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Veröffentlicht am 09.04.2019

Fast filmreife Buchvorlage und herrlich lustiges Lesevergnügen

Das Heinrich-Problem
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Berti Fischer ist Coach in Beziehungs- und Lebensfragen, lebt in Zürich und ist seit 20 Jahren mit Heinrich verheiratet. Von einem auf den anderen Tag teilt er ihr mit, das sich ihre Lebenswege nun trennen. ...

Berti Fischer ist Coach in Beziehungs- und Lebensfragen, lebt in Zürich und ist seit 20 Jahren mit Heinrich verheiratet. Von einem auf den anderen Tag teilt er ihr mit, das sich ihre Lebenswege nun trennen. Zunächst ist Berti erst einmal platt, doch dann erkennt sie, dass sie nicht die einzige Leidtragende ist. So geht das nicht, Berti überlegt sich einen Racheplan.

Dieser Roman war für mich ein echtes Sonntags-Lesevegnügen und ein kleiner Rachefeldzug gegen Heinrich, einen Mann, den ich gar nicht persönlich kenne.

Doch als ich von seinen Seitensprüngen und seiner ausnutzenden Art gegenüber seiner Angestellten Martha erfahren habe, wollte ich nur noch herausfinden, wie Heinrich von den betroffenen Frauen in die Mangel genommen wird. Es war ziemlich klar, dass das für ihn kein gutes Ende nehmen würde. Ich möchte nichts vorwegnehmen, aber ich kann zufrieden sagen, dass man sich hier seiner Schadenfreude nicht zu schämen braucht.

Was macht man, wenn der eigene Mann gar nicht derjenige ist, für den man ihn hält, wenn er lügt und betrügt? Als lebenserfahrende Frau wie Berti zunächst einmal Ruhe bewahren.

Berti ist jenseits der 50, ihr Mann hat eine neue, natürlich jüngere Frau und das schmerzt sie. Da gibt sie anderen Frauen Lebenstipps und dann sowas. Doch Berti erkennt schnell, ihr Alter ist kein Mangel an ihrer Person, ganz im Gegenteil, sie ist selbstsicher, lebenserfahren und versucht gelassen, ihre Vorteile aus der Sache zu ziehen. Leider sieht die finanzielle Seite nicht so rosig aus, aber dank ihrer Verbündeten und etwas Glück, kann sie einiges erreichen.

Die Autorin lässt mit ihrer Geschichte ein regelrechtes Kopfkino entstehen. Neben dem flüssigen und pointenreichen Schreibstil finde ich die Schilderung der Umstände und den Wortwitz besonders gelungen. Es ist dieser herrlich ironische Blick auf Heinrich, der sein Leben plant, ohne sich um andere Menschen zu scheren, als sei er allein auf der Welt. Natürlich nicht, ohne die Frauen seines Lebens nach Strich und Weise auszunutzen, Bertis Koch- und Hausfrauenkünste, Sylvias Verführungskünste und Marthas Arbeitseifer in der Kanzlei. Dank dieser Sichtweise auf Heinrichs Art möchte auch die Leserin Rache üben.

Es ist regelrecht befreiend, wie sich der Rachfeldzug Bertis allmählich entwickelt.

Die Autorin stellt ihre Charaktere sehr lebensnah und authentisch dar, sie zeigt ihre Lebensplanung, ihre Wünsche und dadurch konnte ich selbst für die Nebenbuhlerinnen Verständnis und Mitgefühl aufbringen. Ein klitzekleines Bißchen sogar für den selbstsüchtigen Heinrich.

Alexandra Holenstein sorgt für wunderbar tragische, aber auch komische Situationen und Verwicklungen. Auch wenn die Trennung für Berti zunächst ein Schock ist, so erlebt man das Ganze aus einer nüchtern betrachteten Sichtweise, die mit Ironie und Situationskomik gewürzt ist. Man fühlt sich auf Bertis Seite und erlebt mit Schmunzeln und leichtem Widerwillen gegen Heinrich die Vorgänge genüsslich mit. Kann Rache schön sein? Sie kann, weil man mit den Frauen mitfühlt, ihre verletzten Gefühle nachvollziehen kann und die Szenen einfach absolut glaubwürdig erscheinen. Es ist ein erfüllendes Gefühl, denn hier darf man mal Schadenfreude haben. Wenn ein Mann sich selbst über alle Gefühle ihm nahestehender Personen hinwegsetzt, ist es nur angemessen, wenn er fast nackt in Boxershorts auf der Strasse endet. Das ist nur eine Metapher!


