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Veröffentlicht am 24.03.2024

Ein Kindheitstrauma und die Entzweiung einer Familie - aus Sicht des Opfers anstrengend zu lesen

Ein falsches Wort
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Bergljot hat vor Jahren mit ihrer Familie gebrochen und den Kontakt zu ihren Eltern eingestellt. Mit einer ihrer jüngeren Schwestern steht sie sporadisch in Verbindung, ihre Kinder treffen zu Feiertagen ...

Bergljot hat vor Jahren mit ihrer Familie gebrochen und den Kontakt zu ihren Eltern eingestellt. Mit einer ihrer jüngeren Schwestern steht sie sporadisch in Verbindung, ihre Kinder treffen zu Feiertagen die Großeltern und Tanten.
Das Erbe unter den Kindern sollte in den Augen der Eltern gerecht aufgeteilt werden: die jüngeren Töchter, zu denen eine enge Bindung besteht, erben jeweils eine Ferienhütte, während Bergljot und ihr Bruder Bård dafür ausgezahlt werden. Als Bård jedoch erfährt, dass der Schätzpreis der Hütten zu niedrig angesetzt wurde, bricht ein erbitterter Erbstreit aus, in den Bergljot unfreiwillig hineingezogen wird. Sie wird damit wieder an den Grund ihres Bruches erinnert und dass dieser innerhalb der Familie nicht anerkannt und totgeschwiegen wird. Nach Jahren von Alpträumen und Therapie ist Bergljot bereit, ihr Schweigen zu brechen und die Familie mit der ungeschönten Wahrheit zu konfrontieren.

Auch wenn Bergljots Trauma anfangs nicht direkt benannt wird, wird durch ihr Verhalten und die angsterfüllten Gedanken deutlich, was zwischen ihr und ihrem Vater in der Kindheit vorgefallen ist, was die Mutter ignoriert und was die jüngeren Schwestern nicht miterlebt haben.

Der Roman ist in kurze Abschnitte unterteilt, in denen zwischen Gegenwart und Vergangenheit willkürlich gewechselt wird. Aus Sicht der traumatisierten Ich-Erzählerin, die fast 50 Jahre nach ihren einschneidenden Erlebnissen und 23 Jahre nach dem Bruch mit ihrer Familie, leidet und auf eine Art von Gerechtigkeit, Entschuldigung oder wenigstens Anerkennung hofft, ist die Geschichte sehr intensiv.
Neben dem Erbstreit, der das fragile Familiengefüge belastet, ist Bergljots Trauma und der Vorwurf an Vater und Mutter zentral. Verzweiflung, Angst und Wut stehen im Raum und nehmen Bergljot die Luft zum Atmen.

Auch für den Leser ist die Lektüre anstrengend. Nicht, weil Details aus der Kindheit lautwerden, sondern weil die Seelenqual Bergljots, die Ignoranz ihrer Primärfamilie und der eigentlich lächerliche Streit über den Wert zweier Hütten, so einnehmend sind. Eine aktive Handlung gibt es in dem Roman kaum, die Themen drehen sich im Kreis, in Bergljots Gedanken und in der Auseinandersetzung mit Angehörigen und Freunden.

"Ein falsches Wort" handelt von einem brisanten Thema und der Entzweiung einer Familie. Was kann es Schlimmeres geben, als wenn Kinder nicht einmal in ihrer eigenen Familie sicher sind? Die Schuld kann nur bei den Erwachsenen gesucht werden, das Kind ist immer das Opfer.
Eine Vergebung erscheint aussichtslos, ein Ausweg nur in einem Befreiungsschlag und endgültiger Lossagung möglich.
Durch die zahlreichen - zum Teil wortwörtlichen - Wiederholungen und den willkürlichen Wechsel zwischen Zeiten und Schauplätzen ist das Lesen anstrengend. Als Stilmittel, um Bergljots Trauma nachzuvollziehen, sind die retardierenden und wirren Gedanken nachvollziehbar, als Roman jedoch zäh und ermüdend. Die Geschichte, die sich letztlich auf eine Wut und dem Wunsch nach Anerkennung auf und durch die verbliebenen Familienmitglieder fixiert und retardierend darlegt, wie verfahren und ausweglos die Situation ist, hätte auch auf die Hälfte der Seite heruntergebrochen werden können.

