Profilbild von strickleserl

strickleserl

Lesejury Star
offline

strickleserl ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit strickleserl über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.03.2019

Die unschuldigen Opfer blutiger Kriege

Die große Heuchelei
0

Der 79jährige Autor dieses fesselnden Buches hat die Hälfte seines Berufslebens der Politik gewidmet, die andere Hälfte dem Journalismus. Dabei liegt ihm der Mittlere Osten besonders am Herzen. Er reist ...

Der 79jährige Autor dieses fesselnden Buches hat die Hälfte seines Berufslebens der Politik gewidmet, die andere Hälfte dem Journalismus. Dabei liegt ihm der Mittlere Osten besonders am Herzen. Er reist gerne in die Länder, die anderen meide, weil sie zu gefährlich sind. Er möchte selbst sehen, ob die Berichterstattung stimmt. Und er führt viele Gespräche mit den Beteiligten von allen Seiten der Konflikte.

Mit seinem Buch „Inside ISIS“ ist er bekannt geworden. In diesem umfassenderen Buch widmet er sich den bekanntesten Kriegsgebieten der Gegenwart. Der Schwerpunkt liegt auf Konflikte im Nahen und Mittleren Osten. Dabei wirbt er stark um Verständnis für den Islam, den er als eine friedliche Religion sieht.

Für ihn steht fest, der Westen beteiligt sich an diese Konflikte nicht, um wichtige Werte und Menschenleben zu schützen, sondern um seine eigene Interessen zu sichern. Die meisten Kriege entspringen, seiner Ansicht nach, der Geld- und Machtgier der westlichen Nationen. Dabei spielen die Vereinigte Staaten die größte Rolle. Die Wahrheit über die unschuldigen Opfer wird oft verschwiegen. Auch die Medien berichten meistens nur einseitig. Jürgen Todenhöfer plädiert dafür, dass sich die westlichen Nationen nicht mehr in die Konflikte des Mittleren Ostens einmischen, und dass sie diese Kriege auch nicht mehr mit Waffenlieferungen unterstützen.

Von Anfang an ist dieses Buch spannend geschrieben, wie ein Thriller. Eindrücklich beschreibt der Autor zerstörte Städte, verstümmelte Menschen in Krankenhäusern, verzweifelte Eltern, die um ein totes Kind trauern und atemberaubende Gefahren an der Front. Der Blick in Städte und Länder, über die kaum berichtet wird, ist sehr interessant. So reist der Autor z.B. in den Norden Jemens zu den Houthis, oder er besucht ein verlassenes Dorf in Myanmar.

In der Mitte des Buchs bricht die Spannung ab. In einem viel zu langen Teil erklärt der Autor, warum wir dem Islam, seiner Meinung nach, viel zu verdanken haben. Wenn es auch nicht offen ausgesprochen wird, hat der Leser den Eindruck der Autor ist selbst zum Islam konvertiert. Das Christentum und die Bibel werden angegriffen. Dabei benutzt der Autor Argumente, die für den Islam typisch sind, aber nicht zu halten sind. Bibelverse werden aus dem Zusammenhang gerissen. Die blutigen Kreuzzüge der Vergangenheit werden z.B. der angeblich vollkommen friedlichen Ausbreitung des Islams gegenübergestellt. Es ist sehr schade, dass hier Ideologie die Fakten überdeckt, denn das raubt leider dem Rest dieses wichtigen Buches die Glaubwürdigkeit. Die Kapitel über den Islam lesen sich wie eine Propagandabroschüre.

Es ist lobenswert, dass der Autor Initiativen in Kriegsgebieten unterstützt. Beeindruckend ist auch, welche hochrangige Persönlichkeiten er kennt, und an welche wichtige Verhandlungen er maßgeblich beteiligt war. Darauf müsste aber nicht so oft hingewiesen werden.

Fazit: Trotz dieser zwei Kritikpunkte ein sehr empfehlenswertes Buch, dem ich gerne fünf Sterne gegeben hätte. Wer den Mittleren Osten kennt und schätzt, weiß wie akkurat die Beschreibungen des Autors sind. Sein Anliegen Menschenleben zu schützen ist wichtig, und ich hoffe, seine Stimme wird gehört.

Veröffentlicht am 11.03.2019

Viel mehr als Sexualethik

Vertrautheit wagen!
0

Auf den ersten Blick scheinbar ein autobiographischer Bericht eines Pastors mit homosexuellen Gefühlen, verblüfft dieses Buch mit unerwarteten, tiefen Erkenntnissen über Nachfolge und Gemeinschaft.

Der ...

