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Veröffentlicht am 03.08.2017

Das geheimnisvolle Amulett

Das Awaren-Amulett
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Im Prolog befinden wir uns im Jahre 796 zur Zeit von Karl dem Großen. Sein Neffe Bertulf, trägt ein Amulett aus dem Schatz der Awaren bei sich, das er seiner Herzensdame, die in einem versteckten Tal an ...

Im Prolog befinden wir uns im Jahre 796 zur Zeit von Karl dem Großen. Sein Neffe Bertulf, trägt ein Amulett aus dem Schatz der Awaren bei sich, das er seiner Herzensdame, die in einem versteckten Tal an der Enisa (der heutigen Enns) lebt, schenken möchte.
Im darauffolgenden ersten Kaipitel, das bereits im Jahre 1626 spielt, halten wir uns in diesem besagten Tal, dem Geseis (heutiges Gesäuse bei Admont in der Steiermark, Österreich) auf und begleiten den Jungen Johannes auf den Rückweg zu seinem Elternhaus, die eine Mühle besitzen. Doch während seiner Abwesenheit haben die Bairischen das Tal überfallen, Häuser in Brand gesetzt und gemordet. Die Eltern von Johannes Eltern sind tot, seine Schwester Elisabeth wurde verschleppt.
In den verbrannten Überresten findet er bei seiner Mutter ein Amulett mit fremden Schriftzeichen, das er als Andeken an sie mitnimmt. Er erhofft sich Hilfe bei Bruder Anselm, seinemn Oheim, der als Eremit in den Bergen wohnt und bei dem er eine Ausbildung genossen hat. Aber der Mönch ist ebenfalls verschwunden und so macht sich Johannes schweren Herzens auf, nach seiner Schwester zu suchen. Ohne Plan tritt er zuerst seine Reise nach Linz an, wo er Johannes Kepler aufsuchen möchte, der ein Freund von Bruder Anselm ist und wo hofft auch seine Tante zu finden. Nur kurze Zeit sind ihm im Hause Kepler vergönnt, denn auch Johannes Kepler verlässt mit seiner Familie das Land. Auch Johannes hat kaum die Möglichkeit länger an einem Ort zu verweilen. Auf der Suche nach Anselm, seiner Schwester und dem gestohlenen Amulett, gerät Johannes immer wieder in Lebensgefahr. Denn während wir ihn auf seinem Weg durch Österreich und Süddeutschland begleiten, erleben wir überall daselbe Bild. Die bayrischen Katholiken lassen den Protestanten nur zwei Wahlmöglichkeiten: Übertritt zum Katholizismus oder das Verlassen des Landes. Alle die bleiben und weiter an ihrem Glauben festhalten, werden ermordet. Es wird gebrandschatzt, ums Leben gewürfelt, Bauernaufstände werden niedergeschlagen und ganze Täler ausgerottet. Diese Zeit ist der Beginn einer der dunklesten Epochen des Mittelalters mit Glaubenskämpfen und Hexenverbrennungen.

In kursiver Schrift werden Erlebnisse aus Johannes Vergangenheit erzählt. Man erfährt mehr über seine Kindheit, seine Ausbildung bei Bruder Anselm und seinen Wissensdurst, sowie seinem Freund Jakob. Dies lockert die Handlung etwas auf, die schonungslos die Glaubenskämpfe beschreibt. Und doch fand ich auch Parallelen zur Gegenwart, denn Glaubenskriege gehören leider nicht nur der Vergangenheit an.
Johannes ist ein sehr ehrlicher und aufrechter junger Mann, der schon früh im Leben auf eigenen Füßen stehen muss. Unbeirrt hält er an seinem Glauben fest, obwohl es ihm einige Male fast das Leben kostet. Auch die Liebe zu seiner Familie und den Wunsch seine Schwester aus den Händen der Bairischen zu retten, sind bei ihm oberste Priorität.

Der Autorin gelingt es mit ihrem fesselnden Schreibstil, die geschichtlichen Ereignisse sehr bildhaft und spannend zu beschreiben. Mir war als Österreicherin gar nicht bekannt, dass wir bis zum 17. Jahrhundert größtenteils protestantisch waren, da die heutige Bevölkerung zu fast 90% katholisch ist.