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Veröffentlicht am 21.03.2024

Spannender Thriller, in dem nichts so ist, wie es so offensichtlich scheint - eigensinnige Charaktere, angetrieben von einem Konglomerat aus Erpressung, Rache und Wunsch nach Gerechtigkeit

Schatten im Glashaus
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Kit Darling arbeitet als Haushaltshilfe für die Firma Holly's Help in Vancouver, wo sie in den Häusern der oberen Zehntausend sauber macht. Sie ist gründlich und hat einen tadellosen Ruf und konnte bisher ...

Kit Darling arbeitet als Haushaltshilfe für die Firma Holly's Help in Vancouver, wo sie in den Häusern der oberen Zehntausend sauber macht. Sie ist gründlich und hat einen tadellosen Ruf und konnte bisher immer gut verbergen, dass sie klammheimlich in den Sachen ihrer Arbeitgeber schnüffelt.
Im Haus ihrer neuen Arbeitgeber, Daisy und Jon Rittenberg entdeckt Kit ein kompromittierendes Geheimnis, das sie schockiert und dessen Aufdeckung das Leben des Paares zerstören könnte. Gleichzeitig wird das Wissen gefährlich für Kit, denn für die Bewahrung des Geheimnisses wären Menschen bereit zu töten.
In der Nacht von Halloween ereignet sich ein Blutbad in einem Luxushaus, in dem auch Kit regelmäßig sauer gemacht hat. Die Ermittler finden jedoch keine Leiche, die Eigentümer sind verschwunden und bei der Nachbarin, einer todkranken alten Frau, handelt es sich um eine Zeugin, die regelmäßig die Polizei alarmiert.

Der Thriller handelt auf zwei Zeitebenen, vor und nach dem Mord und wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Der Wechsel erfolgt zwischen den Tagebucheinträgen der Haushaltshilfe und den Perspektiven von Daisy und Jon in der Vergangenheit, während die Handlung immer weiter an die Mordnacht heranrückt. Die Gegenwart erfolgt aus der Sicht der erfahrenen Ermittlerin Mallory van Alst, die den Mord ohne Leiche aufklären muss, während sie sich um ihren Ehemann sorgt, der unter Demenz leidet und über Sterbehilfe nachdenkt.

Schon von Anbeginn ist zu ahnen, dass in diesem Kriminalfall nichts so ist, wie es scheint. Einerseits scheint die Sachlage klar, dass Kit Darling in dem Glashaus ermordet wurde, denn alle Spuren deuten daraufhin und auch der Prolog treibt die/ den LeserIn in diese Richtung. Andererseits kann es aber nicht so einfach und durchschaubar sein, dass Daisy und Jon ihre Haushaltshilfe ermordet haben, um ihr Geheimnis zu wahren, denn das wäre zu offensichtlich und letztlich haben in der Geschichte alle etwas zu verbergen und handeln aus Motiven, die die anderen nicht kennen.

Der Mix aus "Geld regiert die Welt", Erpressung, Rache und dem Wunsch nach Gerechtigkeit macht den Plot aus und wird klug inszeniert. Die Charaktere handeln eigensinnig und skrupellos bis hin zu brutal, wenn es darum geht die eigene Haut zu retten oder andere an den Pranger zu stellen.
Kurze Kapitel und schnelle Szenenwechsel sowie zahlreiche Wendungen sorgen für Dynamik und halten die Spannung hoch. Die Ermittlungen sind nicht detailliert, aber bis auf wenige Details schlüssig und ergänzen den weitaus vielseitigeren Handlungsstrang der Vergangenheit bis es zum großen Showdown - der Mordnacht zu Halloween - kommt und allmählich alle Rätsel um die Figuren und ihre Taten entschlüsselt werden.
Dem Tagebuch der Haushälterin kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, das den Leser aufgrund fehlender Datumsangaben in die Irre leitet, was am Ende ein klein wenig ernüchternd ist.

