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Veröffentlicht am 13.11.2023

Absolute Leseempfehlung

Die Welt war voller Fragen
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Schon der erste Band dieser Reihe, die man auch alleinstehend lesen kann, hat mich vor zwei Jahren absolut begeistert. Nun nimmt uns Herbert Dutzler nach "Die Welt war eine Murmel" wieder mit auf eine ...

Schon der erste Band dieser Reihe, die man auch alleinstehend lesen kann, hat mich vor zwei Jahren absolut begeistert. Nun nimmt uns Herbert Dutzler nach "Die Welt war eine Murmel" wieder mit auf eine Reise in die Sechziger Jahre und diesmal gibt es volle fünf Sterne für diesen Coming-of-Age Roman, der mich in meine eigene Kindheit versetzt hat. Ich bin zwar erst Mitte der Sechziger Jahre geboren, doch viele Dinge hatten sich auch bis weit in die Siebziger Jahre nicht wirklich verändert und haben diverse Erinnerungen geweckt.

Erzählt wird die Geschichte wieder vom bereits erwachsenen Siegfried, der nach dem Tod seiner Mutter das Elternhaus ausräumt. Dabei stößt er immer wieder auf alte Fotos, bei denen Erinnerungen aufkommen und die in Rückblicken aus der Sicht des kleinen Sigi erzählt werden.
Mittlerweile hat es Sigi aufs Gymnasium geschafft, doch mit manchen Lehrern steht er auf Kriegsfuß. Seine Fragen, die oftmals seiner kindlichen Neugier entspringen, werden nicht gutiert und die schlechte Betragensnote im Zeugnis steht seiner Versetzung im Wege. Dabei spielt auch die Nazivergangenheit einiger Lehrer und die autoritäre Erziehung in der Schule und auch im Elternhaus eine große Rolle.
Sigi ist ein Ass in Deutsch und interessiert sich sehr für den Weltraum. Zuhause hilft Sigi seiner Oma gerne beim Kochen, welches dem Rollenbild seines Vaters nicht entspricht. Seine Schwester Uschi ist keine gute Schülerin, liebt aber den Blockflötenunterricht. Als Familienoberhaupt hat der Vater das Sagen, obwohl er für das Funktionieren der Familie kaum etwas beiträgt und nach einem Unfall auch kein Geld mehr nach Hause bringt.
Interessant waren wieder die Erinnerungen an bestimmte Fernsehsendungen (damals gab es ORF 1 und ORF 2 und die meisten hatten einen schwarz-weiß Fernseher), das Kopieren mit dem Blaupapier oder die damaligen Benimmregeln, die beim Weihnachtsfest mit den Großeltern mütterlicherseits eine große Rolle spielen. Besonders wichtig war Sigi die Übertragung der Mondlandung, die 1969 ein absolutes Großereignis war.

Neben der humorvollen Erzählung aus Sigis Kindermund, nimmt Herbert Dutzler wieder die gesellschaftlichen und politischen Werte dieser Zeit ins Visier. Die Nazivergangenheit wird auch zwanzig Jahre nach Kriegsende totgeschwiegen und Sigis Mutter kämpft gegen das althergebrachte Rollenbild. Sie möchte wieder arbeiten und den Führerschein machen. In den Sechziger Jahren ist dies allerdings noch immer nicht ohne die Erlaubnis des Ehemannes möglich. Dadurch entsteht jede Menge Konfliktpotential in Sigis Elternhaus.

Herbert Dutzler hat den damaligen Zeitgeist ganz wunderbar eingefangen. Man merkt sofort, dass er weiß, wovon er schreibt. Beim Lesen der Geschichte beginnt man selbst in seinen Kindheitserinnerungen zu schwelgen. Aber auch diejenigen, die viel jünger sind, können in diese wundervolle Geschichte ohne Probleme eintauchen. Die Figuren sind wieder so lebendig gestaltet und mitten aus dem Leben gegriffen. Das Lokal- und Zeitkolorit spielt ebenfalls eine große Rolle. Ich hatte beim Lesen wunderbares Kopfkino.

Herbert Dutzler hat seine gegenwärtigen Gedanken zur damaligen Zeit wieder in kursiver Schrift dargestellt. Dabei stellt er die Vergangenheit dem Heute gegenüber und hebt Vor- und Nachteile hervor. Ein nostaligisch-kritischer Rückblick, der mit viel Herz und Humor erzählt wird.
Ich würde mich sehr freuen, wenn es noch einen weiteren Teil geben würde.

