Profilbild von subechto

subechto

Lesejury Star
offline

subechto ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit subechto über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.09.2016

Tod, Folter und Verderben

Eric
0


Um es gleich vorwegzunehmen, ERIC von Marco Monetha ist ein echter Hardcore-Thriller. Bei dieser Geschichte geht es sofort und heftig zur Sache. Kaum zu glauben, dass es sich um einen Debütroman handelt. ...


Um es gleich vorwegzunehmen, ERIC von Marco Monetha ist ein echter Hardcore-Thriller. Bei dieser Geschichte geht es sofort und heftig zur Sache. Kaum zu glauben, dass es sich um einen Debütroman handelt. Worum geht es?
Erics Mutter wurde bestialisch ermordet und ihre Leiche nach einem Gemälde in Szene gesetzt. Eric glaubt, dass sein Freund Buck, ein Psychopath, der Mörder ist. Denn er kennt dessen Modus Operandi. Dabei hat Eric selbst eine dunkle Seite. Doch bald ist klar, dass es jemand auf die beiden abgesehen hat. Ein Racheakt? Wenn ja, warum? Edmund Peters und seine Kollegen aus Bad Bederkesa ermitteln…
Gleich zwei Handlungsstränge gilt es zu verfolgen, einer in der Gegenwart, ein weiterer in der Vergangenheit, beginnend mit dem Jahr 1988. Gekonnt verbindet der Autor die beiden Erzählstränge, wobei er mit fiesen Cliffhangern seine Leser voran treibt. Erzählt wird die Geschichte teilweise in der Ich-Perspektive aus Sicht von Eric. Es geht um Gewalt gegen Kinder, sexuellen Missbrauch, Vergewaltigung und Mord.
Marco Monetha ist mit ERIC ein ungewöhnlicher Mix aus Lebensgeschichte, Psychogramm und Thriller gelungen. Eric ist ein Mörder. Und trotzdem ein Held. Oder gerade deswegen. Man liebt ihn und findet ihn abstoßend. Aber nie ist er einem gleichgültig.
Der Autor lässt uns in tiefe menschliche Abgründe blicken. Die Morde werden brutal und detailliert beschrieben. ERIC bietet morbide, extreme, zuweilen grenzwertige Unterhaltung mit lokalem Bezug und besticht durch eine klare, oft derbe Sprache.

Fazit: Ein Buch mit einem hohen Ekelfaktor, das harte und bizarre Szenen beinhaltet, die als abstoßend empfunden werden können, somit nichts für zartbesaitete Gemüter.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Morbus Mutter

Night Falls. Du kannst dich nicht verstecken
0

Sandy hat alles. Ein Traumhaus, einen Ehemann und eine 15-jährige Tochter. Doch Ivy bezichtigt ihre Mutter der Lüge. Zitat: »Ich weiß nicht, wann, warum oder inwiefern du lügst, Mom.« Ivy holte so tief ...

Sandy hat alles. Ein Traumhaus, einen Ehemann und eine 15-jährige Tochter. Doch Ivy bezichtigt ihre Mutter der Lüge. Zitat: »Ich weiß nicht, wann, warum oder inwiefern du lügst, Mom.« Ivy holte so tief Luft, dass sich ihr Brustkorb hob. »Aber ich weiß, du tust es.« Was hat Sandy zu verbergen?
In einem weiteren Handlungsstrang lernen wir Nick und Harlan kennen, zwei Häftlinge, die flüchten wollen. Schon bald werden sich beide Erzählstränge kreuzen. Denn die Männer dringen in Sandys Haus ein, verletzen den Vater lebensgefährlich und nehmen Mutter und Tochter als Geiseln.
Die Leseprobe hatte mich auf einen packenden Psychothriller hoffen lassen, in dieser Hinsicht wurde ich enttäuscht. Denn es geht eher um bizzare, bedingungslose Mutterliebe, die krank macht, das Psychogramm eines Mörders - und Lebenslügen.
Am besten haben mir die Rückblenden in die Vergangenheit gefallen. Schnell ist klar, dass sich Sandy und ihre Familie in den Händen eines Psychopathen befinden - während draußen ein Schneesturm tobt und fremde Hilfe somit nicht zu erwarten ist.
„Night Falls“ lässt sich leicht und locker lesen. Aber mir haben die psychologischen Raffinessen gefehlt. Daher fand ich die Geschichte auch nur leidlich spannend. Mich konnte sie nicht wirklich fesseln. Selbst wenn Jenny Milchman am Ende nochmal richtig Gas gibt.
Sandy ist als naiv zu bezeichnen, ohne Selbstvertrauen. Mit ihr konnte ich mich nicht identifizieren, ihr Handeln oft nicht nachvollziehen. Erst, als sie kaum noch Luft zum Atmen hat, schlägt sie mit dem Mut der Verzweiflung zurück. Nichtsdestotrotz bleibt ein kitschiger, unrealistischer Mainstream-Thriller in Erinnerung.