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Veröffentlicht am 19.03.2024

Ein spannendes Zukunftsszenario über den Wunsch nach ewigen Leben, das jedoch als Gedankenexperiment verhallt

Wir werden jung sein
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Der Wissenschaftler Martin Mosländer forscht an einem Medikament zur Behandlung von Herzmuskelschwäche und teste das Resultat an vier Probanden, sich selbst und seinem Hund aus. Der frisch verliebte jugendliche ...

Der Wissenschaftler Martin Mosländer forscht an einem Medikament zur Behandlung von Herzmuskelschwäche und teste das Resultat an vier Probanden, sich selbst und seinem Hund aus. Der frisch verliebte jugendliche Jakob hat plötzlich Erektionsstörungen, die ehemalige Profischwimmerin bricht überragend einen Rekord bei einem Benefizschwimmen, Jenny wird nach einer erfolglosen Kinderwunschbehandlung auf natürlichem Weg schwanger und der dem Tod geweihte Patriarch und Immobilienmogul Karl Menger sieht sich nun doch nicht gezwungen, sein Leben vorzeitig zu beenden.
Die Nebenwirkungen des neuen Medikaments verursachen eine Verjüngung der Zellen, was nicht nur die Medien, sondern auch den Deutschen Ethikrat auf den Plan ruft. Eine Diskussion über Generationengerechtigkeit, Chancengleichheit und Überbevölkerung entsteht, die zum Teil auch in Gewalt umschlägt.

Die Geschichte handelt wenige Monate in der Zukunft und mutet nicht nur aufgrund der zeitlichen Nähe, sondern auch aufgrund der schlüssigen Erklärungen zur Forschung und den schon kurzfristig entstehenden Folgen wenig utopisch und erschreckend real an.

Man erhält einen Einblick in sechs verschiedene Leben, die auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Medikament - als Wissenschaftler, Patient und Mitglied des Ethikrats - in Berührung kommen. Auch die Konsequenzen für die Probanden und die Gedanken, die sie sich machen, sind ganz unterschiedlich. Es geht nicht mehr nur um die körperlichen, sondern auch die seelischen Folgen und welcher Druck durch die Aussicht auf ein längeres oder gar ewiges Leben entsteht.
Neben den persönlichen Folgen sind die Auswirkungen für Gesellschaft und Weltbevölkerung kaum auszudenken. Fraglich ist, ob so ein Medikament - gegebenenfalls mit einer weniger starken Wirkung - zugelassen werden darf und ob eine Verbreitung überhaupt zu stoppen ist, wenn die Formel bereits in kriminelle Hände geraten ist.

Mit "Wir werden jung sein" stellt der Autor ein interessantes Szenario vor, das nachdenklich stimmt und das Für und Wider eines Einsatzes eines Medikaments betrachten lässt, das Krankheiten lindern, das Leben verlängern und sogar ein ewiges Leben möglich machen könnte, aber keine Lösung für das moralische Dilemma präsentiert. Ob die Folgen einer Zulassung des Medikaments mehr Vorteile oder mehr Nachteile birgt, ist unfassbar komplex und hängt sowohl von der Perspektive - Politik, Wissenschaft, Religion? - als auch vom Individuum und der Gesellschaft ab.

Der Erzählstil ist im Vergleich zur ernsthaften Thematik humorvoll, weshalb es dem Roman trotz des beängstigenden Zukunftsvision an Thrill und Spannung fehlt. Brisante Situationen werden charmant, aber recht simpel gelöst. Auch sind die Einblicke in die vier bzw. sechs Leben auf 300 Seiten zu kurz, als dass man ein Gefühl für die Charaktere bekommen und deren Situation und Misere besser nachvollziehen könnte. Die jeweiligen Enden wirken deshalb recht willkürlich gewählt.

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Veröffentlicht am 17.03.2024

Gelungener Genre-Mix aus Familiendrama, Liebesgeschichte und Kriminalroman mit leidenschaftlichen Emotionen und einer fesselnden Geschichte, die einen moralischen Skandal und ein Verbrechen vermuten lässt

Kaiserwald
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Im April 1998 verschwindet Penelopes Mutter Rebecca spurlos. Niemand weiß, ob sie freiwillig gegangen oder ob sie Opfer eines Verbrechens geworden ist. Die Achtjährige wächst daraufhin bei ihren Großeltern ...

