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Veröffentlicht am 27.11.2025

Manche Rätsel werden wohl nie gelöst werden!

Geheimnisse aus der Geschichte
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Dieses Buch, hervorgegangen aus einer Kolumne der Süddeutschen Zeitung, versammelt die spannendsten Beiträge über ungelöste Rätsel und Geheimnisse, die im Laufe von zehn Jahren erschienen sind. Die Themen ...

Dieses Buch, hervorgegangen aus einer Kolumne der Süddeutschen Zeitung, versammelt die spannendsten Beiträge über ungelöste Rätsel und Geheimnisse, die im Laufe von zehn Jahren erschienen sind. Die Themen könnten vielfältiger kaum sein: Mal geht es um Musiker oder Maler, dann wieder um Tiere, Politiker, mysteriöse Todesfälle sowie Mythen und Legenden – und noch vieles mehr.

Die insgesamt 71 Beiträge lassen sich alle in wenigen Minuten lesen. Es macht Freude, das Buch an einer beliebigen Stelle aufzuschlagen und sich überraschen zu lassen. Die Artikel sind nach Erscheinungsdatum angeordnet, sodass sich Themen und Autoren abwechseln. Der Schreibstil ist flüssig, und die Länge der einzelnen Texte passt perfekt.

Einige der behandelten Fragen lauten etwa: Was hat es mit dem rätselhaften Lächeln der Mona Lisa auf sich? Wo könnte die Bundeslade der Israeliten sein? Wer war für den Tod Vincent van Goghs verantwortlich? Was haben Zugvögel mit deutschem Bier zu tun? Und ist das Turiner Grabtuch authentisch? Selten führen die Überlegungen zu einer eindeutigen Lösung. Stattdessen werden verschiedene Indizien und Erklärungsansätze einander gegenübergestellt, sodass die Leser selbst entscheiden können, welche Interpretation ihnen am plausibelsten erscheint.

Besonders reizvoll ist die thematische Bandbreite. So erfährt man etwa von einem kuriosen Versuch, Menschen mit Affen zu kreuzen, oder liest über das erstaunliche Verhalten von Aalen. Natürlich wird jeder je nach persönlichem Interesse bestimmte Beiträge spannender finden als andere, doch angesichts der großen Vielfalt dürfte für alle etwas dabei sein. Mich persönlich begeistern vor allem die skurrilen Fakten und überraschenden Geschichten.

Fazit: Ein unterhaltsames Buch zum Schmökern und Stöbern, voll faszinierender Geheimnisse und verblüffender Anekdoten. Ideal als Geschenk oder als schnelle Lektüre für zwischendurch. Sehr empfehlenswert!

Veröffentlicht am 25.11.2025

Tosende Wellen und panische Angst

Halt in der Brandung
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„Nur weil wir auf Gott vertrauen, heißt das nicht, dass es keine Stürme, kein Leid und keinen Tod gibt. Aber wir wissen, dass er uns ewiges Leben schenken wird und wir im Himmel kein Leid mehr erfahren ...

„Nur weil wir auf Gott vertrauen, heißt das nicht, dass es keine Stürme, kein Leid und keinen Tod gibt. Aber wir wissen, dass er uns ewiges Leben schenken wird und wir im Himmel kein Leid mehr erfahren müssen. Was kann uns da noch Angst machen?“

Emilie wartet gespannt auf den Heiratsantrag. Schon bald wird sie die Herrin von Schloss Holdenstedt sein, wo sie einen wunderbaren Abend bei einer Feier verbringt. Sie versteht nicht, warum Leopold sie nicht sofort um ihre Hand bittet.

Am nächsten Morgen erreicht sie die Schreckensnachricht: Ihre Mutter und ihr älterer Bruder sind bei einem tragischen Kutschenunglück gestorben. Vom Familienanwalt erfährt sie dann noch, dass ihr Bruder ihr Vermögen aufgebraucht hat und sie auch ihr Zuhause verlieren wird. Ihre einzige Hoffnung ist ein Bruder, der seit acht Jahren verschollen ist.

Auf der Suche nach ihm unternimmt Emilie die weite Reise nach Kapstadt in Südafrika. Mitte des 19. Jahrhunderts ist das ein ungewöhnliches und gefährliches Unterfangen für eine junge, unverheiratete adlige Frau. Zum Glück findet sie auf einem Missionsschiff Passage und fühlt sich zumindest vor unerwünschten Zudringlichkeiten sicher. Sie ahnt nicht, wie sehr sich ihr Leben durch diese Reise verändern wird.

Besonders spannend an dieser Geschichte sind die ungewöhnlichen Themen. Während der Anfang des Buches an andere Geschichten über diese Ära erinnert, ändert sich dies, als Emilies Zukunftspläne scheitern. Es gibt nur wenige Bücher, die von der Reise einer Gruppe von Missionaren in ein unbekanntes Land berichten oder das alltägliche Leben europäischer Siedler in Südafrika schildern. Dies macht das Buch zusammen mit seinen sympathischen Charakteren besonders lesenswert.

