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Veröffentlicht am 15.09.2016

Späte Sühne

Grausame Nacht
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„Grausame Nacht“ ist bereits der 7. Fall für die sympathische Ermittlerin Kate Burkholder. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ...

„Grausame Nacht“ ist bereits der 7. Fall für die sympathische Ermittlerin Kate Burkholder. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Schauplatz ist wieder Painters Mill in Ohio. Worum geht es?
Der Prolog führt uns zurück in die Vergangenheit, in den August des Jahres 1985: Die neunjährige Sally macht in der Nähe einer alten Scheune eine grauenvolle Beobachtung. Einen Tag später wartet eine 17-jährige Frau an einer Brücke auf ihren Liebsten, mit dem sie ein neues Leben außerhalb der amischen Gemeinde beginnen möchte.
In der Gegenwart gibt es ein Wiedersehen mit Kate, Chief of Police, die einst selbst zu den Amischen gehörte. Sie lebt inzwischen mit ihrem Freund John Tomasetti zusammen. Er war früher Detective bei der Polizei in Cleveland und ist jetzt Agent im Ohio Bureau of Criminal Identification and Investigation.
Sie sind gerade zu Besuch bei Kates Familie, als ein Sturm aufzieht. Nachdem der Tornado die halbe Stadt in Schutt und Asche gelegt hat, werden bei Aufräumarbeiten unter einer eingefallenen Scheune die Überreste eines menschlichen Skeletts gefunden. Wer ist der Tote? Und warum lag er jahrelang hier vergraben? Schnell wird klar, dass der Mann keines natürlichen Todes gestorben ist.
Linda Castillo hat ihren neuen Roman wieder routiniert und mit viel Atmosphäre in Szene gesetzt. Erzählt wird die Geschichte - wie immer - in der Ich-Perspektive aus Sicht von Kate. Englische und Amische, zwei Weltanschauungen stehen einander gegenüber, nicht feindlich, sondern in Koexistenz. Kate Burkholder kennt beide Seiten und löst ihre Fälle mit viel Einfühlungsvermögen.
„Grausame Nacht“ ist eine spannende Geschichte. Dem gruseligen Beginn folgt die Ermittlungsarbeit, die authentisch und nachvollziehbar dargestellt wird. Denn das Grauen kann sich auch hinter der Fassade von Sittsamkeit und Bescheidenheit verbergen. Und so ist das Ende stimmig, allerdings nicht überraschend. Auch das Privatleben nimmt einen breiten Raum ein, denn Kate ist schwanger.

Fazit: Mitreißend und überwältigend. Kate Burkholders schwerster Fall!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Killer I ist tot. Es lebe Killer II.

Schattenkiller
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Auf diesen Thriller hatte ich mich so gefreut, denn die Bücher aus dem Gmeiner Verlag haben mich noch nie enttäuscht! Leider wurden meine Erwartungen diesmal nicht erfüllt. Worum geht es?
Rebekka, die ...


Auf diesen Thriller hatte ich mich so gefreut, denn die Bücher aus dem Gmeiner Verlag haben mich noch nie enttäuscht! Leider wurden meine Erwartungen diesmal nicht erfüllt. Worum geht es?
Rebekka, die Frau des Münchener Journalisten Wolf Schneider, bekommt Besuch von einem Unbekannten und soll irgendwelche Pläne rausrücken. Wolf findet seine Frau bewusstlos auf der Couch. Statt die Polizei einzuschalten, flüchtet er mit ihr an den Chiemsee. Doch der Täter hat einen Peilsender an Rebekkas Wagen angebracht und folgt ihnen.
Während Wolf beim Joggen ist, wird Rebekka ermordet. Wolf ruft wieder nicht die Polizei, sondern verlässt still und heimlich das Hotel und taucht bei seiner Halbschwester Eva unter. Sie ist Esoterikerin mit übersinnlicher Gabe. Sein Freund und Kollege Roman, ein Alkoholiker, soll ihm ein Alibi geben. Doch Rebekkas Mörder gibt nicht auf. Bald ist klar, dass Rebekka nicht die erste Tote ist.
Ein weiterer Handlungsstrang führt uns in die USA, nach Baltimore, zu Arthur, Ex-Banker und Kongressabgeordneter. Er feiert gerade seinen 60. Geburtstag. Es stellt sich heraus, dass er auch Wolfs Chef Bernie kennt. Beide machen Geschäfte am Rande der Legalität. Es geht um Geld, viel Geld. Weitere Menschen sterben…
Mit Gesellschaftskritik spart Michael Gerwien nicht: Die Gier nach Macht und Geld. Kurze Kapitel mit wechselnden Protagonisten und Perspektiven sorgen für Dynamik. Aber die Story war mir zu wirr und mit Klischees durchsetzt. Der Stil etwas hölzern. Von Anfang bis Ende kommt nie ein ordentlicher Spannungsaufbau zustande.
Wer ist Täter, wer ist Opfer? Mord ist Mord! Sympathie für Menschen zu empfinden, die aus Rache selbst zu Mördern werden, ist für mich obskur. Und so hält sich mein Mitleid mit Wolf in Grenzen. Das Ende lässt mich zwiegespalten zurück. Viele Fragen bleiben offen. Das scheint gewollt, denn „Schattenkiller“ ist der Auftakt einer Trilogie.