Im April 1998 verschwindet Penelopes Mutter Rebecca spurlos. Niemand weiß, ob sie freiwillig gegangen oder ob sie Opfer eines Verbrechens geworden ist. Die Achtjährige wächst daraufhin bei ihren Großeltern im Allgäu auf, gibt sich selbst die Schuld am Verschwinden ihrer Mutter und hofft all die Jahre, dass ihre Mutter noch lebt.
Rebecca arbeitete als Lehrerin und war bei ihren Schülern an der deutschen Schule in Riga sehr beliebt. In ihrer Ehe mit dem untreuen Robert war sie schon lange nicht mehr glücklich und deshalb offen für die Avancen des Vaters einer Schülerin.
25 Jahre später versucht Mathilda den Kontakt zu der adligen Familie Prokhoff herzustellen. Unter Vorgabe falscher Tatsachen schleicht sie sich in deren Leben, verliebt sich in den Sohn der Familie und findet mehr raus, als sie zu ahnen hoffte.

"Kaiserwald" ist Band 1 einer Dilogie, die mit dem Erscheinen von "Sonnenwende" im Herbst 2024 abschließt. Die Geschichte handelt auf zwei Zeitebenen und ist aus verschiedenen Perspektiven erzählt, die die Verbindung der Personen miteinander nicht von vornherein aufdeckt, aber frühzeitig erahnen lässt.

Während sich Rebeccas Perspektive wie ein Tagebuch liest, spricht Penelope einen unbekannten Dritten direkt an, dem sie die Geschichte ihrer Kindheit und Jugend erzählt. Mathildas Sicht der Dinge wird nicht aus der Ich-Perspektive geschildert, weshalb sie am undurchsichtigsten wirkt und ihr Plan zunächst im Verborgenen bleibt.

Die Handlungsstränge der Vergangenheit und Gegenwart sind gleichermaßen einfühlsam und spannend geschildert. Einerseits bleibt lange offen, was mit Rebecca geschehen ist und andererseits fragt man sich, warum Mathilda sogar bereit ist, einen Unfall zu verursachen, um den Prokhoffs nahe zu kommen und was die Familie, die sich für Nachhaltigkeit und Ökologie engagiert, zu verbergen hat.

Die Charaktere sind vielschichtig und bieten Raum für Spekulationen. Gefangen in Konventionen träumt ein Teil von ihnen von einem anderen Leben und jemand anders zu dein. Die Geschichte ist durch ihre Konstruktion aus mehreren Handlungssträngen, die sich allmählich ergänzen und durch Andeutungen, die auf noch Kommendes verweisen, bis zum vorläufigen Ende spannend.

"Kaiserwald" ist ein gelungener Genre-Mix aus Familiendrama, Liebesgeschichte und Kriminalroman und führt den Leser über die späten 1990er-Jahre, über Riga und das Allgäu bis in die Gegenwart nach Berlin.

Das Buch bietet die perfekte Mischung aus unkomplizierter Unterhaltung, leidenschaftlichen Emotionen und einer fesselnden Geschichte, die mit verstörenden Kindheiten, einem Mordfall und (un)heimlichen Machenschaften Privilegierter gewichtige Themen beinhaltet, die einen moralischen Skandal und ein Verbrechen vermuten lassen.

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Veröffentlicht am 14.03.2024

Lang gezogene, verstörende Geschichte, in der die wenigen interessanten Handlungsstränge rüde abgewürgt werden und kein Ende erhalten. Weder "unwiderstehlich witzig" noch "weise".

Der Stich der Biene
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Dickie Barnes hat einst den florierenden Autohandel seines eloquenten Vaters übernommen. In ihm steckte jedoch nie ein Verkaufstalent und seit es mit der Wirtschaft in Irland bergab geht, ist auch sein ...

