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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.09.2019

phantastische Atmosphäre

Marina
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„Wir waren im verzauberten Barcelona angelangt, dem Labyrinth der Geister, wo die Straßen legendenhafte Namen trugen und die Kobolde der Zeit sich hinter uns tummelten.“ [227]

Wieder einmal finden sich ...

„Wir waren im verzauberten Barcelona angelangt, dem Labyrinth der Geister, wo die Straßen legendenhafte Namen trugen und die Kobolde der Zeit sich hinter uns tummelten.“ [227]

Wieder einmal finden sich die Leser*innen im geheimnisvollen Barcelona wieder. Man taucht mit dem Protagonisten Oscar in eine mystische Geschichte ein, in der es nicht nur um Liebe geht, sondern auch um einen Krimi mit einer düsteren Grundstimmung. Zusammen mit Marina gerät der Protagonist in einen Sog von Ereignissen, die er sich wohl kaum vorher so gruselig ausgemalt hätte.
Zafón weiß wie man fesselnde Bücher schreibt. Sein Erzählstil ist fabelhaft. Das kommt auch der extravaganten Geschichte zugute, bei der übernatürliche, märchenhafte und magische Elemente stellenweise in den Vordergrund treten.
Es ist ein Roman der durch seine Atmosphäre besticht, teils gespenstisch, mit vielen unerwarteten Wendungen, bis hin zum großen Finale.

„Wir alle haben im Dachgeschoss der Seele ein Geheimnis unter Verschluss. Das hier ist das meine.“ [11]

Fazit: Ein typischer Zafón Roman mit viel Mystischem, Liebe und kriminalistischen Elementen im geheimnisvollen Barcelona

Veröffentlicht am 05.09.2019

Wahnsinnig gut

Die Einsamkeit der Seevögel
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„Die klare und messbare Sprache der Phänomene – das ist es, was ich brauche. Eine Sprache die unerschütterliche Tatsachen schafft.“ [14]


Gøhril Gabrielsen schickt in ihrem Roman „Die Einsamkeit der Seevögel“ ...

„Die klare und messbare Sprache der Phänomene – das ist es, was ich brauche. Eine Sprache die unerschütterliche Tatsachen schafft.“ [14]


Gøhril Gabrielsen schickt in ihrem Roman „Die Einsamkeit der Seevögel“ eine namenlose Protagonistin mitten im Winter in den äußersten Zipfel Norwegens. Und während die Wissenschaftlerin, am Ende der Welt, dabei ist, die Vögel zu erforschen, sieht sie sich in der Einsamkeit mit ihren Ängsten, Fragen, Problemen konfrontiert und muss sich mit eben diesen auseinandersetzen.

„Beweggründe für meinen Rückzug in die Einsamkeit. Gründe, ebenso verborgen wie das Leben in den Meerestiefen da draußen.“ [37]

Gabrielsen schreibt sehr pointiert, spannend und atmosphärisch. Man spürt förmlich die raue Natur, die vorherrschende Stille der Einsamkeit und ist von der Sprache ganz eingefangen. Die Autorin zeichnet ein faszinierendes Setting und lässt die Protagonistin einiges durchleben. Was dabei der Wirklichkeit entspricht oder der Phantasie der Wissenschaftlerin lässt sich nicht genau klären. Vieles verschwimmt fließend im Laufe der Zeit.
Die am Anfang vorherrschende positive Stimmung wandelt sich zusehends. „Im Einklang mit der mich umgebenden Natur werde ich mich entfalten, regelrecht aufblühen.“ [8] Mehr und mehr nimmt die Spannung zu und die Gedankenwelt wird beständig düster, wirkt bedrohlich, gar zerstörend. "So löscht es (Natur) mich nach und nach aus". Je länger die Hauptfigur in der Einsamkeit verweilt, umso mehr sieht sie sich bedroht. „Mein Status hat sich von gefährdet zu ernsthaft bedroht verschoben.“ [118]

„Die Einsamkeit der Seevögel“ ist ein sprachlich exzellenter Roman, den man langsam lesen sollte, um tief in die Gedankenwelt abzutauchen. Das im Insel Verlag erschienene Buch wirft viele Fragen bei den Leser*innen auf, beantwortet diese leider aber nicht, was dem offenen Ende geschuldet ist. Und wieder einmal steht man vor der Frage: Realität oder Phantasie? Ist alles nur ihrer eigenen Wahnwelt geschuldet? Sind die Wahrnehmungen der Protagonistin nur Phantasiebilder, die sich mit der Realität decken?

„Ich frage mich, ob wirklich ich es bin, die ich da sehe.“ [137]

Die Autorin liefert ein packendes Buch, in dem nichts so ist, wie es scheint. Bei all den Fragen ist eines sicher: Man bleibt auch Tage nach dem Lesen mit seinen Gedanken bei diesem Roman hängen.

Veröffentlicht am 03.09.2019

Spielend lesen lernen

Duden Leseprofi – Total verrückt nach Fußball, 1. Klasse
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„Total verrückt nach Fußball“, aus der Reihe Duden Leseprofi, sorgt für ordentlichen Lesespaß bei den kleinen Erstlesern. Altersgerecht finden sich zahlreiche Illustrationen im Büchlein, welche ansprechend ...

