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Veröffentlicht am 08.06.2018

Humorvolle Abenteuer von drei agilen 90jährigen, die noch recht viel bewegen können! Tolle Unterhaltung aus Finnland!

Rotwein für drei alte Damen oder Warum starb der junge Koch?
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Die agilen Witwen Siiri, Irma und Anna-Liisa sind über 90 und wohnen in der Seniorenresidenz "Abendhain" in Helsinki. Sie spielen gemeinsam Karten, lieben Rotwein und fahren gern mit der Straßenbahn durch ...

Die agilen Witwen Siiri, Irma und Anna-Liisa sind über 90 und wohnen in der Seniorenresidenz "Abendhain" in Helsinki. Sie spielen gemeinsam Karten, lieben Rotwein und fahren gern mit der Straßenbahn durch die Stadt. Der Tod des jungen Kochs bringt zwielichtige Vorfälle im Heim ans Licht, die die alten Damen auf ihre Art und Weise herausfinden.

Die Autorin zeigt mit ihrer Geschichte die Missstände in Altenheimen auf, wie alte Menschen für dement erklärt und mit Medikamenten ruhig gestellt werden und wie unliebsam das Pflegepersonal teilweise mit den Bewohnern umgeht. Das ist in vielen Heimen traurige Realität und daher ein Grund, es mal in einem Roman deutlich anzuprangern.

Ich habe den Roman gern gelesen, die Charaktere haben mich mit ihrem Humor und ihrer Agilität begeistert und ich empfand einige Situationen sehr realistisch dargestellt.
Besonders Irma hat tolle Sprüche auf Lager und wie sie sich die Fahrtauglichkeitsbescheinigung von ihrer Gynäkologin bescheinigen lässt, ist zu lustig.
Aber auch die anderen munteren Ü90 haben einen tollen Humor und setzen alles in ihrem Alter denkbar Mögliche dran, den Mörder des Kochs zu finden und ihre Freundin Irma aus der Demenzstation zu befreien.

Der Roman lässt sich gut lesen, die Beschreibungen der historischen oder modernen Gebäude und Plätze Helsinkis sind vielfältig und der Erzählstil ist dank der humorvollen Erlebnisse abwechslungsreich.


Gemäß ihres Alters lassen sich die alten Damen nicht verschaukeln und scheuen weder Strafen noch Gefahr.
Selbstbewusst und mit der Weisheit des Alters versehen, stellen sie sich den Problemen der Entmündigung oder dem unliebsamen Altenheimpersonal.
Mir gefällt das Buch gut, die Schwierigkeiten der alten Damen sind gut dargestellt, der Humor ist durchgängig vorhanden und wer Helsinki kennt, findet sicher noch mehr positive Worte.



Dieses Buch hat mir gezeigt, dass man auch im Alter etwas bewirken kann, man muss nur seine Kräfte bündeln und darf nicht alleine dastehen. Denn mit Humor und Freundschaft kann man sich den Lebensmut bewahren und seine Wünsche erfüllen.

Veröffentlicht am 08.06.2018

Humorvolle Zeitreise in die 80er an die Adria!

In der ersten Reihe sieht man Meer
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Alexander Klein will gemeinsam mit Frau Mona, seinen Kindern und den Großeltern einen Familienurlaub an der Adria verbringen. Einen Abend vor der geplanten Reise sieht er sich alte Urlaubsfotos von 1985 ...

Alexander Klein will gemeinsam mit Frau Mona, seinen Kindern und den Großeltern einen Familienurlaub an der Adria verbringen. Einen Abend vor der geplanten Reise sieht er sich alte Urlaubsfotos von 1985 von der Adria an, trinkt dazu das ein oder andere Glas Wein und erinnert sich an seine Erlebnisse. Er schläft ein und versinkt in der Welt der 80er. Leider weckt ihn am Morgen nicht wie gewöhnlich seine Frau, sondern seine Mutter und er ist in seine Zeit als pickeliges 15 Jahre altes Pummel-Ich zurückgekehrt. So geht es ab nach Italien! Oh Mamma Mia!

Auf diesen Roman war ich sehr gespannt, schließlich bin ich bekennender Klufti-Fan und weiß was die Autoren so drauf haben.

