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Veröffentlicht am 04.07.2018

Ein Lesegenuss!

Der Pfau
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Schottland: Lord und Lady MacIntosh vermieten Cottages und Teile ihres Landsitzes, die zum Teil renoviert sind, aber auch noch den alten Charme vergangener Zeiten versprühen. Als eine Gruppe Investmentbanker ...

Schottland: Lord und Lady MacIntosh vermieten Cottages und Teile ihres Landsitzes, die zum Teil renoviert sind, aber auch noch den alten Charme vergangener Zeiten versprühen. Als eine Gruppe Investmentbanker dort ein Seminar für teambildende Massnahmen abhalten, spielt ein Pfau plötzlich verrückt. Er hält alles was Blau ist für potentielle Konkurrenten und wird aggressiv. Um Schäden bei seinen Gästen abzuwenden, schaft der Lord schliesslich rigoros Abhilfe und opfert den Pfau. Es kommt zu einigen Verwicklungen unter den Bewohnern, plötzlich hat jeder etwas zu verschweigen.


"Einer der Pfauen war verrückt geworden. Vielleicht sah er auch nur schlecht, jedenfalls hielt er mit einem Mal alles, was blau war und glänzte, für Konkurrenz auf dem Heiratsmarkt." (Zitat S. 7)

Während eines Seminares zur Teambildung einer englischen Banker-Gruppe auf dem schottischen Land spielt ein Pfau verrückt und sorgt für Ärger. Die Teilnehmer des Seminares bekommen davon jedoch nichts mit und fühlen sich in der schottischen Einöde ein wenig ausgesetzt und versuchen, sich mit der durchdringenden Kälte, ihren zu bewältigendenTeamaufgaben und den Folgen ihrer spartanischen Unterkunft ihres gemeinsamen Aufenthaltes zu arrangieren.

Dieser Roman ist eine wunderbare britisch anmutende Komödie, die mit raffinierten Verwicklungen begeistert. Die Autorin erzählt pointenreich, heiter und mit einem sehr charmanten Schreibstil, den man einfach geniesst.
Im Mittelpunkt steht ein Pfau, der mit seinem Ableben eine spektakuläre Handlung in Gang setzt, die seinesgleichen sucht. Denn den genauen Tathergang seines Todes kennt nicht jeder der Anwesenden, aber die geheimen Schuldzuweisungen treffen fast jeden.
Im Sinne eines harmonischen Wochenendes und eines erfolgreichen Gruppenseminars versuchen die Teilnehmer auch, ihre jeweiligen Kenntnisse zu verschweigen und verstricken sich dabei in ein verworrenes Netz aus Verdächtigungen.

Die Charaktere sind absolut unterschiedlich angelegt und sehr liebevoll dargestellt, auch die Tierwelt zeigt sich in vielfältiger Pracht und Spezies. Eine große Faszination machen die Gespräche und der Umgang der Personen untereinander aus, aber auch die gelungene kulinarische Versorgung der Gruppe hat ein gewisses Flair, dem man sich nicht entziehen kann.

Das Ende ist eine große Überraschung und zeigt eine gewisse Ironie des Schicksals auf.


Dieses Debüt ist sehr gelungen! Die tollen Charakteren und die komödiantische Handlung sind über die Maßen unterhaltsam und bringen eine turbulente Handlung in Gang, die dem Leser Genuss bereitet. Dieser Roman lohnt sich zu lesen!

Veröffentlicht am 04.07.2018

Ein Briefwechsel, der zeigt wie liebenswürdig und großherzig Astrid Lindgren war!

Deine Briefe lege ich unter die Matratze
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Die zwölfjährige Schwedin Sara Ljungcrantz richtet 1971 einen Brief an die Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Sara will Schauspielerin werden und erhofft sich dabei Unterstützung. Die Schriftstellerin, ...

Die zwölfjährige Schwedin Sara Ljungcrantz richtet 1971 einen Brief an die Kinderbuchautorin Astrid Lindgren. Sara will Schauspielerin werden und erhofft sich dabei Unterstützung. Die Schriftstellerin, die es sonst bei einem kurzen Brief an ihre Fans belässt, antwortet - und schreibt Sara immer wieder. In 30 Jahren kommen über 80 Briefe zusammen.


"Life is not so rotten as it seems" - das Leben ist nicht so mies, wie es erscheint.

