Profilbild von tinstamp

tinstamp

Lesejury Star
offline

tinstamp ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit tinstamp über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.12.2016

Leider nicht meins

Winterküsse im Schnee
0

Zermatt im Jahr 1951. Eine junge Frau wartet in einem Stall auf jemanden, als plötzlich eine Lawine abgeht und sie verschüttet.
Danach ein Sprung zum ersten Kapitel nach London in der Gegenwart und in ...

Zermatt im Jahr 1951. Eine junge Frau wartet in einem Stall auf jemanden, als plötzlich eine Lawine abgeht und sie verschüttet.
Danach ein Sprung zum ersten Kapitel nach London in der Gegenwart und in der Vorweihnachtszeit. Die beiden Schwestern Allegra und Isobel stehen sich sehr nahe, obwohl sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Während Isobel glücklich verheiratet ist und mit ihrem Mann und dem kleinen Sohn im eigenen Heim wohnt, ist Allgra die typische Karrierefrau. Sie lebt in der Welt der Finanzen und steht dort ihren Mann. Ihre kleine schmucklose Wohnung ist selten bewohnt, denn die meiste Zeit verbringt sie im Büro. Sie soll nun einen besonders finanzkräftigen Deal für ihren Chef aushandeln, doch der chinesische Geschäftsmann bevorzugt eher einen Mann als Verhandlunsgpartner. Allegra ist stinksauer und als ihr auch noch Sam, der Kollege aus der kanadischen Filiale, als möglicher Konkurrent vor die Nase gesetzt wird, der mit dem Sohn des Chinesen befreundet ist, sieht sie ihre Felle davonschwimmen.
Doch es bleibt nicht bei der einen schlechten Nachricht, denn ein Anruf der Walliser Kantonspolizei bringt die beiden Schwestern zusätzlich aus dem Gleichgewicht. Nach über fünfzig Jahren wurde die Leiche ihrer angeblich leiblichen Großmutter gefunden, die bei einem Lawinenunglück ums Leben kam und seitdem verschollen war. Wer ist diese Frau, die ihre Großmutter sein soll? Denn eigentlich glaubten die beiden Schwestern ihre Oma gekannt zu haben.... Ihre Mutter, die an Alzheimer leidet, kann ihnen leider nicht aushelfen und so reisen beide nach Zermatt, um der Sache auf den Grund zu gehen. Ausgerechnet im luxuriösen Schiort in der Schweiz, trifft Allegra wieder auf Sam. Dieser verbringt gemeinsam mit dem Sohn des möglichen chinesischen Geschäftspartners seinen Urlaub, was Allegra ihm allerdings nicht abnimmt.....

Meine Meinung:
Die ersten hundert Seiten war ich mir nicht ganz sicher, ob ich mit dem Roman warm werde. Denn unsere Protagonistin, Allegra Fisher, war mir leider anfangs alles andere als sympathisch. Eine Frau, deren Leben nur aus Börsenkursen besteht und die für Menschen, die auch gerne ein Privatleben haben, kein Verständnis übrig hat. Nur ihre Schwester Isobel und ihre demenzkranke Mutter liegen ihr am Herzen. Isobel hingegen ist eine sehr warmherzige Frau, die ihren Mann und ihren Sohn liebt. Sie freut sich auf ein paar Tage Urlaub in der Schweiz und als begeisterte Schifahrerin auch auf ihr Hobby, das sie viel zu selten ausüben kann. Das Familiengeheimnis, das sich hinter dem Tod der Großmutter verbirgt, hat mir gut gefallen und brachte etwas Schwung und Spannung in die eher öden Finanzjargons und den unglaubwürdigen Wintersportbeschreibungen (mehr dazu später). Auch die Liebesgeschichte, die hier eingebaut wurde, ist ziemlich klischeehaft, bleibt aber eher im Hintergrund. Die Welt der Reichen und Schönen im Nobelort Zermatt blieb mir fremd. Auch die Weihnachtsstimmung wollte nicht wirklich aufkommen, denn Weihnachten war eher ein Thema am Rande und wurde erst am Schluss des Romans wieder "hervorgeholt".

