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Veröffentlicht am 19.04.2018

Intelligentes Hörbuch

Der Susan-Effekt
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Dieses Buch dreht sich um die Ausnahmefamilie Svendsen, alle sind hochintelligent und zeigen ein Familienleben, das so anders ist als in einer Mainstream-Familie üblich. Selbst die Gespräche mit den 16-jährigen ...

Dieses Buch dreht sich um die Ausnahmefamilie Svendsen, alle sind hochintelligent und zeigen ein Familienleben, das so anders ist als in einer Mainstream-Familie üblich. Selbst die Gespräche mit den 16-jährigen Zwillingen erfolgen auf einem ganz anderen Level. Hier wird mit physikalischen Formeln das Leben beschrieben, selbst für die Liebe gilt für Susan eine wissenschaftliche Erklärung.

Diese abgehobene Position macht die Familie für mich zu einer irrealen Familie, die auch in einem Science Fiction Film spielen könnte. Daher kam ich zu den einzelnen Personen auch keine Beziehung aufbauen.

Auch Susans Ehemann, Laban Svendsen, hat dieses besondere Talent. Gemeinsam verstärkt sich durch ihre Verbindung der "Effekt". Was im Alltag auch ein Fluch sein kann, wird der Familie ein Rettungsanker, indem sie für einen hohen Politiker ein geheimes Protokoll der Zukunftskommission beschaffen soll. Im Gegenzug wird die Familie von verübten Verbrechen während eines Aufenthaltes in Indien rehabilitiert.
Es gestaltet sich gefährlich und schwierig und Susan erscheint als eine Art weiblicher James Bond. Die gesamte Familie steht vor Mordversuchen und man fragt sich, was an dieser Kommission so brisant sein könnte. Was Susan beim Ermitteln herausfindet, ist ein Geflecht aus weltweiten politischen Intrigen, Einflussnahme und Machtdenken und finanziellen Gründen. Was zunächst fiktiv erscheint, wird immer mehr real und existent in unserer globalen Existenz.

Peter Høeg stellt in diesem Roman die Frage, wozu die Wissenschaft fähig ist und was sie erreichen darf, auch welche Grenzen sie nicht überschreiten darf. Sein sprachliches Talent macht aus diesen Themen einen spannenden Roman, der mit einigen physikalischen Erklärungen überrascht. Genauso wie seine speziellen Ausnahmecharaktere.
Dabei löst er zum Ende zwar die Verschwörung auf, die Situation der Familie klärt sich jedoch nicht völlig auf.

Dieses Buch ist meisterhaft geschrieben, ich hatte aber so meine Schwierigkeiten mit dem Verständnis der Zusammenhänge. Auch die wissenschaftlichen Erklärungen sind nicht mein Interessengebiet, ich habe ihnen dennoch interessiert gelauscht.
Bei der Hörbuchversion hatte ich Probleme, die Personen richtig einzuordnen. Auch wenn die Sprecherin hier einen hervorragenden Job macht. Ihr ruhiger, voller Stimmklang ist angenehm zu hören und bringt ein gefälliges Hörerlebnis mit sich.


Wer sich auf ein etwas schwieriges Buch einstellen möchte, dem kann ich zu diesem Wissenschaftsthriller mit Zukunftsvisionen raten. Sprachlich ist es ein Genuss!

Veröffentlicht am 19.04.2018

Eine Frau geht ihren Weg

Die Frau, die allen davonrannte
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Aganetha ist ein einzigartiger Charakter, sie erzählt aus ihrer bewegten Vergangenheit, von ihrer Familie, ihrem Kampfgeist und ihrem Verzicht für die Läuferkarriere. Wenn man sie als alten Menschen kennen ...

