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Veröffentlicht am 13.05.2019

Interessante Hintergründe deutscher Sprichwörter, leider in wortreichen Erklärungen versteckt

Warum ist die Leberwurst beleidigt?
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Der Gedanke, der hinter diesem Buch steckt, ist für deutsche Sprachliebhaber faszinierend. Es gibt unzählige Sprichwörter und Redensarten. Ihr Hintergrund ist oft mysteriös. Denn warum sollte eine Leberwurst ...

Der Gedanke, der hinter diesem Buch steckt, ist für deutsche Sprachliebhaber faszinierend. Es gibt unzählige Sprichwörter und Redensarten. Ihr Hintergrund ist oft mysteriös. Denn warum sollte eine Leberwurst beleidigt sein, und wozu einen guten Rutsch wünschen? Die Redaktion der Süddeutschen Zeitung ist diesen Rätseln auf den Grund gegangen.

Die fast achtzig kurzen Beiträge sind thematisch in neun Kapiteln zusammengefasst. Da geht es um Speisen, Religion, Körperteile, Zahlen und anderes. Die einzelnen Kolumnen sind schnell gelesen. Es werden dabei nicht nur Begriffe und Sprichwörter untersucht, sondern auch Fragen wie zum Beispiel, was vor dem Urknall war, oder woher das Händeklatschen kommt.

Die Beiträge beginnen mit der Frage eines Lesers, die anschließend beantwortet wird. Die Begriffe und Rätsel werden jeweils auf zwei oder drei Seiten erklärt. Dabei wird weit ausgeholt. Die umfassenden Kenntnisse beziehungsweise Forschungsergebnisse der Redakteure sind deutlich zu sehen.

Die aufgeworfenen Fragen sind interessant, und versprechen ein kurzweiliges Buch. Leider lässt die Ausführung zu wünschen übrig. Es scheint als wollten die Autoren mit ihrer Gelehrtheit beeindrucken. Da geht es oft um Sagen und Mythen oder um skurrile historische Begebenheiten, die jedoch wenig mit der Frage zu tun haben. So mancher Beitrag schließt mit der Aussage ab, dass es nicht wirklich eine Antwort gibt.

Schöner wäre es, wenn die Antworten beim Thema bleiben würden und lesefreundlicher wären. Nichts gegen Wissenschaft und sprachlicher Gewandtheit, aber in diesem Fall bietet es keinen Mehrwert. Vielleicht erfüllt dieses Buch den Erwartungen von Süddeutsche-Lesern, für die breite Masse ist es auf jeden Fall weniger geeignet.

Fazit: Die Frage nach der Herkunft von Redewendungen und Gebräuche verspricht eine unterhaltsame Lektüre, leider ist aber der Schreibstil dieses Buchs langatmig und ausschweifend.

Veröffentlicht am 09.05.2019

Entspannter glauben: Mit Gott leben, anstatt für ihn

Du musst niemandem etwas beweisen
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„Wenn es Gott wirklich gibt, was bedeutet das für mein Leben?“ Jennie Allen stellte sich dieser Frage, und das Ergebnis war die Gründung eines Netzwerks von Frauen für Frauen. Die mittlerweile weltweit ...

„Wenn es Gott wirklich gibt, was bedeutet das für mein Leben?“ Jennie Allen stellte sich dieser Frage, und das Ergebnis war die Gründung eines Netzwerks von Frauen für Frauen. Die mittlerweile weltweit tätige Organisation „IF: Gathering“ möchte Frauen ermutigen sich nicht nur Christen zu nennen, sondern Jesus wirklich bewusst nachzufolgen.

Obwohl diese Organisation erfolgreich ist und die Gründerin und Autorin dieses Buchs oft vor vielen Frauen spricht, fühlt sie sich unzulänglich. Und solche Gefühle, meint sie, sind typisch für Frauen. Sie erkennt, dass sie sich selbst sehr viel Druck macht, und dass sie dazu neigt für Gott, anstatt mit Gott zu leben.

Unsere Leben gleicht einer Suche nach Wasserquellen, meint sie. Wir verbringen unsere Zeit mit dem Versuch unseren inneren Durst zu stillen. Wir lechzen nach Bestätigung und Anerkennung. Ein solches Leben ist unbefriedigend und anstrengend.