Nun kommen wir zu den Klischees abseits des Romans: Ich bin Österreicherin, also bin ich Schifahrerin und ich liebe den Schnee...STIMMT! Und deshalb habe ich mit großer Verwunderug manche Stellen im Buch gelesen, bei denen es ums schifahren geht! Es beginnt damit, dass die Autorin Schließfächer für Schier beschreibt. Vielleicht gibt es die in Frankreich oder der Schweiz...oder irgendwo in Österreich, wo ich noch nicht war........keine Ahnung...aber ich habe definitiv noch nie so etwas gesehen! Wo denn auch? Beim Sessellift, der Gondel oder in der Schihütte??? Danach schreibt sie über die Pisten und dass unsere Protagonisten sogar die sehr gefährlichen roten Pisten befahren. Hm....rot ist die Farbe der Gefahr - stimmt - aber nicht auf der Schipiste! Ich habe dann nachgegoogelt, weil ich wissen wollte, ob es in anderen europäischen Ländern vielleicht andere Bezeichnungen gibt - gibt es nicht! Blau ist die Familienpiste und somit die für Anfänger, rot ist die normale Piste und schwarz sind die Pisten, die eher routinierte Fahrer nehmen sollten....und nicht die roten! Nächstes Thema: ein Schirennen und bei der Autorin starten alle gleichzeitig!!! Das ist kein Lauf, sondern man fährt den Berg hinunter...einer nach dem anderen, wobei die Zeit gestoppt wird und nicht alle wie ein wilder Haufen durcheinanderfahren und risikoreich überholen und auch noch zurückschauen!!! (wie beschrieben) Wo bitte hat die Autorin hier recherchiert?????? Das geht in meinen Augen absolut gar nicht! Man kann nicht über etwas schreiben, von den man keine Ahnung hat! Und es hat mich etwas irritiert, dass Karen Swan im Nachwort noch schreibt, dass sie selbst oft im Winter in der Schweiz Wintersport betreibt. Falls mir jemand etwas Gegenteiliges beweisen kann - gerne! Vielleicht gibt es ja in anderen Ländern andere Sitten ;) oder es gibt in den mondänen Schiorten schon Schließfächer....??

Aber nun zurück zum Roman.....
Die verschiedenen Themen wie die Finanzwelt, Alzheimer, die mondäne Welt der Reichen und Schönen, das Familengeheimnis und die Liebesgeschichte birgen viel Potenzial. Ich denke allerdings, dass es besser gewesen wäre sich auf 2-3 Themen zu konzentrieren.
Das Ende lässt einem aber wieder versöhnlich zurück. Es wird ein bisschen weihnachtlich, das Familiengeheimnis wird aufgelöst und nebenbei noch ein Finanzskandal aufgedeckt. Und für die Romantiker wird es auch etwas (sehr) kitschig. Ich erwarte mir keine hochtrabende Literatur, wenn ich zu einem Buch dieser Art greife und ich lese sehr gerne weihnachtliche Liebes- oder Tiergeschichten zu dieser Jahreszeit, aber Karen Swans "Winterküsse im Schnee" war mir zu unrund, schlecht recherchiert und ich konnte außer zu Isobel keine wirkliche Beziehung zu den Protagonisten aufbauen.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin ist flüssig und lässt sich gut lesen. Die Dialoge sind oft humorvoll, die einzelnen Charaktere sind sehr bildhaft beschrieben. Erzählt wird aus der Sicht von Allegra in der 3. Person. Man ist trotz der 512 Seiten schnell durch und auch die Schweizer Bergwelt, die hier sehr stimmungsvoll beschrieben wird, lässt einem abtauchen in eine andere Welt.

