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Veröffentlicht am 27.03.2021

Operation Werwolf

Dunkelnacht
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Diese Novelle von Kerstin Boie hat mich ziemlich sprachlos zurückgelassen. Ich lese eigentlich sehr viel zum Thema Erster und Zweiter Weltkrieg und war gespannt, wie das Thema in diesem Jugendbuch umgesetzt ...

Diese Novelle von Kerstin Boie hat mich ziemlich sprachlos zurückgelassen. Ich lese eigentlich sehr viel zum Thema Erster und Zweiter Weltkrieg und war gespannt, wie das Thema in diesem Jugendbuch umgesetzt wurde. Es ist auch nicht mein erstes Jugendbuch

gegendasvergessen, aber außer meinem Highlight von Anja May "Am Ende dieses Jahres" (große Leseempfehlung!) aus dem Jahre 2016 hat mich selten ein Buch für Jugendliche so intensiv beschäftigt - und das trotz der nur 122 Seiten.

Die Autorin erzählt über eine wahre Begebenheit, vermischt mit teilweise fiktiven Figuren, die sich am Ende des zweiten Weltkrieges in Penzberg, einer Kleinstadt in Bayern, zugetragen hat. Dies macht die Geschichte umso schrecklicher und lässt einem am Ende fassunglos zurück.

Die Penzberger Mordnacht ereignet sich vom 28. auf den 29. April 1945 - zwei Tage vor Hitlers Selbstmord und wurde großteils von der Organisation Werwolf durchgeführt. Diese Untergrundbewegung hat nach der Niederlage Nazi-Deutschlands Sabotage-Akte, Anschläge und Attentate begangen. In Penzberg wütete die Einheit "Werwolf Oberbayern" aber ganz besonders schlimm..

Kirsten Boie erzählt im Präsens aus der Sicht von Marie, Schorsch und Gustl, aber auch durch die Augen andere Bürger des Ortes. Nur kurz musste ich mich an den Schreibstil gewöhnen, doch danach wurde ich richtig in die Geschichte gezogen. Trotz der Nüchternheit, die die Autorin als Ausdruck gewählt hat, erlebt man diese furchtbaren Taten hautnah mit. Man fühlt sich als Beobachter, der sich mitten im Geschehen befindet und sprachlos dem Morden zusieht. Die eher sachliche Erzählung nimmt einem trotzdem richtig mit, den Kirsten Boie hat darin so viele Gefühle gepackt, dass mir ein zu emotionaler Schreibstil zu viel gewesen wäre. Ich fand es bereits in dieser gewählten Schriftform grausam genug. Kirsten Boie versetzt den Leser vielmehr in eine brutale Realität, die damals stattgefunden hat und von der kaum jemand etwas weiß. Im Nachwort geht die Autorin auf die Folgen dieser Mordnacht ein und hat mich erschütternd und wütend zurückgelassen.

Die Novelle ist in zwei Abschnitte geteilt. Im ersten Teil sind wir tagsüber in Penzberg, im zweiten Abschnitt befinden wir uns in der berüchtigten Mordnacht. Die Kapitel sind sehr kurz und wechseln zwischen verschiedenen Perspektiven. Durch die Personenangabe und den Zeitpunkt darüber, kommt es zu keinen Verwirrungen. Es finden viele Dialoge statt, die der Geschichte noch mehr Authentizität gibt.

Keine leichte Kost! Ich würde die Altersangabe von ab 15 Jahren auf jeden Fall einhalten. Es ist ein anspruchsvolles Jugendbuch, das auch für Erwachsene gut lesbar und ein Playdoyer

gegendasvergessen ist. Ein dünnes Buch mit sehr viel Intensität, das einem fassunglos zurücklässt. Schockierend und lehrreich! Ich würde "Dunkelnacht" als Schullektüre für die Oberstufe sehr empfehlen!