Ich konnte von Anfang an betroffen mit Berti mitfühlen, habe mich aber auch gewundert, wie sie teilweise doch recht gelassen mit der Trennung umging. Berti gelingt es, trotz der tragischen Lage, die Dinge mit einem lachenden Auge zu sehen. Sie zerfliesst nicht in Hass, sie betrachtet die Trennung als Möglichkeit, das Beste für sich daraus zu machen.

Es war ihre Lebenserfahrung, die Einbindung der anderen Leidensgenossinen, die mich durch den Roman getragen haben und ich habe das dicke Ende richtig genossen. Wie gesagt, manchmal kann Schadenfreude auch richtig schön sein.

Das Ende bringt einen perfekten Abschluss der Geschichte, es zieht sich für ein normales Ende reichlich in die Länge, doch genau das ist es, was die Handlung hier braucht. Genussvolle Schadenfreude bis zum letzten Ende!

Einfach herrlich, wie hier ein Rachefeldzug seinen Lauf nimmt und damit zu einem Lesespaß erster Güte.

Veröffentlicht am 07.04.2019

Ein hervorragender Bildband über das besondere Spätwerk Picassos

Picasso: Das späte Werk.
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Dieser Bildband zeigt in eindrucksvoller Weise die besondere Schaffenskraft und die Einflüsse, die Picassos späte Werke ausmachen.

Der Bildband "Picasso. Das späte Werk. Aus der Sammlung Jacqueline Picasso" ...

Dieser Bildband zeigt in eindrucksvoller Weise die besondere Schaffenskraft und die Einflüsse, die Picassos späte Werke ausmachen.

Der Bildband "Picasso. Das späte Werk. Aus der Sammlung Jacqueline Picasso" erscheint zur gleichnamigen Ausstellung im Barberini in Potsdam (9. März bis 16. Juni 2019).Die Publikation in Deutsch und Englisch erschien im Prestel Verlag und wurde herausgegeben von Ortrud Westheider und Michael Philipp.

Mit Beiträgen von Olivier Berggruen, Michael FitzGerald, Cécile Godefroy, Valerie Hortolani, Bernardo Laniado-Romero, Brigitte Leal, Luise Mahler, Géraldine Mercier, Gabriel Montua, Markus Müller.
Hardcover mit Schutzumschlag, 248 Seiten, 24,0 x 30,0 cm, 200 farbige Abbildungen
ISBN: 978-3-7913-5810-9


"Picasso. Das späte Werk" zeigt Vielfalt und Reichtum dieser Periode. Sie zeigt auch seine beständige Innovationskraft in der Darstellung der menschlichen Figur. In bislang kaum publizierten Werken aus der Sammlung Jacqueline Picasso lässt sich nachvollziehen wie der Maler seine grundlegenden Themen weiterentwickelte: Akt, Portrait, Stierkampf und die Auseinandersetzung mit den Alten Meistern. (Inhaltsangabe übernommen)


Pablo Picasso (1881–1973) ist in die Kunstgeschichte als Jahrhundertkünstler und Universalgenie eingegangen. Er setzte in Malerei, Skulptur, Graphik und Keramik neue Maßstäbe und galt als der Erneuerer der Kunst des 20. Jahrhunderts.

Die Werke der letzten zwei Jahrzehnte seines Lebens sind weniger bekannt. In dieser Zeit schuf er zahlreiche Bildnisse und Kunstwerke von seiner Frau Jacqueline.

