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Veröffentlicht am 13.01.2026

Eine schöne weihnachtliche Ergänzung der Reihe

Die Welt der Musik: Weihnachten
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Im Prestel Junior Verlag erscheint das Soundbuch Die Welt der Musik: Weihnachten von Mary Richards. Es ist der 13. Band der Musik-Buchreihe für Kinder ab sechs Jahren.

Während Emma und Paul den Tannenbaum ...

Im Prestel Junior Verlag erscheint das Soundbuch Die Welt der Musik: Weihnachten von Mary Richards. Es ist der 13. Band der Musik-Buchreihe für Kinder ab sechs Jahren.

Während Emma und Paul den Tannenbaum schmücken und sich auf Weihnachten freuen, entdecken sie eine Kiste mit Dingen, die mit dem Fest in England, Mexiko, Ukraine, Argentinien und in Schweden zusammenhängen. Im Buch führen entsprechende Soundmodule in diese Länder und stellen bildhaft und akustisch Brauchtum und Gewohnheiten rund um das Fest vor. Ganz am Ende feiern die Kinder im eigenen Wohnzimmer zu Klängen von Felix Mendelssohn.

Diese wunderschön gestaltete Buchreihe führt Kinder in die Welt der Musik ein. Drückt man auf das Noten-Symbol, dann hört man einen kurzen Ausschnitt von einem Musikstück. In diesem Fall gibt es zehn Soundmodule, die klassische Weihnachtslieder und Choräle vorstellen.



Am Ende des Buches informiert eine Übersicht über alle verwendeten Musik-Stücke mit näheren Fakten zum Komponisten, dem vortragenden Chor oder Orchester mit Dirigenten und anderen Hinweisen, die das Stück näher erläutern.

Vorgestellt werden klassische Stücke von Bach, Tschaikowsky und Mendelssohn, aber auch Volkslieder. Entsprechende Tipps animieren zum eigenen Musizieren und zum Begleiten der Musik mit Topf, Pfanne oder Rassel.

Die Musikstücke empfinde ich insgesamt als zu kurz, um sich länger mit der Musik zu beschäftigen.

Weihnachten wird in vielen Kulturen überall auf der Welt gefeiert, jedes Land hat seine eigenen Bräuche und eine passende Musik. Musik verbindet und macht deutlich, wir sind alle Menschen mit Wünschen, Hoffnungen und Träumen. Gerade zu Weihnachten ist der gemeinsame Frieden unter den Menschen die Botschaft, die alle zusammen halten sollte.

Eine wunderbare Anregung für Kinder, sich mit den Bräuchen und der weihnachtlichen Musik anderer Länder zu beschäftigen.

Veröffentlicht am 09.01.2026

Die Geheimnisse der Nordsee

Das Echo der Gezeiten
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St. Peter, 1955: Tilla sieht ihre Zukunft nicht in einer Heirat, sie will tauchen und die Kraft des Meeres und seiner Geheimnisse nach spüren.

1633: Nes und ihre Mutter suchen nach einem Schicksalsschlag ...

St. Peter, 1955: Tilla sieht ihre Zukunft nicht in einer Heirat, sie will tauchen und die Kraft des Meeres und seiner Geheimnisse nach spüren.

1633: Nes und ihre Mutter suchen nach einem Schicksalsschlag Zuflucht in einem Beginenkonventauf der Nordseeinsel Strand. Doch als Kinder spurlos verschwinden, wird ihre Anwesenheit von den Inselbewohnern kritisch beäugt. Als am Horizont ein Schiff auftaucht, könnte das Rettung oder Verderben bedeuten.


Rebekka Franks Buch rankt sich um ein geheimnisvolles Schiffswrack, das mit zwei Frauen in zwei Zeitebenen verbunden ist. Der erste Handlungsstrang erzählt die Geschichte von Nes beginnend im Jahr 1633 und die zweite Handlungsebene startet 1955 mit Tilda. Beide Frauen widersetzen sich den Widrigkeiten ihrer Zeit und stehen für ein selbstbestimmtes Leben ein. Beide Geschichten werden von der authentisch geschilderten Atmosphäre der unberechenbaren Nordsee begleitet, die dem Roman einen runden Schliff verpasst.


Tilla beginnt ein Studium und hat es nicht leicht, sich in der Männerdomäne zu behaupten. Sie träumt davon, eine berühmte Taucherin zu werden und alte Schiffswracks auf dem Meeresgrund aufzuspüren. 1633 flieht die Friesin Nes mit ihrer Mutter und findet Zuflucht in einem Beginenkonvent. Sie muss sich gegen den Aberglauben der Insulaner behaupten. Als Tillas Traum wahr wird, kommt sie dem Leben von Nes näher und bringt Vergangenes ans Tageslicht.


