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Veröffentlicht am 18.05.2022

Die Invasion der Außerirdischen

Shelter
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Die Autorin nimmt sich sehr oft aktuellen Themen an oder spielt mit der nahen Zukunft. Besonders zu Beginn der Pandemie haben sich viele Verschwörungstheorien auf Social Media Plattformen verbreitet, die ...

Die Autorin nimmt sich sehr oft aktuellen Themen an oder spielt mit der nahen Zukunft. Besonders zu Beginn der Pandemie haben sich viele Verschwörungstheorien auf Social Media Plattformen verbreitet, die sich noch immer halten. Poznaski hat dieses Thema aufgegriffen und lässt sechs Jugendliche in ihrem Roman zu dieser Idee greifen. Aus einer Partylaune heraus erfinden Benny und seine Freunde die abstruse Theorie, dass Außerirdische in die Welt gekommen sind. Geheimnisvolle Zeichen erinnern an Mauern oder Türen an die Einnahme der Erde und ihrer Lebewesen. Diejenigen, von denen bereits Besitz ergriffen wurde, werden "Shelter" genannt. Die Jugendlichen sind verblüfft, welche Dynamik ihre selbst inszinierte Verschwörungstheorie hat und wie schnell sie um sich greift. Doch plötzlich versucht jemand, der nicht zur Gruppe gehört, mitzuspielen und aus Spaß wird sehr schnell eine Bedrohung. Als sich die Ereignisse überschlagen, scheint sich nur mehr Benny mit der gemeinsam kreierten Verschwörungstheorie auseinanderzusetzen. Der Rest der Grupppe zieht sich desinteressiert zurück und die Jugendlichen werden zu Randfiguren. Das fand ich sehr schade und etwas unglaubwürdig.

Ein großes Manko der Autorin ist für mich ihre Figurenbildung. In jedem Jugendbuch fand ich die Charaktere zu wenig greifbar. In "Shelter" ist es genauso. Einzig von Benny, der Hauptfigur, konnte ich mir ein gutes Bild machen. Alle anderen bleiben blass und austauschbar.

Der Schreibstil und der Spannungsaufbau ist hingegen wieder absolut gelungen. Vorallem an der ersten Hälfte fand ich extrem Gefallen - trotz einiger Logikfehler. Poznanski hat die Dynamik von Verschwörungstheorien perfekt ungesetzt. Sie zeigt auf, wie schwierig es ist, mit Fakten zu argumentieren und wie verblendet manche Menschen sind, die an noch so unmöglichen Theorien glauben.

Man fliegt nur so durch die Seiten und ich war extrem neugierig, wie die Lösung aussehen wird und was sich die Autorin hat einfallen lassen. Doch ab der zweiten Hälfte nimmt die Handlung eine krasse Wendung, die mir nicht gefallen hat. Plötzlich rücken andere Themen in den Vordergrund, wie Esoterik und Wunderheiler, sowie die Flüchtlingskrise. Die Verschwörungstheorie tritt in den Hintergrund und Poznanski packt einige abstruse und völlig unzusammenhängende Actionsszenen in die Geschichte, die für mich überhaupt nicht stimmig und sehr konstruiert wirken. Das große und spannende Thema der Verschwörungstherorie verlief immer mehr im Sand. Damit hat mich die Autorin schlusseindlich leider verloren....

Fazit:
Ein tolles Thema und eine spannende und großartige erste Hälfte, die mich total mitgerissen hat - trotz kleiner Logikfehler. Doch in der zweiten Hälfte hat mich die Autorin mit ihrem Themenwechsel und einem ziemlich konstruierten Aufbau leider verloren. Deshalb gebe ich noch 3 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 16.05.2022

Harte Jugendjahre

Johanna
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1979 wurde dieser Roman von Renate Welsh erstmals veröffentlicht. Letztes Jahr hat die Autorin ihrer Hauptprotagonistin Johanna eine Fortsetzung mit dem Titel "Die alte Johanna" auf den Leib geschrieben. ...

1979 wurde dieser Roman von Renate Welsh erstmals veröffentlicht. Letztes Jahr hat die Autorin ihrer Hauptprotagonistin Johanna eine Fortsetzung mit dem Titel "Die alte Johanna" auf den Leib geschrieben. Der Czernin Verlag hat daraufhin den ersten Teil neu aufgelegt und ein gemeinsames Erscheinungsbild für beide Romane geschaffen.

