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Veröffentlicht am 15.10.2023

Ein spannender und wendungsreicher Urban Fantasy-Roman

Talus
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Inhalt: Edinburgh. Erin arbeitet neben dem Studium als Guide in den Vaults unterhalb der schottischen Hauptstadt. Ihr größter Traum ist es, selbst eine Agentur für Gruselführungen zu leiten. Daher probiert ...

Inhalt: Edinburgh. Erin arbeitet neben dem Studium als Guide in den Vaults unterhalb der schottischen Hauptstadt. Ihr größter Traum ist es, selbst eine Agentur für Gruselführungen zu leiten. Daher probiert sie sich jetzt schon mal aus und macht ihre Führungen gruseliger, als es sein müsste – was ihre Chefin nicht immer gutheißt. Doch dann geschieht das Unglaubliche: Ein wahrhaftiger Geist erscheint in den Vaults – wodurch für Erin die Türen der magischen Unterwelt Edinburghs geöffnet werden…

Persönliche Meinung: „Talus – Die Hexen von Edinburgh“ ist ein Urban Fantasy-Roman von Liza Grimm. Es handelt sich um den ersten Teil der dreibändigen Talus-Reihe (Band 1 und 2 bilden dabei eine inhaltliche Einheit, weshalb man diese beiden Bände unbedingt chronologisch lesen sollte. Für Band 3 bietet sich natürlich auch ein chronologisches Lesen an, allerdings muss dieses nicht zwangsläufig erfolgen). Der Inhalt von „Talus – Die Hexen von Edinburgh“ ist insgesamt viel reicher und komplexer, als mein kurzer Teaser vermuten lässt. Erzählt wird „Talus“ wechselweise aus drei verschiedenen personalen Perspektiven: So finden sich neben der bereits genannten Perspektive von Erin diejenigen von Noah, einem Wassermagier, der als Schattenleser arbeitet (eine Art Polizei der magischen Welt), und Lu, einem Mitglied des Gebräuzirkels, das mit ihrer magischen Begabung nicht völlig zufrieden ist. Alle drei Figuren besitzen einen bestimmten „Herzenswunsch“, den sie mithilfe des magischen Würfels Talus erfüllen möchten – was nicht ohne Schwierigkeiten geschieht. Mit ihren Hoffnungen, Wünschen, Sorgen und Ängsten werden die Protagonist*innen lebendig und anschaulich gezeichnet, wobei dies besonders für Erin gilt, die für mich in Bezug Lebendigkeit noch ein Stück weiter als die anderen beiden Figuren herausstach. Die Handlung von „Talus“ trumpft mit einigen schönen, kaum erahnbaren Wendungen auf, ist außerdem eine kleine Achterbahnfahrt der Gefühle und endet mit einem fiesen Cliffhanger, der gerade deshalb nicht besser sein könnte. Der Schreibstil von Liza Grimm ist anschaulich, eingängig und lässt sich sehr flüssig lesen. Insgesamt ist „Talus – Die Hexen von Edinburgh“ ein spannender sowie wendungsreicher Urban Fantasy-Roman mit schön ausgestalteten Figuren.

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Veröffentlicht am 15.10.2023

Ein schön erzähltes Kinderbuch

Die Mumins (4). Muminvaters wild bewegte Jugend
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Inhalt: Muminvater ist erkältet – so erkältet, wie er noch nie zuvor war. Da er nun nicht nach draußen kann, sondern ans Bett gefesselt ist, kommt er ins Grübeln. Und dabei fällt ihm auf, dass er seinem ...

