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Veröffentlicht am 05.07.2025

Eine schöne Sammlung literarischer Betrachtungen des Rheins

Der Rhein
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„Der Rhein“ beinhaltet Auszüge von Victor Hugos Prosawerk „Le rhin“, das auf seinen Rheinreisen 1839/1840 beruht. Hugos Stationen, die in den Auszügen behandelt werden, sind Aachen, Köln, Andernach, Sankt ...

„Der Rhein“ beinhaltet Auszüge von Victor Hugos Prosawerk „Le rhin“, das auf seinen Rheinreisen 1839/1840 beruht. Hugos Stationen, die in den Auszügen behandelt werden, sind Aachen, Köln, Andernach, Sankt Goar, Bacharach, der Binger Mäuseturm, Mainz, Frankfurt, Heidelberg und der Rheinfall. Tatsächlich ist es sinnvoll, Hugos Reisebericht dann zu lesen, wenn man mehrere dieser Orte bereits besucht hat, damit man seine Beschreibungen besser nachvollziehen kann. Ich hatte die Auszüge zum ersten Mal vor ein paar Jahren gelesen, als ich wenige der beschriebenen Orte aus eigener Erfahrung kannte, und fand die Lektüre eher öde. Mittlerweile habe ich die meisten der beschriebenen Orte selbst in Augenschein genommen und fand die Lektüre sehr spannend. Der Text setzt sich aus mehreren Bestandteilen zusammen. Einerseits finden sich typische Reisebeschreibungen: Wir begutachten mit Hugo u. a. den Aachener Königsthron und – als Baustelle – den Kölner Dom, begeben uns auf Wanderungen in die Weinberge links des Rheins und lassen uns vom Rheinfall umtosen. Diese Beschreibungen haben auch immer wieder literarischen Charakter: So erinnern Episoden im Heidelberger Schloss oder im Mäuseturm an Schauergeschichten (die Episode im Mäuseturm ist ein Highlight der Auszüge!), Hugos einsame Wanderungen besitzen romantische Naturdarstellungen. Andererseits streut Hugo – für seine französischen Lesenden – mehrfach historische Erläuterungen ein – so insbesondere als er den Frankfurter Römer beschaut und die Kaiserwahl zur Zeit des Heiligen römischen Reiches darlegt. Auch äußert sich der vordergründig im Linksrheinischen Reisende häufig über die jüngste Vergangenheit dieses Landstrichs, als er unter Napoleon zum französischen Staat gehörte (Patriotismen inklusive). Sehr lesenswert sind auch Hugos Überlegungen zum symbolischen Gehalt des Rheins, in denen er diesen als Kulturlandschaft betrachtet. Ergänzt werden die Auszüge aus „Le rhin“ von Zeichnungen Hugos sowie zeitgenössischen Bildern. Zudem findet sich ein Vorwort, das Informationen zum Entstehen des Prosatextes gibt, sowie ein Nachwort, in dem Hugo als Zeichner kurz eingeordnet wird. Insgesamt ist „Der Rhein“ eine schöne Sammlung von literarischen Äußerungen über den Rhein, die sich besonders zu lesen lohnt, wenn man die Orte bereits kennt.

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Veröffentlicht am 05.07.2025

Gemächlicher Beginn, danach legt das Tempo aber permanent zu

Der Inugami-Fluch
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Inhalt: Sahei Inugami führte ein umtriebiges Leben: Nicht nur gelang dem früh verwaisten Mann der Aufbau einer der größten Seidenfabriken Japans, gleichzeitig führte er mehrere parallele Beziehungen zu ...

Inhalt: Sahei Inugami führte ein umtriebiges Leben: Nicht nur gelang dem früh verwaisten Mann der Aufbau einer der größten Seidenfabriken Japans, gleichzeitig führte er mehrere parallele Beziehungen zu Frauen. Aus diesen Beziehungen sprossen Kinder und Enkelkinder, die einen latenten Hass gegeneinander verspüren. Dementsprechend verfahren ist die Situation der Erbangelegenheiten, als das Oberhaupt des Inugami-Clans stirbt. Was die Sache nicht besser macht: Das Testament ist ungemein vertrackt; Menschen, die Sahei ferner standen als seine Familie, werden begünstigt, andere gehen leer aus – der Hass zwischen den Familienmitgliedern lodert auf und schnell wird ein Mordopfer entdeckt…

