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Veröffentlicht am 23.01.2026

Toller Vampirthriller

Die Kolonie
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Ein Thriller-Untergenre, welches ich bisher noch nicht gelesen habe. Ich muss gestehen, dass es mein erster VAMPIR-Thriller war und er hat mich sehr gut unterhalten.

In der Kleinstadt Deadhart in Alaska ...

Ein Thriller-Untergenre, welches ich bisher noch nicht gelesen habe. Ich muss gestehen, dass es mein erster VAMPIR-Thriller war und er hat mich sehr gut unterhalten.

In der Kleinstadt Deadhart in Alaska wird ein Teenager tot aufgefunden. Alles erinnert an einem ähnlichen Fall vor 25 Jahren, als ein Teenager-Vampir ebenfalls einen Jungen getötet hat. Die Einwohner von Deadhart sind aufgebracht und möchten die Vampir-Kolonie vertreiben. Diese leben an der Seite der Menschen, verließen jedoch nach dem letzten Vorfall die Nachbarschaft. Seit einiger Zeit sind sie wieder in die ehemalige Bergbausiedlung zurückgekehrt. Nach dem neuerlichen Todesfall wünschen die Einwohner von Deadhart die völlige Ausrottung der Kolonie.
Vampirantrophologin und Detective Barbara Atkins wird daraufhin nach Deadhart geschickt, um den Fall genau zu untertsuchen. Sie lehnt die Keulung ohne stichhaltige Beweise ab und muss bald Anfeindungen der Einwohner spüren, die größtenteils für die Ausrottung sind. Dann wird ein weiterer Teenager ermordet.....

In C.J. Tudors Vampirthriller haben wir es nicht mit wunderschönen (glitzernden) und reichen Vampiren zu tun, sondern mit einer eher armseligen Kolonie, die laufend der Willkür der Menschen ausgesetzt sind. Sie werden ausgegrenzt und verfolgt. Der Rassismus ist allgegenwärtig.

Der Beginn ist etwas langsam und es werden einige Figuren erst eingeführt. Erzählt wird aus aus verschiedenen Perspektiven. Zusätzlich gibt es Rückblenden und einen weiteren Strang um ein gefangenes Mädchen, welches beim Lesen von Beginn an Fragen aufwirft.
Der Schreibstil ist fesselnd und bildhaft. Zahlreiche Wendungen lassen einem an der Geschichte dran bleiben und miträtseln. Man spürt die bedrohliche Stimmung im Dorf auf jeder Seite. Etwas Kritik gibt es an einigen Übersetzungsfehlern, die einem größeren Verlag eigentlich nicht passieren sollte.

Vampirantrophologin Barbara ist sympathisch, humorvoll und intelligent. Sie ist bereits über 50 und von kerniger Statur, eher unsportlich und hat keine angenehme Kindheit hinter sich. Mit dem Einsiedler und ehemaligen Debuty Jensen Tucker, der vor 25 Jahren an dem damaligen Fall gearbeitet hat, versteht sie sich gut. Die beiden ergänzen sich perfekt und akzeptieren einander. Tucker hat Kontakte zur Kolonie und glaubt diesmal nicht an einem Mörder aus dessen Reihen.
Auch die übrigen Charaktere, vor allem die Einwohner von Deadhart, sind sehr lebendig und facettenhaft beschrieben. Trotz der vielen Figuren kann man diese sehr gut zuordnen und hat sie lebhaft vor Augen. Die Autorin hat diese wirklich großartig ausgearbeitet.

Tudor zeigt perfekt auf, was Hetze und Selbstjustiz erzeugen können und lässt einem manchmal ganz schön gruseln. Die Beschreibungen der Jagd auf die Vampire ist grausam und wird nicht beschönigt. Dazu passt das düstere und kalte Setting, welche ich als sehr atmosphärisch erzählt empfand. Die winterliche Kulisse und die Abgeschiedenheit, die durch den Schneesturm noch verstärkt wurde, ließ mich bei den klirrenden Minustemperaturen hier in Österreich noch mehr frieren. Vielleicht sollte ich diese Art von Bücher doch eher im Sommer zur Abkühlung lesen ;)
Einzig das Ende war fast etwas zu schnell abgehandelt.