Fazit: Ein typischer US-amerikanischer Thriller mit Happy End-Garantie, den man lesen kann, aber nicht muss.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Fesselnd und bedrückend

Baumgartner kann nicht vergessen
0


„Baumgartner kann nicht vergessen“ ist bereits der 3. Fall für den kauzigen Grazer Ermittler Franz Baumgartner. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne ...


„Baumgartner kann nicht vergessen“ ist bereits der 3. Fall für den kauzigen Grazer Ermittler Franz Baumgartner. Dennoch handelt es sich um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte, die ohne Vorkenntnisse lesbar ist. Worum geht es?
Die Bestürzung nach dem grausamen Tod von fünf Flüchtlingen, die in einem Lieferwagen im Teich einer Schottergrube entdeckt werden, ist groß. Denn die Opfer sind nicht gleichzeitig gestorben. Auch die Todesursache ist unterschiedlich.
Caroline Meier ermittelt, diesmal ohne Chefinspektor Baumgartner, der noch suspendiert ist. Neu dabei ist der junge Kevin Hiebler. Baumgartner ist währenddessen auf der Suche nach einem Freund aus Kindertagen. Paul hatte schon immer eine dunkle Seite und Baumgartner befürchtet das Schlimmste.
Reinhard Kleindls neues Werk ist ein brandaktueller, hochbrisanter Kriminalroman, der die Flüchtlingskrise thematisiert. Eine fiktive Geschichte, die längst von der Realität eingeholt wurde.
Es geht um Schlepper und deren perfides Business, aber auch um verblendete Gutmenschen, politische Machtkämpfe und menschliche Abgründe. Wer ist gut, wer ist böse? Der Autor lässt die Grenzen verschwimmen. Es geht um Vielschichtigkeit. Denn es gibt nicht nur Schwarz und Weiß.
Für diejenigen Leser, die die Vorgänger nicht kennen, gibt eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse. Auch das Personal wird vorgestellt. Gut gefallen hat mir, dass ein paar offene Punkte des Vorgängerromans hier wieder aufgegriffen und zum Abschluss gebracht werden.
Der Leser merkt sofort, dass dem Autor das Schicksal seiner Figuren sehr wichtig ist. Auch wenn Baumgartner, ein unangepasster Individualist, einen neuen Tiefpunkt in seinem Leben erreicht hat. Und so sind mir Baumgartner, Caroline und Kevin gleich ans Herz gewachsen. Eine sympathische Truppe, der ich gerne wieder über die Schultern schauen möchte.

Fazit: Reinhard Kleindl zieht einen mit in den Abgrund. Faszinierend düster!

Veröffentlicht am 15.09.2016

Wem kannst du trauen?

Boy in the Park – Wem kannst du trauen?
0


Sachlich nüchtern schildert A. J. Grayson in seinem Debütroman das Psychogramm eines Mörders und dessen Erinnerungen an die eigene traumatische Kindheit. Worum geht es?
Jeden Tag verbringt Dylan Aaronsen ...


Sachlich nüchtern schildert A. J. Grayson in seinem Debütroman das Psychogramm eines Mörders und dessen Erinnerungen an die eigene traumatische Kindheit. Worum geht es?
Jeden Tag verbringt Dylan Aaronsen seine Mittagspause auf einer Bank im Botanischen Garten in San Francisco. Seit eineinhalb Jahren beobachtet er dabei einen kleinen Jungen in einer Latzhose. Eines Tages verschwindet das Kind vor seinen Augen und Dylan entschließt sich, zur Polizei zu gehen. Da die nichts unternimmt, macht er sich selbst auf die Suche…
Nach hundert Seiten hätte ich das Buch beinahe abgebrochen. Denn für einen Thriller hat mir einfach der Thrill gefehlt. Die Story gleicht eher einem Road-Movie. Mir war auch schnell klar, dass Dylan sich den Jungen im Park nur einbildet beziehungsweise, dass er selber dieser Junge war und nun mit den Dämonen seiner Vergangenheit zu kämpfen hat.
Das Buch ist in fünf Teile gegliedert. Erzählt wird die Geschichte in der Ich-Perspektive aus Sicht von Dylan. Zwischendurch sind aber auch immer wieder Aufzeichnungen von Therapie-Sitzungen eingestreut. Es geht um einen Mann, der sich Joseph nennt, einen brutalen Mörder. Wo ist die Verbindung?
Ashley Grayson legt mit seinem Debüt einen düsteren, komplexen Roman mit psychologischem Hintergrund vor. Eine Entführung, voller unerwarteter Wendungen ins Unwirkliche. Nichts ist wie es scheint. Niemand ist, was er zu sein scheint. Was ist wahr und was ist bloß das Ergebnis unserer Fantasie?
Nur schrittweise wird enthüllt, wohin das Ganze führen soll. Im letzten Drittel nimmt das Buch dann Fahrt auf und ich wollte gar nicht mehr aufhören zu lesen.

