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Veröffentlicht am 11.06.2022

Coming-of-Age-Geschichte über ein Mädchen, das in einer Umgebung aufwächst, wo es sich nicht zugehörig fühlt. Eine Familiengeschichte mit einem düsteren Geheimnis. Ein wenig verstörend und langatmig.

Sommer der Wahrheit
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Sheridan Grant wurde als zweijähriges Mädchen adoptiert und wächst zusammen mit vier älteren Brüdern bei ihrer Adoptivfamilie auf einer Farm auf, wo sie hart mit anpacken muss. Auch wenn sie bei ihrem ...

Sheridan Grant wurde als zweijähriges Mädchen adoptiert und wächst zusammen mit vier älteren Brüdern bei ihrer Adoptivfamilie auf einer Farm auf, wo sie hart mit anpacken muss. Auch wenn sie bei ihrem Adoptivvater als Lieblingskind gilt, sehr gut in der Schule ist und ein großes musikalisches Talent besitzt, fühlt sie sich dort nicht zugehörig. Von der strengen Adoptivmutter drangsaliert, träumt sie als 14-Jährige von der Freiheit, von einem Leben in der Stadt und möchte deshalb die Farm sobald sie volljährig ist, verlassen.
Durch Bücher, die sie nicht lesen darf, entdeckt sie die Sexualität und probiert sich mit Gleichaltrigen, aber auch mit diversen älteren Bewohnern des Ortes aus und lernt, wie sie Männer manipulieren kann. Fast zeitgleich entdeckt sie Tagebücher der Schwester ihrer Adoptivmutter, die vor Jahren spurlos verschwand und wird neugierig, was damals passiert ist.

"Sommer der Wahrheit" ist der Auftaktband einer dreiteiligen Buchreihe um das Teenagermädchen Sheridan Grant von der bekannten Krimiautorin Nele Neuhaus.
Der Roman handelt Anfang der 1990er im Mittleren Westen der USA, wirkt aber aufgrund der Einsamkeit der Farm, der Haltung der Mutter und des Verhaltens der Männer, mit denen Sheridan allzu freizügig verkehrt, als wäre die Zeit dort früher stehengeblieben.

Sheridan ist ein intelligentes Mädchen, dem die Schule leicht fällt, zudem arbeitet sie fleißig auf der Farm und ergibt sich den Strafmaßnahmen ihrer Adoptivmutter. Oberflächlich betrachtet, ist sie ein artiger Teenager, innerlich brodelt es in ihr und sie rebelliert auf ihre Weise. Mit der Entdeckung der Sexualität spielt sie mit ihrer Weiblichkeit und genießt es, die Männer um den Finger zu wickeln. Tatsächlich ist sie trotz ihrer offensiven Art naiv und merkt zu spät, wie sie dabei ausgenutzt wird.
Ein Halt ist dagegen ihre Liebe zur Musik und das Talent, dass sie als Sängerin und am Klavier hat.
Sheridans Jugend ist ein ständiger Kampf gegen die eifersüchtige und intrigante Adoptivmutter, den zudringlichen jüngsten Sohn der Adoptiveltern und ihren Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung.
Von ihren leiblichen Eltern weiß sie wenig und dann ist da auch noch das Geheimnis um die verschwundene Schwester Carolyn der Adoptivmutter, das Sheridan neugierig macht.

Der Roman ist unterhaltsam, phasenweise allerdings durch die Schilderung des monotonen Lebens auf der Farm und Sheridans intensives Interesse am anderen Geschlecht etwas langatmig geschildert. Sheridan ist eine Figur, die aneckt und provoziert, mit zunehmendem Alter ihre Grenzen kennt, Zurückhaltung übt, jedoch gegen ihre Sehnsüchte und schnelle Verliebtheiten nicht ankommt. Es fällt ihr schwer, sich ihren jüngsten Bruder vom Leib zu halten und die drakonischen Strafen ihrer Mutter zu umgehen.
Spannung sorgt das Familiengeheimnis, auch wenn frühzeitig zu erahnen ist, was Sheridan letztlich über die Vergangenheit und ihre Herkunft in Erfahrung bringen wird. Wesentlicher ist die Frage, warum ihre Adoptiveltern ihr nie die Wahrheit über ihre Herkunft erzählt haben.

