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Veröffentlicht am 14.06.2018

Blick auf die Dunkelheit

Splitterfasernackt
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Lilly Lindner schildert in ihrem autobiografischen Debütroman den an ihr begangenen sexuellen Missbrauch als 6 Jährige, die daraus resultierende Magersucht und schließlich das Leben als Prosituierte in ...

Lilly Lindner schildert in ihrem autobiografischen Debütroman den an ihr begangenen sexuellen Missbrauch als 6 Jährige, die daraus resultierende Magersucht und schließlich das Leben als Prosituierte in einem Bordell.

Sollte man eine Autobiografie bewerten, rezensieren? Wie kann man sich in diesen Tatsachenbericht, in diese Welt sich einbringen?
Mir persönlich fällt es schwer, das Beschriebene zu bewerten. Dies überlasse ich diesmal dem Feuilleton-Team der FAZ (siehe Link).

Was mich an diesem Buch jedoch wirklich begeistert hat. Der grandiose Schreibstiel und die Prosa, welche die Autorin an die Welt legt.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/belletristik/lilly-lindner-splitterfasernackt-ohne-maenner-ist-es-im-bordell-ganz-gemuetlich-11496490.html

Veröffentlicht am 08.06.2018

Alte Liebe oder neue Erotik?

Mach mich zu deiner Hure | Erotischer Roman
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Das ist die entscheidende Frage in diesem Roman von Jenna Norman. Und genau mit dieser Frage sieht sich die Protagonistin Melinda konfrontiert.
Während ihr Ex-Mann Jason seine geliebte heiraten möchte, ...

Das ist die entscheidende Frage in diesem Roman von Jenna Norman. Und genau mit dieser Frage sieht sich die Protagonistin Melinda konfrontiert.
Während ihr Ex-Mann Jason seine geliebte heiraten möchte, bleibt Melinda gefühlstechnisch und was die Emotionen anbelangt, stehen und geht für ihren Job auf. Durch Zufall trifft sie auf Riley und muss sich von nun an für einen der beiden Männer entscheiden.
Der Schreibstil ist flüssig und das Buch lässt sich prima lesen. Die Leser begleiten Melinda auf dem Weg ihrer Findung wer nun der richtige für sie sei. Dabei durchläuft sie eine nicht gekannte Wandlung, welche sich in einer gefestigten, emotionaleren und willensstarken Frau formiert. Natürlich taucht die Protagonistin in diverse erotische Abenteuer ab – diese wurden jedoch nicht sehr ausgiebig beschrieben-, probiert neues und entdeckt ihre heimlichen Wünsche und Gefühle.
Vom Setting hätte ich mir persönlich etwas mehr erwartet. Jedoch wurde Melindas Charakter gut herausgearbeitet und ist für die eine oder andere Überraschung gut und bringt den Leser auch zum Schmunzeln. Dies merkt man gerade gegen Ende des Buches bei der Kommunikation mit ihrem Sohn. Selbstsicher und taff.

Veröffentlicht am 04.06.2018

Ein exzentrischer Privatdetektiv

Der rote Stier
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„Ich (Wolfe) behaupte, ich war faul und eitel. Damit dürfen Sie mich zitieren“ [192].
Danke, genau das tue ich hiermit.

Alles beginnt mit einem harmlosen Unfall und der Suche nach einem Telefon. Und so ...

„Ich (Wolfe) behaupte, ich war faul und eitel. Damit dürfen Sie mich zitieren“ [192].
Danke, genau das tue ich hiermit.

Alles beginnt mit einem harmlosen Unfall und der Suche nach einem Telefon. Und so laufen Nero Wolfe und Archie Goodwin über eine Weide und kommen automatisch zu ihrem gemeinsamen Fall.

Wolfe: „Wo sind wir?“
Goodwin: „Zweihundertsiebenunddreißig Meilen nordöstlich des Times Square“

Von nun an sind beide in ihrem Element. Und man merkt schon, dass dies keine trockene Ermittlung werden kann. Dies wird umso deutlicher, als Wolfe vor dem Stier auf einen Felsen klettert und Goodwin über den Weidezaun purzelt. „Herrlich! Um nichts hätte ich das verpassen wollen“

„Nero Wolfe ist bekanntermaßen ein exzentrischer Privatdetektiv mit eigenem Koch und allerlei dezidierten Ansichten sowie Verhaltensweisen rund ums Essen.“ [342] Dieser Satz aus dem Nachwort beschriebt ihn sehr treffen. Dagegen stellt sich Goodwin selbst als Laufbursche dar. „Mr. Wolfe übernimmt in unserer Firma das Verdächtigen, fragen Sie ihn. Ich bin der Laufbursche.“ [262]
„Ich kann Dummheit verurteilen und tue dies auch häufig, denn sie ärgert mich, aber moralische Entrüstung ist ein gefährlicher Luxus.“ [207] Wolfe sagt grundsätzlich das, was ihm in den Sinn kommt. Denn „das (Reden) ist mein einziges Talent“ [197]. Er schätzt Situationen und seine Gegenspieler jedoch stets sehr präzise ein und zeigt dies auch offen. „Wir brauchen eigentlich keine Finessen…..Warum einigen wir uns nicht einfach darauf, dass Sie kein Dummkopf sind und ich ebenso wenig? “ [206]. Jedoch greift der beleibte Wolfe und sein Assistent Archie auf verschieden Techniken bei der Ermittlung zurück. Auch machen sie vor einer Lüge nicht Halt und begründen dies wie folgt: „Victor Hugo hat ein ganzes Buch darüber geschrieben, dass eine Lüge etwas sehr Nobles sei…“ [195]

Unter dem Originaltitel „Some buried Caesar" erschienen und nun komplett neu übersetzt, liegt ein tolles Buch vor, dass auch haptisch einen tollen Eindruck macht.

