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Veröffentlicht am 21.06.2026

Sehnsuchtsvolle Geschichte mit unverfälscht unperfekten Charakteren, echten Emotionen und einem stimmigen Ende

People in Love
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Überraschend macht ihr langjähriger Freund Robin Nora einen Heiratsantrag - und sie nimmt an, obwohl sie eigentlich nie vorgehabt hatte, zu heiraten. Zur spontanen Verlobungsfeier lädt sie ihren besten ...

Überraschend macht ihr langjähriger Freund Robin Nora einen Heiratsantrag - und sie nimmt an, obwohl sie eigentlich nie vorgehabt hatte, zu heiraten. Zur spontanen Verlobungsfeier lädt sie ihren besten Freund Bren an, der als Weltreisender gerade in Neuseeland ist. Unerwartet kommt er nach zwölf Jahren Abwesenheit zurück nach London und Nora kommen Zweifel an ihrem Eheversprechen.

Der Roman wird aus den Perspektiven der drei Hauptfiguren geschildert, wodurch sie nahbar wirken und ihre widerstreitenden Gefühle sehr gut nachvollziehbar sind. Dabei sorgt die unterschiedliche Erzählweise aus auktorialer Sicht und Du-Erzähler dafür, dass Nora und Bren die äußere Rahmenhandlung dominieren, während Robin auf einen inneren Monolog beschränkt bleibt.

Sehr deutlich werden die Unterschiede zwischen den männlichen Charakteren. Robin steht als empathischer, verlässlicher Partner für eine stabile, vertrauensvolle Beziehung. Bren hingegen entscheidet aus dem Bauch heraus, ist impulsiv und verkörpert Freiheitsdrang und Abenteuer, ist jedoch auch belastet von einer Familientragödie. Beide manifestieren Lebenskonzepte, die kaum gegensätzlicher sein könnten.

Die Geschichte handelt von einem Liebesdreieck, integriert neben der Achterbahn der Gefühle aber noch weitere emotionale Themen. Es geht um familiäre Konflikte, um unverarbeitete Traumata, um unterdrückte Gefühle - Liebe und Wut - sowie um verpasste Chancen und die Frage: Was wäre, wenn?
Nicht nur durch die Hauptfiguren, auch durch ihre Mütter, wird deutlich, dass es ganz unterschiedliche Arten zu leben und zu lieben gibt, was der Geschichte noch mehr Gehalt gibt. Überhaupt darf man trotz des farbenfrohen Covers und des unbedarften Titels keine unbeschwerte Romanze erwarten.
Ohne eine Handlung auf zwei Zeitebenen oder Rückblenden in die Vergangenheit ist es eine erwachsene Liebesgeschichte, die sich auf den Moment fokussiert.

Die innere Zerrissenheit der Hauptfiguren ist spürbar, auch die verletzten Gefühle und Missverständnisse, die zwischen ihnen stehen. Die Charaktere brauchen Zeit, bis sie ihre Gefühle sortiert haben und ihre Entscheidungen treffen und so bleibt bis zum Schuss eine spannende Unsicherheit, wie der Roman enden wird.
"People in Love" ist eine sehnsuchtsvolle Geschichte mit unverfälscht unperfekten Charakteren, echten Emotionen und einem stimmigen Ende für alle Beteiligten.

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Veröffentlicht am 17.06.2026

Solidarischer Zusammenhalt von Frauen in wirtschaftlicher Not - mit eigenwilligen Figuren und voller Herzlichkeit und Charme erzählt

Der Club der Unbeugsamen
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Meg lebt in dem Waisenhaus von Lafayette County in Oxford, seitdem ihre Mutter sie vor zwei Jahren ohne ein Wort verlassen hatte. Sie zählt inzwischen zu den großen Mädchen und hat kaum eine Perspektive ...

Meg lebt in dem Waisenhaus von Lafayette County in Oxford, seitdem ihre Mutter sie vor zwei Jahren ohne ein Wort verlassen hatte. Sie zählt inzwischen zu den großen Mädchen und hat kaum eine Perspektive adoptiert zu werden. Neben der Ungewissheit über den Verbleib ihrer Mutter leidet sie unter der Drangsalierung durch die Leiterin Garnett, die sie als verdorben erachtet.
Die ledige Birdie lebt zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Großmutter im Mississippi-Delta. In ihrer wirtschaftlichen Not sieht sie sich gezwungen, zu ihrer jüngeren Schwester Frances nach Oxford zu fahren, die reich geheiratet hat, und um Unterstützung zu bitten. Da sich Frances als Freiwillige in dem Waisenhaus engagiert, ist auch Birdie bereit, dort bei der Buchhaltung auszuhelfen und lernt die ausgegrenzte Meg kennen, derer sie sich annimmt.
In Oxford muss Birdie feststellen, dass das Leben der Schönen und Reichen eine Scheinwelt voller Heuchelei ist. Als alles droht den Bach herunterzugehen, begegnet sie der verzweifelten Charlie, die ihr Ungeheuerliches berichtet. Die Frauen müssen sich zusammenschließen, um für ihre Freiheit und Rechte einzustehen.

