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Veröffentlicht am 07.06.2017

schöner Reisebericht

Der weiteste Weg
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Im Buch " Der weiteste Weg, mit dem Campingbus bis Australien" berichtet der Schweizer Bruno Blum von seiner Reise per Campingbus von der Schweiz bis Australien und zurück. Er machte sich gemeinsam mit ...

Im Buch " Der weiteste Weg, mit dem Campingbus bis Australien" berichtet der Schweizer Bruno Blum von seiner Reise per Campingbus von der Schweiz bis Australien und zurück. Er machte sich gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Yvonne für ca. zweieinhalb Jahre auf den abenteurlichen Weg.
Das Buch umfasst 221 Seiten, hochwertig gedruckt auf festem Papier, so dass die zahlreichen, ausdrucksstarken Bilder gut zur Geltung kommen. Auf den inneren Umschlagseiten ist eine Karte mit der Reiseroute abgebildet. Diese ist jedoch wenig detailliert, so dass man als Leser/in hierdurch nur einen groben Überblick über die zurückgelegte Reise bekommt.
Hier wären, zu den einzelnen Reiseabschnitten eingefügte, detailliertere Karten, sinnvoll gewesen.
In einem kurzen vorwortartigen Kapitel über "die Faszination des Reisens" stellt Blum fest: " Es gibt wohl keine bessere Lebensschule als das Reisen",
und er meint "Das wertvollste am Reisen sind aber sicherlich die Begegnungen mit den Menschen, die man unterwegs hat."
In diesem Sinne nimmt er uns mit auf die große Fahrt von der Schweiz ausgehend, über Russland, Kasachstan, Kirgisistan, Usbekistan, Iran, Pakistan, Indien, Nepal, wieder Indien, Australien, Malaysia, Japan, Sibirien, Mongolei, und Russland, wo der Reisebericht in der Nähe von Moskau endet.
Von der Vielfalt des Erlebten wird dabei eher knapp und emotionslos berichtet. Wenige Anekdoten lockern den Text auf, wie zb. die von dem neben einer Strasse in Kirgisistan geschlachteten Schaf, das komplett, mit sämtlichen Innereien auch von den Gästen Bruno und Yvonne, verzehrt werden musste oder vom Adlerjäger in der Mongolei, der Geld fürs photografiert werden haben wollte.
Es wird von den immer wieder nötigen Einreiseformalitäten, von korrupten Grenzbeamten und stundenlangen Wartezeiten berichtet; von unerwarteten Autopannen mit oft überraschend eintreffenden Pannenhelfern dazu. Wir erfahren politisches und geschichtliches über das jeweilige Land, ein wenig über die Sitten und Gebräuche der Landesbevölkerung.
Bruno Blum verfügt auch scheinbar über ein weltweit gutes Netzwerk, denn in vielen Ländern ist er bei Bekannten und Freunden zu Gast. Hierzu hätte ich gerne mehr erfahren.
Zahlreiche, stimmungsvolle Bilder illustrieren den Reisebericht, und wo der Text eher knapp gehalten ist " sagt ein Bild mehr als tausend Worte".
Alles in allem erscheint es jedoch sehr schwer zu sein, eine so weite und langandauernde Reise in etwas über zweihundert Seiten zu fassen. Ich hätte mir oft ausführlichere Berichte, mit mehr Emotionen und vor allem lebendiger geschilderte Begegnungen mit den Einheimischen gewünscht, ganz wie es das Vorwort mit dem eingangs zitierten Text erwarten ließ!
Einhundert Seiten mehr hätten dem Buch meiner Meinung nach gut getan.
Die zahlreichen Photographien sehe ich mir immer wieder gerne an, sie machen das Buch wertvoll für mich.

Veröffentlicht am 12.05.2017

schwieriges Buch

Das Einstein Enigma
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Der Autor Dos Santos verlangt viel von seinen Lesern und Leserinnen:
auf 600 Seiten versucht er die Gesamtentwicklung der Atomphysik und der Quantenmechanik, ein gefühlt komplettes Mathematikstudium, ...

Der Autor Dos Santos verlangt viel von seinen Lesern und Leserinnen:
auf 600 Seiten versucht er die Gesamtentwicklung der Atomphysik und der Quantenmechanik, ein gefühlt komplettes Mathematikstudium, verschwurbelte vernöstliche Mystik und jede Menge Philosophie zu vermitteln.
Eingebettet ist diese Lehrveranstaltung in einen mäßig spannenden Agenten-"Thriller", etwas Familiendrama und eine seichte Liebesgeschichte.
Die agierenden Pesonen bleiben flach und farblos in ihrer Beschreibung, eindrucksvolle Charaktere sucht man vergeblich!
Die wissenschaftlichen Abhandlungen sind sicher gut recherchiert und interessant, aber stellenweise wurde es mir beim Lesen doch "zu viel des Guten"! Wer soll das alles verstehen können ? Manche Dinge fand ich recht gut erklärt; anderes jedoch, vor allem in den Schlußkapiteln , teilweise widersprüchlich.
Auf jeden Fall habe ich beim Lesen viel Stoff zum Nachdenken gehabt, und -- im Rückblick fühle ich mich tatsächlich bereichert aber auch etwas ratlos!

Veröffentlicht am 12.05.2017

spannend und märchenhaft

Der Freund der Toten
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Was für ein tolles Buch! Spannend von der ersten bis zur letzten Seite !
Der Plot ist erstmal ganz normal : ein in einem Dubliner Waisenhaus aufgewachsener junger Mann namens Mahony sucht im kleinen Dorf ...

Was für ein tolles Buch! Spannend von der ersten bis zur letzten Seite !
Der Plot ist erstmal ganz normal : ein in einem Dubliner Waisenhaus aufgewachsener junger Mann namens Mahony sucht im kleinen Dorf Mulderrig nach seiner Mutter, die hier vor 26 Jahren spurlos verschwunden ist. Die Dorfbewohner erkennen anhand seiner Ähnlichkeit schnell die Verwandtschaft zu seiner Mutter Orla, einem bei den Ehefrauen unbeliebt gewesenen jungen Mädchen, da deren Ehemänner ihre Freizügigkeit seinerzeit ausnutzten. Alle wissen, dass einer der Männer des Dorfes der Vater des jungen Mahony sein wird, und die Gerüchteküche um das Verschwinden der jungen Orla im Jahr 1950 brodelt auch 1979 noch. Die Dorfbewohner sind an einer Aufklärung des damaligen Geschenhens nicht interessiert, sie feinden Mahony an und versuchen ihn zu ermorden. Einzig die skurille, alte Schauspielerin Mrs. Cauley hilft ihm bei der Aufklärung des Mordes an seiner Mutter.
Was das Buch zu etwas Besonderem macht, ist die Tatsache, dass Mahony die Toten des Dorfes sehen kann. Sie gehören zu seinem Alltag, sind genauso skurill wie die lebenden Dorfbewohner und helfen ihm hier und da, bei der Suche. Auch der Wald und die Natur in Mulderrig stehen auf seiner Seite. In einem magischen Sturm wird im Dorf alles durcheinandergeweht, Quellen in einer Bibliothek, Rußwolken aus Kaminen, eine Spinneninvasion im Dorfladen und viele weitere Einfälle hatte die begabte Autorin, um die Leserschaft zu unterhalten. Das Buch ist ein sorgsam verwobenes Ganzes, mit einer tollen Sprache, verrückten Einfällen und sehr spannend!