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Veröffentlicht am 28.12.2017

Dieser Roman im lockeren Plauderton wird seinem Hype nicht gerecht!

Die Geschichte eines neuen Namens
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Soweit hat der Klappentext mich schnell überzeugt und mein Interesse für dieses Buch geweckt. Der bestehende Hype war in Leserkreisen allgegenwärtig und die Leserwelt fieberte auf die Fortsetzung der
neapolitanischen ...

Soweit hat der Klappentext mich schnell überzeugt und mein Interesse für dieses Buch geweckt. Der bestehende Hype war in Leserkreisen allgegenwärtig und die Leserwelt fieberte auf die Fortsetzung der
neapolitanischen Familiensaga hin. Ich wollte endlich mitreden und mitfiebern können.

Was soll ich sagen? Nicht jeder Hype ist auch gerechtfertigt und trifft den guten Geschmack.

Jedenfalls hat mich die Weitererzählung der Geschichte von Elena und Lila und ihrer besonderen Freundschaft nicht groß berührt und mitgerissen.

Der Roman zeigt das Neapel der Sechziger Jahre, es herrscht Armut im Wohnviertel Rione. Dieser Armut gilt es zu entkommen, entweder durch Leistung und Erfolg oder aber, wie für Frauen in dieser Zeit üblich,
durch eine Heirat in bessere Lebensbedingungen.



Lila jedenfalls heiratet mit 16 Jahren. Zwar bedeutet das einen gesellschaftlichen Aufstieg, aber schnell erkennt sie den wahren Charakter ihres Mannes. Er vergewaltigt sie noch in der Hochzeitsnacht und verlangt von ihr unbedingten Gehorsam. Ihr weiteres Leben sieht für Lila eine unterwürfige Rolle im Goldenen Käfig vor.

Elena wählt den Bildungsweg und bekommt ein Stipendium für ein Studium in Pisa. Mit viel Lerneifer und Durchhaltevermögen schließt sie ihr Studium mit Auszeichnung ab. Ihre wahre Liebe gehört ihrem Roman, an den sie nebenher schreibt. Er wird später sogar verlegt.

Die beiden jungen Frauen sind durch ein Freundschaftsband miteinander eng verbunden, allerdings wird man das Gefühl eines merkwürdigen
Konkurrenzverhaltens nicht los.

Glück und Unglück verschwimmen in ihren Erlebnissen und die Autorin vermag es, das gesellschaftliche Rollenverständnis der Frau in dieser
Zeit und in dieser autoritären Männerwelt deutlich zu machen. Das war es aber dann auch schon. Dabei gibt es vielfältige Themen im Buch, die Interesse wecken können: Feminismus und Unabhängigkeit der Frau,
Erwachsenwerden, Bildung und Literatur. Diese Fülle von Grundlagen für einen interessanten Roman sind durchaus vorhanden, leider gehen sie in diesem literarischen Wörterdschungel unter.

Was mich jedoch an diesem Roman, der im lockeren Plauderton vor sich hin plätschert, so unheimlich stört, ist die Tatsache, das hier viele überflüssige Einzelheiten die Geschichte unnötig in die Länge ziehen.
Viele unbedeutende Belanglosigkeiten erschweren den Lesefluss unnötig und die Geschichte wird immer mehr zu einer banalen Plauderstunde.



Mir erscheint das Buch als eine pure Aneinanderreihung von Gefühlslagen und nichtigen Begebenheiten, die sich aus der Selbstfindung der beiden Protagonistinnen heraus entwickelt. Zugegeben sind die Bedingungen der Zeit entsprechend nicht einfach, aber so wahnsinnig interessant und
bahnbrechend neuartig ist es für mich nicht. Leider konnte auch das Ende nicht überzeugen und meine Meinung vom Buch verbessern.


Von mir gibt es für dieses Buch keine Empfehlung. Den dazugehörigen Hype kann ich nicht nachvollziehen.

Veröffentlicht am 28.12.2017

Ausmalfreude und Entspannung ganz ohne Schwarzmalerei

Zencolor. Black Edition. Coloring-Book
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Entdecken Sie Ihre dunkle Seite. beim Ausmalen! Dieses Ausmalbuch
bietet Ihnen verschiedene geometrische Motive und Mandalas, die durch schwarz veredelte Seiten eine besondere Optik erhalten. Die vielfältigen ...

