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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.03.2026

Ein Blick ins Schlafzimmer

Sexualität und Glaube
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Eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben, ist für mich herausfordernd, denn ich ringe selbst um Antworten auf Fragen, die hier angesprochen werden. Dabei wundere ich mich, wie ethische Maßstäbe, die ...

Eine Rezension zu diesem Buch zu schreiben, ist für mich herausfordernd, denn ich ringe selbst um Antworten auf Fragen, die hier angesprochen werden. Dabei wundere ich mich, wie ethische Maßstäbe, die für mich als Christ schon lange klar sind, zunehmend in Gemeinden an Bedeutung verlieren.

Dieses Buch ist sehr darum bemüht, wissenschaftlich fundierte Antworten auf Fragen rund um das Erleben von Sexualität zu geben. In verschiedenen Medien wurden Christen aufgerufen, anonym über ihre Erfahrungen Auskunft zu geben. Über 10.000 Menschen sind es, die hier Einblick in ihre zutiefst persönlichen Gedanken und Erlebnisse geben.

Die Ergebnisse werden in verschiedene Themenfelder gegliedert und ausgewertet, beispielsweise Sexualität als Single, Paarsexualität, Sex und Gewalt oder sexuelle Vielfalt. Jedes Kapitel endet mit interessanten Kommentaren von Fachleuten zu den vorangestellten Auswertungen.

Das Buch ist gut lesbar, und auch das Layout mit den vielen Grafiken der Auswertungsergebnissen überzeugt. Die Themen sind sinnvoll gewählt und interessant. Es ist grundsätzlich sehr wertvoll, dass es ein solches Buch als Gesprächsgrundlage gibt.

Beim Lesen habe ich aber das Gefühl, dass nicht wirklich objektiv an dieses Thema herangegangen wird. Es scheint ein Unterton mitzuschwingen: Wer an einer veralteten Sexualethik festhält, ist zu bedauern und gefährdet andere. Das wird nicht ausdrücklich so gesagt, klingt aber an vielen Stellen durch.

Natürlich ist es gut und notwendig, eigene Überzeugungen immer wieder zu prüfen und zu hinterfragen. Gleichzeitig bedeutet das nicht, dass alles, was vor zwanzig Jahren gelehrt wurde, automatisch überholt ist. Manchmal scheint es mir, dass Christen gerne den Trends um sich herum folgen, einfach einige Jahre später.

Ein Beispiel dafür sehe ich im Kapitel über Pornographie. Dort wird vor allem die Inkongruenz im Leben gläubiger Menschen thematisiert: Viele Christen lehnen Pornographie ab, konsumieren sie jedoch selbst. In diesem Buch wird dabei besonders hervorgehoben, wie belastend die damit verbundenen Schuldgefühle sein können. Erwähnt wird jedoch nicht, dass solche Schuldgefühle nicht nur Überreste einer strengen christlichen Prägung sein müssen, sondern auch ein wertvoller Hinweis des Gewissens sein können.

Anstatt nur von Komplexen zu reden, könnte auch über die andere Seite informiert werden: Frauen werden ausgebeutet, um pornografische Inhalte herzustellen. Dazu zeigen zahlreiche Studien, wie sich das Gehirn der Konsumenten verändert, wodurch echte Intimität immer weniger möglich wird. Pornokonsum wird außerdem leicht zu einer Sucht, die nach immer stärkeren Reizen sucht. Eine Verharmlosung der Pornographie wird zudem unseren Kindern schweren Schaden zufügen.

Ähnliche Bedenken habe ich auch bei anderen Themen in diesem Buch. Ich finde die Idee ausgezeichnet, über den Zusammenhang von Glauben und Sexualität zu forschen, finde aber, dass die Auswertungen in diesem Buch zu einseitig sind. Schade! Ich hätte mir ein deutschsprachiges Buch gewünscht, das eher dem amerikanischen Bestseller, „The Great Sex Rescue“ ähnelt.

Fazit: Dieses Buch wertet eine groß angelegte Studie unter Christen zum Thema Glauben und Sexualität aus. Die Teilnehmer stammen aus der katholischen und evangelischen Kirche sowie aus Freikirchen und anderen christlichen Denominationen. Die Idee hinter dem Projekt ist hervorragend, und viele Aspekte des Buches sind gelungen. Kritisch sehe ich jedoch die teilweise einseitige Interpretation der Ergebnisse.

