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Veröffentlicht am 28.05.2024

Wären 4 1/2 Sterne statt 3 1/2 Sterne gewesen, wenn nicht dieses Ende....!! Geht gar nicht!

Der Ausflug - Nur einer kehrt zurück
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Gleich vorab möchte ich sagen, dass ich diesen Thriller wirklich toll fand - bis das Ende kam. Deshalb habe ich die Geschichte statt mit 4 1/2 Sternen nur mit 3 1/2 Sternen (abgerundet auf 3 bei anderen ...

Gleich vorab möchte ich sagen, dass ich diesen Thriller wirklich toll fand - bis das Ende kam. Deshalb habe ich die Geschichte statt mit 4 1/2 Sternen nur mit 3 1/2 Sternen (abgerundet auf 3 bei anderen Portalen) bewertet.
Der Grund: Viele von euch wissen, dass ich mit offenen Enden nichts anfangen kann und schon gar nicht bei einem Thriller.

Doch worum geht's hier?
Anwältin Anna und ihr Verlobter Henrik verbringen, gemeinsam mit Annas Freundin Milena, jeden Sommer in den Bergen Nordschwedens. Sie lieben es Stockholm hinter sich zu lassen und in der freien Natur Kraft zu tanken. Dieses Jahr mussten die drei Freunde allerdings ihren Urlaub in den September verschieben und Milena möchte erstmals ihren neuen Freund Jakob mitnehmen. Anna ist nicht wirklich begeistert davon, stimmt aber zu, was sie bald bereut. Jakob schlägt gleich zu Beginn vor, von der usprünglichen Wanderroute abzuweichen und stattdessen im eindrucksvollen, aber weitaus schwierigeren Sarek zu wandern. Obwohl er Anna und Henrik nicht kennt, wirkt er sehr überzeugend und spielt bald den Anführer der Gruppe, was vorallem Anna richtig nervt. Die Situation verschräft sich immer mehr und die Dynamik in der Gruppe ändert sich. Die anfänglichen Spannungen gehen nahtlos in Streitigkeiten über, die schlussendlich in wahre Todesangst gipfelt. Nicht nur Jakob scheint eine Gefahr darzustellen, sondern auch die Natur zeigt ihre Krallen. Ein viel zu früher Wintereinbruch bringt die vier Wanderer an ihre absoluten Grenzen. Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit und um Leben und Tod.

Der Thriller wird aus der Sicht von Anna erzählt. Sie ist jedoch eine unzuverlässige Erzählerin. Unterbrochen werden ihre Schilderungen durch ihre Zeugenbefragung im Stil eines Protokolls, denn sie kehrt als einzige Überlebende aus dem Sarek zurück (Dies ist kein Spoiler, sondern wird gleich zu Beginn erzählt). Mit der Einvernahme durch die Polizei werden Annas Erzählungen immer wieder in Frage gestellt und lässt die Spannung ansteigen.

Ulf Kvensler versteht es von Beginn an ein beklemmendes Gefühl beim Leser zu erschaffen. Man möchte am liebsten alle Figuren schütteln und ihnen gleich zu Beginn vorschlagen diese Wanderung nicht zu machen. Die Bedrohung ist trotz der bildhaften Naturbeschreibungen immer greifbar. Wir wandern mit Anna, Henrik, Milena und Jakob mit und erleben ihre Stimmungen, ihre Verzweiflung und Wut.
Die Naturbeschreibungen sind absolut gelungen. Ich konnte die Bergwelt des schwedischen Nationalparkes bildhaft vor mir sehen.

Die Figuren sind sehr authentisch dargestellt. Nur Henrik erschien mir im Laufe des Buches wie ein völlig anderer Mensch. Er war zu Beginn sehr phlegmatisch und Anna gegenüber ziemlich lieblos. In den Rückblenden, als Anna vom Kennenlernen erzählte, war er der aufsteigende Shootingstar der Universität und ein dynamischer Mann. Jedoch bemerkt man auch, dass die Beziehung zwischen den Beiden ziemlich auf der Kippe steht.
Milena ist ein Duckmäuschen und Jakob ein Manipulator.

