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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.11.2017

Tolle Grundidee, der Klappentext nimmt vieles vorweg und die eigentliche Handlung beginnt erst ab der Hälfte des Buches.

Das tote Herz
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Der Thriller "Das tote Herz" ist eine spannende Reise in die schreckliche Vorstellung, durch eine Organspende auch die Neigungen des Spenders übernommen zu haben. Kann eine Organspende den Empfänger derart ...

Der Thriller "Das tote Herz" ist eine spannende Reise in die schreckliche Vorstellung, durch eine Organspende auch die Neigungen des Spenders übernommen zu haben. Kann eine Organspende den Empfänger derart verändern? Übernimmt die Psyche des Empfängers wirklich Eigenarten und Art des Spenders?

Dieser Thriller hat mit der Transplantation eines Herzens eine wirklich spannende und gruselige Grundidee. Wer möchte schon gern ein Organ von einem Serienmörder übertragen bekommen.

Im Fall des Protagonisten Kober beginnt diese Veränderung schleichend. Er trinkt auf einmal Orangensaft, ganz entgegen seiner bisherigen Gewohnheiten. Auch seine Ehefrau wird ihm zunehmend fremder und er empfindet keine großen Gefühle mehr für sie und seine Tochter. Eine interessante, aber gleichzeitig grauenvolle Vorstellung.

Die Umsetzung des Themas hat aber so seine Schwächen. Einerseits ist der Inhalt durch den Klappentext schon vorweggenommen und andererseits entwickelt sich die Hauptidee erst nach dem ersten Drittel des Buches.
Mich hat aber leider die Ausführung des Thrillers nicht überzeugt, auch wenn ich mich auf die gruselige Thematik eingelassen habe. Die Situation des Kennenlernens von Kober und Solveig wird fast in einem Nebensatz abgehandelt, sie verlieben sich sofort und dass, obwohl Solveig durch ihr traumatisches Erlebnis Männern gegenüber völlig misstrauisch und ablehnend gegenüber stehen müsste. Solche Grundgedanken passen nicht schlüssig zur Thematik.

Der knapp und präzise gehaltene Schreibstil passt gut zu einem Thriller und durch die kurzen Kapitel wird eine solide Grundspannung aufgebaut.

Aber mich hat der vorhersehbare Inhalt doch am meisten gestört. Wenn man den Klappentext gelesen hat, weiß man schon fast die gesamte Handlung. So etwas stört mich wirklich und darf einfach nicht sein.
Auch die Darstellung der Charaktere hat mich nicht überzeugt, sie erscheinen nicht echt und natürlich, sondern wie künstliche Wesen.

Wenn man der Grundidee des Buches nachgeht und im Internet recherchiert, so erfährt man, dass zwischen Spenderorgan-Empfänger und Spender durchaus übereinstimmende Vorlieben existieren können. Doch die Auswirkungen in diesem Thriller sind zu gewalttätigt und damit zu überzogen, um noch realistisch wirken zu können.

Dieser Thriller befasst sich mit einer interessanten Grundidee, die Umsetzung ist jedoch sehr vorhersehbar. Dennoch hat mich die Lektüre gefesselt und ich denke, dass Thrillerleser ebenso empfinden.

Veröffentlicht am 19.11.2017

Ein Krimi mit charmantem Pfiff durch die tollen Ermittler

Nichts wie es war
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Dieser Kriminalroman spielt im beschaulichen Sauerland. Er zeigt jedoch auch die böse Seite dieser ansonsten so ruhigen waldreichen Gegend. Als Anton erfährt, dass sein Freund Hannes, eine herzensgute ...

Dieser Kriminalroman spielt im beschaulichen Sauerland. Er zeigt jedoch auch die böse Seite dieser ansonsten so ruhigen waldreichen Gegend. Als Anton erfährt, dass sein Freund Hannes, eine herzensgute Seele, angeblich seine Pflegekraft ermordet haben soll, kann er das nicht glauben. Aber wie soll er jetzt ermitteln, wo er gerade die Folgen eines Schlaganfalles auskuriert und selbst auf Hilfe angewiesen ist? Die Hilfe naht mit Zofia, einer junge Polin, die zwar manchmal etwas schreckhaft, aber im Ernstfall doch recht mutig ist. Sie sorgt nicht nur rührend für Anton, nein, sie stürzt sich auch noch gemeinsam mit ihm in die Nachforschungen um den Todesfall. Dabei ergänzen sie sich perfekt.

