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Veröffentlicht am 08.06.2018

Ein wunderbarer Klassiker

Romeo und Julia
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"Romeo und Julia" ist wohl die bekannteste Tragödie "William Shakespeares" und hat seinen wohlverdienten Platz in der Weltliteratur gefunden.
Immer wieder wird diese berühmte Liebesgeschichte in Theatersälen, ...

"Romeo und Julia" ist wohl die bekannteste Tragödie "William Shakespeares" und hat seinen wohlverdienten Platz in der Weltliteratur gefunden.
Immer wieder wird diese berühmte Liebesgeschichte in Theatersälen, auf Kinoleinwänden oder auf Laienbühnen aufgeführt und das ist ihrem besonderen Reiz des Tragischen zu verdanken. Denn diese Geschichte ist auch in die Gegenwart zu übertragen, sie ist zeitlos und daher so eindringlich.

Der Inhalt sollte hinlänglich bekannt sein und die Balkonszene ist wohl legendär.
Romeo und Julia entstammen privilegierten, aber miteinander verfeindeten Familien an. Sie verlieben sich ineinander und die Familien dulden die Verbindung nicht. Es kommt zu einem Streit und Kampfgemenge zwischen Mitgliedern der Häuser Montague und Capulet, in dem Romeo Julias Cousin Tybalt tötet. Romeo wird aus Verona verbannt. Julia insziniert einen Scheintod, auch Romeo stirbt. Zu spät realisieren die Familien ihre unvernünftige Haltung.


Diese Tragödie zeigt eine nicht zu erschütternde, bedingungslose Liebe bis in den Tod hinein.
Von so einer tiefen Liebe ist man ergriffen, schwelgt in Gefühlen, träumt und leidet beim Lesen förmlich mit.
Das Besondere ist die Stärke der beiden Liebenden, wie sie sich gegen ihre Elternhäuser auflehnen und auf ein menschliches, ein friedliches Ende des Streites hoffen.
Dieses humanistische Bekenntnis ist hochaktuell. Solange es Feindschaft zwischen Menschen aufgrund ihrer Herkunft oder Religion gibt, wird es keinen Frieden geben.

In diesem Jahr jährt sich Shakespeares Todestag zum 400. Mal.
Ein Grund mehr, sich diesem Stück zu widmen und die Sprachgenialität des Autors zu loben.
Obwohl ich Romeo und Julia schon mehrfach gelesen habe, bin ich jedes Mal wieder begeistert und emotional gefangen. Das liegt nicht nur an der Thematik und dem tragischen der Handlung, sondern viel mehr am sprachlichen Talent des Autors.
Es ist eine bilderreiche und poetische Sprache, der sich kaum jemand entziehen kann. Denn Shakespeare spielte mit Worten wie kaum ein anderer Schriftsteller es je vermag. Charakteristisch ist die stilistische Vielfalt verschiedener Sprachstile, die er in seinen Werken einbringt. Er benutzt Worte, die dem höfischen Adel vorbehalten waren und ebenso Begriffe aus der Gossensprache. Dazu kommt ein Wortwitz und eine solche Bildhaftigkeit zum Ausdruck, dass die Sprache verzaubernd wirkt.

Diese grandiose Tragödie sollte man gelesen haben. Man findet einen stets aktuellen Bezug, wird beeindruckt mit einer exzellenten Sprachvirtualität und ist emotional ergriffen. Ganz großes "Kino" bzw. große Literatur!

Veröffentlicht am 08.06.2018

Ein ganz bemerkenswerter Erzähler gibt hier mit viel feinsinnigem Humor eine besondere Geschichte zum Besten!

Mauersegler
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Seit ihrer Kindheit sind die 5 betagten Männer nun schon befreundet, haben sich trotz anderer Lebenswege und Ehen nie aus den Augen verloren. Sie planen eine gemeinsame Alten-WG zu gründen. Denn niemand ...

Seit ihrer Kindheit sind die 5 betagten Männer nun schon befreundet, haben sich trotz anderer Lebenswege und Ehen nie aus den Augen verloren. Sie planen eine gemeinsame Alten-WG zu gründen. Denn niemand von ihnen möchte sich in Seniorenstiften unterordnen und alle 5 Freunde wollen weiterhin ohne Kontrolle frei leben, rauchen, essen und trinken. Auch das Thema selbstbestimmter Tod möchten sie auf ihre Art unter sich klären. Ernst, der Computerfreak unter ihnen entwickelt dafür ein spezielles Todesengelsprogramm.
Sie kaufen eine Villa am See, richten sich nach Männerart ein und führen eine friedliche Gemeinschaft.
Erst als Wilhelm der Pflege bedarf, stellen sie die kirgisische Pflegekraft Katarina ein. Langsam rückt das Thema Tod immer näher.

