie schnell man sich manipulieren lassen kann oder man einer Sucht verfällt.

Ursula Poznanski hat bereits im Jahr 2011 das Thema künstliche Intelligenz aufgegriffen, während andere Autoren diesen Stoff erst seit den letzten Jahren behandeln. Oder habe ich einfach nicht die richtigen Bücher dazu gelesen?

Schreibstil:
Der Schreibstil ist fesselnd und ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Mir ging es bei der Leserunde viel zu langsam, denn ich wollte lesen, lesen und nochmals lesen. Tja, mich hatte der Lesevirus gepackt, während Nick der Spielsucht verfallen ist. Dadurch konnte ich mir (selber habe ich vor Jahren mal SIMS gespielt, aber das war es schon) als Nichtspieler seine Situation wirklich gut vorstellen.

Die Autorin erzählt aus der Sicht von Nick, jedoch in der 3. Person. Man erlebt seine Gedanken- und Gefühlswelt intensiv mit. Im Gegensatz zu einigen ihrer neuen Jugendbücher, wo viele Figuren oftmals blass bleiben, sind Nick und seine Mitschüler sehr realistisch und lebendig beschrieben und sind greifbar.

Fazit:
Auch acht Jahre nach dem Erscheinen von Erebos fesselt dieser Jugendroman, der mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet wurde, nicht nur Jugendliche, sondern auch Erwachsene. Spannend und fesselnd von der ersten Seite an, konnte ich "Erebos" nicht mehr aus der Hand legen und freue mich schon auf Band 2.
Für alle, die das Buch noch nicht kennen, gibt es von mir eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 12.08.2019

Lin und der Teezeremonienmeister

Die fremde Tochter
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Gleich vorweg...die ist kein neuer Roman der Autorin, sondern eine Neuauflage des Verlages! "Die fremde Tochter" ist bereits 2013 erschienen.
Auf meinerm SuB schlummern noch weitere Bücher der Autorin, ...

Gleich vorweg...die ist kein neuer Roman der Autorin, sondern eine Neuauflage des Verlages! "Die fremde Tochter" ist bereits 2013 erschienen.
Auf meinerm SuB schlummern noch weitere Bücher der Autorin, die darauf warten gelesen zu werden.
In diesem Roman geht es um Monsieur Cho, einen Meister der Teezeremonie. Er besitzt in Paris einen Teekontor. Eines Tages besucht ihn Lin Berwanger, die Enkelin einer seiner größten Konkurrenten. Nach der durchgeführten Teezermonie verrät sie ihm, dass er ihr Vater ist. Kurz darauf verschwindet sie. Sein geordnetes Leben gerät aus den Fugen, denn Cho ist wie vor dem Kopf geschlagen über diese Nachricht. Bilder und Erinnerungen tauchen wieder auf, die er längst vergessen glaubte. Daraufhin macht er sich auf die Suche nach der jungen Frau, die behauptet seine Tochter zu sein. Dabei gerät er immer tiefer in einem Strudel von Intrigen und Hass, die ihn bis zurück zu seiner eigenen Vergangenheit führen und sein Leben maßgeblich verändert haben.

Die Geschichte wird in zwei Zeitsträngen erzählt. In der Vergangenheit erleben wir die Liebesgeschichte von Emilie und Cho in China. In der Gegenwart begleiten wir Cho bei seiner Suche nach Emilie und Lin. Diese wird im Laufe der Zeit immer ereignisreicher. Dabei bekommt die Familientragödie immer mehr krimiähnliche Anteile. Die Suche ähnelt einer Schnitzeljagd und bringt Stück für Stück die Vergangenheit ans Licht, die sich großteils um Emilie dreht. Gekonnt verwebt die Autorin alle Handlungsstränge am Ende zu einem großen Ganzen. Die Spannung steigt dabei kontinuierlich an, wobei der Krimianteil in der Gegenwart immer deutlicher hervortritt. Aber der Roman ist auch ein Familiendrama und eine Liebesgeschichte, deswegen lässt sich das Buch schwer in eine Kategorie einteilen.

Ich war fasziniert von den wunderschönen Beschreibungen der chinesischen Landschaft, den Teegärten und den Eigenheiten der Asiaten, besonders wenn es um die Teezeremonie ging. Anja Jonuleit hat mir diese näher gebracht und gleichzeitig den Wunsch erweckt, sofort nach einem Roman zu greifen der in China spielt oder sich selbst ins Flugzeug Richtung Osten zu setzen. Aber auch die Schönheit von Paris und die der Normandie bringt sie dem Leser in lebendigen Bildern näher.

Ebenso authentisch beschreibt sie die Charaktere, die vielschichtig dargestellt wurden und die ich gerne begleitet habe.
Lin sucht nach ihren Wurzeln und erfährt erst viel zu spät, wie geschickt ihre Großmutter Adèle durch herzlose Entscheidungen das Schicksal von mindestens drei Menschen zerstört und diese ins Unglück gestürzt hat.
Cho ist ein liebenswerter Mann, der mir allerdings ein bisschen zu blass blieb - vorallem im Vergangenheitsstrang.

Schreibstil:
Neben den bildhaften Beschreibungen der Settings und den vielschichtigene Charakteren schreibt Anja Jonuleit flüssig und sehr ansprechend.
Die Kapitel sind kurz und wechseln abwechweselnd die Zeit. Durch die Kapielüberschriften gibt es keine Probleme diese den jeweiligen Figuren und Zeiten zuzuordnen.

Fazit:
Ein Mix aus Liebesgeschichte, Krimi und einer Familientragödie vereint in einem Roman, der auf zwei Zeitebenen und in zwei Kontinenten spielt. Anja Jonuleit hat diese Herausforderung gemeistert und eine sehr atmosphärische und interessante Geschichte geschrieben, die mir gut gefallen hat.