Inhalt: Muminvater ist erkältet – so erkältet, wie er noch nie zuvor war. Da er nun nicht nach draußen kann, sondern ans Bett gefesselt ist, kommt er ins Grübeln. Und dabei fällt ihm auf, dass er seinem Sohn noch gar nicht von seiner abenteuerlichen Jugendzeit erzählt hat. Also setzt Muminvater sich kurzerhand an den Schreibtisch und schreibt seine Memoiren auf…

Persönliche Meinung: „Muminvaters wild bewegte Jugend“ ist ein Kinderbuch von Tove Jansson. Chronologisch handelt es sich um den vierten Band rund um die Muminfamilie, allerdings kann man der Handlung von „Muminvaters wild bewegte Jugend“ auch ohne Kenntnis der Vorgänger folgen. Erzählt wird das Kinderbuch auf zwei Ebenen: Die Haupthandlung bildet Muminvaters Ich-Erzählung über seine Kindheit und Jugend. Hier erzählt Muminvater leicht übertreibend und mit einem Augenzwinkern episodenartig einzelne Abenteuer aus seiner Jugend (z. B. Schifffahrten, der Gang durch einen Irrgarten oder der „Kampf“ gegen einen Drachen). Diese Haupthandlung ist in eine Rahmenhandlung, die erstere immer mal wieder unterbricht, eingebettet: Muminvater liest die einzelnen Kapitel der Memoiren seinem Sohn Mumin und dessen Freunden schrittweiße – gewissermaßen in einem „work in progress“ – vor. In dieser (aus allwissender Perspektive erzählten) Rahmenhandlung diskutieren Muminvater, Muminmutter, Mumin, Schnüfferl und der Schnupferich über das kurz zuvor von Muminvater Erzählte, wobei sowohl stilistische als auch inhaltliche Fragen gestellt werden. Das hört sich jetzt vielleicht alles ein bisschen trocken an, aber keine Sorge: Tove Jansson verpackt Binnenerzählung und Rahmenhandlung zielgruppengerecht und in einer amüsanten Art und Weise. Daneben ist noch ein weiterer Aspekt im vierten Muminband schön gemacht: Die „wild bewegte Jugend“ erlebt Muminvater mit den Eltern von Schnüfferl und Schnupferich, sodass diese Figuren eine kleine Hintergrundgeschichte erhalten. Der Schreibstil von Tove Jonasson ist humorvoll sowie angenehm und flüssig zu lesen. Insgesamt ist „Muminvaters wild bewegte Jugend“ ein amüsantes, abenteuerreiches und schön erzähltes Kinderbuch.

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Veröffentlicht am 15.10.2023

Ein anschaulich geschriebener Rechtsmedizin-Thriller

Mit kalter Präzision
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Inhalt: Die Frau des bekannten Berliner Schönheitschirurgen Roderich Kracht wird in der Villa des Ehepaars ermordet aufgefunden. Da Kracht Kontakte in die höchste Riege der Politik und Polizei besitzt, ...

Inhalt: Die Frau des bekannten Berliner Schönheitschirurgen Roderich Kracht wird in der Villa des Ehepaars ermordet aufgefunden. Da Kracht Kontakte in die höchste Riege der Politik und Polizei besitzt, werden weder Kosten und Mühen noch Personal gescheut, um den Mord möglichst schnell aufzuklären. Auch die Rechtsmedizinerin Sabine Yao wird in dem Fall eingesetzt – und entdeckt bei der Obduktion rechtsmedizinisch Unmögliches: Der errechnete Todeszeitpunkt findet keine Entsprechung in dem Zustand der Leichenstarre.

