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Veröffentlicht am 12.09.2023

Poetik vom Feinsten

Eigentum
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Knapp 160 Seiten Poetik vom Feinsten! Der Autor gibt das Leben seiner 1923 geborenen Mutter wieder. Anlass hierfür ist seine Vorbereitung auf eine Poetikvorlesung, die er unter den Titel „Kann man vom ...

Knapp 160 Seiten Poetik vom Feinsten! Der Autor gibt das Leben seiner 1923 geborenen Mutter wieder. Anlass hierfür ist seine Vorbereitung auf eine Poetikvorlesung, die er unter den Titel „Kann man vom Leben schreiben?“ stellen will und mit der er drei Tage vor dem Tod seiner Mutter beginnt. Während dieser Zeit verweilt er oft bei ihr im Altersheim und erfährt noch das eine oder andere. Das Meiste aber hat sich ihm ohnehin in seine Erinnerung eingebrannt. Denn Zeit ihres Lebens lamentierte sie ihrem Sohn gegenüber immer wieder und wieder über die alten Geschichten, die sie haben wunderlich werden lassen. Die Mutter gehört einer Generation an, die in Jugend und jungem Erwachsenenalter die entbehrungsreichen Zeiten von Wirtschaftskrise, Krieg und Nachkriegszeit durchmachen musste. Schlüsselerlebnis ist der Verlust des Eigenheims durch den Großvater während der Inflation, so dass die Mutter – vergeblich – darauf hingearbeitet hat, einmal Wohneigentum zu gründen.
Diese Lebensgeschichte allein ist schon sehr interessant zu lesen für den Leser von heute mit so gänzlich anderen Lebensumständen. Das Tüpfelchen auf dem i ist aber der Erzählstil. Hier hagelt es nur so von einprägsamen Wiederholungen, die so typisch sind für ältere Leute, von Wortspielen und Sprachwitz, der auch Tabuthemen wie etwa Tod und Bestattung nicht ausnimmt. Der Autor kommt oft vom Hölzchen aufs Stöckchen. Herrlich zu lesen ist auch die Mundart der Mutter. Das Buch ist wirklich lesenswert und gehört zu den wenigen, die ich sicherlich ein weiteres Mal lesen werde, weil sich mir wohl erst dann einige Passagen (wie z.B. die Bedeutung der Musik bei einer Trauerfeier) erschließen werden.

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Veröffentlicht am 12.09.2023

Wie eine Zeitreise ins Mittelalter

Als wir an Wunder glaubten
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Ich konnte beim Lesen kaum glauben, dass die Geschichte zeitlich angesiedelt ist in den Jahren um 1950 herum und in einem Dorf in der ostfriesischen Moorlandschaft. Eher fühlte ich mich ins Mittelalter ...

Ich konnte beim Lesen kaum glauben, dass die Geschichte zeitlich angesiedelt ist in den Jahren um 1950 herum und in einem Dorf in der ostfriesischen Moorlandschaft. Eher fühlte ich mich ins Mittelalter hineinversetzt. Denn die Dorfbewohner geben sich überwiegend ihrem Aberglauben und dem Einfluss von Wunderheilern hin. Alles eskaliert fast in einer Hexenverbrennung. Doch damit nicht genug – auch ein zweiter Erzählstrang in Form einer abschnittsweise erzählten Sage ist ganz den ersten Siedlern der Moorlandschaft und ihrem Aberglauben gewidmet. Ich als Realist durch und durch konnte deshalb der Geschichte nicht sehr viel abgewinnen. Von Interesse waren für mich allein die Schilderungen rund um die Folgen der Kriegsjahre und deren allmähliche Bewältigung. Authentisch wirken die plattdeutschen Spracheinschübe, die sich auch ohne Kenntnis des Plattdeutschen gut verstehen lassen.
Schade, kein besonderes Buch.

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Veröffentlicht am 01.09.2023

Wahrheit oder Lüge?

Die Lügnerin
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Das Buch hat mich schon während der Lektüre verwirrt und so richtig weiß ich gar nicht, ob ich den Casus knacksus so recht verstanden habe (wenn es denn einen gibt?). Die Protagonistin dürfte psychisch ...

Das Buch hat mich schon während der Lektüre verwirrt und so richtig weiß ich gar nicht, ob ich den Casus knacksus so recht verstanden habe (wenn es denn einen gibt?). Die Protagonistin dürfte psychisch krank sein; schon von Kindheit an lügt sie spektakuläre Geschichten zusammen. Leider bleibt ihr persönlicher, familiärer Hintergrund etwas vage. Als Erwachsene arbeitet sie dann als Astrologin und stellt eines Tages fest, dass alle ihre Lügen wahr werden. Irgendwann befindet sie sich in einer Privatklinik. Wie sie dorthin gelangt ist, erschließt sich mir nicht. Sie erzählt ihre Geschichten einer Therapeutin. Diese wird zusehends unsicher, ob ihr die Wahrheit erzählt wird oder nicht.
Ich störe mich daran, bis zum Ende nicht zu wissen, was wahr und was erfunden ist. Doch wahrscheinlich macht das den Reiz der Geschichte aus. Als erschwerend beim Lesen empfand ich, dass die vielen Dialoge in einem anderen Schriftbild als der Erzähltext geschrieben sind und es nur schwer möglich ist, den jeweiligen Redner zu erkennen.
Insgesamt hatte ich nach der Buchbeschreibung mehr erwartet.

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Veröffentlicht am 28.08.2023

Über die Verwüstungen des Krieges

Aenne und ihre Brüder
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Es handelt sich um ein anspruchsvolles Sachbuch aus dem Propyläen-Verlag, der hochwertige Bücher aus Geschichte, Zeitgeschichte, Politik und Kultur verlegt. Im Epilog zieht der Autor treffend die Parallele ...

Es handelt sich um ein anspruchsvolles Sachbuch aus dem Propyläen-Verlag, der hochwertige Bücher aus Geschichte, Zeitgeschichte, Politik und Kultur verlegt. Im Epilog zieht der Autor treffend die Parallele zwischen der von ihm dargestellten Geschichte seiner Familie und der gegenwärtigen Angst ukrainischer und russischer Eltern, dass ihre Kinder aus dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine nicht mehr lebend nach Hause kommen. Ein Buch also, „das genau zur richtigen Zeit kommt“ (so ein dem Buchrücken entnommenes Zitat). Aus den gesammelten Feldpostbriefen seiner vier Onkel mütterlicherseits, geschrieben an ihre Schwester während ihrer verschiedenen Stationen als Soldaten im Zweiten Weltkrieg, vielen Gesprächen des Autors mit seiner Mutter sowie anderen Familienmitgliedern und Zeitzeugen aus ihrem Heimatort hat Reinhold Beckmann die tragische Geschichte seiner Familie, die ähnlich viele andere Familien auch erlitten haben, in der Zeit zwischen den Weltkriegen und während des Zweiten Weltkrieges rekonstruiert. Tragisch deshalb, weil alle Brüder nicht aus dem Krieg zurückgekehrt sind und ihre besten Jahre ohne Chance auf eine gute Zukunft als Soldaten im Feld stehen mussten. Die Briefe geben gut ihre ureigenen Einstellungen zum Krieg wieder. Seine Mutter hat anders als viele ihrer Zeitgenossen nie über diese Zeit geschwiegen und das Andenken an ihre Brüder stets hochgehalten, so dass ihr Neffe sie trotzdem kennenlernen durfte. Eingearbeitet in und sich stetig abwechselnd mit der sehr persönlichen Geschichte sind in chronologischer Reihenfolge wichtige historische Daten und Ereignisse Nationalsozialismus und Krieg betreffend. Viel Raum widmet der Autor auch der Rolle der katholischen Kirche in dieser Zeit, dies deshalb, weil Aenne aus einem erzkatholischen Ort stammt, der sich zunächst noch gegen die NS-Diktatur behauptet hat. Es fehlt auch nicht an eigenen kritischen Kommentierungen des Autors, die aber stets sachlich bleiben. Das Tüpfelchen auf dem i sind Fotos aus Privatbesitz und Archiven sowie Auszüge einiger Originalbriefe im inneren Bucheinband.
Ein geschichtlich und persönlich herausragendes Buch.

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Veröffentlicht am 07.08.2023

Nicht weiter nachhallende Familiengeschichte über vier Generationen russischer Frauen

Das Pferd im Brunnen
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Ich hatte mehr erwartet, nachdem das Buch mit im Innendeckel beschrieben wird als große Geschichte über vier starke Frauen im Russland des 20. Und 21. Jahrhunderts. Die Lebensgeschichten von Urgroßmutter ...

Ich hatte mehr erwartet, nachdem das Buch mit im Innendeckel beschrieben wird als große Geschichte über vier starke Frauen im Russland des 20. Und 21. Jahrhunderts. Die Lebensgeschichten von Urgroßmutter Tanja, Großmutter Nina, Mutter Lena und Enkelin Walja sind nur sehr bruchstückhaft dargestellt. Das Meiste lässt sich nur aus Andeutungen erahnen. Natürlich sind die vier Frauen stark, weil sie erst im kommunistischen Sowjetrussland lebten, wo sie zum Überleben arbeiten und Schlange stehen mussten und es trotzdem an allem mangelte, und dann in der zerfallenen Sowjetunion, wo sie das selbständige Leben überforderte. Das macht sie aber nicht besonders. Der Kontrast zwischen dem Konsumleben in Deutschland und der beständigen Mangellage in Russland hätte durchaus auch vertieft werden können. Als anstrengend zu lesen empfinde ich den bildhaften Erzählstil und die Zeitsprünge, die mir die zeitliche Einordnung einzelner Geschehnisse erschwerten. Das so schöne, farbenfrohe Cover passt so gar nicht zu dem düsteren Leben, das die Frauen prägte, und auch nicht zu ihrer Unfähigkeit, Gefühle und Wärme ihren eigenen Nachkommen gegenüber zu zeigen.

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