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Veröffentlicht am 16.11.2017

Höhenkoller oder doch Liebe?

Manche mögen's steil
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In diesem Roman geht es um Gruppenerfahrung am Berg, Kletterromantik und auch um Gefühle.

Ellen Berg stellt mit ihrem weiblichen Nerd Vicky eine spröde, widerspenstige Figur in den Mittelpunkt. Wir erleben ...

In diesem Roman geht es um Gruppenerfahrung am Berg, Kletterromantik und auch um Gefühle.

Ellen Berg stellt mit ihrem weiblichen Nerd Vicky eine spröde, widerspenstige Figur in den Mittelpunkt. Wir erleben das harte Berufsleben dieser Frau in einer Männerdomäne mit, erkennen, wieviel Wert auf soziale Kompetenz und Führungsstil gelegt wird und begleiten Vicky auf ihrer Gipfeltour in die Alpen. Dort wird sich der Karrieresprung entscheiden.

Vicky fühlt sich außerhalb der digitalen Welt nicht so recht wohl, geschweige denn in den Bergen, in der Natur, ohne ihr geliebtes Handy. Am liebsten würde Vicky bei der Tour kneifen, aber für die Karriere tut sie so einiges, sie beißt sich durch und plötzlich interessiert sich sogar der gelackte Konstantin für sie.


Schon beim Kauf von bergfähiger Kleidung in einem Outdoor-Fachgeschäft weiß man als Leser, dass man hier noch einigen Spaß mit dieser Großstadtpflanze in den Bergen haben wird.

Nun ist Vicky nicht gerade eine Sportskanone und hat Null Bergerfahrung. Aber sie hat Biss! Das bewundern bald auch ihre Kollegen und Bergführer Joe. Für Joe hagelt es von Vicky regelmäßig spitze Bemerkungen, doch der reagiert ganz gelassen darauf. Ist hier schon Gefühl im Spiel?


Ellen Berg bleibt sich mit ihrer Schreibweise treu. Sie inszeniert rund um Vickys Karriere und ihr bescheidenes Privatleben einige Erlebnisse und Probleme. Man taucht ein in das stressige Arbeitsleben, sieht, wie sich Vicky in einer Männerdomäne behaupten muss und lässt ein Teamplayer-Erlebnis der Fima stattfinden. Dort geht es ans Eingemachte, niemand hat echte Erfahrung beim Bezwingen von Gipfeln und es gibt brenzlige Situationen, die gefährlich enden können. Man ist plötzlich mit am Berg und sieht die Schwierigkeiten beim Bergsteigen und Klettern, den nötigen Teamgeist, der zum Bezwingen nötig ist.

Auch Vicky scheint an diesem Abenteuer zu wachsen. Sie erlebt das Glücksgefühl, den Berg bezwungen zu haben und einen Höhenkoller, der ihr zu schaffen macht.


Auch wenn ich nichts wirklich Negatives beanstanden kann, bin ich von diesem Roman nicht ganz so begeistert. Er fängt von der Idee her ganz zeitgemäß an, indem er mit Vicky eine Person zeigt, die sich in ihrer Arbeit vergräbt, ohne Handy nicht sein kann und soziale Kontakte nur auf Facebook pflegt. Das Buch liest sich auch gewohnt unterhaltsam an, aber die Liebesgeschichte wird von vielen Nebensächlichkeiten in die Länge gezogen.


Ellen Berg glänzt wieder auch hier mit ihrem lockeren und leichten Schreibstil und einer kurzweiligen Story, die sich dieses Mal in schwindelnde Höhen wagt.

Romantische Stellen hätte es mehr geben können, das Ende ist vorhersehbar, die Wandererlebnisse unterhalten, aber mehr leider auch nicht. Ein Buch, bei dem sich Bergfreunde und Gipfelstürmer vielleicht besser mitreißen lassen. Mir hat die humorvolle Art der bisherigen Romane von Ellen Berg gefehlt.



Ein sehr unterhaltsamer Roman, der besonders Lesern gefallen wird, die Bergtouren mögen und sich für Einblicke in menschliche Charaktere interessieren. Ein wenig Liebe ist auch im Spiel.

Veröffentlicht am 14.11.2017

Ein erschreckende Zukunftsvision wird hier interessant erzählt.