Fazit:
Ein wunderbares Stück Zeitgeschichte, das mir noch besser als die erste Geschichte um Sigi gefallen hat. Fünf Sterne und eine absolute Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 10.11.2023

Faszinierende Lebensgeschichte

Der Buchladen am Ende der Welt
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An diesem Buch hat mich nicht nur das Thema Buchhandlung und Bücher, sondern vorallem auch Neuseeland gereizt. Von einem Besuch in Neuseeland träume ich bereits Jahrzehnte. Mit Ruth Shaw bin ich nun literarisch ...

An diesem Buch hat mich nicht nur das Thema Buchhandlung und Bücher, sondern vorallem auch Neuseeland gereizt. Von einem Besuch in Neuseeland träume ich bereits Jahrzehnte. Mit Ruth Shaw bin ich nun literarisch in Te Aoroa, den Land der langen weißen Wolke, unterwegs gewesen. Trotzdem ist diese Geschichte ganz anders, als ich sie eigentlich erwartet hatte.

Ruth Shaw erzählt in "Der Buchladen am Ende der Welt" hauptsächlich aus ihrem sehr ereignisreichen Leben. Wir sind nur kurze Zeit im kleinsten Buchladen des Landes und zwar immer wieder zwischen den einzelnen Kapiteln ihrer Lebensreise. Diese kurzen Anekdoten, die die Autorin "Geschichten aus dem Buchladen" nennt, sind meisten nur drei Seiten lang und erzählen über Menschen, die bei Ruth vorbeikommen und eine bestimmte Geschichte suchen.

Wir begleiten eine Frau, die bisher ein sehr ungewöhnliches Leben gelebt hat. Ruth war sehr lange Zeit eine Getriebene, die nach sich selbst und einem Platz im Leben gesucht hat. Dabei hat sie viele Höhen und Tiefen erlebt. Manche ihrer Erlebnisse haben mich erschüttert und schockiert zurückgelassen, wie der Verlust ihres Sohnes. Viele sind sehr traurig und doch spürt man den Lebenswillen und die Hoffnungt immer wieder durch die Zeilen.

Ruth Shaw hat unter anderem als Pfarrköchin, als Streetworkerin oder als Nachtschwester gearbeitet, sie war bei der Marine und züchtete Schweine. Ihre große Liebe aber war die See...und Lance.
Mit dem Segeln und dem Meer kenne ich mich als Einwohnerin eines Binnenlandes nicht wirklich aus. Trotzdem spürt man die Liebe zur See in jeder Zeile. Abenteuerliche Begebenheiten, wie ein Piratenüberfall oder ein lebensbedrohendes Sturmtief, haben mich immer wieder unglaublich den Kopf schütteln lassen.

In der Buchmitte findet man einige persönliche Fotos, die uns Ruth noch näher bringen. Es ist unglaublich, was sie in ihrem Leben alles erlebt hat.

Erst mit siebzig Jahren entschließt sie sich gemeinsam mit ihrem Mann in Manapōuri am südlichsten Zipfel Neuseelands einen kleinen Buchladen zu eröffnen. Der "Wee Bookshop" ist der kleinste Buchladen des Landes und besteht aus drei kleinen Häuschen.


Fazit:
Das Leben einer ungaublichen Frau, die erst spät ihren Platz im Leben gefunden hat. Eine faszinierende Lebensgeschichte, die ich gerne gelesen habe.

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Veröffentlicht am 09.11.2023

Vielschichtiger Regionalkrimi

Wasserfallsturz
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Die österreichische Autorin Jennifer B.Wind kenne ich bereits von ihren wirklich spannenden Thrillern. Nun hat sie sich an einen Regionalkrimi gewagt, der uns in die Steiermark führt.

Chefinspektorin ...

Die österreichische Autorin Jennifer B.Wind kenne ich bereits von ihren wirklich spannenden Thrillern. Nun hat sie sich an einen Regionalkrimi gewagt, der uns in die Steiermark führt.