Die Autorin schreibt größtenteils Jugendbücher, wo auch dieser Roman eingeordnet ist. Ich würde es jedoch als Erwachsenenroman empfehlen, auch wenn die Protagonistin zu Beginn ein 13 Jahre altes Mädchen ist.
Renate Welsh erzählt die Geschichte von Johanna, die in den 1930iger Jahren in einem österreichischen Dorf im Burgenland als uneheliches Kind zur Welt kommt. Als 13jährige schickt sie ihre Ziehmutter nach Niederösterreich, wo sie eine Schneiderlehre beginnen soll. Doch Johanna landet zuerst für eine Nacht im Armenhaus und wird danach als Dienstmagd einem Bauern zugeteilt, wo sie unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten muss - ohne Lohn, karger Kost und ohne jegliche Freizeit. Johanna gibt jedoch in all den Jahren, in denen sie gegen ihren Willen und unter menschenunwürdigen Bedingungen hart arbeiten muss, nicht auf. Sie beginnt für ihre Rechte und ihre Freiheit zu kämpfen.

Johanna ist ein Entwicklungsroman oder Coming-of-Age Roman, der kein Einzelschicksal der unterpriveligierten Schicht zu dieser Zeit darstellt. Es ist keine Geschichte einer glücklichen, unbeschwerten Kindheit. Vielmehr zeigt Renate Welsh die sozialen Missstände jener Zeit auf, wie Arbeitskräfte und auch Kinder ausgebeutet wurden. Zusätzlich erhält man ein sehr authentisches Bild der 30iger Jahre, wo "Dirn und Knecht" keinerlei Rechte hatten. Als "Bankert" (uneheliches Kind) geboren, war man in der Gesellschaft nochmals eine Stufe unter allen anderen.
Die politische Situation des damaligen Österreichs ist in den Dreißiger Jahren im Umbruch. Die Menschen sind geprägt von Armut und der Nationalsozialismus ist im Kommen.

Die landschaftlichen Beschreibungen sind bildhaft und waren für mich als Niederösterreicherin sehr gut einzuordnen. Ich erkannte viele Orte und fühlte mich heimisch. Das Landleben wird äußerst authentisch beschrieben. Heutige Jugendliche können sich dieses Leben gar nicht mehr vorstellen, was auch gut ist. Trotzdem sollte diese Lektüre ihnen auch vor Augen führen, wie Kinder und Jugendliche damals aufwuchsen.

Der Schreibstil ist leicht zu lesen und dem jugendlichen Leser angepasst. Renate Welsh schreibt einfühlsam und bildhaft. Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit und verknüpft Zeitgeschichte mit einer berührenden Lebensgeschichte eines jungen Mädchens.

Fazit:
Ein Roman, der unter die Haut geht und der nach so langer Zeit nach der Erstveröffentlichung noch genauso fesselt und berührt. Zeitgeschichte der etwas anderen Art, die mich sehr bewegt hat. Von mir gibt es eine Empfehlung!

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Veröffentlicht am 14.05.2022

Hundeglück in Lichterhaven

Nur eine Fellnase vom Glück entfernt
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Es tut richtig gut wieder zurück in Lichterhaven zu sein!
"Nur eine Fellnase vom Glück entfernt" ist der sechste Band, der in Lichterhaven spielt. Petra Schier erobert mit ihren "Liebesromanen mit Hund" ...

Es tut richtig gut wieder zurück in Lichterhaven zu sein!
"Nur eine Fellnase vom Glück entfernt" ist der sechste Band, der in Lichterhaven spielt. Petra Schier erobert mit ihren "Liebesromanen mit Hund" jedes Jahr mein Herz. Alle Bücher der Reihe können aber auch einzeln gelesen werden. Trotzdem finde ich es schöner altbekannten Figuren wieder zu begegnen, deren Geschichten ich bereits mit viel Freude gelesen habe. Denn sowohl die Sommer-, als auch die Weihnachtsromane rund um einen flauschigen vierbeinigen Protagonisten begeistern mich immer wieder. Man kann so herrlich darin versinken und sich wohlfühlen...