Der Roman handelt zur Zeit der Wirtschaftskrise in Amerika im Jahr 1933 und wird abwechselnd in jeweils längeren Abschnitten aus den Perspektiven von Birdie und Meg geschildert, was die Geschichte abwechslungsreich gestaltet. Meg verkörpert passend zu einer Elfjährigen eine naive Kindersicht, wobei sie clever und neugierig ist und mehr wahrnimmt, als die Erwachsenen ahnen, auch wen sie längst nicht alles durchschauen kann.
Birdies Sicht einer erwachsenen Frau mit Mitte 20 zeigt einen reflektierteren Blick auf die Gesellschaft und die Schwierigkeiten, mit denen sich vor allem Frauen konfrontiert sehen.

Die Hauptfiguren sind eigenwillig, aber haben ihr Herz auf dem rechten Fleck. Dazu kommen weitere Nebencharaktere von Arm bis Reich, die lebensecht und facettenreich gezeichnet sind. Auch die Lebenswirklichkeit zur damaligen Zeit wird lebendig und authentisch beschrieben, so dass man sich leicht in die amerikanischen Südstaaten ins Jahr 1933 versetzen lassen kann.
Die detaillierten Beschreibungen ermöglichen einen umfassenden Einblick in den Alltag und die Herausforderungen aller Schichten. Zentrales Thema ist die Wirtschaftskrise und die Auswirkungen auf die Hauptfiguren und ihre Familien. Neben den Geldsorgen spielen Chauvinismus, Rassismus, Eugenik und Alkoholismus zur Zeit der Prohibition eine Rolle.

Im Verlauf der Erzählung treffen ganz unterschiedliche Frauen aufeinander, die sich zusammenschließen, Probleme gemeinsam angehen und dabei unkonventionelle Wege gehen. Kämpferisch und mutig setzen sie sich gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr und geben auch bei Rückschlägen nicht auf. Freundschaft und Frauensolidarität sowie der Wunsch nach Selbstbestimmung in einem patriarchalischen System bestimmen die Handlung und zeigen eindrücklich, wie viel trotz gesellschaftlicher und gesetzlicher Grenzen gemeinsam möglich ist.

"Der Club der Unbeugsamen" ist ein mitreißender Roman, voller Herzlichkeit und Charme, der zu einer beschwerlichen Zeit wirtschaftlicher Not handelt, in der Frauen leidenschaftlich für ihre Ziele kämpfen und solidarisch zusammenhalten. Der Blick auf die damalige Zeit ist bildhaft und unterhaltsam und trotz der auftretenden Probleme, Intrigen und Ungerechtigkeiten ist die Geschichte nie ohne Humor und Hoffnung.

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Veröffentlicht am 16.06.2026

Spannender Psychothriller über menschliche Abgründe und wohin eine Lüge führen kann

Die Klippe – Jede Lüge könnte deine letzte sein
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Marcus Andersson ist als Autor eines internationalen Bestsellers bekannt geworden und arbeitet nun als Briefträger. Als sich ein ehemaliger Klassenkamerad der Autorenschule bei ihm meldet, ist Marcus bereit, ...

Marcus Andersson ist als Autor eines internationalen Bestsellers bekannt geworden und arbeitet nun als Briefträger. Als sich ein ehemaliger Klassenkamerad der Autorenschule bei ihm meldet, ist Marcus bereit, ihn bei der Veröffentlichung seines Buches zu helfen und erreicht Ernsts Manuskript bei seinem Verlag ein. Ein Missverständnis verselbstständigt sich, weshalb bald alle begeisterten Erstleser davon ausgehen, dass Marcus der Autor ist. Mit einem enormen Vorschuss vor Augen unterbreitet Ernst ihm das Angebot, dass Roman unter Marcus' Namen veröffentlicht wird und Ernst den Großteil der Einnahmen erhält. Doch dabei bleibt es nicht. Ernst stellt immer dreistere Forderungen und setzt Marcus massiv unter Druck. Marcus muss eine endgültige Lösung des Problems finden...