Fazit: Künftig bitte weniger Klischees, dafür mehr Spannung!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Der will doch nur spielen

Interview mit einem Mörder
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Endlich: der vierte Krimi mit Kult-Totengräber Max Broll. Über das Wiedersehen mit Max habe ich mich sehr gefreut. Doch, oh Schreck, sein bester Freund, Ex-Fußballstar Johann Baroni, wird bei der Eröffnung ...


Endlich: der vierte Krimi mit Kult-Totengräber Max Broll. Über das Wiedersehen mit Max habe ich mich sehr gefreut. Doch, oh Schreck, sein bester Freund, Ex-Fußballstar Johann Baroni, wird bei der Eröffnung seines Würstelstandes angeschossen und liegt seitdem im Koma.
Max hat den Täter gesehen. Aber als er sich der Polizei anvertraut, glaubt man ihm nicht. Nicht einmal seine geliebte Stiefmutter Tilda. Also nimmt Max die Verfolgung des mutmaßlichen Mörders auf. Es handelt sich um den deutschen Touristen Konrad Maria Fink aus Wuppertal.
Zusammen reisen sie im Zug nach Italien und gehen an Bord eines Kreuzfahrtschiffs. Dort findet er nicht nur Gewissheit, sondern auch eine neue Liebe, die Journalistin Anna. Als er mit Anna in sein Dorf zurückkehrt, hat Fink alle manipuliert, so dass Max schließlich selbst in Verdacht gerät.
Denn Fink entpuppt sich nicht nur als Serienkiller, sondern als Spieler, der ein perfides Spiel mit Max spielt. Wer wird gewinnen, wer wird verlieren und zu welchem Preis?
Story und Stil haben mir gefallen. In einem ganz eigenen Stakkato-Stil schildert der Autor die Geschichte seiner Protagonisten. Eine wunderbar schräge Geschichte mit lauter skurrilen Typen. Knappe Dialoge, ohne Anführungszeichen und hohes Erzähltempo.
Zitat: "Zu schnell ging alles, keine Verbindung zwischen den Dingen, Max steht nur da, begreift es nicht. Nur zuschauen. Wie Baroni auf dem Asphalt liegt und ihn anstarrt. Wie sich sein Hemd verfärbt. Wie alles rot wird. Und wie die Augen seines Freundes einfach zugehen."
Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Heimlicher Star der Geschichte ist der afrikanische Dorfpfarrer Akofa, der selbst Gras anbaut - und Erntedank 2.0 in der Sauna feiern will. Anna und Max, Baroni und Akofa, eine sympathische Truppe, der ich gerne wieder über die Schulter schauen möchte.

Fazit: Ein Thriller aus der österreichischen Provinz. Erfrischend anders. Beste Unterhaltung!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Tod, Folter und Verderben

Eric
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Um es gleich vorwegzunehmen, ERIC von Marco Monetha ist ein echter Hardcore-Thriller. Bei dieser Geschichte geht es sofort und heftig zur Sache. Kaum zu glauben, dass es sich um einen Debütroman handelt. ...


