Profilbild von schnaeppchenjaegerin

schnaeppchenjaegerin

Lesejury Star
offline

schnaeppchenjaegerin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit schnaeppchenjaegerin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.12.2018

Geschichte über eine Familie, die zu Tränen rührt, trotz aller Tragik aber auch hoffnungsvoll ist und ein positives Gefühl hinterlässt

Einfach unvergesslich
0

Claire ist Anfang 40 Jahre, Mutter einer 20-jährigen Tochter und der dreijährigen Esther. Vor wenigen Jahren hat sie ihren Traummann Greg gefunden und geheiratet. Sie ist glücklich, bis sie die Diagnose ...

Claire ist Anfang 40 Jahre, Mutter einer 20-jährigen Tochter und der dreijährigen Esther. Vor wenigen Jahren hat sie ihren Traummann Greg gefunden und geheiratet. Sie ist glücklich, bis sie die Diagnose vorzeitiger Alzheimer erhält. Schon ihr Vater ist viel zu früh an dieser Krankheit verstorben und auch Claire merkt schmerzlich selbst, wie schnell sie geistig abbaut und auf die Hilfe ihrer Mutter Ruth angewiesen ist. In klaren Momenten kann sie noch Mutter und liebende Ehefrau sein, doch wenn der Nebel kommt, benimmt sie sich wie ein kleines Kind und macht Esther zu ihrer Verbündeten.
Als sie herausfindet, dass ihre Tochter Caitlin schwanger ist und sich in ihrer Verzweiflung zurückzieht, wird Claire bewusst, dass Caitlin eine weitere Bezugsperson braucht. Sie soll endlich erfahren, wer ihr Vater ist.

Der Roman ist abwechselnd aus der Sicht von Claire und Caitlin geschrieben, so dass man Einblick in Claires Gedankenwelt erhält, wie sie einerseits gegen die Krankheit kämpft, aber andererseits ihr chancenlos ausgeliefert ist und dabei auch unangenehme Charakterzüge entwickelt. Gleichzeitig kann man nachvollziehen, wie sehr Caitlin als ungewollt Schwangere mit der Situation überfordert ist, sich ihrer Mutter gegenüber verantwortlich zu fühlen und dann auch noch ihren Vater kennenlernen soll, der bisher noch gar nichts von ihr weiß.

Rowan Coleman hat einen sehr eingängigen, empathischen Schreibstil, der durch die absurden Situationen, die Claire provoziert, sehr unterhaltsam zu lesen ist, aber vor allem auch sehr ergreifend zu lesen ist, da Claires Schicksal und die Folgen für die ganze Familie berühren. Man erlebt anschaulich, wie Claire sich selbst verliert und phasenweise selbst so hilflos ist, wie ihre kleine Tochter, bis sie wieder einen lichten Moment hat. In der Zeit, die ihr noch bleibt, möchte sie Caitlin als werdende Mutter unterstützen, sie mit ihrem Vater zusammenbringen und ihrem Ehemann zeigen, wie sehr sie ihn liebt.

"Die Welt um dich herum kann zusammenstürzen, dein Hirn und dein Körper können dich im Stich lassen, aber dein Herz, dein Geist... werden trotzdem bleiben. [...] Was von uns übrig bleibt, ist die Liebe, die wir gaben und empfingen."

"Einfach unvergesslich" ist mehr als eine Geschichte über eine unheilbare Krankheit, die man in der Regel nur bei alten Menschen vermutet. Es ist eine Geschichte über eine Familie, die zu Tränen rührt, gleichzeitig aber auch hoffnungsvoll ist und einen trotz aller Tragik mit einem positiven Gefühl zurücklässt. Es wird deutlich, wie wichtig es ist, im Hier und Jetzt zu leben und wie viel Kraft man aus der Liebe von und für die Familie schöpfen kann.

"[...] Liebe vergeht nicht. Liebe ist die wahre Erinnerung. Liebe ist das, was bleibt, wenn wir nicht mehr sind."

Veröffentlicht am 01.12.2018

Auf den Spuren der älteren Schwester in den 70er-Jahren - für mich etwas langatmig . Die spannende Romaniedee hätte mehr Potenzial gehabt

Die Farbe der Erinnerung
0

Phoebes ältere Schwester Faith ist vor acht Jahren, 1970, in Italien gestorben. Phoebe ist inzwischen 18 Jahre alt und möchte wissen, was sich damals tatsächlich ereignet hat und reist deshalb von San ...

