Profilbild von sommerlese

sommerlese

Lesejury Star
offline

sommerlese ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit sommerlese über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.12.2017

Interessante Pilgerreise

Die Dienstagsfrauen
0

Estelle rollte die Augen: "Gottesanbeterin? Typisch Jakobsweg. Hier sind sogar die Insekten katholisch." Zitat Seite 67

In diesem kurzweiliger Roman, geht es um Selbsterkenntnis und die Freundschaft von ...

Estelle rollte die Augen: "Gottesanbeterin? Typisch Jakobsweg. Hier sind sogar die Insekten katholisch." Zitat Seite 67

In diesem kurzweiliger Roman, geht es um Selbsterkenntnis und die Freundschaft von fünf Frauen, die bei der anstrengenden Pilgertour hart auf die Probe gestellt wird. Dabei wird gerade die spezielle Entwicklung und die verschiedenen Charaktere der Frauen gelungen in den Vordergrund gerückt.

Der Inhalt ist recht trivial, aber die Personen sind so real wie im echten Leben. Dadurch gewinnt der Roman nicht an Tiefe, aber er berührt und man denkt über Sinn und Wirkung einer Pilgerreise nach.

Caroline ist die erfolgreiche Anwältin, bei der scheinbar alles gelingt: Ehe, Beruf und Selbstfindung.

Estelle ist reich, liebt exclusive Dinge, hat eine spitze Zunge, aber auch einen unvergleichlichen Humor.

Eva ist ausgebildete Ärztin, wurde dann aber Hausfrau und Mutter von vier Kindern und sozusagen Hotel Mama auch für ihren Mann. Kiki ist die
junggebliebende Singlefrau, die für einen Hungerlohn in einem Designerbüro arbeitet und ständig neue Partner hat.

Bleibt noch Judith, die sich sehr auf sich konzentriert, überempfindlich ist und gerade ihren Mann Arne an Krebs verloren hat.

Schnell wird deutlich, dass Arne seinem Tagebuch ein Geheimnis anvertraut hat, dass die Beziehung der Freundinnen auch aufwirbeln wird. Zu den Strapazen des Pilgerns kommen die persönlichen Probleme der
Frauen, die ihnen in ihrer Situation der Abgeschiedenheit und Besinnung auf sich selbst in den Kopf kommen.

Monika Peetz ist Drehbuchautorin und auch von diesem Buch wurde ein Fernsehfilm gedreht.
Mir hat ihr angenehmer Schreibstil gut gefallen, das Buch liest sich stimmig und ich habe es an einem Tag gelesen.

In diesem Roman wird gezeigt, wie schnell Freundinnen anders reagieren, wenn ihre heile Welt mal von aussen betrachtet wird und die gewohnte Umgebung und der normale Alltag fern ist.

Auch wenn man denkt, hier einen scheinbar leichten, fast trivialen Roman vorzufinden, hat mich die Intention dahinter doch sehr berührt.

Es geht um gegenseitiges Vertrauen und um Selbstreflektion. Hat sich das Leben der Frauen so entwickelt, wie sie es sich vorgestellt haben? Was sich hier im Buch offenbahrt, muss als Folge auch verarbeitet
werden, und das ist das Spannende daran. Welche Folgen bringen Arnes Geheimnisse und wie gehen die Frauen damit um?

Trotz des leichten Plaudertons geht es hier um Fragen, die das menschliche Leben betreffen. Ein wenig amüsante Bemerkungen sorgen für Lockerheit, aber die grundsätzlichen Fragen, die Menschen beim Pilgern umtreiben, werden auch gut dargestellt.

Eine interessante Betrachtung einer Pilgerreise, die auch zum eigenen Selbstverständnis beitragen kann.

Veröffentlicht am 30.12.2017

Eine kurzweilige Urlaubslektüre

Kurschatten
0

Mamma Carlotta ist eine typische Italienerin, entsprechend quirlig ist
ihr Temperament. Wie sie mit den ruheliebenden Friesen doch immer wieder aneinander gerät, sorgt für amüsante Begegnungen.

Carlotta ...

Mamma Carlotta ist eine typische Italienerin, entsprechend quirlig ist
ihr Temperament. Wie sie mit den ruheliebenden Friesen doch immer wieder aneinander gerät, sorgt für amüsante Begegnungen.

Carlotta lebt und kocht für ihre Familia. Mit ihren köstlichen Antipasti
und anderen Kulinarien verwöhnt sie ihre Lieben und auch alle Gäste, die so eintrudeln. Denn sie pflegt eine offene Gastfreundschaft, die der Geschichte einen entsprechenden Wohlfühlcharakter verleiht. Man wünscht sich direkt, selbst dort zu Gast sein zu dürfen.