Fazit:
Geballtes Grauen auf wenig Seiten! Eine wahre Begebenheit, die in der Endphase des Zweiten Weltkrieges in einer kleinen bayrschen Stadt passiert ist. Ein Jugendbuch, das ich in der Oberstufe als Schullektüre empfehlen würde. Großartig erzählt und sehr intensiv! Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 26.03.2021

Ich wollte gar nicht mehr auftauchen aus dieser Geschichte

Der große Sommer
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Wow, was für ein Buch! Nachdem mir "Alte Sorten" schon sehr gut gefallen hat wollte ich unbedingt den neuen Roman von Ewald Arenz lesen. Er spielt in den 1980iger Jahren und Friedrich ist so alt, wie ich ...

Wow, was für ein Buch! Nachdem mir "Alte Sorten" schon sehr gut gefallen hat wollte ich unbedingt den neuen Roman von Ewald Arenz lesen. Er spielt in den 1980iger Jahren und Friedrich ist so alt, wie ich damals war. Ich lese immer wieder gerne Bücher, die mich in meine Kinder- und Jugendzeit zurückversetzen.

Für Frieder sind die Sommerferien gelaufen, nachdem er sowohl in Mathe, als auch in Latein eine Nachprüfung hat und lernen muss, um in die nächste Klasse aufzusteigen. Doch es kommt noch dicker: Während seine Eltern und Geschwister nach Italien fahren, soll er zu seinen Großeltern - mit einem strikten Lernpensum pro Tag. Einzig seine Schwester Alma, die ein Praktikum in einem Pflegeheim absolviert, ist ebenfalls zuhause geblieben. Mit Johann, seinem besten Freund, und Alma verbringt er gerne seine Tage im Schwimmbad. Dort lernt er Beate kennen, die seine erste große Liebe wird.
Eigentlich passiert zu Beginn nicht wirklich viel. Die Tage bei den Großeltern sind für Frieder auch Tage, wo er nach seinen Wurzeln sucht. Wer war seine Oma, die im Krieg zur Flucht getrieben wurde? Und warum weiß er so wenig über die Kindheit seiner Mutter? Wie war das, als die beiden noch jung waren?
Seine Großmutter ist eine warmherzige Frau, doch der Großvater, Professor Dr. Walther Schäfer, ist ein strenger und unnahbarer Mensch, der Frieder manchmal sogar Angst einjagt. Aus der anfänglichen Distanz wird jedoch langsam Achtung und als Frieder in Schwierigkeiten gerät, ist es der Großvater, der für ihn da ist.

Wir begleiten Frieder durch diesen Sommer, der ihm für immer in Erinnerung bleiben wird. Die Geschichte wird rückblickend aus seiner Sicht in der Ich-Form erzählt. Dabei sind einige wenige Passagen in der Gegenwart gehalten, die einen kurzen Einblick auf den erwachsenen Friedrich zeigen. Weder der konkrete Ort, noch die genaue Zeit wird genannt, doch es ist offensichtlich, dass wir uns Anfang der Achziger Jahre irgendwo in Süddeutschland befinden. Die Charaktere wuren vom Autor facettenreich und liebevoll ausgearbeitet.

Ewald Arenz braucht nicht viele Worte, um die richtige Stimmung einzufangen. In einer wunderbaren Sprache erzählt der Autor über Familie, Freundschaft, der ersten großen Liebe, Respekt, Vertrauen, Trauer und Tod. In diesem einen Sommer wird Frieder erwachsen und dabei schließt man ihn immer mehr ins Herz. Oftmals hat man das Gefühl, dass der Autor autobiografische Aspekte miteinfließen hat lassen, die die Geschichte sehr authentisch machen. Im letzten Drittel nimmt die Handlung richtig an Fahrt auf und hat mich aus dem Wohlfühlmodus gerissen. Das Ende des Sommers bricht heran und bringt Veränderungen in Frieders Leben. Die wärmenden Sonnenstrahlen, die auf der Haut kitzeln, sind Geschichte und wechseln zu kühleren Temperaturen, die die Wärme vertreiben....