Phoebes ältere Schwester Faith ist vor acht Jahren, 1970, in Italien gestorben. Phoebe ist inzwischen 18 Jahre alt und möchte wissen, was sich damals tatsächlich ereignet hat und reist deshalb von San Francisco nach Europa. Sie macht an den Orten Halt, von denen Faith Postkarten geschrieben hat. Während Phoebe weder in Amsterdam, noch in Paris vielmehr über ihre Schwester erfährt, trifft sie in München auf Wolf, Faiths damaligen Freund. Er begleitet sie nach Italien, wo sich Faith von einer Klippe in Corniglia gestürzt hatte.

Die junge und unerfahrene Phoebe beginnt eine Liebesbeziehung mit Wolf, die insbesondere körperlich ausgeprägt ist. Gleichzeitig erfährt Phoebe, in welche Kreise Faith geraten ist und welches Ereignis letztlich der Auslöser für Faiths Selbstmord gewesen ist.

Der melancholisch anmutende Roman handelt 1978, blickt aber immer wieder zurück in die Vergangenheit, in die Kindheit von Phoebe und der ihrer beiden älteren Geschwister Faith und Barry in den 60er-Jahren. Als der Vater stirbt, der die älteste Tochter den anderen beiden vorgezogen und durch seine Malerei ein Denkmal gesetzt hat, verliert Faith einen Halt im Leben, reist nach Europa und rutscht dabei in die linksextremistische Szene ab. Faith erscheint als Mitläuferin, die einfach nur dazugehören möchte, kann sch der Gruppendynamik aber nicht erwehren und schließt sich letztlich der "Bewegung 2. Juni" an, die die RAF zum Vorbild hatte.

Phoebe wandelt auf den Spuren ihrer älteren Schwester und entdeckt eine Wahrheit, die sie nie für möglich gehalten hätte. Wolf hat ihr gegenüber erstmalig sein Schweigen und damit ein Versprechen gebrochen, das er Faith gegeben hatte. Phoebe selbst reift auf ihrer Reise durch Europa, die sie sehr naiv angetreten hatte.

Während mit der Beginn des Romans gefallen hat und ich Phoebes Schritte und ihre Entscheidung nach Europa zu reisen nachvollziehen konnte, um herauszufinden, was ihrer Schwester widerfahren ist, in deren Schatten sie und ihr Bruder immer gestanden hatten, entwickelte sich der Roman durch die Begegnung mit Wolf in eine Richtung, die mir wenig gefiel. Die wiederholten Szenen , in denen sich das lüsterne Paar an allen erdenklichen Plätzen seine fleischlichen Lust hingibt, empfand ich ermüdend und hätten nicht in dieser Breite dargestellt werden müssen, um ein Gefühl für Phoebes Einsamkeit und Wolfs Sehnsucht nach Faith zu bekommen. Auch Faiths Abdriften in terroristische Strukturen kam mir sehr extrem und fast unwirklich vor. Die eigentlich spannende Romanidee wurde für mich nur unzureichend umgesetzt, das Potenzial der Geschichte nicht ausgeschöpft.

Die Autorin vermischt reale Ereignisse mit der Geschichte um Faith, an deren Ende ich mir ein Nachwort gewünscht hätte, um eine klare Trennung von historischer Wahrheit und Fiktion nachvollziehen zu können.

Veröffentlicht am 30.11.2018

Roman mit Tiefgang über emotional belastende Themen - dennoch unbeschwert und humorvoll

Liebe wird aus Mut gemacht
0

Nach überstandener Krebserkrankung wird Nina aus dem Krankenhaus entlassen und zieht wieder bei ihren Eltern in einem kleinen Ort in Niedersachsen ein. Ihr Studium in Bremen hat sie nach der Diagnose Leukämie ...

Nach überstandener Krebserkrankung wird Nina aus dem Krankenhaus entlassen und zieht wieder bei ihren Eltern in einem kleinen Ort in Niedersachsen ein. Ihr Studium in Bremen hat sie nach der Diagnose Leukämie unterbrochen.
Nina traut ihrer Genesung nicht und rechnet jederzeit mit einem Rückfall und ihrem baldigen Tod. Sie kann das Leben nicht mehr genießen, hat kein Ziel vor Augen und traut sich nicht, sich zu verlieben. Stattdessen gibt sie lieber ihrer alten Schulfreundin Isabelle den Vortritt, die sich wie sie für Erik interessiert, der aus Sorge um seinen depressiven Vater wieder nach Varrendorf gezogen ist.

Der Roman handelt in der Gegenwart, aber ungefähr jedes zweite Kapitel stellt einen Rückblick auf die Zeit der Erkrankung dar - von der Diagnose über die emotionale Zeit im Krankenhaus, die von einer steten Ungewissheit und dem Kampf ums Überleben gegen den unsichtbaren Gegner Krebs geprägt war, bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus.