"Sommer der Wahrheit" ist eine Coming-of-Age-Geschichte über ein Mädchen, das es nicht leicht im Leben hat, sich selbst immer wieder in Schwierigkeiten bringt, auf der Suche ist und ihren Weg noch finden muss. Der Roman versetzt einen anschaulich nach Nebraska und das Leben auf der Farm und schildert die Geschichte einer Familie, die den schönen Schein wahren möchte, aber ein düsteres Geheimnis birgt, das die Familie zu zerbrechen droht. Dabei ist zugleich verstörend und irritierend, wie leichtfertig Sheridan ihren Körper hingibt und dass ihr gleich eine Reihe an deutlich älteren Männern verfallen. Auch störte die Schwarz-Weiß-Zeichnung der Charaktere insbesondere in Bezug auf die sehr bösen Figuren der Adoptivmutter und des jüngsten Bruders.

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Veröffentlicht am 10.06.2022

Keine sonderlich innovative oder kreative Enemy-to-Lovers-Geschichte. Sie überzeugt jedoch mit ihrem eigenen Charme und einer sympathischen, schlagfertigen Heldin.

Wie man sich einen Lord angelt
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Nach dem Kitty Talbot und ihre Schwestern verwaist sind und ihr Vater ihnen nichts als Schulden hinterlassen hat, sieht sich Kitty in der Pflicht, eine gute Partie zu machen, um ihr Anwesen und ihre jüngeren ...

Nach dem Kitty Talbot und ihre Schwestern verwaist sind und ihr Vater ihnen nichts als Schulden hinterlassen hat, sieht sich Kitty in der Pflicht, eine gute Partie zu machen, um ihr Anwesen und ihre jüngeren Schwestern vor Armut und Ausgrenzung zu retten. Zusammen mit ihrer Schwester Cecily begibt sie sich zu ihrer Tante Dorothy nach London, um dort zur Ballsaison einen Sohn reicher Eltern kennenzulernen. Durch einen Zufall trifft sie schon kurz nach ihrer Ankunft bei einem Spaziergang auf Archie de Lacy, der der reichen Radcliffe-Familie entstammt. Sie umgarnt ihn mit ihrer charmanten Art und kann ihn durch eine List zu einem Heiratsantrag bewegen. Auch seine Mutter, die durch eingebildete Krankheiten regelmäßig versucht, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, ist trotz Kittys unverhohlener Armut bald überzeugt und kann ihr Misstrauen ihr gegenüber ablegen. Anders sieht dies Archies älterer Bruder, Lord Radcliffe, der Kittys Schachzüge durchschaut und eine Heirat unterbindet. Kitty gibt jedoch nicht auf und muss mit schwererem Geschütz auffahren.
"Wie man sich einen Lord angelt" ist ein Roman der Regency-Zeit, der die Leser*in in das frühe 19. Jahrhundert nach London versetzt.
Aufbau und Handlung des Romans sind schnell durchschaut, aber dennoch hat die Geschichte einen gewissen Charme, dem man sich durch Kittys unerschrockene und clevere Art kaum entziehen kann. Entschlossen ihre Familienehre zu retten und ihre Schwestern und sich vor dem finanziellen Ruin und sozialen Abstieg zu retten, sucht sie immer wieder beherzt den Kontakt zu Lord Radcliffe, der sie in die gehobene Gesellschaft einführen und dort bekannt machen soll, um eine Chance auf dem Heiratsmarkt zu haben. Ihre beiderseitige Ablehnung ist deutlich und führt zu witzigen Dialogen und Schlagabtauschs. Eigentlich wartet man nur darauf, dass es zu prickelnden Momenten kommt und die beiden sich endlich näher kommen und begleitet Kitty solange auf ihren Irrwegen, bei Dinners und Bällen, bei denen sie versucht, ihre Not nicht zu offensichtlich werden zu lassen. Trotz ihrer offensiven und für ihren Stand und ihre Situation ungewöhnlich selbstbewusste Art erscheint sie dabei nicht unsympathisch, denn sie agiert nicht egoistisch skrupellos, sondern ist für ihre Schwestern bereit auf eine Liebesheirat zu verzichten und hat zudem die Bedürfnisse anderer Personen im Blick, denen sie auf ihre Weise hilft.
Der Roman folgt bekannten Mustern dieses Genres und ist damit wenig kreativ oder innovativ. Die schlagfertige Art der Protagonistin überzeugt hingegen und macht die vorhersehbare "Enemy-to-Lovers"-Geschichte zu einer unterhaltsamen und romantischen Wohlfühllektüre für zwischendurch.

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Veröffentlicht am 08.06.2022

Nicht der spannendste, aber der wohl persönlichste Fall für die forensische Anthropologin, der interessante Eindrücke aus ihrer Vita bietet, die das sympathische Arbeitstier menschlicher machen.

Knochen zu Asche
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Als Teenager verschwand Tempe Brennans Sommerfreundin Évangéline Landry spurlos. 30 Jahre später wird Tempe mit einem Cold Case aus Neuschottland konfrontiert, bei der sie mehrere Jahre alte Knochen untersuchen ...

Als Teenager verschwand Tempe Brennans Sommerfreundin Évangéline Landry spurlos. 30 Jahre später wird Tempe mit einem Cold Case aus Neuschottland konfrontiert, bei der sie mehrere Jahre alte Knochen untersuchen soll, die aufgefunden wurden und für die sich der örtliche Gerichtsmediziner nicht zu interessieren scheint. Tempe sieht Parallelen zu dem Verschwinden ihrer Freundin, von der sie nie wieder etwas gehört hat und tatsächlich stammen die Knochen von einem ungefähr 14-jährigen Mädchen. Die Todesursache bleibt trotz des Geschicks der forensischen Anthropologin zunächst unbekannt. Detective Andrew Ryan spekuliert, ob es sich bei den Überresten um das erste Opfer eines Serienmörders handeln könnte, denn in den letzten Jahren verschwanden immer wieder Mädchen oder wurden tot aufgefunden, ohne dass der Täter ermittelt werden konnte.
Tempe versucht mehr über den Verbleib Évangélines herauszufinden und stellt zusammen mit ihrer Schwester Harry eigenständig Ermittlungen an. Dabei wird ihr bald bewusst, dass irgendjemand etwas gegen die Aufklärung des Falles hat, denn sie trifft nicht nur auf eine Mauer des Schweigens, sondern wird auch körperlich bedroht.
"Knochen zu Asche" ist der zehnte Fall aus der Reihe um die forensische Anthropologin Dr. Temperance Brennan. Es ist nicht unbedingt nötig, alle Bände zu kennen, trägt aber in jedem Fall insbesondere in Bezug auf die Hauptfigur und ihr Privatleben zum besseren Verständnis bei.
Wie von den anderen Fällen gewohnt, geht Kathy Reichs bei den Beschreibungen der Arbeit einer forensischen Anthropologin ins Detail, schafft es jedoch die Untersuchungen und komplexen Rechercheergebnisse verständlich und interessant darzulegen, ohne die/ den Leser*in zu überfordern oder zu langweilen.
Die persönliche Involvierung Tempes in den Fall macht die Aufklärung besonders spannend, nicht nur weil sich Tempe durch ihr eigenmächtiges Vorgehen selbst in Gefahr bringt. Darüber hinaus erfährt man mehr über Tempes traurigen familiären Hintergrund, ihre Kindheit und ihr Verhältnis zu ihrer jüngeren Schwester.
Die Ermittlungen zu den Vermisstenfällen und möglichen Serienmorden treten durch Tempes persönliche Geschichte und die Hoffnung, endlich das Verschwinden Évangélines aufzuklären, zunächst in den Hintergrund. Durch ihr unvergleichliches Engagement und Leidenschaft für ihren Beruf, für den sie selbstverständlich Überstunden macht und auch bei Durchsuchungsmaßnahmen der Polizei zweifellos zugegen ist, wird sie später immer mehr in die Ermittlungen und die Tätersuche involviert, obwohl ihr Können als Anthropologin dabei nicht mehr gefragt ist. Das Verhältnis zu Detective Andrew Ryan ist dabei angespannt, nachdem es im letzten Band zu Irritationen gekommen war. Die beiden pflegen weiterhin ihre On-Off-Beziehung, wahren aber bei der Fallaufklärung der vermissten Mädchen aus Québec professionelle Distanz.
Der Fall wird am Ende schlüssig gelöst und liefert dabei Hintergrundwissen zur Provinz Akadien und zu einem düsteren Kapitel der Geschichte Kanadas, über das die Bewohner der Küstenregion lieber schweigen. Band 10 ist vielleicht nicht der spannendste Fall der Reihe, liefert dafür aber viele interessante Eindrücke aus der Vita und dem Privatleben von Tempe Brennan, was das sympathische Arbeitstier menschlicher macht.

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Veröffentlicht am 06.06.2022

Sommerliche Auszeit in Kroatien und zwei verletzte Seelen, die Heilung finden. Die Handlung empfand ich allerdings als lieblos, simpel gestrickt und schlicht langweilig.

Die Insel der Herzen
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Nach einem missglückten Heiratsantrag, der auch noch im Internet viral ging, flüchtet die Britin Kate tief verletzt von ihrem langjährigen Freund James nach Kroatien, wo ihr Bruder Toby gerade dabei ist, ...

Nach einem missglückten Heiratsantrag, der auch noch im Internet viral ging, flüchtet die Britin Kate tief verletzt von ihrem langjährigen Freund James nach Kroatien, wo ihr Bruder Toby gerade dabei ist, eine Herberge zu eröffnen. Mit ihrer Abwesenheit möchte sie James aus der Reserve locken, den sie immer noch liebt. Während Kate auf James Reue und einen neuen Anfang mit ihm hofft, hilft sie Toby und seinem Lebensgefährten Filippo bei der Renovierung ihres Bed & Breakfast. Sie entdeckt dabei ihre Leidenschaft und ihr Talent für die Inneneinrichtung, was sich bald auf der kleinen Insel Hvar und dank ihres erfolgreichen Instagram-Accounts herumspricht. Bei ihren Arbeiten lernt sie den Schreiner Alex kennen, einen Briten, der ungebunden auf einem Boot vor Hvar lebt und wenig von sich Preis gibt. Kate fühlt sich von seiner geheimnisvollen und beruhigenden Art angezogen, obwohl sie immer noch an James hängt. Als dieser nach einigen Wochen tatsächlich wieder Interesse an Kate zeigt, muss sie sich entscheiden.

Der Roman beginnt vielversprechend mit einem turbulenten Heiratsantrag, Peinlichkeit, Scham, Zurückgezogenheit und dem Aufbruch in ein anderes Land. Kate möchte nicht nur Abstand gewinnen, sie möchte vor allem James zeigen, dass er sie doch vermisst, wenn sie einmal weg ist.
In Kroatien stürzt sich Kate in die Arbeit, kann sich damit recht gut ablenken, versinkt aber immer wieder in Selbstmitleid. Das ist auf die Dauer ermüdend, aber das sommerliche Inselfeeling hilft ein wenig über ihr sehnsuchtsvolles Wehklagen hinweg.
Als sie den bärtigen Alex kennenlernt, fühlt sie sich direkt zu ihm hingezogen, wenn auch zunächst nur als guten Freund. Er ist der erste, dem sie ihre wahren Sorgen und den Grund der Trennung von James anvertrauen kann. Er selbst ist dagegen sehr zurückhaltend. Auch ihn scheint etwas zu bekümmern, über das er allerdings nicht spricht. Die Gründe für seinen Rückzug aus England und für sein einfaches Nomadenleben auf einem schäbigen Boot bleiben unklar.

Die Handlung in Kroatien plätschert lange ereignislos ohne Höhen und Tiefen vor sich hin. Die Charaktere bleiben blass und unscheinbar. Nicht einmal für Kate, die nur sich und ihre Sorgen zu sehen scheint, kann man wirklich Sympathien entwickeln. Abgelenkt von Renovierungsarbeiten und Bootsausflügen schreitet die Handlung kaum voran. Kate hängt weiterhin an James, vertieft ihre Beziehung zu Alex, aber als es zu einer nicht unvorhergesehenen Wende kommt, reagiert sie plötzlich überraschend tough und legt ihre weinerliche Art ab - eine Entwicklung, die zu abrupt kommt und damit unglaubwürdig wirkt. Das Problem, das zwischen ihr und James steht, wird trotz Dramatik nur oberflächlich behandelt. Auch Alex Geheimnis, das überhaupt nicht zu seinem bisherigen Verhalten zu passen scheint, wird nicht nur unvermittelt aufgedeckt, sondern auch überhaupt nicht weiter vertieft. Dabei handelt es sich bei beiden Problemstellungen um schwerwiegende Themen, denen der Roman mehr Raum hätte geben können. So bleibt die Geschichte lieblos, simpel und schlicht langweilig. Darüber hinaus vermisste ich landeskundlich typische Beschreibungen, so dass der Roman auch auf jeder x-beliebigen Insel hätte spielen können.

"Die Insel der Herzen" bietet eine sommerliche Auszeit in Kroatien mit einer Geschichte über zwei verletzte Seelen, die zusammen Heilung finden. Kates Entwicklung zu einem Neuanfang und ihre Entscheidung zwischen zwei Männern sind jedoch zäh und langweilig dargestellt. Der Roman ist in weiten Teilen vorhersehbar, während Alex Geheimnis nicht notwendigerweise lange im Dunkeln bleibt, um die Spannung künstlich zu erhöhen, die sich allein aus Kates Geschichte nicht ergeben hätte.

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Veröffentlicht am 04.06.2022

Porträt einer amerikanischen Familie - tragische Ereignisse und Schuldgefühle wirken bis in die Gegenwart und über Generationen hinweg.

Sommer in Maine
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Die Familie Kelleher ist seit über 60 Jahren im Besitz eines Anwesens an der Küste Maines, das Großvater Daniel damals durch eine Wette gewonnen hatte und wo sie seitdem jeden Sommer verbracht haben. Seit ...

Die Familie Kelleher ist seit über 60 Jahren im Besitz eines Anwesens an der Küste Maines, das Großvater Daniel damals durch eine Wette gewonnen hatte und wo sie seitdem jeden Sommer verbracht haben. Seit zehn Jahren ist Daniel tot und die Sommer sind nicht mehr dieselben. Matriarchin Alice kommt nach wie vor jedes Jahr an die Küste, wo sie inzwischen einen Neubau bewohnt, während ihre Kinder sich die Monate Juni bis August für ihre Sommerurlaube in dem alten Cottage aufgeteilt haben. Die älteste Tochter Kathleen wohnt in Kalifornien und hat aufgrund ihres desaströsen Verhältnisses zu ihrer Mutter kein Interesse die Sommer dort zu verbringen. Auch ihre Schwester Clare lässt sich dort nicht mehr sehen. Einzig der Jüngste, Pat, schon immer Liebling von Alice, investiert in das Anwesen und genießt dort die Sommer zusammen mit seiner Frau Ann Marie, zu der auch Alice ein besseres Verhältnis pflegt, als zu ihren eigenen Töchtern.
Die Familie verbringt die Sommer nicht ohne Grund getrennt, nachdem das ausgleichende Element Daniel, der immer für einen Witz zu haben war und Alice in ihre Schranken verwies, gestorben ist, denn tiefe Verletzungen prägen die Kelleher-Frauen, Provokationen und Streitigkeiten bestimmen ihr Verhältnis.
Doch in einem Sommer wollen es die Umstände, dass Ann Marie, Kathleen und ihre Tochter Maggie gleichzeitig in Maine bei Alice sind und sich die tiefen Graben aus Enttäuschungen und Verbitterung zwischen ihnen unweigerlich auftun.