Das Ende ist abrupt und lässt zwei Möglichkeiten zu. Es ist jedem selbst überlassen, wie er es interpretiert und somit für mich ein offenes Ende. Und hier liegt dann leider "der Hund begraben", denn damit fiel eine sehr packende und atmosphärische Story plötzlich mit einem "Puff" in sich zusammen. So schade!

Fazit:
Ein spannender Thriller, der mich gefesselt, jedoch mit dem offenen Ende enttäuscht zurückgelassen hat.

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Veröffentlicht am 25.05.2024

Im dunklen, dunklen Wald

Das Baumhaus
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Ein schwedischer Thriller von einer deutschen Autorin? Gehts das? - und wie!
Vera Bucks neuer Thriller ist eine komplexe und wendungsreiche Geschichte, die aus der Sicht von Henrik, Marla, Nora und Rosa ...

Ein schwedischer Thriller von einer deutschen Autorin? Gehts das? - und wie!
Vera Bucks neuer Thriller ist eine komplexe und wendungsreiche Geschichte, die aus der Sicht von Henrik, Marla, Nora und Rosa erzählt wird. Es sind sehr individuelle Charaktere, wobei Rosa für mich der mit Abstand interessanteste ist.
Das Buch ist von Beginn an fesselnd. Bereits der Prolog ließ mich erschauern. Wir werden mit einer Figur konfrontiert, die uns das ganze Buch über begleitet und mir Gänsehaut beschert hat.
Der Thriller beginnt mit der Ankunft von Henrik, Nora und Fynn, einer deutschen Familie, die im ehemaligen Sommerhaus von Henriks Großvater in Västernorrland, ihren Urlaub verbringen möchten. Das seit Jahren leerstehende Haus ist jedoch ziemlich heruntergekommen. Der Garten ist verwildert und die Zufahrt zum Haus kaum mehr zu finden und einsehbar. Vom dunklen Wald in der Nähe geht etwas Bedrohliches aus. Henrik verbindet jedoch mit dem Haus Erinnerungen an seine Ferien bei seinem geliebten Großvater in Schweden. Als er im Wald ein Baumhaus entdeckt, kommen Erinnerungen an eine Begebenheit in ihm hoch, die er jahrzehntelang verdrängt hatte.
Als Fynn beim Spielen im Wald innerhalb von kurzer Zeit plötzlich verschwindet, fällt das Kartenhaus der nach außen hin harmonischen Familie in sich zusammen.

Henrik ist Kinderbuchautor und seine Fantasie scheint keine Grenzen zu haben. Das bringt ihn aber auch oftmals in Schwierigkeiten, weil er auch gerne flunkert. Selbst Nora weiß nicht immer, wann er lügt oder die Wahrheit spricht. Für ihn ist vieles ein großes Abenteuer, bis ihn gewisse Erinnerungen einholen, die ihm keine Ruhe lassen.

Nora hütet ein Geheimnis und möchte dieses mit der Urlaubsreise nach Schweden hinter sich lassen. Doch das scheint nicht möglich. Verstörende Nachrichten auf ihrem Handy und eine unbestimmte Angst lassen sie nicht wirklich los.

Spannend fand ich den Charakter von Rosa. Sie ist alles andere als erfreut, dass sie wieder zu Hause einziehen muss. Sie soll ihren Vater bei der Pflege ihres verunglückten Bruders helfen, der seitdem querschnittgelähmt ist. Dafür muss sieh ihre eigenen Pläne zurückstecken.
Rosa interessiert sich seit ihrer Kindheit für den Tod und hat in forensischer Botanik promoviert. Sie untersucht die Auswirkungen von Tierkadavern in der unmittelbaren Umgebung von Bäumen. Ihr seltsame Vorliebe hat sie allerdings zur Einzelgängerrin gemacht. Als sie bei ihren Grabungen auf ein Kinderskelett stößt, bittet die Polizei um ihre Hilfe. Sie soll weitere Grabungen durchführen, denn in den letzten Jahrzehnten sind einige Kinder auf mysteriöse Weise verschwunden.

