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Veröffentlicht am 15.09.2016

spannend und atmosphärisch

Baumgartner kann nicht vergessen
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"Baumgartner kann nicht vergessen" ist der dritte Teil um Chefinspektor Franz Baumgartner, den ehemaligen Leiter der Mordgruppe Graz. Nach seinem letzten Fall ist Baumgartner vom Dienst suspendiert und ...

"Baumgartner kann nicht vergessen" ist der dritte Teil um Chefinspektor Franz Baumgartner, den ehemaligen Leiter der Mordgruppe Graz. Nach seinem letzten Fall ist Baumgartner vom Dienst suspendiert und ganz tief gefallen. Alkoholabhängig und depressiv verbringt er seine Tage, alleine die Suche nach seinem Freund aus Kindheitstagen, Paul, treibt ihn um. Als Kind waren die beiden beste Freunde, haben sich durch einen Umzug Baumgartners dann aus den Augen verloren. Die ganzen Jahre ging ihm der Freund nicht aus dem Kopf, er hatte das Gefühl Paul unbedingt wiedersehen zu müssen. Als er Paul jetzt trifft haben die beiden Männer viel zu besprechen, über Vergangenes und über ihre aktuelle Situation. Baumgarnter bewundert Paul für dessen Arbeit in der Flüchtlingshilfe, zumal er selbst beruflich momentan ganz unten ist.

Von der aktuellen Arbeit seiner alten Mordgruppe bekommt Baumgartner nicht viel mit. Zum Team gehört inzwischen Kevin Hiebler, der jung und engagiert ist und nur auf den Tag wartet, an dem er zeigen kann was in ihm steckt.

Die Betroffenheit aller ist groß, als in einem Schotterteich ein Lieferwagen mit sechs Leichen gefunden wird. Menschen, die in dem Lieferwagen elendig umgekommen sind. Unter Caroline Meiers Leitung laufen die Ermittlungen an, sie wünscht sich Baumgartner an ihrer Seite. Baumgartner, der mit seinem Spürsinn und seiner Intuition schon so viele Fälle gelöst hat. Doch in diesem Fall muss sie ohne ihn auskommen.

Wow, was für ein grandioser Krimi! Mir hatte der letzte Teil schon sehr gut gefallen, aber dieser hat mich absolut begeistert. Reinhard Kleindl hat mit Baumgartner einen so menschlichen Ermittler geschaffen, ein Typ der nicht auf den ersten Blick sympathisch ist. Weil er gebrochen scheint, Probleme hat, sich gehen lässt. Gerade wegen diese Ecken und Kanten mag ich den Antiheld Baumgartner, ich war beim lesen ganz nah an ihm dran, konnte seine Gefühle und Gedankengänge hautnah verfolgen. Nicht nur Baumgartner, auch die anderen Protagonisten sind schön skzizziert, Menschen wie aus dem Leben gegriffen.

Einerseits verfolgt man die Ermittlungen der Mordgruppe, andererseits Baumgartners Treffen mit Paul. In der Mordgruppe gibt es interne Intrigen, welche die Ermittlungen erschweren. Aber Kevin zeigt, dass er was auf dem Kasten hat, er riskiert einiges, was ihn sogar den Job kosten könnte. In einem anderen Strang begleitet man ein junges Mädchen, das zusammen mit anderen Menschen eingesperrt ist. Wie hängt das alles zusammen?

Der Autor verwebt die Stränge geschickt, das Gefühl wie alles zusammenhängt verdichtet sich, je weiter man liest. Die Auflösung am Ende bietet einen Schockeffekt und einen wahnsinnig spannenden Showdown. Ich hatte beim lesen Gänsehaut, ein Großteil der Handlung lief wie ein Film vor meinem Inneren Auge ab.

Dazu ein sehr aktuelles Thema, das betroffen und nachdenklich macht. Und durch die ganze Geschichte zieht sich diese düstere und leicht melancholische Stimmung, die für den richtigen Rahmen sorgt.

Fazit: Eines meiner Lesehighlights des Jahres, ein Krimi bei dem alles stimmt. Spannung, Atmosphäre und Lokalkolorit. Ich bin ein Fan von Baumgartner und freue mich schon auf seinen nächsten Fall.

Veröffentlicht am 15.09.2016

atmosphärischer Krimi

Grado im Regen
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Schauplatz Grado: Im Mittelpunkt des Krimis steht Franziska, um sie herum ist die Handlung aufgebaut. Nachdem sie sich von ihrem Mann vorläufig getrennt hat, bewohnt sie eine Wohnung in einem Appartmenthaus ...