„Total verrückt nach Fußball“, aus der Reihe Duden Leseprofi, sorgt für ordentlichen Lesespaß bei den kleinen Erstlesern. Altersgerecht finden sich zahlreiche Illustrationen im Büchlein, welche ansprechend dargestellt sind. Die große Schrift lässt sich prima lesen und mit Lesezeichen und Profifragen haben die Leser*innen viel Motivation weiter zu lesen. Mit den Profifragen wird nochmals das Leseverständnis abgefragt und überprüft. Man bekommt also Fragen wie folgende: Wer hat das erste Tor geschossen, was bedeutet das Wort umzingeln? Aus den vorgegebenen Antworten wählt man die treffende Antwort aus und kann mithilfe des Lesezeichens überprüfen, ob man richtig lag.
Das Kinderbuch bietet eine schöne Geschichte und spricht Mädchen und Jungen gleichermaßen an.

Veröffentlicht am 26.08.2019

viel böser Zauber

Mucho Mojo
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„Auf dieser Welt gibt es das Böse. Das echte Böse. (Es) läuft auch nich in Schwarz und auf Zehenspitzen rum, und es is unabhängig von Hautfarbe und Geschlecht. Manchmal entspringt das Böse aus guten Quellen. ...

„Auf dieser Welt gibt es das Böse. Das echte Böse. (Es) läuft auch nich in Schwarz und auf Zehenspitzen rum, und es is unabhängig von Hautfarbe und Geschlecht. Manchmal entspringt das Böse aus guten Quellen. Manchmal tarnt es sich mit vielen guten Fassaden.“ [314]

„Mucho Mojo“ von Joe R. Lansdale ist der zweite Band zu der Reihe "Hap Collins & Leonard Pine“. Ich beziehe mich hier wieder auf die limitierte Taschenbuchausgabe des Golkonda Verlags.

Tja, was soll man sagen? Der erste Teil konnte mich begeistern, der zweite Teil ebenfalls. Wie ich schon bei dem ersten Band geschrieben hatte: „Zwischen der ganzen Gewalt, dem amüsanten Teil, der kurzweiligen Geschichte, steckt zwischen den Zeilen auch Gesellschaftskritik.“ Dies alles trifft abermals voll und ganz zu und zeigt sich auch an dem folgenden Zitat:

„In welcher Polizeiära die Mordserie angefangen hat. Damals lag die Wertschätzung für Minderheiten unter Null, und das is heute vielleicht nich viel anders.“ [207]

Diesmal lässt Lansdale seine beiden Charakteren der Frage nachgehen, was schlimmer ist: „Das vermüllte Haus eines Onkels zu erben, mitsamt Kinderleiche im Keller, oder Nachbarn, die dummdreiste Drogendealer sind?“ [Zitat Cover]

Und Hap und Leonard wären nicht sie selbst, wenn sie nur tatenlos zusähen und die Füße stillhielten. Sie mischen sich ein, wühlen auf, haben klare Statements, auch wenn die Durchführung der angestrebten Lösungen manchmal besser verlaufen könnte.

„Die Gegend hier braucht was Praktisches …. Und keinen Glaubenskram mehr. Kurse zur Verhütung und zur Krankheitsvorsorge, so was wird gebraucht.“ [115]

So ungleich die beiden sind, so zeigt sich doch anhand der Beiden, dass Freundschaft über Grenzen hinweg gilt.

„Ich machte mich ein bisschen über Leonard lustig, nur um zu zeigen, wie gern ich ihn hatte. Seine Antwort war ein ausgestreckter Mittelfinger, was so viel hieß wie: Ich mag dich auch.“ [98]

Fazit: Meine neue Lieblingsreihe geht in Runde zwei und man darf wieder gespannt mitfiebern.
„Die Sache stinkt immer mehr nach Agatha Christie, und mit Rätseln kenn ich mich nich aus.“ [151]

Veröffentlicht am 26.08.2019

eindringliche Literatur

Nacht in Caracas
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„Die Bestattungsinstitute der Stadt waren wie Öfen. Die Leute wurden hinein- und hinausgeschoben wie die Brote, die in den Läden knapp wurden und als steinharte Erinnerung an den Hunger auf unser Gedächtnis ...

„Die Bestattungsinstitute der Stadt waren wie Öfen. Die Leute wurden hinein- und hinausgeschoben wie die Brote, die in den Läden knapp wurden und als steinharte Erinnerung an den Hunger auf unser Gedächtnis niederregneten.“ [7]


In dem Roman-Debüt „Nacht in Caracas“ von Karina Sainz Borgo bekommen wir einen tiefen Einblick in die Seele Venezuelas, eines untergehenden Landes, welches an der Nordküste Südamerikas liegt.
Die Protagonistin Adelaida, aus ihrer Sicht wird berichtet, verliert nicht nur ihre Mutter, sondern auch ihre Wohnung und findet sich fortan in einer prekären Lage wieder, in einem zerrütteten Land voller Gewalt, Tod und Angst. Flucht scheint die einzige Möglichkeit zu sein, sich selbst zu retten.

Obwohl die Autorin ein düsteres Bild, gar ein Schreckensszenario, zeichnet, ist man durch den Schreibstil gefesselt. Auf zwei Zeitebenen wird die Lage des Landes sehr gut verdeutlicht. Man erhält einen Einblick über die Zustände des fernen Landes.
Sainz Borgo schafft es mit ihrem Debüt ein Stück bewegende Literatur zu liefern, das noch lange im Kopf bleibt.