Auf den ersten Blick scheinbar ein autobiographischer Bericht eines Pastors mit homosexuellen Gefühlen, verblüfft dieses Buch mit unerwarteten, tiefen Erkenntnissen über Nachfolge und Gemeinschaft.

Der Autor, Ed Shaw, leidet darunter, dass er niemals in einer sexuellen Partnerschaft leben wird. Er fühlt sich zu Männern hingezogen, aber für ihn sind die Aussagen der Bibel über Homosexualität klar. Seine Gewissheit, dass ausgelebte Homosexualität nicht Gottes Willen entspricht, hat er nicht nur wegen den bekannten Bibelstellen über Homosexualität. Die Erschaffung des Menschen als Mann und Frau, zwei unterschiedliche Geschlechter, ist für ihn ein Hinweis darauf, dass gleichgeschlechtliche Beziehungen nicht zu Gottes Plan für die Menschheit gehören.

Warum wird das aber heutzutage in Frage gestellt? Ed Shaw schreibt, „Nicht die Theologie, sondern Menschen scheinen die Antriebskraft hinter der Ablehnung der traditionellen christlichen Ethik zu sein.“ Ed Shaw möchte mit diesem Buch, „… das, was die Bibel klar verlangt, einfach wieder plausibel machen.“

Wenn Christen heute denken, eine homosexuelle Partnerschaft ist in Gottes Augen in Ordnung, dann liegt es an falsche Vorstellungen, die unseren Glauben prägen. Der Autor führt neun wichtige Fehlannahmen aus, z.B.

- Eine Mutter ist Vater, Mutter und zwei Komma vier Kinder.
- Wenn du schwul geboren wurdest, kann es nicht falsch sein, schwul zu sein.
- Wenn es dich glücklich macht, muss es richtig sein.
- Männer und Frauen sind gleich und austauschbar.

Die Ausführungen rütteln auf, und fordern zu einem anderen Lebensstil heraus. Der Leser spürt, wir haben uns an ein halbherziges Christsein gewöhnt. Wegen unserem fehlerhaften Bild von Nachfolge, bei dem Bequemlichkeit und die Erfüllung unserer Bedürfnisse eine große Rolle spielen, scheint es uns nicht plausibel, von einem homosexuell empfindenden Menschen Verzicht zu verlangen. Aber ist unsere Vorstellung von Verzicht biblisch?
Ed Shaw sehnt sich nach Menschen und Gemeinden, die den Glauben so leben, dass Verzicht zu etwas Selbstverständlichen wird. Er wünscht sich tiefere Beziehungen unter Christen, wie die ersten Jesus-Nachfolger sie gelebt haben, damit Menschen, die auf Ehe verzichten, in ihrer Gemeindefamilie ein Zuhause finden.
Jesus hat seinen Nachfolgern ein Leben in Überfluss versprochen. Diese Fülle findet sich nicht in der Erfüllung unserer Wünsche. Sie findet sich da, wo Gott an erster Stelle steht. Und dieser Weg kann sehr schwer sein, das weiß Ed Shaw aus eigener Erfahrung. Er schreibt offen über die traurigen Momente in seinem Leben, in denen er sich verzweifelt nach Partnerschaft und Familie sehnt. Aber trotz seiner Traurigkeit steht für ihn fest, dass er sich für den besseren Weg entschieden hat.
Dieses Buch sollte jeder lesen, der Jesus wirklich nachfolgen will. Das Thema Homosexualität ist bei weitem nicht das Einzige, was dieses Buch lesenswert macht. Gut durchdacht, präzise, und mit wenigen Worten, macht der Autor sein Anliegen klar. Dabei wird der Leser mit „du“ angesprochen, und die Auseinandersetzung mit dem Thema fühlt sich an wie ein Gespräch unter Freunden.

Fazit: Mit einem unscheinbaren Cover, hat dieses Buch einen explosiven Inhalt, der in unserer heutigen Zeit gehört werden muss. Wer könnte besser über das Thema Homosexualität und Christsein schreiben, als ein homosexuell empfindender Pastor? Aber dieses Buch ist so viel mehr, denn der Leser spürt die tiefe Gottesbeziehung des Autors und seinen ansteckenden Wunsch, dass der gelebte Glaube Gestalt in unserem Alltag annimmt. Absolut empfehlenswert!

Veröffentlicht am 04.03.2019

Mit Gott auf Weltreise

Gott spielt in meinem Leben keine Rolle - er ist der Regisseur
0

Maria Prean wird kurz vor Kriegsbeginn in Österreich geboren. In den schweren Kriegsjahren ist der Glaube in ihrer Familie etwas Selbstverständliches. Sie erlebt Gottes Bewahrung, und findet Trost in der ...