Poschenrieder lässt Carl die Geschichte der fünf Freunde erzählen. Carl, ehemaliger Journalist und Philosoph bringt dem Leser die Personen nahe und philosophiert über dies und das. Schnell wird klar, das diese Männer, die unterschiedlicher nicht sein können, etwas ganz Besonderes verbindet. Es ist der kleine Martin, der vor Jahren unter ungeklärten Umständen ertrunken ist. Er bringt die Männer alljährlich zusammen und hat sie über die Jahre nie den Kontakt zueinander verlieren lassen.

Gemeinsam beschließen sie beim jährlich stattfindenden "Martinstreffen", dem Todestag ihres Jugendfreundes Martin, die Gestaltung einer eigenen Alten-WG für ihren Lebensabend.

Zitat S. 71:
Es war wie im Kindergarten. Nur ohne die Kindergartentanten. Jeder machte, wozu er Lust hatte.

So wagen sie das Zusammenleben, fühlen sich frei und wohl und starten ihr selbstbestimmtes Todesengelprogramm.
Als der erste in ihren Reihen zum Pflegefall wird, umsorgen sie ihn kameradschaftlich, stellen eine Pflegekraft ein und starten ihr computergesteuertes Programm zum selbstbestimmten Sterben. Gespannt fiebert man als Leser dem ersten tragischen Ereignis entgegen: Wann wird der sogenannte "Totmannknopf" zum ersten Mal gezündet?

Der Autor vermag diese makabere Situation mit erfrischender Situationskomik zu beschreiben, verliert aber nie den melancholischen Anklang und bringt die Thematik des selbstbestimmten Sterbens mit sehr viel Tiefgang nahe.
Man beginnt sich während des Lesens nach den eigenen Wünschen des Sterbens zu fragen. Ein Roman, der aufwühlt, gut unterhält und nachdenken lässt über ein Sterben in Würde.

Doch warum heißt der Roman Mauersegler?

Zitat Seite 61:
Nach Brehms Tierleben ist ein Mauersegler: herrschsüchtig, zänkisch, stürmisch und übermütig, ein Geselle, der nicht einmal mit seinesgleichen in Frieden lebt.
Carl bemerkt trocken: Wie wir!

Ich habe es bewundert, wie leicht Poschenrieder mit dem Thema Sterbehilfe umgeht und wie geschickt er seine Sprachkraft einsetzt. Dieser Roman wühlt auf, amüsiert mit Witz und lässt den Leser nachdenken über ein Sterben in Würde. Ein wunderbares Lesehighlight!

Veröffentlicht am 08.06.2018

Ein Wettlauf mit dem Tod

Stirb ewig
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Als Junggesellenabschied bekommt Michael Harrison von seinen Freunden die Revanche für seine fiesen Streiche. Sie legen ihn in einen Sarg und wollen ihn für ein paar Stunden auf einem Acker begraben. Doch ...

Als Junggesellenabschied bekommt Michael Harrison von seinen Freunden die Revanche für seine fiesen Streiche. Sie legen ihn in einen Sarg und wollen ihn für ein paar Stunden auf einem Acker begraben. Doch nach erfolgtem Verscharren ereignet sich ein Unfall, den die Freunde mit ihrem Leben bezahlen. Außer ihnen weiß niemand von diesem schrecklichen Beerdigungs-Plan. Die Braut ahnt nichts und ist außer sich vor Sorge.


"Haaalloooo, hört mich jemand?" Diese Rufe Michaels haben bei mir schon fast panikartige Angst ausgelöst. Ich habe ein wenig Klaustrophobie und daher war dieses Buch schon eine echte Herausforderung für mich.