Gott hat etwas Besseres mit uns vor. „Er schaut dir in die Augen und sagt: durch dich wollte ich so viel verändern – deine Nachbarn, die ganze Stadt. Leider hast du immer nur in deinem Wohnzimmer gesessen und dir Serien reingezogen.“ Das Gefühl unzulänglich zu sein soll uns nicht davon abhalten Großes zu wagen. Wenn wir mit Jesus verbunden sind, ist er es, der durch uns wirkt. Das ist eine große Entlastung.

Im ersten Teil des Buchs erklärt die Autorin, wie uns unsere andauernde Suche nach Glück aufreibt. Im zweiten Teil geht sie auf verschiedene Problemfelder ein, die uns zu schaffen machen können; zum Beispiel Angst, Scham oder Passivität.

Jedes Kapitel umfasst etwa zwanzig Seiten und beginnt mit einer kurzen Geschichte. Begegnungen von Menschen mit Jesus aus dem Johannes Evangelium werden in der Ich-Perspektive nacherzählt. Mit hilfreichen Gedanken geht die Autorin anschließend auf das Thema des Kapitels ein, wobei sie eigene Erfahrungen einfließen lässt. Offen berichtet sie aus ihrem eigenen Leben, z.B. von einer Ess-Störung. Dadurch spürt der Leser, dass sie nicht über allem schwebt, sondern mit denselben Problemen kämpft. Am Schluss jedes Kapitels finden sich einige Seiten zum Verweilen und Nachdenken. Diese schön gestalteten Seiten nehmen das Muster des Covers auf. Neben einem Bibelvers und Fragen und Anregungen zum Nachdenken, finden sich praktische Vorschläge, wie das Gelernte umgesetzt werden kann.

Ein Gedanke zieht sich durch dieses Buch: Lasse deine eigenen Bemühungen und Bestrebungen los, und vertraue dich einfach Gott an. Diese Erkenntnis ist entspannend, gerade für Menschen, die zum Perfektionismus neigen. Deutlich zeigt die Autorin, dass das nicht zur Inaktivität führt, aber das Leben wird leichter, wenn es nicht alleine bewältigt werden muss.

Fazit: Ein ansprechendes, ermutigendes Buch, das sich vor allem an Frauen richtet. Es regt an, sich weniger nach den Meinungen von anderen zu richten, sondern in seine Gottesbeziehung zu investieren.

Veröffentlicht am 08.05.2019

Ein zerbrechliches Gefäß, vom Meister wiederhergestellt

Mein goldener Sprung in der Schüssel
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Das außergewöhnliche Cover dieses Buchs fällt ins Auge. Das faszinierende Bild darauf hat eine tiefere Bedeutung, die beim Lesen dieses spannenden Berichts immer deutlicher wird.

Der Autor und Pastor ...

Das außergewöhnliche Cover dieses Buchs fällt ins Auge. Das faszinierende Bild darauf hat eine tiefere Bedeutung, die beim Lesen dieses spannenden Berichts immer deutlicher wird.

Der Autor und Pastor Volker Halfmann berichtet ungewöhnlich offen aus seinem Leben. Nach einer mehr oder weniger normalen Kindheit, entschließt er sich Pastor einer freikirchlichen Gemeinde zu werden. Als er dann im Gemeindedienst immer mehr persönlich herausgefordert wird, vor allem durch innergemeindliche Konflikte, zerbricht er. Die Probleme in seinem Inneren, die er so lange erfolgreich verbergen konnte, drohen ihn zu ersticken. Er verbringt darum einige Wochen in einem Therapiezentrum. Damit beginnt die Aufarbeitung seiner inneren Zerbrochenheit.

Nach und nach erkennt er die Ursachen für seine Probleme. Zwangsgedanken machen ihm zu schaffen, dazu treibt ihn seine Alkoholsucht zu einem heimlichen, zweiten Leben. Er leidet unter seiner Vorstellung von einem strengen, lieblosen Gott, und sagt sich von ihm ab. Er schult um, denn wie kann man Pastor sein, wenn man mit Gott nichts zu tun haben will? Aber alle Versuche aus eigener Kraft heil zu werden scheitern. Am Boden zerstört, streckt er die Hand nach Jesus aus.