Maria Prean wird kurz vor Kriegsbeginn in Österreich geboren. In den schweren Kriegsjahren ist der Glaube in ihrer Familie etwas Selbstverständliches. Sie erlebt Gottes Bewahrung, und findet Trost in der Kirche. Nach dem Besuch einer Handelsschule arbeitet sie als Lehrerin und als Kinderdorfmutter. Sie verbringt viele Jahre in Amerika und erlebt dort Gott auf einer ganz neuen Weise.

Erst viel später, da ist sie schon etwa 50, findet sie die Liebe ihres Lebens. Aber schon nach wenigen glücklichen und ausgefüllten Jahren wird bei ihrem Mann Krebs festgestellt. Mit sechzig Jahren ist sie wieder allein. Nach einem Besuch in Uganda findet sie hier ihr neues Zuhause. Mit der Hilfe von vielen Unterstützern aus Europa, baut sie Schulen und Kinderhäuser für die Kinder dort. Sie nimmt auch selbst, trotz ihres Alters, zwei Teenager und ein Baby auf.

Dieses Buch sprüht vor Leben und Freude. Zwar erlebt Maria auch Trauriges und Verlust, aber ihre Liebe zu ihrem himmlischen Vater ist so groß, dass sie trotz allem ihre Fröhlichkeit bewahrt. Sie empfindet das Leben als eine Schule, mit dem Heiligen Geist als Lehrmeister. Für sie ist es selbstverständlich, dass sie vor Entscheidungen Gott fragt, und auch mit einer Antwort rechnet.

Weil sie gehorsam war, wurde in Uganda eine große Organisation aufgebaut, durch die unzählige Menschen unterstützt werden. Tausende Kinder erhalten eine Schul- und Berufsausbildung. Aber in diesem Buch geht es nie um Maria und ihre Leistungen. Auf ganz natürliche Weise spürt der Leser immer, dass Gott im Mittelpunkt steht, nicht Maria.

Es gibt einige große Lektionen in ihrem Leben. Diese Lebenserfahrungen sind eine Quelle der Weisheit für den Leser. Es geht dabei um innere Heilung und Vergebung, um die Erkenntnis, dass Gott sie unabhängig von ihrer Leistung liebt, und immer wieder über die Notwendigkeit auf Gott zu hören und ihm zu gehorchen.

Mit Sicherheit wirken manche Erfahrungen ungewöhnlich. Sie ist in der charismatischen Bewegung beheimatet, sie berichtet also von Erfahrungen mit Prophetie, der Vertreibung von bösen Mächten und ähnliches. Das steht aber nie im Vordergrund, sondern ist eher eine Randnotiz in ihrem Berichten über Gottes Größe. Darum, ganz unabhängig davon, ob man all ihren theologischen Überzeugungen zustimmt, ihr gelebter Glaube ist einfach überzeugend.

Das Cover ist fröhlich und einladend. Im Text verteilt finden sich einige Bilder. Der erste Teil des Buchs wurde schon vor mehreren Jahren geschrieben. In dieser Neuauflage ist knapp ein Drittel neu, in dem vor allem über die Arbeit in Uganda berichtet wird. An einigen Stellen im Buch berichten Mitarbeiter des Werks. Das rundet zwar das Gesamtbild ab, der Erzählstil Marias ist aber viel schöner und lebendiger. So manche Szene beschreibt sie mit viel Humor. Und doch zeichnet eine Tiefe des Glaubens dieses Buch aus. Was könnte alles bewirkt werden, wenn nur jeder Christ sich Gott ganz zur Verfügung stellen würde, so wie Maria.

Fazit: Absolut empfehlenswert! Der Leser begleitet Maria auf ihrer Reise des Gottvertrauens, und entdeckt dabei viel über eine Gottesbeziehung, die nicht nur ein nettes Anhängsel ist, sondern das ganze Leben prägt.

Veröffentlicht am 27.02.2019

Wie Schweres sich im Rückblick als Segen erweist

Segensspuren in meinem Leben
0

In diesem Buch berichten 39 Frauen über schwere Zeiten in ihrem Leben. Die Probleme sind so unterschiedlich, wie die Frauen, die darüber schreiben. Einige Frauen berichten von Krankheiten, die ins Leben ...