Astrid Lindgren ist für mich der Inbegriff einer Autorin. Ihre Figuren, allen voran Pippi Langstrumpf und Michel aus Lönneberga trugen mich durch meine Kindheit. Ihr verdanke ich meinen Leseeifer, Phantasie und viele Geschichten, an die ich mich auch heute noch gern erinnere. Welches Bild zeigt sich nun in den Briefen über die Person Astrid als Mensch?

Sara, 12 Jahre alt, schwänzt und ist unbeliebt in ihrer Schule. Sie möchte Schauspielerin werden. In ihrem Brief an Astrid Lindgren bittet sie sie um Hilfe für eine Hauptrolle und kritisiert gleichzeitig die schauspielerische Leistung von Annika und Thomas in der Pippi Verfilmung. Die Absage Lindgrens ist scheinbar überdeutlich ablehnend und Sara entschuldigt sich für ihr Anliegen. Diese erste Antwort Lindgrens ist nicht mehr existent, zu eindeutig war vielleicht die Kritik. Jedenfalls schweigt sich Schwardt über den Inhalt aus, angeblich aus Rücksicht auf die Autorin. Was sie aber nicht davon abhält, diese Briefe zu veröffentlichen, die auf Wunsch Astrid Lindgrens unter Geheimhaltung fielen. Waren es finanzielle Gründe oder der Reiz auch berühmt zu sein?

Doch etwas an ihrem Entschuldigungs-Brief rührt die Autorin und es entsteht ein tieferes Interesse für das sprachgewaltige, aber auch schwierige Kind. in den folgenden Jahren gibt es einen regen Briefwechsel, der zeigt wie Astrid Lindgren dem Mädchen Mut zuspricht und sie zu einem positiven Selbst aufbaut, sie immer wieder motiviert. Manchmal kommt mir das Ganze wie eine psychologische Hilfe vor, denn Astrid Lindgren hielt an diesem Briefwechsel trotz eigener Probleme oder Zeitmangel fest.
Ich glaube, Astrid Lindgren ist wohl wirklich so ein liebenswürdiger und herzlicher Mensch gewesen, wie es aus den Briefen zu ahnen ist.
Sie mischte sich immer wieder in aktuelle politische Debatten ein und kämpfte bis zu ihrem Tod 2002 für die Rechte von Kindern.

Doch nun zu Sara! Sie ist ein schwieriger Typ und wurde von Astrid Lindgren stets respektiert und wiederholt ermutigt, ihr Leben in den Griff zu bekommen und auf einen guten Ausgang zu hoffen. Ob es das Schwänzen war, die Raucherei oder ihr angeblich geringes Selbstbild, Astrid fand die richtigen Worte, um dem Kind Verständnis und Nähe zu spenden. Auch als Teenie zeigt Sara wie sie um Aufmerksamkeit buhlt. Sie bezeichnet sich als häßlich, um von ihrer Brieffreundin das Gegenteil zu hören/lesen. Sie bekam stets eine liebevolle Antwort, auch wenn Astrid selbst Sorgen hatte. Wie es Astrid ging, dafür hat sich Sara aber nie wirklich interessiert.
Denn als wirklich Trost nötig war, Lindgren hatte ihren Bruder und die Haushälterin verloren, kam von Sara kein Brief, keine Anteilnahme.

Diese Brieffreundschaft ist in meinen Augen eine sehr einseitige und zeugt von dem selbstlosen Einsatz einer wunderbaren Frau und einem großherzigen Menschen, Astrid Lindgren. Inwieweit die Briefe von Sara ehrlich waren, bleibt für mich fraglich. Mich hat die Bettelei nach Jobs und Geld unangenehm berührt und besonders die Veröffentlichung der Briefe unter Missachtung des Geheimhaltungswunsches erscheint mir suspekt.

Veröffentlicht am 04.07.2018

Gefühlvoll und mitreißend geschriebener Roman über einen Neuanfang!

Auch morgen werden Rosen blühen
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Alma ist Mitte 50, hat einen sie erfüllenden Job, liebt Gartenarbeit und hat wunderbare Freunde. Als sie einen Herzstillstand erleidet, wird sie zwar gerettet, doch danach stellt sie ihr bisheriges Leben ...

Alma ist Mitte 50, hat einen sie erfüllenden Job, liebt Gartenarbeit und hat wunderbare Freunde. Als sie einen Herzstillstand erleidet, wird sie zwar gerettet, doch danach stellt sie ihr bisheriges Leben in Frage. Was ist aus ihren Träumen geworden, wo ist die Familie, die sie sich gewünscht hat und was braucht sie, um glücklich zu sein? Kann man verpasste Chancen auch nachholen? Sie sucht nach Antworten und findet... Neuen Lebensmut.