Die 21-jährige Nina ist eine sympathische Protagonistin, die vom Schicksal gebeutelt voller Sarkasmus durchs Leben geht. Ihre Gefühle und Gedanken sowie ihr manchmal sehr impulsives Handeln, aber auch ihr mangelnder Lebensmut und die daraus resultierende zurückhaltende, pessimistische Art sind sehr authentisch dargestellt.

Der Roman ist emotional, aber vor allem erfrischend lebendig und wunderbar witzig aus der Ich-Perspektive Ninas geschrieben. Auch die vielfältigen Nebencharaktere sind originell ausgearbeitet.

Im Gegensatz zu anderen Romanen über Krebs steht in "Liebe wird aus Mut gemacht" (als Hardcover im Kindler-Verlag unter dem Titel "Auf Null" erschienen) nicht der Kampf gegen die akute Erkrankung um Vordergrund, sondern der Umgang mit dem "danach" und was es heißt, als gesund, aber nicht als geheilt zu gelten. Wir es ist in permanenter Angst zu leben, innerlich zu zweifeln, aber nach außen fröhlich und optimistisch zu wirken, um die nahen Angehörigen nicht zu enttäuschen oder ihnen wieder erneut Sorgen zu bereiten, ist sehr eindringlich beschrieben.
Der Roman ist deshalb aber nicht deprimierend oder traurig, sondern ein positives Buch, das dazu animiert, das Leben im hier und jetzt zu genießen sowie hoffnungsvoll und mutig in die Zukunft zu blicken.

Wie in "Bis zum Himmel und zurück" überzeugt Catharina Junk durch ihren warmherzigen und amüsanten Schreibstil und schafft es, sich schwierigen, emotional belastenden Themen wunderbar unbeschwert mit einer wohl dosierten Prise Humor unverkitscht und mit Tiefgang zu widmen.

Veröffentlicht am 29.11.2018

Fesselnder Thriller über Freundschaft, Neid und Verrat

Dein perfektes Leben
0

Vicky Seagrave ist verheiratet und Mutter von drei kleinen Kindern. Sie ist Lehrerin in Elternzeit und dank des Verdienstes von Ehemann Tom geht es der Familie gut. Ihre beste Freundin Amber wohnt nur ...

Vicky Seagrave ist verheiratet und Mutter von drei kleinen Kindern. Sie ist Lehrerin in Elternzeit und dank des Verdienstes von Ehemann Tom geht es der Familie gut. Ihre beste Freundin Amber wohnt nur wenige Straßen entfernt. Vicky führt ein perfektes Leben, begeht aber an einem Tag im Januar einen folgenschweren Fehler. Weil sie sich unbedingt ein Haus ansehen möchte, das sie sich für ihre Familie erträumt hat, lässt sie den Jüngsten Josh nur ein paar Minuten allein. Noch während der Hausbesichtigung überkommt sie ein schlechtes Gewissen, aber wie hätte sie ahnen können, dass ausgerechnet in der kurzen Zeit ihrer Abwesenheit ein Einbrecher in ihr Haus eindringt? Freundin Amber ist zur Stelle und gibt Vicky ein Alibi, da die Frauen das Jugendamt fürchten. Vicky muss fortan mit einer Lüge leben, die ihr ganzes Leben beeinträchtigt und vor allem ihr Vertrauen in Amber zunehmend in Frage stellt.

Die Geschichte ereignet sich im Jahr 2010, wobei einzelne Kapitel in der Vergangenheit im Jahr 1992 handeln, in deren Mittelpunkt die 10-jährige Katya steht, deren Mutter, eine Prostituierte, an einer Überdosis gestorben ist. Katya wird bei Pflegeeltern untergebracht, wünscht sich jedoch sehnlichst, bei ihrer Sozialarbeitern Maggie leben zu können. Stattdessen sieht sie sich mit den Übergriffen ihres Pflegevaters Luke konfrontiert.

Der Thriller ist nahezu unblutig und entwickelt ein subtile Spannung. Es ereignen sich keine Gräueltaten, aber das Lügenkonstrukt, in das sich Vicky immer tiefer verwickelt, entwickelt sich für diese zu einem Albtraum, der bald weitaus schlimmer ist, als die Angst vor einer Anzeige wegen der Vernachlässigung eines Säuglings.

Amber, die nach Außen hin stets für Vicky da ist und sich als Patentante liebevoll um die Kinder kümmert, drängt sich immer stärker in den Vordergrund. Interessant ist zu lesen, in welche Richtung sich die Freundschaft entwickelt und welchen Druck Amber aufgrund ihres Alibis auf Vicky ausübt. Was mit kleinen Sticheleien und zweideutigen Andeutungen beginnt, mündet in falschen Anschuldigungen bis hin zu seelischen Grausamkeiten.