Chefinspektorin Franziska Fürst kehrt nach ihrer Scheidung mit den beiden Kindern zurück in ihre steirische Heimat. Auf dem Hof ihrer Eltern wird sie nicht gerade euphorisch begrüßt und ihr patriarchischer Vater erwartet von Franzi, dass sie ihm den Haushalt führt, statt sich den polizeilichen Ermittlungen zu widmen. Natürlich hat Franziska keinerlei Interesse ihrem Vater und Bruder den Haushalt zu führen und widmet sich dem ominösen Sturz ihrer ehemaligen Lehrerin beim Günster Wasserfall. Nicht nur sie, sondern auch ehemalige Schüler:innen erinnern sich daran, dass diese an Höhenangst litt und nie und nimmer den Weg rauf zum Wasserfall genommen hat. Gemeinsam mit ihrer ehemaligen Jugendliebe Max, der bei der hiesigen Polizei arbeitet, nimmt sie die Ermittlungen auf. Ihr Ex-Mann Nick lässt sich ebenfalls versetzten und arbeitet in der steirischen Landeshauptstadt Graz, um den Kindern näher zu sein.
Obwohl hier auch einiges Privates mitspielt, steht der Kriminalfall im Vordergrund. Weitere ominöse Vorfälle bestätigen Franzi, dass in Schöder so einiges nicht stimmt.

Schon der Prolog hat mir Gänsehaut beschert. Eine Frau liegt im Wachkoma und erkennt ziemlich schnell, dass sie weiterhin in Gefahr schwebt. Ein Alptraum! Diese Einblicke erhalten wir immer wieder, was eine starke Beklemmung hervorruft.
In einem weiteren Handlungsstrang befinden wir uns zur Zeit des Zweiten Weltkrieges und begleiten die beiden Freundinnen Esther und Sophie.

Der Fall ist vielschichtig und bietet einige Überraschungen, die zurück in die Vergangenheit führen. Die Kombination der drei Handlungsstränge ist ungewöhnlich und doch passen sie zusammen. Neid, Missgunst, Rache sind die drei Ausgangspunkte des Kriminalfalles.
Der Regionalkrimi lässt sich sehr gut lesen und man fliegt nur so durch die Seiten. Ich kenne bisher zwar nur die Thriller der Autorin, doch auch auf diesem Gebiet zeigt sie ihr schriftstellerisches Können.
Die steirische Landschaft und die Eigenheiten der ländlichen Bevölkerung werden bildhaft dargestellt. Die Spannung baut sich nach und nach auf und als Leser:in kann man sehr gut miträtseln. Die Kapitel sind kurz gehalten und man lässt sich gerne "noch schnell" auf eine weiteres Kapitel ein.
Über jedes von ihnen kann man eine Illustration eines Wasserfalles sehen, was mir sehr gut gefällt. Die Gestaltung des Buches ist generell sehr ansprechend. Auf der Innenseite der Klappbroschur befindet sich eine Skizze von Schöder und der unmittelbaren Umgebung.

Die Auflösung hat mich hingegen etwas zwiespältig zurückgelassen. Ich fand das Motiv etwas weit hergeholt, wobei mich der dazugehörige Ansatz trotzdem nachdenklich gemacht hat.

Fazit:
Jennifer B. Wind hat mit ihrem vielschichtigen Regionalkrimi bewiesen, dass sie auch in diesem Genre überzeugen kann. Mir hat "Wasserfallsturz" sehr gut gefallen, bevorzuge aber weiterhin ihre spannenden Thriller.

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Veröffentlicht am 07.11.2023

Düster

Der Knochenwald
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Mattie lebt mit ihren um einiges älteren und gewalttätigen Ehemann William in einer abgelegenen Berghütte. Die Isolation ist von William gewollt, denn er verbirgt ein Geheimnis. Seine junge Ehefrau hält ...

Mattie lebt mit ihren um einiges älteren und gewalttätigen Ehemann William in einer abgelegenen Berghütte. Die Isolation ist von William gewollt, denn er verbirgt ein Geheimnis. Seine junge Ehefrau hält er wie eine Sklavin, die er züchtigt, wie es ihm gerade passt. Mattie kennt nichts anderes, obwohl sie hin und wieder Flash Backs hat, in denen sie sich an eine Schwester erinnern kann. Doch diese rinnerungen ergeben für sie keinen Sinn. Ihre Welt ist die abgelegene Hütte am Berg, Schnee, Kälte und ihr Ehemann, von dem die richtige Gefahr ausgeht. Unter keinen Umständen darf sie ihn verärgern.
Als Mattie einen grauenhaft zugerichteten Fuchs im Wald entdeckt, ist sie sicher, dass dieser von keinem menschlichen Wesen und auch von keinem Tier aus dem Wald getötet wurde. Die Spuren rund um den getöteten Fuchs sind riesig und können keiner normalen Kreatur gehören. Als sie William davon berichtet und sie immer wieder grauenhafte Schreie hören, macht er sich auf, nach dem furchteinflößenden Wesen zu suchen. Als auch noch drei Fremde am Berg auftauchen, die sich für die unheimliche Kreatur interessieren, weiß Mattie, dass ihr Mann dies nicht zulassen wird. Die Fremden und sie selbst sind in Gefahr, denn nicht nur das unsichtbare Monster im Wald, sondern auch das menschliche namens William, wollen ihren Tod. Denn William hat ein Geheimnis und dieses droht durch die Fremden ans Licht zu kommen, was um jeden Preis verhindert werden muss...

