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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.08.2018

einfach perfekt

Wie man die Zeit anhält
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Tom Hazard ist über 400 Jahre alt. Woran das liegt? Er weiß es selbst nicht genau und jeder Versuch es herauszufinden wird von der Gesellschaft der Albatrosse sabotiert. Denn er ist nicht der Einzige, ...

Tom Hazard ist über 400 Jahre alt. Woran das liegt? Er weiß es selbst nicht genau und jeder Versuch es herauszufinden wird von der Gesellschaft der Albatrosse sabotiert. Denn er ist nicht der Einzige, der ungewöhnlich langsam altert. Die Betroffenen haben sich in einer Gesellschaft zusammengeschlossen und wollen dieses Phänomen unbedingt geheim halten. Denn die Geschichte zeigt, wie Menschen auf das Unbekannte reagieren. Tom hat die Hexenverbrennung selbst miterleben müssen. Weil er kaum altert, wechselt er alle paar Jahre seinen Namen, Ort und Beruf. So ist er jedoch immer getrieben und kommt irgendwie nicht zur Ruhe. Gerne würde er längerfristig Freunde finden, eine Beziehung und vor allem seine Tochter, die er vor Jahren aus den Augen verloren hat.
Ich liebe Matt Haigs Geschichten und bin jedes Mal aufs Neue begeistert von der Wärme und dem Gefühl, die sie ausstrahlen. Der Leser erlebt Tom Hazard mit all seinen Gedanken und Emotionen, oft werfen ihn seine Erinnerungen zurück in vergangene Zeiten und so lernt man auch Shakespeare und andere berühmte Kerle kennen, die teilweise wirklich schrullige Charakterzüge haben. Matt Haigs Schreibstil ist wunderbar leicht und schafft eine ganz besondere Atmosphäre, gerade in den historischen Abschnitten hat mich die Geschichte sehr mitgenommen und gefesselt. Die Handlung selbst verläuft eigentlich eher ruhig, da Tom viel über die Fragen des Lebens nachdenkt und ein bisschen abschweift. Aber das hat der Geschichte selbst überhaupt keinen Abbruch getan.
Dieses Buch ist humorvoll und gleichzeitig sehr tiefgründig. Hätte ich nicht die Hörbuchversion gehabt und wäre im Auto gesessen, - ich hätte wohl jeden zweiten Satz markiert und mir übers Bett gehängt. Es gab so viele schöne Gedankengänge, die mich berühren konnten.
Christoph Maria Herbst gibt dieser Geschichte noch das gewisse Extra. Man kann ihm sehr gut folgen. Er verleiht den Charakteren ganz eigene Stimmen und unterstreicht so ihre Charaktere. Ich hätte noch Stunden lang weiterhören können. Dieses Hörbuch gehört auf jeden Fall in meine bisherige Top 3.

Veröffentlicht am 21.08.2018

großartige Fantasy-Welt

Najaden - Das Siegel des Meeres
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Bei einem Angriff auf die Stadt werden Meliaés Eltern getötet, die 14-Jährige selbst wird gefangen genommen. Ihre Entführer Abu Sayaf und Amir Khayam, die Söhne des Sultans, sind auf der Suche nach einem ...

Bei einem Angriff auf die Stadt werden Meliaés Eltern getötet, die 14-Jährige selbst wird gefangen genommen. Ihre Entführer Abu Sayaf und Amir Khayam, die Söhne des Sultans, sind auf der Suche nach einem Siegel und glauben, das Mädchen kenne das Geheimnis. Doch das Volk der Najaden nimmt das junge Mädchen in Schutz, bis es alt genug ist sich den Sultanssöhnen entgegenzustellen.
Autorin Heike Knauber erschafft mit Najaden eine wahnsinnig vielschichtige und originelle Fantasywelt, die sich an die orientalische Mythologie anlehnt. Ich bin begeistert von den detailreichen, kreativen und abwechslungsreichen Schauplätzen und auch den Fabelwesen über und unter Wasser.
Doch diese komplexe Welt hat mir gleichzeitig auch den Einstieg etwas schwer gemacht und ich musste mich erstmal an die Namen und Orte gewöhnen, bis ich die Handlung wirklich genießen konnte. Gerade am Anfang enthält die Story einige Sprünge, die mich kurz stutzig gemacht haben und bei denen ich erstmal überlegen musste, ob ich etwas überlesen habe. Da hätte mir die ein oder andere ausführlichere Erklärung gut geholfen. Aber als das erstmal geschafft war, hat sich dieses Buch rasant entwickelt und blieb durchweg fesselnd und sehr atmosphärisch.

