Wie viel Freiheit hält die Liebe aus? Zeitlose Geschichte über die Angst, sich selbst in einer Beziehung zu verlieren
Die beste aller BeziehungenMartina und Gustav lernen sich an der Universität Stockholm kennen, haben gleiche Interessen und philosophieren gemeinsam über Bücher und Filme. Sie verlieben sich in einander, haben jedoch unterschiedliche ...
Martina und Gustav lernen sich an der Universität Stockholm kennen, haben gleiche Interessen und philosophieren gemeinsam über Bücher und Filme. Sie verlieben sich in einander, haben jedoch unterschiedliche Vorstellungen von einer Beziehung. Während sich Gustav fest binden möchte, an Zusammenziehen und Heiraten denkt, schreckt Martina diese Vorstellung ab.
Martina und Gustav können nicht mit, aber auch nicht ohne einander, weshalb sich eine jahrelange On-Off-Beziehung entwickelt, während der sie auch Beziehungen mit anderen Partnern eingehen, diese jedoch immer am jeweils anderen messen.
"Die beste aller Beziehungen" ist ein schwedischer Bestseller aus dem Jahr 1976, der nun erstmals ins Deutsche übersetzt wurde.
Die Geschichte wird aus der Perspektive von Martina geschildert, die sehr reflektiert ist und sich bewusst ist, dass ihre Einstellung zu Liebe, Partnerschaft und Ehe einer festen Bindung wenig zuträglich ist. Gustav verlieren möchte sie jedoch auch nicht, weshalb sie es hinnimmt, wenn er andere Frauen trifft - und sich das gleiche Recht nimmt.
Martina ist auch in Bezug auf ihr Studium und ihren Beruf rastlos, ist unstet und ständig auf der Suche nach Veränderung. Ihr Charakter, der immer wieder an sich zweifelt und Dinge in Frage stellt, wirkt glaubwürdig, aber auch Gustav als männlicher Gegenpart, der sich nach körperlicher Nähe sehnt, ist nachvollziehbar dargestellt.
Martina und Gustav probieren im Verlauf der Jahre Freundschaft und Polygamie, aber optimal ist keine der Lösungen. Fraglich ist, ob beide zusammen als Paar wirklich glücklich werden können.
Die Geschichte wird mit einer klugen Beobachtungsgabe undramatisch erzählt, was gut zu den Figuren passt. Mit dem jahrelangen Harren auf ihren Standpunkten ist die Erzählung aber auch etwas behäbig und mit wenig neuen Impulsen versetzt, so dass sie insgesamt straffer erzählt werden können, ohne die Länge auf über 600 Seiten auszudehnen.
Das Buch thematisiert gekonnt die Gegensätze Liebe und Freiheit, Zusammensein und Unabhängigkeit und hat damit nichts an seiner Aktualität eingebüßt. Es ist eine zeitlose Geschichte über die Schwierigkeit, Kompromisse einzugehen und die Angst, sich selbst in einer Beziehung zu verlieren.