In diesem Band der Reihe haben wir es nun mit Duke zu tun, einen Rottweiler, der etwas aus der Reihe schlägt. Sein Herrchen hat ihn bei Christine in der Hundepension gelassen, um in den Urlaub zu fahren. Der Besitzer von Duke verunglückt jedoch am Berg und für den tollpatschigen und ängstlichen Duke wird ein neues Herrchen gesucht. Plötzlich gibt es gleich 2 Interessenten: Henning und Caroline.
Die Beiden können sich jedoch so gar nicht ausstehen und haben unabhängig voneinander beschlossen sich einen Hund nach Hause zu holen. Von der Hundeschule bekommen Caroline und Henning Aufgaben gestellt, damit Christine herausfinden kann, wer besser für Duke geeignet ist bzw. wen der Hund eher annimmt.
Nicht nur Duke ist etwas verwirrt....auch Henning und Caroline. Besonders Caroline reagiert sehr gereizt auf Henning, ganz egal, was er sagt oder wie er sich verhält. Einer der Ursachen steckt in ihrer Kindheit, die nicht einfach war. Carolines Elterne waren sehr streng und halten auch noch heute an veralteten Wertvorstellungen fest. Caro hat sich zwar daraus befreit, hat jedoch eine Abneigung gegen Männer, die an alten Rollenbildern festhalten. Für sie ist Henning, der ehemalige Formel-1 Rennfahrer, mit dem Ruf eines Herzensbrechers und Machos, genauso so ein Typ. Dabei entsprach Henning vorallem dem vorgefertigten Bild seines Rennstalls und dessen Marketing, obwohl er eigentlich seit seiner Jugend ein Auge auf Caroline geworfen hat. Ob Duke ihm wohl helfen kann Carolines Herz zu erobern?

Doch nicht nur die Begegnungen mit Henning zerren an Carolines Nerven. Die "Foodsisters", das Cateringunternehmen, welches sie gemeinsam mit ihren Freundinnen Hannah und Ella führt, ist äußerst erfolgreich. Doch dann wird den drei Freundinnen der Mietvertrag gekündigt. Wie soll es nun weitergehen und vorallem woher sollen sie so schnell eine neue Lokalität finden, die ihren Bedürfnissen entspricht und bezahlbar ist? Henning versucht einzuspringen, was Caroline jedoch ziemlich verärgert…

Natürlich ist auch in diesem sechsten Band der Lichterhaven Reihe klar, dass sich die beiden Zankäpfel am Ende bekommen. Der Weg dorthin ist bei Petra Schier jedoch immer äußerst amüsant und auch prickelnd. Diesmal empfand ich jedoch Caroline manchmal etwas zu zickig und hat mich des öfteren richtig genervt. Henning ist hingegen ein sehr duldsamer Charakter, der bei Caroline wirklich Nerven wie Drahtseile braucht.

Duke ist nicht der süße Welpe, wie auf dem Cover abgebildet, sondern bereits ein zwei Jahre alter und stattlicher 60kg Hund. Für so einen Hund, der noch dazu sehr ängstlich ist und sich vor Lärm fürchtet, braucht man einen erfahrenen Hundekenner, was jedoch weder Caroline noch Henning ist. Beide versuchen zwar Duke die Angst zu nehmen, jedoch empfand ich die Umsetzung in der Geschichte etwas zu leicht.

Schreibstil:
Petra Schiers Schreibsil ist einfach wunderbar locker und trotzdem intensiv. Wie immer sind die Gedanken der vierbeinigen Protagonisten in kursiver Schrift dargestellt und sehr humorvoll erzählt.
Die Lichterhaven Geschichten der Autorin sind spritzig und leicht und haben trotzdem das gewisse Etwas, was mir immer wieder sehr gut gefällt. Die bildhaften Beschreibungen der Umgebung geben mir nach dem sechsten Band das Gefühl selbst schon in Lichterhaven gewesen zu sein. Man fühlt sich heimisch und bekommt trotzdem sein Urlaubsfeeling, denn man schnuppert Seeluft und hört das Meer rauschen....

Fazit:
Ich möchte diese Reihe nicht mehr missen und freue mich jedes Jahr auf die beiden Romane mit den vierbeinigen Protagonisten, egal ob zur Sommer- oder Weihnachtszeit. Für mich bedeutet die Lichterhaven Reihe Entspannung und Wohlfühlmomente, sowie ein kleiner Ausflug ans Meer. Deshalb empfehle ich diese leichte und amüsante Lektüre besonders als Strandlektüre!

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Veröffentlicht am 12.05.2022

Es ist nie zu spät für ein Abenteuer

Die Reise der Sommerfrauen
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Zwei Mal im Jahr ist es Zeit für einen neuen Sarah Morgan Roman: im Frühling/Sommer und zur Weihnachtszeit.
Wie auch schon die letzten Male hat mich die Autorin wieder einmal mit ihrer Geschichte um drei ...

Zwei Mal im Jahr ist es Zeit für einen neuen Sarah Morgan Roman: im Frühling/Sommer und zur Weihnachtszeit.
Wie auch schon die letzten Male hat mich die Autorin wieder einmal mit ihrer Geschichte um drei sehr unterschiedliche Frauenfiguren begeistern können.