Und dann ist da noch Marla. Das kleine Mädchen wurde entführt und wird seitdem in einem Baumhaus gefangen gehalten.

Die Figuren sind sehr facettenreich und unheimlich gut dargestellt. Jeder von ihnen hat etwas zu verbergen. Als Leser erlebt man die Gedanken und Ängste der Figuren immer hautnah mit.
Der Schreibstil ist sehr bildhaft und lebendig. Ich bin begeistert!

Durch die wechselnden Kapitel mit unterschiedlichen Erzählern entsteht eine Spannung, die sich immer weiter aufbaut. Vera Buck gelingt es eine atmosphärische Grundstimmung zu erzeugen, die eher düster und beklemmend ist.
Mich hat der Plot fasziniert und die Sogwirkung, die bereits zu Beginn entsteht, hat mich das Buch kaum aus der Hand legen lassen. Die Autorin hat einige Themen aufgemacht, die nach und nach an Intensivität gewinnen. Puzzlestein um Puzzlestein lassen ein Gesamtbild entstehen, welches sich dann doch wieder verändert.
Vera Buck hat viele Wendungen eingebaut, die überraschen und mich oftmals kurz die Luft anhalten hat lassen. Man rätselt gerne mit und wird doch auf eine falsche Fährte geführt, wobei es trotzdem immer wieder weitere Verdächtige gibt. Mit einem Verdacht lag ich richtig, doch mit dem tatsächlichen Ende konnte mich die Autorin richtig überraschen.
Zum Ende hin wurde mir der komplexe Thriller fast ein wenig zu schnell aufgelöst. Ein Twist nach dem anderen folgte und mir schwirrte richtig der Kopf! Die Auflösung ist trotzalledem schlüssig und nachvollziehbar.

Fazit:
Ein verstörender Thriller, der den Alptraum vieler Eltern Wirklichkeit werden lässt. Facettenreiche Charaktere und eine durchgehend beklemmende Atmosphäre ließen mich das Buch kaum aus der Hand legen. Das Ende war mir dann jedoch fast ein bisschen zu schnell und es ging Schlag auf Schlag.
Der Schreibstil ist fantastisch und ich werde mir auch noch die anderen Romane/Thriller der Autorin näher anschauen, wobei ich "Runa" bereits im Regal stehen habe.

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Veröffentlicht am 21.05.2024

Pageturner vom Feinsten

Absturz
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Von der Autorin habe ich bereits "Flug 416" gelesen. Der Thriller hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich ihn etwas zu "amerikanisch" fand mit den typischen Heldenfiguren, die wir aus diversen Actionfilmen ...

Von der Autorin habe ich bereits "Flug 416" gelesen. Der Thriller hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich ihn etwas zu "amerikanisch" fand mit den typischen Heldenfiguren, die wir aus diversen Actionfilmen kennen. Auch bei "Absturz" muss ich dies wieder "bemängeln", jedoch hat mich auch ihr zweiter Thriller wieder richtig gefesselt.

T.J. Newman greift abermals das Thema einer Flugzeugkatastrophe auf. Nur sechs Minuten nach dem Start in Honolulu stürzt Flug 1421 ins Meer. Unter den Überlebenden befinden sich auch Will und seine Tochter Shannon. Während sich bereits einige Passagiere über die Notrutsche aus dem Wrack retten konnten, sind Will, Shannon und noch einige andere Menschen im Flugzeug, als dieses plötzlich zu sinken beginnt. Es gibt kein Entkommen und es bleiben nur mehr wenige Stunden Sauerstoff. Der Countdown läuft.....

