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Veröffentlicht am 19.01.2022

Eine etwas märchenhafte Geschichte über die Magie der Vorhersehung, die zudem bewusst macht, das Leben JETZT zu leben.

Acht perfekte Stunden
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Auf dem Rückweg von einem College-Klassentreffen gerät die 32-jährige Noelle Butterby in einen Schneesturm und bleibt im Stau auf der Autobahn liegen. Ihr Handyakku ist leer, weshalb sie ihre sorgenvolle ...

Auf dem Rückweg von einem College-Klassentreffen gerät die 32-jährige Noelle Butterby in einen Schneesturm und bleibt im Stau auf der Autobahn liegen. Ihr Handyakku ist leer, weshalb sie ihre sorgenvolle Mutter nicht erreichen kann. Hilfe erhält sie von einem anderen Autofahrer, einem Amerikaner, der sie ihr Handy aufladen lässt und mit dem sie eine angenehme Zeit bis in die frühen Morgenstunden verbringt. Trotz der gegenseitigen Sympathie tauschen sie ihr Handynummern nicht aus.
Wenige Wochen später begegnen sie sich in einem Krankenhaus wieder, als sie beide jeweils wegen eines Elternteils im Wartebereich sind. Auch während dieser Begegnung nimmt Sam Noelles Kontaktdaten nicht an sich. Doch ihre Wege trennen sich nicht endgültig, was Noelle an das Schicksal glauben lässt. Zwischenzeitlich ist jedoch ihr Exfreund Edward aus Amerika zurückgekehrt und bringt ihre Gefühlswelt durcheinander.

Der Klappentext verrät nur den Anfang des Romans, weshalb ich auch den Titel nicht als treffend gewählt empfinde. Die "acht perfekten Stunden" sind nur ein Ausschnitt dieses Liebesromans.
Noelle ist eine junge Frau, die ein Leben mit angezogener Handbremse führt. Sie trauert um ihre Freundin, die vor sechzehn Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist und kümmert sich aufopferungsvoll um ihre Mutter, die nach einem Schlaganfall an Depressionen leidet. Noelle steckt ihr Träume und Wünsche zurück, um für ihre Mutter da zu sein, die ihr nach dem Tod ihrer Freundin Daisy eine große Stütze war. Statt ihr Hobby zum Beruf zu machen und als Floristin zu arbeiten, geht sie Putzen, um flexibel in der Nähe ihre Mutter zu bleiben.
Die Rückkehr von Ed versetzt sie zurück in die Vergangenheit und lässt sie im Ungewissen, ob ein Neuanfang mit ihm möglich wäre. Herzklopfen verspürt sie jedoch nur bei Sam, der allerdings unnahbar wirkt und nicht an das Schicksal glaubt. Ihre Wege kreuzen sich jedoch so häufig, dass Noelle zu der Überzeugung kommt, dass sie für einander vorbestimmt sind und tatsächlich gibt es Parallelen in ihrer Vergangenheit, die dies zu belegen scheinen.

Zunächst wirkten die zahlreichen zufälligen Begegnungen von Noelle und Sam arg konstruiert auf mich. Die Erklärungen dafür waren jedoch stets schlüssig und insbesondere die Bezüge in die Vergangenheit, in der sich Sam und Noelle bereits begegnet sind bzw. sich bei mehreren Gelegenheit begegnen können, lassen wirklich daran glauben, dass es Fügung ist, dass sich Noelle und Sam ineinander verlieben und das Schicksal eine glückliche Zukunft für sie bereithält, wenn sie sich nur trauen.

Der Roman entwickelt sich gemächlich, wird aber zu keinem Zeitpunkt langweilig, da neben der romantischen Liebesgeschichte auch die persönliche Entwicklung von Noelle im Vordergrund steht. Sie setzt sich mit ihrer Trauer und ihren Schuldgefühlen auseinander, öffnet sich und wird auch mit Hilfe ihrer Freunde mutiger, ihren Weg zu gehen und zu erkennen, dass auch ihr ein glückliches Leben vergönnt ist.
Am Ende geht es ein bisschen schnell, Noelles Leben erscheint plötzlich zu perfekt und mir fehlte bei der Verbindung zwischen Sam und Noelle ein wenig das Gefühl. Es ist eine etwas märchenhafte Geschichte über die Magie der Vorhersehung, die zudem bewusst macht, das Leben JETZT zu leben.