"Dein perfektes Leben" ist ein Psychothriller, der ohne Übertreibungen auskommt und raffiniert ein glaubwürdiges, realistisches Szenario konstruiert. Aufgrund der Rückblicke in die Vergangenheit ist die Handlung zwar ab der Hälfte des Romans vorhersehbar, da diese dem Leser eine Einschätzung Ambers ermöglicht, die für Vicky (noch) nicht offensichtlich ist, was aber nichts an Fassungslosigkeit ändert, mit der man weiter liest, um zu erfahren, wie viel Schaden noch angerichtet werden muss, bis die Wahrheit ans Licht kommt.

Es ist ein fesselnder Roman über Freundschaft, Neid und Verrat, der zeigt, welche Folgen "ein kleiner Fehler" (Originaltitel) haben kann und welche Auswirkungen eine traumatische Kindheit haben kann, die sich erst Jahre später bemerkbar machen.

Veröffentlicht am 26.11.2018

Nur zu Beginn amüsanter Roman, dann überwiegt die Problematik um Georginas Vergangenheit

Sowas kann auch nur mir passieren
0

Erst verliert Georgina ihren Job als Kellnerin, dann erwischt sie ihren Freund In flagranti mit seiner Assistentin, der sich jedoch keiner Schuld bewusst ist. Eigentlich sollte sie froh sein - das Restaurant, ...

Erst verliert Georgina ihren Job als Kellnerin, dann erwischt sie ihren Freund In flagranti mit seiner Assistentin, der sich jedoch keiner Schuld bewusst ist. Eigentlich sollte sie froh sein - das Restaurant, in dem sie arbeitete, hat eine katastrophale Küche und ihr Ex Robin ist ein selbstbezogener Chauvinist, der von einer offenen Beziehung ausgegangen ist.

Auch wenn Georgina davon träumt, Schriftstellerin zu werden, ist sie von diesem Berufsziel weit entfernt und nimmt aus finanziellen Gründen wieder einen Job als Kellnerin in einem Pub an. Es stellt sich heraus, dass der Mitinhaber des Pubs ihre erste Liebe ist. Der Verflossene scheint sich allerdings nicht mehr an Georgina erinnern zu können. Georgina ist dies einerseits ganz recht, andererseits ist sie irritiert und in ihrem Selbstbewusstsein abermals eingeschüchtert, dass sie Lucas offenbar nicht so viel bedeutet hat wie er ihr.

Der Schreibstil der Autorin ist zunächst gewohnt humorvoll-ironisch. Georgina ist eine bemitleidenswerte Protagonistin, die für ihre 30 Jahre noch sehr jung und hilflos wirkt. Sie scheint das Pech gepachtet zu haben und gerät von einer unangenehmen Situation in die nächste. Während ihre Familie Georgina wenig Respekt entgegenbringt und kein Verständnis für ihre Schlamassel hat, findet sie stets Halt bei ihren Freunden.

Die Charaktere sind ein wenig überzeichnet, was mich bei einer humorvollen (Liebes-)geschichte allerdings nicht stört, sondern zur Unterhaltung beiträgt. Die Dialoge wirkten allerdings phasenweise ermüdend auf mich, wenn wiederholt Georginas Probleme gewälzt werden, aber nicht wirklich etwas passiert. Der Roman zieht sich dadurch etwas in die Länge.
Auch verliert der Roman im weiteren Verlauf an Witz und Leichtigkeit, als Georgina beginnt, sich verstärkt mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Ich fand diesen Übergang etwas holprig und die plötzliche Ernsthaftigkeit dem eher lockeren Schreibstil nicht angemessen. Darüber hinaus empfand ich ihren Blick in die Schulzeit, insbesondere auf ein bestimmtes Ereignis, nach zwölf Jahren nicht so ganz nachvollziehbar, nachdem sie in ihren 20er-Jahren sogar eine Psychotherapie wegen des Todes ihres Vaters gemacht hätte. Schon damals hätte sie mit ihrer Therapeutin die Erlebnisse und die Enttäuschung mit Lucas aufarbeiten können.

Die zu Beginn vorhersehbare Annäherung zwischen dem ehemaligen Paar aus Schulzeiten entwickelt sich dann nur zaghaft, stattdessen muss sich Georgina immer wieder gegen ihren Exfreund wehren, der ihr aus verletzter Eitelkeit nachstellt.

"Sowas kann auch nur mir passieren" ist ein Roman, bei dem weniger die Liebe und Romantik als vielmehr Georginas persönliche charakterliche Entwicklung und die Überwindung eines Traumas im Vordergrund steht. Durch ihren Job als Kellnerin findet sie noch eine weitere Aufgabe, durch die sie ihr Selbstbewusstsein aufbauen kann und reifer wird. Emotional gestärkt, kann sie sich ihren aktuellen Problemen und den Ereignissen der Vergangenheit stellen.