Fazit:
Durch den etwas holprigen Einstieg und den schlecht recherchierten Wintersportanteil hatte dieser Roman leider ziemlich schnell bei mir verloren. Das Familiengeheimnis wurde interessant dargestellt und ließ mich trotz obiger Kritiken dranbleiben. Die Liebesgeschichte blieb eher im Hintergrund, was sicher Romantiker nicht gefallen wird. Im Großen und Ganzen ein netter Roman, der einige (zuviele?) Themen aufgreift und mich eher enttäuscht zurückgelassen hat. Von mir gibt es 2 1/2 Sterne aufgerundet auf 3.

Veröffentlicht am 21.12.2016

Gib dem Leben einen kleinen Schubs

Wenn das Leben Loopings dreht
0

Mit "Das Liebesleben der Suppenschildkröten" hat mich die Autorin Anfang 2015 begeistert. Umso gespannter war ich auf ihren neuen Roman "Wenn das Leben Loopings dreht", in dem es um die fast 50-jährige ...

Mit "Das Liebesleben der Suppenschildkröten" hat mich die Autorin Anfang 2015 begeistert. Umso gespannter war ich auf ihren neuen Roman "Wenn das Leben Loopings dreht", in dem es um die fast 50-jährige Franziska geht.
Nachdem ich selbst heuer diese magische Zahl erreicht habe, war ich gespannt auf unsere Hauptprotagonistin, die zwei fast erwachsene Kinder hat und mit ihrem Mann Daniel in einer alten Villa in München wohnt.
Als eines Tages ein Brief an eine Laura Caspari in ihrem Briefkasten landet, denkt sie zuerst an eine Verwechslung. Doch ein paar Tage später liegt wieder ein Kuvert mit Briefmarken aus Hongkong und grüner Tinte zwischen Reklamezettel und Rechnungen. Auch diesmal steht als Absender nur der Name "Alex" drauf. Neugierig geworden öffnet sie die beiden Briefe und liest über eine dramatische Liebesgeschichte, die der Briefschreiber mit dieser Laura in einem Sommer vor mehr als 20 Jahren erlebt hat. Franzi ist hingerissen von den romantischen Zeilen und spürt die eigene Unzufriedenheit in ihrer Ehe, in der es nach alle den Jahren kaum noch "prickelt". Ehemann Daniel lebt für seine wissenschaftlichen Arbeiten über die Erforschung von Amöben, während Franzi mit ihrem arthritischen Hund Mr. Spock spazieren geht oder für Nachbar Tim's Ein-Mann-Agentur Werbetexte kreiert. Auch Sohn Bastian, der in Berlin studiert, und die pubertierende Tochter Isabel, die Franzi täglich auf ihren Nerven herumtanzt, machen die Sache nicht einfacher. So steigert sie sich immer mehr in die romantischen Zeilen von Alex hinein und beschließt ihn kennenzulernen. Dieser ist von Hongkong nach Hamburg umgezogen und Franzi fast den Entschluss wieder mehr Pepp in ihr Leben zu bringen. Als ihr Mann wegen wissenschaftlichen Arbeiten nach Griechenland reist, packt sie kurzerhand die Koffer und reist nach Hamburg, um Alex ausfindig zu machen....

Die erste Hälfte des Romanes hat mir sehr gut gefallen, obwohl doch einige Passagen ziemlich überzogen sind und Franzi sich oft nicht wie eine 50-jährige benimmt. Obwohl ich in der LB-Leserunde schon mal die Frage in die Runde gestellt habe, ob man sich als ältere erwachsene Frau nicht doch auch manchmal etwas kindisch benehmen darf oder einfach mal etwas Verrücktes machen sollte.....ich denke schon!
Gerade deswegen steht ja auch am Beginn des Buches der Satz: "Gib deinem Leben ruhig mal wieder einen kleinen Schubs. Aber wunder dich nicht, wenn es auf einmal Loopings dreht"
Denn die romantischen Briefe, die Franzi liest, erwecken in ihr die Sehnsucht wieder so geliebt und beachtet zu werden, wie am Beginn ihrer Beziehung mit Daniel. Die Vertrautheit ist zwar größtenteils noch da, aber Franzi fühlt sich kaum wahrgenommen und von den Kindern nur benutzt. Deshalb versucht sie auszubrechen und einmal etwas Verrücktes zu machen....was ist daran falsch? Dass es dabei um einen fremden Mann geht, den sie eigentlich kaum kennt, ist natürlich nicht wirklich richtig. Wie das Ganze schließlich verläuft und ausgeht wird hier natürlich nicht verraten....