Entdecken Sie Ihre dunkle Seite. beim Ausmalen! Dieses Ausmalbuch
bietet Ihnen verschiedene geometrische Motive und Mandalas, die durch schwarz veredelte Seiten eine besondere Optik erhalten. Die vielfältigen meditativen Bilder regen die Fantasie an und lassen Sie die täglichen Sorgen vergessen. Suchen Sie sich aus den detailverliebten und handgezeichneten Motiven das aus, welches Sie am meisten anspricht, und malen Sie los!

Ausmalen soll beruhigen, für Ausgeglichenheit sorgen und die Konzentration stärken. Also perfekt, um dem Alltag zu entfliehen und abzuschalten.

Den Anfang macht ein kurzes Bildtutorial zur Verblendung und zum Farbauftrag mit Buntstiften, außerdem wird die Farbwirkung von kalten und warmen Farben näher erklärt. Diese kurze Einführung finde ich sehr praktisch und sie bringt auch Anfängern die Farbwirkung anschaulich näher.


Die meisten Motive sind grafisch, sie beginnen zentrisch und man kann sich von der Mitte nach außen malen. Dabei gibt es verschiedene Muster mit mal mehr, mal weniger vielen Ausmalflächen. Dabei gibt es filigrane und recht schwierige Muster, aber auch welche mit größeren Flächen und somit für jede Schwierigkeit das richtige Motiv. Die gegenüberliegenden Seiten enthalten ein immer wiederkehrendes schwarzes Bild mit grauen Linien.

Das Malbuch hat ungefähr ein DIN A4 Format, enthält 32 Ausmalseiten und ist für 4,99€ ein günstiges Buch in glatter, fester und dennoch flexibler Papierqualität.
Dieses Weihnachtsgeschenk musste ich auch gleich ausprobieren und habe mich gleich an einem Bild versucht. Der Kontrast von Farbe und Schwarz gefällt mir gut, also war ich gleich motiviert.
Die Farbwahl ist das Entscheidende für die Motive, hier ist die eigene Kreativität gefordert und das Ergebnis sorgt bei mir für innere Zufriedenheit.

Je nach Geschmack entscheidet man sich für eine Vorlage und beginnt zu malen. Hierbei sind viele Arten von Stiften einsetzbar. Das Papier ist gut zu bemalen und es drückt sich auch nichts auf die schwarze Rückseite durch. Ich habe Buntstifte benutzt und finde das Ergebnis sehr schön.

Um die Bilder herum befindet sich ein Rahmen in Weiß. Unter Black Edition hatte ich etwas anderes verstanden.
Ich hätte es schön gefunden, wenn diese Rahmen schon schwarz eingefärbt gewesen wären. So im Sinne eines Passepartouts. Denn selbst mit einem weichen Bleistift ist ein gänzliches Schwärzen nicht gut machbar und auch sehr nervig, also gar nicht im Sinne der malenden Entspannung machbar.

Insgesamt gefällt mir dieses Malbuch sehr gut, die Preis-Leistung ist ausgezeichnet und es ist als Einsteigermodell sehr zu empfehlen.
Mit dem Ausmalen werden keine künstlerischen Fähigkeiten abverlangt und daher kann man hier mit Spaß und Farbkreativität ans Werk gehen. 32 Motive machen Lust auf die entspannende Beschäftigung. Viel Spaß beim Ausmalen!

Veröffentlicht am 28.12.2017

umorvoll, zeitkritisch und mit russischem Akzent wunderbar stimmig vorgetragen.

Meine Mutter, ihre Katze und der Staubsauger
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Die neusten Geschichten von Wladimir Kaminer drehen sich hauptsächlich
um seine Mutter, die seit circa 30 Jahren in Rente ist, aber sich noch
lange im Ruhestand befindet. Ihre Neugier lässt sie aktiv und ...

Die neusten Geschichten von Wladimir Kaminer drehen sich hauptsächlich
um seine Mutter, die seit circa 30 Jahren in Rente ist, aber sich noch
lange im Ruhestand befindet. Ihre Neugier lässt sie aktiv und umtriebig
leben und von ihren Erlebnissen erfährt man in diesem Hörbuch so
allerhand, aber auch von der russischen Politik und Kultur.

