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Veröffentlicht am 06.01.2026

Weihnachtsmagie verpackt in einer romantischen, märchenhaften Geschichte!

Das Schneeflockenmädchen
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Im Goldmann Verlag erscheint der Roman Das Schneeflockenmädchen von Mara Andeck.

1925 reist die Märchenerzählerin Marie mit ihrem Pferdewagen durch winterliche Landschaften und besucht die Weihnachtsmärkte ...

Im Goldmann Verlag erscheint der Roman Das Schneeflockenmädchen von Mara Andeck.

1925 reist die Märchenerzählerin Marie mit ihrem Pferdewagen durch winterliche Landschaften und besucht die Weihnachtsmärkte der Gegend, um die Kinder mit ihren Märchen ein wenig Freude zu schenken und ihnen ein Strahlen ins Gesicht zu zaubern. In Rothenburg ob der Tauber lernt sie den Zuckerwattehersteller Carl kennen, der an sie sein Herz verliert und sie unbedingt wiedersehen möchte. Schon bald ziehen sie gemeinsam zu den Märkten und schenken mit ihren Geschichten Freude. Es entsteht eine berührende Verbindung, die mehrfach auf die Probe gestellt wird.

Marie hat sich von ihrer schmerzhaften Vergangenheit losgesagt und zieht durch die Lande. Sie möchte die glücklichen Momente ihrer eigenen Freiheit weiter geben und übernachtet gegen Kost und Logis bei einfachen Leuten. Ihr Geld verdient sie mit dem Erzählen von Märchen und lässt damit die Augen der Kinder erstrahlen.

Carl ist fasziniert von Marie und interessiert sich dafür, warum diese warmherzige Frau durch die Lande zieht und welche Vergangenheit hinter ihr liegt. Der Zufall will es, dass sie sich mehrfach begegnen und Marie entdeckt, dass Carl nicht der egoistische Mann ist, für den sie ihn gehalten hat.

Die Märchen haben auch auf Carl und Marie eine besondere Wirkung, denn sie sagen mehr über das Leben aus, als man vermuten mag. Beide stehen füreinander ein und kommen sich so immer näher.

Märchen können verzaubern und lösen bei vielen Menschen traumhafte Gedanken aus und sorgen bei Kindern für ein glückliches Lächeln und Freude. Mit ihrer warmharzigen, zangenehm bildhaften Erzählweise lässt uns Mara Andeck in die Geschichte eintauchen und den Aussagen der Märchen nachspüren. Sie schafft damit eine Nähe zu den Figuren, wärmt das Herz mit den glücklichen Momenten und lässt die winterliche verschneite Atmosphäre lebendig werden.

Es ist ein ruhiges, gefühlvolles Märchen für Erwachsene, dass die Botschaft von Menschlichkeit und kleinen Glücksmomenten feiert.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2026

Fesselnde Geschichte um familiäres Schweigen

Niemands Töchter
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Im Piper Verlag erscheint das Debüt Niemands Töchter von Judith Hoersch.

In den 80er Jahren wächst Alma als Tochter der Niemands in der Eifel auf. Alma fühlt sich fremd in dieser Familie, schon lange, ...

Im Piper Verlag erscheint das Debüt Niemands Töchter von Judith Hoersch.

In den 80er Jahren wächst Alma als Tochter der Niemands in der Eifel auf. Alma fühlt sich fremd in dieser Familie, schon lange, doch sie erfährt nichts über ihre Herkunft.

2019 lebt Isabell in Berlin, sie vermisst ihre Mutter, deren Tod eine leere Stelle auf ihrer Seele hinterlassen hat. Diese Trauer prägt auch ihr eigenes Familienleben.
 Eines Tage kreuzen sich Almas und Isabells Wege auf schicksalshafte Weise. Zwischen alten Polaroids und verlorenen Träumen gibt es eine Geschichte, die beide Frauen miteinander verbindet.