Rein optisch kommt das Buch wie ein Fotoalbum gestaltet daher, deutet damit ganz prima die Urlaubsidee an und zeigt im weiteren Verlauf des Buches private Fotos in Schwarz-Weiß aus den echten Urlauben der Autoren. Das verbreitet ein stimmungsvolles Bild, dass ausserdem die Kapitel mit passenden Songtitel aufgepeppt werden. Man wird sofort in eine eigene Zeitreise gebracht, gesetzt den Fall, man hat die 80er Jahre auch schon als Teenie verbracht wie die Autoren. Bei mir haben die Hits ("Azzurro", "Vamos a la Playa", "Sunshine Reggae", "Spaghetti Carbonara", um nur einige meiner Lieblingstitel zu nennen) sofort gezündet und alte Erinnerungen an meine Jugend geweckt.

Doch nun zur eigentlichen Handlung: die Urlaubsreise der Familie Klein im Jahre 1985 an die Adria!
Hier wird mit Klischees nicht gespart. Schon beim Packen geht es los, neben Koffern voller Kleidung wird auch noch das gesamte Putzsortiment für das Ferienhaus eingeladen, Eingekochtes, ein Kohlkopf, deutsche Nahrungsmittel und Tiroler Nussöl mit LSF Nr. 6 ist ebenfalls mit dabei. Nebenbei wird mit dem Nachbarn darüber gewetteifert, wer denn den besseren Urlaub verbringt und endlich geht es vollgeproppt bis unters Dach im Ford Sierra Richtung Italien.

Es ist richtig schön, wie Alex, der reife Mann mit Marketing-Wissen, wieder gefangen ist im Körper eines pubertären Jünglings. Gerade sein Wissen vom Jetzt mit Handy, Euro und aktueller Politik macht ihm "damals" zu schaffen. Wie er mit seiner krebsroten, weil sonnenverbrannten Schwester im geschwisterlichen Clinch liegt ist auch schon allein witzig. Aber auch seine Oma ist ein gelungener Charakter: sie traut der italienischen Küche und den Italiener im Allgemeinen nicht und zeigt sich dann als spielsüchtige eiskalte Zockerin, die auch vor ihren eigenen Enkeln nicht Halt macht und sich Schuldscheine unterschreiben lässt.

Wie die Italiener hier dargestellt werden, lässt auch einige Lacher hören. Wie sie radebrechend reden, ist schon Klischee und Wahrheit in sich. Ihre "Gastefreundeschafte" ist jedenfalls sehr schön und wer Italiener kennt, weiß das.

Das Buch hat mich super unterhalten, ich habe viel gelacht und mich an meine eigene Jugend erinnert. Warum ich einen Stern von 5 abziehe? Die Autoren sind Meister des Krimi-Genres und haben leider verpasst, Erklärungen zu fehlenden Erinnerungen Alex abzugeben. Auch wenn das hier pure Unterhaltung ist, der Ruf eilt ihnen nun mal voraus!

Eine tolle Erinnerung an die Zeit in den 80er Jahren, mit Sommerhits und humorvollen Erlebnissen aus Italien gespickt. Dieser Roman macht Lust auf Urlaub anno 1985!

Veröffentlicht am 08.06.2018

Eine thematische Abhandlung von positiven und negativen Erlebnissen als Kellnerin! Der Humor kam zu kurz!

Are you finished? - No, we are from Norway
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Die Autorin beschreibt ihren Arbeitsalltag in einem Touristenlokal in München. Sie serviert tpische bayrische Kost wie Schweinshaxe, Weißwürstel, Sauerbraten, Knödel und Rotkohl. Dazu stemmt sie schwere ...

Die Autorin beschreibt ihren Arbeitsalltag in einem Touristenlokal in München. Sie serviert tpische bayrische Kost wie Schweinshaxe, Weißwürstel, Sauerbraten, Knödel und Rotkohl. Dazu stemmt sie schwere Bierkrüge und muss stets freundlich, höflich und zuvorkommend sein. Wie ihr die Gäste begegnen, ist recht unterschiedlich, aber dieses Buch gibt einen Überblick über absurde, athentische, lustige und auch ärgerliche Erlebnisse bei ihrer Arbeit.


Dieses Buch wirbt mit der Aussicht auf humorvolle Unterhaltung, ist aber bei näherer Betrachtung eher eine thematisch geordnete Auflistung von positiven und negativen Erlebnissen der Autorin.

Die Kapitel enden jeweils mit einer Top-Five-Liste ( broken English, Dates, Vips und Männer und Frauen) und die Anekdoten sind zwar unterhaltsam, aber doch auch Dauer zu langatmig und nicht so lustig, wie ich es mir vorgestellt hatte.