Schreibstil:
Carmen Mayer hat den Schreibstil der damaligen Zeit angepasst und trotzdem lässt sich der Roman sehr flüssig lesen. Wie bereits erwähnt lebt die Handlung, die die geschichtlichen Hintergründe mit der fiktiven Geschichte rund um Johannes und das geheimnisvolle Amulett verbindet, vorallem von der sehr bildgewaltigen Sprache und dem lebendigen Schreibstil. Man leidet mit Johannes mit und möchte den anfangs noch eher naiven Jungen vor jeglicher Gefahr bewahren. Die geschichtlichen Hintergründe sind hervorragend recherchiert.
Am Ende gibt es noch eine Nachwort der Autorin und ein Glossar zu den historischen Personen zur Zeit Karls des Großen.

Fazit
Ein beeindruckender historischer Roman, der sehr lebendig erzählt wird. Der Beginn des Dreißigjährigen Krieges und die Glaubenskämpfe lassen wieder einmal erkennen, dass der Mensch leider nicht aus seiner Geschichte lernt. Einige Stellen erinnern doch sehr an gegenwärtige Kriegsschauplätze und religiösen Fanatismus. Packend geschrieben und hervorragend recherchiert - ein Genuss für Fans des historischen Romans.

Veröffentlicht am 03.08.2017

Toller Wohlfühlroman

Wildblumensommer
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Mit "Wildblumensommer" ist der Autorin ein wundervoller Roman gelungen, der mich von der ersten Seite an begeistern konnte. Es gibt ja viele Geschichten, die ähnliche Plots aufweisen und in Klischees baden ...

Mit "Wildblumensommer" ist der Autorin ein wundervoller Roman gelungen, der mich von der ersten Seite an begeistern konnte. Es gibt ja viele Geschichten, die ähnliche Plots aufweisen und in Klischees baden und trotzdem sehr unterschiedlich sein können. Das liegt einzig und allein daran, was die Autorin aus der Handlung macht. Ich kann dazu nur sagen, dass Kathryn Taylor eine sehr ansprechende und einfühlsame Geschichte ohne Kitsch geschrieben hat.

Es sind zwei Erzählstränge, die die Handlung aufbauen und sich zum Ende hin perfekt ergänzen. Zuerst lernen wir Zoe kennen, die in der Firma ihres Vaters arbeitet und diese einmal gemeinsam mit ihrem verlobten Simon übernehmen soll. Sie lebt einzig nach den Wünschen ihres Vaters und vergräbt sich in der Arbeit. Als sie eines Tages unglücklich stürzt, wird bei der Routineuntersuchung ein Aneurysma im Kopf entdeckt. Die Ärzte raten zur sofortigen OP. Doch bevor sich Zoe dieser riskanten Operation unterzieht, möchte sie noch ein offenes Kapitel in ihrem Leben abschließen: Den ungeklärten Tod ihres Bruders, der vor 14 Jahren in Cornwall von den Klippen gestürzt ist. Zoe möchte nochmal an den Ort reisen, nach Antworten suchen und sich der Vergangenheit stellen. Damals hat ihre Familie den Unglücksort so schnell verlassen, dass Zoe keine Möglichkeit hatte diesen Schicksalsschlag zu verarbeiten. Außerdem hat sie ihre große Liebe Jack zurückgelassen, von dem sie sich nicht einmal verabschiedet hat. Zoe mietet das alte Strandhaus, das sie damals mit ihrer Familie während der Sommerferien immer bewohnt hat, welches nun ihre damalige Freundin, Jacks Schwester Rose, mit ihren drei Kindern bewohnt. Zoe bietet ihr als Austausch ihr Haus in London an und Rose greift nach kurzem Zögern zu. Rose ist eine sehr herzliche und bodenständige Frau, die ihre Kinder und Mode liebt. Sie designt zu Hause Taschen und Kleider und möchte sich in London die neuesten Trends ansehen. Außerdem lebt ihr Exmann in London, der seit einiger Zeit keine Unterhaltszahlungen mehr leistet und den sie zur Rede stellen will...

Als Zoe nach Pednorak kommt, weiß sie allerdings nicht, dass Jack nach seiner Auswanderung nach Kanada wieder nach Cornwall zurückgekehrt ist. Das Wiedersehen der Beiden gestaltet sich nicht wirklich freundlich. Zu tief sitzen bei Jack noch die Enttäuschung und die Wut, als Zoe damals einfach ohne Worte abgereist und den Kontakt zu ihm abgebrochen hat. Aber auch Zoe ist verletzt und vorallem unsicher. Und wird sie nach der langen Zeit noch etwas über den Tod ihres Bruders Chris herausfinden?