Trotzdem gefiel mir die zweite Hälftes des Romans nicht mehr so gut. Woran es lag, kann ich nicht richtig sagen. Vielleicht fand ich mit der Zeit die Geschichte doch etwas zu klischeehaft und zu überspitzt. Ich konnte mich nicht wirklich mit Franzi identifizieren, ihre teilweise sehr unüberlegten Handlungen glichen eher die eines Teenagers. Einiges war auch sehr vorhersehbar....

Schreibstil:
Den locker-leichten und sehr humorvollen Schreibstil der Autorin mochte ich schon bei "Das Liebesleben der Suppenschildkröten". Der amüsante Handlungsverlauf lässt sich schnell lesen und die Charaktere sind sehr lebendig beschrieben. Besonders Mona und Helen, die besten Freundinnen von Franzi, die gegensätzlicher nicht sein könnten, fand ich sehr gelungen. Sie sind richtig aus dem Leben gegriffen und ergänzen sich perfekt.
Die Story wird aus der Sicht von Franziska in der Ich-Form erzählt. Die Kapitel haben eine angenehme Länge.

Fazit:
Wer kurzweilige Unterhaltung mit viel Humor sucht, ist hier richtig. Für mich war es etwas zu viel des Guten, habe mich aber trotzdem gut dabei unterhalten. An "Das Liebesleben der Suppenschildkröten" kommt der neue Roman von Therea Graw leider nicht heran, aber für ein paar nette und vergnügliche Lesestunden finde ich ihn gerade richtig.

Veröffentlicht am 21.12.2016

Das Geheimnis des Lebens

Niemand weiß, wie spät es ist
0

Der neue Roman des österreichischen Autors René Freund hat mich wieder davon überzeugt, dass wir hier in Österreich wirklich hervorragende Schriftsteller haben, denen man mehr Aufmerksamkeit schenken sollte.
Ich ...

Der neue Roman des österreichischen Autors René Freund hat mich wieder davon überzeugt, dass wir hier in Österreich wirklich hervorragende Schriftsteller haben, denen man mehr Aufmerksamkeit schenken sollte.
Ich habe bereits zwei Bücher von René Freund gelesen: "Liebe unter Fischen" meine Rezi und "Mein Vater, der Desserteur" meine Rezi. Dieser ist jedoch ein biografischer Roman aus dem Leben seines Vaters. Beide Bücher haben mir sehr gut gefallen und deswegen war ich schon sehr neugierig auf René's neuen Roman, den ich mir aus der Bücherei mitgenommen habe.

Die Inhaltsangabe klingt eigentlich nicht wirklich neu. Irgendwo habe ich schon ähnliche Klappentexte gelesen, die allerdings meistens mit humorigen Romanen in Verbindung gebracht wurden. Auch in "Niemand weiß, wie spät es ist" klingt Humor durch, jedoch ist dieser einfühlsame Roman keine wirkliche Komödie, sondern eher eine kleine Selbstfindung der Hauptprotagonistin.
Diese heißt Nora, ist Französin und wird nach dem Tod ihres Vaters Klaus mit seinem ungewöhnlichen letzten Willen konftrontiert. Sie soll gemeinsam mit einem österreichischen Notariatsgehilfen die Urne ihres Vaters an einem noch unbekannten Ort in Österreich bringen. Mittels Videobotschaft oder Briefen wird die nächste Teilstrecke, die die Beiden zurücklegen müssen, bekannt gegeben.
Nora ist außer sich vor Wut. Die chaotische Journalistin, die das französische "laissez-faire" liebt, soll in die von ihr ungeliebte Heimat ihres Vaters reisen. Noch dazu mit Bernhard, diesem pedantischen und langweiligen Schnösel, der die notarielle Aufsicht hat. Nora will diese Reise so schnell wie möglich hinter sich bringen und rechnet so gar nicht mit einer Art Schnitzeljagd durch Österreich....vorallem nicht zu Fuß! Denn in ihrem Koffer sind mehr Cocktailkleider als praktische Hosen und an den Füßen trägt sie Stöckelschuhe statt Wanderschuhe......

