66 / 100
So sehr ich Natascha Kampusch für ihr Engagement schätze, so unbeholfen wirkt dieses Buch, das sich nicht mehr vorrangig mit den Einzelheiten ihrer Lebensgeschichte beschäftigt. Über ein durchschnittliches ...
66 / 100
So sehr ich Natascha Kampusch für ihr Engagement schätze, so unbeholfen wirkt dieses Buch, das sich nicht mehr vorrangig mit den Einzelheiten ihrer Lebensgeschichte beschäftigt. Über ein durchschnittliches Werk zur Anregung, sich auch im Netz höflich und respektvoll zu verhalten, kommt das Buch leider nicht hinaus, auch wenn ihre persönlichen Erfahrungen sicher eine unterstützende Plastik bieten.
77 / 100
Sechs Jahre vergingen zwischen Buch 1 und 2, die Analogien sind unüberschaubar: wortgewandt, klar und intellektuell versucht Natascha Kampusch die Zeit nach ihrer Entführung und Selbstbefreiung ...
77 / 100
Sechs Jahre vergingen zwischen Buch 1 und 2, die Analogien sind unüberschaubar: wortgewandt, klar und intellektuell versucht Natascha Kampusch die Zeit nach ihrer Entführung und Selbstbefreiung für Außenstehende zu beschreiben.
Die schiere Menge an Missgunst, Hass und Ausgrenzung, die sie am eigentlichen Ende ihrer mit deutlichen Anführungszeichen versehenen „Heldinnnenreise“ durchleben musste, machen es mir unmöglich, gegenüber jenen empathielosen Unmenschen auch nur einen Hauch von Respekt zu empfinden. Die Autorin formuliert selbst viele Sätze, die ihr Martyrium in den zehn Jahren danach passend beschreiben. Wie müssen all die Vorwürfe und Verständnislosigkeit auf sie gewirkt haben (und wirken)? Es bleibt unvorstellbar. Außerdem geht sie auf die Entstehung des Spielfilms „3096 Tage“ ein (und übt Kritik, dass die Story dramaturgisch verfremdet und sie selbst kaum an der Entwicklung beteiligt war).
Das zweite Buch über ihr Schicksal knüpft inhaltlich und stilistisch unmittelbar an das erste Buch an und ich verwahre mich dagegen beurteilen zu können, welches das ergreifendere Buch von beiden ist.
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Bis dato das erste und einzige Buch, dessen Lektüre ich abgebrochen habe. Eigentlich interessiere ich mich sehr für das Fernsehen, insbesondere der 2000er Jahre. Trotz gewisser Zweifel habe ich ...
– / 100
Bis dato das erste und einzige Buch, dessen Lektüre ich abgebrochen habe. Eigentlich interessiere ich mich sehr für das Fernsehen, insbesondere der 2000er Jahre. Trotz gewisser Zweifel habe ich mir diesen Schund doch vorgenommen und will zur Erklärung nur kurz zusammenfassen: In der Sendung „Wer wird Millionär?“ gibt es bei Fragen – vor allem im unteren (!!) Bereich – nahezu durchgehend Sexualbezüge und die Moderationsübergaben von Gerhard Delling an Monica Lierhaus strotzen nur so vor Anzüglichkeiten.
Dem Autor ist eine gewisse Objektivität durchaus absprechbar (schaut man mal auf seine Homepage und andere seiner Wortbeiträge im Internet); für verklärte, verzerrende und alles in allem sinnentstellende Blicke auf das Medium Fernsehen (und die Welt im Allgemeinen) habe ich weder Lust noch Zeit. Traurig, aber nach rund fünfzig Seiten wahr: Hier werde ich den Papierkreislauf wieder schließen.
77 / 100
Das Schicksal von Natascha Kampusch dürfte bekannt sein. Bis heute ekelt mich das Lechzen und der geifernde Qual-Voyeurismus an, mit dem das Buch antizipiert wurde. Es gab herbe Enttäuschungen ...
77 / 100
Das Schicksal von Natascha Kampusch dürfte bekannt sein. Bis heute ekelt mich das Lechzen und der geifernde Qual-Voyeurismus an, mit dem das Buch antizipiert wurde. Es gab herbe Enttäuschungen (die auch hier in den Rezensionen nachlesbar sind und Kopfschütteln bei mir auslösen): Wo ist die tiefgreifende Zersplitterung der Seele, wo die bis ins kleinste Detail ausgeführte Demütigung, wo die Beschreibung von Schmerzen bis in die letzte Hautschicht?
Die Autorin erzählt aus meiner Sicht sehr intim und in ungeschönter Direktheit von ausgewählten Episoden aus ihrer Gefangenschaft (die sie hauptsächlich anhand von Notizen während der Zeit im Verlies rekapituliert). Dass sie die Öffentlichkeit überhaupt an ihrem Schicksal teilhaben lässt, wird nicht unwesentlich auf den Druck der sensationsgeilen Gesellschaft zurückzuführen sein – und trotz dass sie sich größte Mühe gibt, ihr letztes Stück Anstand und Respekt aus und über diese finstere Zeit durch das Buch zu bewahren und zu erhalten: Abgestraft wurde (und wird) sie, sie würde sich und ihre Geschichte für das größtmöglichen Ruhm und Reichtum verkaufen.
Ich habe beim Lesen eine zerbrochene Person vor Augen, die versucht, das Geschehene zu verarbeiten und Anstöße zu geben, wie sie die Pein überstanden hat. Viele Stimmen nehmen zum Anlass, dass ihr Entführer nicht durchgehend in einem schlechten Licht dargestellt wird. Nun ist der Text kein Roman und Menschen für gewöhnlich nicht so eindimensional, wie man es uns fiktive Werke aller Art bewusstmachen wollen. Nicht zuletzt auch dieses Spagats wegen ein äußerst lesenswertes Buch.
65 / 100
Ulrich Wickert, bekannt als „Mr. Tagesthemen“ und Essayist, versucht sich daran, die Leserschaft und die Medien gleichermaßen an die Pflichten und Mächte der letzteren zu erinnern. Es wäre diskutabel, ...
65 / 100
Ulrich Wickert, bekannt als „Mr. Tagesthemen“ und Essayist, versucht sich daran, die Leserschaft und die Medien gleichermaßen an die Pflichten und Mächte der letzteren zu erinnern. Es wäre diskutabel, inwieweit die immer temporeichere Entwicklung und Pluralisierung der Medienlandschaft im Buch zum Thema wird – der größere Teil beschränkt sich auf vermeintliche Kritik am Stil, an der Qualität und an der Wichtung der Relevanz. Zwar nicht direkt ein Meckerbuch, aber ich sehe eine latente Festgefahrenheit im Sinne der damaligen Art der Berichterstattung, die sich gemäß des Buchs im Laufe der Zeit bis heute eher verschlechtert hat. Sicher ist das alles subjektiv und hinzunehmen, jedoch bleibt der Autor nicht so ganz am Thema: Fast deplatziert wirkt gegen Buchende die Erklärung, wie es zum legendären Verabschiedungssatz („...und eine geruhsame Nacht.“) kam – und das bei einem ohnehin nicht sehr umfangreichen Büchlein.