Dieser Roman stellte mich zu Beginn vor einige Schwierigkeiten. Es galt einige Hürden zu überwinden, die sich mir in Form von vielfach wechselnden Perspektiven von Figuren und Zeiten in den Weg stellten. Diese Wechsel erfolgten mir einfach zu rasant und verwirrten mich im Wissen um die einzelnen Biografien. Ich brauchte eine Weile, um die Figuren besser kennen zu lernen und mich mit diesem Wissen besser in den Zeiten orientieren zu können. Zum Glück hielt ich durch, denn dann eröffnete sich mir die Geschichte der Frauen aus allernächster Nähe und bannte mich bis zum Schluss. Sie warf immer wieder Fragen auf über das Leben, über die Mutterrolle, über die Familie.

Der eindringliche und klare Erzählstil lässt sich sehr flüssig lesen, man taucht ein in die unterschiedlichen Erlebnisse und Geschichten von vier Frauen, die sich mit ihrem Denken, Fühlen und Träumen der Leserin nach und nach immer mehr öffnen. Aus den vielen einzelnen Facetten bildeten sich mit der Zeit komplexe Figuren. Ich konnte mir die Frauen bildhaft und charakterlich vorstellen und tauchte anhand ihrer Erlebnisse ein in ihre spezielle Welt.

Es geht um die Themen des Lebens, Mutterschaft, Verlust, die eigene Identität und die Suche nach der Herkunft und darüber, welche Wunden die Seele erleidet, wenn man verletzt wird oder sich nicht zugehörig fühlt. Die Gefühle gehen viel tiefer als wir uns oft eingestehen wollen. Um glücklich zu sein, müssen wir uns getragen und liebevoll aufgefangen fühlen, schon als Kind.

Wie wirken sich frühkindliche Erfahrungen auf unser späteres Leben aus? Über die Generationen entstehen häufig bestimmte Verhaltensmuster, von denen man sich lösen muss. Die eigene Geschichte kann nicht nur von der Vergangenheit bestimmt werden, man muss sich selbst finden und behaupten.

Ein etwas sperriger Anfang, doch dann entwickelt der Roman seinen besonderen Sog! Ich möchte mehr von Judith Hoersch lesen!

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.01.2026

Honoras Odyssee: Tragisch, bitter und auch poetisch schön!

Sing, wilder Vogel, sing
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Im Diogenes Verlag erscheint Jacqueline O´Mahonys Roman Sing, wilder Vogel, sing.

1849: In Irland herrscht die Zeit der großen Hungersnot. Auch im kleinen Dorf Dooloogh spielen sich schreckliche Tragödien ...

Im Diogenes Verlag erscheint Jacqueline O´Mahonys Roman Sing, wilder Vogel, sing.

1849: In Irland herrscht die Zeit der großen Hungersnot. Auch im kleinen Dorf Dooloogh spielen sich schreckliche Tragödien menschlicher Schicksale ab, es gibt zahlreiche Tote und keine Aussicht auf Überleben. Dort lebt die junge Honora, die das Grauen und den Hungermarsch überlebt und ohne Unterstützung auf sich allein gestellt ist. Sie schmuggelt sich auf ein Schiff nach Amerika. Auch dort liegt das Glück nicht auf der Straße und sie muss weiterhin Not leiden. Doch sie gibt nicht auf und hofft und kämpft weiter für ihre Freiheit.

Was für eindringlich geschriebner, berührender und tragischer Roman, der einfach nur unter die Haut geht. An Honoras Seite erleben wir ihre verletzten Gefühle in ihrer Ehe, den Verlust ihres Kindes, die entsetzliche Hungersnot in Irland, schliesslich ihren Überlebenskampf als Einzige aus ihrem Dorf und ihren Kampf um Freiheit und ein wenig Glück auf Leben. Sehr eindringlich beschreibt die Autorin das schwierige Leben in dieser Zeit und zeigt damit auch, dass Honora nur eine Chance hat, die Flucht in ein besseres Leben in Amerika. Doch ihr Weg enthält viele Hürden und Stolperfallen, die ich bewegt und tief berührt mitverfolgt habe. Honoras gibt nicht auf, auch wenn sie in Amerika nicht das verheißene Glück erlebt, sondern Zwangsarbeit und Prostitution. Wie sie dennoch ihren Traum nach wahrer Freiheit weiter verfolgt, ist bewundernswert, bewegend und sehr spannend zu lesen.
O’Mahony zeigt in ihrer Geschichte die Parallelen zwischen ausgewanderten Iren und den vertriebenen indigenen Cayuse auf. Beide sind auf der Suche nach einer neuen Bleibe, einer Heimat, wo sie Wurzeln treiben können.