Die Kapitel werden abwechselnd aus der Sicht von Rose und von Zoe erzählt. Die beiden Charaktere sind sehr unterschiedlich, authentisch und mitten aus dem Leben gegriffen. So lesen wir nach und nach, wie es den zwei Frauen in der ungewohnten Umgebung ergeht und was sie erleben. Das ist oftmals amüsant, aber man spürt auch die Verzweiflung von Zoe, die nicht weiß, ob und wie sie die Operation überleben wird, wenn nicht schon vorher ein Äderchen im Kopf platzt. Ein beängstigender Gedanke, den die Autorin gefühlvoll rüberbringen konnte. In Rückblenden werden auch die Ereignisse vor 14 Jahren miteingebaut. Das Geheimnis und die Umstände um Chris Tod werden logisch aufgeklärt.

Die Geschichte ist keineswegs so leicht und luftig, wie die Inhaltsangabe und das Cover vermuten lassen. Es geht um ernste Themen und die Handlung überrascht mit einigen dramatischen Sequenzen. Die eingeflochtenen Cliffhanger am Ende jedes Kapitels gaben mir das Gefühl, dass ich unbedingt weiterlesen muss. Der dramtische letzte Abschnitt rührt auch schnell zu Tränen.

Schreibstil:
Kathryn Taylor hat einen wunderbaren Schreibstil, der mich sofort gefangen nahm. Ich habe den Roman in einem Rutsch durchgelesen, denn ich konnte ihn kaum aus der Hand legen. Die Beschreibungen der Landschaft sind bildhaft und absolut gelungen. Das Setting verzaubert und die Charaktere sind sehr authentisch und lebendig beschrieben. Ich spürte den Wind, der um die Klippen weht und konnte die Wildblumen riechen....

Fazit:
Der Plot ist nicht unbedingt neu, aber was die Autorin aus der Geschichte gemacht hat, hat mich überzeugt! Ohne Kitsch und Vorhersehbarkeit ist es ihr gelungen mich an das Buch zu fesseln und die bildhaften Beschreibungen von Cornwall tun das Übrige. Eine gefühlvolle Geschichte mit Tiefgang, überraschenden Wendungen und Spannung. Ein absoluter Wohlfühlroman mit Suchtfaktor!

Veröffentlicht am 22.07.2017

Zum Heulen...vor lauter Enttäuschung!

Don't You Cry - Falsche Tränen
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Puh...was war denn das? Ein-Sterne-Bewertungen habe ich bis jetzt nur bei abgebrochenen Büchern vergeben, aber da ich den Roman bei einer Lovelybooks Leserunde gewonnen habe, habe ich durchgehalten. Wenn ...

Puh...was war denn das? Ein-Sterne-Bewertungen habe ich bis jetzt nur bei abgebrochenen Büchern vergeben, aber da ich den Roman bei einer Lovelybooks Leserunde gewonnen habe, habe ich durchgehalten. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich sonst wohl aufgegeben......
Zu den Marketing Kommentaren wie "Verursacht Gänsehaut" (Entertainment Weekly) oder "Nervenaufreibend und außergewöhnlich" (LA Times) kann ich nur den Kopf schütteln! Haben diejenigen auch wirklich dieses Buch gelesen, das noch dazu als Thriller betitelt wird? Das wage ich zu bezweifeln!

Wo soll ich anfangen?
Ich habe mich durch die Seiten gequält! So richtig....danach habe ich begonnen die Handlung mehr oder weniger zu überfliegen, in der Hoffung endlich auf interessante Stellen zu treffen. Leider hat man beim Drüberlesen nicht wirklich viel versäumt, denn die Autorin erzählt furchtbar ausschweifend von völlig belanglosen Dingen. Es gibt Wiederholungen und Wiederholungen......
Ich fragte mich immer wieder: Ein Thriller soll das sein? Dann lese ich ab heute nur mehr Horror, denn da finde ich dann vielleicht noch etwas Gänsehautfeeling!
Dabei klang der Klappentext sehr vielversprechend. Zwei Mädchen, die in einer WG wohnen, von denen eine plötzlich verschwindet, ein mysteriöser Brief und eine Annonce, in der bereits eine neue Mitbewohnerin gesucht wird. Klingt doch interessant....oder?