In diesem Buch berichten 39 Frauen über schwere Zeiten in ihrem Leben. Die Probleme sind so unterschiedlich, wie die Frauen, die darüber schreiben. Einige Frauen berichten von Krankheiten, die ins Leben einbrechen. Dabei geht es aber nicht nur um körperliche Leiden, sondern auch um Depressionen, Süchte und Psychosen. Einige der Schreiberinnen hatten einen bewegten Weg auf der Suche nach der richtigen Arbeitsstelle oder Wohnung. Andere kämpfen mit Kinderlosigkeit, einer schwierigen Ehe oder dem Tod einer geliebten Person. Es gibt auch Frauen, die im Ausland Erfahrungen mit Gott gemacht haben. Allen Berichten gemeinsam ist der Glaube, dass Gott durch schwere Zeiten trägt. Und gerade das Schwere erweist sich im Rückblick oft als Segen.

Das Cover ist ansprechend gestaltet und lädt zum Verweilen ein. Die Kurzgeschichten sind perfekt für Zwischendurch, z.B. in der U-Bahn oder im Wartezimmer. Manchmal ist aber gerade das schade, denn beim Lesen wünscht man sich mehr über den einen oder anderen Lebensweg zu erfahren. Durch die Kürze erscheinen die Lösungen manchmal vielleicht zu einfach, aber das liegt wohl daran, dass ein langer Weg nur kurz zusammengefasst wiedergegeben wird.

Die Frauen, die hier berichten, erleben Gott auf unterschiedliche Weise. Dadurch, und weil die geschilderten Probleme so unterschiedlich sind, ist für jeden Leser etwas dabei. Das Buch lädt dazu ein Gott in schweren Zeiten zu vertrauen, aber auch die Augen für die Not anderer zu öffnen. Beeindruckend ist die Offenheit mit der die Frauen über Probleme berichten, die oft verborgen bleiben, wie eine Sexsucht oder psychische Erkrankung. Gerade diese Offenheit ist eine Bereicherung für den Leser, der ähnliches erlebt.

Fazit: Ein ansprechendes Buch mit inspirierenden, wahren Kurzgeschichten.

Veröffentlicht am 06.02.2019

Südstaaten Liebesnovelle

Im Schatten der Magnolien
0

In dem amerikanischen Bundesstaat Georgia lebt die junge Frau, Emily, mit ihrer Familie auf einer Baumwollplantage. Der Bürgerkrieg ist vorbei und die Menschen in den Südstaaten leiden unter den Folgen. ...

In dem amerikanischen Bundesstaat Georgia lebt die junge Frau, Emily, mit ihrer Familie auf einer Baumwollplantage. Der Bürgerkrieg ist vorbei und die Menschen in den Südstaaten leiden unter den Folgen. Emily hat ihren Bruder im Krieg verloren. Auch ihr Kindheitsfreund, Thomas, hat gekämpft, und er leidet sehr unter seinen Erinnerungen.

Wegen der Niederlage der Südstaaten sind die Sklaven nun frei. Emily unterstützt sie, indem sie ihnen das Lesen beibringt. Die befreiten Sklaven sind auf der Plantage geblieben, und arbeiten nun gegen Lohn. Viele Bürger im Süden sind unzufrieden mit der Freiheit der Schwarzen. Sie sehen sie, nach wie vor, als minderwertig an. Besonders erschreckend sind die gewalttätigen Umtriebe des Klu-Klux-Klans. Menschen werden getötet. Plantagen werden niedergebrannt.

Emily setzt sich trotz ihrer Angst für ihre schwarzen Freunde ein. Dabei fühlt sie sich oft ziemlich allein. Sowohl ihre Familie, als auch Thomas, scheinen ihr Engagement für die Freigelassenen nicht zu verstehen. Dazu kommt, dass ihre Eltern möchten, dass sie Thomas heiratet. Dabei schlägt ihr Herz für einen anderen, aber es ist eine hoffnungslose Liebe.

Diese Kurzgeschichte ist spannend geschrieben, vor allem das Ende ist dramatisch und überraschend. Emily findet in ihrem Glauben Halt. Die kurzen Hinweise auf die Kraft des Glaubens sind genau richtig, um als Leser ermutigt zu werden. Die Geschichte enthält sehr viele Hinweise auf historische Begebenheiten, und macht in einer knappen und nüchternen Weise die brisante Problematik dieser Nachkriegsjahre deutlich. Wer die Bücher von Elizabeth Musser kennt, wird vielleicht ein wenig enttäuscht sein von dieser Geschichte. Da sie sehr kurz ist, werden die Charaktere nicht so lebendig, wie in ihren anderen Romanen. Die Erzählweise wirkt etwas knapp und nüchtern, wenn man längere Romane gewohnt ist.

Fazit: Eine sehr schöne und empfehlenswerte Geschichte für Liebhaber von historischen Liebesromanen. Schnell gelesen, gibt diese Geschichte einen eindrücklichen Einblick in eine wenig bekannte Zeit in den Südstaaten der Vereinigten Staaten.