Das privat gestiftete Museum Barberini in Potsdam zeigt vom 9. März bis 16. Juni 2019 eine vielfältige Bild- und Kunstobjektauswahl von Picassos Spätwerk. Es sind 136 Arbeiten und darunter einige nie gezeigte Kunstwerke, die dank Catherine Hutin aus der Sammlung ihrer Mutter Jacqueline Picasso für die Ausstellung zur Verfügung gestellt wurden.

In einem erklärenden Vorwort geht Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini, auf die Besonderheit dieser Ausstellung ein und zeigt Lebensphasen Picassos auf.

Zitat Ortrud Westheider: "Mit dieser großzügigen Leihgabe ermöglicht Catherine Hutin erstmals, die Vielfalt und Aktualität von Picassos Schaffen in den Jahren 1954 bis 1973 mit den Werken ihrer Sammlung zu veranschaulichen."

Ausgewählt wurden die Werke der Potsdamer Schau von Bernardo Laniado-Romero, vormals Direktor der Picasso-Museen in Barcelona und Málaga, der als Gastkurator Konzept, Ausstellung und Katalog verantwortet.

In der Zeit von 1954 - 1973 schlug Picasso den künstlerischen Bogen von den Avantgarde-Stilen der Klassischen Moderne zu den Post-Avantgarden der 1960er Jahre, die Künstler heute noch prägen.

Wenn man die Bilder betrachtet, schaut man durch die Augen des älteren Picasso. Man spürt, wie Pablo Picasso im Alter über die Gegensätze von Leben und Tod zu vielen Werken angeregt wurde. Doch er fühlte nicht melancholisch oder bedrohlich, sondern kämpfte lebensbejahend und arbeitswütig. Er ließ bunte Bilder entstehen, teilweise expressiv oder auch kubistisch wie der zerlegte Frauenkopf.

Er zeichnete farbenfrohe Landschaften, malte erotische Szenen und zeigte eine enorme Arbeitswut gegen Alter, Zerfall und Tod. Es ist das Sträuben gegen das Ablaufen der Lebensuhr, er hat durch seine ihn überdauernden Werke das Alter überlistet.


Man merkt seinen Bildern an, dass ihn die Liebe antrieb, die Liebe, die man in vielen Bildern durch die dargestellte Jacqueline Picasso sehen und erleben kann.

Picasso lebte in seinen Ausstellungsräumen, seine Werke umgaben ihn, füllten ihn aus, waren seine Lebenskulisse. Er brauchte und gebrauchte seine ganze Kunst zu einer großen Selbstbiographie.


Die Texte im Buch sind von verschiedenen kunstsachverständigen Experten geschrieben, aber auch für Kunstinteressierte gut verständlich. Anhand der Bildauswahl bekommt man einen umfassenden Eindruck des späten Werkes des Künstlers und erlebt auch seine gewaltige Schaffenskraft.

Picassos spätes Leben wird hier durch seine vorgestellten Werke nachfühlbar. Er beherrschte alle Stilrichtungen, Techniken und Gattungen der Kunst seiner Zeit und war auch im Alter immer noch seiner Kunst besessen und beseelt. Was mir beim Betrachten der gezeigten Kunstwerke auffällt, ist ein unglaublich vielseitiger Experimentiergeist. Wenn mir auch nicht alle Werke zugänglich sind, so gibt es Bilder, bei deren Anblick ich überwältigt bin.


Was ich ausdrücklich loben möchte ist die hervorragende Qualität der gedruckten Kunstabbildungen. Hier ist es besonders gut gelungen, einen originalgetreuen Eindruck zu erzeugen.

Als ganz spezielles Extra gibt es zum Buch eine App, die einen Rundgang als Audio-Tour durch die Ausstellung auch virtuell möglich macht.



Dieser wunderbare Bildband ist ein Sammlerstück, er zeigt Picassos Spätwerk, seine Schaffensfülle und Ausdruckskraft in besonderer Weise. Wer die Ausstellung im Barberini nicht besuchen kann, hat die Möglichkeit, mit diesem Buch die Kunst Picassos zu sich zu holen.

Mein Kunsttipp des Jahres 2019!