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Veröffentlicht am 17.01.2022

Mischung aus Kriminalroman und Psychothriller, der zu Beginn etwas ausschweifend erzählt wird, aber durch viele Wendungen und die Undurchsichtigkeit der Figuren die Spannung zunehmend steigern kann.

Wenn du mir gehörst
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Philomena McCarthy ist eine junge, ehrgeizige Polizistin bei der Metropolitan Police in London. Als sie zu zu einem Fall häuslicher Gewalt gerufen wird und sich der Täter als heldenhafter Detective entpuppt, ...

Philomena McCarthy ist eine junge, ehrgeizige Polizistin bei der Metropolitan Police in London. Als sie zu zu einem Fall häuslicher Gewalt gerufen wird und sich der Täter als heldenhafter Detective entpuppt, der seine Geliebte misshandelt, möchte sie dem Oper Tempe Brown helfen, die aus Angst versucht, den Täter zu schützen. Phil stößt dabei auf den Widerstand ihrer Polizeikollegen, die den Fall vertuschen möchten und recherchiert auf eigene Faust weiter. Sie trifft auf die Ehefrau des Detectives, die wie Tempe ein Opfer häuslich Gewalt ist, sich dem Einfluss ihres Ehemannes jedoch nicht entziehen kann. Während ihrer Recherchen freundet sie sich mit Tempe an, die dabei immer tiefer in Phils Leben eindringt und Phil mit ihrer Freundschaft regelrecht erdrückt. Phil bringt sich durch ihr eigenmächtiges Vorgehen in immer größere Schwierigkeiten, wird suspendiert und ist plötzlich von ihrem Vater abhängig, einem undurchsichtigen Gangsterboss, zu dem sie seit zehn Jahren keinen Kontakt mehr hatte.

"Wenn du mir gehörst" ist ein Psychothriller, der gemächlich beginnt, jedoch zunehmend packender wird und gegen Ende immer weiter an Fahrt aufnimmt. Phil ist eine junge Frau, deren Berufung es ist, Polizistin zu sein. Mit großem Engagement erledigt sie ihre Arbeit und geht dabei, auch in dem Bewusstsein, sich selbst in Gefahr zu bringen, weiter als sie eigentlich müsste. Sie hat den Drang sich zu beweisen, um sich von ihrer kriminellen, mafiösen Familie zu lösen.
In den Fällen häuslicher Gewalt ist es ihr Anliegen, die Frauen zu schützen, aber auch gegen die Ungerechtigkeit vorzugehen, die einen geschätzten Polizisten vor Ermittlungen schützt. Blauäugig und wie von einem Helfersyndrom besessen, reagiert Phil emotional und überschreitet Grenzen, die nicht nur disziplinarrechtliche Auswirkungen haben. Als ihr Leben auf dem Kopf steht, ihr guter Ruf verloren ist und sich selbst ihr Verlobter von ihr abwendet, erkennt sie erst, welchen Einfluss Tempe inzwischen auf ihr Leben hat. Phil sieht sich in einem Netz aus Lügen, Korruption und Gewaltverbrechen und einem aussichtslosen Kampf um Gerechtigkeit verstrickt, während die Eigenschaften von Opfer und Täter zunehmend verschwimmen.

Der Roman ist eine gelungene Mischung aus Kriminalroman und Psychothriller, der zu Beginn etwas zu ausschweifend erzählt wird, aber durch zahlreiche Wendungen und die Undurchsichtigkeit der Charaktere, bei der man sich nicht immer sicher sein kann, wer Held und wer Verbrecher ist, die Spannung zunehmend steigern kann. Er handelt von Gewalt, Ungerechtigkeit und Korruption, aber auch von Lügen, Intrigen, Machtspielen und toxischen Beziehungen.
Die Geschichte ist authentisch und kommt ohne Effekthascherei und einen übertriebenen Showdown aus, was mir sehr gut gefallen hat. Zudem ist sie emotional packend, denn unweigerlich möchte man selbst in das Geschehen eingreifen und Phil davor bewahren, sich immer tiefer selbst in den Schlamassel zu ziehen.