Neben den menschlichen Tragödien gibt es immer wieder poetisch wirkende bildhafte Landschaftsbeschreibungen und Eindrück aus der Prärie. In der Schönheit der Natur findet Honora Frieden und Kraft und auch ich hatte beim Lesen das Gefühl, diese Kraftorte zu brauchen, um das Gelesene verkraften zu können.

Mit diesem großartigen Roman beginnt mein neues Lesejahr. Ein echtes Highlight, das mir noch lange in Erinnerung bleiben wird.

Veröffentlicht am 27.12.2025

Ein neues lustiges Abenteuer der kleinen Nagetiere!

Die Muskeltiere und die Fliegenden Teigtaschen
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Im cbj Verlag erscheint Ute Krauses Kinderbuch Die Muskeltiere und die Fliegenden Teigtaschen (Band 8).

Vor Kurzem ist in der Hamburger Nachbarschaft der Muskeltiere aus einem fernen Land eine Familie ...

Im cbj Verlag erscheint Ute Krauses Kinderbuch Die Muskeltiere und die Fliegenden Teigtaschen (Band 8).

Vor Kurzem ist in der Hamburger Nachbarschaft der Muskeltiere aus einem fernen Land eine Familie mit einem Zwerghamster namens Hamza eingezogen. Als die Vermieterin von dem Hamster erfährt, kündigt sie Mutter Amina und ihren beiden Kindern Sonia und Luki sofort. Weil Hamza an seinen Menschenkindern hängt, möchte er ihnen wieder zu einer neuen Bleibe verhelfen. Die Muskeltiere sind sich einig und versprechen zu helfen, doch wie können sie das schaffen? Nachbarsjunge Ben, dessen Mutter eine Kochschule betreibt, ist pfiffig und tüftelt einen Plan aus. Nun müssen sie nur noch die Teigtaschen nach Berlin bringen. Wird ihnen das gelingen?

Dieser Band über die Muskeltiere ist eine weitere, spannende und schön bebilderte Folge der witzigen und unterschrockenen Nagetiere, die sich hilfreich für andere Menschen und Tiere in Not einsetzen. Dieses Mal geht es um eine Flüchtlingsfamilie, die wegen ihres kleinen Hamsters Hamza ihre Wohnung verlieren. Zum Glück war Hamza mit Mäuserich Picandou befreundet und hat ihm alles erzählt. Die Muskeltiere sind mal wieder einer Meinung und haben auch Ben auf ihrer Seite, dessen Vater beim Bundespräsidenten als Koch arbeitet. Mit einigen Teigtaschen im Gepäck fahren sie nach Berlin und erleben ein tolles Abenteuer.

Die Geschichte eignet sich wunderbar zum Vorlesen, Kinder ab acht Jahren können sich selbst durch die 23 Kapitel lesen. Einige schwierige Wörter und Sätze im Hamburger und Berliner Dialekt dürften aber für Verständnisprobleme sorgen. Ansonsten ist die Handlung abwechslungsreich und witzig, es wird spannend und mit etwas Glück und neuen Freunden kommen die Nager ihrem Ziel am Ende näher.

"Einer für alle und alle für einen!" Mit diesem Motto wagen sich die Muskeltiere unerschrocken auf eine abenteuerliche Reise nach Berlin ins Schloß Bellevue.

Nicht nur für Fans der Reihe eine weitere tolle Folge der liebenswerten Nagetiere! Diese Muskeltiere haben ihr Herz auf dem rechten Fleck und setzen sich für Menschen und Tiere in Not ein.