Im Mittelpunkt der Erzählung stehen Fragen nach Leid und dem Gefühl, von Gott enttäuscht worden zu sein. Emilies innerer Kampf, Gott trotz Leid zu vertrauen, wird gut nachvollziehbar geschildert. Naturbeschreibungen, Ängste und Sehnsucht sind weitere Themen, in denen dieser Roman glänzt. Die Liebesgeschichte ist teilweise vorhersehbar, bietet aber dennoch Überraschungen.

Fazit: Ein spannender Roman über die abenteuerliche Reise einer jungen Frau. Sehr empfehlenswert, besonders für Leserinnen, die einzigartige historische Romane mit romantischen Elementen lieben!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.11.2025

Trauer und Freude - Hand in Hand

Ich hab noch nie so gern gelebt
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In ihrem umfangreichen neuen Buch erzählt Bianka Bleier, wie sie die Jahre 2013 bis 2022 erlebt hat. Es fehlt lediglich das Coronajahr 2021.

Manche Einträge sind kurz, andere gehen über mehrere Seiten. ...

In ihrem umfangreichen neuen Buch erzählt Bianka Bleier, wie sie die Jahre 2013 bis 2022 erlebt hat. Es fehlt lediglich das Coronajahr 2021.

Manche Einträge sind kurz, andere gehen über mehrere Seiten. Die Autorin beschreibt nicht alle Einzelheiten ihres Alltags, sondern erzählt von dem, was sie besonders freut, herausfordert oder zum Verzweifeln bringt. Dabei klingt sie stets authentisch. Sie verschweigt weder das Aneinanderreiben in der Ehe noch ihre Zweifel an Gottes Beistand.

Wiederkehrende Themen in diesem Buch sind das Älterwerden und der Tod. Sie stellt fest, dass ihr Körper sich verändert, Kräfte nachlassen, Krankheit und Schmerz eine immer größere Rolle in ihrem Leben spielen. Gleichzeitig muss sie den Tod von Menschen verkraften, die ihr nahestehen. Neben der Freude am Leben, die aus dem Titel herausklingt, ist dieses Buch darum von schmerzhaften, zweifelnden Gedanken geprägt. Für Leser ist es hilfreich, dass sie solche Gedanken in Sprache fasst und nach Antworten sucht.

Freudige Themen dagegen sind die neue Erfahrung, Großmutter zu sein sowie Erlebnisse in ihrem beliebten Café „Sellawie“, die ihr an manch finsterem Tag wie Lichtblicke erscheinen. Dazu kommt die zunehmende Selbstständigkeit eines Sohnes, der mit Beeinträchtigungen leben muss. Wie an vielen anderen Stellen, gibt es auch da wichtige Lernmomente, denn Bianka Bleier stellt fest: „Durch unseren behinderten Sohn habe ich endgültig verstanden, dass ich begrenzt sein darf und geliebt bin.“

Wie schön wäre es, wenn wir einander in christlichen Gemeinden nicht vorspielen würden, perfekt zu sein. Das Buch zeigt wohltuend offen, dass Glaube und Zweifel nebeneinanderstehen dürfen. Trotz Schwierigkeiten und Enttäuschungen hält die Autorin an Gott fest – nicht, weil sie alles versteht, sondern weil ein Weg ohne ihn für sie noch schwerer und vor allem sinnlos wäre. Sie macht sichtbar, dass es nicht auf jede Lebensfrage eine schnelle, fromme Antwort geben muss. So ist dieses Buch, trotz der schweren Themen, die angesprochen werden, ermutigend und hoffnungsvoll. Wertvoll sind auch die vielen Zitate und Hinweise auf hilfreiche Bücher.

Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Buch, vor allem für Frauen ab 50. Offen und ehrlich, aufbauend und nachvollziehbar!

Veröffentlicht am 13.11.2025

Die Wahrheit siegt

Der unbekannte Junge und das Vermächtnis der Ehrlichkeit
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Antonia ist verzweifelt. Das einzige Zuhause, das sie kennt, soll ihr genommen werden. Zusammen mit ihren Eltern lebt sie in einer alten Burg, die als Jugendherberge dient. Angeblich gehört dieses wertvolle ...

Antonia ist verzweifelt. Das einzige Zuhause, das sie kennt, soll ihr genommen werden. Zusammen mit ihren Eltern lebt sie in einer alten Burg, die als Jugendherberge dient. Angeblich gehört dieses wertvolle Anwesen am Starnberger See jemandem, der es selbst nutzen will. Doch ob das wirklich stimmt? Zum Glück kann Antonia auf ihre drei Freunde zählen – jeder von ihnen bringt besondere Fähigkeiten mit: chemisches Know-how, kluge Recherchearbeit mit Hilfe von KI, tröstende Worte und Mitgefühl. Gemeinsam begeben sie sich auf die Suche nach der Wahrheit – und stoßen dabei auf Erstaunliches.