Aganetha ist ein einzigartiger Charakter, sie erzählt aus ihrer bewegten Vergangenheit, von ihrer Familie, ihrem Kampfgeist und ihrem Verzicht für die Läuferkarriere. Wenn man sie als alten Menschen kennen lernt, erkennt man, wie sie durch ihr Leben geprägt wurde. Man erlebt mit ihr die emotionalen Höhen und Tiefen ihrer Läuferkarriere fast real mit und ist neugierig, wie ihr Leben sich weiter entwickelt.

Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil, der die Gefühle der Protagonisten so authentisch einfängt, dass ich begeistert gelesen habe.
Es zeigt die traditonellen Zwängen unterworfene Rolle der Frau in den letzten 100 Jahren, in denen sich Frauen selbst im Sport erst etablieren mussten, um anerkannt zu werden. Die Geschichte baut dabei auf der ersten Olympiade mit weiblichen Teilnehmerinnen in den Leichtathletikdisziplinen 1928 in Amsterdam auf. Aganetha ist allerdings eine fiktive Figur. Doch dank ihr wird anschaulich gemacht, welchen Kampfgeist und welch hartes Leben diese Karriere erforderte.

Neben der interessanten Lebensgeschichte hat mich der Schreibstil mitgerissen und auch inhaltlich wurde ich nicht enttäuscht. Wie sich hier Spannung entwickelt, die vielen Figuren zu leben beginnen und es dann noch eine große Überraschung am Ende gibt, ist schon für ein Debüt meisterlich!

Man muss sich diesem Buch schon intensiv widmen, sonst sind die zeitlichen Sprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart nicht nachvollziehbar. Gerade diese Zeitwechsel geben dem Buch seinen dynamischen Fluss. Hier geht es um die Freundschaft, Familie, Erfolg und den Tod. Davon kann Aganetha viel erzählen, denn ihr langes Leben ist geprägt vom Abschied von geliebten Menschen und ihren Opfern für sportlichen Erfolg.

Was aber am meisten berührt, steht mehr oder weniger zwischen den Zeilen. Es ist das Vergessen, wie man die eigene Vergangenheit verdrängt, aber auch von der Nachwelt vergessen wird. Das gibt der Geschichte einen melancholischen Anklang.

Mir erschien dieser Charakter der Aggie sehr lebendig und der Autorin ist es gelungen, ihn so in die Handlung und den geschichtlichen Hintergrund einzubauen, dass es ein stimmiges Ganzes ergibt. Man glaubt, die echte erste Goldmedaillen-Gewinnerin vor sich zu haben.

Eine interessante Figur, die das Rollenbild der Frau im Sport zeigt, aber auch die familiären Zwänge deutlich macht.


Dieses Buch nimmt den Leser mit auf eine Reise und zeigt eine Frau, die ihren Weg geht, egal welche Schwierigkeiten sich ihr in den Weg stellen.

Veröffentlicht am 19.04.2018

Mal ein ganz anderes Diebesgut in diesem spannenden Krimi vom Wörthersee!

Wörthersee mortale
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Dies ist mein erster Fall des Privatdetektivs, das Fehlen des ersten Buches macht sich bei der Lektüre aber nicht bemerkbar. Ich war schnell in der Handlung und von der wilden Verfolgungsjagd rund um den ...

Dies ist mein erster Fall des Privatdetektivs, das Fehlen des ersten Buches macht sich bei der Lektüre aber nicht bemerkbar. Ich war schnell in der Handlung und von der wilden Verfolgungsjagd rund um den Wörthersee gefangen.

Nach einer Einführung der Charaktere und deren Umfeld, geht es spannungsmäßig stetig vorwärts. Es entwickelt sich ein Wettrennen zwischen dem Kriminellen Guido Raunjak, der durch seine Gefängniszeit nur noch skrupeloser wurde, und Sablatnik, der die nötigen Informationen polizeilicher Quelle durch seine Schwester erhält. Sie ist es auch, die ihm bei seinen riskanten Einsätzen personelle Unterstützung schickt. Doch meistens gelingt Sablatnik der Alleingang, auch wenn er in gefährliche Situationen gerät, die nicht ganz ohne sind. Das gemeinsame Ziel ist die verschwundene Beute, eine unglaublich wertvolle Kiste Zigarren mit original Fidel Castro Konterfei auf der Banderole, deren Verschwinden auch die Versicherung aus finanzieller Sicht interessiert. Heinz Sablatnik möchte sich die Bonuszahlung, die sich an dem horrenden Wert der Zigarren orientiert, nicht entgehen lassen. Denn er ist knapp bei Kasse und ein regelmäßiges Einkommen ist in seinem Job selten.