Veröffentlicht am 20.08.2018

würdiges Finale

Calamity
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David und seine Freundin Megan wollen den Prof nicht einfach aufgeben. Die Kräfte des Epics haben überhand gewonnen und ihr alter Mentor wütet nun durch die Stadt. Gemeinsam versuchen David und seine Freunde ...

David und seine Freundin Megan wollen den Prof nicht einfach aufgeben. Die Kräfte des Epics haben überhand gewonnen und ihr alter Mentor wütet nun durch die Stadt. Gemeinsam versuchen David und seine Freunde die jeweiligen Schwächen der Epics herauszufinden und sie so zu retten, oder zu besiegen.
Calamity bildet den Abschluss der Steelheart-Reihe von Brandon Sanderson, der mich einmal mehr mit seiner fantastischen Erzählkunst fesseln konnte. Natürlich trifft man die altbekannten Charaktere wieder an, mit denen man schon eine ganze Weile mitleiden und fiebern durfte. Doch ich finde sie sind mit der Reihe gewachsen. Besonders der anfangs etwas draufgängerische und vorlaute David ist erwachsener geworden. Er hat immer noch eine große Klappe, aber mittlerweile scheint da auch etwas dahinter zu sein ? Mir gefallen der Wortwitz, die charmanten Sprüche und die haarsträubenden Metaphern.
Zugegeben hatte ich anfangs etwas Schwierigkeiten wieder in die Story hineinzufinden. Es geht ziemlich rasant los und die vorherigen Bände waren dann dafür vielleicht doch ein bisschen zu lange her. Aber sobald die ersten paar holprigen Seiten geschafft waren, war ich wieder tief in der Geschichte gefangen, denn Story bleibt durchgehend spannend und actiongeladen, aber gleichzeitig eben auch immer ein bisschen humorvoll. Mit den Epics wird es wirklich nie langweilig und ich kann die Reihe jedem Sci-Fi- und Fantasy-Fan nur empfehlen.

Veröffentlicht am 20.08.2018

kein leichter Einstieg

Höllenkönig
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Xavier ist der geheime König der Höllenfeste – einem furchtbaren Gefängnis. Doch mit Hilfe seiner treuergebenen Freunde gelingt ihm der Ausbruch. Nun setzt er alles daran, sich zu rächen und das Königreich ...

Xavier ist der geheime König der Höllenfeste – einem furchtbaren Gefängnis. Doch mit Hilfe seiner treuergebenen Freunde gelingt ihm der Ausbruch. Nun setzt er alles daran, sich zu rächen und das Königreich zurückzuerobern.
Für mich war es wirklich schwer in die Geschichte hineinzukommen und ich hatte Probleme die fremdklingenden Namen den Charakteren zuzuordnen und mir zu merken, wer nun wie zu den anderen steht und welche Geschichte er durchlebt hat. Ich konnte zu keiner der Personen eine Bindung aufbauen und so hat sich eine gewisse Distanz beim Lesen gebildet. Höllenkönig Xavier und seine Krieger kamen mir recht blass vor. Die Handlungsstränge über sie waren eher zäh zu lesen. Leichter fiel mir der Handlungsstrang der Hexen. Diese Abschnitte waren runder und einfacher zu verfolgen, vielleicht weil sie mir etwas sympathischer waren. Mir hat lange ein roter Faden in der Handlung gefehlt. Erst zum Ende hin konnte mich die Geschichte richtig fesseln. Schade, denn Cover und Klappentext hatten mich nämlich wirklich neugierig gemacht.