Fazit:
Ein etwas anderer Thriller, der in der gemeinsamem Leserunde viel Spaß gemacht hat. Besonders gemocht habe ich die tolle winterliche und düstere Atmosphäre, die dem Thriller noch das gewisse Etwas gibt. Es ist definitiv kein Vampirroman, sondern eine düstere Mörderjagd in einem abgelegenen Dorf in Alaska.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Spannender Abschluss

Dann ruhest auch du (Ein Fall für Maya Topelius 3)
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Der dritte und letzte Band der Reihe um die schwedische Ermittlerin Maya Topelius hat mir wieder sehr gut gefallen, nachdem ich den zweiten Band etwas schwächer fand.
Nach dem frostigen Winter in Nordschweden ...

Der dritte und letzte Band der Reihe um die schwedische Ermittlerin Maya Topelius hat mir wieder sehr gut gefallen, nachdem ich den zweiten Band etwas schwächer fand.
Nach dem frostigen Winter in Nordschweden und dem Mittsommerfest auf einer der vielen schwedischen Schäreninseln, sind wir diesmal im Herbst auf Öland. Maya hat sich ein paar freie Tage genommen, um ihre Eltern zu besuchen. Sie möchte ihnen ihren Freund Christoffer vorstellen, der noch am Wochenende anreisen soll. Außerdem will Maya endlich wieder mit ihrer Freundin Clara plaudern, die neben Emily und Sanna zum Freundinnen-Kleeblatt gehört. In einem letzten Telefonat hat Clara Maya erzählt, dass sie die lang verschollene Schulkameradin Ingrid gesehen hat. Maya kann das nicht glauben und will mehr darüber wissen.
Sehr lange währt die Ruhe nicht, denn Johann, ein Sonderling und Einzelgänger, findet in der Schlossruine von Borgholm eine Leiche. Das Opfer, eine Journalistin, wurde professionell hingerichtet und das Muster der Hinrichtung ist ident mit einem weiteren Toten. Maya und ihr Stockholmer Kollege Pär sollen die Ermittlungen in Kalmar übernehmen, was manchen ansässigen Polizisten nicht wirklich schmeckt. Die Spuren führen zu einem rechtsradikalen Netzwerk.....

Standen neben Maya in den letzten beiden Bänden Sanne und Emily im Mittelpunkt, ist es diesmal Clara, die dritte Freundin des Kleeblattes. Sie macht sich Sorgen um ihren Sohn, der sich sehr verändert hat. Seit er einen neuen Sporttrainer hat, zieht er sich zurück und zeigt sich Clara gegenüber feindselig.
Geschickt verbindet Sandra Åslund den aktuellen Mordfall um die Journalistin mit der Handlung rund um das Verschwinden der Klassenkameradin von Clara und Maya vor achtzehn Jahren. Dadurch werden die Ermittlungen für Maya diesmal sehr persönlich. Bis sie bemerkt, dass der Mord an der Journalistin und ihre Nachforschungen zu Ingrid zusammenhängen, ist es fast zu spät.

Der Schreibstil der deutschen Autorin, die in Schweden lebt, ist sehr fesselnd. Wechselnde Perspektiven und Einblicke in die Vergangenheit halten den Spannungsbogen aufrecht.
Schon im ersten Band war ich begeistert vom bildhaften Erzählstil der Autorin, der mich an die Seiten gefesselt hat. Nachdem ich den zweiten Band etwas schwächer empfand, konnte mich "Dann ruhest auch du" wieder überzeugen und ich habe den Krimi in einem Rutsch durchgelesen.
Neben den privaten Einblicken, die sich perfekt mit den Ermittlungen ergänzen, beschreibt Sandra Åslund ein brisantes und sensibles Thema mit viel Feingefühl. Sie zeigt die Gefahr auf, wie rechtsextreme Gruppierungen Kindern gegenüber vorgehen und sie beeinflussen. Das hat mir beim Lesen oftmals Gänsehaut bereitet.
Alle Figuren sind sehr lebendig und authentisch gezeichnet. Sie haben Ecken und Kanten. Das schwedische Setting habe ich ebenfalls wieder sehr genossen.

Fazit:
Für mich ist der dritte Band ein toller Abschluss der Trilogie, der mir spannende Lesestunden beschert hat. Schade, dass es keine weiteren Bände geben wird.

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Veröffentlicht am 18.01.2026

Deine Zeit läuft ab

Not Quite Dead Yet
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Um dieses Buch von Holly Jackson kreise ich schon einige Zeit. Als ich es bei meinem letzten Büchereibesuch gesehen habe, habe ich es dann mitgenommen.
Warum ich gezögert habe? Weil ich bisher ziemlich ...