Mit hat dieser Krimi gut gefallen, er ist flott zu lesen, hat viele spannende Situationen und ist durch die Sprachprobleme von Zofia auch teilweise recht lustig.

Sehr unterhaltsam fand ich die vielfältig geschilderten Charaktere, hier lernt man die Dorfbewohner bestens kennen und sieht auch hinter ihre gutbürgerliche Fassade. Was sich dahinter verbirgt, darüber möchte ich hier aus Spoiler-Gründen schweigen. Nur soviel: Es ist nichts so wie es scheint.

Der Autorin gelingt es gut, die Situation von Anton zwar als hilfsbedürftig darzustellen, aber sie zeigt auch, wie energisch und vehement er sich bei der Tätersuche einsetzt. Sie setzt damit ein deutliches Zeichen, dass alte Menschen auch ihre persönliche Würde und Eigenständigkeit behalten, egal wie ihre körperliche Situation aussieht.

Dank Zofia wird der Blick hinter die Kulissen gelüftet. Sie nutzt ihre Menschenkenntnis und ihre persönliche Art, um an Informationen zu gelangen. Der Sohn von Anton ist Polizist, aber die wahren Ermittler sind hier eindeutig Zofia und Anton!

Ein Problem hatte ich anfangs mit den Rückblenden, die durch übergeordnete Zeiten Klarheit in die chronologische Handlung bringen sollten. Mich haben sie eher verwirrt. Erst im Verlauf des Buches konnte ich sie zeitlich richtig einordnen.

Ein sehr unterhaltsamer Krimi, der mir schöne Lesestunden geschenkt hat und spannende Momente.

Veröffentlicht am 19.11.2017

Ich bin immer noch ganz verstört von so viel Bösem!

Drei Meter unter Null
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Die Hauptfigur ist eine junge Frau, die Jahre lang versucht hat, ein normales Leben zu leben und die Verzweiflung in ihr zu besiegen. Doch irgendwann beginnt die Rache in ihr Überhand zu nehmen und sie ...

Die Hauptfigur ist eine junge Frau, die Jahre lang versucht hat, ein normales Leben zu leben und die Verzweiflung in ihr zu besiegen. Doch irgendwann beginnt die Rache in ihr Überhand zu nehmen und sie bereitet sich auf eine Jagd vor. Eine Jagd auf Wölfe, menschliche Wölfe.


Was für ein böses Buch, wer soll das gern lesen? Ich überwinde mich, kann die Bluttaten kaum ertragen. Doch ich muss weiter lesen, ich will wissen wie die Story ausgeht. Gleichzeitig frage ich mich, wieviele Menschen mit solch brutalem Verhalten dort draußen in der Welt rumlaufen und so handeln.

Aus der Sicht der Täterin erlebt man mit, wie sie denkt, handelt und fühlt. Schon in ihrer Kindheit war sie anders als die anderen Kinder, sie war ruppig und gemein. Am liebsten wollte sie Pippi Langstrumpf sein, später erlernt sie Kampftechniken und studiert Psychopathen-Biografien und "ist davon überzeugt, nichts mit diesen Irren gemein zu haben." Zitat Seite 111.
Dabei stellt sich genau das heraus: Sie ist das personifizierte Böse.
Sie hat keinerlei Liebreiz, sie ist wie eine Maschine, alles ist böse Berechnung, aber warum?

Sie will Rache um jeden Preis!

Dieser Thriller ist mit vielen grausamen Einzelheiten gespickt, die nur abgehärtete Thrillerleser vertragen. Mich hat es erschüttert und nicht kalt gelassen. Die Story entwickelt eine Spannung, die durch die Angst des nächsten Opfers, die Angst der nächsten Bluttat oder Misshandlung in Gang gehalten wird. Mich hat es unter Strom gehalten und ziemlich gepackt. Dabei fehlt bei mir die Sympathie für die Protagonistin völlig und auch das Verständnis ihres Handelns ist lange Zeit nicht vorhanden.

Die Sprache wechselt zwischen kurzen, abgehackten Sätzen für die böse Seite und längeren, schön klingenden, ausgeschmückten Sätzen für die Beschreibungen von Landschaft und Stimmungen, wenn die gute Seite wieder die Oberhand in der Hauptfigur gewinnt.