Wladimir Kaminers Mutter wohnt mit ihrem Sohn und seiner Familie im
gleichen Haus und nimmt trotz ihrer 84 Jahre noch immer aktiv am Leben
teil. Im Hörbuch geht es um Alltägliches, um Ansichten und Erfahrungen,
aber auch um Erinnerungen an die russische Heimat der Seniorin. Dabei
kommt natürlich auch die Sichtweise von Wladimir nicht zu kurz. Er fügt
den Stories über seine Mutter stets seine eigenen Anmerkungen bei, die
gesellschaftskritisch und aktuell sind oder auch die russische Politik
aus der Vergangenheit betreffen. Beide Kaminers sehen scheinbar die Welt
immer noch durch eine russische Brille. Dabei leben sie schon sehr
lange in Deutschland.

Zuerst erfährt man den Grund für die Englisch-Kurse Frau Kaminers in
der VHS. Dank ihrer Verehrung von John F. Kennedy lernt sie seit Jahren
die englische Sprache. Wie gut sie die Sprache beherrscht, ist dabei
wohl unerheblich, denn ihre erste Reise nach Großbritannien kommt dank
Einreiseproblemen nicht zustande.

Weiterhin geht es um ihre Vorliebe für ihren Roboter-Staubsauger, wir
erfahren dank eines alten Familienrezepts einiges über die politische
Situation zwischen den russischen Staaten und auch die Ausflüge mit den
Oma-Freundinnen bringen erheiternde Einblicke in das Leben von Mutter
Kaminer.

Dieser scheinbar offene Blick auf die Familie, aber auch die Einblicke in die russische Gesellschaft sind nicht nur sehr unterhaltsam, sie erweitern das Verständnis für die politische Situation Russlands beim Hörer.


Ich habe neben den Informationen, der Kritik an russischen Politikern
und dem aktuellen Bezug auf syrische Flüchtlinge auch eine sehr
vergnügliche Zeit beim Hören gehabt. Denn wie immer wird alles mit einem
Augenzwinkern erzählt und Kaminer zeigt auf die ihm eigene witzige und
charmante Art eine philosophische Betrachtung seiner Welt. Wie immer
kommt natürlich die russische Heimat vordergründig vor, aber auch eine
spezielle Logik, mit der er seine Mutter vorstellt. Dies und sein
russischer Akzent machen dieses Hörbuch zu einer interessanten
Unterhaltung, die man nicht so schnell wieder vergisst.

Mir persönlich hat die Geschichte "Kochen für den Frieden", die Aufforderung der Krankenkasse zur Organspende und die Oma-Freundschaften der Mutter am besten gefallen. Hier geht es um Politik, falsch verstandene Post und das Altern an sich.



Für vergnügliche Stunden kommt diese Audio CD auf jeden Fall in Frage. Für Kaminer-Fans ein absolutes Muss!

Veröffentlicht am 28.12.2017

Gut recherchiert, spannend und bringt den Zeitgeist dem Leser authentisch nahe!

Tod am Nord-Ostseekanal
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Diesem historischer Krimi merkt man die ausgiebige Recherche der Autorin an. Anja Marschall versetzt den Leser wie bei einer Zeitreise mitten in diese Epoche und alles wirkt sehr authentisch und lebensnah ...

Diesem historischer Krimi merkt man die ausgiebige Recherche der Autorin an. Anja Marschall versetzt den Leser wie bei einer Zeitreise mitten in diese Epoche und alles wirkt sehr authentisch und lebensnah geschildert. Man bekommt ein Bild dieser Zeit präsentiert. Es gab noch kaum Autos, die Menschen waren überwiegend arm, mussten körperlich schwer arbeiten und hatten schlechte Arbeitsbedingungen und die noch unemanzipierte Rolle der Frau zeigt sich in einigen Schicksalen sehr deutlich. Diese Zustände haben mich sehr berührt und auch die Ermittlungen liefen unter ganz anderen Bedingungen ab, als man sie von zeitgenössischen Krimis her kennt.
Was mir auch gut gefällt, ist die Einleitung jedes Kapitels mit passenden Auszügen aus der Kieler Zeitung oder der Kanalzeitung von 1894.

Der einnehmende flüssige Schreibstil der Autorin und ihre sehr bildhaften Beschreibungen von schäbigen Lebensbedingungen, gigantischer Baustelle, Dreck und armen Leuten verleihen diesem Krimi seinen ganz besonderen Reiz. Was sich hier vor dem inneren Auge aufbaut, ist schon großes Kino!