Schauplatz Grado: Im Mittelpunkt des Krimis steht Franziska, um sie herum ist die Handlung aufgebaut. Nachdem sie sich von ihrem Mann vorläufig getrennt hat, bewohnt sie eine Wohnung in einem Appartmenthaus mit Blick aufs Meer. Neben ihr wohnt in einer alten Villa Angelina Maria, eine ältere Frau, die etwas wirr zu sein scheint. Beide Frauen beobachten unabhängig voneinander jeden Abend eine Schwimmerin, die mit ihren langen Haaren fast wie eine Mehrjungfrau wirkt.

Eines abends sieht Angelina Maria, wie die Meerjungfrau ertrinkt. Sie alarmiert die Polizei, doch diese nimmt sie erst nicht ernst. Kommissarin Maddalena Degrassi ordnet dann doch noch Nachforschungen an, lässt die Strandabschnitte absuchen. Einer der Bademeister macht eine schreckliche Entdeckung. Und dann ist Franziska plötzlich verschwunden....

"Grado im Regen" überzeugt von Anfang an mit viel Atmosphäre, denn der Regen ist fast allgegenwärtig, die Stimmung sehr gut eingefangen. Ein Buch, bei dem der Titel wirklich passt. Drei Frauen spielen eine Rolle, deren Schicksal miteinander verknüpft ist. Franziska, deren Mann sie betrogen hat, ausgerechnet mit Kommissarin Maddalena Degrassi. Diese wiederum hat durch den Seitensprung ihren Partner verloren, er kann ihr den Fehltritt nicht verzeihen. Und schließlich noch Angelina Maria, deren Vergangenheit ein großes Geheimnis birgt.

Die Geschichte startet ruhig, man lernt in aller Ruhe die Protagonisten kennen und kann sich mit ihnen vertraut machen. Erst im letzten Drittel kommt Spannung auf, was mir persönlich etwas zu spät war. Dafür ist der Krimi aber absolut fesselnd, da neben der Haupthandlung Angelina Marias Geschichte aufgerollt wird, und diese ist sehr bewegend.

Fazit: "Grado im Regen" punktet mit leisen Tönen und ist für Leser, die eher ruhige und unblutige Krimis mögen bestens geeignet. Ein Krimi für entspannte Lesestunden. Am Ende bleibt noch genug Raum für eine Fortsetzung, auf die man gespannt sein darf.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Kubicas zweiter Fall - unbedingt zu empfehlen

Totenvogel
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Schauplatz Wien: Österreichs Innenminister wird ermordet, Oberst Kubica mit der Untersuchung des Falls betraut. Doch mit der augenscheinlichen Lösung ist Kubica nicht einverstanden, es gibt Details die ...

Schauplatz Wien: Österreichs Innenminister wird ermordet, Oberst Kubica mit der Untersuchung des Falls betraut. Doch mit der augenscheinlichen Lösung ist Kubica nicht einverstanden, es gibt Details die ihn stutzig machen. Sein Chef ordnet an den Fall ad acta zu legen, doch er wäre nicht Kubica wenn er dieser Weisung folgen würde. Kubica lässt nicht locker und stößt auf die schmutzigen Geheimnisse des Ministers.

Der zweite Fall für Radek Kubica hat mir noch besser gefallen, als sein erster "Donauwölfe", obwohl dieser mich schon begeistert hat. Der Krimi hat einfach alles, was man sich als notorischer Krimileser nur wünschen kann: Eine verzwickte und spannende Handlung, sympathische Protagonisten die sich entwickeln und einen sehr anspruchsvollen Schreibstil, der sich wunderbar locker lesen lässt. Dazu lässt der Autor immer wieder Informationen zu bekannten Orten oder Gebäuden in Wien einfließen, geschichtliche Details, die viel für Wien-Flair sorgen.

In "Donauwölfe" musste ich mit Kubica erst mal warm werden, er ist kein einfacher Kerl. Seine Frau hatte den Koffer gepackt und war mitsamt Sohn Oskar nach London gezogen, weil Kubica seine Arbeit wichtiger als die Familie war, Kubica hat seinen Kummer und Stress im Alkohol ertränkt. In diesem Teil hat er seine Alkoholsucht im Griff, ist gesundheitlich aber nach einer Schussverletzung noch schwer angeschlagen.

Kubica brennt darauf wieder zur Arbeit zu kommen und hat auch schnell einen brisanten Fall am Wickel: der Innenminister wird ermordet. Zu alldem kommen noch Intrigen, denn es gibt Vorgesetzte, die Kubica nur allzu gern in den Ruhestand schicken würden. Denn Kubica ist unbequem. Er bearbeitet einen Fall nach seiner Art, verbeißt sich darin, er sagt was er denkt und tritt damit einigen Leuten auf die Füße. Doch gerade das macht ihn auch so wahnsinnig sympathisch. Privat tut sich auch einiges bei Kubica, so bekommt er z. B. überraschend Besuch von seinem pubertierenden Sohn, was für einige Verwicklungen sorgt.

Der Fall an sich ist so verzwickt, es gibt mehrere Handlungsstränge die erst ganz zum Schluss zusammen laufen, aber dafür mit einem Paukenschlag. Einiges kann man sich als aufmerksamer Leser zusammen reimen, aber der Drahtzieher hinter allem ist bis zum Ende unbekannt. Hans Peter Vertacnik hat hier einen grandiosen Fall entwickelt und mich mit dem Ende absolut überrascht. Der Fall ist komplex und einige Vorkommnisse sind leider nur allzu realistisch, genau das macht für mich einen guten Krimi aus. Es bleibt auch keine Frage offen, alles wird schlüssig geklärt.

Fazit: Fesselnder Krimi mit viel Lokalkolorit, einer komplexen Handlung und einem sympathischen Protagonisten. Ich bin begeistert, freue mich schon auf den nächsten Fall.

Veröffentlicht am 15.09.2016

brisantes Thema das nahe geht

Besondere Umstände
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Der zweite Fall für Meier und Schnyer ist wieder einmal hoch brisant. Eine allgemein geschätzte und engagierte Sozialarbeiterin wird im Amt ermordet, Meier ermittelt in dem Fall. Als dann noch ein neugeborenes ...

Der zweite Fall für Meier und Schnyer ist wieder einmal hoch brisant. Eine allgemein geschätzte und engagierte Sozialarbeiterin wird im Amt ermordet, Meier ermittelt in dem Fall. Als dann noch ein neugeborenes Baby von der Babystation entführt wird ist die Polizei in heller Aufregung, denn jetzt steht das Leben des Säuglings auf dem Spiel. Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren und das Privatleben von Meier und Zita ist auch äußerst turbulent.

Auch der zweite Teil um Commissario Meier und Zita Schnyder hat mich voll überzeugt. Das Thema ist sehr brisant und geht nah, vor allem da man mit der schwangeren Zita ganz dicht am Geschehen ist. Denn das entführte Baby ist Maud, die neugeborene Tochter von Lucie. Einer Frau, die zusammen mit Zita zur Geburtsvorbereitung bei MamYoga war. Am Anfang werden die handelnden Charaktere eingeführt, einige sind schon aus dem ersten Teil bekannt, dazu kommen neue, wobei die Frauen aus dem MamYoga Kurs eine große Rolle einnehmen. Die bekannten Charaktere gewinnen an Tiefe, entwickeln sich. Hier ist vor allem Helen zu nennen, die bei den Ermittlungen gegen Ende eine wichtige Rolle spielt.

Die ganze Handlung wirkt sehr familiär, da neben den Ermittlungen das Privatleben einen großen Raum einnimmt. Zita ist durch die Belastung der Schwangerschaft und der neuen Rolle als Mutter sehr dünnhäutig und zickt öfter rum, so dass mir Meyer in der ein oder anderen Situation echt leid tat. Er muss sich zwei teilen, anstatt Urlaub mit dem neugeborenen Baby muss er in dem Mordfall ermitteln. Es wäre nicht Meier, wenn er seine Finger nicht auch im anderen Fall mit drin hätte
Man verfolgt einerseits die Ermittlungen der Polizei, andererseits die die Aktionen von Zita und den Müttern von MamYoga. Beides ist hoch spannend.

Besonders gefallen haben mir das Thema Schwangerschaft, Geburtsvorbereitung und Entbindung, das die Autorin mit viel Einfühlungsvermögen, aber auch Humor thematisiert. Beim lesen habe ich automatisch die Stunden meiner Entbindung nochmals durchlebt und hatte dieses intensive Babygefühl wieder vor Augen. Man erlebt Zitas erste Gehversuche als stillende Mutter und ihre Unsicherheiten und Zweifel, ihre Gefühle sind wunderbar dargestellt.

Die Stimmung ist sehr gut eingefangen, auch die Wetterlagen, die diesmal ihre Tücke haben Zum Schreibstil muss ich nicht viel sagen, schön locker und humorvoll mit detaillierten Beschreibungen, so dass ich durchweg Kopfkino hatte.

Ich habe es genossen diesen Krimi zu lesen, die Figuren sind so liebevoll gezeichnet, ein jeder ist unverwechselbar und es macht einfach Spaß, die Handlung zu verfolgen. Die ehemalige Wetterfee Scarlett ist inzwischen zur Talkmasterin mutiert und zieht sich auch hier wieder wie ein roter Faden durch die Story und spaltet die Menschen ins Fans oder Kritiker.

Fazit: Insgesamt hat mich auch dieser Krimi begeistert, ich bin schon neugierig was Meier und Zita im nächsten Fall erwartet und wie sie das Leben als junge Eltern meistern. Spannend wird es bestimmt wieder.

Veröffentlicht am 15.09.2016

Geheimnisvoll, düster und super spannend

Commissario Pavarotti spielt mit dem Tod
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Elisabeth Florin führt ihre Leser in ein kleines Bergdorf bei Meran, wo Commissario Pavarotti in seinem inzwischen 3. Fall ermittelt. Ein altes Gebäude soll abgerissen werden, Neubauten sollen an seiner ...

Elisabeth Florin führt ihre Leser in ein kleines Bergdorf bei Meran, wo Commissario Pavarotti in seinem inzwischen 3. Fall ermittelt. Ein altes Gebäude soll abgerissen werden, Neubauten sollen an seiner Stelle entstehen. Doch auf der Baustelle findet ein Arbeiter eine Falltür, die in die Tiefe führt. In den Gängen werden die sterblichen Überreste eines Kindes gefunden. Wie sich herausstellt handelt es sich dabei um die Leiche eines kleinen dreijährigen Jungen, der schon seit Jahrzehnten als vermisst galt. Ein Fall, in dem Pavorotti damals ermittelte und von dem er jetzt eingeholt wird.

Für mich war es der erste Fall um den etwas verschlossenen aber sehr sympathischen Commissario Pavarotti, ich hatte keine Probleme in die Handlung einzusteigen, die sehr spannend beginnt. Pavarotti am Ende, bereit, seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch Paul, ein junger Mann um den er sich kümmert, weiß das im letzten Moment zu verhindern. Genauso spannend geht es auch in der Handlung weiter. Man lernt die deutsche Lissie von Spiegel kennen, die bei einer Schussverletzung am Kopf ihr Gedächtnis verloren hat. Schon in der Vergangenheit hat sie zusammen mit Pavarotti ermittelt, auch in diesem Fall stellt sie eigene Nachforschungen an. Als Touristin kann sie sich ungehindert bewegen und mehr in Erfahrung bringen, als die Menschen bereit sind, bei der Polizei auszusagen.

Die Einwohner des kleinen Dorfes, in dem der ermordete Junge mit seiner Familie lebte sind verschlossen. Keiner will reden, man ahnt, dass sie ein Geheimnis wahren. Was hat sich damals abgespielt? Wieso gibt es in diesem Dorf keine Haustiere, speziell keine Hunde und Katzen? Die Menschen verbergen etwas und diese unterschwellig bedrohliche, geheimnisvolle und düstere Atmosphäre bringt die Autorin perfekt rüber. Ein Krimi, bei dem sich beim lesen Gänsehaut einschleicht, der mehr Fragen aufwirft als beantwortet werden. Falsche Fährten erschweren die Ermittlungen, überraschende Wendungen bringen am Ende eine zutiefst böse Geschichte ans Licht. Eine Geschichte, bei dem sich die Nackenhaare aufstellen, und doch absolut glaubhaft.

Der Krimi, der wegen der großen Spannung auch gut als Thriller durchgehen könnte hat mich von Anfang an gefesselt. Interessante und detailliert gezeichnete Charaktere, schrullige eigenwillige Dörfler und zwei sympathische Protagonisten machen die Handlung lebendig. Eine Story, die nicht zu durchschauen ist und vor allem ganz viel Atmosphäre, die den Krimi für mich so besonderes machen sorgen für Nervenkitzel und spannende Lesestunden. Was nicht zuletzt auch am anspruchsvollen, phantastischen Schreibstil von Elisabeth Florin liegt. Locker, genau auf den Punkt gebracht, teils poetisch anmutend wird die jeweilige Stimmung perfekt eingefangen. Das war für mich definitiv nicht der letzte Pavarotti, ich bin von dem Krimi absolut begeistert.