Dieses Buch nimmt mich richtig mit, es ist so unendlich grausam. Es zeigt, wie Menschen andere schikanieren und nun selbst Rache am eigenen Leib spüren müssen. Ein Kampf zwischen Wölfen, denn das Lamm ist längst zu einem Wolf mutiert.
Das Ende sorgt für eine unerwartete Überraschung.


Dieses Buch kann ich Lesern mit starken Nerven und einer gewaltigen Portion Thrillererfahrung empfehlen. Ich habe mich sehr gegruselt.

Veröffentlicht am 19.11.2017

Schreckliche Thematik, jedoch am Ende zu viele offene Fragen!

Kalte Brandung
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Dieser Krimi ist der zweite Band einer Reihe, ich kenne den Vorgänger nicht.
Neben der polizeilichen Ermittlung unter der Führung von Polizistin Maud Mertens, kann die zufällig involvierte Studentin der ...

Dieser Krimi ist der zweite Band einer Reihe, ich kenne den Vorgänger nicht.
Neben der polizeilichen Ermittlung unter der Führung von Polizistin Maud Mertens, kann die zufällig involvierte Studentin der Kriminalistik, Kyra, nicht die Finger von dem Fall lassen. Zu sehr wird sie an ihre von vier Jahren verschwundene Schwester erinnert. Gemeinsam mit ihren Kommilitonen denkt sie über die möglichen Zusammenhänge nach.

Der Krimi wird in verschiedenen Handlungssträngen erzählt, einerseits die Suche der Polizei nach den verschwundenen Kindern, die man gleichzeitig aus ihrer leidensvollen Perspektive miterlebt, dann geht es um ein stark verwirrtes Mädchen namens Jane in London und außerdem kommt noch der Fall der vermissten Schwester Kyras hinzu. Auch hierzu erleben wir die Situation in Kyras Familie mit.

Ich kann nur vermuten, dass Jane und Sarina schon inhaltlich im ersten Band thematisiert wurden. Mir fehlen hierzu die Vorkenntnisse. Man sollte also wohl lieber den ersten Band lesen.


Die Hauptgeschichte um die verschwundenen Kinder ist beklemmend und schrecklich, besonders die Situation aus der Sicht der Kinder ist schlimm. Man erlebt hautnah mit, wie sie den Entführern begegnen und wie sie eingepfercht in Metallkäfige wie Tiere gehalten werden.
Dabei finde ich, die Kinder werden recht altklug geschildert und erscheinen zwar verzweifelt, aber doch nicht altersgerecht denkend. Ihre Emotionen gehen mir jedoch sehr nahe. Aber auch der enorme Zeitdruck, unter dem die Ermittler stehen und lange keine eindeutige Spur verfolgen, ist deutlich spürbar und macht die Hauptspannung aus.


Die Autorin wechselt gekonnt zwischen den Perspektiven hin und her und auch der Erzählstil hat mir gefallen. Besonders die Gewissensbisse von Maud und die intensive Suche Kyras sind sehr authentisch und interessant gezeigt und stellen die beiden Personen intensiv vor, sodass man sie sich gut vorstellen kann.

Auch wenn die Schicksale der entführten Kinder emotional geschildert werden und den Leser mitleiden lassen, gestaltet sich die Suche nach den Entführern und den wahren Gründen dahinter sehr schwerfällig. Die Fahnder stochern lange im Dunkeln und für mich bleibt hier die Spannung etwas auf der Stecke. Was mich am meisten gestört hat, ist die Tatsache, dass die Fälle von Jane und Sarina zu keiner Auflösung im Buch geführt hat. Lange habe ich versucht, die Zusammenhänge dieser Fälle mit den akuten Entführungen zu finden, doch es gab keine ersichtlichen. Wenn man als Leser in die Irre geführt wird, ist das genau der fesselnde Effekt, den man sich für einen Thriller wünscht, gibt es aber offene, ungelöste Inhalte, die vielleicht erst im Nachfolgeband geklärt werden, dann führt das nicht dazu, das Buch am Ende zufrieden zuzuklappen und sacken zu lassen. Man muss also dranbleiben und den kommenden Band weiter lesen.