Veröffentlicht am 25.05.2018

Gesellschaftskritik

Hochdeutschland
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Schimmelbuschs Buch „Hochdeutschland“ spielt in Frankfurt und Umgebung und handelt von Victor, einem ennuyierten Investmentbanker der bereits auf der ersten Seite sehr treffend als „flexible Persönlichkeit“ ...

Schimmelbuschs Buch „Hochdeutschland“ spielt in Frankfurt und Umgebung und handelt von Victor, einem ennuyierten Investmentbanker der bereits auf der ersten Seite sehr treffend als „flexible Persönlichkeit“ [1] beschrieben wird. Es mangelt ihm an Herausforderungen. Er hat für sich alles erreicht, ist reich – da Teilhaber der Birken Bank. Seine Ehe ist gescheitert. Aber Glück und Zufriedenheit kann man mit all dem Geld nicht kaufen. Dies muss auch Victor feststellen.

Schimmelbusch zeigt sehr pointiert wie Victor seinen Platz in der Gesellschaft erreicht hat und was dem Erfolg geschuldet ist.

Sein eigenes Glück schmieden – was für ein verlogenes Bild… []

Der Blick auf das Deutschland dieser Zeit, der am Anfang bissig, lustig, böse aber durchaus treffend herüberkommt, weicht immer mehr dem Gesellschaftlichen und die politische Ansichtsweise kommt immer stärker zum Tragen.

„Es geht hier um Deutschland Habibi. Nicht um irgendein in sich ruhendes Chillout-Land. Deutschland funktioniert nur, wenn alle die ganze Zeit arbeiten, sonst kommt der Deutsche auf dumme Gedanken – haste den schonmal im Urlaub gesehen?“ [174]

Und so erarbeitet Victor ein Manifest und legt dieses Ali Osman, seinem Freund und Mitglied des Bundestages für die Grünen vor. Dies kommt dem Bundestagsabgeordneten sehr gelegen, da er Gedanken für eine „die Deutschland AG“ hat.

Dieser politische Entwurf soll nichts anderes machen, als Deutschland radikal umzubauen, wie es ja in der Wirtschaft oft vorgelebt und auch umgesetzt wird. Dabei bedient sich Victor bei seinen Formulierungen dem kompletten politischen Spektrum, sowohl rechts als auch links außen. Er versucht dabei das Leistungsprinzip auf die BRD bzw. der Gesellschaft zu übertragen und dem Großen und Ganzen zu unterstellen. In diesem Manifest, es liest sich wie ein Wahlprogramm einer populistischen Partei, wird auch die Einkommensverteilung - „25 Millionen (Eigenvermögen) sind genug.“ [ 115 ] - in Frage gestellt.

An vielen Stellen von Schimmelbuschs Buch fühlt man sich an "American Psycho" von Bret Easton Ellis erinnert.

"Sie trug einen schwarzen Jumpsuit von Jil Sander, signalrote Turnschuhe von Adidas by Yohji Yamamoto... [204]

Aber auch "Unterwerfung" von Michel Houellebecq kommt dem Leser in den Sinn. Nicht nur weil sich Houellebecq als Gesellschaftsdenker darstellt, sondern auch weil dort der Protagonist François sich auf eine Reise in sein Inneres begibt.

Der Roman von Schimmelbusch hat sehr wenig Handlung und die Interaktion zwischen den Charakteren leidet, da keinerlei kritische Hinterfragung stattfindet.

„Isch fick disch, Alter"
„Isch fick deine Mutter" [176]

Obwohl Schimmelbusch mit großen Worten nur um sich schmeißt, lässt sich sein Werk bestens lesen. Man ist auf jeden Fall gut unterhalten und wird mit einigen Gedankenspielereien bedacht, welche auch nach der Beendigung des Romans den Leser weiter beschäftigen.

Veröffentlicht am 25.05.2018

Wie die Klassiker der amerikanischen Literatur

Fremdes Land
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Weldon Holland ist ein junger Amerikaner und zugleich der Protagonist in James Lee Burkes „Fremdes Land“. Burke nimmt den Leser mit nach Texas des Jahres 1934.

Monotonie begleitet Weldons Leben im ländlichen ...

Weldon Holland ist ein junger Amerikaner und zugleich der Protagonist in James Lee Burkes „Fremdes Land“. Burke nimmt den Leser mit nach Texas des Jahres 1934.

Monotonie begleitet Weldons Leben im ländlichen Texas. Der zweite Weltkrieg kommt wie gerufen und dort kann Weldon zum Held aufsteigen. Er befreit Rosita, eine Jüdin aus Deutschland, reist später zurück nach Amerika und heiratet sie. Das Ölgeschäft boomt und gemeinsam mit seinem alten Kriegskamerad Herschel steigt er dort ein. Doch der Erfolg bringt auch Neider.

Burke schreibt bildgewaltig und atmosphärisch. Alles wirkt sehr lebendig. Die Hauptfiguren werden sehr eindrucksvoll herausgearbeitet. Keins seiner Wörter ist zu viel. Und genau das macht den Roman zu einem wunderbaren Meisterwerk. Der Autor Burke verknüpft Gut gegen Böse mit den Themen rund um das Gangsterpaar Bonnie & Clyde, dem zweiten Weltkrieg und dem Ölboom.

Fazit
Bildgewaltig. Wie die großen Klassiker der amerikanischen Literatur. Lesen!