Kathleen ist eine lebenslustige Über-80jährige. Sie wohnt in einem kleinen Cottage in Cornwall und weiß sich auch während eines nächtlichen Überfalls gegen den Einbrecher zu wehren. Mit ihrer Bratpfanne schlägt sie dem Dieb eines über. Ihre Tochter Liz und ihr Mann Sean sind jedoch überzeugt, dass es mittlerweile für Kathleen viel zu gefährlich in ihrem abgelegenen Häuschen ist. Sie überlegen das Cottage zu verkaufen und Kathleen in ein Seniorenheim zu stecken. Doch Kathleen ist alles andere als damit einverstanden. Als ehemalige Moderatorin einer Reisesendung ist sie jahrelang durch die Welt gereist und hat für ihre Show "The Summer Seekers" gelebt. Was soll sie in einem Seniorenheim?
Einen Traum möchte sich Kathleen noch erfüllen und die legendäre Route 66 von Chicago bis Santa Monica befahren. Sie engagiert eine Reisebegleitung, die sie quer durch die USA kutschieren soll. Als sich die 25jährige Martha bei Kathleen vorstellt, ist die Reise trotz Lizas Bedenken fixiert. Martha ist ebenfalls glücklich, denn obwohl sie nicht gerne Auto fährt, möchte sie ihrem schwierigen Elternhaus entfliehen. Das Jobangebot von Kathleen kommt damit gerade richtig.

Die drei Frauen, deren Geschichte wir abwechselnd verfolgen, sind sehr unterschiedlich. Mit Liza konnte ich mich sehr gut identizifizieren. Als berufstätige Mutter managt man das gesamte Familienleben und stellt sich selbst hinten an. Liza wird von allen Familienmitglieden nur ausgenutzt. Ein Dankeschön gibt es nie - eher Gemotze von den Kindern und ein vergessesner Hochzeitstag vom Ehemann, der das Fass zum Überlaufen bringt. Doch wie entkommt Liza dem Stress des Alltags?
Obwohl sich Kathleen und Liza nicht wirklich nahe stehen, erkennt Kathleen, dass ihre Tochter dringend eine Auszeit benötigt. Mit der Bitte ein Auge auf ihren Kater Popeye zu haben, während sie durch die USA tingelt, ermöglicht sie Liza eine kleine Auszeit. Liza erkennt, dass sie so nicht mehr weitermachen kann und bleibt kurzfristig für einige Zeit im Cottage ihrer Mutter. Sie beginnt wieder zu malen und erinnert sich an ihre Träume, die sie vor der Geburt ihrer Zwillinge hatte...

Aber auch Kathleen hat eine Vergangenheit, die sie bedrückt und die der wahre Grund ist, warum sie die Route 66 und vorallem kalifornien bereisen möchte. Einfühlsam entlockt Martha Kathleen nach und nach ihre Geschichte und es entsteht eine ganz besondere Freundschaft zwischen den Beiden. Martha gewinnt an Selbstvertrauen und wächst schlussendlich über sich selbst hinaus.

Alle drei Frauen stehen durch ihr unterschiedliches Alter an völlig anderen Punkten in ihrem Leben angelangt. Trotzdem haben alle von ihnen erhebliche Probleme, die es zu bearbeiten gilt.

Schreibstil:
Sehr viel brauche ich eigentlich nicht mehr über den Schreibstil von Sarah Morgan schreiben...nicht umsonst freue ich mich jedes Mal aufs Neue auf ihre Bücher. Wie gewohnt erzählt die Autorin abwechselnd aus der Sicht der drei Hauptfiguren, sodass wir jederzeit sehr nah am Geschehen sind. Es gibt wunderbare Dialoge mit viel Lebensweisheiten und klugen Gedanken, die zum Nachdenken anregen. Sarah Morgan hat auch diesmal ihrer Geschichte wieder Tiefgang verliehen und tief verschüttete Probleme angesprochen.

Durch den Roadtrip auf der Route 66 und durch Lizas Aufenthalt in Cornwall erhalten wir zusätzlich viele landschaftliche Eindrücke. Genauso mag ich es.
Einzig das Ende kam mir fast etwas zu schnell und überhastet. Aber das ist jetzt schon meckern auf hohem Niveau.

Fazit:
Ein weiterer wundervoller Roman von Sarah Morgan, der viel mehr Tiefgang hat, als das Cover vermittelt. Ich habe die Geschichte sehr gerne gelesen und bin mit Kathleen und Martha entlang der Route 66 gefahren und war mit Liza in Cornwall am Meer. Nach dem Motto: Man ist nie zu alt für eine Veränderung oder ein Abenteuer!