Beide Frauen sind willensstarke Charaktere, die sich ihre gesteckten Ziele entgegen der geltenden Konventionen ihrer Zeit erkämpfen und dabei vor allem ihre Unabhängigkeit im Blick haben. Mit Tilla und ihrer Leidenschaft fürs Tauchen bin ich schnell warm geworden und habe ihre Geschichte gespannt verfolgt. Nes wirkte auf mich dagegen etwas nebulös, ich habe sie als mystische Figur ohne große Einblicke in ihr Innenleben gesehen, die mir deshalb nicht so nahe kam wie Tilla.

In diesem Roman gibt es spannende Charaktere und Szenen zu entdecken, dramatische und schicksalshafte Vorgänge zu verkraften und emotionale Momente im Leben der beiden Frauen mitzuerleben und mit ihnen mitzufiebern. Und als Hintergrundszenerie lockt die Nordsee und sorgt mit ihrem Rauschen nicht nur für die passende Begleitung, sie bringt zusätzliche Dramatik ins Spiel.


Die Geschichte stellt die Magie des Meeres in den Mittelpunkt, macht den gesellschaftlichen Wandel im Bereich der Emanzipation sichtbar und verknüpft ihn anschaulich mit weiblichen Schicksalen. Eine interessante und fesselnde Kombination!

Veröffentlicht am 06.01.2026

Weihnachtsmagie verpackt in einer romantischen, märchenhaften Geschichte!

Das Schneeflockenmädchen
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Im Goldmann Verlag erscheint der Roman Das Schneeflockenmädchen von Mara Andeck.

1925 reist die Märchenerzählerin Marie mit ihrem Pferdewagen durch winterliche Landschaften und besucht die Weihnachtsmärkte ...

Im Goldmann Verlag erscheint der Roman Das Schneeflockenmädchen von Mara Andeck.

1925 reist die Märchenerzählerin Marie mit ihrem Pferdewagen durch winterliche Landschaften und besucht die Weihnachtsmärkte der Gegend, um die Kinder mit ihren Märchen ein wenig Freude zu schenken und ihnen ein Strahlen ins Gesicht zu zaubern. In Rothenburg ob der Tauber lernt sie den Zuckerwattehersteller Carl kennen, der an sie sein Herz verliert und sie unbedingt wiedersehen möchte. Schon bald ziehen sie gemeinsam zu den Märkten und schenken mit ihren Geschichten Freude. Es entsteht eine berührende Verbindung, die mehrfach auf die Probe gestellt wird.

Marie hat sich von ihrer schmerzhaften Vergangenheit losgesagt und zieht durch die Lande. Sie möchte die glücklichen Momente ihrer eigenen Freiheit weiter geben und übernachtet gegen Kost und Logis bei einfachen Leuten. Ihr Geld verdient sie mit dem Erzählen von Märchen und lässt damit die Augen der Kinder erstrahlen.

Carl ist fasziniert von Marie und interessiert sich dafür, warum diese warmherzige Frau durch die Lande zieht und welche Vergangenheit hinter ihr liegt. Der Zufall will es, dass sie sich mehrfach begegnen und Marie entdeckt, dass Carl nicht der egoistische Mann ist, für den sie ihn gehalten hat.

Die Märchen haben auch auf Carl und Marie eine besondere Wirkung, denn sie sagen mehr über das Leben aus, als man vermuten mag. Beide stehen füreinander ein und kommen sich so immer näher.

Märchen können verzaubern und lösen bei vielen Menschen traumhafte Gedanken aus und sorgen bei Kindern für ein glückliches Lächeln und Freude. Mit ihrer warmharzigen, zangenehm bildhaften Erzählweise lässt uns Mara Andeck in die Geschichte eintauchen und den Aussagen der Märchen nachspüren. Sie schafft damit eine Nähe zu den Figuren, wärmt das Herz mit den glücklichen Momenten und lässt die winterliche verschneite Atmosphäre lebendig werden.

Es ist ein ruhiges, gefühlvolles Märchen für Erwachsene, dass die Botschaft von Menschlichkeit und kleinen Glücksmomenten feiert.

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Veröffentlicht am 03.01.2026

Fesselnde Geschichte um familiäres Schweigen

Niemands Töchter
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Im Piper Verlag erscheint das Debüt Niemands Töchter von Judith Hoersch.

In den 80er Jahren wächst Alma als Tochter der Niemands in der Eifel auf. Alma fühlt sich fremd in dieser Familie, schon lange, ...

Im Piper Verlag erscheint das Debüt Niemands Töchter von Judith Hoersch.

In den 80er Jahren wächst Alma als Tochter der Niemands in der Eifel auf. Alma fühlt sich fremd in dieser Familie, schon lange, doch sie erfährt nichts über ihre Herkunft.

2019 lebt Isabell in Berlin, sie vermisst ihre Mutter, deren Tod eine leere Stelle auf ihrer Seele hinterlassen hat. Diese Trauer prägt auch ihr eigenes Familienleben.
 Eines Tage kreuzen sich Almas und Isabells Wege auf schicksalshafte Weise. Zwischen alten Polaroids und verlorenen Träumen gibt es eine Geschichte, die beide Frauen miteinander verbindet.