Mit viel Humor, bei dem wir Österreicher vom Autor ein bisschen auf die Schippe genommen werden, beschreibt René Freund nun den Weg von Nora von Wien ausgehend Richtung Westen. Dabei kommen sie auch in meiner Gegend vorbei und ich habe mich zerkugelt über die Bermerkungen über unsere Region ;)
Größtenteils zu Fuß soll Nora sich durch die anfängliche Hügellandschaft und spätere Bergwelt quälen. Wie sich die beiden sehr ungleichen Charaktere zusammenraufen, ist wunderbar beschrieben. Auch die lebendigen Schilderungen der oft eskalierenden Szenen zwischen Nora und Bernhard, sowie die bildhafte Beschreibung der Umgebung, lassen viele Bilder im Kopf entstehen.
Die melancholischen Einschübe durch die Botschaften des verstorbenen Vaters zeigen auch eine andere Seite von ihm, die Nora nicht kannte. Hier hält der Autor immer etwas inne und lässt auch manchmal dem Leser etwas nachdenklich zurück. Bernhard, der notarielle Begleiter, zeigt ebenfalls immer mehr überraschende Eigenschaften, die Nora ihm nie zugetraut hätte.
Hat man den Klappentext gelesen, erwartet man als Leser eine 08/15 (Liebes-)geschichte, doch René Freund hält hier eine Überraschung bereit, mit der der Leser nicht wirklich rechnet. Mich konnte er auf jeden Fall mit seiner unvorhersehbaren Wendung verblüffen.
Dieses Ende und die wunderbare Beschreibung der Reise zum Ich, die Nora antritt, machen diesen Roman zu etwas Besonderem.

Schreibstil:
René Freund hat einen sehr einnehmenden Schreibstil, der mich überzeugt und berührt. Die humorvollen Einlagen haben mich schon bei "Liebe unter Fischen" begeistert. Auch die sehr bildhaften Beschreibungen der gemeinsamen Reise von Wien ausgehend Richtung Westösterreich waren absolut gelungen. Da ich sehr viele Regionen kannte, die der Autor beschrieben hat, fühlte ich mich fast wie zuhause ;)

Fazit:
"Niemand weiß, wie spät es ist" ist meiner Meinung nach der beste Roman des Autors, den ich bis jetzt gelesen habe (die Biografie seines Vater zähle ich hier nicht mit!). Ich habe mitgelacht und mitgefiebert, wohin Noras Vater sie schlussendlich schickt und welches Geheimnis es zu entdecken gibt. Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

Veröffentlicht am 21.12.2016

Eine großartige Reihe, die mich immer wieder aufs Neue überzeugt!

Die Nightingale-Schwestern
0

"Die Nightingale Schwestern - Sturm der Gefühle" - Band 3 der Reihe, die ich dieses Jahr für mich entdeckt habe und die ich wirklich liebe, schließt nahtlos an den Vorgängerband an.
Das Leben von Helen, ...