Fazit: Ein abgründiges Debüt wie ein Albtraum. Nicht nur für Fans von „Shutter Island“.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Schwerter zu Flugscharen

Die Gotteswelle
0


Um es gleich vorwegzunehmen, „Die Gotteswelle“ von Patrick Hemstreet, ein Science-Fiction-Roman, der in der nahen Zukunft spielt, ist echt der Hammer! Kaum zu glauben, dass es sich um einen Debütroman ...


Um es gleich vorwegzunehmen, „Die Gotteswelle“ von Patrick Hemstreet, ein Science-Fiction-Roman, der in der nahen Zukunft spielt, ist echt der Hammer! Kaum zu glauben, dass es sich um einen Debütroman handelt. Worum geht es?
Chuck Brenton ist Neurologe und erforscht Hirnwellen, um Kranken und Behinderten helfen zu können. Matt Streegman ist ein Mathematiker, der kürzlich seine Frau verloren hat - während ihr Gehirn weiter elektrische Aktivität zeigte, die er lesen, aber nicht verstehen konnte.
Chuck sucht eine Schnittstelle, über die Gehirnströme mit Computern interagieren können. Matt hat eine Formel entwickelt, die dies ermöglicht. Also gründen sie Forward Kinetics und schon bald können die Probanden, die sogenannten Zetas, die Computer und Maschinen direkt bedienen, ohne mit der Schnittestelle verbunden zu sein. Sie lassen einfach ihre mentalen Muskeln spielen.
Das bleibt natürlich nicht unentdeckt und so dauert es nicht lange, bis das Militär auf den Plan tritt und General Howard mit „Deep Shield“ die Technologie für seine Zwecke missbraucht. Geheimhaltung, Überwachung und Kontrolle prägen von nun an das Geschehen. Die „Zetas“ werden immer besser. Gleichzeitig wächst aber auch ihre Angst vor den „Deeps“. Ein gruppendynamisches Intrigenspiel und ein gnadenloser Wettlauf um Leben und Tod beginnt…
Eine komplexe, dennoch hochspannende Geschichte, die sich Patrick Hemstreet ausgedacht hat. Im Zentrum stehen die Gefahrenpotenziale, die neue Technologien in sich bergen, nicht die tatsächlichen oder angeblichen Segnungen dieser Technologien. Es ist bisweilen harter technischer Stoff, den der Autor den Lesern zumutet. So versteht man als technisch nicht versierter Leser zwar nicht alles, aber immer gerade so viel, dass man der Erzählung folgen kann.
Die Figurenzeichnung ist glaubhaft und durchdacht. Matt ist ein Pragmatiker und Realist, Chuck dagegen Idealist, ein Gutmensch. Auch die Nebenfiguren, Sara, Lanfen, Mike und Tim sowie Dice, Eugene und Mini sind gut gezeichnet. Selbst der Humor kommt nicht zu kurz. So gibt es Anspielungen auf Star Wars und die Hobbits. Zudem gibt es Szenen mit starken Emotionen.
Der Leser erfährt viel über Neurologische Forschung, (fiktive) Zeta-Wellen und Telekinese. Es handelt sich um eine fiktive Geschichte, die auch Verschwörungstheorien enthält. Am Ende bleiben viele Fragen offen und lassen auf eine Fortsetzung hoffen. Chuck, Matt & Co, eine sympathische Truppe, der ich gerne wieder über die Schultern schauen möchte.

Fazit: Ein intelligenter, visionärer Thriller. Unglaublich unterhaltsam!