Der Roman ist aus der Perspektive von Marcus verfasst, der sich zunehmend in ein Geflecht aus Lügen, Geheimnissen und dunklen Gedanken verstrickt. Es beginnt harmlos mit einem kleinen Gefallen und einem daraus resultierenden Missverständnis, bis Marcus die Kontrolle verliert und Handeln muss, um sein Gesicht zu wahren. Nach anfänglichen Skrupeln folgt ein Verbrechen, Moral und Ethik werden außer Acht gelassen und schon bald ist ein Punkt erreicht, an dem alles egal ist und es sich nur noch darum dreht, die eigene Haut zu retten.

Marcus ist in einem Teufelskreis aus Erpressung und Misstrauen gefangen. Die Situation entgleitet ihm und eskaliert immer weiter. Dabei wird die Handlung zu keinem Zeitpunkt konstruiert, sondern erscheint folgerichtig und logisch. Oft kann man deshalb jedoch auch die vermeintlich nächsten Schritte erahnen, insbesondere da auch die Nebencharaktere offensichtlich nicht integer sind. Das mindert die Spannung, aber dennoch bleibt eine Faszination über die weiteren Eskalationsstufen und wie es Marcus immer wieder schafft, sich mit mehr Glück als Verstand herauszuwinden.

Der Psychothriller ist durchgehend unterhaltsam und gleicht einer Charakterstudie, die zeigt, wohin Feigheit führt, Verantwortung für sein eigenes Handeln zu übernehmen und wie leicht aus Gut Böse werden kann. Nach einem spannenden Beginn voller Unbehagen wiederholen sich im weiteren Verlauf allerdings Motive, Überlegungen und Drohungen, so dass "Die Klippe" am Ende nicht mit besonderer Kreativität oder Originalität aufwarten kann.

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Veröffentlicht am 13.06.2026

Einfühlsames Drama, das authentisch die Folgen einer psychischen Erkrankung eines Familienmitglieds für die nahen Angehörigen beschreibt

Meine goldene Schwester
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Amy fühlte sich von jeher im Schatten ihrer älteren Schwester Olivia, einem wilden, selbstbewussten Mädchen, dem alles nur so zuflog. Doch als Teenager wurde Ollie zunehmend anstrengend, hielt sich an ...

Amy fühlte sich von jeher im Schatten ihrer älteren Schwester Olivia, einem wilden, selbstbewussten Mädchen, dem alles nur so zuflog. Doch als Teenager wurde Ollie zunehmend anstrengend, hielt sich an keine Regeln und ihre Eltern waren unbeholfen im Umgang mit ihr. Sie nahm Drogen, wurde straffällig und besuchte verschiedene psychotherapeutische Einrichtungen.Ollie kam und ging, während Amy versuchte, sich ein normales, gefälliges Leben aufzubauen. Als geborene Außenseiterin fällt es ihr schwer, Freundschaften zu schließen und Beziehungen zu führen.Auch Jahre nach der Trennung ihrer Eltern und der wiederkehrenden Frage, was mit Ollie ist, hat Amy Schwierigkeiten, ein freies Leben führen, ist selbst in Therapie und wünscht sich nichts mehr, als ihre Schwester ohne die alles dominierende Krankheit.

Der Roman wird ausschließlich aus der Perspektive von Amy, beginnend als Elfjährige, geschildert und umfasst mehr als 20 Jahre. Ihr Leben ist geprägt von ihrer älteren Schwester, dem "goldenen Kind", das trotz ihrer Verfehlungen immer mehr Aufmerksamkeit von ihren Eltern bekommen hat, als die brave Tochter Amy, deren Erziehung mühelos war. Amy hat deshalb selbst Probleme, Beziehungen einzugehen und sich für andere zu öffnen. 

Die Kindheit ist dabei besonders eindrücklich beschrieben, da die Familie durch das Zusammenleben unmittelbar von den Auswirkungen der bipolaren Störung Ollies' betroffen war. Im Verlauf der Jahre taucht sie nur unregelmäßig auf - wenn sie in Schwierigkeiten steckt oder sich in einer manischen Phase befindet und Hoffnung schürt, dass sie sich therapeutisch oder medikamentös helfen lässt. Ollie erhält immer neue Chancen, die sie wieder und wieder enttäuscht und von einer mangelnden Einsicht über ihre Krankheit zeugt. 