"Die Nightingale Schwestern - Sturm der Gefühle" - Band 3 der Reihe, die ich dieses Jahr für mich entdeckt habe und die ich wirklich liebe, schließt nahtlos an den Vorgängerband an.
Das Leben von Helen, Millie und Dora geht weiter und die erste der drei Freundinnen, Helen, ist bereits im letzten Jahr der Ausbildung und steht kurz vor der Abschlussprüfung. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit ihr und schlägt grausam zu. Auch ihre kaltherzige Mutter macht Helen noch immer das Leben schwer....
Millie und Dora sind mittlerweile gut eingearbeitet und kommen im Krankenhausalltag ganz gut zurecht. Dora leidet jedoch unter der Heirat von Nick und Ruby. Auch ihr Bruder Pete bereitet ihr Sorgen, der sich den rechtsradikalen Schwarzhemden angeschlossen hat. Die Übergriffe auf Juden durch die Anhänger dieser Schlägertruppe werden immer häufiger und bald sind auch Freunde von Dora davon betroffen. Außerdem lässt sich Joe nicht abwimmeln und zeigt seine kranke Eifersucht. Millie hingegen vermisst ihren Sebastian, der in diesen unruhigen Zeiten in Berlin als Journalist arbeitet....

Während in Band 2 Helen etwas im Hintergrund stand, ist sie hier wieder mehr präsent. Die Schwierigkeiten von Dora und Millie in der Ausbildung sind diesmal dafür etwas weniger detailliert beschrieben, denn dieser Band befasst sich mehr mit dem turbulenten Liebesleben der drei Mädchen, sowie der beginnenden Judenhetze. Trotz der kleinen Verlagerung auf die privaten "Gefühlsstürme" wird es hier nie kitschig, sondern leider auch sehr traurig....mehr möchte ich hier nicht verraten.
Als Leser der Reihe ist man sofort wieder mitten im Geschehen und hatte das Gefühl die drei Freundinnen erst vor kurzem "verlassen" zu haben. Ich kann es kaum erwarten band zu lesen, der am 13. Jänner erscheinen wird.

Diese Reihe ist wirklich zu meiner absoluten Lieblingsreihe avanciert. Ich kann immer wieder nur wiederholen, dass man sich nicht von Titel und Cover "abschrecken" lassen sollte! Hier steckt viel mehr zwischen den Buchdeckeln, als man erwartet!

Schreibstil:
Ich kann mich nur immer wieder wiederholen, denn Donna Douglas versteht es einfach den Leser ans Buch zu fesseln. Die Charaktere entwickeln sich in jedem Band weiter und keiner der drei Bände - wie oft bei Trilogien - büßt hier an Spannung und Inhalt. Es gibt keine Längen und man ist sehr schnell in einem Sog, der einem nicht aufhören lässt zu lesen.

Fazit:
Auch der dritte Band konnte mich genauso fesseln und überzeugen wie die ersten beiden Bände. Hier gibt es keinen "Mittelband" wie so oft bei Trilogien, bei denen man das Gefühl hat, die Reihe würde in die Länge gezogen! Ein wundervolles Leseerlebnis und eine dicke Leseempfehlung von mir für die Reihe rund um die Nightingale Schwestern. Wieder volle fünf Sterne!

Veröffentlicht am 19.12.2016

Für Historien- und Russlandfans

Das Mädchen aus St. Petersburg
1

Vorab muss ich sagen, dass ich den Klappentext nicht wirklich gelungen finde. Hier handelt es sich keineswegs um eine reine Liebesgeschichte, rauschende Empfänge und Bälle. Vielmehr erwartet uns in diesem ...

Vorab muss ich sagen, dass ich den Klappentext nicht wirklich gelungen finde. Hier handelt es sich keineswegs um eine reine Liebesgeschichte, rauschende Empfänge und Bälle. Vielmehr erwartet uns in diesem fast 500 Seiten dicken Roman jede Menge Kriegsgeschehen und politische Machtspielchen. Man liest über die revolutionären Ideen eines Lenin und lernt auch den stalinistischen Henker Bogdan Kobulov kennen. Der Roman erzählt vom Schicksal mehrerer Personen, die einem teilweise sehr nahe gehen. Deswegen finde ich auch den Titel des Buches nicht ganz glücklich gewählt, denn mir war unsere Hauptprotagonistin Marie, eben diese junge Frau aus St. Petersburg, vorallem in der Mitte des Romans fast zu wenig gegenwärtig.

