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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2020

sei brav!

Ärgere niemals einen Elefanten
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Paul geht mit seiner Mutter in den Zoo. „Nun sei brav und mach dich nicht schmutzig, Paul!“, sagt die Mutter. Aber Paul hat nur Flausen im Kopf, rutsch das Geländer herunter, ärgert Elefanten, Giraffen ...

Paul geht mit seiner Mutter in den Zoo. „Nun sei brav und mach dich nicht schmutzig, Paul!“, sagt die Mutter. Aber Paul hat nur Flausen im Kopf, rutsch das Geländer herunter, ärgert Elefanten, Giraffen und Lamas und sieht nach jeder Szene wesentlich schlimmer aus, als zuvor. Und immer wieder holt seine Mutter ihr Stofftaschentuch hervor und versucht ihn sauber zu machen.
„Ärgere niemals einen Elefanten“ von Stefanie Gerstenberger ist ein wunderbar illustriertes Kinderbuch, welches einen Blick zurückwirft wo Kinder noch feingemacht wurden, wenn man ausging. Es zeigt auch, dass man die Tiere nicht ärgern darf, da diese sich das nicht gefallen lassen. Auch wenn die Situationen bzw. das Handeln etwas überspitzt dargestellt werden, so hätte ich mir ermahnende Worte der Mutter gewünscht. Diese ist aber lediglich auf die Sauberkeit und das Aussehen ihres Sohnes bedacht.
Ansonsten gefällt das Buch den kleinen Zuhörern ab 4 Jahren. Es ist nicht mit Text überladen, kommt ansprechend daher und hat ein versöhnliches Ende.

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Veröffentlicht am 09.03.2020

Blick für die Schönheit

Auf zur Schatzinsel!
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„Auf zur Schatzinsel!“ von Lizzy Stewart bezaubert bereits mit einem wunderschönen Cover, welches sich durch das strukturierte Papier und dessen Prägung bereits von der Masse abhebt. Gegensätze ziehen ...

„Auf zur Schatzinsel!“ von Lizzy Stewart bezaubert bereits mit einem wunderschönen Cover, welches sich durch das strukturierte Papier und dessen Prägung bereits von der Masse abhebt. Gegensätze ziehen sich an, könnte man auch hier sagen. Auf der einen Seite der etwas träumerische, chaotische Papa, auf der anderen Seite die strukturierte, ordnungsliebende Mathilda. Und schnell stellen nicht nur die Leser*innen fest, dass beide eine perfekte Ergänzung des jeweils anderen darstellen.
Das Buch ist richtig schön illustriert, der Text ist kindgerecht und die Mischung aus Text und Bild ist für Kinder ab 4 Jahren ideal, um der Geschichte problemlos zu folgen und Spaß dabei zu haben. Die Illustrationen sind ansprechend und laden zum Verweilen und Erkunden ein.
Das Kinderbuch liegt mit seinem Din A4 Format gut in der Hand und zeigt, dass auch Eltern sich ruhig etwas ablenken lassen und mit offenen Augen durch die Natur gehen können.
„Auf zur Schatzinsel!“ eignet sich aufgrund der Textlänge und des tollen Abenteuers bereits für Kinder ab 4 Jahren.

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Veröffentlicht am 07.03.2020

Bunkerwelt

Sein Reich
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„Keine Behörde kann uns etwas vorschreiben, die haben alle keine Berechtigung. Die BRD ist eine Firma. Mehr nicht.“ [93]

Bereits das eingangs erwähnte Zitat verdeutlicht auf ganz besondere Weise, welche ...

„Keine Behörde kann uns etwas vorschreiben, die haben alle keine Berechtigung. Die BRD ist eine Firma. Mehr nicht.“ [93]

Bereits das eingangs erwähnte Zitat verdeutlicht auf ganz besondere Weise, welche Erfahrungen Juri mit den Reichsbürgern, deren verschiedenen Schattierungen, machen wird. Dass es nicht nur Sonderlinge sind, stellt er ziemlich bald selbst fest. Aber da ist der anfängliche Spaß bereits komplett verschwunden.

„Papa lebt im Reich und ich in Deutschland. Er glaubt an die große Weltverschwörung, ich nicht. Er denkt, alle Forscher lügen, ich sehe das andersrum – ich denke, Leute wie er haben einen an der Waffel.“ [153]

Mit dem Roman „Sein Reich“ thematisiert Martin Schäuble die Reichsbürger in all seinen Facetten. Der Schreibstil ist frech, spritzig und modern. Es macht Spaß Juri auf seiner Reise zu begleiten. Schäuble schafft es vortrefflich ein wichtiges und schwieriges Thema ansprechend und gut aufbereitet, einer nicht nur jugendlichen Zielgruppe, zu präsentieren. Gekonnt zeigt er, dass die Reichsbürger nicht nur ein harmloses Phänomen sind und eine Situation schnell eskalieren und lebensbedrohende Züge annehmen kann. Besonders gefällt mir daran, dass Schäuble dies alles ohne erhobenen Fingerzeig schafft.

Insgesamt ist der Roman ein wunderbar politischer Ausflug in eine andere Welt, sprachlich ebenfalls.