Dieser Roman stellte mich zu Beginn vor einige Schwierigkeiten. Es galt einige Hürden zu überwinden, die sich mir in Form von vielfach wechselnden Perspektiven von Figuren und Zeiten in den Weg stellten. Diese Wechsel erfolgten mir einfach zu rasant und verwirrten mich im Wissen um die einzelnen Biografien. Ich brauchte eine Weile, um die Figuren besser kennen zu lernen und mich mit diesem Wissen besser in den Zeiten orientieren zu können. Zum Glück hielt ich durch, denn dann eröffnete sich mir die Geschichte der Frauen aus allernächster Nähe und bannte mich bis zum Schluss. Sie warf immer wieder Fragen auf über das Leben, über die Mutterrolle, über die Familie.

Der eindringliche und klare Erzählstil lässt sich sehr flüssig lesen, man taucht ein in die unterschiedlichen Erlebnisse und Geschichten von vier Frauen, die sich mit ihrem Denken, Fühlen und Träumen der Leserin nach und nach immer mehr öffnen. Aus den vielen einzelnen Facetten bildeten sich mit der Zeit komplexe Figuren. Ich konnte mir die Frauen bildhaft und charakterlich vorstellen und tauchte anhand ihrer Erlebnisse ein in ihre spezielle Welt.

Es geht um die Themen des Lebens, Mutterschaft, Verlust, die eigene Identität und die Suche nach der Herkunft und darüber, welche Wunden die Seele erleidet, wenn man verletzt wird oder sich nicht zugehörig fühlt. Die Gefühle gehen viel tiefer als wir uns oft eingestehen wollen. Um glücklich zu sein, müssen wir uns getragen und liebevoll aufgefangen fühlen, schon als Kind.

Wie wirken sich frühkindliche Erfahrungen auf unser späteres Leben aus? Über die Generationen entstehen häufig bestimmte Verhaltensmuster, von denen man sich lösen muss. Die eigene Geschichte kann nicht nur von der Vergangenheit bestimmt werden, man muss sich selbst finden und behaupten.

Ein etwas sperriger Anfang, doch dann entwickelt der Roman seinen besonderen Sog! Ich möchte mehr von Judith Hoersch lesen!

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Veröffentlicht am 01.01.2026

Honoras Odyssee: Tragisch, bitter und auch poetisch schön!

Sing, wilder Vogel, sing
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Im Diogenes Verlag erscheint Jacqueline O´Mahonys Roman Sing, wilder Vogel, sing.

1849: In Irland herrscht die Zeit der großen Hungersnot. Auch im kleinen Dorf Dooloogh spielen sich schreckliche Tragödien ...

Im Diogenes Verlag erscheint Jacqueline O´Mahonys Roman Sing, wilder Vogel, sing.

1849: In Irland herrscht die Zeit der großen Hungersnot. Auch im kleinen Dorf Dooloogh spielen sich schreckliche Tragödien menschlicher Schicksale ab, es gibt zahlreiche Tote und keine Aussicht auf Überleben. Dort lebt die junge Honora, die das Grauen und den Hungermarsch überlebt und ohne Unterstützung auf sich allein gestellt ist. Sie schmuggelt sich auf ein Schiff nach Amerika. Auch dort liegt das Glück nicht auf der Straße und sie muss weiterhin Not leiden. Doch sie gibt nicht auf und hofft und kämpft weiter für ihre Freiheit.

Was für eindringlich geschriebner, berührender und tragischer Roman, der einfach nur unter die Haut geht. An Honoras Seite erleben wir ihre verletzten Gefühle in ihrer Ehe, den Verlust ihres Kindes, die entsetzliche Hungersnot in Irland, schliesslich ihren Überlebenskampf als Einzige aus ihrem Dorf und ihren Kampf um Freiheit und ein wenig Glück auf Leben. Sehr eindringlich beschreibt die Autorin das schwierige Leben in dieser Zeit und zeigt damit auch, dass Honora nur eine Chance hat, die Flucht in ein besseres Leben in Amerika. Doch ihr Weg enthält viele Hürden und Stolperfallen, die ich bewegt und tief berührt mitverfolgt habe. Honoras gibt nicht auf, auch wenn sie in Amerika nicht das verheißene Glück erlebt, sondern Zwangsarbeit und Prostitution. Wie sie dennoch ihren Traum nach wahrer Freiheit weiter verfolgt, ist bewundernswert, bewegend und sehr spannend zu lesen.
O’Mahony zeigt in ihrer Geschichte die Parallelen zwischen ausgewanderten Iren und den vertriebenen indigenen Cayuse auf. Beide sind auf der Suche nach einer neuen Bleibe, einer Heimat, wo sie Wurzeln treiben können.

Neben den menschlichen Tragödien gibt es immer wieder poetisch wirkende bildhafte Landschaftsbeschreibungen und Eindrück aus der Prärie. In der Schönheit der Natur findet Honora Frieden und Kraft und auch ich hatte beim Lesen das Gefühl, diese Kraftorte zu brauchen, um das Gelesene verkraften zu können.

Mit diesem großartigen Roman beginnt mein neues Lesejahr. Ein echtes Highlight, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.