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Veröffentlicht am 24.10.2022

Humorvoller Roman über Aliens

Shorty
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Der Autor hat sich mit seinen Jennerwein-Krimis einen Namen gemacht. Hier nun zeigt er sich von einer anderen Seite, ohne auf seinen bekannten Humor zu verzichten. Über den sympathischen, wenngleich beruflich ...

Der Autor hat sich mit seinen Jennerwein-Krimis einen Namen gemacht. Hier nun zeigt er sich von einer anderen Seite, ohne auf seinen bekannten Humor zu verzichten. Über den sympathischen, wenngleich beruflich nichtsnutzigen Protagonisten Shorty wird uns die Welt der Aliens näher gebracht. Shorty nämlich erhält während eines Jobs als Elektriker über eine Stimme in seinem Smartphone den Auftrag, einen Kurzschluss auszulösen und auf diese Weise die Welt zu retten. Die Durchführung des Auftrags läuft schief, ohne dass Shorty hierfür verantwortlich wäre. Jedenfalls gerät die Welt in seiner Stadt und auf der ganzen Welt aus den Fugen und Shorty wird als der Schuldige dargestellt. Für ihn beginnt eine Odyssee, die ihn in unterschiedliche Universen führt, wo er andere Lebensformen kennenlernt.
Die Geschichte sprüht nur so von Fantasie, Wortwitz, lustigen Wortschöpfungen und ebensolchen Situationen. Manchmal scheint der Autor sich selbst immer noch mehr überbieten zu wollen, so dass es dann gelegentlich für mich doch zu viel des Guten war. Bei allem vordergründig Humorigen wird auch auf ernste gesellschaftliche Probleme eingegangen. Insgesamt fühlte ich mich gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 22.10.2022

Langatmig

Lektionen
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Ich habe mich etwas schwer getan, dieses immerhin 710 Seiten umfassende Buch zu lesen. Dabei hat mir der Einstieg in die Geschichte gut gefallen. Der Protagonist, ein elfjähriger englischer Internatsschüler, ...

Ich habe mich etwas schwer getan, dieses immerhin 710 Seiten umfassende Buch zu lesen. Dabei hat mir der Einstieg in die Geschichte gut gefallen. Der Protagonist, ein elfjähriger englischer Internatsschüler, wird Anfang der 1960er Jahre von seiner Klavierlehrerin missbraucht und ist ihr über einige Jahre hinweg sexuell hörig. Dieses Erleben prägt sein gesamtes späteres Leben, aus dem er nur sehr wenig macht. Statt sich auf dieses Kindheitserlebnis zu beschränken, zeichnet der Autor das gesamte Leben des Protagonisten Roland bis in seine 70er Jahre hinein nach, zudem nicht chronologisch. Als weitere Stränge schildert er die Lebensläufe noch anderer Personen aus Rolands Umfeld, die mir manchmal schon etwas hanebüchen erscheinen. Was mir ebenso missfällt, ist, dass jeweils aktuelle politische und gesellschaftliche Ereignisse Eingang in die Geschichte finden, wie z.B. die Kubakrise, der Fall der Mauer, die Corona-Pandemie. Dahinter dürfte die Intention des Autors stecken aufzeigen zu wollen, wie ein Menschenleben von eigenen Entscheidungen und äußeren Einflüssen beeinflusst wird. Mir war das aber zu überfrachtet und langatmig.
Ein durchaus anspruchsvolles Buch, das mich enttäuscht zurückgelassen hat.

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Veröffentlicht am 11.10.2022

Eine Roman über die Wende-Zeit

Eine andere Zeit
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Eigentlich mag ich Romane wie den vorliegenden gerne, die auf zwei Zeitebenen spielen. Hier sind es die 1970er Jahre in einem vorpommerschen Dorf und die Gegenwart im Jahr 2019. Die Familie Jendrich lebt ...

Eigentlich mag ich Romane wie den vorliegenden gerne, die auf zwei Zeitebenen spielen. Hier sind es die 1970er Jahre in einem vorpommerschen Dorf und die Gegenwart im Jahr 2019. Die Familie Jendrich lebt mit zwei Töchtern im Dorf, die Tante mit ihrer Tochter in einer westdeutschen Großstadt. Die ältere Tochter Enne träumt von der Schauspielerei, die jüngere Suse ist kränklich. Die Kusine Christina würde am liebsten in den Osten übersiedeln. Obwohl man es Suse nie zugetraut hätte, ist sie es, die im Sommer 1989 über Ungarn ausreist. Anschließend hat die Familie nie wieder etwas von ihr gehört. 30 Jahre später will Enne mit allem abschließen. Gerade jetzt taucht in der Nachbarschaft eine mysteriöse Frau auf, die vielleicht Suse sein könnte.
Mit den Romanfiguren bin ich nicht so recht warm geworden. Zwischen ihn allen herrscht eine bedrückende Sprachlosigkeit. Das Leben in der ehemaligen DDR mit der beständigen Angst der Leute „vor denen da oben“ wird realistisch dargestellt ebenso der dortige Umgang mit sog. „Asozialen“. Was ich allerdings als nicht sehr realitätsgetreu empfand, war, dass die Familie nicht schon viel früher alles daran gesetzt hat, Suses Verbleib aufzuklären. Vermisst habe ich eine klare Ansage am Ende, was aus ihr geworden ist.