Die Geschichte wird aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt: Einmal aus der Sicht von Quinn, die Mitbewohnerin der verschwundenen Studentin Esther und einmal aus der Sicht von Alex, einem Jungen, der sich eigentlich wie ein Stalker benimmt und ein unbekanntes Mädchen beobachtet und verfolgt. Im Endeffekt sind seine Abschnitte unnötig und nur lückenfüllend.
In den Kapiteln um Quinn war es anfangs ein bisschen interessanter, doch die immer wiederkehrenden Wiederholungen brachten auch hier eine unnötige Länge in die Handlung. Die Gedanken von Quinn drehten sich immer wieder im Kreis, dazu gab es ausschweifende und detaillierte Beschreibungen von Dingen, die absolut nichts zur eigentlichen Geschichte beitrugen. Die fehlenden Zusammenhänge der beiden Handlungsstränge verwirrten mehr, als dass dadurch Spannung aufkam.
Auf den letzten 80 Seiten kommt endlich ein bisschen Spannung auf und der Leser erkennt, wie die Handlungsstränge zusammenpassen. Jedoch wusste ich dann auch gleich wer das unbekannte Mädchen sein muss. Somit gab es für mich auch nicht wirklich einen Überraschungseffekt...
Es tut mir leid - normaler Weise verreiße ich nur selten ein Buch, aber hier kann ich einfach nicht anders.
Warum der Roman "Don't you cry" heißt (auch in der Originalausgabe) kann ich ebenfalls nicht wirklich nachvollziehen....außer, dass er zum Heulen ist!

Schreibstil:
Die Autorin verwendet größtenteils kurze Sätze und trotzdem gelingt es ihr sehr detailverliebt zu erzählen. Ich langweilte mich unendlich und konnte nicht in die Geschichte eintauchen. Die Figuren bleiben an der Oberfläche und ich konnte keine Bezihung zu ihnen aufbauen - sie waren mir nicht einmal besonders sympathisch.
Das Buch ist in fünf Abschnitte unterteilt, die die Wochentage von Sonntag bis zum darauffolgenden Donnerstagbeschreiben.

Fazit:
Eigentlich genügt ein Satz: Eine maßlose Enttäuschung!

Veröffentlicht am 18.07.2017

Schwerter und Schwindler

Schwerter und Schwindler
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Mit diesem Roman hatte ich so meine Startschwierigkeiten. Nicht nur, weil er aus dem Bereich Fantasy kommt, sondern vorallem durch den etwas verwirrenden Einstieg. Ich brauchte doch einige Zeit um mich ...

Mit diesem Roman hatte ich so meine Startschwierigkeiten. Nicht nur, weil er aus dem Bereich Fantasy kommt, sondern vorallem durch den etwas verwirrenden Einstieg. Ich brauchte doch einige Zeit um mich in der Geschichte zurechtzufinden.
Eigentlich ist Fantasy ja nicht so mein Ding und trotzdem hat mir hier der Klappentext wirklich gefallen und mich neugierig gemacht. Das Setting klang eher nach einem historischen Roman und die schon im Titel angeführten Schwertkünstler nach einem Abenteuerroman - zwei Fakten, die ich mochte. Und eigentlich bekommt man auch von Beiden etwas...

Trotzdem wird man zu Beginn in eine völlig fremde Welt geschmissen, die den Uhrwerkgott als einzigen Gott anerkennt und der die alten Götter abgelöst hat. Der König wurde entthront und stattdessen regiert der Prälat Bakar, der in lezter Zeit eher Unmut bei seinen Untergebenen hervorgerufen hat. Zu ihm und der Stadt Reyes, die sich mit Hilfe eines Uhrwerkmechanismus ständig neu formt, sind Kacha und Vocho, unsere beiden Hauptprotagonisten, unterwegs. Das Geschwisterpaar gehörte der Gilde an, aus der sie ausgestoßen wurden. Seidem müssen sich als Wegelagerer über Wasser halten. Als sie bei einem Raubüberfall einer Kutsche an einem Magier und eine geheimnisvolle Truhe gelangen, sind sie einem Geheimnis auf der Spur, das auch ihre Zukunft beeinflusst....

Die Geschichte ist sehr komplex und wie ich bereits erwähnte dauerte es einige Zeit, bis ich mich zurechtfand. Es gibt zwar immer wieder einige Kapitel, die in die Zeit zurückspringen und erklären wie Kacha und Vocho zur Gilde gelangten und eine der besten Schwertkämpfer wurden, doch diese sind relativ spät in die Geschichte eingebaut. ...meiner Meinung zu spät.
Wenn man sich einmal zurechtgefunden hat und dranbleibt ist die Handlung herrlich anders und es macht Spaß sie zu lesen. Allerdings legte ich den Roman zu Beginn zu oft wieder aus der Hand und las in einem anderen Buch weiter, da ich mich, wie schon erwähnt, anfangs etwas schwer tat mit all den Personen und der unbekannten Welt. Die erhofften Schwertkämpfe fanden meiner Meinung auch zu wenig statt. Noch verwirrender war für mich wer den Part der Guten und den der Bösen übernahm, denn vorallem Petri Egimont, Kachas ehemaliger Geliebter, verstand es vorzüglich immer wieder die Seiten zu wechseln. Dies gab der Story wiederum mehr Schwung, weil man erst nach und nach an die Hintergründe herangeführt wird und so einige Überraschungen erlebt. Durch viele Verschwörungen und Intrigen werden Kacha und Vocho in Dinge verwickelt, die ihr Leben stark beeinflussen....

Kacha und Vocho sind Geschwister, die sich lieben und hassen. Sie sind in einer ärmlichen Gegend aufgewachsen und haben die Chance erhalten in der berühmten Gilde den Schwertkampf zu erlernen. Kacha ist der Liebling ihres Vaters und nimmt diese Position später auch beim Gildenmeisters Eneko ein. Sie wird eine Meisterin im Schwertkampf.
Vocho fühlte sich gegenüber der perfekten Kacha schon seit seiner Kindheit benachteiligt und neigt öfters zu unüberlegten Handlungen. Er ist ein Hitzkopf und seine Schwester hat laufend zu tun, um ihn zu beschützen oder aus brenzligen Situationen zu retten. So ist auch Vocho der Grund, dass sie aus der Gilde verstoßen wurden, denn Vocho hat einen Priester getötet, dessen Leben er eigentlich beschützen hätte sollen. Er kann sich allerdings nicht an dieses Ereignis erinnern...
Weder zu den beiden Hauptprotagonisten, noch zu den weiteren handelnden Personen konnte ich eine richtige Beziehung aufbauen. Sie blieben mir leider alle noch viel zu fremd. Vielleicht ändert sich das in den Folgeteilen der Reihe, was man nur hoffen kann. Den sarkastischer Ton von Vocho mochte ich allerdings sehr.
Da dies der erste Teil einer Trilogie ist, bleiben noch einige Dinge ungeklärt. Ein fieser Cliffhanger ist mir aber erspart geblieben, denn die Handlung des ersten Bandes ist weitgehend abgeschlossen. Über den Weltenaufbau, die Gilde und die Magier hoffe ich in den weiteren Teilen noch mehr zu erfahren.

Schreibstil:
Der Schreibstil lässt sich gut lesen und ist flüssig. Den Aufbau der Geschichte fand ich noch ein bisschen holprig bzw. werden die Ereignisse aus der Vergangenheit zu spät eingebaut. Der bildhafte Schreibstil der Autorin machte jedoch einiges wett.
Die Handlung wird von einem Erzähler in der dritten Person erzählt. Durch Perspektivenwechsel erhält man auch manchmal Einblicke in die Gedankenwelt von Kacha oder Vocho.


Fazit:
Ein etwas schwerer Einstieg in den ersten Band der Trilogie, der mich leider immer wieder vom Weiterlesen abhielt. Doch hat man einmal den Überblick über den Weltenaufbau und lernt mehr über die Vergangenheit der Protagonisten kennen, wird die Geschichte interessant und ereignisreich. Ich bin schon gespannt wie es weitergehen wird....

Veröffentlicht am 18.07.2017

Der Mohr hat seine Schuld getan

Der Gaukler und die Tänzerin
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Der neue historische Roman von Nicole Steyer entführt den Leser diesmal in die Welt der Roma. Doch bevor unsere Hauptprotagonistin Magdalene ihr Leben in einem Zeltlager verbringt, lebt sie gemeinsam mit ...

Der neue historische Roman von Nicole Steyer entführt den Leser diesmal in die Welt der Roma. Doch bevor unsere Hauptprotagonistin Magdalene ihr Leben in einem Zeltlager verbringt, lebt sie gemeinsam mit ihrer Mutter wohlbehütet und geliebt als uneheliche Tochter des hessischen Landgrafen in seiner Villa. Als sie mit sechs Jahren Zeuge am Mord ihrer Mutter wird, flieht sie bei Sturm und Schnee kopflos hinaus in die Kälte. Dort wird sie von einer Zigeunerin aufgelesen und mit ins Zeltlager genommen, wo sie eine neue Familie findet.
1737. Als Suni lebt Magdalene nun schon zehn Jahre bei den Roma, wo sie als Tänzerin auftritt. Ihre Roma Mutter Rosina und ihre kleinen Schwester Cikni, die kurz vor der Hochzeit steht, sind ihr sehr ans Herz gewachsen. An ihre frühere Kindheit erinnert sich Suni kaum noch. Als sie eines Tages mit Sorlo einen Ausflug in ein Jagdschlösschen im Wald macht, sieht sie ein Bild von ihrem Vater und ihr als kleines Mädchen an der Wand hängen und es kommen einige Erinnerungen wieder. Kurz darauf trifft sie auch noch auf die Frau, die ihre Mutter ermordet hat, und erkennt die Gefahr in der sie, und alle die bei ihr leben, schwebt. Als ihr Clan überfallen und alle ermordet werden, rettet sie Mathis, der Schokoladenmohr aus Kindheitstagen. Beide wissen, dass nur eine Frau bzw. ihr Handlanger hinter den Überfall stecken kann.
Ab nun heißt es Flucht.....

Das Leben bei den Roma und die Ausgrenzung, die diese Menschen erleben, hat die Autorin wunderbar beschrieben. Auch das "Kuriosenkabinett" von Lorenz, bei dem Mathis Zuflucht gefunden hat, kann man sich bildhaft vorstellen. Er behandelt die armen Menschen, die teilweise sogar von ihren eigenen Familien ausgestoßen wurden, weil sie kleinwüchsig oder als siamesische Zwillinge geboren wurden, schlimmer als Tiere und zeigt wie grausam Menschen gegenüber andersartig aussehenden Menschen waren. Das hat sich sicher nicht bis heute geändert, doch war diese Zurschaustellung und Erniedrigung damals noch viel schlimmer. Auch der Aberglaube hatte einen fixen Platz in dieser Zeit und so wird der Mohr Mathis immer wieder mit dem Teufel und der Hölle in Verbindung gebracht.
Gut beschrieben wird auch das Leben der Antoniter - der Unterschied zwischen den geldgierigen Kirchenmännern, die selbst noch Kranken das letzte Hemd ausziehen, und dem freundlichen Laienbruder Adam, der seinen Glauben so lebt, wie es sein sollte - durch Nächstenliebe. Er ist es auch, der Suni und Mathis immer wieder hilft und unter die Arme greift.

Leider war der Handlungsablauf diesmal an vielen Stellen sehr ähnlich. Magdalene ist auf der Flucht, es gibt einen Unfall oder einen Überfall und sie entkommt gerade noch. Dies wiederholt sich des öfteren und wirkt beim x-ten Male etwas unglaubwürdig. Die Zufälle häufen sich, was aber nicht zu Lasten der Spannung geht. Die tiefe Freundschaft zwischen Suni und Mathis wirkte für mich allerdings manchmal etwas unglaubwürdig. Zu dieser Zeit wäre eine Liebe zwischen Schwarz und Weiß nie möglich gewesen.
Die Zerissenheit von Magdalene, die die ersten sechs Jahre als Adelige aufgezogen wurde, aber danach die Freiheit der Roma erlebt, wird von der Autorin hingegen sehr eingehend und überzeugend beschrieben. Ist sie Suni oder Magdalene? Diese Frage wird sich die junge Frau bis zum Ende stellen...

Die historischen Romane der Autorin sind immer ein absolutes Muss für mich, denn Nicole Steyer bringt in ihren Büchern immer wieder andere Themen zur Sprache, die absolut fasznierend sind. Hier sind es die Roma oder die Andersartigkeit der Menschen. In "Der Fluch der Sommervögel" widmete sie sich der Zeichenkunst und dem Studium der Schmetterlinge. Auch Aberglaube spielt in ihren Romanen immer eine große Rolle.

Schreibstil:
Der Schreibstil von Nicole Steyer ist sehr einnehmend, lässt sich sehr gut lesen und lässt Bilder im Kopf entstehen. Die Autorin hat großartig recherchiert und ein bleibendes Bild der Roma mit ihren Eigenheiten gemalt. Im Nachwort gibt es noch einen kleinen Einblick zur Recherche über die Roma, ebenso gibt es noch eine Aufzählung historischer Persönlichkeiten und Hintergründe zum Buch.

Fazit:
Ein bildgewaltiger historischer Roman über das Thema Andersartigkeit und Diskriminierung von Menschen, verpackt in einer Geschichte voller Intrigen, Mord, Aberglaube, Zerrissenheit, aber auch Hoffnung und Freundschaft. Toll recherchiert, aber mit kleinen Schwächen.