Der Schauplatz ist minimal und erinnerte mich irgendwie an "Die Wand".....eine einsam gelegene Hütte auf einem Berg und Wald drumherum. Mit nur wenigen Figuren, der rauen und eher ungemütlichen Winterlandschaft und einem angeblichen Monster, erschafft die Autorin einen spannenden Roman mit Thriller- und Horroranteilen. Zuerst aber lernen wir das menschliche Monster kennen: William, der seine Frau schlägt, hungern lässt und ihr befiehlt seine Söhne zu gebieren. Harter Tobak! Wer sich hier getriggert fühlt, sollte nicht zu diesem Buch greifen! Auf der anderen Seite erwartet man auch grausame Dinge, wenn man zu einer Geschichte dieses Genres greift.

Wir lesen aus der Sicht von Mattie und bekommen viele Einblicke in ihre Gefühlswelt und ihre Empfindungen. Sie lebt in ständiger Angst vor ihrem Ehemann. Nach und nach deckt Christina Henry Matties Vergangenheit auf. Ihre Figur und die von William sind großartig gezeichnet. Die drei Fremden haben mich hingegen nicht alle überzeugen können. Vorallem einer der drei Figuren ist kein empathischer Mensch und bringt Mattie manchmal in noch größerer Schwierigkeiten....

Die Atmosphäre ist düster und beklemmend. Der Schreibstil temporeich. Die Situation spitzt sich von Seite zu Seite immer mehr zu. Die Autorin spielt mit der Angst vor dem Unbekannten, dabei wird aber das Monster eher nebulös und mystisch dargestellt und nicht genau beschrieben. Der Spannungsbogen und das Grauen steigert sich von Seite zu Seite. Für reine Horrorleser wird sich der Grusel wahrscheinlich in Grenzen halten.
Zum Ende hin flachte die Geschichte dann etwas ab und das etwas offene Ende hat mir weniger gefallen. Man hat das Gefühl, dass man zum Schluss hin irgendwie alleine gelassen wird. Ein Epilog hätte die Handlung passend abgerundet.

Fazit:
Ein spannender Horrorthriller mit Gruselfaktor, dem am Ende ein bisschen die Luft ausgeht. Bis dahin allerdings ein gruseliges Erlebnis, wobei die größerer Gefahr vom menschlichen Monster ausgeht.

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Veröffentlicht am 06.11.2023

Dramatische Weihnachten

Weihnachten kann kommen
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Werbefachfrau Lucy Clarke liebt ihren Job in einer in London ansäßigen Werbeagentur. Als zwei Großkunden kurzfristig abspringen, steht es nicht gut um die Firma und Lucy versucht verzweifelt nach Auswegen ...

Werbefachfrau Lucy Clarke liebt ihren Job in einer in London ansäßigen Werbeagentur. Als zwei Großkunden kurzfristig abspringen, steht es nicht gut um die Firma und Lucy versucht verzweifelt nach Auswegen um Kündigungen vorzubeugen. Schließlich hat sie die Idee "Miller Active", ein Sportbekleidungslabel unter der Leitung von CEO Ross Miller, ein lukratives Angebot zu unterbreiten. Für die unsportliche Lucy ein sehr gewagtes Unternehmen. Deshalb greift sie zu außergewöhnlichen Mitteln und reist kurzerhand von einem anderen Auftrag, den sie in Schottland betreut hat, weiter zur Lodge der Millers in den schottischen Highlands. Dort will sie ihr Angebot persönlich überbringen...