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Veröffentlicht am 07.10.2022

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte eines jungen Immigranten

Jahre mit Martha
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Die Geschichte, die überwiegend in den 1990er Jahren angesiedelt ist, ist im Hinblick auf die behandelte Thematik auch heute 30 Jahre später sehr aktuell. An die Stelle des damaligen Gastarbeiterhintergrunds ...

Die Geschichte, die überwiegend in den 1990er Jahren angesiedelt ist, ist im Hinblick auf die behandelte Thematik auch heute 30 Jahre später sehr aktuell. An die Stelle des damaligen Gastarbeiterhintergrunds ist der heutige Migrationshintergrund getreten. Der Protagonist Željko ist Kind jugoslawischer, bildungsferner Gastarbeiter, die arbeiten, arbeiten, arbeiten um einen einfachen Lebensstandard zu haben. Von Kind an erkennt er, dass Bildung der Schlüssel für ein erfolgreiches Leben im Wohlstand ist. Dank seiner Strebsamkeit schafft er Abitur und Studium. Dabei wird er von der wesentlich älteren Professorin Martha unterstützt, die er schon als 15jähriger als die Arbeitgeberin seiner putzenden Mutter kennenlernt und deren Welt so ganz anders ist als seine. Zwischen ihnen entspinnt sich über die Distanz eine Liebesbeziehung. Was Martha in ihm sieht, bleibt der eigenen Auslegung überlassen. Vielleicht ist es die verlorene Jugend. Auf jeden Fall ist ihre Beziehung sehr ungewöhnlich und deshalb interessant. Ein anderer wichtiger Wegbegleiter ist sein Literaturprofessor, der ebenfalls das Kind von Einwanderern ist. Ihm vertraut er, wird jedoch arglos von ihm ausgenutzt. Das eigentlich Wichtige, dass der Roman herausstellen will, ist, dass Željko zwischen seiner kroatischen Herkunft und seinem Leben in einem anderen Land hin und hergerissen ist und seine Identität verliert, was letztlich zur tiefen Depression führt. Erst als er alles verloren hat, erkennt er, was ihn selbst ausmacht. Beeindruckend ist, mit welcher Detailtreue der Autor die unterschiedlichen Leben von Immigranten und Deutschen vergleicht.
Das Buch erhält von mir eine uneingeschränkte Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 02.10.2022

Wir schaffen das

Der neunzigste Geburtstag
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Der Roman erinnert an „Unterleuten“ von Juli Zeh. Die Geschichte spielt in einem Dorf im Brandenburgischen, wo die beiden betagten Geschwister Leo und Hedwig ihren Altersruhesitz auf dem ehemaligen Gutshof ...

Der Roman erinnert an „Unterleuten“ von Juli Zeh. Die Geschichte spielt in einem Dorf im Brandenburgischen, wo die beiden betagten Geschwister Leo und Hedwig ihren Altersruhesitz auf dem ehemaligen Gutshof ihrer Eltern genommen haben. Beide haben drei Gesellschaftsformen erlebt – den Nationalsozialismus, anschließend sie das Leben im Westen und er im Osten, und nun die Nachwendezeit. Die Vorbereitungen zur Feier von Hedwigs 90. Geburtstag lassen beide viel auf ihre Lebensläufe zurückblicken. Ein zur Zeit der Erscheinung des Hardcovers aktuelles Thema – der Flüchtlingsstrom nach Deutschland im Jahr 2015 – nimmt sehr viel Raum ein. Die früher politisch bei den Vorgängern der Grünen aktiv gewesene Hedwig möchte Geldgeschenke einer Flüchtlingshilfsorganisation spenden und freut sich über den geplanten Bau einer Flüchtlingsunterkunft in ihrem Dorf. Dann kommt jedoch alles ganz anders …
Geschichtlich und gesellschaftspolitisch ist der Roman interessant und gelungen. Allerdings ist er nicht einfach zu lesen. Die Sprache ist häufig etwas altertümlich, passt damit natürlich gut zum Alter der beiden Protagonisten und dem sprachwissenschaftlich interessierten ehemaligen Bibliothekar Leo. Durch Zeitablauf ist die Geschichte natürlich etwas überholt.

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