Veröffentlicht am 07.03.2026

Versuch einer Diskussionsgrundlage

Unsere Geschichte mit Sex
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Oft herrscht in christlichen Kreisen eine zwiespältige Beziehung zum Thema Sexualität. Teilweise wird das Thema gänzlich ausgeklammert, andererseits können moralische Maßstäbe stark propagiert werden und ...

Oft herrscht in christlichen Kreisen eine zwiespältige Beziehung zum Thema Sexualität. Teilweise wird das Thema gänzlich ausgeklammert, andererseits können moralische Maßstäbe stark propagiert werden und zum Ausschluss aus Gemeinde und gar Familie führen.

Dieses Buch möchte als Hilfe zum Gespräch über kontroverse Themen verschiedene Perspektiven von Christen nebeneinanderstellen. Dazu werden mehrere Ratgeber zum Thema Ehe und Sexualität untersucht, ergänzt durch aktuelle Meinungen von christlichen Influencern. Daneben stehen Erfahrungen von vierzehn Interviewpartnern, die in Familie und Gemeinde unterschiedliche Erfahrungen im Umgang mit dem Thema Sexualität gemacht haben.

Im Mittelpunkt stehen Themen wie vorehelicher Geschlechtsverkehr, Pornokonsum und Masturbation, Geschlechtsidentität, Homosexualität oder Missbrauch. Auch wenn das genannte Anliegen eine neutrale Untersuchung von Meinungen ist, ist eine Wertung zu erkennen. Maßstab ist nicht in erster Linie die Bibel, sondern ein verantwortungsvolles zwischenmenschliches Miteinander.

Nach Aussage des Autorenquartetts verfolgt das Buch folgende Anliegen: „ehrliche Antworten zur Sexualität“, „dass das gegenseitige Verurteilen aufhört“, „konstruktive Gespräche und Debatten anregen“, „dass Menschen ermutigt werden, für die Wahrung ihrer eigenen Grenzen einzustehen“

Diese Anliegen sind gut und dringend notwendig. Die Umsetzung enttäuscht jedoch teilweise. Die Gendersternchen fallen vermutlich als Erstes ins Auge. Ich kann damit leben, finde aber, dass sie den Lesefluss stören und die Sprache verunstalten. Als Frau fühle ich mich auch ohne sie angesprochen. Für mich ist das kein großes Thema, doch ich kenne einige, für die das bereits ein Grund wäre, das Buch abzulehnen.

Das Buch zeigt anhand von Beispielen, wie konservative Einstellungen, wie kein Sex vor der Ehe oder kein Ausleben von Homosexualität, zu starken Verletzungen führen können, sodass Menschen sich sogar ganz vom Glauben abwenden. Diskussionen über solche Themen sind sehr wichtig. Wie schön wäre es, wenn Christen lernen würden, sich trotz gegensätzlicher Meinungen anzunehmen. Dafür wäre es allerdings hilfreich, einen ausgewogenen Text als Diskussionsgrundlage anzubieten und etwas behutsamer mit dem Thema umzugehen, damit konservative Christen nicht von vornherein abgestoßen werden.

Fazit: Eine interessante Diskussionsgrundlage über aktuelle Erfahrungen von Christen mit dem Thema Sexualität. Dabei geht es weniger um den normalen Alltag in einer Ehe, sondern eher um kontroverse Themen. Positiv hervorzuheben ist, dass unterschiedliche Denkweisen nebeneinandergestellt werden. Konservative Christen werden sich jedoch vermutlich nicht mit dem Inhalt dieses Buches identifizieren können und es eher als Angriff auf einen schriftgemäßen Glauben sehen.

Veröffentlicht am 04.03.2026

Die neue Währung: Daten

Der Unsichtbare
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Der Firmenname Palantir ist in Deutschland vielleicht weniger bekannt, doch auch hier wird die Software dieses Unternehmens eingesetzt. Vor allem die Polizei mancher Bundesländer nutzt Palantir zur Analyse ...

Der Firmenname Palantir ist in Deutschland vielleicht weniger bekannt, doch auch hier wird die Software dieses Unternehmens eingesetzt. Vor allem die Polizei mancher Bundesländer nutzt Palantir zur Analyse großer Datenmengen.

Dieses interessante Buch erzählt die Geschichte dieser Firma von ihren unscheinbaren Anfängen bis hin zu ihrer heutigen Bedeutung. Dabei ist es besonders spannend, dass der Autor den Firmengründer, Alex Karp, persönlich kennt und für dieses Buch viele Interviews mit ihm führt.