Man bekommt in diesem Krimi einen Einblick in die mondäne Welt der Reichen, die aus Geltungssucht sogar in "alte" Zigarren investieren. Der Besitz von Raritäten gibt ihnen einen gewissen Kick, der im alltäglichen Leben scheinbar fehlt.

Heinz besucht die High Society des Wörthersees bei der Fête Blanche, steigt in eine Villa ein und erforscht eine alte Werft. immer mit der Gefahr des Kriminellen Raunjaks im Nacken. Dank seines Spürsinns, findet er nach und nach die nötigen Hinweise auf den Verbleib der Zigarren.
Ich wurde gut unterhalten und einzig die Tatsache, dass hier Polizei und Detektiv zusammen arbeiten erschien mir unüblich, aber durchaus denkbar. Wo die gesetzliche Ermittlung unmöglich wurde, musste Heinz mit kleinkrimineller Art und Weise nachhelfen.
Am Ende bekommt jeder was er verdient oder auch nicht. Das kommt ganz auf die Sichtweise an.

Ein unterhaltsamer und spannender Krimi vom Wörthersee über eine merkwürdige Beute!

Veröffentlicht am 19.04.2018

Mitreißender Thriller, der unter die Haut geht und sich zum Pageturner entwickelt!

Those Girls – Was dich nicht tötet
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Dieser Thriller dreht sich um Misshandlung von Frauen, er zeigt deren Verzweiflung und gegenseitige Hilfestellung und wie aus friedlichen Frauen durch fremde Gewalt auch starke Personen werden, die ebenfalls ...

Dieser Thriller dreht sich um Misshandlung von Frauen, er zeigt deren Verzweiflung und gegenseitige Hilfestellung und wie aus friedlichen Frauen durch fremde Gewalt auch starke Personen werden, die ebenfalls Gewalt anwenden können. Ihre gegenseitige schwesterliche Verbundenheit ist ein undurchtrennbares Band, das gemeinsam erlittene Leid schweißt sie auf immer zusammen. Diese Verbindung macht sie stark.

Bei Chevy Stevens gefällt mir der angenehme, flüssige Schreibstil und ihre genaue, perfekte Darstellung von Emotionen. In diesem Fall natürlich hauptsächlich von Angst, Hilflosigkeit und Verzweiflung. aber ebenfalls von schwesterlicher Liebe, die auch auf die Nichte Skylar übergeht. Gerade die überwältigenden Muttergefühle nach einer Geburt hat sie fantastisch beschrieben.

An diesem Buch hat mich begeistert, wie die Figuren unterschiedlich mit ihren Ängsten umgehen und wie deren Emotionen geschildert werden. Es geschieht so authentisch und packend, dass man sich wie eine von ihnen fühlt und das macht dieses Buch zu einem Pageturner.

Die Handlung verteilt sich auf drei Abschnitte, in der die Schwestern und Nichte umschichtig erzählen. Es beginnt in der Vergangenheit mit ihrem brutalen Vater, zeigt dann über das erlittende Martyrium mit zwei Männern und geht letzten Endes in einen Rachezug über, der in weitere Angst und Schrecken führt. Man hat kaum Zeit, um zu verschnaufen und die Angst ist allgegenwärtig.


Dieses Buch zeigt zwar brutale Übergriffe, aber die Geschehnisse werden nicht "blutig" im Detail beschrieben. Dennoch sind die Vorgänge so eindringlich genau, die emotionale Anspannung ist so spürbar real, dass man mit den Protagonistinnen gemeinsam mitleidet.