Veröffentlicht am 17.08.2018

faszinierende Blickwinkel auf eine Person

Kennen Sie diesen Mann?
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David hat sein Gedächtnis verloren und versucht nun herauszufinden, wer er wirklich ist. Wie er tickt und wie er bisher gelebt hat. Seine Freunde Jon und Silje schreiben ihm. Die drei waren als Jugendliche ...

David hat sein Gedächtnis verloren und versucht nun herauszufinden, wer er wirklich ist. Wie er tickt und wie er bisher gelebt hat. Seine Freunde Jon und Silje schreiben ihm. Die drei waren als Jugendliche oft zusammen unterwegs. Auch sein Stiefvater Pfarrer Arvid meldet sich und schildert David, wie er ihn damals erlebt hat.
Kenne ich David nach den Briefen seiner Freunde und Verwandten nun? Ich habe nicht das Gefühl. Sie hingegen kenne ich nun relativ gut, glaube ich. Der Klappentext hat mich ein wenig in die Irre geführt. Bis zuletzt habe ich darauf gewartet, dass David nun auch einmal zu Wort kommt, doch man lernt ihn nur aus den Augen der anderen kennen und muss sich seinen David selbst erschaffen. Die drei Protagonisten schildern in Briefen, wie sie den Jungen damals kennengelernt haben. Alle geben neue Einblicke, jeder hat David in der Beziehung zu sich selbst sehr subjektiv erlebt und so unterscheiden sich die Bilder von ihm natürlich auch. Man kann also nie mit Bestimmtheit sagen, wie David nun war. Doch diese Erfahrung ist auch mal sehr interessant und ich war durchweg gefesselt und oft auch sehr berührt.
Der Autor gibt jedem seiner Erzähler eine individuelle Note. Die Briefe lassen sich alle relativ leicht lesen und haben einen recht harmonischen Schreibstil. Doch man erfährt auch immer aus den jetzigen Leben der Schreiber und hier unterscheiden sich die Stile dann sehr deutlich, was das Lesen mal mehr und mal weniger angenehm macht.
Jon ist mit Leib und Seele Musiker, aber irgendwie in dem kleinen Nest seiner Heimat hängengeblieben und er leidet unter den Ansichten von Mutter und Bruder. Ständig geraten sie aneinander. Sowieso scheint Jon zu den meisten Leuten keine gute Beziehung zu hegen. Er ist zu pessimistisch, zu negativ in seinen Ansichten. In seinem Text fehlen gerne mal Pronomen oder Füllwörter, als würden sie das Leben noch deprimierender machen.
Arvid habe ich als einen sehr sympathischen, wenn auch missverstandenen Menschen kennengelernt. Er ist Pfarrer, jetzt schwer krank und sehr alt, doch er hat gerne die Vaterrolle für David übernommen. Er wollte den Jungen unterstützen wo es nur ging, doch David hat diese Liebe nie so recht erwidert. Arvids Passagen waren für mich am schönsten zu lesen. Sie sind sehr bildhaft und wirken rund und warm, auch wenn er sich ärgert.
Auf Silje war ich durch die Beschreibungen der Vorgänger am meisten gespannt. Sie war damals eine sehr schillernde und einnehmende Persönlichkeit. Ein aufgewecktes Mädchen. Doch auch sie wird von Jon und Arvid sehr unterschiedlich wahrgenommen. Offenbar macht hier der Blick eines Erwachsenen sehr viel aus. Im Heute ist Silje erschöpft und ihre Ehe droht zu zerbrechen. Plötzlich konnte ich ihre Worte genauso wenig nachvollziehen wie ihr Mann. Und obwohl mich ihre Geschichte so interessiert hat, haben mir ihre Passagen in der Gegenwart am wenigsten gefallen. Sie waren unheimlich schwer zu verfolgen. Keine wörtliche Rede mehr, lange und wirre Sätze und viele Wiederholungen, als hätte Silje selbst Persönlichkeitsstörungen entwickelt.
Insgesamt kein leichter, aber dafür durchaus lesenswerter und tiefgründiger Roman, doch es braucht etwas Geduld, um sich darauf einzulassen.