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Veröffentlicht am 30.03.2020

Sehr unterhaltsames Buch über Familie, über Zusammenhalt, Toleranz und Freundschaft, das zeigt wie bunt und vielfältig das Leben ist

Mit Burka und Bikini
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Am Valentinstag wird Kari gleich mit zwei schlechten Nachrichten konfrontiert, die ihr Leben aus der Bahn werfen: Ihr Mann Dirk beichtet ihr verzweifelt, dass er sie mit einer Kollegin betrogen hat und ...

Am Valentinstag wird Kari gleich mit zwei schlechten Nachrichten konfrontiert, die ihr Leben aus der Bahn werfen: Ihr Mann Dirk beichtet ihr verzweifelt, dass er sie mit einer Kollegin betrogen hat und am selben Tag stirbt Karis Großmutter, eine gläubige Muslima. Ihr Bruder Dzhamal bittet Kari, nicht nur zum letzten Geleit der Ouma zu kommen, sondern für die nächsten sechs Wochen in ihr Elternhaus zurückzukehren, um ihre schwangere Schwägerin und ihre kranke Mutter zu unterstützen.
Kari verschleiert sich, wird wieder zu Karima und passt sich den islamischen Konventionen an. Zehn Jahre hatte sie ihre Familie nicht mehr gesehen, nachdem sie in Schande geflüchtet war. Zuhause trifft sie ihren Exfreund Rafiq wieder, der ganz offen sein Interesse an ihr signalisiert, während Dirk versucht ihre Ehe zu retten.

"Mit Burka und Bikini" ist ein sehr unterhaltsames Buch, das in Kapstadt handelt und den Gegensatz von Tradition und Moderne, von einem weltlichen, freiheitsliebenden Leben und einem gottesfürchtigen, streng islamischen Leben anschaulich darstellt.
Kari hatte vor zehn Jahren Burka gegen Bikini getauscht und aus Scham vor einem Fehler nie wieder zurückgeblickt. Reumütig kehrt sie zurück und passt sich bereitwillig den Vorstellungen ihrer Familie an, unterwirft sich gar den Anweisungen ihres patriarchalischen Bruders. In der Ausnahmesituation, der Trauer um die geliebte Ouma und der Enttäuschung über den Vertrauensbruch des Ehemannes gibt ihr das traditionelle Zuhause und die Geborgenheit der Familie Halt.

Als westlich geprägter Leser erhält man einen guten Einblick in die muslimische Lebenswelt, die authentisch und weitgehend ohne Klischees beschrieben wird. Insbesondere die Darstellung der Muslima überzeugt dabei, die beweist, dass unter dem Schleier starke Frauen stecken können, die die Familie zusammenhalten.

"Mit Burka und Bikini" ist ein Buch über Familie, über Zusammenhalt, Toleranz und Freundschaft, das zeigt wie bunt und vielfältig das Leben ist und das eine Brücke zwischen den unterschiedlichen Kulturen möglich ist.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.03.2020

Die schrullige Olive Kitteridge ist zurück! Episodenroman über das Leben, über Einsamkeit und das Älterwerden.

Die langen Abende
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Olive Kitteridge ist eine pensionierte Mathematiklehrerin, die in Crosby, einem Küstenstädtchen im Bundesstaat Maine wohnt. Ihr Ehemann Henry ist vor zwei Jahren gestorben und ihr Sohn Christopher wohnt ...

Olive Kitteridge ist eine pensionierte Mathematiklehrerin, die in Crosby, einem Küstenstädtchen im Bundesstaat Maine wohnt. Ihr Ehemann Henry ist vor zwei Jahren gestorben und ihr Sohn Christopher wohnt mit seiner zweiten Ehefrau entfernt in New York City. Das Verhältnis zu Christopher ist schwierig, hat er doch als Kind unter der ruppigen Art und harten Erziehung seiner Mutter gelitten. Auch jetzt im Alter von über 70 Jahren kann Olive ihre bissigen Kommentare nicht zurückhalten und erteilt jedem in Crosby ungefragt Ratschläge.

Hinter ihrer rauen Schale verbirgt sich jedoch ein weicher Kern, der sich im Umgang mit anderen einsamen und hilfsbedürftigen Menschen zeigt.