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Veröffentlicht am 26.02.2020

Schicksal eines Auswanderes

Der Empfänger
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Mit „Der Empfänger“ liefert die Autorin Ulla Lenze ein Stück spannender Geschichte, die man so wahrscheinlich nicht kannte oder allzu oft gehört hatte.
Josef „Joe“ Klein, Protagonist und Auswanderer, ...

Mit „Der Empfänger“ liefert die Autorin Ulla Lenze ein Stück spannender Geschichte, die man so wahrscheinlich nicht kannte oder allzu oft gehört hatte.
Josef „Joe“ Klein, Protagonist und Auswanderer, kommt fernab der Heimat in das Spionagenetzwerk der deutschen Abwehr in den Vereinigten Staaten. Der neugierig machende Klappentext, die Vorstellung wie spannend das Ganze sein muss, bleiben leider beim Lesen des Romans auf der Strecke, obwohl das Buch sehr viel Potenzial bietet.
Die ganze Geschichte um Josef liest sich etwas anstrengend, dabei versprechen die zwei Zeitebenen Spannung. Der Schreibstil von Lenze ist anders, nicht schlecht, aber anders. Man braucht Zeit, um in das Geschehen einzutauchen. Lenze will viel, packt viele Themen in dieses Buch. Auch neue Aspekte, zum Beispiel über die Amerikanischen Rechten, welche ich so noch nicht kannte. Vieles wirkt eher wie ein Sachbuch, jedoch nicht in der dazugehörigen Tiefe, die das wieder interessant gemacht hätten. Dazu tragen auch die Zeichnungen der Charaktere bei. Sie bleiben alle blass. Man liest fast emotionslos den Roman, was den Charakteren geschuldet ist. So wirkt die Beziehung von Josef zu seinem Bruder Carl oder zur Amerikanerin Lauren kühl. Man wird davon nicht berührt. Alles bleibt für die Leser* innen sehr distanziert.
Meinem persönlichen Empfinden nach, wirkt Josef viel zu naiv, zu gleichgültig und so schafft es das Buch auch nicht, mich für dieses Einzelschicksal zu begeistern.

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Veröffentlicht am 26.02.2020

Geprägt von den Eltern

Der Mangel
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„Allein durch die hässlichen Dinge aus den Möbelmärkten lebten sie in einer absoluten Gegenwart.“ [76]
In seinem Roman „Der Mangel“ lässt Oskar Roehler die sechziger Jahre noch einmal, auf einer Fiktion ...

„Allein durch die hässlichen Dinge aus den Möbelmärkten lebten sie in einer absoluten Gegenwart.“ [76]
In seinem Roman „Der Mangel“ lässt Oskar Roehler die sechziger Jahre noch einmal, auf einer Fiktion beruhend, Revue passieren und arbeitet diese auf literarische Weise nochmals auf.
Wenn ich jetzt überlegen müsste, welche Schlagworte mir für die Deutsche Zeitgeschichte der 60er Jahre einfallen würde, wären dies Proteste, Vertreibung, Konsum und Konjunktur. Also quasi eine Zeit, die durch Veränderungen geprägt ist. Wahrscheinlich würde der Autor Roehler nun hinzufügen: Und durch den Mangel!
In seinem Werk geht er dabei mit poetischer Sprache, manchmal für meinen Geschmack etwas zu hochgestochen und auch wiederholend (eine Lehre in der Kreissparkasse machen), auf die Themen der damaligen Zeit ein.
„Die Sudetendeutschen, die Zuwandere aus Ostpreußen, aus Pommern und Schlesien“ [37] sind in dem Roman eine eingeschworene Gemeinschaft, gierig nach geistiger Nahrung, die eine Klassengesellschaft bilden und sich der Obrigkeit erkenntlich zeigen sollen, wohnen in einer abgelegenen Siedlung, sind hart zu sich selbst und zeigen einen Freiheitsdrang, auch wenn dieser bei den dort lebenden Kindern zu einer Totalverweigerung führt.
„Freiheit in einem einzigen Akt der Totalverweigerung verteidigten, während die anderen sich abführen ließen und sich in das Schicksal, das für sie vorgesehen war, fügten.“ [61f.]
Der Schreibstil ist flüssig. Die Charaktere bleiben eher oberflächlich, was aber nicht schlimm ist, da der Roman mehr die Gesamtsituation der 60er Jahre beschreibt als das Schicksal einer einzelnen Person. Spannend ist es trotzdem der Erzählung zu folgen, der teils dichterischen Ausdruckskraft zu lauschen und über das Gelesene nachzudenken.
„Das schwarze Brackwasser, in das sie starrten, hätte als metaphorischer Spiegel für Verdrängtes, in Vergessenheit Geratenes herhalten müssen, das sich nun wieder einen Weg an die Oberfläche bahnte.“ [26]
Der Roman zeigt auf eindrucksvolle Weise, welche Faktoren dazu beitragen, zu der Person heranzuwachsen, die man ist. Die Kinder sind von ihren Eltern geprägt. „Fronarbeit waren sie von Kindesbeinen an gewohnt, Härte gegen sich selbst.“ [28] Auch betrifft der Mangel nicht nur Dinge des Konsums, sondern vielmehr auch die emotionale Sparsamkeit, welche die Eltern aufgrund der Lebenssituation an den Tag legen. „Sie (die Mutter) war es, die den Mangel verwalten musste, der unser Leben bestimmte, die sorgfältig dosierten Notrationen an Zuversicht, Liebe, Strenge.“ [52]

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