Persönliche Meinung: „Mit kalter Präzision“ ist ein Thriller von Michael Tsokos. Es handelt sich um den Auftakt einer neuen Reihe, in der Sabine Yao in die Rolle der Ermittlerfigur schlüpft (man trifft aber auch auf einige bekannte Figuren aus anderen Tsokos-Thrillern). Erzählt wird die Handlung von einem allwissenden Erzähler, der meist die personale Perspektive von Yao einnimmt. Wie der Untertitel von „Mit kalter Präzision“ schon angibt, handelt es sich bei dem Roman um einen „Rechtsmedizin-Thriller“ – und das findet sich auch an mehreren Stellen in der Handlung wieder: Leichen werden detailliert obduziert, Todesursachen werden diskutiert, Todeszeitpunkte werden berechnet und historische rechtsmedizinische Kriminalfälle werden erzählt. Dies erfolgt – soweit ich es als Laie beurteilen kann – authentisch sowie theoretisch fundiert. Spannung entsteht in „Mit kalter Präzision“ weniger durch die Frage nach der Täterfigur (diese steht – durch fehlende zusätzliche potentielle Täter – vergleichsweise früh fest), sondern eher durch die Frage, wie man der Täterfigur ihre Taten nachweisen kann (und generell durch das wahre Ausmaß der Tathandlungen). Neben dem eigentlichen Fall spielt auch das Privatleben von Sabine Yao eine größere Rolle: Ihre Schwester befindet sich – aus Gründen, die ich hier nicht spoilern möchte – in psychiatrischer Behandlung, was auch Yao mitnimmt. „Mit kalter Präzision“ ist anschaulich geschrieben, trotz der „Theorielastigkeit“ eingängig (und nicht trocken) erzählt und lässt sich flüssig lesen. Insgesamt ist „Mit kalter Präzision“ ein anschaulich geschriebener Thriller, der mit einer gehörigen Portion Rechtsmedizin-Insiderwissen auftrumpft.

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Veröffentlicht am 11.10.2023

Ein atmosphärischer Roman

Der Knochenwald
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Inhalt: Seit Jahren lebt Mattie gemeinsam mit ihrem Ehemann William in einer einsamen, von dem Rest der Menschheit abgeschotteten Berghütte. William ist ein Tyrann, dessen Stimmungsschwankungen und Gewalttätigkeiten ...

Inhalt: Seit Jahren lebt Mattie gemeinsam mit ihrem Ehemann William in einer einsamen, von dem Rest der Menschheit abgeschotteten Berghütte. William ist ein Tyrann, dessen Stimmungsschwankungen und Gewalttätigkeiten Mattie schutzlos ausgeliefert ist. Doch plötzlich ändert sich Matties Leben von Grund auf: Als markerschütternde Schreie durch den Wald hallen und seltsam verstümmelte Tierkadaver nahe der Berghütte auftauchen, begeben sich Mattie und William auf die Suche nach deren Ursprung – und treffen dabei auf einen Mann, der wissen zu scheint, wer Mattie ist…

Persönliche Meinung: „Der Knochenwald“ ist ein Horrorroman von Christina Henry. Es handelt sich um einen stand-alone Roman, der sich unabhängig von den anderen Büchern Henrys lesen lässt (auch ist „Der Knochenwald“ keine Märchen-/Klassikeradaption wie „Die dunklen Chroniken“, sondern eine eigenständige Geschichte). Erzählt wird die Handlung aus der personalen Perspektive von Mattie, die unter der Tyrannei Williams lebt. Die Gewalttaten und Willkürlichkeiten Williams werden dabei deutlich beschrieben, sodass man unweigerlich mit Mattie fühlt (durch die deutlichen Beschreibungen kann das Buch triggernd wirken, weshalb an dieser Stelle eine Triggerwarnung sinnvoll ist). Innerhalb der Handlung treten gewissermaßen zwei Monster auf: das unbekannte Wesen und William – wobei man sich während der Lektüre permanent fragt, wer das größere Monster ist. Eine Stärke des Romans ist die Nachzeichnung der Gefühlswelt Matties: Während der Handlung entdeckt sie – aus Gründen, die ich hier nicht spoilern möchte – ihre Vergangenheit neu, was zu einer anschaulichen, tempomäßig stimmig austarierten Entwicklung Matties führt. Spannung entsteht innerhalb der Handlung durch mehrere Fragen, die eine*n beim Leseprozess ständig begleiten: Was hat es mit dem Monster auf sich? Wer ist der Fremde und woher kennt er Mattie? Und: Wie ist die Vergangenheit Matties? Etwas schade ist, dass diese Spannungselemente nicht konsequent verfolgt werden; oftmals treten die Fragen in den Hintergrund, wodurch es einzelne, eher langatmige Szenen gibt. Das Ende ist zudem eher offengehalten, sodass man nicht auf jede der Fragen eine endgültige Antwort erhält. Der Schreibstil von Christina Henry ist anschaulich und lässt sich flüssig lesen, wobei die atmosphärische Zeichnung besonders der einsamen Wälder rings um die Hütte schön dicht und schaurig ist. Insgesamt ist „Der Knochenwald“ ein atmosphärischer Roman mit einer einfühlsam ausgestalteten Protagonistin; der Handlungsbogen des Romans konnte mich allerdings nicht völlig überzeugen.