"Die langen Abende" ist die Weitererzählung von "Mit Blick aufs Meer", in welchem Olive die Hauptfigur ist. Die Fortsetzung erstreckt sich über einen Zeitraum von ungefähr zehn Jahren und wird in Form von mehreren Kurzgeschichten erzählt, in welchen Olive in jeder zweiten Geschichte im Mittelpunkt steht. Dabei werden oft nur die Banalitäten des Alltags erzählt, die aber durch Olives schrullige Art wunderbar unterhaltsam sind. Diplomatie ist ihr ein Fremdwort, sie sagt immer, was sie denkt - einerseits plump, andererseits aber auch entwaffnend ehrlich. Olive ist ein Unikat, die auf den ersten eindruck wenig sympathisch erscheint. Blickt man jedoch hinter die Fassade, zeigt sich ein facettenreicher Charakter, der verletzend sein kann, aber auch selbst verletzlich ist, aus Fehlern gelernt hat und im Verlauf ihres Lebens zu einem besseren Menschen entwickelt hat.

Die weiteren episodenhaften Geschichten handeln von anderen Einwohnern Crosbys, in denen Olive, wenn überhaupt, nur am Rande auftritt. Die Mehrheit der Geschichten ist melancholisch und handelt von ernsten Themen, die Einschnitte im Leben der Menschen bedeuteten. Auch wenn man nur einen kurzen Einblick in die Lebenswelten der überwiegend älteren Bewohner erhält, berühren ihre Geschichten und vermitteln trotz aller erlebter Dramen eine hoffnungsvolle Botschaft.

"Die langen Abende" ist ein Episodenroman über das Leben, über Einsamkeit und das Älterwerden. Die Thematik stimmt melancholisch, aber durch die kleinen Glücksmomente, die jede der Kurzgeschichten enthält, bleibt am Ende ein gutes Gefühl zurück.
Über allem schwebt der eigenwillige Charakter der Olive Kitteridge, der polarisiert, mir jedoch ans Herz gewachsen ist. Um ihr Verhalten gegenüber anderen und ihre Persönlichkeit besser verstehen zu können, ist es meiner meiner Meinung nach hilfreich, "Mit Blick aufs Meer" gelesen oder alternativ die Miniserie "Olive Kitteridge" gesehen zu haben.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.03.2020

Spannende Fortsetzung, in der man endlich mehr über Carolin und ihre Vergangenheit erfährt

VANITAS - Grau wie Asche
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Von München ist Carolin zurück in Wien, wo sie ihre Arbeit in der Blumenhandlung am Zentralfriedhof wieder aufnimmt. Sie lebt zurückgezogen und meidet soziale Kontakte, da sie aufgrund ihrer Vergangenheit ...

Von München ist Carolin zurück in Wien, wo sie ihre Arbeit in der Blumenhandlung am Zentralfriedhof wieder aufnimmt. Sie lebt zurückgezogen und meidet soziale Kontakte, da sie aufgrund ihrer Vergangenheit niemandem trauen kann.
Als der Friedhof mehrmals nachts von Grabschändern aufgesucht wird, die Leichen exhumieren und satanische Symbole auf den Grabsteinen zurücklassen, glaubt Carolin zwar nicht daran, dass diese Vorfälle etwas mit ihr zu tun haben könnten, fühlt sie aber dennoch nicht mehr sicher. Der Fund einer Leiche auf einem der geschändeten Gräber lässt Carolin keine Ruhe. Auch wenn sie riskiert, die Aufmerksamkeit der Polizei auf sich zu ziehen, beginnt sie mit eigenen Recherchen. Je mehr sie sich mit den Vorfällen beschäftigt, desto größer wird ihre Paranoia.