Um dieses Buch von Holly Jackson kreise ich schon einige Zeit. Als ich es bei meinem letzten Büchereibesuch gesehen habe, habe ich es dann mitgenommen.
Warum ich gezögert habe? Weil ich bisher ziemlich einstimmig gehört habe, dass Holly Jackson zwar einen Erwachsenen Thriller schreiben wollte, sie jedoch den jugendlich Grundton beibehalten hat. Und dem kann ich absolut zustimmen, denn obwohl unsere Hauptprotagonistin Jet bereits 27 Jahre alt ist, verhält sie sich eher wie ein älterer Teenager. Da ich aber auch gerne Jugendthriller lese, wollte ich es wagen...

Jet lebt in Woodstock, Vermont, und ihre Familie gehört zu den Reichsten in der Stadt. Bisher hat die 27-jährige ihr Leben noch nicht wirklich im Griff und verschiebt vieles auf morgen. Ihr Buder Luke hingegen ist verheiratet und möchte sobald wie möglich die Firma übernehmen. Der Vater ist jedoch noch nicht so weit und vertröstet, sowohl Luke, als auch Jet, immer wieder von neuem.
In der Halloweennacht wird Jet von einem unbekannten Täter in ihrem Zuhause attackiert. Sie überlebt nur knapp, doch als sie im Krankenhaus aufwacht, haben die Ärzte keine gute Diagnose für sie. Jet hat nur mehr sieben Tage zu leben, denn durch einen inoperablen Knochensplitter im Gehirn wird sich bei ihr ein Aneurysma bilden. Jets Leben steht völlig auf dem Kopf und sie entschließt sich endlich einmal eine Sache durchzuziehen: Sie möchte ihren eigenen Mord aufklären und den Täter finden. Gemeinsam mit Billy, ihrem Freund aus Kindertagen, beginnt sie nachzuforschen...

Die Grundidee ist genial: ein Überfall, ein Opfer, welches nur mehr einige Tage zu leben hat und den Mordversuch an sich selbst aufklären möchte, ein verschwundener Exfreund, ein Bauunternehmen und viele Verdächtige. Eine tolle Idee!
Anfangs wurde ich jedoch nicht so ganz warm mit der 27-jährigen Jet. Man erkennt in ihr die verzogene Tochter aus reichem Haus, die sich nicht wirklich anstrengen muss. Doch bald entdeckte ich bei ihr nicht nur Trotz, sondern auch eine Trauer und Leere, die durch die Vergangenheit der Familie zu begründen ist. Mit der schlimmen Diagnose will sich Jet nicht abfinden und übernimmt erstmals Verantwortung. Sie erkennt, wie dumm es war, alles auf später zu verschieben. Außerdem erkennt sie viel zu spät, was wirklich wichtig ist. Dadurch hat sie bald meine Sympathie doch noch bekommen.

Für mich war es das erste Buch von Holly Jackson. Der sehr leichte Schreibstil lässt einem durch die Geschichte rauschen, die mir gut gefallen hat. Das Thema, welches die Autorin gewählt hat, ist außerdem reizvoll und einmal etwas ganz Neues. Obwohl ich die Handlung nicht wirklich als Thriller empfand, habe ich gerne in der Geschichte gelesen und wollte wissen, was hier wohl dahinterstecken mag. Einige Vorgänge waren für mich schnell ersichtlich, andere wiederum nicht. Die Autorin hat versucht viele Wendungen einzubauen, um die Leser auf falsche Fährten zu führen. Ganz gelungen ist ihr das - für mich als langjährige Thrillerleserin - nicht, aber für das jugendliche Zielpublikum, welches diesmal eigentlich gar nicht gemeint war, passt es gut. Gefallen hat mir auch das Kleinstadt-Setting und die herbstliche Atmosphäre in Vermont.

Trotz des eigentlichen traurigen Themas, kommt immer wieder der Humor durch. Besonders zum Ende hin zieht der Spannungsbogen rasant an. Auch die vielen Figuren, die mehr oder weniger präsent sind, werden sehr lebendig und facettenreich gezeichnet. Die kleine Liebesgeschichte fand eher im Hintergrund statt, was für mich die richtige Dosis war.
Kritik gibt es bezüglich doch einiger etwas unrealistischen Szenen, bei denen man ein Auge zudrücken muss. Trotzdem habe ich diese außergewöhnliche Geschichte gerne gelesen.