Der Job als Kellner/-in ist auf alle Fälle ein Knochenjob, der körperlich und sicherlich auch nervlich anstrengend ist. Die Autorin schildert neben den Erfahrungen mit Gästen auch die mit Kollegen, Köchen und Chefs. Man gewinnt einen Einblick in die Arbeit und erkennt schnell, wie zuvorkommende Servicekräfte auf Bemerkungen von Gästen gekonnt eingehen. Sicherlich gibt es bei den Gästen viele schwarze Schafe, die sich unerhört aufführen, aber auch viele nette, die die Arbeit der Bedienungen zu schätzen wissen.

Mich hat es gestört, dass hier im Buch viel über Trinkgelder genörgelt wurde. Es ist selbstverständlich, dass man Beträge aufrundet und die Arbeit damit honoriert, aber zwingend sind die Tipps nicht. Anders ist das in Amerika, dort gibt es ein sehr geringes Grundgehalt und die Angestellten sind auf Trinkgelder angewiesen.

Die Kapitel über Touristenverhalten, typisches Frauen und Männer-Verhalten und über Kinder in Restaurants haben mir gut gefallen. Hier erfährt man auch, dass Japaner immer winken und angeblich kein Trinkgeld geben. Das kann ich so nicht beurteilen, aber warum sollten Touristen im Ausland alle Gegebenheiten kennen? Sie wissen doch sicherlich auch nicht, dass die Brezeln auf den Tischen berechnet werden, anders als das kostenlose Brot in den meisten griechischen, türkischen, spanischen, italienischen Gaststätten in Deutschland.

Insgesamt habe ich nicht so viel Humorvolles gelesen und ich sehe die Hauptaussage des Buches darin, dass man als Servicekraft täglich alle Arten von menschlichem Verhalten vor Augen hat und sich nicht negativ darüber äußern darf, jedenfalls während des Dienstes. Das ist nun einmal der Job! Auch ich habe mal gekellnert, empfand es aber als Arbeit und nicht als Aufgabe, die Menschen psychologisch zu beurteilen.
Ein Einblick in das Alltagsgeschäft einer Kellnerin, der mich nun nicht so ganz mitgerissen hat. Kurzweilige Episoden, aber als ganzes Buch etwas zu viel!

Veröffentlicht am 08.06.2018

Fesselnd bis zum Schluss und literarisch ein Genuss!

Die Prinzessin von Arborio
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Elisabetta Zorzi ist Italienerin und führt erfolgreich in Wien ein eigenes Restaurant. Sie ist attraktiv und die Männer fliegen auf sie, aber sie möchte eigentlich nur ihren Traummann finden und eine Familie ...

Elisabetta Zorzi ist Italienerin und führt erfolgreich in Wien ein eigenes Restaurant. Sie ist attraktiv und die Männer fliegen auf sie, aber sie möchte eigentlich nur ihren Traummann finden und eine Familie gründen. Wie ihre Liebschaften ablaufen bzw. enden, zeigt dieser Roman in einer Mischung aus Krimi und unterhaltender Liebesgeschichte.

Bettina Balàka ist wirklich eine begnadete Autorin. Ihr neuer Roman zeigt eine Frau auf der Suche nach ihrem persönlichen Glück und führt den Leser in eine Welt der Liebe, Gefühle, Psychologie und letztendlich auch hinter Gitter.
Dabei bedient sich die Autorin eines intelligenten Erzählstils, der scheinbar beiläufig beschreibt und in einem eher sachlich wirkenden Tonfall die Handlung begleitet. Die Geschichte nimmt im Verlauf an Brisanz zu und gipfelt in einzelnen spannenden Höhepunkten, die entsetzen, erheitern und überraschen. Gefesselt liest man dem Ende entgegen.

Doch noch einmal von vorn:
Gemeinsam mit dem Polizeipsychologen Arnold Körber geht man auf eine Art Ermittlungsreise und lernt die charmante Zorzi kennen.
Ihr Wunsch nach einer harmonischen Beziehung erfüllt ihr Denken und sie fällt immer auf einen besonderen Typ Mann herein, groß, stark und dominant. Zorzis Gefühl von Himmelhochjauchzen geht einige Zeit lang gut, dann ordnet sie sich der großen Liebe wegen unter, erträgt die Demütigungen scheinbar klaglos und irgendwann beendet sie die Liaison auf ihre eigene Art und Weise.
Dabei ist sie kein männermordender Vamp, eher eine intelligente kleine, verletzlich wirkende Frau, hinter deren hübscher Fassade eine kalte Seele steckt. Ihr ist die Liebe heilig und die Mittel zum Zweck ebenfalls.
Ihre Denkart ist so detailliert beschrieben, dass man Verständnis für Zorzi aufbringt.
So ergeht es auch Körber. Langsam aber sicher verfällt er ihr zunehmend und wie wir im Roman erfahren, nennt man das "Hybristophilie".
Normalerweise befällt die Liebe zu Schwerverbrechern eher Frauen. Aber das Interessante ist in Körbers Fall, dass er auch noch Psychologe ist.

"Wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein." - heißt es auf Seite 201 treffend.

Es entwickelt sich eine Tragikomödie mit schwarzem Humor, die nebenbei eine Menge über Forensik von Meerleichen und Psychologie im Allgemeinen informiert und den Strafvollzug aus nächster Nähe betrachten lässt.

Der Autorin ist ein außergewöhnlicher Roman gelungen, der ein gelungener Mix aus Krimi und Liebesgeschichte ist, Einblicke in die Denkstrukturen einer Serienmörderin gibt und für wunderbare Lesestunden sorgt.

Veröffentlicht am 08.06.2018

Unterhaltsame Lektüre, die in walisische Mythen entführt und ein Familiengeheimnis aufdeckt!

Sturm über dem Meer
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Ein Auftrag führt die Archäologin Dr. Samantha Goodwin an die irische See nach Wales. Sie hofft dort auf Funde, die das vor 2000 Jahren versunkene Königreich Cantre'r Gwaelod nachweisen lassen. Die Legende ...

Ein Auftrag führt die Archäologin Dr. Samantha Goodwin an die irische See nach Wales. Sie hofft dort auf Funde, die das vor 2000 Jahren versunkene Königreich Cantre'r Gwaelod nachweisen lassen. Die Legende darüber fasziniert Sam schon seit ihrer Kindheit, denn im nahegelegenen Fischerdorf Borth lebt Sams Großmutter Gwen. Bei den Untersuchungen entdeckt Sam ein altes Skelett, es gehört ihrem verschollenen Großvater und ein lange gehütetes Geheimnis wird endlich gelüftet. Durch die Nachforschungen begibt sich Sam in Gefahr.


Constanze Wilken liebt Wales und das bringt sie auch in ihrem Roman zum Ausdruck. Stimmungsvoll erzählt sie von alten Mythen und Legenden rund um das versunkene Königreich Cantre'r Gwaelod und zeigt die Kraft und die Gefahr, die hier von der rauen See ausgeht. Man wird unweigerlich Augenzeuge von Stürmen, die einigen Seeleuten und Fischern das Leben gekostet haben.

Die Geschichte spielt in zwei Handlungssträngen, die Nachkriegszeit aus dem Lieben von Sams Großmutter Gwen und die Gegenwart, die Sams Erlebnissen schildert. Dadurch verbinden sich zwei Lebensgeschichten miteinander, die die Frauen mit ihrer gemeinsamen Gabe bei Sturm das geheimnisvolle Glockenläuten von Cantre'r Gwaelod zu hören, noch näher zusammen schweißt. Auch die Liebe der Frauen wird zum Hauptthema, dass beide verbindet.

Es dreht sich in der Handlung um eine Liebesgeschichte, die eigentlich vorhersehbar ist, aber das Geheimnis, das sich um den verstorbenen Großvater rankt, steht im Vordergrund. Doch wer hat hier etwas gegen Sam? Es muss eine Verbindung zwischen dem Leichenfund und der Vergangenheit bestehen.

Die Protagonisten sind sehr anschaulich beschrieben, besonders Gwens Charakter ist hier zu nennen. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Nebenfiguren, die die Geschichte in die Länge ziehen. Denn diese Figuren erscheinen ziemlich blass und wirken farblos. Im Mittelteil zieht sich die Handlung dadurch in die Länge und verliert an Spannung und Interesse.

Die Auflösung klingt zwar logisch, erfolgt aber im Nachhinein und da hatte ich mehr erwartet. Das Motiv des Täters passt so gar nicht zu den Legende und den schwierigen Umständen, die Gwens Leben ausgemacht haben.

Wer sich für Wales interessiert und einem Familiengeheimnis auf die Spur kommen möchte, hat sicherlich an diesem Roman seine Freude. Der Schreibstil der Autorin sorgt für unterhaltende Lesestunden.