Hervorheben möchte ich noch die Covergestaltung und die Haptik des Buches. Die edle Leinenfassung mit Lesebändchen und das minimalistische Bild, das Friedrich bei einer seiner Lieblingsbeschäftigungen zeigt, ist absolut gelungen. Zusätzlich ist das Bild noch erhaben und wirkt dadurch noch interessanter

Fazit:
Ein Roman über das Erwachsenwerden, der unter die Haut geht. Authentisch und ruhig erzählt, aber mit viel Gefühl und Empathie. Man versinkt in die Geschichte und will gar nicht mehr wieder auftauchen. Ewald Arenz neuer Roman hat mich verzaubert und bekommt den ♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥ und meine volle Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 22.03.2021

Wo Liebe ist, wird das Unmögliche möglich

Die Roseninsel
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Gabriele Diechlers Romane glänzen nicht nur durch ihre wunderschönen Geschichten, sondern vorallem liebe ich ihren wunderbaren und magischen Schreibstil, der mich jedes Mal wieder wie eine warme Decke ...

Gabriele Diechlers Romane glänzen nicht nur durch ihre wunderschönen Geschichten, sondern vorallem liebe ich ihren wunderbaren und magischen Schreibstil, der mich jedes Mal wieder wie eine warme Decke einhüllt.
Man kann sich in ihren Zeilen verlieren und spürt die Wärme, die sie in jedem Satz weitergibt. Deshalb habe ich mir ihren neuen Roman auch sofort bestellt, nachdem ich bei Lovelybooks kein Glück hatte, um gemeinsam bei der Leserunde mitlesen zu können. Die Autorin nimmt sich nämlich immer extra viel Zeit für jede einzelne Leserin - das findet man sehr selten.

In "Die Roseninsel" entführt uns Gabriele Diechler nach Cornwall. Dorthin verschlägt es Buchhändlerin Emma, die sich auf die Spuren ihrer Mutter begibt. Nachdem ihre Eltern, Peggy und Hannes, verstorben sind, möchte Emma die Heimat ihrer Mutter noch besser kennenlernen. Im Handgepäck hat sie Peggy's Büchlein mit ihrer Liebesliste - ein Notizbuch, das sie immer bei sich getragen hat. Noch sitzt die Trauer bei Emma tief. Deshalb hat sie das Angebot ihrer besten Freundin Marie, sie zu begleiten, ausgeschlagen. Zusätzlich ist sie nach der Schließung des wunderbaren Buchladens ihrer Eltern in ihrem neuen Job bei einer Buchhandlungskette unglücklich. Diese Reise soll ihr zeigen, wie ihr weiteres Leben verlaufen soll. Doch das Schicksal meint es in London gut mit Emma, denn durch den ausgerissenen Mischlingshund Jimmy, den sie im Park einfängt, lernt sie die Besitzerin näher kennen. Ava Allington ist eine sehr reiche, aber sympathische und mitfühlende Frau, die Emma aus ihrer Trauer herausholt. Zusätzlich übergibt sie ihr die Aufgabe ihre private Bibliothk in Cornwall auf den neuersten Stand zu bringen. Emma bricht daraufhin auf nach Rosewood Manor, der Roseninsel...

Ich bin mit Emma nach Cornwall gereist und mein Fernweh hat mich gepackt. Die wunderschönen Beschreibungen der Landschaft und der Rosenpracht auf Rosewood Manor hat meine Sehnsucht nach Cornwall entfacht. Ich habe die Orte gegoogelt und sah traumhafte Strände und Klippen...genauso wie Gabriele Diechler sie im Roman beschreibt.
Wirkte für mich die Begegnung mit Ava Allington und den nicht nur reichen, sondern äußerst attraktiven Sohn Ethan zuerst wie eine typische Lovestory auf mich, so konnte mich die Autorin im Laufe der Geschichte des öfteren überraschen. Als Emma in Cornwall auf Ethan trifft, geht es nicht zuckersüß weiter, sondern der Sohn des Hauses tritt ihr sehr abweisend gegenüber. Warum und weshalb müsst ihr selbst lesen...
Auch Bücher spielen im Roman eine große Rolle - ein Thema, das jeder Bücherwurm liebt.

