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Veröffentlicht am 24.09.2025

Ein ganz und gar nicht dummes Schaf

Mäc Mief und das total verrückte Baumstammwerfen
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…ist Mäc Mief, Finns auserkorener Liebling der Olifant-Farm in Schottland. Zwar teilt Miefi anfangs die Begeisterung der Farmerfamilie, die für die Highlandgames übt, gar nicht, übernimmt schließlich ...

…ist Mäc Mief, Finns auserkorener Liebling der Olifant-Farm in Schottland. Zwar teilt Miefi anfangs die Begeisterung der Farmerfamilie, die für die Highlandgames übt, gar nicht, übernimmt schließlich aber doch gemeinsam mit Hütehund Bonnie die Aufgabe des „Glücksbringers", und das mit Hingabe. Und als er entdeckt, dass sein Misstrauen gegen einen bestimmten Festbesucher womöglich gerechtfertigt ist, kommen sein Einfallsreichtum und Bonnies Spürnase zum Einsatz ...
Mit viel Witz und Fantasie erzählt die Autorin von Mäc Miefs aufregenden Erlebnissen bei den schottischen Highlandgames. Dabei werden die Einzelheiten eines solchen Spektakels in eine lustig-spannende Geschichte verpackt und in kindgerechter Sprache vermittelt.
Die fröhlich-bunten Zeichnungen der Illustratorin Ina Krabbe begleiten die Geschichte. Witzige Details ergänzen den Text, die Vor- und Nachsatzblätter sind bildhaft gestaltet und zeigen eine kuriose Verfolgungsjagd.
Als eine wirklich nette Idee empfinde ich auch die kurze Vorstellung von Autorin und Illustratorin am Ende des Buches - so bekommen die Kinder einen lebendigen Eindruck von den "Machern" der Geschichte.


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Veröffentlicht am 01.09.2025

Warum?

Meine Mutter
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Viele Jahre scheut sich Bettina, dem Leben und Freitod ihrer Mutter nachzuspüren. Ihre Angst, emotional zu tief einzutauchen, nachdem auch ihre ältere Schwester ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt hat, ...

Viele Jahre scheut sich Bettina, dem Leben und Freitod ihrer Mutter nachzuspüren. Ihre Angst, emotional zu tief einzutauchen, nachdem auch ihre ältere Schwester ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt hat, lässt sie erst sehr spät Anteil nehmen. Vier Jahrzehnte nach der Beerdigung ihrer Mutter forscht sie nach, in schriftlichen Zeugnissen und Tagebüchern, die ihr Vater und ihre Großeltern hinterlassen haben, sucht in Gesprächen mit Verwandten nach Erklärungen und begibt sich schließlich selbst nach Wölfelsgrund, dem ehemals schlesischen Geburtsort ihrer Mutter Gisela.
Äußerst lebendig lässt die Autorin Kindheit und Jugend Gilas vor dem Leser erstehen, schildert voller Empathie das Leben und die Erlebnisse ihrer Familie und beleuchtet Giselas Probleme als Ehefrau - mit dem Verständnis, das sie als Tochter aus der Distanz etlicher Jahre und mit viel Lebenserfahrung aufbringt. Kommt sie dem Grund der Depressionen und des Selbstmordes ihrer Mutter näher?
Flitners Buch ist wahrlich keine leichte Kost, aber wunderbar leicht und lebensbejahend geschrieben, eine wirklich lesenswerte Geschichte!

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Veröffentlicht am 01.09.2025

Krimi auf japanisch

Die Bibliothek meines Großvaters
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Nicht nur ihr Beruf als Lehrerin verbindet die junge Kaede mit ihrem inzwischen dement gewordenen Großvater. Beide lieben es geheimnisvolle Kriminalrätsel zu lösen. Dabei kann sich Himonya-sans logisches ...

Nicht nur ihr Beruf als Lehrerin verbindet die junge Kaede mit ihrem inzwischen dement gewordenen Großvater. Beide lieben es geheimnisvolle Kriminalrätsel zu lösen. Dabei kann sich Himonya-sans logisches Denkvermögen mit den Vorbildern klassischer Kriminalliteratur, die in seiner Bibliothek zu finden ist, durchaus messen - zumindest in seinen „hellen“ Stunden, die allerdings immer wieder mit Phasen eingebildeter Ereignisse und Visionen abwechseln.
In ruhigem, unaufdringlichem Erzählstil schildert Konishi die respekt- und liebevollen Begegnungen von Großvater und Enkelin und ihren Gedankenaustausch zu verschiedenen - mehr oder weniger komplizierten – rätselhaften Begebenheiten, die sich in ihrer Umgebung zugetragen haben. Der Autor bettet diese Szenen ein in Kaedes Alltag, der sich in der Schule und in Treffen und Diskussionen mit ihren wenigen Freunden abspielt. Alles geht seinen geregelten Gang, bis Kaede eines Tages in einen echten Kriminalfall verwickelt wird…




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Veröffentlicht am 31.07.2025

Tiefsinniges Romandebut

Das Geschenk des Meeres
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Schlechtwetter und Sturm ist für die Bewohner der kleinen schottischen Insel Skerry nicht ungewöhnlich; dass jedoch ein kleiner Junge an die Küste gespült wird, sorgt für einige Aufregung. Ausgerechnet ...