Veröffentlicht am 06.04.2019

Unterhaltsamer Sommerroman von der Amalfi-Küste, leider nicht so packend wie der Vorgängerband.

Unter dem Limonenhimmel
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Nach "Ein Sommer wie Limoneneis" entführt uns Marie Matisek mit einem weiteren Roman "Unter dem Limonenhimmel" wieder an die wunderschöne Amalfi-Küste. Das Buch erscheint im Knaur Verlag.

"Die Gerüche ...

Nach "Ein Sommer wie Limoneneis" entführt uns Marie Matisek mit einem weiteren Roman "Unter dem Limonenhimmel" wieder an die wunderschöne Amalfi-Küste. Das Buch erscheint im Knaur Verlag.

"Die Gerüche in der Luft - Zitronen, natürlich, aber auch Rosmarin, Gras, frisch gewaschene Wäsche, Kaffee. Geräusche - die Vögel in den Bäumen, das sanfte Rauschen der Blätter, Zikadenzirpen, dann und wann das leise, freundliche Meckern der Ziegen im Zitronenhain...." Zitat S. 166

Amalfiküste. Endlich sind Lisabetta und Marco nach Jahre der Trennung glücklich als Paar vereint. Leider ziehen dunkle Wolken in Form eines alten Schuldscheins auf, den Marcos Großvater vor Jahren unterschrieben hat. Beim Spiel setzte er einen Teil seiner Limonenplantage als Einsatz. Mit einem Verlust dieses Landes wäre Marcos Existenz im freien Fall. Was sollen sie jetzt machen?

Nach dem tollen ersten Band konnte ich es kaum abwarten, wieder an die Amalfiküste auf die Limonen-Plantage der Pantanellas zurückzukehren.
Es gibt ein Wiedersehen mit all den Figuren des Vorbandes. Gemeinsam mit Marco und seiner Jugendliebe Lisabetta erlebt man ihre neu erwachte Liebe, die Handlung wird ergänzt durch den netten Eisverkäufer Pippo mit seiner Ape, Marcos Vater Raffaele und Lisabettas Mann Remo, der mit seiner Art den fiesen Charakter des Buches liefert.

Marie Matisek bringt mit ihrem locker-leichten Schreibstil den Leser direkt ins zauberhafte Ambiente der Amalfiküste. Sie erzählt die Geschichte wechselweise aus Marcos, Lisabettas und Pippos Sicht und bringt zusätzlich einige Rückblicke aus der Vergangenheit ein, die die Beziehungen der Figuren in ihrer Jugend schildern. So versteht man ihre Freundschaft und erkennt, welche Freuden, aber auch welche Probleme sie umgaben.


Schnell war ich wieder gefangen von der italienischen Lebensart, dem Genuß am Essen und dem herrlichen Blick auf die wunderschöne Landschaft.
Die Liebe von Marco und Lisabetta unterliegt einigen Widrigkeiten, die mich sehr gut unterhalten haben, doch auch wenn sie gemeinsam mehrere Hürden überwinden konnten, so konnte ich nicht richtig mit ihnen mitfühlen und bangen.

Was mich ziemlich gestört hat, waren die häufig eingebauten Rückblenden und Fußnoten als Verweise auf Inhalte des vorangegangenen Buches.

Dadurch zieht sich die Story ziemlich, es hat mich von der eigentlichen Handlung abgelenkt und ich konnte mich nicht so richtig in die Geschichte fallen lassen.

Im Grunde fehlte es mir an Spannung, das konnten auch die liebevoll gezeichneten Figuren nicht überspielen. Der erste Band hatte noch mehr Pepp und ich habe die Charaktere mehr begleiten können.


"Unter dem Limonenhimmel" ist durch das schöne Setting ein unterhaltsamer Sommerroman. Es ist eine leichte Lektüre über Familie, Freundschaft, Liebe. Inhaltlich konnte mich dieser Band nicht so überzeugen wie der Vorgänger.