Der Spannungsbogen ist stetig ansteigend, es gibt allerdings einige Längen, die in der inhaltlichen Beschreibung begründet sind.
Was mich etwas gestört hat, ist der häufige Umgang mit Waffen. Das spiegelt ein typisches Bild der amerikanischen Gesellschaft wider, wo in den meisten Haushalten wie selbstverständlich Waffen zu finden sind. Wer eine Waffe besitzt, gerät aber eher in Versuchung, sie auch zu benutzen.
Ebenso empfand ich die anfängliche Flucht fragwürdig, denn die Tat war unter den gegebenen Umstände absolute Notwehr. Sicherlich gerieten die Mädchen in Panik, aber die authentische rechtliche Situation sollte schon dargestellt werden.



"Those Girls" ist ein mitreißender Thriller, der die Gefühle der Figuren hautnah miterleben lässt und sich zum Pageturner entwickelt!

Veröffentlicht am 19.04.2018

Dieser historische Krimi ist fesselnd, informativ und wunderbar geschrieben.

Der Todesengel von London
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Dies ist mein erster Krimi aus der Feder dieser erfolgreichen Autorin. Es handelt sich beim 21. Band um Inspektor William Monk.
In diesem Fall ist seine Frau Hester bei ihrer Arbeit als Krankenschwester ...

Dies ist mein erster Krimi aus der Feder dieser erfolgreichen Autorin. Es handelt sich beim 21. Band um Inspektor William Monk.
In diesem Fall ist seine Frau Hester bei ihrer Arbeit als Krankenschwester auf eine unfreiwillige Blutentnahme bei Kindern gestossen. Scheinbar ist das Leben der Kinder egal, es gilt nur ihr Blut, das für eine Art Experiment benötigt wird. Es wird einem an Leukämie erkrankten reichen Mann übertragen. Als Hester den Chemiker, der die Behandlung durchführt, auf den schlechten Zustand der Kinder anspricht, wird sie kurzerhand mit den Kindern in ein Privathaus entführt.

Wir reisen in das viktorianische England, in die Zeit der Regentschaft Königin Victorias (1837 bis 1901).
Es ist eine Zeitspanne, in der es durch Missernten zu Hungersnöten kam, die aufkommende Industrialisierung finanziellen Aufschwung versprach und kolonialer Wettberwerb mit Frankreich und dem Deutschen Reich herrschte.

Die umfangreichen Beschreibungen der damaligen medizinischen Zustände, die gesellschaftlichen Zustände zwischen Arm und Reich und der Erzählstil zeichnen wunderbar ein Bild von dieser Zeitepoche. Ich fühlte mich authentisch zurückversetzt und erlebte, welche medizinischen Möglichkeiten von heute, den Menschen damals noch nicht erschlossen waren.

Doch die Menschen waren genau wie heute. Es gab Egoisten, die ihr Leben auf Kosten von anderen Menschen retten wollten, fanatische Wissenschaftler, die um jeden Preis neue medizinische Wege einschlugen und hilfsbereite Menschen, die jedes einzelne Menschenleben achteten. Mir hat die Vielfalt dieser Charaktere gut gefallen. Es ist natürlich Hester und ihr Mann William, die polarisieren, aber auch ein paar andere liebenswerte Figuren passen sehr gut in die Handlung.

Die Spannung hält Einzug, als Hester entführt wird. Man bangt um ihr Leben und das der Kinder. Es geht im weiteren Verlauf aber auch um die Gerichtsverhandlung, in der die Schuldigen für bestimmte Morde gesucht werden. Hier zieht sich meiner Meinung nach die Handlung etwas in die Länge.

Mich hat dieser Krimi vor seinem historischen Hintergrund gut unterhalten und der sprachlich gewandte Stil der Autorin gefällt mir gut. Wer gern historische Krimis liest, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt.