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Veröffentlicht am 14.07.2018

Ein richt toller Roman

Mehr als nur ein Traum
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Bereits im Roman "Gute Geister" von Kathryn Stockett hat mich der Rassismus in den 1960igern im Süden der USA schockiert. Ich konnte es nicht fassen, dass es vor rund 50 Jahren im "fortschrittlichen" Amerika ...

Bereits im Roman "Gute Geister" von Kathryn Stockett hat mich der Rassismus in den 1960igern im Süden der USA schockiert. Ich konnte es nicht fassen, dass es vor rund 50 Jahren im "fortschrittlichen" Amerika Zustände gab, die mich eher an die Zeit der Sklavenhaltung erinnerten. Die Gesichter derjenigen hätte ich gerne gesehen, als die USA den ersten schwarzen Präsidenten wählte! Nun...eine Frau hat es noch immer nicht geschafft...

Zurück zu den 1960igern. Zu dieser Zeit tritt Felicitas, eine junge Deutsche mit jüdischen Wurzeln, ein unverhofftes Erbe an. Als einzige Überlebende des Holocaust hält sie, außer ihrer Freundin Kerstin und ihrem Job als Fotografin, nichts mehr in Deutschland. Kerstin, die mit einem Piloten der US-Army liiert ist, überlegt allerdings ebenfalls mit Christopher nach Amerika auszuwandern. Als Felicitas in Wilkinson County, Mississippi ankommt, ist sie gänzlich unbefangen was Rassentrennung angeht - vorallem auch wegen ihrer eigenen Vergangenheit. Ihre offene und liebenswürdige Art hilft ihr schnell in der kleinen Stadt, sowie im eigens gelegenen Dorf der Schwarzen, Anschluss zu finden. Doch gerade ihre Unbeschwertheit den farbigen Menschen gegenüber ist manchen Bewohnern ein Dorn im Auge. Und so erhält Felicitas in ihrem neuen Heim, das zwar idyllisch, aber sehr abgeschieden liegt, bald Besuch von den berühmt berüchtigten weißen Kapuzenmännern, dem Klu-Klux-Klan. Als durchsickert, dass sie Jüdin ist, steht sie noch mehr im Zentrum der Vereinigung, die nicht nur auf Schwarze, sondern auch auf Juden und Katholiken Hatz macht. Nur durch die Hilfe der beiden engagierten Sheriffs Landon Brown und John Johnson ist sie erstmals sicher. Doch ihr fotografisches Gedächtnis erinnert sie an einen blinkenden Sheriffstern beim letzten Übergriff der Kapuzenmänner. Wen kann sie eigentlich noch trauen? Und was geschah mit der Frau, die vor ihr im Haus wohnte und auf mysteriöse Art gestorben ist? Als Kerstin in Deutschland auch noch Hinweise bekommt, dass die Nachlasspapiere Ungereimtheiten aufzeigen, sind beide Frauen mehr als beunruhigt...

Elisabeth Büchle ist mit "Mehr als nur ein Traum" ein wahrhaft großartiger Roman gelungen, der viele Themen beinhaltet und auch einen tollen Spannungsbogen aufweisen kann. In der Geschichte nehmen die Rassenunruhen in den Südstaaten der USA eine tragende Rolle ein. Dazu hat die Autorin auch einige historische Begebenheiten und Personen einflochten. J.F. Kennedy, Martin Luther King, sowie der bereits im Kern beginnende Vietnamkrieg sind genauso Themen, wie der Kampf gegen den Drogensumpf.
Mit dem Perspektivenwechsel nach Vietnam erzählt Büchle ebenso brilliant über den schwelenden Konflikt zwischen dem Norden und Süden des Landes, den Glaubenskriegen und dem Einsatz der US Army, sowie den beginnenden Drogenhandel und der Prostitution.

Charaktere:
Felicitas ist ein sehr vielschichtiger Charakter. Trotz ihrer schweren Kindheit ist sie eine offene, herzliche und hilfsbereite Frau. Sie hat ein fotografisches Gedächtnis und ist vollkommen unvoreingenommen. Auf der anderen Seite ist sie etwas tollpatschig, naiv und chaotisch. Sie hat Mut und lässt sich nicht so schnell von ihrem Weg abbringen. Sie setzt sich für Gerechtigkeit ein und nimmt auch selbst die Dinge in die Hand.
Sheriff Landon bleibt bis zum Ende hin ein undurchschhaubarer Charakter. Ich konnte ihn bis zum Ende nicht in Gut oder Böse einordnen, auch wenn ich immer etwas mehr zu den Guten tendierte. Das beruhte aber auch darauf, dass er ebenfalls den Schwarzen gegenüber gerecht und freundschaftlich gegenüber trat.
Kerstin und vorallem Christopher, den wir in einem eigenen Handlungsstrang nach Vietnam begleiten, nehmen ebenfalls einen Teil der Geschichte ein. Die restlichen Nebenfiguren sind ebenfalls sehr authenisch und sprühen teilweise nur so vor Leben. Besonders ans Herz gewachsen ist mir Birdie, die im Dorf der Schwarzen lebt.
Und noch kurz erwähnt...nicht nur der Inhalt, sondern auch das Cover ist einfach mehr als nur ein Traum!

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist einnehmend, lebendig und sehr bildhaft. Die beschriebene Zeitspanne wurde hervorragend recherchiert. Historische Persönlichkeiten wurden in die fiktive Geschichte miteinbezogen. Dadurch erhält man beim Lesen das Gefühl inmitten einer wahren Geschichte zu sein, die fesselt und mitreißt. Die wunderbare Erzählweise und Sprache der Autorin sind ein weiterer Pluspunkt.
Die Geschichte ist in fünf Teile aufgeteilt, die sich über die Jahre 1960-1964 aufteilen. Das Schriftbild des Buches ist eher klein und der Roman besitzt eine Dichte, die etwas mehr Lesezeit beansprucht. Zum einfach "kurz dazwischenlesen" ist die Geschichte nicht geeignet. Aber wer einmal begonnen hat, greift sowieso zu keinem anderen Roman.

Fazit:
Dieser tiefgründige Roman beinhaltet einfach alles, was man sich für einen bewegenden und interessanten Leseabend wünscht: spannende Handlung mit überraschenden Wendungen, lebendige Charaktere und Landschaften, sowie die hervorragende Recherche der Autorin.
Meiner Meinung ist "Mehr als nur ein Traum" das bisher beste Buch der Autorin! Von mir gibt es eine dicke Leseempfehlung und den "Lieblingsbuch" Status!

Veröffentlicht am 12.07.2018

August Emmerich ermittelt wieder

Die rote Frau
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Nachdem mich der erste Band rund um Rayonsinspektor August Emmerich sehr gut gefallen hat, war es selbstverständlich, dass ich auch den neuen Fall lesen werde. Und ich kann euch gleich zu Beginn verraten: ...

Nachdem mich der erste Band rund um Rayonsinspektor August Emmerich sehr gut gefallen hat, war es selbstverständlich, dass ich auch den neuen Fall lesen werde. Und ich kann euch gleich zu Beginn verraten: Auch "Die rote Frau" ist wieder richtig gut!

August Emmerich und sein junger Assistent Ferdinand Winter haben es nach der erfolgreichen Auflösung des Kriminalfalles aus Band 1 tatsächlich geschafft und sind in die Abteilung "Leib und Leben" aufgestiegen. Allerdings gestaltet sich das Berufsleben am neuen Arbeitsplatz nicht so, wie es sich Emmerich vorgestellt hat. Anstatt endlich durch die Straßen von Wien auf Verbrecherjagd zu gehen, sitzen er und Winter gemeinsam neben Bürofräuleins und "dürfen" Protokolle tippen. Von den Kollegen werden sie als "Krüppelbrigade" beschimpft, nachdem Winter wegen eines Dienstunfalles noch seinen Arm in der Schlinge trägt und Emmerich wegen eines Granatsplitters im Bein hinkt. Vom Heroin, das ihm im ersten Teil Linderung verschaffte, ist er losgekommen, aber seine Wohnung bei Luise hat er trotzdem verloren als ihr Mann aus dem Krieg zurückkehrte. Nun lebt er in einem Männerwohnheim für Kriegsverletze. Als Stadtrat Richard Fürst, der sich für die Belange der sozial Schwachen einsetzt, ermordet wird, hofft Emmerich den Fall zu übernehmen, doch Polizeichef Gonka zieht ihn gar nicht erst in Betracht. Bald darauf geschieht ein weiterer Mord. Die Tote ist ebenfalls gut situiert und eine Wohltäterin, wie Stadtrat Fürst. Wer bringt schon Menschen um, die sich für Andere einsetzen? Welches Motiv hat der Täter?
Kollege Brühl fasst kurz darauf einen Verdächtigen: Es ist Peppi, der im selben Männerlogierheim, wie Emmerich wohnt. Dieser ist fassungslos und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Seine Wege führen ihn und Winter wieder in den Wiener Untergrund: Illegale Wettlokale, Bordelle und Bäder, aber auch ein Sanatorien und die Welt des Theaters und des Films sind ihre Ziele. Doch Emmerich und Winter bleiben nur 72 Stunden, die Gonka der "Krüppelbrigade" gibt, um die Mordefälle zu lösen....

Noch immer ist das Leben der Menschen gekennzeichnet von bitterer Armut, Wohnungsnot, unzureichender medizinischer Versorgung, Hunger und hoher Arbeitslosigkeit. Die junge Republik ist instabil. Während Monarchisten die Rückkehr des Kaisers wünschen, bilden sich bereits neue politische braune Herde, die aus München nach Wien überschwappen. Zur selben Zeit befindet sich die Filmindustrie auf ihrem Höhenpunkt. Die Menschen flüchten in eine Scheinwelt.

Emmerich, der mittlerweile seine Meinung über seinen Assistenen Winter geändert hat, bleibt seiner unkonventionellen Arbeitsweise treu. Die Auslegung der Gesetze dreht und wendet er, wie er sie gerade braucht und Winter kommt durch Emmerichs Eskapaden nicht nur in eine brenzlige Situationen. Trotzdem unterscheidet er sehr wohl zwischen Gut und Böse und hat immer das Herz am rechten Fleck. Die Sorge um seine Geliebte Luise und die Kinder lassen ihn kaum schlafen, denn Luises Mann kehrt als anderer - als grausamer Mensch - aus dem Krieg zurück.
Während sich die Ermittlungen etwas im Kreis drehen, die Motive völlig unklar sind und Emmerich sich auch in eine Sackgasse manövriert, begleiten wir die beiden ungleichen Ermittler durch die Straßen Wiens. Manche Auflösungen erschienen mir dabei ein bisschen weit hergeholt, jedoch löst sich alles logisch auf, während sich das Ende diesmal zu einem richtigen Showdown entwickelt.

Alex Beer gelingt es wieder hervorragend das Lokalkolorit der Stadt Wien einzufangen. Der historische Krimi lebt neben den beiden eigenwilligen Ermittlern vorallem von der besonderen Atmosphäre, die die Nachwehen des Krieges brutal aufzeigen. Die atmosphärische Beschreibung der Nachkriegszeit habe ich noch bei keinem Autor/Autorin so perfekt umgesetzt gefunden, wie bei Alex Beer. Dazu gibt es, wie bereits im ersten Teil, interessante Details über bedeutende Bauwerke und Lokale, die heute noch existieren.

Schreibstil:
Wie schon im ersten Teil gelingt es der Autorin wieder fabelhaft, sich beim Lesen mitten im Wien der Zwanziger Jahre zu fühlen. Sie erzählt sehr intensiv und detailliert, aber genau in der richtigen Dosierung. Auch die Wiener Mundart darf nicht fehlen und bringt wieder das typische Lokalkolorit mit sich. Alex Beer alias Daniela Larcher hat hervorragend recherchiert und erzählt von einem Wien der gar nicht so goldenen Zwanziger Jahre.
Die Charaktere sind einzigartig und facettenreich. So wird das Wien der 1920iger Jahre wieder lebendig!

Fazit:
Auch der zweite Band rund um den charismatischen Inspektor August Emmerich und seinen Assistenten Winter ist wirklich gelungen. Der historische Krimi lebt vorallem wieder von der tollen Atmosphäre der Nachkriegszeit, dem typischen Wiener Flair und dem verzwickten Kriminalfall. Von mir gibt es eine Empfehlung für diese tolle Reihe!

Veröffentlicht am 12.07.2018

Der Schein trügt

Die Rivalin
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Schon seit einige Zeit lese ich die Bücher von Michael Robotham und konnte somit auch nicht an seinem letzten Buch vorübergehen. Diesmal haben wir es mit einem Thriller abseits der Reihe um den Psychologen ...

Schon seit einige Zeit lese ich die Bücher von Michael Robotham und konnte somit auch nicht an seinem letzten Buch vorübergehen. Diesmal haben wir es mit einem Thriller abseits der Reihe um den Psychologen Joe O'Loughlin und seinem Freund und Ermittler Vincent Ruiz zu tun.

In "Die Rivalin" (den Titel finde ich nicht ganz passend) geht es um Agatha und Meghan. Beide Frauen sind schwanger und erwarten etwa zur gleichen Zeit Nachwuchs. Für Meghan ist es ihr drittes und für Agatha das erste Kind. Beide Frauen kommen aus völlig unterschiedlichen Schichten und laufen sich im Supermarkt über den Weg, wo Agatha arbeitet und Meghan von der Ferne bewundert. Ihr Leben erscheint nach außen hin perfekt. Meghan lebt in einem tollen Haus mit Garten, hat bereits zwei süße Kinder und einen erfolgreichen Ehemann, der beim Fernsehen arbeitet. Außerdem betreibt sie einen erfolgreichen Mami-Blog, wo sie aus ihrem Leben erzählt. Doch so rosig, wie es aussieht, ist es in ihrer Ehe nicht. Der Schein trügt...

Agatha hingegen kommt aus ärmlichen Verhältnissen, hatte eine schlimme Kindheit und bereits eine Ehe hinter sich. Sie hat in ihrem Leben bereits viel erleiden müssen. Nach einigen Fehlgeburten und vergeblichen Fruchtbarkeitsbehandlungen ist sie nach einer kurzen Liason mit Hayden, einem jüngeren Kommunikationstechniker der Royal Navi schwanger und tut alles dafür, um endlich eine glückliche Mutter zu sein.

Das Buch ist in zwei Teile geteilt, wobei der erste Abschnitt sehr ruhig beginnt und sich langsam aufbaut. Dies ist jedoch sehr wichtig, da man als Leser mehr über die Lebensumstände und die Vergangenheit der beiden Frauen erfährt. Hier geht es vorallem um Schwangerschaft, Verluste, Missbrauch, Unfruchtbarkeit und Eheprobleme. Der Leser hat keinen typischer Ermittler-Thriller in den Händen, sondern mehr ein Drama.
Beide Frauen erzählen abwechselnd in der Ich-Perspektive. Dabei kommt es etwa im Mittelteil zu einigen kleinen Längen. Unterschwellig spürt man aber bereits die aufkommende Spannung - bis es zum großen "Knall" kommt. Danach beginnt der zweite Abschnitt des Buches und die Ereignisse beginnen sich zu überschlagen. Ab diesem Zeitpunkt blickt man als Leser in die Abgründe der menschlichen Seele.

Der Spannungsroman/das Drama (als Thriller würde ich das Buch nicht bezeichnen - oder nur den 2. Teil davon) ist eindringlich und emotional. Die Charaktere hat Robotham einfach großartig ausgearbeitet. Ich konnte mich in beide Frauen hineinversetzen. Als Leser hat man immer wieder Zweifel, auf welcher Seite man stehen soll. Manchmal lassen die Lebensumstände Menschen Dinge tun, die nicht richtig sind, aber bei denen man auch Verständnis aufbringen kann. Einige Vorkommnisse aus Agathas oder Meghans Leben könnten jeder Frau passieren. Der Autor spielt hier gekonnt mit der Psyche und hat auch einige unvorhersehbare Szenen eingebaut. Es gibt kein schwarz-weiß, nur grau.
Man hat nicht das Empfinden, dass die Täterin gewollt grausam ist und kann ihre Gedanken und Taten teilweise wirklich nachvollziehen. Sie ist eine gebrochene Frau und ich hatte Mitleid mit ihr. Jedoch gab es auch einige Szenen, die mir kurz die Luft nahmen und unglaublich den Kopf schütteln ließen. Agatha versinkt in ihrem eigenen Lügengebilde und als Leser weiß man oft nicht, was Lüge und Wahrheit ist.

Die Nebencharaktere komnnten mich hingegen nicht zu 100% überzeugen. Vorallem die Wandlung von Hayden fand ich nicht wirklich nachvollziehbar.
Respekt muss ich dem Autor zollen, wie er sich in die beiden Frauencharaktere hineinversetzt hat. Außerdem konnte er mich mit seinen Kenntnissen betreffend Schwangerschaften überraschen.
Das Ende überrascht und lässt mich nach einigen spannenden Stunden das Buch zufrieden zuklappen.

Schreibstil:
Robotham schreibt flüssig und lebendig. Die Spannungskurve beginnt diesmal erst ab der zweiten Hälfte zu steigen. Der Autor baut mehr auf die unterschwellige Spannung auf.
Die Kapitel sind eher kurz gehalten. Es wird abwechselnd aus der Perspektive von Meghan und Agatha in der Ich-Form erzählt.


Fazit:
Ein emotional packendes Drama, das ruhig und langsam beginnt und sich ab der zweiten Hälfte zu einem spannenden Psychothriller mausert. Ein interessantes Thema und großartig ausgearbeitete Charaktere verdecken kleine Schwächen.

Veröffentlicht am 08.07.2018

Ein Pageturner!

Der Flüstermann: Thriller
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Ich habe bereits einige Thriller der Autorin, darunter auch Shepherds Zons-Thriller, die immer zwei Zeitstränge haben und nicht ganz so blutrünstig, wie ihre anderen Bücher sind, gelesen. In meinen letzten ...

Ich habe bereits einige Thriller der Autorin, darunter auch Shepherds Zons-Thriller, die immer zwei Zeitstränge haben und nicht ganz so blutrünstig, wie ihre anderen Bücher sind, gelesen. In meinen letzten Rezensionen hatte ich immer nur einen, jedoch denselben Kritikpunkt, der einen kleinen Sterneabzug mit sich brachte. Diesen kann ich beim Flüstermann nun nicht mehr anbringen, denn der Thriller ist vom Anfang bis zum Ende hin schlüssig und sehr spannend geschrieben!

"Der Flüstermann" ist der dritte Band der Laura Kern Reihe, kann aber auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden.

Schon im Prolog bekommt der Leser einen heimtückischen Mord an einer Frau vorgesetzt, der es unmöglich macht das Buch nochmals aus der Hand zu legen. Als kurze Zeit später ein Snuff-Video im Internet auftaucht, bei dem eine Frau brutal getötet wird, werden Spezialermittlerin Laura Kern und ihr Team auf den Fall angesetzt. Doch kaum wird die Location des Mordes gefunden, steht ein weiteres Video im Netz. Eine Mordserie beginnt, wobei der Täter willkürlich seine Opfer wählt...oder doch nicht? Alle Tötungsarten sind sehr speziell und werden vom Mörder explizit ausgesucht. Was steckt dahinter?

Die Autorin lässt den Leser kaum zu Atem kommen. Videos und Todesfälle reihen sich wie Perlen auf einer Schnur, während Laura, Max und Taylor versuchen die Spur des Täters zu finden. Diese führt ebenso ins Rotlichtmilieu, wie zu einer Versicherungsagentur. Immer wieder eingeschobene Rückblenden, die von einer Afrikareise vor sechs Jahren berichten, ergeben erst nach und nach Sinn. Für Gänsehaut pur sorgen die detaillierten Beschreibungen der Opfer kurz vor ihrem Tod. Nicht nur das Ermittlerteam, sondern auch der Leser spekuliert und rätselt, wohin die Spuren führen könnten. Überraschende Wendungen und einige falsche Fährten sind geschickt von der Autorin platziert.
Ich hatte zwar zum Ende hin den richtigen Riecher, wer der Täter sein könnte, aber die Gewissheit kam erst am Schluss. Und diesmal war auch mein Kritikpunkt, den ich bei den letzten Thriller der Autorin hatte, nicht vorhanden. Ein richtiger Pageturner für spannende Stunden!

Die Charaktere sind wunderbar gezeichnet und die prickelnde Beziehung zwischen Laura und Taylor nimmt nicht zu großen Raum ein, was ich befürworte, da romantische Thriller nicht so mein Ding sind. Laura ist eine sehr sympathische Ermittlerin, die ihr eigenes Päckchen zu tragen hat. Taylor bleibt auch in diesem Band geheimnisvoll und Max ist diesmal ein kleiner Pechvogel, der die Risiken seines Berufes am eigenen Leib zu spüren bekommt.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist rasant und fesselnd. Der Spannungsbogen ist sehr hoch und bleibt über die ganzen 334 Seiten konstant und gipfelt in einen dramtischen Showdown. Die Kapitel sind eher kurz gehalten. Die Abschnitten aus der Vergangenheit sind gekenntzeichnet. Die Perspektivenwechsel erhöhen den Spannungsfaktor.


Fazit:
Ein packender Thriller mit Gänsehautfeeling an dem ich diesmal nichts auszusetzen habe und volle Sternenzahl vergebe! Spannung und etwas andere Tötungsarten machen den Thriller zu einem Pageturner! (Und auch das Ende konnte mich diesmal zufriedenstellen)

Veröffentlicht am 07.07.2018

Agnetas Erbe

Die Frauen vom Löwenhof - Agnetas Erbe (Die Löwenhof-Saga 1)
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Gemeinsam in einer kleiner Blogger-Leserunde habe ich den ersten Band der neuen Trilogie von Corina Bomann gelesen, die in Schweden kurz vor Beginn des ersten Weltkrieges beginnt und mit dem letzten Band ...

Gemeinsam in einer kleiner Blogger-Leserunde habe ich den ersten Band der neuen Trilogie von Corina Bomann gelesen, die in Schweden kurz vor Beginn des ersten Weltkrieges beginnt und mit dem letzten Band der Reihe in den 1970igern abschließt.

Das erste Buch der "Die Frauen vom Löwenhof"- Trilogie liest sich leicht und die 700 Seiten sind wirklich schnell inhaliert. Wir befinden uns in Südschweden kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Noch herrscht das eher strenge Sittenbild von Anstand und Moral, doch die Welt befindet sich im Umbruch. Auch Agneta Lejongård gehört den aufgeschlossenen Frauen an, die sich für mehr Rechte einsetzen. Sie hat das Gutshaus ihrer Eltern im Streit verlassen, um in Stockholm Kunst zu studieren. Sie ist eine der wenigen Frauen, die an der Hochschule überhaupt zugelassen werden und hat sich in der Stadt den Suffragetten angeschlossen. Zuhause auf Gut Löwenstein wird ihr älterer Bruder Herndrik einmal die Pferezucht samt Herrenhaus übernehmen. Doch ein Unglück vereitelt diese Pläne. Agnetas Vater und Bruder sterben bei einem Brand und Agneta muss zurück zum Löwenhof und ihr Studium ad acta legen. Für die junge Frau, die sich mit ihrer Mutter nicht wirklich gut versteht, stehen große Herausforderungen an...

Der Auftakt der Trilogie ist gelungen und hat mich sofort gefesselt. Agneta ist ist eine selbstbewusste und für ihre Zeit sehr moderne Frau. Neben der großen Herausforderung die neue Gutsbesitzerin zu sein, wird auch der Brand, bei dem ihr Vater und ihr Bruder ums Leben gekommen sind, polizeilich untersucht. Das größte Hindernis ist allerdings, dass Agneta sich als unverheiratete Frau in der Männerdomäne als Gutsherrin nur schwer durchsetzen kann. Mit Hilfe eines Gutsverwalters, der sie in ihrer Arbeit unterstützt, würde die Sache nach außen hin ganz anders aussehen. Da kommt ihr Max von Bredenstein gerade richtig, den ihr Vater angeblich noch vor seinem Tod einen Job angeboten hat. Dem jungen Mann scheint aber ein Geheimnis zu umgeben.....

Das Leben auf dem Gutshof wird sehr lebendig beschrieben. Man begleitet nicht nur Agneta und ihre Mutter Stella, sondern auch einige ihrer Dienstboten, wie Susanna oder Lena durch den Tag. Corina Bomann hat sowohl ihnen, als auch den Herrschaften einige Steine und Schwierigkeiten in den Weg gelegt, die den Spannungsbogen der Geschichte höher halten. Einige Geschehnisse sind allerdings ein bisschen konstruiert, was aber der Spannung nicht schadet.
Durch die gute Beziehung der Familie Lejongård zum König werden auch einige politische Themen angesprochen, besonders nach dem Attentat am österreichischen Thronfolger Franz-Ferdinand in Sarajevo und der erst neu erschaffenen Neutralität Schwedens. Man bekommt hier sehr interessante Einblicke. Ebenso überrascht hat mich, dass in Schweden 1915 bereits Kaiserschnitte durchgeführt wurden und es Röntgenapparate gab. Dafür hätte ich mir mehr zum Thema des Frauenwahlrechtes oder generell über die Suffragetten gewünscht. Überrascht hat mich, dass Frauen die Möglichkeit hatten, sich ab 25 Jahren als volljährig erklären zu lassen und damit nicht ihren Eltern oder dem Ehemann gehörten. Auch den Dienstboten war es nur mit Genehmigung der Herrschaft erlaubt zu heiraten. Sie gehörten ebenso zum Besitz. Das kenne ich zwar aus den historischen Romanen, die ich gerne lese, aber dass diese Gesetze auch 1915 noch Gültigkeit besaßen, hat mich doch etwas geschockt.

Die Charaktere sind meiner Meinung nach etwas eindimensional. Die Männer im Roman kommen größtenteils nicht sehr gut weg. Sie sind schwach und wankelmütig.
Das starke Geschlecht sind hier eindeutig die Frauen, auch wenn Agnetas Mutter Stella eine sehr gefühlskalte und reservierte Frau ist. Sehr gefallen hat mir Agnetas Stockholmer Freundin Marit, eine Suffragette.

Die landschaftlichen Beschreibungen und Bräuche des Landes kamen meiner Meinung etwas zu kurz. Einzig der schwedische Mittsommer wird näher erklärt, indem auf Gut Lejongård jährlich ein großes Mittsommerfest gefeiert wird - wie es in Schweden üblich ist. Dafür wird das Herrenhaus und die Umgebung sehr detailreich und bildhaft beschrieben. Das Ende hatte eine Überraschung zu bieten, die mir nicht so gut gefiel und mir etwas zu konstruiert war. Es blieben außerdem einige Fragen offen, die sich hoffentlich im Folgeband aufklären werden.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Corina Bomann ist, wie auch schon in ihren anderen Romanen, wunderbar flüssig und kurzweilig. Auch hier überrascht sie mich wieder mit Individualität, denn in dieser Trilogie erscheint mir ihre Schreibweise wieder etwas anders, als in ihren anderen Romanen. Das finde ich erfrischend und positiv. Bei manchen Autoren hat man doch öfters das Gefühl immer wieder etwas ähnliches zu lesen - bei Corina Bomann ist das definitiv nicht so.

Fazit:
Ein toller Auftakt mit kleinen Schwächen, aber einem sehr rasanten Tempo und dem Gefühl so bald wie möglich weiterlesen zu wollen. Ich freue mich schon auf den Folgeband.