Denn die beklemmenden Gefühle Michaels in seinem engen dunklen Grab beschreibt Peter James so authentisch, dass beim Lesen eigene Ängste aufbrechen. Der Leser erlebt Michaels Angst und Überlebenskampf direkt mit.
Die verschiedenen Phasen des Begrabenen kann man nicht besser darstellen. Anfangs zeigt Michael lediglich Erschrockenheit und wundert sich über die Situation, in die man ihn gebracht hat. Dann kommt die Wut hinzu. Er hat aber noch Hoffnung. Aber je länger er in der vertrackten Situation ausharren muss, umso resignierter wird er. Doch sein Lebenswille verlässt ihn nicht und er mobilisiert seine letzten Kräfte. Mit einem Walkie-Talkie hält er Kontakt zur Außenwelt. Doch sein Kontakt mit dem hirngeschädigten Jungen Davey bricht ständig ab.

Die Suche der Polizei nach dem Verschwundenen und die Befragung bringt immer wieder neue Ansatzpunkte, der Autor reduziert den Thriller auf die wesentlichen Handlungen. Es gibt keine sozialen Hintergründe der Ermittler, die das Buch auflockern, der Thriller ist knallhart durchgezogen.


Wem nutzt das unerwartete Verschwinden oder der Tod von Michael? Diese Frage wird sehr spannend entwickelt, denn einige Vertuschungsversuche machen es dem Leser schwer, den Täter zu erkennen.
Die Story liest sich flüssig und wird durch verschiedene Orts- und Personenwechsel sowie inhaltlichen Wendungen immer auf einem konstanten Spannungslevel gehalten.

Wenn es zum Ende hin nicht so viele unnötige Zwischenfälle der Protagonisten gegeben hätte, wäre es für mich ein 5-Sterne-Buch geworden.


Ein toll inszenierter Thriller mit einer unglaublich nervenaufreibenden Spannung und einer Handlung, die in die menschlichen Beweggründe für so eine Tat schauen lässt. Echt gruselig!

Veröffentlicht am 08.06.2018

Hat mich eher genervt als erreicht! Jede Kreuzfahrt muss aufregender sein!

Kreuzfahrt
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In einem Familienurlaub in Ligurien treffen Meret und Jan aufeinander. Sie fliehen beide vor ihren Ehepartnern und den kleinen Söhnen, um ein wenig Ruhe zu haben. Sie unterhalten sich und entdecken, dass ...

In einem Familienurlaub in Ligurien treffen Meret und Jan aufeinander. Sie fliehen beide vor ihren Ehepartnern und den kleinen Söhnen, um ein wenig Ruhe zu haben. Sie unterhalten sich und entdecken, dass sie in Zürich Nachbarn sind. Die beiden Familien freunden sich an und Jans gelangweilte Frau Romy sorgt für gemeinsame Treffen der Familien. Die Liebesgeschichte zwischen Meret und Jan entwickelt sich. Hat Romy das vorausgesehen, um ihren Mann selbst wieder mehr zu begehren? Wie wird Dres darauf reagieren? Was ist der Sinn einer Beziehung für die beteiligten Erwachsenen?

Meret ist die Erzählerin dieses Romans und mit ihr machen wir uns gemeinsam auf die Suche nach der Liebe. Sie erklärt die Annäherung an Jan, ihre Gefühle und gibt Einblick durch diverse innere Dialoge der Beteiligten. Durch sie erfahren wir auch von ihren Zweifeln an einem Ehebruch. Die Folgen für ihre Familie sind ihr bewusst und sie möchte ihre Ehe nicht aufs Spiel setzen.
Sie ist eine Frau, die viel Zeit hat und sich in Gedanken über ihre Gefühle zu Jan verliert. Manchmal suggeriert sie wohl mehr Bedeutung in diese Affäre hinein als dieser in Wirklichkeit zukommt.

Romy hat ein unbeständiges Wesen, zieht naselang um, ist leicht depressiv und stets auf der Suche nach neuen Eindrücken. Die Familie steht bei ihr jedenfall nicht an erster Stelle, zur Zeit ist sie mit Esoterik beschäftigt. Sie versucht auf ihre Aussenwelt perfekt zu wirken, hat aber große Probleme mit sich, ihre Kinder vernachlässigt sie und ihren Mann besucht sie nicht mal im Krankenhaus.

Jan ist beruflich stark eingespannt und pendelt im Flieger durch die Welt, wie ein Kreuzfahrer. Seine Freizeit nutzt er für Marathonläufe, eigentlich ist er immer auf der Flucht. Zwischen ihm und Romy besteht eine Gefühlsflaute. Was er wirklich für Meret empfindet, ist nicht klar erkennbar.