Während Antonias Geschichte in der Gegenwart spielt, erzählt ein zweiter Erzählstrang von einem geheimnisvollen Jungen im Jahr 1917. Seine Herkunft ist ein Rätsel, ebenso wie die Tatsache, dass er sowohl Feinde im Verborgenen als auch unerwartete Unterstützer hat. Im Laufe der Handlung wird allmählich deutlich, wie seine Geschichte mit Antonias Kampf um die Burg zusammenhängt. Doch am Ende des Buches bleiben einige Fragen offen – man möchte sofort weiterlesen und zum nächsten Band greifen.

Diese spannende Geschichte ist für Kinder ab elf Jahren geschrieben, doch auch Erwachsene werden das Buch kaum aus der Hand legen wollen. Schon nach wenigen Absätzen werden die Figuren lebendig – das ist eine der großen Stärken dieses Romans. Die Kinder werden mit ihren Stärken und Schwächen beschrieben; sie treffen falsche Entscheidungen, werden von ihren Emotionen überrannt und bleiben dabei stets sympathisch.
Die Rätsel der Vergangenheit machen die Erzählung zu einer fesselnden Lektüre. Nach und nach fügt sich ein Puzzleteil zum nächsten, doch bis zum Schluss bleiben wichtige Fragen offen.
Thematisch geht es in diesem Band vor allem um Ehrlichkeit – auch um das Verschweigen von Tatsachen, die andere wissen sollten. Der Glaube bleibt im Hintergrund und tritt nur gelegentlich auf, etwa in Form eines Gebets. Das wirkt stimmig und passend. Die Sprache ist kindgerecht, und es ist interessant, dass aktuelle Themen wie künstliche Intelligenz aufgegriffen werden.
Fazit: Eine spannende Geschichte, die sich wunderbar als Geschenk für Kinder ab elf Jahren eignet – oder auch als Gute-Nacht-Lektüre. Ein christliches Buch, an dem sowohl Eltern als auch Kinder Freude haben werden!

Veröffentlicht am 10.11.2025

Und reichst du uns den schweren Kelch

Von guten Mächten treu und still umgeben
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„Bonhoeffer … verschweigt die Last böser Tage nicht. Er beklagt sich aber auch nicht darüber. Sondern er hält sich Gott hin.“

Monate vor seiner Hinrichtung schreibt Pastor Dietrich Bonhoeffer einen Weihnachtsbrief ...

„Bonhoeffer … verschweigt die Last böser Tage nicht. Er beklagt sich aber auch nicht darüber. Sondern er hält sich Gott hin.“

Monate vor seiner Hinrichtung schreibt Pastor Dietrich Bonhoeffer einen Weihnachtsbrief an seine Verlobte. Darin findet sich das berührende Gedicht, das mit den Worten beginnt: „Von guten Mächten wunderbar geborgen…“

Diese Verse, mehrfach vertont und bis heute häufig zu Jahreswechseln oder auf Beerdigungen gesungen, berühren Menschen seit Jahrzehnten. Sie tragen Hoffnung und Zuversicht in sich – den Glauben an eine Zukunft jenseits der trüben Zeit.

Dieses Buch enthält 27 Beiträge verschiedener Autorinnen und Autoren zu diesem bekannten Text. Die Aufsätze lassen sich jeweils in wenigen Minuten lesen und werden durch sorgfältig ausgewählte Zitate Bonhoeffers ergänzt, die die Gedanken der Verfasser treffend vertiefen.

Die Texte sind in drei Abschnitte gegliedert: Auslegungen, Vertonungen und Erfahrungen. Besonders die Beiträge im letzten Teil gehen zu Herzen und laden zum Nachdenken ein. Bereichernd sind auch die Abbildungen von Originalbriefen und Fotografien Bonhoeffers. Im Kapitel über die musikalischen Fassungen ermöglichen QR-Codes, die Lieder direkt anzuhören.

Die Gestaltung des Buches ist sehr angenehm. Es lädt zum Blättern, Innehalten und Nachsinnen ein. Leserinnen und Leser erfahren Neues über Bonhoeffers letzte Lebensmonate, seine Motivation und die Wirkung seines berühmten Textes. Leider bleiben einige Beiträge eher sachlich und nüchtern. Dennoch überzeugt der Band durch seine ehrliche Auseinandersetzung mit Bonhoeffers Glauben und Haltung. Immer wieder stellt sich beim Lesen der Beiträge die Frage: Hätte ich ebenso mutig gehandelt wie Bonhoeffer? Und wäre ich bereit, von Gott einen schweren Kelch anzunehmen?

Fazit: Ein bewegendes Buch über das bekannte Gedicht, „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Es beleuchtet den Entstehungshintergrund und zeigt verschiedene musikalische Interpretationen und persönliche Zugänge. Eine berührende Lektüre – besonders empfehlenswert für Bonhoeffer-Freunde und als tröstliches Geschenk in schweren Zeiten.