Gerade die Lebensläufe von Karp und seinem Mitgründer Peter Thiel sind faszinierend und teilweise überraschend. Die beiden Männer sind sehr unterschiedlich, sowohl was ihre Persönlichkeit betrifft als auch in ihren politischen Ansichten. Es ist aufschlussreich, ihre unterschiedlichen Entwicklungen mitzuverfolgen und zu sehen, wie sie sich ergänzen.

Die Entwicklung Palantirs wird weitgehend chronologisch erzählt. Dabei spielen weltpolitische Ereignisse eine große Rolle, zum Beispiel der 11. September 2001 oder die Covid-Pandemie. Das Buch zeigt anschaulich, wie Krisen das Wachstum des Unternehmens beschleunigen.

Dieses Buch ist gut lesbar und verständlich geschrieben. Ich hatte allerdings erwartet, dass die Problematik des Überwachungsstaates stärker im Mittelpunkt stehen würde. Dieses Thema wird zwar angesprochen, steht aber nicht im Mittelpunkt. Trotzdem ist das Buch definitiv lesenswert, vor allem, um besser zu verstehen, welche Macht Daten in unserer heutigen Zeit besitzen und welche Herausforderungen damit verbunden sind.

Fazit: Ein aktuelles Buch über ein wichtiges Unternehmen unserer Zeit. Empfehlenswert, vor allem für Menschen, die sich für Zeitgeschehen und Technologie interessieren!

Veröffentlicht am 25.01.2026

Das Abenteuer zu dienen

Die Schattenkinder von Kirgistan
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Gerade erst achtzehn geworden und schon ist Jonathan Bühne allein unterwegs in ein fremdes Land. Sein Weg führt ihn nach Kirgistan, ein kleines Land in Zentralasien, das an China grenzt und in dem Russisch ...

Gerade erst achtzehn geworden und schon ist Jonathan Bühne allein unterwegs in ein fremdes Land. Sein Weg führt ihn nach Kirgistan, ein kleines Land in Zentralasien, das an China grenzt und in dem Russisch gesprochen wird. Seine Aufgabe dort: die Mitarbeit in einem Kinderheim, in dem vernachlässigte und traumatisierte Kinder und Jugendliche leben. Die Erfahrungen mit diesen Kindern, die teilweise fast genauso alt sind wie der Autor selbst, bringen ihn an seine Grenzen und lassen ihn über grundlegende theologische und philosophische Fragen nachdenken.

Dieses Buch ist weniger ein Bericht über Land und Leute in Kirgistan als vielmehr eine Sammlung tiefsinniger Gedanken über soziale Gerechtigkeit, Gemeinschaftssinn, Nächstenliebe, Gottesferne und Versagen. In 21 Kapiteln berichtet der Autor von seinen Erlebnissen – oft im Umgang mit den Kindern und Jugendlichen, manchmal auch allein unterwegs in der Natur. Jedes Kapitel beginnt mit einem aussagekräftigen Schwarz-Weiß-Foto und einem passenden Zitat. Auf einen erzählerischen Teil folgt jeweils eine Reflexion über Gott und die Welt, in der der Autor auch Denker zitiert, die sich mit ähnlichen Themen auseinandergesetzt haben.

Mit diesem Buch möchte der Autor andere ermutigen, ihre Komfortzone zu verlassen und den Ärmsten zu dienen. Dabei verschweigt er nicht, dass diese herausfordernde und anstrengende Arbeit einen alles kosten kann. Dennoch kommt er zu dem Schluss, dass es sich lohnt, und schreibt: „Denn ich bin überzeugt, dass auch kleine, scheinbar unbedeutende Akte der Nächstenliebe unabsehbare Konsequenzen haben können.“

Sehr wohltuend ist der offene Blick des Autors auf seine eigene Unzulänglichkeit im Umgang mit diesen schwierigen Kindern, deren Not oft unaussprechlich ist. „Meine Zeit in Kirgistan war ein Versuch, die Dinge in mir zu konfrontieren, die dieser Schönheit widerstehen, die in ihrer Selbstbezogenheit nicht bereit sind, über die eigenen Bedürfnisse hinauszuschauen. … Ich durfte lernen, auf eine Weise zu lieben, die mir zuvor verschlossen war.“

Wunderschön sind auch die Berichte über Begegnungen mit Kirgisen in seinem Alltag. Gewünscht hätte ich mir stellenweise mehr Informationen über Land und Leute, doch das ist nicht der Fokus dieses Buches. Manche Gedanken wirken in ihrer Dichte anspruchsvoll – man muss sich beim Lesen konzentrieren – und immer wieder verwundert es, dass der Autor dieses Werkes noch so jung ist.