Dres ist der perfekte Vater, er kümmert sich um seine Söhne und scheint die Liebschaft seiner Frau nicht zu bemerken. Über seine Gedanken erfährt man nicht viel.

Neben den Erlebnissen der Familien gibt es eine weitere Geschichte: die Erzählung von Gaia, die sich auf einer Kreuzfahrt in einen Offizier verliebt. Diese Beziehung kann man stellvertretend für die Liebesfragen der beiden Frauen Romy und Meret sehen.

Dieser Roman hat mich über die Frage der Verliebtheit nachdenken lassen. Was ist eigentlich Liebe? Warum verlieben wir uns im Leben? Was bedeutet Fremdverlieben für die eigene Beziehung zum Lebenspartner? Ist lediglich der Wunsch, begeht zu werden, schon ein Treuebruch? Was macht den Reiz beim Verlieben aus? Das Unerreichbare, dass man nicht haben kann? Stehen hier die eigenen Wünsche vor der anderen Person? Oder bewirkt Fremdverlieben, dass wir uns wieder mit Freude dem Ehepartner zuwenden?

Ich weiß es nicht! Aber leider kann die Autorin es in ihrem Buch auch nicht erklären.
Sie zeigt in den Gedankengängen und Gesprächen zwar Anklänge von Erklärungen, man meint, die Handlung teilweise verstanden zu haben, doch am Ende wirbelt sie das Geschriebene mit einem einzigen Handstreich vom Tisch.

Was mir bei diesem Roman positiv aufgefallen ist, sind die medizinischen Einblicke in die Behandlung von Komapatienten, ihre Aufwachphase, die späteren Reaktionen der Patienten und die Aussicht auf Rehabiltation. Diesem Bereich liegt eine umfassende Recherche zugrunde, deren Einbindung im Buch mich sehr interessiert hat.

Dieser Roman erzählt von Liebe, Krankheit und Sehnsüchten. Vielleicht sieht jeder Leser sein eigene Sicht auf diese Themen angesprochen und bezieht persönliche Erfahrungen mit ein. Ein Buch, dass mir zu lesen leicht fiel, zu verstehen aber sehr schwer.

Veröffentlicht am 08.06.2018

Witzig und subtil, dabei spannend wie ein Krimi!

Das letzte Nashorn
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Der Amsterdamer Privatzoo "Artis" arbeitet nicht effektiv. Er verzeichnet sinkende Besucherzahlen und steigende Kosten. Da muss ein rettendes Konzept her und der energische Direktor Edo Morell entwirft ...

Der Amsterdamer Privatzoo "Artis" arbeitet nicht effektiv. Er verzeichnet sinkende Besucherzahlen und steigende Kosten. Da muss ein rettendes Konzept her und der energische Direktor Edo Morell entwirft für die Rettung des Zoos neue Ideen und Marketingstrategien. Sein Plan sieht die Eröffnung eines Zooareals mit Namen Afrika vor, der nur von afrikanischen Tieren bevölkert werden soll. "Afrika an der Amstel" heißt sein neues Konzept. Dazu soll auch die Teilnahme am Tierarterhaltungsprogramm mit vom Aussterben bedrohten Nashörnern dienen. Er engagiert eine Nashornspezialistin aus Südafrika, Sariah Morrel, die sich leidenschaftlich für den Erhalt der seltenen Tiere einsetzt.

Dieses Buch hat mich recht schnell gepackt, denn ich interessiere mich schon länger für Erhaltungszuchtprogramme und weiß um die vom Aussterben bedrohten Nashörner.
Die Handlung führt nach einer Einführung der Hauptcharaktere dann auch tiefer in die Materie ein und zeigt sowohl den Idealismus als auch die Profitgier, die hinter diesen Zuchtprogrammen stecken.

Die Rettung der Tiere wird zum Spielball der menschlichen Spezies.

Doch nun zur Geschichte. Aus Sicht der drei Hauptfiguren Edo Morell, Sariah Malan und Frank Rida, erfahren wir ihre verschiedenen Sichtweisen, eigenen Lebensberichte und aktuelle Informationen über das Nashornprogramm im Zoo.