Wir erleben Kapitel aus der Sicht der eingeschlossenen Passagiere und aus der Sicht der Rettungkräfte. Es werden zu Beginn jede Menge Figuren vorgestellt. Im Mittelpunkt steht jedoch Will Kent. Parallel dazu gibt es einen weiteren Handlungsstrang um Chris, der Mutter von Shannon und Noch-Ehefrau von Will. Sie ist Industrietaucherin und wird zum Unglücksort gerufen. Natürlich setzt sie alles daran, ihre Tochter zu retten. Ihr Plan, den sie der Rettungsmannschaft darlegt, scheitert zunächst an der Sturheit von Navy und Küstenwache....
Als Leser wechseln wir zwischen den beiden Handlungssträngen und erleben die Emotionen im Flugzeug, sowie von den Rettungsmannschaften hautnah mit.
In kleinen Rückblenden erfahren wir zusätzlich mehr aus dem Leben der Familie Kent.

Die Autorin spielt gekonnt mit unseren Albträumen, wenn es ums Fliegen geht. Sie war jahrelang Flugbegleiterin und kennt sich mit diesem Thema sehr gut aus....auch mit den Ängsten der meisten Passagiere. Meisterhaft fängt sie die Emotionen und die Umstände während des Absturzes ein.
Der Spannungsbogen bleibt von Beginn an hoch und T.J. Newman hat wieder einen absoluten Pageturner geschrieben. Ich habe den Thriller an zwei Abenden inhaliert. Aufgebaut ist er ähnlich, wie ihr Debüt. Die Umstände sind jedoch anders als bei "Flug 416".

Der Schreibstil ist sehr bildhaft und knackig - passend für einen Thriller. Die technischen Details werden verständlich dargestellt. Die Charaktere sind allerdings ein wenig eindimensional und stereotypisch.
Meine Kritikpunkte, die ich schon bei ihren Debütthriller hatte, gibt es auch diesmal, obwohl ich "Absturz" doch um einiges besser fand. Es war mir wiederum zu amerikanisch (heldenhaft) und manchmal etwas überzogen. Als Katastrophenfilm kann ich mir die Geschichte allerdings sehr gut vorstellen und anscheinend sind die Filmrechte bereits vergeben.

Spannung auf hohem Niveau kann die Autorin - ob es ihr auch bei anderen Themen gelingt?


Fazit:
Ein wahrer Pageturner, den ich in kurzer Zeit gelesen habe. Actionreich und spannend - jedoch wieder sehr "amerikanisch" und etwas überzogen. Trotzdem fand ich "Absturz" gelungen und empfehle es allen weiter, die einen nervenaufreibendn Katastrophen-Thriller lesen möchten!

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Veröffentlicht am 19.05.2024

Ein gelungener Auftakt

Die Brandung – Moorengel
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Die Hitze flirrt in der Luft. Es ist Hochsommer im deutsch-dänischen Grenzgebiet um Flensburg.
Fria Svensson kommt nicht nur aus einer Familie von Gesetzeshütern, sondern war vor ihrem Archäologiestudium ...

Die Hitze flirrt in der Luft. Es ist Hochsommer im deutsch-dänischen Grenzgebiet um Flensburg.
Fria Svensson kommt nicht nur aus einer Familie von Gesetzeshütern, sondern war vor ihrem Archäologiestudium selbst Polizistin. Mittlerweile ist sie Leiterin des dänischen Museums für Archäologie in Ørerup. Eines Tages erhält sie anonyme Post. In einer Dose befindet sich der Knochen eines menschlichen Fingers mit dem Hinweis, dass er im nahegelegenen Thorsberger Moor gefunden wurde. Der Finger ist jedoch kein archäologischer Fund, sondern neueren Datums. Der anonyme Absender des Poststückes wird durch die Polizei schnell ermittelt und die Suche nach dem Körper, zudem der Finger gehört, begonnen. Es dauert nicht lange und man wird fündig - jedoch anders, als erwartet. Auf dem Grund des Moores werden sechs Leichen entdeckt, die vom Täter/den Tätern unter Wasser angepflockt wurden. Außerdem sind auf zwei, nur teilweise skelettierten Toten, rätselhafte Einritzungen, die weitere Rätsel aufgeben. Der ehemalige Besitzer des Fingers wird jedoch nicht gefunden.
Unter der Leitung von Hauptkommissar Ohlsen Ohlsen (was für ein Name!) wird eine SOKO aus dänischen und deutschen Ermittlern zusammengestellt. Fria lässt die Auffindung der Leichen ebenfalls keine Ruhe und erkundigt sich immer wieder nach den Fortschritten. Dabei erhält Ohlsen von ihr, abseits des offiziellen Dienstweges, Unterstützung. Bald kommt jedoch die Sorge um die seit Tagen verschwundene siebenjährige Tilda für Ohlsens Team hinzu, die niemand zu vermissen scheint....