Sie steckt mal wieder mittendrin in den Ermittlungen, aber natürlich nur rein zufällig. So hat sie schnell wieder die Nase im vorliegenden
Mordfall und wie so häufig, den richtigen Riecher. Nach und nach
geschehen weitere Mordfälle, die irgendwie mit Corinna Matteuer zusammen hängen.

Es ist mal wieder ein Vergnügen, wie sich Mama Carlotta in die Belange der Polizei einmischt. Das ist auch gut so, denn ihr Schwiegersohn Erik hinkt ihr mit seinen Ermittlungserfolgen stets hinterher.

In der Krimihandlung hat sich für mich früh etwas abgezeichnet, das auf den wahren Täter hinweist, auch die Morde sind in der Menge etwas übertrieben. Das hat aber der unterhaltsamen Geschichte keinen Abbruch getan und ich wurde am Ende nur in meiner Vermutung bestätigt.

Das Ende zeigt eine schnelle Aufklärung durch Erik, der ja mal wieder nicht als hellster Stern am Kommissarhimmel strahlt.

Dieser Krimi ist eigentlich ein Regionalkrimi, von der Insel sieht man
allerdings nicht sehr viel. Es geht allerdings um die schwierige
Immobilienproblematik auf der Insel der Superreichen. Wohnraum für Normalverdiener ist kaum noch bezahlbar.



Eine kurzweilige Urlaubslektüre, die die Immobilienproblematik auf Sylt zeigt und mit Mamma Carlotta eine sympathische Protagonistin hat.

Veröffentlicht am 30.12.2017

Eine wunderbar intensiv erzählte Geschichte, die mich mitnimmt nach Kalabrien!

Zwischen zwei Meeren
0

"...seine Augen mit dieser ganz speziellen Farbe. In diesen Augen lag Stolz, Sanftheit,und Eigensinn, Leidenschaft, Feuer und Sonne, und ganz hinten in den Pupillen ein Rest Regen und Zorn, die jeden Momen ...

"...seine Augen mit dieser ganz speziellen Farbe. In diesen Augen lag Stolz, Sanftheit,und Eigensinn, Leidenschaft, Feuer und Sonne, und ganz hinten in den Pupillen ein Rest Regen und Zorn, die jeden Momen hervorsprühen konnten." Zitat Seite 186

DIeser Roman kommt mit leisen Tönen daher, doch er berührt und trifft ins Herz und das mal auf romantische, aber auch auf eine tragische Weise. Carmine Abate hat eine wundervolle Art zu erzählen.

Es ist die gefühlvoll dargebrachte Geschichte eines Familientraums, der über Generationen für Probleme und Hoffnungen sorgt.

Der Protagonist Florian wächst in Hamburg auf und besucht jedes Jahr seine mütterliche Verwandtschaft in Kalabrien, auf einer Hochebene "zwischen den Meeren" an der Stiefelspitze Italiens. Dort beherrscht das Fondaco del Fico seines Großvaters Giorgio Bellusci, das Familienhotel, die familiäre Geschichte. Es ist ein Wunsch, ein Traum, aber auch ein Albtraum, der das Leben der Familie beherrscht. Die Macht der `Ndrangheta erschwert die Vollendung dieses Traumes.

Florian verliebt sich in seine zweite Heimat, die Familie dort, die Landschaft, die Gerüche. Immer wieder zieht es ihn nach Kalabrien. So verwundert es nicht, dass er den Familientraum mitträgt und schliesslich den Wunsch seines Großvaters vollendet.

Bei diesem Roman ist der hervorragende Erzählstil zu bewundern, der die Stimmungen, Gerüche und Pflanzen dieser italienischen Gegend so einzigartig bildhaft beschreibt. Man taucht ein in diese Welt, in die flirrende Hitze und sieht auch die einfachen Leute, die der Mafia die Stirn bieten.

Mit diesem Roman taucht man ein in die Hitze des Sommers, erlebt die Gefühle eines jungen Mannes und sieht italienische Lebensproblematik. Ein einzigartiges, faszinierendes Buch!

Veröffentlicht am 30.12.2017

Wieder ein super Buch mit tollen Dialogen, Einblicken in Schröders Privatleben und einem vertrackten dunklen Fall!

Zorn - Wo kein Licht
0

"Es dauerte nicht lange, und Zorn verfluchte die Leichtfertigkeit, mit der er Schröder eine Auszeit verordnet hatte. Bereits eine Stunde später wurde ihm schmerzlich bewusst, wie wichtig- nein, unersätzlich ...