Leere Herzen
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Die Autorin zeigt ein düsteres Bild einer Zukunftsvision von Deutschland und setzt ihre Protagonistin Britta in den Mittelpunkt. Britta ist desillusioniert, hat eine kleine Familie, ein Eigenheim und betreibt ...

Die Autorin zeigt ein düsteres Bild einer Zukunftsvision von Deutschland und setzt ihre Protagonistin Britta in den Mittelpunkt. Britta ist desillusioniert, hat eine kleine Familie, ein Eigenheim und betreibt eine Praxis für Psychotherapie. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner Babak eröffnet Britta eine Heilpraxis für Suizidprävention, die Brücke. Dort betreuen sie suizidgefährdete Personen und vermitteln sie an Organisationen wir Green Peace oder Daesh für medienwirksame Selbstmordattentate.
Die politische Lage in Deutschland ist folgende: Angela Merkel musste ihren Posten für Regula Freyer von der BBB (Besorgte BürgerBewegung) räumen, die die Freiheiten der Bürger immer weiter einschränkt.


Dieses Buch zeigt ein Gedankenspiel, eine politische und gesellschaftliche Annahme, die sich gegen die bestehende Ordnung auflehnt. Es geht um Gefühlslosigkeit, Gleichgültigkeit und Geschäftemacherei. Hier wird mit bestehender Politik und Gesellschaftsansichten abgerechnet, es werden Entwicklungen aufgezeigt, die mit Gewalt und Terror regelrecht spielen. Wird unsere Zukunft so aussehen? Werden wir die Gefahr, die sich in der Gesellschaft anbahnen könnte, beherrschen und abwenden können? Dieser Roman macht nachdenklich, verwirrt aber auch mit der scheinbaren Gleichgültigkeit der Protagonistin, die ihren Profit aus der Absicht von Selbstmördern zieht.
Das Buch ist großartig geschrieben, es gibt Denkanstösse und hinterfragt unsere bestehende Situation von Politik und Gesellschaft.



Der Roman entwickelt sich von bloßer Unterhaltung weiter über Gesellschaftskritik zu einem echten Spannungsroman. Brittas Leben, ihre Gefühle, Sorgen und Ängste bekommt man durch innere Monologe hautnah serviert. Von anfänglicher besorgender Zukunftsvision geht es über in einen politisch gefärbten Thriller. Es scheint eine Mahnung zu sein, sich nicht gedankenlos weiter in unserem Gesellschaftsleben treiben zu lassen. Die Gefahr von Machtübernahme und Bedrohung besteht immer.

Mir hat gut gefallen, wie differenziert die wenigen Figuren dargestellt werden. Man kann sich von ihnen ein Bild machen und erkennt das Potential der jeweiligen Charaktere. Manche sind nicht nur für sich selbst eine Gefahr. Sie sind Empty Hearts.


Dieses Buch zielt ab auf eine Zukunfts-Vision. Wer gern zukunftsträchtige Literatur liest und sich mit Politik beschäftigt, für den ist dieser Roman genau richtig.

Veröffentlicht am 11.11.2017

Flower-Power und eine alte Jugendliebe

Friesensommer
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Friesensommer ist eine unterhaltsame Liebesgeschichte, die mit nordischen Charakteren, dem typischen Zeitgeist der Flower-Power-Zeit und einer Menge Lokalkolorit von der Nordsee punkten kann.

Im Roman ...

Friesensommer ist eine unterhaltsame Liebesgeschichte, die mit nordischen Charakteren, dem typischen Zeitgeist der Flower-Power-Zeit und einer Menge Lokalkolorit von der Nordsee punkten kann.

Im Roman verknüpft Janne Mommsen zwei Zeitebenen miteinander: 1968 und die Gegenwart um 2014.

1968 floh Harry Petersen in die Heimat seines Vaters nach Föhr, denn die Army hatte ihm in San Francisco einen Einberufungsbefehl für Vietnam geschickt. Die Weigerung bedeutete Fahnenflucht und somit Gefängnis. Für Harry war eine Rückkehr in die USA dadurch unmöglich.

Also lebte er sich in Oldsum ein und verliebte sich in Maike, damals 17 Jahre alt und verschwand dann irgendwann wieder.
40 Jahre später kehrt er nach Föhr zurück. Mehr möchte ich vom Inhalt nicht verraten.