In der Zwischenzeit treffen nach und nach die erwachsenen Kinder von Douglas und Glenda Miller zuhause ein. Zuvor haben sie sich abgesprochen, dass die Themen Heirat, Nachwuchs und Partner nicht angesprochen werden dürfen, denn es gibt sowieso genug "Sprengstoff", wenn die Familie aufeinander trifft. Vater Douglas gehört das Familienunternehmen Glen Shortbread. Gerne würde er etwas kürzer treten, aber sein Sohn Ross hat sein eigenes Unternehmen gegründet und hat kein Interesse den Familienbetrieb zu übernehmen. Seitdem ist das Verhältnuis zwischen Vater und Sohn sehr abgekühlt. Alice ist Ärztin und ein richtiger Workaholic. Begleitet wird sie von Nico, einem Herzchirurgen, mit dem sie seit neun Monaten zusammen ist. Mutter Glenda und Nanna Jean hören schon die Hochzeitsglocken läuten. Die Jüngste der Geschwister ist Clemmie. Sie eifert keinen der Familie nach und hat ein großes Geheimnis im Gepäck. Als Ross auftaucht, hoffen die Schwestern von sich ablenken zu können und erfinden kurzerhand für ihn eine Freundin. Und dann steht Lucy vor Tür....

Nachdem ich den Klappentext gelesen habe, dachte ich eigentlich, dass sich der Roman hauptsächlich um Lucy und Ross dreht. Doch ab der Mitte verschiebt sich der Fokus auf die einzelnen Familienmitglieder und ich hatte das Gefühl, dass sich die Autorin unabsichtlich etwas verzettelt hat. Sie öffnet einen Handlungsstrang nach dem anderen und der Fokus verschiebt sich auf die gesamte Familie Miller, wobei Ross und Lucy nur mehr als Nebenhandlung fungieren. Gestört hat es mich nicht, aber ich hatte trotzdem das Gefühl, dass Sarah Morgan zu viele Stränge aufgemacht hat, die sie auch logisch schließen muss. Dadurch bleibt einiges an der Oberfläche und es fehlte an einigen Stellen an Tiefgang. Einen Handlungsstrang fand ich außerdem etwas überhastet bzw. abrupt beendet.

Die Weihnachtsstimmung kommt dennoch nicht zu kurz, auch wenn einige Probleme gewälzt werden. Durch das stimmungsvolle Ambiente in den verschneiten schottischen Highlands und etwas Romantik, fühlt man sich rundherum wohl. Während die Millers eingeschneit werden und niemand mehr den nahen Ort erreichen kann, spitzt sich die Lage in der Lodge immer mehr zu. Es kommt zu eingen Dramen und auch humorvollen Geschehnissen, die unterhalten. Die bildhafte Beschreibung der Umgebung und das winterlichen Setting beherrscht die Autorin wieder großartig.

Schreibstil:
Sarah Morgan schreibt sehr warmherzig und gefühlsbetont. Wie von der Autorin gewohnt, wird die Geschichte abwechselnd aus der Sicht der einzelnen Figuren erzählt. Die Charaktere sind lebendig gezeichnet und ich hatte alle bildhaft vor Augen. Besonders Nanna Jean schließt man schnell ins Herz, die offen ausspricht, was sie denkt und für einige Lacher sorgt. Man rätselt welche Geheimnisse Alice und Clemmie haben und fühlt mit Douglas, der sich Gedanken über Glen Shortbread und dessen Zukunft macht. Familienhund Hunter gehört ebenfalls dazu und Lucy schließt man sowieso von Beginn an ins Herz, die sich nichts sehnlicher, als eine Familie wünscht. Ich habe mich wunderbar unterhalten gefühlt.

Cover:

von links nach rechts:
die beiden englischsprachigen Cover, das schwedische und italienische

Warum der Verlag nun zum dritten Mal die deutsche Covergestaltung ändert, ist mir ein Rätsel. Mir gefällt zwar das neue Cover von "Weihnachten kann kommen", aber wenn nicht groß der Namen der Autorin draufgestanden wäre, hätte ich nicht erkannt, das es sich um den alljährlichen Weihnachtsroman der Autorin handelt.

Fazit:
Romantisch, stimmungsvoll, humorvoll und ein bisschen nachdenklich ist der neue Weihnachtsroman von Sarah Morgan, der mich bereits in vorweihnachtliche Stimmung gebracht hat. Trotz der zu vielen Ebenen und Dramen hat mich die Geschichte gut unterhalten und mir ein paar schöne Lesestunden beschert.

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