"Bücher umarmen uns wie unsere beste Freundin oder unser bester Freund. Sie spenden Wärme, Hoffnung, machen Mut, und oft genug nehmen sie uns an die Hand, um uns, sinnbildlich gesprochen, irgendwohin hinzuführen, wo wir noch nicht waen. Sie sind pure Magie" - Seite 397

Gabriele Diechler hat wieder wunderbar liebenswerte, aber trotzdem authentische Figuren erschaffen. Emma ist offen und warmherzig, ihre impulsive Freundin Marie wünscht man sich selbst als beste Freundin. Die beiden Frauen sind trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere immer füreinander da. Ethan erschien mir zuerst zu gut um wahr zu sein, doch er hütet ein Geheimnis. Verliebt habe ich mich allerdings in Jimmy, den Hund der Familie Allington, der Emma auf den richtigen Weg führt. Die Figuren sind bis in die kleinsten Nebencharaktere sehr liebevoll gestaltet. Clemmie, Bee oder Jasper sind vor meinen Augen lebendig geworden und haben in mein Hez gefunden.

Schreibstil:
Der intensive und gefühlvolle Schreibstil der Autorin, sowie die Poesie in ihren Worten, machen jeden Roman zu etwas ganz Besonderen. In platzierten Rückblenden erfährt der Leser mehr über Peggy und Hannes, Emmas Eltern, die aufzeigen, was Liebe wirklich bedeutet. Den halben Punkt Abzug deswegen, weil mir doch vieles zu "rosarot" erschienen ist, auch wenn ernsthafte Themen angesprochen und tiefgehende Probleme gewälzt wurden. Trotzdem habe auch ich auf ein "Happy End" gehofft...

Am Ende hat die Autorin noch ein paar persönliche Worte für den Leser. Diese Zeilen haben mich tief berührt.

Fazit:
Ein wunderbarer Roman, der durch lebendige Figuren, wunderschöne Landschaftsbeschreibungen und vorallem durch den einzigartigen Schreibstil der Autorin glänzt. Ich habe mich wohl gefühlt und war für einige Stunden mit Emma in Cornwall auf der Roseninsel...ein wahrer Genuss zu Zeiten, wo man nur buchtechnisch reisen kann. Ich empfehle diesen Roman sehr gerne weiter!

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Veröffentlicht am 20.03.2021

Augenblicke, die ein Leben verändern

Lebenssekunden
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Katharina Fuchs begeisterte mich bereits mit ihrem Debüt "Zwei Handvoll Leben". Es bekam von mir, wie auch der Folgeband meinen selten vergebenen ♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥.
Und auch ihr neuer Roman ...

Katharina Fuchs begeisterte mich bereits mit ihrem Debüt "Zwei Handvoll Leben". Es bekam von mir, wie auch der Folgeband meinen selten vergebenen ♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥.
Und auch ihr neuer Roman bekommt dieses "Prädikat"....wow! Ich glaube sie ist bisher die einzige Autorin, die das geschafft hat!
In ihrem neuen Roman erzählt sie die Geschichte zweier junger Mädchen Ende der 1950iger Jahre bis hin zum Mauerbau.
Christine ist Leistungsturnerin und lebt in Ostberlin, Angelika lebt in Kassel und möchte Fotografin werden. Sie hat ein Auge für besondere Momente. Angelika wächst in einer kinderreichen Künstlerfamilie auf. Als sie vom Gymnasium fliegt, steht ihre Zukunft auf wackeligen Beinen. Ohne Schulabschluss findet sie schwer einen Beruf, vorallem nicht in der Männerdomäne der Fotografie.
Das Gegenstück ist Christine, die sich seit ihrem 12. Lebensjahr dem Leistungssport verschrieben hat. Sie ist ein Ausnahmetalent am Stufenbarren. Doch als Tochter eines Republikflüchtlings wird sie ganz besonders hart gedrillt, obwohl ihre Mutter vom Staatsmodell der jungen DDR überzeugt ist. Neben Sport und Schule bleibt ihr keine Zeit. Seit der Gründung des Deutschen Turn- und Sportvereies in der DDR 1957 wird sie auf Olympia getrimmt und darf in den Elite-Kader. An der Tagesordnung sind dabei Grenzenüberschreitungen betreffend Körperverletzungen, die absichtlich herbeigeführt werden, um noch mehr Leistung bringen zu können.