Eine interessante Krimireihe aus den Niederlanden, bei der ich mir gern mehr Aufklärung der eingebrachten Fälle gewünscht hätte. So kann ich keine allgemeine Empfehlung aussprechen, Reihenverfolger mal ausgenommen. Ich würde dem dritten Band aber durchaus eine Chance geben.

Veröffentlicht am 19.11.2017

Leider ein Krimi zum Abgewöhnen

Der Leuchtturmwärter (Ein Falck-Hedström-Krimi 7)
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Auf diese Krimireihe bin ich durch den 9. Band "Die Schneelöwin" aufmerksam geworden, der mir sehr gut gefallen hat. Leider muss ich feststellen, dass ich sehr enttäuscht bin, so umständlich und langatmig ...

Auf diese Krimireihe bin ich durch den 9. Band "Die Schneelöwin" aufmerksam geworden, der mir sehr gut gefallen hat. Leider muss ich feststellen, dass ich sehr enttäuscht bin, so umständlich und langatmig hatte ich mir ein Buch von Camilla Läckberg nicht vorgestellt.

Daher fehlen mir bei diesem Buch fast die Worte für eine klare, aussagefähige Rezension.

Ich habe das Gefühl, dass die Autorin hier nicht eine Geschichte erzählen will, sondern von vielen schicksalshaften Beispielen berichten möchte. Es geht um häusliche Gewalt, traumatische Erlebnisse von Müttern, deren Kinder krank sind oder auch gestorben sind. Dabei sind viele Geschichten, die mich sehr berührt haben und deren Schicksale mich sehr betroffen machen. Doch passt das in einen Krimi? Als Nebenhandlung sicherlich, aber in der ausufernden Menge stört so etwas gewaltig.

Anerkennend finde ich, dass die Autorin dabei großen Wert auf das Seelenleben der einzelnen Charakter und die jeweiligen Beziehungen untereinander legt. Doch mich erschlägt die Fülle von negativen Erlebnissen, traumatisierten Personen und deren Verknüpfungen untereinander, sodass es für mich ein beschwerlicher Einstieg in das Buch war. Ich kann nicht sagen, ob man durch die Vorgängerbände soviel Vorwissen besitzt, um dieses Buch ohne große Probleme verfolgen zu können. Ich hatte auf jeden Fall nicht alle Personen und deren Verbindungen immer genau auf dem Schirm.


Es gibt vier verschiedene grobe Handlungsstränge, die man noch weiter unterteilen kann. Diese Aufstellung hätte ich vor der Lektüre haben müssen, dann wäre manches verständlicher erschienen.

- Das Ehepaar Patrik und Erica mit ihren drei Kindern und Ericas Schwester Anna, die bei einem Autounfall eine Frühgeburt erlitten hat.

- Ericas Jugendfreundin Annie, die mit ihrem Sohn auf die Leuchtturminsel geflüchtet ist und ihren toten Ehemann zurückgelassen hat.

- Erlebnisse aus der Perspektive Viviannes, von ihrem Lebensgefährten und ihrem Bruder Anders.

- Die historische Erzählung von Emelie und ihrem Mann Karl, der um 1870 Leuchtturmwärter auf der Geisterinseln war.

Jedenfalls gerät der eigentliche Krimifall, der Leichenfund, vor lauter Personenklüngel fast zur Nebensache. Von Spannung und eifrigem Mitraten nach dem Täter kann keine große Rede sein. Einige Sackgassen lassen nicht nur die Ermittler ratlos zurück. Bis zum Ende habe ich mich durch das Buch und die Personen gekämpft, schliesslich wollte ich den Ausgang der Geschichte unbedingt wissen. Leider blieb nicht einmal das Rätsel um den alten Leuchtturmwärter eine echte Überraschung. Dabei hat mich diese alte Geschichte um Emelie von allen am meisten interessiert.

Dieses Buch hat mich maßlos enttäuscht, mir fehlt eine solide Grundspannung und die vielen Geschichten über misshandelte und unterdrückte Frauen und deren Kinder erschlagen mich fast.
Über allem bringen noch die Geister, die auf der Schäreninsel spuken, unrealistische Effekte in den Krimi. Den Leuchtturm sieht man vor nebulösem Handlungswirrwarr kaum noch, den Krimi erst am Ende wieder. Schade!