"VANITAS - Grau wie Asche" ist die Fortsetzung von "VANITAS - Schwarz wie Erde" um Carolin Bauer, die unter einer anderen Identität in Wien ein neues Leben als Blumenhändlerin angefangen hat.
Die Sprache der Blumen spielt zwar wieder nur eine untergeordnete Rolle, dafür ist Band 2 der Reihe deutlich spannender geschrieben als der Auftakt der Reihe. Man erfährt endlich die genauen Hintergründe von Carolins neuer Identität und was sie in der Vergangenheit erlebt hat. Ihre Angstzustände und ihr furchtsames Verhalten, das sich zu einem regelrechten Wahn steigert, werden nachvollziehbar. Die rätselhaften Grabschändungen tragen zur Unsicherheit bei, so dass man sich auch als Leser fragt, ob Carolin durch diese tatsächlich von ihren Peinigern der Vergangenheit bedroht wird oder ob sie sich dies, blind vor Paranoia, nur einbildet. Durch ihr aufgeregtes Verhalten gerät sie jedoch immer stärker ins Visier der Polizei und macht sich auf fatale Weise sichtbar, was sie aus Sicherheitsgründen und als Lehre aus ihrer Zeit in München tunlichst vermeiden hätte sollen.
Die Ermittlungen der Polizei stehen in diesem Thriller nicht im Vordergrund, da der Roman aus der Perspektive von Carolin geschildert ist. Die Frage, was sich hinter den Grabschändungen verbirgt, ist dabei nur halb so interessant wie Carolin verzweifelt versucht, ihre Tarnung aufrecht zu erhalten und dabei einen Fehler nach dem nächsten begeht. Dieser Erzählstrang ist aufregend und packend und macht durch das offene Ende neugierig auf einen weiteren Teil der VANITAS-Reihe.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.03.2020

Keine einfache Romanze mit herzzerreißenden Momenten, sondern eine melancholische, spannende Geschichte, in der das Schicksal voller Brutalität zuschlägt

Zweimal im Leben
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Catherine und Lucian verlieben sich im Alter von 19 bzw. 20 Jahren als Studenten in einander. Sie lieben sich leidenschaftlich, nur mit Lucians Clique hat Catherine ihre Probleme. Seine Freunde entstammen ...

Catherine und Lucian verlieben sich im Alter von 19 bzw. 20 Jahren als Studenten in einander. Sie lieben sich leidenschaftlich, nur mit Lucians Clique hat Catherine ihre Probleme. Seine Freunde entstammen wie Lucian selbst der Upperclass, sind überheblich, frönen dem Alkohol und bleiben unzugänglich. Eine ausufernde Party ist der Anlass dafür, dass Catherine Lucian verlässt, ohne ihm den wahren Grund zu nennen.
Catherine heiratet Sam und gründet eine Familie mit ihm. 15 Jahre leiden sowohl Lucian als auch Catherine, trauern ihrer Beziehung hinterher, mit der sie nie abschließen konnten. Als Sam Catherine einen Seitensprung beichtet, nutzt sie die Gelegenheit, um Lucian wieder zu treffen. Die Gefühle, die sie so lange unterdrückt haben, sind schlagartig wieder da. Für einige Tage und Nächte lassen sie ihre Beziehung wieder aufleben, bis die Vergangenheit sie gnadenlos einholt.

Die Geschichte handelt auf drei Zeitebenen und wird dabei aus der Perspektive von Catherine bzw. Lucian erzählt. Im "Jetzt" ist Catherine in einem Zustand, in dem sie jeden Kontakt zur Außenwelt verweigert, um sich vor Schmerz zu schützen. Fast bis zum Schluss bleibt unklar, was sie in dieses selbst gewählte Gefängnis flüchten lässt, was auf den anderen Zeitebenen Spannung erzeugt.
Diese Abschnitte "vor vier Monaten" und "vor 15 Jahren" nehmen auch weit mehr Seiten nehmen ein; Kapitel, die die jugendliche und erwachsene Liebesgeschichte von Catherine und Lucian erzählen. Dabei wird die Verbindung zwischen den beiden vor allem auf die körperliche Anziehung abgestellt und die Leidenschaft, die sie miteinander teilen. Tiefer gehende Gefühle vermisste ich auf beiden Zeitebenen. Sams Liebe zu Catherine empfand ich dagegen als aufrichtig und bedingungslos.

Der Roman mutet durchgängig melancholisch an. Es ist deutlich spürbar, dass die Liebesgeschichte kein positives Ende finden wird. Nur so lässt sich Catherines Zustand im "Jetzt" erklären.
Der Schreibstil der Autorin ist einnehmend, weshalb sich die Geschichte flüssig und unheimlich schnell lesen lässt. Gerade durch Sams unangenehme Clique, eine Anzahl von Egoisten mit einem kompromisslosen, hedonistischen Lebensstil, entwickelt der Roman neben der bitteren Liebesgeschichte eine Sogwirkung.