Mit Marie lernen wir eine anfangs eher unbedarfte, aber sehr sympathische und engagierte junge Frau kennen. Aus dem Adel kommend, versucht sie während des Krieges ebenfalls ihren Beitrag zu leisten, nachdem ihr Verlobter Pjotr und ihr Bruder Nikolaj eingezogen wurden, um gegen Österreich und Deutschland zu kämpfen. Im Lazarett lernt sie den wesentlich älteren und verheirateten Alexei kennen. Die Beiden verlieben sich ineinander, kämpfen aber gegen die unerlaubte Liebe an. Der Krieg hilft ihnen dabei, denn der für nur wenige Monate angekündigte Kampf verbreitet sich über ganz Europa und schließlich den Rest der Welt. Interessant fand ich, dass Deutschland Russland sehr lange überlegen war und diese kaum mit einem Sieg rechneten. Doch die Russen stehen zu dieser Zeit an einem weiteren Scheidepunkt. Die Arbeiter beginnen sich zu erheben und stellen sich gegen den Zar und seine Familie. Die Romanovs verlieren ihr Leben und die Bolschewiki übernehmen die Macht. Diese geschichtliche Umwälzung im Zarenreich und den damals unabhängigen baltischen Ländern, sind auch in "Das Mädchen aus St.Petersburg" sehr genau beschrieben. Man sollte sich deshalb entweder für historische Romane oder russische Geschichte interessieren, wenn man dieses fast 500 Seiten starke Buch lesen will!

Die Charaktere fand ich sehr lebendig beschrieben. Besonders Nikolai, Maries Bruder, lag mir am Herzen, der sehr menschlich agierte und sich seines Standes nicht brüstete. Die ungewöhnliche Freundschaft zwischen ihm und den Kosaken Iwanov, der eine komplett andere Herkunft hat und einen niedrigen Rang beim Militär begleitet, konnte mich berühren. Ebenso wird Iwano's Entwicklung und die interessante Wendung durch die politischen Ereignisse, glaubhaft erzählt. Katja und Fjodor waren ebenfalls zwei starke und sehr sympathische Charaktere, dessen Schicksale mich sehr berührten. Nur mit der großen Liebe von Marie, nämlich Alexei, wurde ich nicht ganz warm, was ich schade finde.
Auch die Einblicke in die Zarenfamilie und die große Beeinflussung durch Rasputin wird verständlich erklärt.

Nina Serova hat hier wirklich ausgezeichnet recherchiert und einen Teil der Familiengeschichte ihres Mannes miteingeflochten. Dessen Großeltern sind 1920 vor den russischen Bolschewiken nach Australien geflohen. Das Zusammenspiel der historischem Begebenheiten und fiktiven Elementen ist der Autorin wirklich gelungen!

Schreibstil:
Neben der großartigen Recherche hat die Autorin auch einen sehr ausdrucksstarken Schreibstil. Er ist der damaligen Zeit angepasst und die Geschichte wurde fesselnd erzählt. Die Kapitelüberschriften erklären dem Leser den Ort und Zeitpunkt der Handlung. Diese wird auch von verschiedenen Protagonisten aus ihrer Sicht, jedoch in der 3. Person, erzählt.

Fazit:
Ein packender und sehr gut recherchierter Roman, bei dem die Liebesgeschichte im Hintergrund steht. Die Autorin hat historische Ereignisse, persönliche Familiengeschichte und fiktive Themen zu einem wunderbaren Roman zusammengesetzt, der mich fesseln konnte. Nur die Hauptprotagonistin kam mir ein bisschen zu kurz. Für Historien- und Russlandliebhaber zu empfehlen!