Um es gleich vorwegzunehmen, ERIC von Marco Monetha ist ein echter Hardcore-Thriller. Bei dieser Geschichte geht es sofort und heftig zur Sache. Kaum zu glauben, dass es sich um einen Debütroman handelt. Worum geht es?
Erics Mutter wurde bestialisch ermordet und ihre Leiche nach einem Gemälde in Szene gesetzt. Eric glaubt, dass sein Freund Buck, ein Psychopath, der Mörder ist. Denn er kennt dessen Modus Operandi. Dabei hat Eric selbst eine dunkle Seite. Doch bald ist klar, dass es jemand auf die beiden abgesehen hat. Ein Racheakt? Wenn ja, warum? Edmund Peters und seine Kollegen aus Bad Bederkesa ermitteln…
Gleich zwei Handlungsstränge gilt es zu verfolgen, einer in der Gegenwart, ein weiterer in der Vergangenheit, beginnend mit dem Jahr 1988. Gekonnt verbindet der Autor die beiden Erzählstränge, wobei er mit fiesen Cliffhangern seine Leser voran treibt. Erzählt wird die Geschichte teilweise in der Ich-Perspektive aus Sicht von Eric. Es geht um Gewalt gegen Kinder, sexuellen Missbrauch, Vergewaltigung und Mord.
Marco Monetha ist mit ERIC ein ungewöhnlicher Mix aus Lebensgeschichte, Psychogramm und Thriller gelungen. Eric ist ein Mörder. Und trotzdem ein Held. Oder gerade deswegen. Man liebt ihn und findet ihn abstoßend. Aber nie ist er einem gleichgültig.
Der Autor lässt uns in tiefe menschliche Abgründe blicken. Die Morde werden brutal und detailliert beschrieben. ERIC bietet morbide, extreme, zuweilen grenzwertige Unterhaltung mit lokalem Bezug und besticht durch eine klare, oft derbe Sprache.

Fazit: Ein Buch mit einem hohen Ekelfaktor, das harte und bizarre Szenen beinhaltet, die als abstoßend empfunden werden können, somit nichts für zartbesaitete Gemüter.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Morbus Mutter

Night Falls. Du kannst dich nicht verstecken
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Sandy hat alles. Ein Traumhaus, einen Ehemann und eine 15-jährige Tochter. Doch Ivy bezichtigt ihre Mutter der Lüge. Zitat: »Ich weiß nicht, wann, warum oder inwiefern du lügst, Mom.« Ivy holte so tief ...

Sandy hat alles. Ein Traumhaus, einen Ehemann und eine 15-jährige Tochter. Doch Ivy bezichtigt ihre Mutter der Lüge. Zitat: »Ich weiß nicht, wann, warum oder inwiefern du lügst, Mom.« Ivy holte so tief Luft, dass sich ihr Brustkorb hob. »Aber ich weiß, du tust es.« Was hat Sandy zu verbergen?
In einem weiteren Handlungsstrang lernen wir Nick und Harlan kennen, zwei Häftlinge, die flüchten wollen. Schon bald werden sich beide Erzählstränge kreuzen. Denn die Männer dringen in Sandys Haus ein, verletzen den Vater lebensgefährlich und nehmen Mutter und Tochter als Geiseln.
Die Leseprobe hatte mich auf einen packenden Psychothriller hoffen lassen, in dieser Hinsicht wurde ich enttäuscht. Denn es geht eher um bizzare, bedingungslose Mutterliebe, die krank macht, das Psychogramm eines Mörders - und Lebenslügen.
Am besten haben mir die Rückblenden in die Vergangenheit gefallen. Schnell ist klar, dass sich Sandy und ihre Familie in den Händen eines Psychopathen befinden - während draußen ein Schneesturm tobt und fremde Hilfe somit nicht zu erwarten ist.
„Night Falls“ lässt sich leicht und locker lesen. Aber mir haben die psychologischen Raffinessen gefehlt. Daher fand ich die Geschichte auch nur leidlich spannend. Mich konnte sie nicht wirklich fesseln. Selbst wenn Jenny Milchman am Ende nochmal richtig Gas gibt.
Sandy ist als naiv zu bezeichnen, ohne Selbstvertrauen. Mit ihr konnte ich mich nicht identifizieren, ihr Handeln oft nicht nachvollziehen. Erst, als sie kaum noch Luft zum Atmen hat, schlägt sie mit dem Mut der Verzweiflung zurück. Nichtsdestotrotz bleibt ein kitschiger, unrealistischer Mainstream-Thriller in Erinnerung.

Fazit: Ein typischer US-amerikanischer Thriller mit Happy End-Garantie, den man lesen kann, aber nicht muss.