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Veröffentlicht am 10.05.2022

Tod des Geliebten

Verheizte Herzen
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Anwältin Ana Kelley bearbeitet Erbschaftsangelegenheiten. Sie ist verheiratet mit Paul und Mutter von zwei Kindern. Eines Tages verliebt sie sich in einen Klienten von ihr und beginnt eine Affäre. Für ...

Anwältin Ana Kelley bearbeitet Erbschaftsangelegenheiten. Sie ist verheiratet mit Paul und Mutter von zwei Kindern. Eines Tages verliebt sie sich in einen Klienten von ihr und beginnt eine Affäre. Für sie wird diese Liebelei eine immer ernster werdende Sache. Ana hofft darauf, dass Connor seine Frau Rebecca verlässt. Doch eines Tages erhält sie von ihr einen Anruf. Connor ist tot und Rebecca möchte, dass Ana den Nachlass ihres Mannes abwickelt. Ana wird durch den unerwarteten Tod ihres Geliebten völlig aus der Bahn geworfen. Sie kann ihre Trauer mit niemanden teilen, denn sie war die heimliche Geliebte. Nur ein Freund von Connor wusste von ihrer Beziehung, doch auch er geht auf Distanz. Ana muss ihre äußere Fassade aufrecht erhalten und steigert sich immer mehr in ihre Trauer hinein. Im Zuge der Verlassenschaftsabhandlung schleicht sich Ana immer mehr in die Familie von Connor ein. Ihr verzweifelter Versuch in Rebecca eine Art Leidensgenossin zu finden, wirkte für mich sehr übergriffig. Ana vernachlässigt ihre eigene Familie und driftet immer mehr ab. Bald stellt sie sich die Frage, ob Rebecca wirklich dieser schreckliche Mensch ist, wie Connor es ihr immer wieder verkauft hat....

Der Roman von Sarah Crossan ist in Versform geschrieben und in fünf Abschnitte unterteilt. Die Geschichte wird hauptsächlich aus der Sicht von Ana erzählt. Die Gedanken von Connor bleiben unausgesprochen. Die ungewöhnliche Versform klingt gewöhnungsbedürftig und war für mich neu. Sie hat mir aber gut gefallen und lässt sich doch recht flüssig lesen.
Diese spezielle Erzählweise zeigt die Getriebenheit und innere Zerrissenheit von Ana sehr gut. Auf der anderen Seite empfand ich aber auch eine Distanz zur Protagonistin, die mir zusätzlich alles andere als sympathisch war. Sie erschien mir emotionslos und naiv, auch wenn ich ihre beginnende Besessenheit nach dem Tod von Connor in den Zeilen nachempfinden konnte. Sie ist ihrem Geliebten komplett verfallen und kann nicht loslassen. Ana passt perfekt in das Klischee der klassischen Geliebten, die immerzu hofft, dass er seine Frau verlassen wird.
Die Ehepartner, vorallem Paul, bleiben sehr blass. Vielleicht ist diese Oberflächlichkeit aber auch von der Autorin so gewünscht, denn auch Ana bringt immer mehr Distanz zwischen sich und Paul.

Die Zeitsprünge innerhalb der Kapitel fand ich verwirrend. Man erkennt oft nicht genau, ob wir uns in der Zeit vor oder nach dem Tod von Connor befinden. Die nicht gekennzeichneten Szenenwechsel, sowie die Zeitsprünge, sind leider sehr abrupt.

Wunderschön und gelungen finde ich das Cover auf dem die Bienen erhaben dargestellt sind und glänzen. Nimmt man den Schutzumschlag ab, findet man darunter ebenfalls eine Biene.

Die Geschichte der trauernden Geliebten ist nicht unbedingt neu. Einzig die Versform gibt dem Roman etwas Besonderes. Im Endeffekt erzählt der Roman nicht wirklich mehr, als die Inhaltsangabe auf der Innenseite des Schutzumschlages. Das fand ich leider ziemlich enttäuschend. Mich konnte der Roman nicht richtig abholen und ich vergebe dafür 3 Sterne.

Fazit:
Ein etwas anderer Roman mit einem nicht gerade neuem Thema, aber interessant durch die gewählte Versform. Leider konnte ich jedoch keine Nähe zur Protagonistin aufbauen und auch der Rest der Figuren blieb für mich zu blass. Ich habe noch einen anderen Roman der Autorin hier und hoffe, dass mir dieser besser gefallen wird.

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