Edo ist der dynamische Direktor des Amsterdamer Tierparks, der seinen Zoo mit einem Marketing-Masterplan wieder überlebensfähig und zu einem größeren Ruf verhelfen will. Die geplante Afrikalandschaft ist ein neuer Denkansatz, der die Besucherströme wieder ansteigen lassen soll. Auch die Rettung bedrohter Arten, in diesem Fall der Schwarzen Nashörner sind für sein Konzept eingeplant und sollen für Publikumsinteresse sorgen.

Frank Rida, leitender Zoovorstand, Doktor der Kunstgeschichte und Freund von Edo Morell, unterstützt die Rettung des Zoos mit Öffentlichkeitsarbeit und übernimmt die Verhandlungen mit Behörden etc.

Sariah Malan ist Halb-Niederländerin und hat sich dem Schutz von Dickhäutern verschrieben. Eine persönliche Tragödie hat ihr Leben in Südafrika überschattet und so nimmt sie die Aufgabe eines Zuchtprogramms in Amsterdam an.

Edo kauft den schwarzen Nashornbullen Albrecht und man erlebt als Leser hautnah mit, nach welch ausgeklügeltem System dieser in den Zoo eingeflogen wird. Dieses Tier ist eine Rarität, eines der letzten seiner Art und sehr, sehr teuer. Das macht die Übersiedlung so spezifisch und für mich ungeheuer spannend.

Man muss sich einmal vorstellen, wie 1515 von Albrecht Dürer das erste Bild eines Nashorns in Europa entstand und dieses Tier damals erstmals in das Bewusstsein der Menschen geriet. Für die Menschen damals ein Unikum sondergleichen. Und gerade mal 500 Jahre später ist dieses Tier bereits ausgestorben.
**Tierinteressierte finden nach dem Fazit eine Information zu den Nashörnern.


Edo und Sariah lernen sich näher kennen, ihre enge Zusammenarbeit lässt sie sich auch persönlich näher kommen. Sie sorgen sich um Albrecht, schliesslich soll er sich im Zoo sehr wohl fühlen, um dann mit Angela und Ursula den Fortbestand seiner Art zu sichern. Das ist aber nicht so einfach und es wird im Buch in einer leichten, heiteren Art und Weise dargestellt. Aber auch Überfälle und Krankheiten werfen ihre Schatten auf die kleine Nashorngruppe.
Mein Held des Buches ist von Beginn seines Einzugs im Zoo der Bulle Albrecht.

Der Autor vermag die Überlebensfrage der Tierarten geschickt mit menschlichem Idealismus und Kommerzdenken zu erklären. Wie leicht dieser Roman jedoch auch von seiner Erzählweise her wirkt, umso schwerer wiegen die tiefgründigen Hintergedanken der Menschen.
Es wird deutlich, wie wir Menschen immer weiter die vermeintlich lenkende Führungsposition einnehmen, während um uns herum die Tierarten aussterben. Der tragische Verlust der Artenvielfalt könnte auch unser eigener Untergang sein. So möchte ich mal die Intention des Autors auslegen.
Wir sollten darüber nachdenken, wie wir mit Tieren generell umgehen und ob einzelne Tiere in Zoos noch eine Art darstellen. Denn in freier Wildbahn sieht man einige Tiere nicht mehr.
So zum Beispiel: den Dodo, Elefantenvögel, Falklandfüchse, Lavamäuse, Höhlenbären, Guamrallen, Wandertauben, Tarpane, Tasmanische Tiger und andere Arten.

Der Charakter Edo hat mir gezeigt, wie Menschen flammende Reden über die Erhaltung von Tieren halten können, aber doch andere Dinge im Sinn führen können.

Dieser Roman verbindet die Rettung von Tieren mit einem verworrenen Geflecht aus Liebe, Hoffnung und Vertrauen. So entsteht praktisch eine Nebenhandlung auf Menschenebene, die ebenso spannend wie tiefgründig zu lesen ist.

Die Geschichte findet ein relativ offenes Ende, man kann sich seine eigenen Gedanken zum Thema machen.

Ein Spitzenbuch mit Witz, Spannung und Tiefgründigkeit über den Zooalltag, das menschliche Miteinander und die Erhaltung der vielfältigen Arten auf der Erde, die menschliche Spezies inbegriffen!

**INFO:
Das Spitzmaulnashorn auch Schwarzes Nashorn genannt, gilt seit 2013 in freier Wildbahn als ausgestorben. Im Januar diesen Jahres ist im Chester Zoo ein Schwarzes Baby-Nashorn zur Welt gekommen.