Fazit:
Holly Jackson hat es mit "Not quite dead yet" nicht geschafft vom Jugendthriller zum Erwachsenenthriller zu wechseln. Sowohl die Sprache, als auch die Hauptprotagonistin wirken zu jugendlich. Trotzdem las ich gerne in diesem Buch, das eine richtig tolle Grundidee hat. Außerdem möchte uns die Autorin sagen, dass wir unser Leben nicht auf später verschieben, sondern im Jetzt leben sollen. Da kann ich ihr nur zustimmen!

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Veröffentlicht am 13.01.2026

Thriller mit kleinen Schwächen

Eisnebel
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Theodora, genannt Theo, ist mit ihrem Verlobten Connor auf den Weg zu seiner Familie. Die sehr einflussreichen Daltons wohnen auf Idlewood, einem großen Anwesen in den Bergen. Jedes Jahr während der Weihnachtszeit ...

Theodora, genannt Theo, ist mit ihrem Verlobten Connor auf den Weg zu seiner Familie. Die sehr einflussreichen Daltons wohnen auf Idlewood, einem großen Anwesen in den Bergen. Jedes Jahr während der Weihnachtszeit versammeln sich alle Familienmitglieder, um gemeinsam zu feiern. Theo bemerkt jedoch sehr schnell, dass sie nicht wirklich willkommen ist. Im Vorfeld hat sie bereits anonyme Drohungen erhalten, die sie jedoch wenig ernst nimmt. Schließlich liebt sie Connor. Bereits in der ersten Nacht quälen Theo Alpträume und immer wieder hat sie das Gefühl schon einmal hier gewesen zu sein. Warum kann sie sich an einige Einzelheiten erinnern, die ihr in einer der fünf Häuser auffallen?
Zunehmend erfahren wir als Leser auch, dass Theo ebenso etwas verheimlicht und sie teilweise keine Erinnerungen vor ihrer Adoption als Kleinkind hat. Woher stammt sie? Wer ist die Frau, die sie immer wieder in ihren Träumen sieht?

Der Thriller wird aus der Sicht von Theo erzählt. Man erfährt von Beginn an, dass Theo nicht ihr richtiger Name ist und dass sie keine Kindheitserinnerungen hat. Ebenso lässt uns die Autorin wissen, dass sie irgendeine Verbindung zu Idelwood haben muss. Es nimmt zwar nicht wirklich Spannung raus, denn wir erfahren erst zum Ende was wirklich dahinter steckt, aber man hätte dies auch gut nicht so klar darstellen müssen.
Die vielen Familienmitglieder haben mich zu Beginn etwas verwirrt. Vor allem die männlichen Figuren konnte ich oftmals schwer auseinanderhalten. Hier hätte ich mir ein Personenregister gewünscht.
Die Beziehung zwischen Theo und Connor war ebenfalls etwas eigenartig. Bei mir kam nicht wirklich viel Gefühl rüber, auch wenn ich nicht annahm, dass Theo Connor wegen seines Geldes heiraten will.

Der Schreibstil lässt sich gut lesen, ist fesselnd und es war nicht notwendig, alle Figuren sehr detailliert zu beschreiben. Man flog durch die Handlung und hat dabei immer wieder Fragen im Kopf, was hier wohl dahinterstecken mag. Perfekt für eine gemeinsame Leserunde!

Das tief winterliche Setting hat mich jedoch sofort gefangen genommen. Ich liebe Schnee und lese bei Thriller immer wieder gerne diese "Locked-In" Situationen.
Dass alle Familienmitglieder der Daltons Geheimnisse haben und man keinen von ihnen trauen kann, erhöht die Spannung. Zusätzlich endet jedes Kapitel mit einem Cliffhanger. Die bedrohliche Stimmung ist allgegenwärtig.
Am Ende überschlugen sich dann die Ereignisse. Mir war das zu viel, denn die Autorin hat immer wieder neue Wendungen eingebracht und ich konnte nur mehr staunen. Auch einige Zufälle zu viel und Fehler im Text sind weitere Kritikpunkte von meiner Seite. Trotzdem hat mich dieser Thriller gut unterhalten und er war spannend zu lesen. Das Potential für eine gemeinsame Leserunde war ebenfalls vorhanden, denn es gab genügend Fragen und Spekulationen, die uns beschäftigt haben.