Dieser mutige Bericht überrascht mit seiner unverhohlenen Offenheit. Es ist etwas unglaublich Kostbares, wenn ein Mensch, der gewohnt ist, dass alle Augen auf ihn als Pastor gerichtet sind, offen über Fehler und Versagen berichtet. Dabei bleibt der Ton dieses Buchs immer demütig, auch wenn der Autor auf Probleme in Gemeinden und im menschlichen Miteinander hinweist. Die neue Liebe des Autors zu seinem Meister, der ihn auf den Weg der Heilung begleitet, strahlt aus den Seiten dieses Buchs heraus.

Viele Menschen sind von psychischen Erkrankungen und Süchten betroffen, aber nur wenige haben den Mut darüber zu sprechen. Dabei zeigt Volker Halfmann nicht nur Ursachen und Schwierigkeiten auf, er erzählt auch ausführlich über seinen langen Weg der Genesung. Aber dieser Bericht endet nicht mit einer neuen, heilen Welt. Er gibt zu, dass er immer noch angefochten und auf Gottes Gnade angewiesen ist. Gerade das ist eine große Ermutigung für diejenigen, die ähnliches erleben.

Fazit: Ein mutiges, offenes und auch kluges Buch. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, und der Bericht ist wirklich spannend. Sowohl Betroffene als auch Nicht-Betroffene können von den Erlebnissen und weisen Beobachtungen des Autors profitieren. Ein sehr empfehlenswertes Buch, nicht nur für Menschen, die unter psychischen Problemen und Süchten leiden.

Veröffentlicht am 05.05.2019

Eine hungrige Seele, trotz großem Erfolg

Steve McQueen – Das geheime Glaubensleben des King of Cool
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Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, doch seine Seele bleibt leer? Der Schauspieler Steve McQueen war in den 60ern und 70ern einer der erfolgreichsten Schauspieler der Welt, und der ...

Was hilft es dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, doch seine Seele bleibt leer? Der Schauspieler Steve McQueen war in den 60ern und 70ern einer der erfolgreichsten Schauspieler der Welt, und der Inbegriff eines coolen Menschen. Trotz seiner bescheidenen Kindheit, hatte er nun scheinbar alles; Geld, Ruhm und Frauen. Doch obwohl er alles in vollen Zügen genoss, konnte es seine innerliche Leere nicht ausfüllen.

Der Autor dieses Buchs, Greg Laurie, ist der bekannte Pastor einer Mega-Gemeinde in den Vereinigten Staaten. Von Kindheit an bewundert er den Schauspieler Steve McQueen. Als er Gerüchte hört, dass dieser kurz vor seinem Tod zum Glauben an Jesus Christus kam, will er mehr darüber wissen. In mühsamer Recherche-Arbeit, sucht er etliche Stationen aus McQueens Leben auf und spricht mit Menschen, die den Schauspieler persönlich kannten.

Greg Laurie verfasst das Ganze im Stil eines Reise-Berichts, auch wenn er im Vorwort schreibt, dass es diese Reise nicht wirklich gegeben hat. Dieses stilistische Mittel setzt er wohl ein, weil seine Ergebnisse verfilmt werden sollen. Den Film zu diesem Buch gibt es auch tatsächlich.

Von Geburt an, bis zu seinem plötzlichen Tod nach einer erfolglosen Operation, verfolgt Greg Laurie das Leben McQueens. Manches, was er aufspürt, ist überraschend. So kam McQueen schon vor seiner Krebsdiagnose zum Glauben. Der Grund seiner Gottessuche war also nicht die Angst vor dem Tod, sondern die Sehnsucht nach einem himmlischen Vater, der die Leere in seinem Leben ausfüllt.

Der Autor versteht das innere Wirken McQueens wie kaum ein anderer, denn beide hatten eine ähnliche Kindheit. Beide litten darunter, dass ihre Mütter dem Alkohol verfallen waren. Beide mussten ohne Vater aufwachsen. Der Autor beschreibt, wie sich eine solche Kindheit auf Lebensentscheidungen auswirken kann. Dabei verliert er sich gerade am Anfang des Buchs zu sehr im Erzählen seiner eigenen Geschichte. Beide Biographien werden miteinander verwoben, wodurch man sich beim Lesen fragt, wessen Biographie dies nun ist.