Persönliche Meinung: „Der Inugami-Fluch“ ist Seishi Yokomizos vierter Kriminalroman um den unkonventionellen Privatdetektiv Kosuke Kindaichi. Da der Fall in sich abgeschlossen ist, kann er auch ohne Kenntnis der Vorgänger gelesen werden. Wie bereits in den vorherigen Bänden der Reihe tritt ein allwissender Ich-Erzähler auf, der aus der Retrospektive den Fall um die Inugami-Familie rekonstruiert. Zu Beginn braucht der Krimi etwas, um in Fahrt zu kommen: Der verstorbene Sahei sowie seine Familie werden ebenso wie das Testament Saheis recht ausführlich vorgestellt. Das ist zwar alles notwendig, um dem eigentlichen Fall später besser folgen zu können, allerdings wurde es für mich etwas zu gemächlich erzählt, wodurch Tempo verloren ging. Nach diesem eher behäbigen Start gewinnt der Roman aber an Tempo und Spannung: Die Taktung der Morde nimmt zu, der Modus Operandi ist interessant, mehrere Figuren tragen offenbar ein Geheimnis mit sich, später finden sich überraschende Wendungen/Aufdeckungen. Besonders hat mir hieran gefallen, dass der Krimi zum Miträtseln einlädt: Man kann dabei einzelne Querverbindungen bereits erahnen, das große Ganze bleibt dabei aber doch bis zuletzt rätselhaft, sodass die Auflösung überraschend ist. Der Schreibstil von Seishi Yokomizo lässt sich sehr flüssig lesen. Insgesamt ist „Der Inugami-Fluch“ ein Krimi, der etwas braucht, um einen zu fesselnd – hat man dieses Punkt erreicht, ist der Krimi aber eine sehr spannende Lektüre.

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Veröffentlicht am 05.07.2025

Vier schaurige Erzählungen

Die Geisterhand. Unheimliche Geschichten
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„Die Geisterhand“ versammelt vier Schauergeschichten der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf. Den Auftakt macht die titelgebende Erzählung, die von einem Liebespaar handelt, der eine eine Offenbarung ...

„Die Geisterhand“ versammelt vier Schauergeschichten der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf. Den Auftakt macht die titelgebende Erzählung, die von einem Liebespaar handelt, der eine eine Offenbarung leistende Geisterhand erscheint. Diese Geschichte besticht durch ihre gruselige Atmosphäre sowie ein drastisches Ende, das – auf einer anderen Ebene – nicht minder schaurig ist. Es folgt die kürzeste Geschichte „Die Rache bleibt nicht aus“: Eine Frau, Tora, offenbart hier die Vergangenheit des lokalen Pfarrers Ane. Interessant – und gespenstisch – ist hier insbesondere ein Aspekt der Vergangenheit Anes (den ich hier aber nicht spoilern will); daneben handelt es sich eher um eine moralisierende Geschichte, die zeigt, dass man irgendwann von den Konsequenzen seines Handelns eingeholt wird. In eine ähnliche Richtung geht „Eine Geschichte aus Halstanäs“, in der ein pensionierter Oberst einen seiner ehemaligen Fahnenjunker besucht. Dieser bewohnt einen geradezu paradiesischen Hof, der anschaulich beschrieben wird (eine große Stärke der Erzählung!). Aber auch in diesem keimt die Saat des Bösen, was mit der Vergangenheit des Fahnenjunkers zusammenhängt. Den Abschluss bildet die umfangreichste Erzählung „Vineta“. Diese ist im Kern eine Liebesgeschichte mit Dreieckskonstellation, was sich aber erst nach und nach offenbart: Ein Reisender verliebt sich in eine junge, einfältig dargestellte Frau; in diese Frau ist auch ein einheimischer Seemann verliebt, der sich aber – aus Gründen, die ich hier nicht spoilern möchte – von ihr lossagen musste. Diese Erzählung hat mir am besten gefallen: einerseits wird sie in Form einer Rahmenhandlung mit Binnenerzählung interessant erzählt, sodass sich die ganzen Zusammenhänge erst nach und nach entfalten; andererseits zeigt sie die Niederträchtigkeit des Menschen, die sich auch in der Liebe zeigen kann. „Unheimlich“ ist die Geschichte eher nicht; das Übernatürliche zeigt sich eher in seherischen Träumen, die einzelne Protagonisten besitzen. Alle Geschichten eint, dass sie ein andersweltlicher Hauch umweht: Obwohl sie in einer Welt spielen, die der Realität nachempfunden ist, durchziehen die Erzählungen mythische Elemente – ohne, dass man abschließend sagen kann, was Wirklichkeit, was Mythos ist. Abgerundet wird die Ausgabe des Reclam Verlags durch ein Nachwort, das in Leben und Werk von Selma Lagerlöf einführt.