Veröffentlicht am 05.04.2019

Packender Thriller mit brisanten Themen

Zara und Zoë - Rache in Marseille
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Alexander Oetkers neue Thrillerreihe startet mit dem Auftaktband "Zara und Zoë: Rache in Marseille". Der Thriller erscheint am 1.4.2019 im Droemer Verlag.

In der Nähe von Marseille wird ein Mädchen tot ...

Alexander Oetkers neue Thrillerreihe startet mit dem Auftaktband "Zara und Zoë: Rache in Marseille". Der Thriller erscheint am 1.4.2019 im Droemer Verlag.

In der Nähe von Marseille wird ein Mädchen tot aufgefunden, mit etlichen Messerstichen getötet. Die Profilerin Kommissarin Zara von Hardenberg und ihr Kollege Isaakson von Europol sind für die Ermittlung zuständig. Doch in der Szene in Marseille kommen sie auf herkömmlichen Weg nicht weiter. Um den Fall zu lösen bracht Zara Hilfe von ihrer Zwillingsschwester Zoë, eine Killerin der korsischen Mafia, mit der sie zerstritten ist. Wird ihr Zoë helfen? Das erste Treffen der Schwestern entwickelt sich zu einem Kampf um Leben und Tod.

Dieser Thriller hat mich von Anfang an in seinen Bann gezogen und bis zum Ende gefesselt. Denn Alexander Oetker zeigt hier Südrankreich sehr realistisch mit den Problemen der armen und ungebildeten und somit chancenlosen Bevölkerung in den Vorstadt-Ghettos, beschreibt die Radikalisierung von Islamisten und das alltägliche Leben.

Die Zwillinge Zara und Zoë sind so gegensätzlich wie man nur sein kann, während Zara ihr Leben als Polizistin in Berlin meistert, gibt sich Zoë der kriminellen Seite hin und arbeitet für die korsische Mafia, schleust Drogen und Waffen aus dem Land. Sie ist eiskalt und führt ohne mit der Wimper zu zucken die Aufträge ihrer Bosse aus.

Solch verschiedene Charaktere sind für Zwillinge zwar ungewöhnlich, doch diese Konstellation ist für einen Thriller eine gute Idee, die für Interessenskonflikte und den nötigen Kick sorgt.

Während Zara eher als regelkonforme, gute, aber etwas blasse, leicht authistische Figur daherkommt, sorgt Zoë für die brutale und kaltblütige Komponente, allerdings zeigt auch sie im Laufe der Geschichte ihre Gefühle und setzt ihre draufgängerische Art für etwas Gutes ein. Dieses ungewöhnliche Ermittlergespann wird durch den sympathischen schwedischen Interpol-Mann Isaakson unterstützt und so ergibt sich eine interessante Truppe.

Es ist fraglich, ob ein erfahrener Polizist den Personenwechsel bezüglich der Schwestern nicht bemerken würde, aber das sei dem Autor mal als schriftstellerische Freiheit gewährt.

Die Perspektiven wechseln häufig, dadurch geht die Handlung Schlag auf Schlag und der Einbau einiger Action-Szenen sorgt für eine hohe Spannungskurve. Alexander Oetker lässt die Story sehr authentisch in den Armenvierteln von Marseille spielen, wo durch die aussichtslose Lage auch die Radikalisierung von Islamisten gedeihen kann. Es ist erschreckend zu beobachten, wie die Ermittler dort nur mit Polizeischutz vorgehen können und bei den Bewohnern auf Granit beißen. Niemand ist hier an der Wahrheit interessiert, hier regiert die Gewalt, die Angst und der Hass auf die Polizei und die wohlsituierten Franzosen. Das ist der Moment, indem Zara sich Hilfe von Zoë holt.


Über die gut durchdachte und wendungsreiche Handlung möchte ich nicht viel verraten, nur soviel sei gesagt: Korruption, Terrorismus, Drogenhandel, Religion und Familie sind die Themen, mit denen sich der Autor in seinem Thriller näher beschäftigt. Ein wenig blutig geht es in diesem Buch zu, doch Strandausflüge und Landschaftsbilder mildern diese Seiten des Buches.