"Es dauerte nicht lange, und Zorn verfluchte die Leichtfertigkeit, mit der er Schröder eine Auszeit verordnet hatte. Bereits eine Stunde später wurde ihm schmerzlich bewusst, wie wichtig- nein, unersätzlich Schröder bei den Ermittlungen war." Zitat Seite 67


Auch im vorliegenden 3. Band legt mein Lieblingsermittlerteam mit mehreren unklaren Fällen wieder gut los. Doch dieses Mal fällt Schröder nach einem Unfall aus und Zorn muss selbst arbeiten. Was ihm natürlich gar nicht passt, dennoch macht er sich Sorgen um Schröder. Gemeinsam finden sie dann wieder zu alter Form zurück, auch wenn die Zusammenhänge der Fälle lange im Dunkeln bleiben. Es fehlt das entscheidende Bindeglied.

Die Ermittlungen bringen alle an ihre Grenzen:
Neben Schröders gesundheitlichen Problemen kommen noch die Sorgen um seine alten Eltern hinzu, Frieda Borck, die starke Staatsanwältin, hat emotionale Schwierigkeiten mit ihrem Partner und selbst Zorn ist einem Nervenzusammenbruch nahe. Das liegt allerdings nicht unbedingt an der enormen Arbeitsbelastung, die er lieber Schröder zumutet, sondern an seiner kriselnden Liebe zu Malina, der er mit seiner rüden Art vor den Kopf stösst. Doch man muss zu seiner Verteidigung sagen, dass er langsam aber sicher anfängt, über seine Mitmenschen nachzudenken. Leider nicht immer mit großem Erfolg, meistens agiert er erst in lauter verbaler Manier, aber auch mal mit Gewalt und denkt dann. Seine Verbalattacken und die Dialoge mit dem intelligenten Schröder sind meine Lieblingsstellen in diesem Buch.

Doch es geht auch spannend zu, es gibt klaustrophobische
Handlungsorte, die den Leser gruseln lassen, einen grausam agierenden
Täter und die kriminalistische Handlung ist klug konstruiert.

Was mir anfänglich gut gefallen hat, sind die vielen verschiedenen
Fälle, die kaum zusammen zu passen scheinen. Dann jedoch kommt die
Lösung am Ende zwar mit finalem Countdown, aber doch etwas schnell und
unspektakulär gelöst daher.



Ich bleibe Fan dieser Reihe und mag den zynischen Humor und die unterschiedlichen Ermittler. Neueinsteigern kann ich nur empfehlen, die Reihe von vorne zu beginnen. Die Charaktere erschliessen sich so besser.

Veröffentlicht am 30.12.2017

Ein historischer Schmöker, der mich gut unterhalten hat.

Das Pestzeichen
1

Bei diesem Roman bekommt man einen guten Eindruck von der Welt der kleinen Leute. Auch die einfachen, ärmlichen Lebensbedingungen werden sehr lebensah geschildert. Wie damals Aberglaube und böse Geister ...

Bei diesem Roman bekommt man einen guten Eindruck von der Welt der kleinen Leute. Auch die einfachen, ärmlichen Lebensbedingungen werden sehr lebensah geschildert. Wie damals Aberglaube und böse Geister in den Köpfen der Menschen spukten, kann man aus heutiger Sicht kaum noch nachvollziehen. Die schwierigen Lebensumstände waren so trostlos und für die Menschen nicht erklärbar, vielleicht flüchteten die Menschen deshalb in diese Geistererklärungen.

Deana Zinßmeister kann wunderbar flüssig erzählen und bringt mit ihren unterschiedlichen Charakteren viel Unterhaltungspotential in die Geschichte. Ich bin nur über die verwendete Sprache gestolpert, die ich so mir für die damalige Zeit nicht vorstellen kann.

Mit ihrer Protagonistin Susanna hat sie eine starke Persönlichkeit geschaffen, die mit ihrer selbstbewussten Art ihrer Zeit weit voraus ist. Ich finde ihren Mut manchmal etwas übertrieben. Als Frau vor gefährlichen Verfolgern zu fliehen, war sicherlich sehr ungewöhnlich und gewagt.

Die Schilderung der ärmlichen Verhältnisse mit Hunger, Krankheit und die tödlichen Pesterkrankungen finde ich sehr überzeugend dargestellt. Aber die Schatzsuche kommt mir zu viel zur Sprache.

Wer historische Romane mag, wird sich hier gut unterhalten fühlen. Auch die glaubhafte Darstellung der abergläubigen Menschen sorgt für eine interessante Lektüre.