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Veröffentlicht am 15.01.2022

Emotionale Geschichte über vier Frauen und ihre unterschiedlichen Lebenswege Anfang des 20. Jahrhunderts - dramatisch und spannend mit wenigen Längen.

Alle meine Schwestern
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Die Familie Maclise hat sieben Kinder, darunter vier Töchter, die ganz unterschiedliche Persönlichkeiten sind und verschiedene Erwartungen vom Leben haben. Iris ist die Älteste, die gerne flirtet und kokettiert. ...

Die Familie Maclise hat sieben Kinder, darunter vier Töchter, die ganz unterschiedliche Persönlichkeiten sind und verschiedene Erwartungen vom Leben haben. Iris ist die Älteste, die gerne flirtet und kokettiert. Sie weist die Avancen vieler Männer und ihre Heiratsanträge zurück, um sich am Ende in einen Mann zu verlieben, den ihre oberflächliche Art vor den Kopf stößt. Für ihre Familie unerwartet, macht sie eine Ausbildung zur Krankenschwester und findet darin tatsächlich ihre Berufung. Marianne ist die erste der Schwestern, die heiratet, ihren geliebten Ehemann jedoch bereits nach wenigen Monaten nach kurzer Krankheit verliert. Nach einer langen Trauerphase wird die Sehnsucht nach einem Kind so groß, dass sie einen Teeplantagenbesitzer heiratet, den sie kaum kennt und nach Ceylon auswandert. Eva zieht von Sheffield nach London, um an der Kunstakademie zu studieren. Sie verliebt sich in einen Maler, deren Muse sie wird. Doch der Mann ist verheiratet und Eva für ihn nur eine Frau von vielen. Die jüngste der Schwestern, Clemency, wäre gerne wie ihre jüngeren Brüder noch weiter zur Schule gegangen, doch sie sieht sich gezwungen, sich um die kränkelnde Mutter zu kümmern, die seit der Geburt ihres letzten Kindes kaum mehr ihr Zimmer verlässt.

Der Roman beginnt im Jahr 1909 und erzählt die unterschiedlichen Lebenswege der vier Maclise-Schwestern bis zum Sommer 1917. Dabei wechseln die Perspektiven innerhalb der Kapitel, was ich oft als zu abrupt empfunden habe. Um den Lesefluss nicht zu sehr zu unterbrechen, hätte ich es angenehmer empfunden, wenn die Autorin jeder Schwester abwechselnd ein Kapitel gewidmet hätte, insbesondere da es nach dem Auszug der drei älteren Schwestern aus ihrem Elternhaus kaum mehr Überschneidungen oder Interaktionen zwischen ihnen gibt. Jede lebt ihr eigenes Leben und dies auf ganz unterschiedliche Art und Weise.

Die Charaktere sind individuell gestaltet und wirken mit ihren Stärken und Schwächen authentisch. Alle vier Schwestern machen während der Geschichte eine charakterliche Weiterentwicklung durch, lernen aus ihren Fehlern, haben aber stetig mit Schicksalsschlägen zu kämpfen, die sie wieder zurückwerfen und ihren Traum vom Glück zu verhindern scheinen.