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Veröffentlicht am 09.10.2023

Ein vielschichtiger und spannender Kriminalroman

Sommersonnenwende (Wolf und Berg ermitteln 1)
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Inhalt: Es ist der Sommer 1994. Die Sonne glüht; die Temperaturen in Schweden brechen Rekorde. Weiter angeheizt wird die Stimmung durch die Erfolge der schwedischen Nationalmannschaft bei der WM: Der große ...

Inhalt: Es ist der Sommer 1994. Die Sonne glüht; die Temperaturen in Schweden brechen Rekorde. Weiter angeheizt wird die Stimmung durch die Erfolge der schwedischen Nationalmannschaft bei der WM: Der große Coup, der Titel, scheint plötzlich real zu werden. Diese euphorisierende Stimmung geht allerdings fast völlig an dem Kriminalkommissar Thomas Wolf vorbei. Nicht nur ist Wolf – durch seine Einsätze als UN-Soldat – stark traumatisiert, was immer mehr sein Familienleben belastet. Hinzu kommt eine erschütternde Mordserie: Junge Frauen, erdrosselt und vergewaltigt, werden an verschiedenen Orten in Schweden gefunden. Auch die Journalistin Vera Berg wird unvermittelt auf diese Serie aufmerksam – und beginnt eigene, inoffizielle Ermittlungen.

Persönliche Meinung: „Sommersonnenwende“ ist ein Kriminalroman von Pascal Engman und Johannes Selåker. Es handelt sich um den ersten Fall um die beiden Ermittlerfiguren Thomas Wolf und Vera Berg. Erzählt wird die Handlung wechselweise aus den personalen Perspektiven beider Figuren, die zunächst noch getrennt voneinander ermitteln, ehe sich ihre Wege später kreuzen (daneben findet sich noch die Perspektive einer dritten Figur, die ich hier aber nicht spoilern möchte). Sowohl Wolf als auch Berg, deren jeweiliges Privatleben neben dem eigentlichen Fall eine vergleichsweise große Rolle spielt, sind interessant gezeichnet: Beide besitzen eine nicht unproblematische Vergangenheit, die sie noch in der Gegenwart belastet; trotz ihrer Versuche, „richtig“ zu handeln, kommen sie stellenweise vom Weg ab – was nicht ohne Konsequenzen bleiben wird. Kurz: Sie sind keine unbefleckten, genialen Ermittlerfiguren, sondern eher Antihelden mit Ecken und Kanten, wodurch sie lebendig und authentisch wirken. Der Fall, der in „Sommersonnenwende“ behandelt wird, ist sehr vielschichtig. So besitzt er einerseits – durch verschiedene Handlungsstränge – einen schönen Komplexitätsgrad, andererseits – durch die Undurchsichtigkeit der Handlung – eine fesselnde Spannungskurve. Zudem ist „Sommersonnenwende“ ein kleiner Gesellschaftsroman: Nicht nur erscheint der Kriminalroman wie ein Guckkasten in das Schweden Mitte der 1990er; zugleich führt er die Ermittlerfiguren (und mit ihnen die Lesenden) in eine fremdenfeindliche, mafiöse Untergrundbewegung. Das fulminante Ende des Romans (und damit die Frage nach der Täterfigur) ist kaum vorhersehbar und überraschend. Der Schreibstil von Engman/Selåker ist anschaulich sowie detailliert und lässt sich flüssig lesen. Insgesamt ist „Sommersonnenwende“ ein spannender, tiefenscharfer Kriminalroman mit lebendigen Protagonisten.

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