Der Auftaktband "Zara und Zoë - Rache in Marseille" ist ein absolut packender Thriller, der mich durch seine brisanten Themen, die realistische Milieuschilderung und die rasante Handlung überzeugt hat.


Veröffentlicht am 03.04.2019

Die Angst vor dem Wolf geht um

Küstenwolf
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Der neue und damit vierte Band der Fehmarn-Krimireihe von Autorin Heike Meckelmann heißt "Küstenwolf". Er erscheint im Februar 2019 im Gmeiner Verlag.

Es ist Sommer und damit Urlaubszeit auf der Insel ...

Der neue und damit vierte Band der Fehmarn-Krimireihe von Autorin Heike Meckelmann heißt "Küstenwolf". Er erscheint im Februar 2019 im Gmeiner Verlag.

Es ist Sommer und damit Urlaubszeit auf der Insel Fehmarn. Zur Zeit wird hier hin und wieder ein Wolf gesichtet und einige Schafsrisse beweisen seine Anwesenheit. Doch als eine furchtbar zugerichtete Leiche im Wald gefunden wird und daran auch noch die DNA eines Tieres festgestellt wird, steigt die allgemeine Aufregung. Die Kommissare Dirk Westermann und Thomas Hartwig ermitteln. Sollte der Tote von einem Beutegreifer wie einem Wolf getötet worden sein? Die Kehlbisse deuten darauf hin.

Von dieser Krimireihe habe ich bisher noch keinen Band gelesen. Dennoch konnte ich ohne Verständnisprobleme in die Handlung eintauchen und wurde nicht enttäuscht.

Dirk Westermann arbeitet in Oldenburg und macht gerade auf Fehmarn ein paar Tage Urlaub mit seiner Freundin Katrin, als ihn die Nachricht von einer männlichen Leicher erreicht. Vorbei ist der Urlaubsgedanke, die Arbeit ruft.

Das aktuell breit diskutierte Wolfs-Thema hat sich die Autorin zur Grundlage für diesen Krimi genommen. Und auch hier macht der Wolf den Menschen Angst. In der Handlung wird das mit einigen Spannungsmomenten und reichlich Inselfeeling zu einem runden Ganzen versponnen. Weil man zwar erkennt, dass der Täter ein Mensch ist, aber die Todesspuren an den Leichen auch von einem Tier stammen können, tappt man wie die Kommissare lange Zeit im Dunkeln.

In einem Handlungsstrang erlebt man den Täter hautnah, seine Beweggründe sind unergründlich, man weiß nur, ihn treibt etwas schreckliches um. Dadurch ist man den Kommissaren immer etwas voraus und man hofft, dass sie ihn noch vor der nächsten Leiche finden. Denn soviel ist klar, dieser Täter hat mehrere Opfer im Blick.

Sehr gelungen finde ich den Einsatz der Miss Marple von Fehmarn, Charlotte Hagedorn. Wie sie sich immer wieder in die Ermittlungen einmischt, einige wichtige Hinweise findet und den Kommissaren gute Ratschläge erteilt, sorgt für eine sehr unterhaltsame Note dieses Krimis.

Dem Schreibstil der Autorin kann man wunderbar folgen, sie schreibt klar und lebendig, mit schönen Landschafts- und Stimmungsbildern durchsetzt und sie bringt gekonnt immer wieder einige Cliffhanger mit ein, die mich als Leser gespannt weiter lesen lassen. Besonders die Szenen mit dem Wolf waren solche schönen Lesemomente. Genauso wünscht man sich fesselnde Krimis. Allerdings hat für mich die Fülle an Figuren doch etwas den Rahmen überspannt. Wenn sich daraus auch reichliche Möglichkeiten an Verdächtigen finden lassen, so nahm die Menge dem Krimi etwas die Spannung.

Ansonsten habe ich mich gut unterhalten gefühlt und werde die Reihe im Auge behalten.

Diese Krimireihe fesselt mit dem aktuellen Wolfsbezug und bringt reichlich Küstenfeeling mit sich.
Für den Urlaub ein wunderbares Buch und für Fehmarn- und Ostsee-Fans ein Muss.