Der Roman tritt phasenweise auf der Stelle, da sich nicht immer viel im Leben der jeweiligen Protagonistin ereignet, die Autorin aber dennoch sehr ausschweifend erzählt.
Der Roman handelt von der Rolle der Frau Anfang des 20. Jahrhunderts, von einem Kampf nach Unabhängigkeit und Gleichberechtigung, von den Unterschieden zwischen Arm und Reich, aber auch von der Sehnsucht nach Liebe. Jede der Schwestern verliebt sich - die eine früher, die andere später - und keine von ihnen scheint auf Anhieb die richtige Wahl zu treffen. Marianne, die nach dem Verlust ihrer großen Liebe in einer Phase der Trauer versinkt, entscheidet sich verblendet für den falschen Mann, während Iris durch ihre Arroganz den Mann verprellt, den sie liebt. Eva lässt sich von einem Bohemian auszunutzen und stellt ihre eigenen Ambitionen zurück. Auch Clemency verzichtet auf die Verwirklichung ihrer Träume, denkt, ein Leben als alte Jungfer wäre vorgezeichnet und verwendet ihre Zuneigung auf einen verheirateten Musiker, der sich in ihrer Bewunderung sonnt, aber keinerlei Ambitionen hat, mit ihr eine Familie zu gründen.

Den die Titel "Alle meine Schwestern" empfinde ich als nicht passend, denn dieser wirkt, als würde eine der Schwestern oder ein Bruder über ihre bzw. seine Geschwister erzählen. Tatsächlich spielt das Gefüge als Familie eine sehr untergeordnete Rolle, die Mutter, aber insbesondere der Vater und die Brüder, bleiben Statisten.

Der historische Kontext kommt gerade zu Beginn wenig zum Tragen, auch wenn einzelne geschichtliche Ereignisse Erwähnung finden. Das Verhältnis zwischen Arm und Reich Anfang des 20. Jahrhunderts, der Kampf um bessere Arbeitsbedingungen und eine gerechtere Bezahlung sowie die Forderungen eines Wahlrechts für Frauen werden angerissen, aber nicht vollumfänglich mit den Hauptcharakteren verknüpft. Erst nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges hat auch das Zeitgeschehen Auswirkungen auf die Geschichte und das Leben der Schwestern.
Als Leser bangt man mit ihren Schicksalen, leidet mit den Dramen und den Intrigen, die sie ertragen müssen und gibt dennoch die Hoffnung nicht auf, dass jeder von ihnen ein glückliches Ende vergönnt sein mag. "Alle meine Schwestern" ist eine emotionale Geschichte über vier Frauen und ihre unterschiedlichen Lebenswege, die zwar Längen aufweist, durch ihre Vielseitigkeit aber dennoch gut unterhält.

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Veröffentlicht am 13.01.2022

Für Leser*innen mit einem Faible für kanadische Literatur und (angehende) Literaturwissenschaftler*innen

Survival
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Mir fällt es schwer, dieses Sachbuch zu bewerten, da ich mir nicht anmaßen möchte, eine Arbeit zu kritisieren, von deren Inhalt ich schlicht zu wenig Ahnung haben.

Ich habe dem Buch und den zwölf Thesen ...

Mir fällt es schwer, dieses Sachbuch zu bewerten, da ich mir nicht anmaßen möchte, eine Arbeit zu kritisieren, von deren Inhalt ich schlicht zu wenig Ahnung haben.

Ich habe dem Buch und den zwölf Thesen Margaret Atwoods eine Chance gegeben, aber schnell festgestellt, dass ich mit ihren Theorien wenig anfangen konnte, da ich die Literatur, die sie beispielhaft erwähnt, nicht kenne. So konnte ich ihre Ansichten weder bestätigen noch hinterfragen oder widerlegen.

Ich würde das Buch deshalb nur Leser*innen empfehlen, die sich mit kanadischer Literatur auskennen oder die eine Freude darin finden, sich sehr theoretisch mit Geschichten, deren Analyse und Interpretationsmöglichkeiten, auseinanderzusetzen. Ich schwanke zwischen Langeweile und Überforderung.

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Veröffentlicht am 12.01.2022

Tragische Geschichte um das Suchen nach Anerkennung und dem gleichzeitigen Wunsch nach Unabhängigkeit. Auch wenn es einem die Charaktere nicht leicht machen, ist die Geschichte emotional packend.

Das Haus der Libellen
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Als Sophie von ihrer ehemals besten Freundin Emilia einen Anruf erhält, dass ihre Eltern gestorben sind und ihr Bruder Noah seitdem verschwunden ist, kehrt Sophie nach fünf Jahren wieder an den Ort ihrer ...