Obwohl die beiden Mädchen in unterschiedlichen Welten aufwachsen, haben sie doch einige Gemeinsamkeiten. Sie haben Träume und Ziele, doch die Lebensumstände machen es ihnen nicht einfach.
Wir begleiten Angelika und Christine von 1957 bis 1961. Ihre mitreißenden Lebensgeschichten werden abwechselnd aus ihrer Sicht erzählt. Dabei haben mich beide Erzählungen völlig mitgerissen. Man hat beim Lesen das Gefühl echte Figuren zu begleiten, doch sowohl Angelika, als auch Christine sind fiktive Charakter.
Ich bin wieder restlos begeistert von der lebendigen, einfühlsamen, bildhaften und atmosphärischen Erzählweise der Autorin. Zusätzlich hat Katharina Fuchs die politische Entwicklung dieser Zeit perfekt eingefangen: Pendelverkehr zwischen den Zonen, Überwachung durch die Stasi, die verschiedenen Grundgedanken von Ost und West zur Zukunft des Landes....

Auch der Titel ist wunderbar eingefangen: Lebenssekunden - das sind die Sekunden, die Angelika mit ihrer Kamera einfängt - der perfekte Moment. Aber auch der Zeitpunkt in Christines Leben, der sie immer wieder zweifeln lästt und sich immer öfters fragt: Wann wird aus irgendwann jetzt?

Die Figuren sind Menschen, wie du und ich, und zeigen doch viel Persönlichkeit und Stärke. Man erkennt aber genauso die Verzweiflung und Unsicherheit. Es sind Menschen, wie du und ich...mit Träumen und Hoffnungen, Gefühlen und Empfindungen. Wie ich schon in meiner letzten Rezension geschrieben habe gehört eine Menge Portion Gefühl und vorallem Schreibkunst dazu, dass man die Charaktere so transportieren kann, dass sie auch den Leser mitreißen und bewegen. Ich kann mich hier nur selbst wiederholen...ich hoffe ihr verzeiht!

Bei Bücher, die mich sehr begeisten, habe ich öfters Probleme diese in meiner Rezension zu transportieren, wie auch hier. Deshalb sage ich euch einfach: Greift zu dieser tollen Geschichte, die ein Stück Zeitgeschichte wunderbar leicht und lebendig vermittelt.

Fazit:
Wieder ein grandioser Roman aus der Feder von Katharina Fuch. Von mir gibt es auch zu ihrem dritten Roman den ♥♥♥ Lieblingsbuch-Status ♥♥♥ . Ein Stück Zeitgeschichte festgehalten durch zwei mutige junge Frauen, die ihre Träume verwirklichen möchten. Der Roman hat mich berührt und erschüttert und vollkommen gefangen genommen. Von mir gibt es eine große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 18.03.2021

Die verschollenen Filmrollen

Das Kino am Jungfernstieg
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Ich liebe das Kino und vermisse meine Kinobesuche, die seit einem Jahr nicht mehr möglich sind, schrecklich. Vor kurzem ist der zweite Band zu "Das Kino am Jungfernstieg" erschienen. Dass nahm ich zum ...