Aber auch die Charaktere sind treffend gezeichnet. Der Krimiheld Hauke ist ein intelligenter, grundehrlicher und sympathischer Mann, der sich weder vor der Obrigkeit verbiegt noch sich unterkriegen lässt. Besonders sein Wissen bei der Leichenschau ist beeindruckend und macht die technischen Raffinessen von heute mehr als wett. Auch sein Helfer Karl ist clever und sehr verlässlich. Die Jennings Schwestern sind von dem Wunsch nach Verheiratung durch den Vater abhängig, von Liebesheirat keine Spur. Die eine ist intrigant und die andere eine unscheinbare, zurückgezogene Frau. Besonders gefällt mir die Vermieterin von Hauke. Sie hat ein Herz aus Gold.


Die zeitgemäße Handlung ist spannend aufgezogen, die kurzen Kapitel lassen das Buch schnell lesen und stets versucht man zu verstehen, wie alles zusammen hängt und wer hinter der Sabotage stecken könnte. Die Fährten führen erst am Ende zu einer Lösung, die sachlich logisch und auch überraschend aufklärt.

Im Bucheinband finden sich historische Karten, die die Orientierung heutiger Leser einfach machen. Das größte Lob gehört der Autorin dafür, wie perfekt sie die damaligen Lebensbedingungen hier im Buch eingefangen hat.


Historischer Krimi, der dank umfangreicher Recherche realistisch
genau die Lebensbedingungen der Zeit einfängt und mit fesselnden Ermittlungen punktet. Besser kann ein Krimi nicht geschrieben sein.

Veröffentlicht am 28.12.2017

Leider keine echte Gaudi auf der Hütten! Das kann Nicola Förg besser!

Hüttengaudi
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Wie für Nicola Förg üblich, geht es auch in diesem Krimi unter Verwendung von Mundart um Lokalpolitik und sie lässt auch hier wieder Informationen einfließen, die den Leser aufklären und unterhalten sollen.
So ...

Wie für Nicola Förg üblich, geht es auch in diesem Krimi unter Verwendung von Mundart um Lokalpolitik und sie lässt auch hier wieder Informationen einfließen, die den Leser aufklären und unterhalten sollen.
So bringt sie z. B. den Begriff des Stroafns ins Spiel. Dort werden gefällte Holzstämme mit Pferdekraft aus dem Wald gezogen, die Beschädigung des Bodens ist viel geringer als bei der Verwendung von Motorkraft.

Interessant finde ich auch die Erklärung zu den Dexter Kühen und über die allergische Reaktion auf den Riesen-Bärenklau.

Gerade wegen der eingestreuten Infos lese ich Förgs Bücher besonders gerne.

Die Krimihandlung lässt allerdings bei Hüttengaudi eine grundlegende Spannung vermissen. Nur allzu schleppend entwickelt sich der Plot, die Charaktere und deren Darstellung stehen hier eher im Fokus. So wird Irmis Ex-Ehe näher beleuchtet, bei der ihr Ex Martin nicht gut wegkommt.
Allgemein stehen hier die Frauen ihren "Mann", sind starke Persönlichkeiten und werden nur vorteilhaft dargestellt. Die Männerwelt kommt in diesem Band eher schlecht davon.


Auch wenn ich das kriminalistische Frauenduo Irmi und Kathi gern verfolgt haben, hat mich die Ermittlungsarbeit nicht mitgerissen. Lange ist unklar, worin der verbindende Faktor der beiden Getöteten liegt. Es ging irgendwie nicht richtig voran bei der Aufklärung, während sich am Ende die Motive fast schon überschlagen.

Dass Irmi als Kommissarin überhaupt diesen Fall übernehmen darf, erscheint mir auch völlig unlogisch. Hier muss man eigentlich ihre Befangenheit annehmen.


Insgesamt hat mir der Lokalkolorit durch die Darstellung der Schauplätze gut gefallen. Beim Dialekt habe ich Verständnisprobleme gehabt und auch
der Spannungsbogen verlief ohne großen Höhen.


Dieser Krimi lebt vom Lokalkolorit, seinen informativen Inhalten und dem Frauenduo Irmi und Kathi. Mein Favorit dieser Reihe ist eindeutig Fall Nr. 7 "Das stille Gift".