"Sommer in Maine" ist etwas anders aufgebaut, als ich es mir zunächst vorgestellt hatte, denn zunächst werden die Leben der vier handelnden Frauen aus deren Perspektiven parallel erzählt. Erst im letzten Viertel des Buches sind alle drei Generationen in Cape Neddick versammelt, wo ihre Geheimnisse mehr oder weniger freiwillig offenbart werden.
Der Roman handelt deshalb lange von den gegenwärtigen Problemen der Protagonisten, wobei es insbesondere in Bezug auf die betagte Alice und die Endfünzigerin Kathleen Rückblenden in die Vergangenheit gibt. Auf diese Weise lernt man die Frauen und ihre sehr eigenwilligen Persönlichkeiten kennen, aber auch was ihr Verhältnis zueinander geprägt. Es sind sperrige Charaktere, die nicht unbedingt Sympathien wecken, auch wenn Ann Marie zunächst noch als die liebenswürdigste erscheint. Die drei Kellehers, Alice, Kathleen und Maggie sind dagegen sehr auf sich selbst bezogen und insbesondere Alice und Kathleen sind sich in ihrer Taktlosigkeit und unverhohlenen Bösartigkeit ähnlich. Die Vergangenheit, die sie zu dem gemacht macht, das sie sind, weckt Verständnis für ihr Verhalten und die Mauern, die sie um sich aufgebaut haben.
Alice hat ein Trauma seit über 60 Jahren nicht verwunden, danach ihre jugendlichen Zukunftspläne aufgegeben und sich für ein Leben entschieden, das sie eigentlich nie führen wollte. Trost suchte sie sich im Alkohol und vernachlässigte ihre Kinder. Die mangelnde oder ungleich verteilte Liebe an ihre Kinder prägte wiederum deren Leben und das ihrer Kinder.

"Sommer in Maine" ist keine typische Urlaubslektüre, denn dafür fehlt dem Roman die Leichtigkeit. Es ist das Porträt einer amerikanischen Familie irisch-katholischer Wurzeln, das zwar etwas langatmig, aber durchaus aufwühlend erzählt wird. In der Familie herrscht viel böses Blut, dass sich jedoch erklärt, je mehr man über die Kellehers - auch durch Rückblenden in die Vergangenheit - erfährt. Die wechselnden Perspektiven ermöglichen einen tiefen Einblick in die Charaktere, die glaubwürdig sind und jeder für sich eine eigene Persönlichkeit und Dynamik entwickeln.
Es ist dramatische Familiengeschichte, die zeigt, was tragische Ereignisse auslösen können und wie Schuldgefühle und Geheimnisse Menschen prägen und noch nachfolgende Generationen belasten.
Während die männlichen Protagonisten in dem Buch eher Statisten sind, ist spannend zu erfahren, ob sich die Frauen am Ende auch nur annähernd miteinander versöhnen können und eine Art von Harmonie herstellen können, solange sie in den Sommern immer wieder nach Maine gelangen werden, wo sie noch Erinnerungen an unbeschwerte Ferien als Großfamilie haben.

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