Ich liebe das Kino und vermisse meine Kinobesuche, die seit einem Jahr nicht mehr möglich sind, schrecklich. Vor kurzem ist der zweite Band zu "Das Kino am Jungfernstieg" erschienen. Dass nahm ich zum Anlass endlich zu Band 1 zu greifen und den Folgeband sobald wie möglich hinterherzulesen. Abtauchen in die Filmwelt, auch wenn es aus dem Jahre 1946 ist - egal...einfach nur Kinoflair genießen! 🎬

Lili Pal ist eine berühmte Film-Cutterin, die ihre Liebe zum Film bereits als Kind entdeckte. Ihre Eltern besaßen ein Lichtspieltheater am Jungfernstieg in Hamburg und Lili war bereits in jungen Jahren klar, dass sie im Filmgeschäft - allerdings hinter den Kulissen - arbeiten möchte. Als ihre Mutter schwer erkrankt, möchte Lili von Berlin zu ihr nach Hamburg reisen, doch ohne einen Interzonenpass ist dies zu dieser Zeit nicht möglich. Der britische Offizier John Fontaine hilft ihr nicht ganz uneigennütz dabei. Er nimmt sie als Begleitung nach Hamburg mit, weil Lili Informationen über verschollene Filmrollen hat, die er in britischen Besitz wissen möchte. Bei der Suche stellt sich die Frage: Bringt der verschollene Film Licht in einen mysteriösen Todesfall?
Als Lili in Hamburg ankommt, erfährt sie nicht nur, dass ihr Schwager und ihre ältere Schwester das Kino der Eltern am Jungfernstieg schließen möchten und selbst Profit daraus ziehen wollen, sondern auch dass ihre Mutter kein Wort spricht und immer kränker wird. Lili's Schwester Hilde hat die Pflege auf ihre Tochter Gesa abgeschoben. Für ihre Mutter interessiert sie sich nicht. Viel wichtiger sind ihr das Ansehen ihrer Familie bzw. ihren Mann und ihr selbst. Lili ist entsetzt und versucht alles Mögliche ihre Mutter und das Kino zu retten.....

Das zerstörte Nachkriegs-Hamburg und vorallem der Hungerwinter 46/47 wird sehr lebendig und bildhaft beschrieben. Man hat das Gefühl selbst durch die Straßen zu laufen. Die Atmosphäre der damaligen Zeit wird hervorragend eingefangen.
Die Figuren im Roman sind fiktiv, beruhen jedoch teilweise auf tatsächlich lebenden Menschen oder nehmen sich daran ein Vorbild. Bekannte Filmemacher der damaligen Zeit sind ebenso Inhalt im Roman, wie eine Figur, die an die berühmte Sändgerin Zarah Leander angelehnt wurde.
Man merkt, dass die Autorin viele Dinge selbst erlebt und in in ihrem Roman eingebaut hat. Micaela Jary ist die Tochter des Filmkomponisten Michael Jary, der in der Nachkriegszeit aus dem Filmgeschäft nicht wegzudenken war. Die Welt der Filmemacher kennt die Autorin seit ihrer Kindheit. Einige berühmte SchauspielerInnen und SängerInnent, hat sie großteils selbst kennengelernt.
Trotzdem kam mir die Welt des Kinos viel zu kurz und ich hoffe, dass sich im zweiten Teil der Fokus mehr darauf legen wird.

Zwischendurch fehlt es etwas an Spannung, obwohl ich sehr schnell und gut durch die Geschichte gerauscht bin. Zum Ende hin wird die Spannung angehoben, indem es zu einem tragischen Vorfall kommt. Die Autorin hat jedoch das Ende mit einem Cliffhanger offen gelassen. Gut, dass ich bereits den Folgeband hier liegen habe.

Fazit:
Der erste Band der Trilogie lässt sich gut lesen und hat mich unterhalten. Es fehlte mir jedoch das titelgebende Kino, das hier nur am Rande vorkommt und die schillernde Filmwelt. Das offene Ende hinterlässt ebenfalls kein besonders gutes Gefühl, deshalb in ich froh, dass der Folgeband schon bereit liegt. Ein bisschen mehr hätte ich erwartet, deshalb gibt es 3 1/2 Sterne für "Das Kino am Jungfernstieg"

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