Fazit:
Ein atmosphärischer "Locked-In" Thriller, der vor allem mit seinem Setting und der steigenden Spannung punkten kann. Das Ende war mir allerdings zu drüber. Trotzdem kann ich "Eisnebel" gerne weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 11.01.2026

Ruhiger Roman, der leider nicht in Erinnerung bleibt

Sonnenaufgang Nr. 5
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"Sonnenaufgang Nr. 5", der neue Roman von Carsten Henn, der mich mit "Der Buchspazierer" und auch mit seinem Jugendroman "Die Goldene Schreibmaschine" überzeugen konnte, kommt leider für mich nicht an ...

"Sonnenaufgang Nr. 5", der neue Roman von Carsten Henn, der mich mit "Der Buchspazierer" und auch mit seinem Jugendroman "Die Goldene Schreibmaschine" überzeugen konnte, kommt leider für mich nicht an die beiden anderen Romane heran. Die Geschichte wird zwar sehr poetisch und warmherzig erzählt, jedoch habe ich sie bereits im November oder Dezember gelesen und sehr viel ist nicht davon im Gedächtnis geblieben. Das ist leider keine so gute Bilanz.....

Jonas, 19 Jahre, möchte nach seinem abgebrochenen Germanistikstudium, seinen Traum leben und als Ghostwriter Biografien schreiben. Sein Vater, der ein Restaurant führt, hätte sich seinen Sohn als Nachfolger gewünscht, doch Hotelier kommt für ihn gar nicht in Frage. Als kleiner Junge hat er früh seine Mutter verloren und knabbert noch immer daran. Einer Konfrontation mit der Vergangenheit weicht er aus.
Mit der exzentrischen Filmdiva Stella Dor möchte er sein Projekt beginnen und fährt in ihre Heimat an die See. Dort angekommen trifft er zuerst auf Bentje. Die alte Dame sitzt dort jeden Tag, um die Durchsage des Busses zu hören, die ihr verstorbener Mann eingesprochen hat.
Stella lebt im Strandpavillon "Die Krabbe", wo sie unzählige Biografien, gespickt mit Notizzetteln, im Bücherregal hat. Mit ihrer Hilfe will sie Jonas von ihrem Leben erzählen. Doch Jonas entdeckt bald, dass Stellas Erinnerungen an ihr Leben nicht immer mit der Wahrheit entsprechen. Sie möchte von Jonas, dass er ihre Vergangenheit als glücklich und erfüllt beschreibt. Doch sollte eine Autobiografie nicht alles beinhalten, was das Leben bereit hielt?

Im Umkreis von Stella leben äußerst interessante Charaktere: Paul, der zunehmend dement wird und nur einmal mit Stella tanzen möchte; Geraldo, der einmal Lehrer war und nur Sonnenuntergänge malt oder Nessa, die ihre gesamte Familie beim Tsunami verloren hat. Aber auch Stella knabbert an ihrer Vergangenheit und an einem schlimmen Schicksalsschlag, an dem sie sich die Schuld gibt.

Carsten Henn erzählt über (falsche) Erinnerungen, über Freundschaften, Schicksalsschläge, Verlust und Einsamkeit, aber auch um Verdrängung. Man erkennt, wie Erinnerungen sich verändern und verschiedene Menschen ein und dasselbe Ereignis oftmals verschieden abspeichern.

Die Geschichte wird sehr warmherzig und ruhig erzählt. Die Dialoge sind klug, humorvoll und voller Zwischentöne. Der Roman wird in der Gegenwart, inklusive Rückblicken in die Vergangenheit von Stella, erzählt. Carsten Henn vermittelt seinen Leser:innen wie gewohnt viel Lebensweisheit ohne belehrend zu wirken.

Trotzdem vermisste ich hier das gewisse Etwas, das mich auch nach Monaten an diese Geschichte erinnern lässt. Das ist leider nicht der Fall, denn ich habe zwar die verschiedenen Charaktere noch sehr gut vor Augen, aber was die Handlung betrifft, weißt diese doch schon einige Lücken auf.

Fazit:
Ein netter Roman mit Lebensweisheiten und etwas skurrilen Figuren, die alle ihr Päckchen zu tragen haben. Für mich war er etwas zu wenig, um in Erinnerung zu bleiben.

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