Der Autor, Pastor Laurie, stellt mehrmals heraus wie groß die von ihm gegründeten Gemeinden sind, und wie viele Menschen wöchentlich auf seine Predigten warten. Schön, dass auch er eine bedeutende Aufgabe gefunden hat, aber das gehört eigentlich nicht in diese Biographie über Steve McQueen.

Trotzdem ist das Buch spannend geschrieben. Beim Lesen fragt man sich, wie es weitergehen wird, denn es ist interessant mehr über den Menschen hinter dem Schauspieler McQueen zu erfahren. Die Beschreibungen der einzelnen Städte und Orte sind auch lohnend, auch wenn die vielen Details über die Speisen des Autors unnötig sind.

Fazit: Eine spannende Biographie über ein bewegtes Leben, die nicht nur Steve McQueen Kenner interessieren wird. Der Leser sieht, dass Erfolg, Geld und Ruhm nicht glücklich machen, und erfährt wo echtes Glück zu finden ist.

Veröffentlicht am 02.05.2019

Zwei verwobene Seelen

Dschungel
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Wie viel ist dir dein bester Freund wert? Der Ich-Erzähler dieses Buchs muss sich diese Frage stellen. Von den ersten Schuljahren an, waren sie fast unzertrennbar. Sie verbrachten jede freie Minute zusammen ...

Wie viel ist dir dein bester Freund wert? Der Ich-Erzähler dieses Buchs muss sich diese Frage stellen. Von den ersten Schuljahren an, waren sie fast unzertrennbar. Sie verbrachten jede freie Minute zusammen und gingen beieinander ein und aus. So ist die Mutter seines Freundes keine Unbekannte, als sie unerwartet vor dem Erzähler steht und verlangt, dass er ihr Sohn zurückholt.

Der Freund, der freiheitsliebende Felix, suchte schon immer das Abenteuer. Als Erwachsener bricht er zu einer großen Reise auf. Er sendet seiner Mutter und seinem Freund immer wieder Bilder und Nachrichten, bis auf einmal jede Kommunikation aufhört. Er ist verschollen. Seine Mutter drängt den Freund dazu, zu seinem letzten Aufenthaltsort in Kambodscha zu reisen, um mehr herauszufinden.

Der Erzähler hasst das Reisen, und er verlässt nur sehr ungern seine geliebte Freundin. Aber aus seiner Sicht hat er keine Wahl. Dabei sind seine Gefühle für den Freund sehr zwiespältig, was sich an seinen eingestreuten Erinnerungen zeigt. Auf seiner langen Reise verändert er sich. Er findet schließlich, was er sucht, obwohl das Ende seiner Reise ganz anders ist als erwartet.

Der Leser begleitet den Erzähler auf seiner aufregenden Suche in Kambodscha. Von den stechenden Mücken und merkwürdigen Gestalten in den Backpacker Hostels zu einer abgedrehten und abgelegenen Kommune, bis hin zu abenteuerlichen Wegen durch den Dschungel, erlebt der Leser eine Seite dieses Landes, die Touristen verborgen bleibt. Und jedes Mal, wenn es spannend wird, kommt eine Rückblende in die Kindheit der beiden Jungen. Wie bei einem Puzzle, setzt sich so Stück für Stück das Bild einer tiefen, vielleicht auch kranken, Beziehung zwischen den beiden Freunden zusammen.

Der Erzählstil dieses Buchs ist ungewohnt. Staccatoartig werden Erinnerungen und Gefühle beschrieben. Vieles wird nicht ausgesprochen, aber der Leser ahnt es. Über einen Großteil der Szenen schwebt eine düstere Atmosphäre. Enttäuschend sind manche Entscheidungen des Erzählers. Zum Lesen unangenehm sind die gelegentliche Erfahrungen auf Trips nach dem Drogenkonsum.

Fazit: Eine spannende Geschichte, in düsteren Tönen erzählt, mit einem unerwarteten Ende. Definitiv keine Wohlfühlgeschichte, sondern eher eine Reise in die dunklen Tiefen des Seins.