Schlechtwetter und Sturm ist für die Bewohner der kleinen schottischen Insel Skerry nicht ungewöhnlich; dass jedoch ein kleiner Junge an die Küste gespült wird, sorgt für einige Aufregung. Ausgerechnet der Fischer Joseph findet das Kind und bringt es in Sicherheit – Joseph, der viele Jahre zuvor in das Verschwinden eines anderen kleinen Jungen bei einem ebenso heftigen Sturm verwickelt zu sein schien. Die Außenseiterin Dorothy, Mutter des damals ertrunkenen Moses, soll das gefundene Kind pflegen. Sie tut es gern, aber mit gemischten Gefühlen; denn der kleine Findling sieht ihrem verlorenen Kind außerordentlich ähnlich.

Mit einer geschickten Komposition gelingt es der Autorin, Spannung zu erzeugen und peu à peu vergangene Ereignisse aufzudecken. Abschnitte, welche die gegenwärtigen Geschehnisse schildern, wechseln ab mit Erzählungen aus der Vergangenheit; auf Passagen aus der Sicht der Hauptcharaktere folgen solche aus der Wahrnehmung anderer Dorfbewohner, die nach und nach Licht in die Geschichte bringen. In einer bildreichen, ruhigen Sprache entwirft Kelly das Soziogramm eines abgelegenen Dorfes und seiner Einwohner, entschlüsselt die Beziehungen der Bewohner untereinander und deckt dabei eine Vielzahl an Themen ab. Sie geht einfühlsam ein auf Themen wie (Dorf-)Gemeinschaft, Liebe, Sehnsucht, Neid, Verlust, Sprachlosigkeit, Missverständnisse. Die Charaktere sind lebensnah gezeichnet, die Probleme einzelner Figuren gut nachvollziehbar. Die durchgehend herrschende leicht melancholische - aber nicht deprimierende - Grundstimmung passt wunderbar zu ihrer Erzählung.

Mit dem „Geschenk des Meeres“ ist Kelly ein wirklich tiefsinniges Romandebut gelungen.

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Veröffentlicht am 14.06.2025

Liebevolles Andenken

Anna oder: Was von einem Leben bleibt
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Es ist schon bemerkenswert, wie tief und nachhaltig ein Buch berühren kann. „Anna oder: Was von einem Leben bleibt“ ist so eines.
Autor Henning Sußebach hat sich zur Aufgabe gemacht, das Leben seiner ...

Es ist schon bemerkenswert, wie tief und nachhaltig ein Buch berühren kann. „Anna oder: Was von einem Leben bleibt“ ist so eines.
Autor Henning Sußebach hat sich zur Aufgabe gemacht, das Leben seiner Urgroßmutter Anna vor dem Vergessen zu bewahren, einer Frau, die wie viele andere Frauen im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert in den engen Grenzen ihrer gesellschaftlichen Möglichkeiten tätig war - und doch auch ein wenig selbstbewusster und mutiger war als die meisten.
Sußebach begibt sich auf eine spannende Zeitreise. Mit seiner ruhigen, empathischen Sprache lässt er die junge Halbwaise Anna für uns Leser lebendig werden; er schildert ihr Dasein als Lehrerin in dem sauerländischen Dorf Cobbenrode und ihren beharrlichen Kampf um ihre Liebe und den gesellschaftlichen Aufstieg. Seine Recherchen gründen sich auf einige Erinnerungsstücke, Familienerzählungen und offizielle Dokumente - eine mühselige, aber lohnende Suche nach einem vergangenen Leben. Vieles bleibt dabei offen, nicht überliefert sind Annas Gedanken und Gefühle. Sußebach füllt diese Lücken mit viel Einfühlungsvermögen, äußert Vermutungen ohne sich jedoch festzulegen, bleibt im Konjunktiv: So könnte es gewesen sein.
Gut gefällt mir auch, dass er Annas Biografie nicht isoliert schildert, sondern in den größeren Zusammenhang deutscher und globaler Historie stellt, so dass der Leser einen Eindruck der Ereignisse erhält, die sicherlich auch Anna geprägt haben.
Mit seinem Buch über das, „was von einem Leben bleibt", hat Sußebach ein liebevolles Andenken entstehen lassen, das mich als Leserin und „Gegenwärtige“ wirklich nachhaltig beeindruckt.
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