Beeindruckendes Debüt
Das schönste aller LebenBetty Boras "kenne" ich von Instagram und habe einen Teil ihres Weges zu diesem Roman mit großem Interesse verfolgt. Vor allem ihre Reise ins Banat, wo ein Handlungsstrang spielt und auch ihre eigene Vergangenheit ...
Betty Boras "kenne" ich von Instagram und habe einen Teil ihres Weges zu diesem Roman mit großem Interesse verfolgt. Vor allem ihre Reise ins Banat, wo ein Handlungsstrang spielt und auch ihre eigene Vergangenheit liegt.
Deshalb habe ich mich wahnsinnig gefreut, als ich bei Lovelybooks das Buch für die Leserunde gewonnen habe.
Der Roman besteht aus drei Zeitebenen und Handlungssträngen. Dabei lernen wir Vio einmal als Teenager und einmal als erwachsene Frau und Mutter kennen. Nach dem Sturz und Tod von Cauceascu verlassen ihre Eltern Glogawatz im rumänischen Banat. Dort leben die Banater Schwaben, die deutschsprachig sind. Vio kommt als sechsjährige nach Deutschland und will einfach dazugehören. Sie will weder auffallen und nicht anders sein, was ihr vor allem einige Jahre später durch das Tragen eines medizinischen Korsetts schwer fällt. Besonders in diesem Alter, wo man sich nach Freunde und Zugehörigkeit sehnt, fühlt sich Vio allein gelassen. Wenn du denkst, du bist anders, fällst du auf und das versucht Vio zu vermeiden.
Im zweiten Strang ist Vio erwachsen und hat eine Tochter. Hier wird aus der Ich-Perspektive erzählt, während alle anderen Handlungsstränge in der 3. Person geschrieben sind.
Nach einem tragischen Unfall zweifelt Vio an der Mutterrolle und gibt sich die Schuld, dass sie die Schönheit ihrer Tochter zerstört hat, die nun Narben tragen wird. Wie wird die Zukunft ihrer Tochter wohl aussehen? Vio kapselt sich immer mehr ab und fällt in eine tiefe Depression.
Im Vergangenheitsstrang, der im 18. Jahrhundert spielt, begleiten wir Theresia. Sie wird von Wien auf dem Wasserweg der Donau in ein Arbeitslager nach Rumänien gebracht. Ihren Strang fand ich besonders interessant und emotional. Hier hätte ich mir noch etwas mehr dazu gewünscht. Die Zusammenhänge zu Vio werden ebenfalls nicht wirklich klar; man erfährt lediglich, dass sie eine Vorfahrin von ihr ist. Gemeinsam ist aber das Thema Schönheit.
Dazwischen gibt es immer wieder einige kurze Kapitel aus der Sicht der Banater Erde, was ungewöhnlich, aber interessant ist.
Betty Boras hat in ihrem Debüt einige Themen aufgemacht. Die zwei Wichtigsten davon sind Integration bzw. Herkunft und Schönheit. Dabei beginnt man selbst zu reflektieren und nachzudenken. Wünscht sich nicht jede Mutter insgeheim ein schönes Kind bzw. ist es nicht ein wichtiger Bestandteil für ein schönes und gutes Leben?
Die sogenannte Schönheit, die jeder individuell sieht, ist jedoch auch ein zweischneidiges Schwert. Sie kann das Leben leichter machen, aber sie kann auch ein Fluch sein. Die Autorin zeigt hier beide Sichtweisen auf.
Die Figuren sind lebendig und man kann sich in beide Frauen hineinfühlen. Trotzdem habe ich Vio als erwachsene Frau nicht ganz verstanden. Sie suhlt sich in Selbstmitleid und kapselt ihr Kind und sich selbst von der Umwelt ab.
Der Schreibstil von Betty Boras lässt sich sehr angenehm lesen. Dabei ist er eindringlich und emotional. Besonders gut gefallen hat mir die sehr feinfühlige Sprache und die Stimmung.
Insgesamt waren es mir fast zu viele Themen bzw. hätte man zu jedem noch sehr viel erzählen und noch mehr in die Tiefe gehen können. Trotzdem ist die Geschichte eindringlich erzählt und bleibt auf jeden Fall in Erinnerung.
Fazit:
Das Romandebüt von Betty Boras ist ein gelungener und gefühlvoller Roman, der mir sehr gut gefallen hat, aber zu wenig Seiten für all die Themen und Konflikte hat. Besonders den historischen Teil fand ich sehr interessant, der aber eindeutig zu kurz kommt. Trotzdem spreche ich eine Leseempfehlung aus für LeserInnen, die gerne Lektüre über Migration und Herkunft lesen.