Dickie Barnes hat einst den florierenden Autohandel seines eloquenten Vaters übernommen. In ihm steckte jedoch nie ein Verkaufstalent und seit es mit der Wirtschaft in Irland bergab geht, ist auch sein Geschäft vom Niedergang betroffen. Seine Frau Imelda, der ihr Status in der Stadt immer so wichtig war, ist enttäuscht. Aufgebracht verkauft sie Möbel und Kleidungsstücke, die sie im Unverstand gekauft hatte. Die Kinder machen sich Gedanken und fürchten das Gerede über den Konkurs in der Stadt. Die ältere Tochter Cass möchte so schnell es geht nach Dublin, um zu studieren, muss aber erst noch den Schulabschluss bestehen. Ihre bisher guten Noten torpediert sie allerdings durch Alkoholexzesse in den örtlichen Pubs. Ihr jüngerer Bruder PJ spürt die Spannungen in der Familie und fürchtet, aufs Internat geschickt zu werden. Sein Plan ist es, abzuhauen, um die Eltern wach zu rütteln.

Die Geschichte wird in langen Kapiteln aus den Perspektiven aller Hauptfiguren geschildert. Während zunächst nur auf die Anführungszeichen der wörtlichen Rede verzichtet wird, erfolgt aus der Sicht von Imelda überhaupt keine Interpunktion mehr. Der Sinn dahinter erschließt sich nicht und macht mitsamt der vulgären Ausdrucksweise den Inhalt nicht besser.

Positiv betrachtet, entwickelt sich das Buch unvorhersehbar. Es ist nicht erkennbar, in welche Richtung der Autor führt. Negativ betrachtet, ist die Geschichte ziellos, hängt lose an den Folgen der Finanzkrise für die Familie Barnes, so dass es schwerfällt, nicht nur quer zu lesen.

Die Charaktere sind nicht sympathisch und auf sich selbst bezogen. Auf diese Weise verbinden sich die einzelnen Abschnitte aus den unterschiedlichen Perspektiven kaum. Die Familienmitglieder interagieren wenig miteinander. Die Teenager, die unsichere, kluge Tochter und der nerdige Sohn rebellieren, die Eltern, die schöne, materialistische Mutter und der unbeholfene Vater, haben ihre eigenen Geheimnisse.
Der Anfang aus Teenagersicht zwischen Computerspielen, Drogen, Sex und toxischen Freundschaften ist anstrengend und retardierend. Interessanter sind die Perspektiven der beiden Erwachsenen, die überwiegend Rückblenden enthalten, die die Vergangenheit beleuchten und Details zur Familiengeschichte und die Geheimnisse von Dickie und Imelda preisgeben.
Als die Perspektiven in einem zweiten Anlauf schneller zwischen den Hauptfiguren wechseln, wird die Geschichte dynamischer und entwickelt doch noch das lang ersehnte bisschen Spannung. Die Erzählweise erfolgt sodann aus der Du-Sicht und unterstreicht, dass die Charaktere alle neben sich zu stehen scheinen. Auch wenn die einzelnen Abschnitte weiterhin nur lose miteinander verknüpft sind, verfolgt man, wie die Familie auf eine Katastrophe zusteuert. Jeder einzelne Charakter entwickelt, geleitet von irritierenden Gefühlen, ein selbstzerstörerisches Verhalten, das kein gutes Ende nehmen kann.

Bei dem Buch ist Durchhaltevermögen verlangt. Es ist insgesamt zu ausufernd, da lange nichts Reizvolles passiert. Erst auf den letzten 150 von 700 Seiten wird die Geschichte lesenswerter, verstörender und dramatischer. Und als man sich auf ein packendes Finale freut, vergeigt es der Autor komplett, indem er die endlich interessant gewordenen Handlungsstränge rüde abwürgt und dem Leser nur noch wirre Gedanken der Hauptfiguren entgegenschleudert und die Geschichte ohne ein Ende beendet.
"Der Stich der Biene" handelt von Menschen, die auf der Verliererseite des Lebens stehen und sich ihr eigenes Grab zu schaufeln scheinen. Die euphorische Beschreibung als "unwiderstehlich witzig und weise" kann ich nicht teilen, denn humorvoll ist weder die Art der Darstellung noch sind es die Schicksale der Charaktere.

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