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Veröffentlicht am 05.07.2025

Zwei nautische Erzählungen

Die Flaschenpost. Erzählungen
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In „Die Flaschenpost“ sind zwei nautische Erzählungen von Edgar Allan Poe versammelt. Den Auftakt bildet die titelgebende Erzählung, in der sich ein namenloser Ich-Erzähler nach einem Schiffbruch auf einem ...

In „Die Flaschenpost“ sind zwei nautische Erzählungen von Edgar Allan Poe versammelt. Den Auftakt bildet die titelgebende Erzählung, in der sich ein namenloser Ich-Erzähler nach einem Schiffbruch auf einem mysteriösen Schiff wiederfindet. Spannung entsteht hier einerseits durch die Unwissenheit des Ich-Erzählers (der, wie das Nachwort schön herausarbeitet, auch als unzuverlässiger Erzähler gelten kann) über die Vorgänge auf dem Schiff, andererseits durch die latent gruselige Stimmung, die auf dem Schiff herrscht. Perfekt ist hier auch das Ende. Die zweite Erzählung ist „Hinab in den Maelstrom“. Ein namenloser, ich-erzählender Wissenschaftler lässt sich hier von einem Seemann, der in den Maelstrom geriet, dessen Erlebnisse schildern. Diese Erzählung lebt insbesondere von den anschaulichen Beschreibungen des Seemannes, der die Schrecken des Maelstroms lebendig darstellt. Auch hier entsteht eine schaurige Atmosphäre, die mit dem Unbekannten der Tiefe spielt. Abgeschlossen wird die Ausgabe des Reclam Verlags durch ein Nachwort, das kurz in die Entstehungsgeschichten der beiden Erzählungen eintaucht.

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Ein hochspannender und fesselnder Thriller

Locked in
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Inhalt: In Heidelberg häufen sich Vermisstenfälle. Der Täter scheint seine Opfer eine gewisse Zeit festzuhalten, um sie dann zu ermorden; das Zeitfenster, die Vermissten lebend zu finden, ist dementsprechend ...

Inhalt: In Heidelberg häufen sich Vermisstenfälle. Der Täter scheint seine Opfer eine gewisse Zeit festzuhalten, um sie dann zu ermorden; das Zeitfenster, die Vermissten lebend zu finden, ist dementsprechend klein. Umso enthusiastischer ist Kommissar Paul Maertens, als es endlich eine Spur zum Täter gibt. Doch: Gerade als Maertens den Täter stellen kann, kommt es zu einem Unfall, in dessen Folge der Täter in ein Wachkoma fällt. Für die Vermissten scheint eine Rettung daher unmöglich – wäre da nicht der Neurologe Theo Linde, der mithilfe eines experimentellen Verfahrens mit komatösen Menschen kommunizieren kann…

Persönliche Meinung: „Locked In“ ist ein Thriller von Henri Faber. Erzählt wird die Handlung aus drei Ich-Perspektiven: Paul Maertens, Theo Linde und ein (zunächst) namenloses Ich „im Verlies“. Sowohl Paul Maertens als auch Theo Linde sind eher Antihelden: Maertens ist ein ruppiger Einzelgänger, den der Schatten einer vergangenen Familientragödie begleitet; Linde lebt einsam in der Villa seiner Vorfahren und ist gebrochen durch den Verlust seiner großen Liebe. Beide sind keine großen Sympathieträger, aber sehr interessant gestaltete Figuren mit Ecken und Kanten. Die Handlung des Thrillers ist sehr fesselnd: Es gibt mehrere spannende Wendungen und einen großen Twist am Ende; die Handlung ist insgesamt – durch sich später offenbarende Querverbindungen – komplexer als man zunächst vermutet. In Bezug auf die Figur Paul Maertens kommt in der Auflösung zudem noch eine Prise Tragik hinzu, die ich sehr mochte. Sehr gefallen hat mir auch der Handlungsort Heidelberg, der mit seinen Altstadtgassen, der Heiliggeistkirche sowie den Gängen unter der Altstadt anschaulich gezeichnet ist. Henri Faber schreibt gewohnt flüssig und anschaulich, sodass man den Thriller kaum beiseitelegen möchte. Insgesamt ist „Locked In“ ein fesselnder und wendungsreicher Thriller mit hoher Spannungskurve.

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