Auch wenn ich Catherines Handlungen weder in der Gegenwart noch in der Vergangenheit nachvollziehen konnte, berührt der Verlust ihrer großen Liebe auf beiden Zeitebenen und lässt erwartungsvoll hoffen, dass es doch noch zu einem guten Ende kommen möge.
Vom hübschen Cover sollte man jedoch nicht auf eine einfache Romanze mit herzzerreißenden Momenten schließen, sondern sich auf die Brutalität des Schicksals gefasst machen. "Zweimal im Leben" ist eine melancholische, spannende Geschichte, die ungewöhnlich aufgebaut ist und sich auch inhaltlich von den gängigen Liebesgeschichten abhebt.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.03.2020

Fiktionale Geschichte vor historischem Hintergrund über eine junge Frau, die trotz aller Hürden ihren Weg mutig und ehrgeizig geht

Die Farben der Schönheit - Sophias Hoffnung
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Sophia ist 20 Jahre alt, Tochter eines Drogisten, die bei ihren Eltern wohnt und Chemie studiert. Auf der Suche nach Liebe und Anerkennung geht sie ein Verhältnis mit ihrem Dozenten ein, in dem Glauben, ...

Sophia ist 20 Jahre alt, Tochter eines Drogisten, die bei ihren Eltern wohnt und Chemie studiert. Auf der Suche nach Liebe und Anerkennung geht sie ein Verhältnis mit ihrem Dozenten ein, in dem Glauben, er würde sich von seiner Ehefrau scheiden lassen. Als Sophia schwanger wird, entzieht er sich der Verantwortung und auch Sophias Eltern verstoßen ihre einzige Tochter. Mittellos zieht sie bei ihrer besten Freundin Henny ein, die als Tänzerin beim Theater arbeitet und kann sie wenig später nach Paris begleiten, als Henny dort ein Engagement erhält.
Schwanger, ohne Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis ist es für Sophia zunächst schwierig, Fuß zu fassen. Doch als sie die Schönheitsinstitute in den teuren Pariser Straßen entdeckt, entwickelt sie einen Ehrgeiz, weiter an ihrer Passion für Cremes zu arbeiten und kann damit Helena Rubinstein von ihrem Ausnahmetalent überzeugen. Diese gibt ihr die Chance, auch ohne abgeschlossenes Studium in einem ihrer Labors zu arbeiten und nimmt sie dazu 1927 mit nach New York, wo Sophia die Möglichkeit erhält, ihren Traum zu leben.

"Sophias" Hoffnung" ist der erste Band einer Trilogie um die junge Chemiestudentin Sophia Krohn und den "Puderkrieg" zwischen Helena Rubinstein und Elizabeth Arden. Es ist eine fiktionale Geschichte, die auf historischen Fakten beruht.

Der Roman schilder die Jahre 1926 bis 1930. Die Charaktere sind lebendig gezeichnet, die Geschichte ist durch die Ortswechsel und die Entwicklungen in Sophias Leben abwechslungsreich, auch wenn Spannungsmomente fehlen. Die Handlungsorte sind dagegen nur zurückhaltend geschildert, so dass ich beim Lesen nicht wirklich das Gefühl hatte, mich im Goldenen Zeitalter der 1920er-Jahre in Berlin, Paris oder New York zu befinden.

Sophia ist eine sympathische junge Frau, deren Gefühle und Handlungen nachvollziehbar dargestellt sind. Nach einem Schicksalsschlag ist sie ganz auf sich allein gestellt, resigniert jedoch nicht, sondern geht ehrgeizig und mutig ihren Weg. Von den Männern enttäuscht, konzentriert sie sich dabei ganz auf ihr Talent für die Entwicklung von Pflegeprodukten und ist von Stolz erfüllt, als Helena Rubinstein ihr Geschick erkennt.


Das Thema Kosmetik bildet einen sprichwörtlich schönen Rahmen für die Geschichte, steht jedoch nicht im Vordergrund des Geschehens. Vielmehr geht es um die Entwicklung von Sophia von einer etwas naiven Studentin zu einer starken, eigenständigen Frau, die trotz aller Hürden, die sich ihr in den Weg stellen, ihren Weg geht und ihren Traum lebt.

Der Auftakt der Trilogie und das offene Ende mit einem erneuten Aufbruch Sophias machen neugierig auf die Fortsetzung "Sophias Träume", die schon am 1. Juni 2020 erscheint. Den Klappentext würde ich allerdings nicht lesen, wenn man Teil 1 noch nicht gelesen hat, da dieser bereits zu viel verrät.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere