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Veröffentlicht am 26.10.2018

Ein Thriller ohne Spannung und Nervenkitzel, mit einer abstrusen Auflösung und einem völlig abwegigen Ende

Das falsche Kind
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Als Sasha Moloney nach ihrem Kaiserschnitt im Krankenhaus aufwacht und ihr Baby, ein Frühchen, erblickt, ist sie entsetzt. In ihrer Vorstellung war sie mit einem Mädchen schwanger und kann in dem Jungen ...

Als Sasha Moloney nach ihrem Kaiserschnitt im Krankenhaus aufwacht und ihr Baby, ein Frühchen, erblickt, ist sie entsetzt. In ihrer Vorstellung war sie mit einem Mädchen schwanger und kann in dem Jungen nicht ihr Kind erkennen. Sie verspürt keinerlei Zuneigung und ist sich sicher, dass ihr Baby vertauscht wurde. Ihr Mann Mark glaubt ihr nicht und auch das Krankenhauspersonal kann keine Ungereimtheiten feststellen, weshalb ein DNS-Test abgelehnt wird.
Sasha wird mit der Diagnose einer postnatalen Psychose in der Psychiatrie untergebracht. Sie begibt sich freiwillig dorthin, in der Hoffnung, auf der Säuglingsstation das Baby zu finden, dass sie geboren hat.

Der Roman ist aus Sicht von Sasha geschrieben, von der man als Leser nicht weiß, ob sie sich die Kindesverwechslung nur einbildet, weil sie zuvor so viel durchgemacht hat, um überhaupt schwanger zu werden und in der Vergangenheit als Ärztin eine Fehldiagnose gestellt hat, weshalb ein kleines Kind unglücklich ums Leben gekommen ist oder ob die Babys Toby und Jeremy - absichtlich oder unabsichtlich - vertauscht worden sein könnten.

In Rückblenden erfährt man aus Sashas und aus Marks Sicht, wie sie sich kennengelernt haben, wie lange sie gebraucht haben, um ein Baby zu bekommen und wie es um die Ehe der beiden bestellt ist.

Die Geschichte spielt sich überwiegend im Krankenhaus auf der Station mit den Frühchen im Inkubator bzw. der psychiatrischen Einrichtung ab, in der Sasha mit weiteren jungen Müttern untergebracht ist. Sie ist reduziert auf die Behauptung Sashas, dass Toby nicht ihr Sohn ist und der Beteuerungen des Pflegepersonals bzw. ihres Ehemanns, dass sie sich täuscht. Sashas mangelnde Glaubwürdigkeit wird dadurch unterstrichen, dass ihre eigene Mutter Selbstmord begangen hat und dabei Sasha fast mitgetötet hätte.
Darüber hinaus passiert in dem Buch nicht viel. Es mangelnd an Spannung und Nervenkitzel, der das Buch zu einem Thriller machen würde.
Die Auflösung empfand ich als ein wenig abstrus und das Ende geradezu abwegig und zu vereinfacht dargestellt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Handlung
  • Psychologie
  • Spannung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.10.2018

Lebendige Familiengeschichte und spannendes zeitgeschichtliches Porträt über drei unterschiedliche Frauen

Die Schwestern vom Ku'damm: Jahre des Aufbaus
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Es ist das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Menschen im von Alliierten besetzten Deutschland stehen vor dem Nichts. Die Stadt Berlin liegt in Trümmern und auch das Kaufhaus Thalheim ist seit einem ...

Es ist das Ende des Zweiten Weltkrieges und die Menschen im von Alliierten besetzten Deutschland stehen vor dem Nichts. Die Stadt Berlin liegt in Trümmern und auch das Kaufhaus Thalheim ist seit einem Bombenangriff 1943 zerstört. Die Schwestern Ulrike, Silvie und Florentine Thalheim wagen einen Neuanfang, während ihr Vater Friedrich Thalheim noch inhaftiert und Bruder Oskar verschollen ist. Die Schwestern beginnen pragmatisch als Trümmerfrauen, um nicht zu hungern, besinnen sch aber schon bald auf ihre Wurzeln, die Modebranche.

Freundin Miriam hat den Nationalsozialismus als Jüdin wie durch ein Wunder überlebt und erschafft an der Singer-Nähmaschine aus Uniformen, Flaggen, Stoffresten und Lumpen erste Bekleidungsstücke, die durch eine Modenschau am Ku'damm vor dem zerstörten Kaufhaus von den Schwestern inszeniert werden.
Mit den Ersparnissen des Vaters und Stoffen, die in Potsdam versteckt werden konnten, eröffnen die Thalheims ein kleines Geschäft im Berliner Westen. Die älteste Rike ist die Geschäftsfrau, die mit Zahlen umgehen kann, sich aber immer wieder dem Patriarchen gegenüber beweisen muss, der die Absicht gehabt hatte, das Familienunternehmen seinem Sohn Oskar zu übergeben. Silvie ist wankelmütig, hat wechselnde Beziehungen zu Männern und ist dabei erfolgreiche Feilscherin auf dem Schwarzmarkt. Die jüngste Flori engagiert sich im Rahmen der Entnazifizierung und steht dabei ihrem Vater ablehnend gegenüber, dem sie seine frühere Mitgliedschaft in der NSDAP zum Vorwurf macht.

Während Rike sich nach Liebe und einer eigenen Familie sehnt, wird sie mit einem Geheimnis konfrontiert, durch das die Familie auseinanderzubrechen droht.

"Die Schwestern vom Ku'damm: Jahre des Aufbaus" ist der erste Teil der 50er-Jahre-Trilogie der Historikerin Brigitte Riebe und erzählt die ersten Jahre der Thalheim-Schwestern nach dem Zweiten Weltkrieg, 1945 bis 1951.
Im Fokus darin steht die älteste Tochter Ulrike, die vor der Freilassung des Vaters zum Familienoberhaupt wird und Verantwortung übernehmen muss. Sie engagiert sich für den Wiederaufbau des Familienunternehmens, während Silvie nach dem Lustprinzip lebt.

Der Roman macht Geschichte lebendig und erzählt sehr anschaulich und atmosphärisch dicht die ersten Jahre in Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg. Die fiktionale Geschichte um die Schwestern Thalheim wird in historische Fakten und die politischen Ereignisse im besetzten Deutschland eingebettet. Die charismatischen Schwestern und ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten sind glaubwürdig dargestellt. Die Gefühle von Rike, die als Älteste die Rolle der Vernünftigen übernimmt, aber auch die ihrer jüngeren Schwester Silvie, für die Liebe und Leidenschaft vordergründig sind, sowie von Nesthäkchen Flori, die sich mit den Jahren als Rebellin entpuppt, sind durch den empathischen Schreibstil nachvollziehbar für den Leser.

Rikes Sehnsucht nach Liebe, ihre Verantwortung für das Familienunternehmen und das Familiengeheimnis, das sie belastet, sind spannende Gegensätze, mit denen die 26-Jährige alleine zu kämpfen hat und sich dabei nur Freundin Miri anvertrauen kann.

"Jahre des Aufbaus" ist der Beginn einer lebendigen Familiengeschichte, ein spannendes zeitgeschichtliches Porträt über drei unterschiedliche Frauen, die nach dem Ende des Krieges und in den folgenden Jahren des Wiederaufbaus, Entnazifizierung, der schwierigen Situation Berlins durch die quälende Blockade durch die Sowjets und dem sich in Westdeutschland abzeichnenden Wirtschaftswunder ihren Weg finden müssen.

Der Roman macht neugierig auf die beiden folgenden Bände, wie es privat mit den Thalheim-Töchtern, aber auch wirtschaftlich mit dem Kaufhaus am Ku'damm, das 1950 als reines Modekaufhaus für Frauen wieder eröffnet wird, weitergeht.

Veröffentlicht am 22.10.2018

originelle, stellenweise amüsante, aber auch herzergreifende Geschichte über Trauer, Einsamkeit und die lebensverändernde Macht von Freundschaft und Hilfsbereitschaft

Wenn der Rest der Welt schläft
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Sam führt seit dem tragischen Verlust seiner Familie ein einsames, zurückgezogenes Leben. Tagsüber geht er zur Arbeit, aber nachts wird er zu "Phantasma", einem Superheld, einem Rächer für die Armen und ...

Sam führt seit dem tragischen Verlust seiner Familie ein einsames, zurückgezogenes Leben. Tagsüber geht er zur Arbeit, aber nachts wird er zu "Phantasma", einem Superheld, einem Rächer für die Armen und Unterdrückten.
Erst als er die drei Jahre jüngere Sarah kennenlernt, die offenbar auch ein Geheimnis verbirgt, wird ihm bewusst, dass es noch mehr in seinem Leben geben könnte, als die nächtlichen Streifzüge in einem selbst gebastelten Kostüm, auf der Suche nach Menschen, die Hilfe benötigen. Doch Sarah hat einen Arbeitskollegen, der sich sehr für sie interessiert und sich ihr selbstbewusst nähert. Sam muss den Mut, den er mit dem Überstreifen seiner Maskerade entwickelt, in den Alltag übertragen, um seine Chance auf Liebe nicht ungenutzt zu verspielen. Voraussetzung für einen Neuanfang ist jedoch, dass Sam sich dem Schmerz der Vergangenheit stellt und sein Traum verarbeitet.

"Wenn der Rest der Welt schläft", wird Comic-Fan Sam zu seinem alter Ego "Phantasma", einer Mischung aus Batman und Robin Hood. Er ist glücklich, wenn er anderen Menschen helfen kann. Dabei kennt er die Fremden nicht einmal und auch er selbst möchte bei seinen kleinen Heldentaten unerkannt bleiben.

Sam ist ein bescheidener, sympathischer junger Mann, der einen streng strukturierten Alltag und leicht autistische Züge hat. Seine Fassade beginnt zu bröckeln, als er sich in Sarah verleibt. Gleichzeitig sieht er sich mit Erinnerungen konfrontiert, einem Verlust, der elf Jahre her ist und sein Leben nachhaltig verändert hat, Der Schmerz sitzt noch so tief, dass er Ängste hat, sich an andere Menschen fester zu binden.

Während Sams Aktivitäten als Phantasma etwas abenteuerlich und skurril zu lesen sind, ist Sams Schmerz und seine Flucht in die Einsamkeit nachvollziehen konnte, war mir nicht ganz klar, warum er, um seine Trauer zu kompensieren, ausgerechnet Fremden auf diese nicht ganz alltägliche Weise hilft, als ob er selbst etwas wieder gut zu machen hätte. Doch als Phantasma fühlt er sich unbesiegbar und so glücklich, wie er als unbedarftes Kind einmal gewesen ist.
Bis auf die für mich deshalb nicht ganz logische Handlung ist "Wenn der Rest der Welt schläft" aufgrund der Vielzahl an besonderen Charakteren und der Weiterentwicklung, die Sam macht, als er seine Komfortzone verlässt, eine originelle, stellenweise amüsante, aber auch herzergreifende Geschichte über Trauer, Einsamkeit und die lebensverändernde Macht von Freundschaft und Hilfsbereitschaft.

Veröffentlicht am 20.10.2018

Authentische und gefühlvolle Geschichte um drei liebevoll beschriebene, facettenreiche Figuren

Als sich unsere Herzen trafen
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Kat ist Ende 29 und arbeitet als Krankenschwester in Sheffield. Beruflich ist sie erfolgreich wurde sie doch kürzlich zur Stationsschwester befördert. Privat läuft es weniger gut. Sie trauert Exfreund ...

Kat ist Ende 29 und arbeitet als Krankenschwester in Sheffield. Beruflich ist sie erfolgreich wurde sie doch kürzlich zur Stationsschwester befördert. Privat läuft es weniger gut. Sie trauert Exfreund Mark hinterher, der sie vor sieben Wochen nach fünf Jahren Beziehung verlassen hat.
Eine ihrer Patientinnen, die nach einem Unfall aufgenommen wird, spricht nicht, was allerdings keine physischen Ursachen hat. Kat macht sich Gedanken um die Mittfünfzigerin, von der sie nur den Namen kennt und die scheinbar keine Verwandten oder Freunde hat, die sie vermissen. In Susans Notizbuch findet sie nur eine Telefonnummer, die sie kontaktiert. Es handelt sich dabei um Rhys Woods, einen Installateur, der bei Susan die Heizung repariert hat.
Rhys besucht Susan, ohne zu wissen, dass ihn mehr mit ihr verbindet, als die Arbeiten an ihrem Haus.

Der Roman handelt von drei unterschiedlichen Persönlichkeiten, die scheinbar zufällig aufeinander treffen und die alle ein gebrochenes Herz verbindet. Am meisten Raum nehmen dabei Kat und Rhys ein, während die stumme Patientin Susan zunächst rätselhaft bleibt.
Kat ist eine sehr sympathische Persönlichkeit und engagierte, warmherzige Krankenschwester, deren Arbeitsalltag, ihre Verantwortung und Sorgen, man anschaulich miterlebt. Auch Rhys ist ein einnehmender Charakter, der unter Bindungsängsten zu leiden scheint, seitdem der Vater die Familie vor Jahren verlassen hat und vor wenigen Monaten sein Bruder sich das Leben genommen hat.

Cover und Titel des Buches suggerieren eine Liebesgeschichte, aber die Liebe zwischen Mann und Frau ist nur ein Nebenaspekt des Romans. Anna Mansell verwendet einen emotionalen Schreibstil, der den Leser mitnimmt und der die traurigen Themen Selbstmord, Einsamkeit und Verlassenwerden eindringlich schildert, ohne rührselig zu werden oder ins Kitschige abzugleiten.
Auch wenn der Leser bald ahnt, was hinter Susans Schweigen stecken könnte und sich noch früher sicher sein kann, was Susan und Rhys verbindet, ist der Roman durch Wendungen und die dramatische Geschichte um die drei liebevoll beschriebenen, facettenreichen Individuen packend bis zum Schluss.

Es ist schön zu lesen, wie sich eigentlich fremde Menschen um einander sorgen und sich trotz aller Widerstände bemühen, zu helfen. Nicht nur Kat und Rhys überzeugen, auch die Nebencharaktere verleihen dem Buch Lebendigkeit.

Veröffentlicht am 19.10.2018

Dramatische Familiengeschichte, bei der ein Geheimnis der Vergangenheit bis in die Gegenwart Rätsel aufgibt - Spannung auf zwei Zeitebenen

Die Schwestern von Applecote Manor
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Als die alleinerziehende, exzentrische Mutter Bunny Wilde nach dem Tod ihres Mannes ein Angebot annimmt, als Sekretärin in Marrakesch zu arbeiten, gibt sie ihre vier minderjährigen Töchter in die Obhut ...

Als die alleinerziehende, exzentrische Mutter Bunny Wilde nach dem Tod ihres Mannes ein Angebot annimmt, als Sekretärin in Marrakesch zu arbeiten, gibt sie ihre vier minderjährigen Töchter in die Obhut ihres Schwagers und dessen Frau. Die Mädchen waren früher jeden Sommer bei Tante Sybil und Onkel Perry in Applecote Manor, bis ihre Cousine Audrey vor fünf Jahren spurlos verschwunden ist. Vor allem die inzwischen 15-jährige Margot war eng mit der zwei Jahre älteren Audrey befreundet und vermisst ihre Gegenwart auf dem Anwesen. Tante und Onkel haben sich verändert, es herrscht eine unangenehme Atmosphäre. Während Margot heimlich das Zimmer von Audrey betritt und in ihren Sachen stöbert, beginnen sich ihre beiden älteren Schwestern Flora und Pam für die jungen Männer aus der Nachbarschaft zu interessieren.

Ein halbes Jahrhundert später drängt Jessie auf den Kauf von Applecote Manor. Sie ist mit dem Witwer Will verheiratet, mit dem sie die gemeinsame Tochter Romy hat. Bella ist seine pubertierende Tochter aus der Ehe mit Mandy, die Jessie nicht ernst nimmt und mit dem Umzug nicht einverstanden ist. Jessie wollte London hinter sich lassen, in der Hoffnung, dass Will auch Abstand zu Mandy findet.

"Die Schwestern von Applecote Manor" ist ein Roman, der in der Vergangenheit im Jahr 1959 handelt und aus der Ich-Perspektive von Margot geschrieben ist. In der Gegenwart wird die Geschichte aus Jessies Sicht erzählt.

Während 1959 das Verschwinden der 12-jährigen Audrey noch gegenwärtig ist und es mysteriös bleibt, was mit ihr passiert ist, wusste Jessie vor dem Kauf des Anwesens nichts über das vermisste Kind. Die Familie erfährt erst durch Bellas Mitschülerinnen von dem Drama, wobei Jessie nicht einordnen kann, was davon Schauermärchen sind, was der Wahrheit entspricht und inwiefern die aufsässige Bella ihr bewusst Angst einjagen möchte.

Auf beiden Zeitebenen spürt man die beklemmende Atmosphäre des älteren Anwesens, auf dem sich ein Verbrechen ereignet haben könnte. Die Wilde-Schwestern waren von einem eintönigen Sommer auf Applecote Manor ausgegangen, aber über dem Haus schwebt der Geist von Audrey und die nagende Ungewissheit, was mit ihr passiert sein mag. Tante Sybil scheint traumatisiert und hofft noch immer auf eine Rückkehr ihrer einzigen Tochter, während Onkel Perry von den Schwestern verdächtigt wird, in das Verschwinden Audreys involviert zu sein.
Die Schwestern waren bisher unzertrennlich, eine Einheit gegen die egozentrische Mutter, die durch die Anwesenheit der jungen Männer und der ersten Liebe auseinanderzubrechen droht. Margot, die an einer Hauterkrankung leidet, empfand sich schon immer als unzulänglich und fühlt sich mehr denn je im Vergleich zu ihren älteren Schwestern zurückgesetzt. Unerwartet rückt sie in den Mittelpunkt, als Sybil in ihr Audrey wiederzuerkennen glaubt.

Jessie spürt tagtäglich, dass sie mit der verstorbenen Ehefrau ihres Mannes nicht konkurrieren kann, leidet einerseits unter dem schwierigen Verhältnis zu ihrer Stieftochter, andererseits aber auch zunehmend unter der Einsamkeit in einem viel zu großen Haus, nachdem Will, anders als geplant, immer öfter beruflich nach London muss. Statt der erhofften Romantik einer Idylle auf dem Land entfremdet sich das Paar zusehends voneinander.

Sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit erlebt man eine Familiengeschichte mit interessanten Charakteren, die spannend zu lesen ist, da der Leser auf beiden Zeitebenen hofft, das Rätsel um Audreys Verschwinden zu lösen. Während 1959 nicht mehr aktiv versucht wird, den Vermisstenfall zu lösen, lässt Bella die Vergangenheit nicht ruhen und findet Gegenstände der Vorbesitzer des Hauses, die sie sammelt und die Jessie irritieren bzw. ängstigen. Auch Bellas nächtliches Schlafwandeln wirkt bedrohlich und trägt zur Beunruhigung Jessies bei.

Der Schreibstil der Autorin ist bildhaft, zumal fast poetisch, was allerdings gut zu der beklemmenden Atmosphäre in den alten Gemäuern von Applecote Manor passt. Trotz des Wechsels aus Vergangenheit und Gegenwart, dem Gegensatz der Hitze des Sommers 1959 und der Februarkälte 2009, lässt sich der Roman flüssig lesen.

"Die Schwestern von Applecote Manor" erzählt eine dramatische Familiengeschichte, bei der ein Geheimnis aus der Vergangenheit bis in die Gegenwart Rätsel aufgibt und bei der man mit den Sorgen und Nöten ganz unterschiedlicher Frauen aus verschiedenen Epochen konfrontiert wird.