Dies ist der Auftakt einer neuen Reihe um ein ungewöhnliches deutsch-dänisches Ermittlerteam: Hauptkommissar Ohlsen Ohlsen und Archäologin und ehemalige Polizistin Fria Svensson.
Ohlsen ist Hauptkommissar der Kripo Flensburg und Leiter der Außenstelle Norgaard. Fria liebt zwar ihren neuen Beruf, kann jedoch das Ermitteln nicht lassen. Als Beraterin wird sie zunehmend von der deutschen und dänischen Polizei eingesetzt und geschätzt.
Der Fall rund um die Moorleichen bringt jedoch alle bald zum Verzweifeln. Es wird einfach kein gemeinsamer Nenner bei den Toten gefunden.
Schlimmer gestaltet sich allerdings die Suche nach dem vermissten Mädchen Tilda, bei der jede Minute zählt. Auch aus ihrer Sicht werden einzelne kurze Kapitel eingefügt. Diese Abschnitte gehen richtig an die Nieren und haben mich tief berührt.

Die Kapitel sind kurz gehalten und selbst innerhalb der Kapitel wechseln oftmals die Figuren. Da der Krimi auch relativ komplex ist und wir doch einige Figuren haben - angefangen von den sechs Leichen, über die Kollegen der SOKO und des Museums, Frias WG-Mitbewohnern und auch ihrer Familie usw. - sollte man den Krimi zügig und auch nicht parallel lesen.
Der Krimi hat auch jede Menge Lokalkolorit und hat mir dieses Gebiet an der Ostsee etwas näher gebracht, welches so gar nichts mit unseren Alpen zu tun hat ;)
Zusätzlich versteht es Karen Kliewe meisterhaft falsche Spuren zu legen. Es gibt jede Menge Verdächtige und es sind zwei Fälle aufzuklären - eine schwierige Angelegenheit für die SOKO Bog Body.

Fazit:
Ein gelungener Auftakt einer neuen und interessanten Krimireihe im deutsch-dänischen Grenzgebiet, die sehr komplex ist und mit viel Lokalkolorit punktet.

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Veröffentlicht am 15.05.2024

Sommerlicher und erfrischender Jugendroman

Emmas Herzdilemma
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Von Stefanie Gerstenberge habe ich schon einige Jugendromane gelesen - viele davon hat sie gemeinsam mit ihrer Tochter Martha Martin geschrieben. "Emmas Herzdilemma" kommt aus der alleinigen Feder der ...

Von Stefanie Gerstenberge habe ich schon einige Jugendromane gelesen - viele davon hat sie gemeinsam mit ihrer Tochter Martha Martin geschrieben. "Emmas Herzdilemma" kommt aus der alleinigen Feder der Autorin.