Bei diesem Buch habe ich mich von Föhr verzaubern lassen und hatte beim Lesen Bilder von der Nordsee, vom Sommer am Strand und von der Natur vor Augen.
Auch wenn der Erzählstil sehr ruhig ist, so nimmt die Handlung gefangen. Während ich für Harry keine echte Sympathie entwickeln konnte, waren es dafür Maike, Rainer und Carla umso mehr.

Es wird zeitweise etwas Föhrer Friesisch (Fering) wird mit in die Dialoge eingebunden, die jeweilige Übersetzung findet man direkt darunter. Mir haben die nordischen, wortkargen Charaktere dieser Gegend besonders gut gefallen. Mit nur wenigen Worten versteht man sich hier und hält es auch schon einmal ohne Smalltalk aus, was besonders Harald als Ami sehr wundert. Dort gilt Schweigen eher als unhöflich.

Mit der Schilderung der Hippie-Zeit erlebt man die Musik, die Kunstszene und die legendären Parties auf Sylt mit und wer selbst über 60 ist, wird sich an diese Zeit erinnern.



Mir hat dieser Liebesroman unterhaltsame Lesezeit geschenkt und ich konnte mich im grauen November an den sonnigen Strand von Föhr träumen.

Veröffentlicht am 11.11.2017

Wunderschön geschriebener Normandiekrimi! Bitte mehr davon!

Bitterer Calvados
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"Wissen sie, vorstellen kann ich mir viel, ich bin Schriftsteller, die Fantasie ist mein Beruf. Aber in Wirklichkeit einen Mord begehen? Der Hass müsste so groß sein, dass er jede Moral außer Kraft setzt." ...

"Wissen sie, vorstellen kann ich mir viel, ich bin Schriftsteller, die Fantasie ist mein Beruf. Aber in Wirklichkeit einen Mord begehen? Der Hass müsste so groß sein, dass er jede Moral außer Kraft setzt." Zitat Seite 125

In diesem Krimi verschmelzen Literaturszene, Landschaft der Normandie, Esskultur und ein ruhig und besonnen ermittelnder Kommissar zu einem tollen Ganzen!

Es ist mein erstes Buch der Autorin und ich kann der Handlung auch ohne Vorkenntnisse wunderbar folgen.

Leblanc findet schnell heraus, dass JPP nicht der perfekte Mensch war, für den ihn seine Fans hielten. Er war absolut narzisstisch, rücksichtslos und zudem unfähig, persönliche Bindungen aufzubauen. Geliebte kamen und gingen und wurden nur ausgenutzt.
Bei der ausführlichen polizeilichen Ermittlung geht Leblanc jeder noch so kleinen Spur nach und findet lange Zeit nichts. Das führt auch beim Leser zu einem spannenden Mitraten und allerlei Mutmassungen.

Inhaltlich wird die Literaturszene näher beleuchtet. Man erfährt, wie Bestsellerautoren aufgebaut werden und welche Konkurrenz die Bücherbranche umtreibt. Aber auch gesellschaftskritische Themen wie Polygamie oder die Problematik durch ausbeutendes Verhalten von Großkonzernen in Afrika werden inhaltlich gut mit eingebunden.


Bei diesem Krimi gibt es eine ausgewogene Mischung zwischen den Ermittlungen im Mordfall und dem Pivatleben des Kommissars. Auch wenn mir Jacques Leblanc nicht unbedingt sympathisch ist, so hat er doch eine ruhige Art, die mir gefällt. Meine Heldin ist auf jeden Fall Nadine, seine Assistentin. Sie findet bei Befragungen stets den richtigen Ton, kann sich auf die Personen einstellen und durchschaut ihren Chef wie keine andere Frau. Denn der lässt sich nur zu schnell von Frauen ablenken und einwickeln. Leblanc befindet sich in einer Midlife-Crisis und verliebt sich in eine blutjunge Frau. Nur seine Liebe zum Essen stellt fast die Liebe zu den Frauen in den Schatten. In diesem Krimi wird mit vielen köstlichen Gerichten und Produkten der der Patisserie die Esskultur der Normandie vorgestellt und das passt gut zu den landschaftlichen Beschreibungen der Gegend und der einzigartigen Stimmung dort am Meer. Catherine Simon kennt sich vor Ort gut aus und vermag dieses Flair bildhaft deutlich werden zu lassen. Ihr Schreibstil hat mir ausgesprochen gut gefallen.