Fazit: Gedanken eines jungen Reisenden über Leben, Not, Zusammenhalt und den Schöpfer. Sehr empfehlenswert – besonders für junge Menschen, die ein Auslandsjahr erwägen, sowie für Leser, die sich für theologische Anthropologie und tiefgründige philosophische Überlegungen interessieren.

Veröffentlicht am 24.01.2026

Nah am Herzen des Vaters

Immanuel: Immer bei dir
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Was für einen Unterschied würde es machen, wenn Christen wirklich in dem Bewusstsein leben könnten, dass Gott bei ihnen ist – immer, an jedem Tag und in jeder Sekunde. Und dass das etwas Gutes, etwas Schönes ...

Was für einen Unterschied würde es machen, wenn Christen wirklich in dem Bewusstsein leben könnten, dass Gott bei ihnen ist – immer, an jedem Tag und in jeder Sekunde. Und dass das etwas Gutes, etwas Schönes ist.

Der Titel dieses Buches kommt aus dem Hebräischen. Immanuel bedeutet „Gott ist mit uns“ und weist auf den menschgewordenen Gott hin, auf Jesus. Das feiern wir besonders an Weihnachten, doch was bedeutet das im Alltag? Spüre ich auch am Montag, dass Gott mir nah ist – oder nur sonntags in der Kirche?

Die anglikanische Priesterin und Seelsorgerin Summer Joy Gross zeigt in diesem Buch, wie dieses Kopfwissen ins Herz rutschen kann. Sie stellt fest, dass Wunden aus der frühesten Kindheit uns daran hindern können, der Liebe Gottes zu vertrauen. Unsere ersten Bindungserfahrungen – also wie unsere Bezugspersonen auf unsere Bedürfnisse reagiert haben – prägen unser Bild von Beziehungen. Ein Mangel aus diesen frühen Jahren wird, so die Autorin, häufig auf Gott projiziert. Dadurch fällt es vielen schwer, ihn als guten, zuverlässigen Vater wahrzunehmen.

Gross beschreibt die Bindungstheorie in verständlicher Sprache und greift dabei auf Erkenntnisse der Neurowissenschaft zurück. Besonders ermutigend ist ihre Betonung der Neuroplastizität: Das Gehirn kann sich immer wieder verändern. Fehlende Erfahrungen von Sicherheit und Geborgenheit können nachgeholt und im Gehirn neu verankert werden.

Es wärmt das Herz, zu lesen, wie viel Gott an uns liegt und wie sehr er sich nach Beziehung mit uns sehnt. Die Autorin versteht es gut, das Bild eines wunderbar liebenden Vaters vor Augen zu malen.

Im zweiten Teil nennt sie praktische Übungen, die diesen Vorgang unterstützen. Diese kontemplativen Praktiken, wie Stille, Gebet, Bibellesen und Buße, sind keine neumodischen Erfindungen, sondern haben eine lange Geschichte in der Christenheit. Die Erklärungen der Autorin zeigen, wie wohltuend diese Praktiken sein können. So schreibt sie beispielsweise: „Buße ist Gottes Einladung, sich losbinden zu lassen und ungehindert im Licht zu leben.“ Es geht nicht um den Zwang, etwas Bestimmtes praktizieren zu müssen, sondern um das Aufblühen in einer liebevollen und vertrauensvollen Beziehung zu Gott.

Der Schreibstil dieses Buches ist wohltuend, stets verständnisvoll und niemals verurteilend. Hilfreich ist, dass die Autorin viele eigene Beispiele für das Gesagte nennt – ob es um traumatische Erfahrungen oder um das liebevolle Werben Gottes um ihr Herz geht. Immer wieder lädt sie ihre Leser ein, innezuhalten und mit Gott ins Gespräch zu kommen.

Fazit: Dieses Buch ist eine liebevolle Einladung, sich nah an Gottes Herz zu schmiegen und die eigene Gottesbeziehung zu vertiefen. Theologisch fundiert und zugleich warm und persönlich geschrieben, ist es ein Werk zum Immer-wieder-Lesen – für alle, die Gottes Nähe nicht nur wissen, sondern tief erfahren möchten.