Besonders spannend am Roman fand ich die beiden Verläufe, die die Geschichte einnimmt. Der gemeinsame Ausgangspunkt zweigt nämlich ab einer bestimmten Stelle in verschiedene Richtungen ab und wir erhalten zwei parallel laufende Handlungsalternativen. Beide Handlungsstränge sind toll gekenntzeichnet. Es gibt verschiedene Schriftarten und zu Beginn wissen wir durch eine Grafik des Collosseums oder des Kölner Doms, wo wir uns gerade befinden.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Emma erzählt. Sie ist ein typischer Teenager, die sich vor ihren Pflichten drückt und selten Verantwortung überbnimmt. Das wird ihr jedoch zum Verhängnis, als sie mit Ringo, dem betagten Hund ihres Großvaters in den Park geht, um ihren heimlichen Schwarm Oscar zu sehen. Statt auf Ringo aufzupassen, sind ihre Augen nur bei Oscar. Ringo nutzt die Gelegenheit und haut ab - und wird von einem Auto angefahren. Daraufhin muss Emma die Tierarztkosten selbst zahlen und der gemeinsame Urlaub mit den Eltern in Frankreich wird gestrichen. Stattdessen soll sie in der kleine Pension ihrer Tante Dette in Rom sechs Wochen Mädchen für alles spielen und das Geld für den Tierrarzt verdienen. Emma hat null Bock darauf, vorallem wo Oscar den Sommer über in Köln bleibt.

Und hier teilt sich nun die Geschichte:
- Bei der Rom-Variante fliegt Emma in die italienische Hauptstadt, wird endlich selbstständiger und lernt Verantwortung zu übernehmen. Dabei läuft ihr immer wieder ein süßer Junge mit dunklen Locken über den Weg. Sie lernt italienisch und verliebt sich nicht nur in das quirlige Rom.
- Bei der Köln-Variante bleibt Emma in Köln. Etwas wiederwillig hilft sie ihren Opa in seiner Wohnung. Dabei lernen sich die Beiden richtig gut kennen und lernt einiges über Poesie. Emma macht sich Gedanken über einige Dinge, die zum Erwachsen werden dazugehören, macht ihren Roller-Führerschein und wird ebenfalls sehr viel selbständiger. Nur Oscar schwirrt ihr noch immer im Kopf herum....

Es macht Spaß die Geschichte aus zwei verschiedenen Perspektiven zu lesen und zu sehen, wie Emma sich in Köln und in Rom verhält. Die Unterschiede zwischen den beiden Städten nutzt die Autorin geschickt, um die Entwicklung von Emma in verschiedenen Situationen zu beleuchten.

Stefanie Gerstenberger hat die oftmals impulsive Art von Emma sehr gut getroffen. Auch diese "Ich-Bezogenheit", die Teenager in diesem Alter an sich haben, spiegelt sich perfekt wieder. Emmas Seelenleben wird ebenfalls gut beschrieben. Sie macht eine glaubhafte Entwicklung durch, während sie sich mit den Entscheidungen und Konsequenzen ihres Handelns auseinandersetzt.

Das Buch fällt mit dem quitschgelben Cover sofort ins Auge und versprüht Fröhlichkeit. Der frech fröhliche Schreibstil passt perfekt zur jugendlichen Zielgruppe und macht auch Erwachsenen Spaß. Obwohl einige ernste Themen aufgegriffen werden, sprüht die Geschichte oftmals voller Humor. Während es in Köln meistens regnet und die Stimmung in diesen Leseabschnitten düsterer ist, wirkt der Abschnitt in Rom fröhlicher. Die Beschreibungen der italienischen Hauptstadt sind sehr bildhaft und den typischen Lebensstil der Einheimischen spürt man durch die Zeilen. Dramatische Ereignisse findet man aber in beiden Handlungssträngen.

Neben der jugendlichen Leichtigkeit werden aber auch Themen wie Scheidung, s*xuelle Übergriffigkeit, Diebstahl, Lügen, Untreue und Tod behandelt. Gerstenberger verwebt diese doch schweren Themen gut in die Geschichte rund ums Erwachsen werden. Sie geben dem Roman auch Tiefgang neben der jugendlichen Leichtigkeit.
Stefanie Gerstenberger hat es perfekt geschafft, die beiden Handlungsstränge am Ende so zusammenzuführen, dass sie ein logisches und passendes Bild ergeben und dem Leser trotzdem noch Spielraum für seine eigenen Gedanken lässt.

Fazit:
Ein erfrischender Jugendroman mit zwei möglichen Varianten, der unterhält. Perfekt für Mädchen ab 13 Jahren und junggebliebene Erwachsene, die nach einem tollen Sommerroman suchen.

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