Hier wird ganz ohne großes Blutvergiessen und Brutalität eine Krimihandlung beschrieben, die mit liebevoll ausgeschmückten Details nicht nur die Szenerie der Normandie ins rechte Licht rückt, sondern auch eine fesselnde Ermittlung in den Mittelpunkt stellt.

Ein wunderbar entschleunigter Krimi mit dem Flair der Normandie und einer fesselnden verzwickten Ermittlung um einen Krimiautor. Absolut mein Geschmack!

Veröffentlicht am 11.11.2017

Ein Wohlfühlroman mit Sommerfrische an der Ostsee, Rosenzauber und einem Hauch Romantik

Ein Sommer im Rosenhaus
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Wieder einmal hat es Nele Jacobsen geschafft, mich mit ihrem Roman zu fesseln und gut zu unterhalten.
Dabei packt mich nicht nur die hoffnungsvolle Geschichte der jungen Witwe Sandra, die ihrem Leben einen ...

Wieder einmal hat es Nele Jacobsen geschafft, mich mit ihrem Roman zu fesseln und gut zu unterhalten.
Dabei packt mich nicht nur die hoffnungsvolle Geschichte der jungen Witwe Sandra, die ihrem Leben einen neuen Sinn geben möchte, sondern auch die stimmungsvolle Schilderung der Ostseelandschaft, das Rauschen des Meeres und vor allem die wunderschönen alten Rosensorten ziehen mich in ihren Bann. Man möchte am liebsten sofort dorthin reisen und den Garten selbst erleben.

Sandra startet neu durch, der Tod ihres Mannes bewegt sie zu einem Neuanfang und alles ist anfangs nur ein Traum. Sie möchte Rosen züchten. Als sie jedoch den Schritt wagt und sich auf Usedom ein altes Haus mit zugehörigem Rosengarten kauft, bleibt ihr nichts anderes übrig, als die Sache tatkräftig und voller Elan anzupacken. Die Liebe zu ihren einmaligen Rosen lässt sie selbst neu erblühen. In ihrer Situation hat sie neben der Unterstützung ihrer Freundin Ulli auch das Glück, einen englischen Rosenkenner anstellen zu können. Natürlich läuft nicht alles rund, es gibt einige Schwierigkeiten von Seiten der Dörfler und so ist es spannend mitzuverfolgen, wie sich Sandras Rosenprojekt im Laufe der Handlung entwickeln wird.

Die Autorin hat einen flüssigen, einnehmenden Schreibstil, man ist schnell im Rosenfieber gefangen und taucht dann völlig im Garten ab. Der Wechsel von lustigen Szenen, romantischen Treffen und Familienzwist gelingt Nele Jacobsen auch in diesem Roman sehr gut.

Neben den wunderschön beschriebenen Rosenarten und deren Hege und Pflege haben mich in erster Linie die liebevoll gezeichneten Charaktere gut unterhalten. Nicht alle sind natürlich sympathische Typen, das macht jedoch die Spannung erst perfekt. Man fiebert mit Sandra mit, ob sie ihre Rosenzucht wirklich in die Tat umsetzen kann. Ein wenig Romantik ist auch mit im Spiel und so kann man sich auf vergnügliche Lesestunden freuen.
Einige schöne Rosenrezepte runden das Buch am Ende harmonisch ab.

Einen regionalen Kick bekommt die Handlung durch die schönen Stimmungsbilder am Meer und das toll geschilderte Ambiente auf Usedom. Wenn man das Cover ansieht, kommt man gleich in richtige Urlaubslaune. Daher wäre dieser Roman genau die passende Lektüre für den nächsten Urlaub.

Dieser Roman hat mit seinem Ostseefeeling echten Wohlfühlcharakter. Außerdem bietet sich Rosenliebhabern ein buntes Kaleidoskop verschiedenster Rosenarten, die man alle kennenlernen möchte. Ein Urlaubsbuch, das Lust auf Rosen macht!