"Man sieht nur mit dem Herzen gut,
das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

(Antoine de Saint-Exupéry)

Diesen Roman habe ich sehr genossen. Es geht um die Aufarbeitung einer Nahtoderfahrung, die das Leben der Protagonistin Alma aus der Bahn wirft. Nicht nur ihr Herz kommt aus dem Gleichgewicht, auch sie selbst schwankt, fühlt sich kraftlos und leer und fragt sich, was ihr wichtig und ob sie auch glücklich ist. Auch ihre Kinderlosigkeit macht ihr zu schaffen. Sie hinterfragt ihr Leben, ihre Wünsche und Gefühle und wagt schliesslich einiges.

Es ist eine Geschichte, die tief in die Emotionenkiste hinein greift, ohne kitschig zu wirken. Denn die Gefühle, Ängste und Gedanken Almas sind authentisch dargestellt und zeigen, wie die Wege im Leben nicht immer geradlinig verlaufen, sondern auch mal Tiefen aufweisen, aus denen man gestärkt und glücklicher als bisher hervor gehen kann. Denn auch jenseits der 50 kann man noch eine neue Liebe finden. Man muss nur seinem Herzen vertrauen und etwas Mut haben.
Wie Alma von ihren Freunden Unterstützung und Hilfe bekommt, ist sehr mitfühlend beschrieben. Hier kommen einige empathische Figuren zu Wort und man fühlt sich in ihrer Gemeinschaft einfach wohl.
Die Charaktere sind detailreich gezeichnet und zeigen in ihrem Leben verschiedene Entwicklungen, die interessant zu beobachten sind. Die Figur der Katrin wird mir besonders in Erinnerung bleiben. Auch sie hat ihr altes Leben umgekrempelt und wagt Neues.

Clara Sternberg erschafft mit ihren Beschreibungen der bunten Blumenwelt, schönen Gärten und anderen Schauplätze Berlins eine tolle Atmosphäre und bringt Stimmung und Farbe in den Roman, in den man als Leser versinkt. Gern möchte man die Örtlichkeiten besuchen und die Situationen im Roman nachempfinden.

Einen Punkt muss ich noch erwähnen: die Erste Hilfe spielt im Roman eine entscheidende Schlüsselrolle, die man auch im richtigen Leben Wert schätzen sollte. Jeder, Helfer und Geretteter, weiß das zu bestätigen. Daher sehe ich im Buch die unterschwellige Mahnung an alle, die Ersthelferausbildung ernst zu nehmen und gegebenenfalls aufzufrischen.

"Auch morgen werden Rosen blühen" ist eine stimmungsvolle Liebesgeschichte, die flüssig und mitreißend zu lesen ist. Neue Chancen gibt es für jede Alterklasse, man muss nur offen dafür sein!

Veröffentlicht am 04.07.2018

Geheimnisvoll, düster und unheimlich erscheint diese Dorfgemeinschaft. Fesselnd geschrieben, dennoch vorhersehbar!

Das verlorene Dorf
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Oberbayern 1844: Rosalie ist eine Waise, sie hat Leukopenie und wird mit ihrer hellen Haut und den leicht rötlichen Augen von den anderen Kindern ausgegrenzt. Sie verliebt sich in Romar, der aus
einem ...

Oberbayern 1844: Rosalie ist eine Waise, sie hat Leukopenie und wird mit ihrer hellen Haut und den leicht rötlichen Augen von den anderen Kindern ausgegrenzt. Sie verliebt sich in Romar, der aus
einem einsamen Walddorf stammt, um das sich unheimliche Gerüchte ranken. Allen Warnungen zum Trotz heiratet Rosalie Romar und folgt ihm in die merkwürdige Dorfgemeinschaft. Kurz nach ihrer Ankunft bemerkt sie schaurige Anzeichen für ein gruseliges Treiben im Dorf.