Überhaupt stellt sich unaufhörlich die Frage, wie viel ist die Krankheit, wie viel ist der Charakter und kann die Krankheit überhaupt vom Mensch getrennt werden?!

Es ist ein Drama, das authentisch die Folgen einer psychischen Erkrankung eines Familienmitglieds für die nahen Angehörigen beschreibt. Hilflosigkeit, Wut und Verzweiflung und eine anhaltende Sorge über das Wohlergehen oder weitere Katastrophen sind spürbar. Die Emotionen und die Entwicklung der Charaktere wirken damit lebendig und nachvollziehbar und erzählen eine Geschichte, die fesselt und berührt. 

Offensichtlich wird, wie schwer, aber auch wie notwendig es ist, sich abzugrenzen, einen Menschen zu lieben und dennoch loszulassen, um sich selbst zu schützen. Diese innere Zerrissenheit dauert bis zum Schluss an, denn jede Stabilität ist eine Momentaufnahme, ist fragil und kann jederzeit umschlagen.

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Veröffentlicht am 12.06.2026

Unblutiger, ruhiger Kriminalroman, der auf Atmosphäre, moralische Dilemma und innere Konflikte statt auf Effekthascherei und actionreiche Fallaufklärung setzt

Waldnacht
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ine junge Frau wird in ihrem Wohnhaus, einer Villa im wohlhabenden Stockholmer Stadtteil Djursholm, tot aufgefunden. Im Schlafzimmer befindet sich ihr neugeborener Sohn.
Kriminalinspektorin Sakka Pienni ...

ine junge Frau wird in ihrem Wohnhaus, einer Villa im wohlhabenden Stockholmer Stadtteil Djursholm, tot aufgefunden. Im Schlafzimmer befindet sich ihr neugeborener Sohn.
Kriminalinspektorin Sakka Pienni der Regionalen Ermittlungsgruppe in Stockholm nimmt zusammen mit ihrem Kollegen Eddie die Ermittlungen in dem Mordfall auf. Sie versuchen ein Motiv für die Tat zu finden und stoßen dabei zunächst auf mehrere in Frage kommende Täter, die jedoch alle ein Alibi vorweisen können.
Sakka ermittelt unermüdlich weiter, wahrend der Fall durch ein weiteres Opfer unübersichtlicher wird und wird dabei zunehmend mit dunklen Erinnerungen an ihre Kindheit in der Heimat in Norrland konfrontiert. Zudem kostet sie der Kampf gegen ihre bipolare Störung, die sie vor ihren Kollegen und selbst ihrem Partner verbirgt, Kraft.

"Waldnacht” ist der erste Band der skandinavischen Krimireihe um Kriminalinspektorin Sakka Pienni, die einen Mord aufklären soll und zeitgleich mit einem Kindheitstrauma und einer angeschlagenen psychischen Gesundheit umgehen muss.

Der Roman schildert in der Gegenwart die Verbrechensaufklärung, die vom Schweigen einer streng religiösen Familie und dem abgeschotteten Leben des Opfers behindert wird. Dabei sind die Ermittlungen stark von der Hauptfigur Sakka geprägt, die an ihre psychischen Grenzen gerät und gefährlich nah ab einer manischen Phase impulsiv handelt.
Daneben gibt es einzelne Kapitel aus der Vergangenheit, die von einer einsamen Teenagerin aus unsicheren Familienverhältnissen handeln, die sich einer elitären Gruppe Jugendlicher annähert .

Das Setting auf beiden Erzählebenen ist düster, rau und melancholisch - typisch nordic noir - und verleiht der Geschichte eine beklemmende Atmosphäre. Sowohl der aktuelle undurchsichtige Fall der grausamen Hinrichtung einer jungen Mutter und die Umstände eines weiteren Todesfalls, als auch die Frage, in welchem Zusammenhang der Erzählstrang um das 14- jährige Mädchen in der Vergangenheit mit diesen Ereignissen steht, sorgen für anhaltende Spannung.

"Waldnacht” ist ein unblutiger, ruhiger Kriminalroman, in dem nicht allein die Fallaufklärung im Vordergrund steht. Der Roman ist charaktergetrieben, setzt auf Atmosphäre, moralische Dilemma und innere Konflikte statt auf Effekthascherei und actionreiche Fallaufklärung und lässt in Bezug auf nachfolgende Bände Raum für Entwicklung der Hauptfigur, deren Erkrankung gleichzeitig Stärke und Schwäche bei der Arbeit ist

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