Sehr schön geschrieben und wunderbar illustriert. Das Rezept für die arabischen Teigtaschen habe ich aber vermisst.

Veröffentlicht am 27.12.2025

Was für ein packender Thriller!

Der Kuckucksjunge
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Im Goldmann Verlag erscheint der Thriller Der Kuckucksjunge von Søren Sveistrup.

Silje Thomsen ist Mutter einer Tochter, lebt in Scheidung und ist spurlos verschwunden. Die letzte Nachricht auf ihrem ...

Im Goldmann Verlag erscheint der Thriller Der Kuckucksjunge von Søren Sveistrup.

Silje Thomsen ist Mutter einer Tochter, lebt in Scheidung und ist spurlos verschwunden. Die letzte Nachricht auf ihrem Handy lautet: Hab dich. Das weckt bei Kommissarin Naia Thulin Erinnerungen an einen anderen Fall, bei dem eine 19-jährige Schülerin vor ihrer Ermordung die gleiche Nachricht bekam. Gemeinsam mit Mark Hess übernimmt sie die Ermittlungen, dabei hatte sie gehofft, ihn nicht mehr wiedersehen zu müssen. Doch bevor sie der neuen Fall weiter untersuchen können, finden sie eine übel zugerichtete Leiche. Wer schickt diese merkwürdigen Nachrichten und warum?

Der Prolog startet scheinbar harmlos mit einem Versteckspiel auf einem Schulausflug in den Neunziger Jahren, wo ein Leichenfund dem Spiel ein bedrohliches Ende setzt. Danach entwickelt sich die Geschichte zu einem spannenden Thriller, der Todesfälle in der Gegenwart behandelt, bei dem der Abzählreim des Versteckspiels eine Rolle spielt.

Die flüssig erzählte Handlung verteilt sich auf verschiedene zeitliche Perspektiven, die das Erlebter der Figuren beschreiben und die sich abwechslungsreich aufbauen. Nachdem die ersten Morde sichtbar geworden sind, sorgen zahlreiche Personen dafür, dass man immer einen neuen Verdächtigen als Täter im Auge hat. Sveistrup setzt in seinem Thriller geschickte einige falsche Fährten und zögert damit die Spannung immer weiter hinaus.

Aber auch die anonymen Nachrichten beschwören eine bedrohliche Stimmung herauf, der man sich beim Lesen kaum entziehen kann. Obwohl die Ermittler erkennen, dass sie es mit einem Stalker zu tun haben, kommen sie nicht an ihn heran und er treibt seinen teuflischen Plan immer weiter voran, mit weiteren Opfern.

Die Vorgänge sind nicht unblutig, doch mehr geht es um psychologische Tiefen, die sich um die Folgen von Gewalt, Stalking und verletzte Gefühle drehen. Dabei wird man Zeuge der Angstgefühle der Stalking-Opfer und will einfach nur wissen, wer ihnen auf der Spur ist.

Die Charaktere werden vielseitig und mit unterschiedlichen Eigenheiten und Problemen dargestellt, das macht sie lebendig und authentisch. Die Szenen mit der Mutter der toten Studentin fand ich zunächst anstrengend, doch ihre Suche war dann doch sehr aufschlussreich. Leider konnte ich mich weder für die hartnäckige, aber eigenwillige Thulin erwärmen, noch fand ich Hess besonders sympathisch, er war bis auf die Gefühle um seinen Bruder sehr reserviert und irgendwie undurchschaubar. Allerdings haben sie sich als Team gut geschlagen und ihr Handeln wirkte authentisch wie echte Ermittlungsarbeit.

Ein brutaler Showdown sorgt dafür, dass man am Ende noch einmal richtig gepackt wird, aber auch entsetzt und überrascht von der Auflösung ist.

Weil mich dieser fesselnde Thriller nicht wieder losgelassen hat und auch vollends überzeugen konnte, vergebe ich dafür die volle Sternezahl!

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