Stefanie Kasper verbindet in ihrem atmosphärisch düsteren Roman die mystische Legende der Weißen Frau im Sachsenrieder Forst mit dem Dorf Haberatshofen in Bayern, welches Mitte des 19. Jahrhunderts von seinen wenigen Bewohnern unter anderem aus Wasserknappheit aufgegeben wurde. Heute erinnert ein Gedenkstein an die ehemalige Kapelle des Dorfes.
Dabei bedient sie sich einer Handlung, die Fiktion mit der geheimnisvollen Geschichte mischt und erzeugt mit ihrem dichten Erzählstil eine gruselige Stimmung, die mit schlimmen Ereignissen mehr und mehr bedrohlich wird.
Die Landschafts- und Stimmungsbilder haben mich tief mit in den Wald hineingenommen und die unheimliche Situation unter den Dorfbewohnern wirkten recht bedrückend und bedrohlich.

Anfangs verstehe ich die Außenseiterin Rosalie, die als Nachtmensch verschrien ist und ihr Glück bei ihrem Mann Romar sucht. Aus Liebe zu ihm folgt sie ihm in dieses mysteriöse Dorf, in dem Menschen mit Handicap und wahre Sonderlinge leben. Sie hat ihnen gegenüber keine Vorbehalte und arrangiert sich damit.

Als jedoch erste Anzeichen von Bedrohung auftreten, wird sie zwar misstrauisch, will aber die Wahrheit nicht erkennen. Zu glücklich ist sie mit Romar und eine Freundin hat sie ebenfalls gefunden. Hier wird die Geschichte etwas überzogen.
Die tragischen Ereignisse nehmen zu und sie reagiert immer noch nicht. In der Mitte des Buches war mir eindeutig bewusst, was in diesem Dorf passiert. Damit nahm automatisch die Spannung ab, ich habe aber dennoch die unterhaltsame Geschichte wegen der wunderbar schaurigen Atmosphäre und des lebendigen Schreibstils gern weiter verfolgt.

Die große Auflösung war keine Überraschung, die Gründe für die Gruseltaten sind abstrus und befremdend. Trotzdem ist dieser Roman durch die bildhafte Beschreibung von Wald, Stimmung und Geschehnissen etwas ganz Besonderes.

Das verlorene Dorf enthält einen Hauch von Mystery, etwas Fantasy und auch reale Züge, die mit einem interessanten Schreibstil eine düstere Atmosphäre aufbauen. Ein unterhaltsamer Roman, für alle, die sich gern einer schaurigen Stimmung aussetzen wollen.

Veröffentlicht am 04.07.2018

Man sieht nur mit dem Herzen gut

Der kleine Prinz
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Der kleine Prinz lebt auf einem Asteroiden und flieht schließlich vor einer Blume. Seine Reise führt ihn zu sieben anderen Planeten und deren Bewohnern. Er ist einsam und sucht nach Freunden, bei einem ...

Der kleine Prinz lebt auf einem Asteroiden und flieht schließlich vor einer Blume. Seine Reise führt ihn zu sieben anderen Planeten und deren Bewohnern. Er ist einsam und sucht nach Freunden, bei einem Besuch auf der Erde freundet er sich mit dem Fuchs an.

"Man sieht nur mit dem Herzen gut,
das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."

Diese Erzählung ist ein Anstoss für Freundschaft und Menschlichkeit, ein modernes Märchen, dass sich über die Erde hinaus im Reich der Sterne und Planeten bewegt. Es macht nachdenklich und gibt Denkanstösse, man kann die vielen Sprüche verschiedenartig interpretieren und das macht die Geschichte so vielseitig.

Mich hat die märchenhafte Sprache mit ihrem poetischen Klang bezaubert und die schönen Illustrationen des Autors sind im Gedächtnis haften geblieben.

Der Ich-Erzähler ist ein Pilot, der in der Wüste Sahara abgestürzt ist, auch der Autor war Flieger und ist abgestürzt, und dort lernt er den Kleinen Prinzen kennen. Der Kleine Prinz erzählt ihm von seiner Reise und den eigensinnigen Figuren, die er kennen gelernt hat.
Aber er erzählt auch von den vielen Rosen, die er auf der Erde gesehen hat, die aber gegen seine Blume, seine Liebe, nicht ankommen.

Auch wenn man die Liebe nur mit dem Herzen erkennt, kann man nicht den Verstand ausschalten. Hier ist das Zusammenspiel von Intellekt und Gefühlen gefragt, aber das erkennt man erst wenn man älter ist.


Eine märchenhafte Reise auf der Suche nach dem Lebenssinn, der Freundschaft unter den Menschen. Man muss die poetische Sprache einfach lieben und den Sinn dahinter für sich interpretieren.