Als Sophie von ihrer ehemals besten Freundin Emilia einen Anruf erhält, dass ihre Eltern gestorben sind und ihr Bruder Noah seitdem verschwunden ist, kehrt Sophie nach fünf Jahren wieder an den Ort ihrer Kindheit zurück, um Emilia beizustehen. Das Haus ihrer Nachbarn, der von Gutenbachs, war ein Zuhause für sie und ist nun ein trauriger Ort geworden. Emilia hat sich im Keller ihres Elternhauses ein Libellenbiotop eingerichtet und reagiert kaum auf die Ankunft von Sophie. Sie beantwortet keine Fragen und ist Sophie keine Hilfe bei der Suche nach Noah.

Sophie war seit ihrem siebten Lebensjahr in Noah verleibt und überglücklich, als sie später ein Paar wurden. Nach fünf Jahren Beziehung hat er ihr einen Heiratsantrag gemacht, bevor er anschließend ohne ein Wort verschwunden ist. Sophie weiß bis heute nicht, warum er sich damals von ihr getrennt hat. Die Suche nach Noah unternimmt sie insofern nicht (nur) Emilia zuliebe, sondern um selbst eine Erklärung von Noah zu bekommen und mit der Vergangenheit abschließen zu können.

Sophie ist inzwischen 28 Jahre alt und studierte Kunsthistorikerin, aber durch die Rückkehr in die Villa der von Gutenbachs fällt sie wieder in alte Muster zurück. Sie ist abhängig von der Gunst der Geschwister, die seit jeher eine Faszination auf sie ausübten. Durch Rückblenden in die Vergangenheit, vom Kennenlernen bis zur Trennung, werden Details aus ihrer gemeinsamen Kindheit und Jugend bekannt. Emilia und Noah wirkten aus Sophies Erinnerungen wenig sympathisch. Sie vermittelten den Stereotyp reicher, verwöhnter Kinder, verhielten sich selbstgefällig, arrogant und gemein. Sie heischten um Aufmerksamkeit und insbesondere Emilia stand gerne im Mittelpunkt. Die Freundschaft mit Sophie schien nicht auf Augenhöhe zu sein und noch heute verhält sich Emilia extravagant und exzentrisch und mit ihrem Faible für tote Insekten etwas unheimlich.
Sophie war und ist sich diese Ungleichgewichts in der Beziehung zu den Geschwistern nicht wirklich bewusst und scheint vor Begehren nach Noah jede Selbstachtung verloren zu haben. Als Leser*in erhält man das Gefühl, dass in der Konstellation der drei einer zu viel war und dass die Beziehung von Sophie und Noah deshalb zum Scheitern verurteilt war.

Zu Beginn des Romans fällt es schwer, die Geschwister einschätzen zu können. Emilia ist Sophie keine Hilfe bei der Suche nach Noah und scheint sich in ihre eigene Welt der Libellen zurückgezogen zu haben. Sie wirkt undurchsichtig, nicht vertrauenswürdig und ein klein wenig verrückt. In Bezug auf Noah kann nur vermutet werden, was er mit seinem erneuten Verschwinden bezweckt und ob er lediglich ein Spiel mit Sophie spielt.

Durch Rückblenden in die Vergangenheit und die Geheimnisse, die sich Sophie in der Gegenwart offenbaren, wirken die Geschwister bald schon nicht mehr so anziehend und mystisch. Peu à peu entschlüsselt sich eine tragische Geschichte um das Suchen nach Anerkennung und dem gleichzeitigen Wunsch nach Unabhängigkeit. Der Roman wird von Anbeginn von einem Gefühl der Melancholie begleitet, das zu der Rätselhaftigkeit der Charaktere und ihren toxischen Beziehungen passt. Auch wenn es schwerfällt, sich mit den Figuren zu identifizieren, ist die Geschichte emotional packend und die Suche nach Noah und den Hintergründen für sein Verschwinden spannend geschildert.

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