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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.12.2025

Was sind Erinnerungen?

Sonnenaufgang Nr. 5
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Das Buch ist sicherlich eines, das man nebenbei lesen kann, weil es recht unterhaltsam ist. Mir allerdings fehlt der Tiefgang und Vieles wirkt auf mich konstruiert. Besonders gekünstelt finde ich, dass ...

Das Buch ist sicherlich eines, das man nebenbei lesen kann, weil es recht unterhaltsam ist. Mir allerdings fehlt der Tiefgang und Vieles wirkt auf mich konstruiert. Besonders gekünstelt finde ich, dass alle Personen, denen wir in der Geschichte begegnen, ihr Päckchen zu tragen haben. Erwähnen möchte ich nur: Jonas, der sein Studium geschmissen hat und immer noch nicht den Verlust seiner im Kindesalter verstorbenen Mutter überwunden hat; die ehemalige, alternde Filmdiva Stella, die sich die Schuld am Tod ihres als Kleinkind ertrunkenen Sohnes gibt; die nach dem Tsunami in Asien in Deutschland von Pflegeeltern aufgenommene Nessa; der von seinen Schülern einst gemobbte ehemalige Kunstlehrer Geraldo. Sicherlich, ihre Schicksale berühren und es war interessant zu lesen, wie unterschiedlich Erinnerungen erlebt werden, so dass Fiktion und Realität sich vermischen. Ich vermisse aber das gewisse Etwas, das mich nachhaltiger an das Buch denken ließe. Dabei ist nicht zu verkennen, dass einige philosophische Ansätze eingearbeitet sind, die sich mit den angesprochenen Themen Trauer, Verlust, Einsamkeit, Verdrängung von Erinnerungen befassen.

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Veröffentlicht am 26.11.2025

Eine Männerfreundschaft

Dius
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Der Roman handelt von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Dozenten an einer Kunsthochschule Anton und seinem zehn Jahre jüngeren talentierten Studenten Dius. Letzter bittet Anton ungeniert um ...

Der Roman handelt von einer ungewöhnlichen Freundschaft zwischen dem Dozenten an einer Kunsthochschule Anton und seinem zehn Jahre jüngeren talentierten Studenten Dius. Letzter bittet Anton ungeniert um seine Freundschaft. Diese beginnt sich tatsächlich in Dius Dorfhaus in den Poldern im Norden Belgiens zu entwickeln, in dem Anton in Ruhe seine Dissertation beenden kann. Das Haus wird zu ihrem gemeinsamen Mittelpunkt. In rauer Natur machen sie Spaziergänge, arbeiten konzentriert, sprechen über Kunst, Musik und Philosophie. Mit dem Fortzug Dius nach Italien nach seiner Heirat endet der Kontakt, bis Dius Jahre später wieder vor Antons Tür steht und sich Anton daraufhin zu ihm nach Italien begibt, wo sich die Ereignisse tragisch entwickeln.
Das Thema Freundschaft steht im Mittelpunkt des Romans. Allerdings lassen mich immer wieder Vorkommnisse zweifeln, ob Dius ein ehrliches Spiel mit Anton treibt, und gelegentlich auch umgekehrt. Die Geschichte ist leise erzählt. Wunderschön sind die Naturbeschreibungen. Und die Kunst spielt natürlich eine große Rolle, allerdings weniger die moderne als die der Renaissance. Überhaupt fragt man sich bei beiden Protagonisten, ob sie im Hier und Jetzt leben. Anton erweckt geradezu Mitleid, so introvertiert und einsam wie er geschildert wird. Einfach zu lesen ist der Roman nicht, wofür die sehr ausführlichen Abschweifungen auf Kunst, Musik und Philosophie sorgen. Aber für Leser anspruchsvoller Literatur sehr empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 22.10.2025

Die Folgen eines Femizids

Da, wo ich dich sehen kann
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Bekannt war mir die Autorin bislang als Schreiberin über naturwissenschaftliche Themen. Hier nun behandelt sie ganz behutsam und sehr detailliert ein anderes Thema, das in der deutschen Gesellschaft leider ...

Bekannt war mir die Autorin bislang als Schreiberin über naturwissenschaftliche Themen. Hier nun behandelt sie ganz behutsam und sehr detailliert ein anderes Thema, das in der deutschen Gesellschaft leider gar nicht so selten ist, aber häufig nicht als solcher bezeichnet wird: den Femizid, d.h. die Tötung von Frauen, weil sie Frauen sind. Das Opfer, von dem die Geschichte handelt, ist eine junge Mutter mit einem tyrannischen Ehemann, der sie nach unzähligen vorherigen Gewaltausbrüchen während eines Streits schließlich erdrosselt. Ihre Hinterbliebenen kommen abwechselnd während der Folgezeit immer wieder zu Wort – die neunjährige Tochter, die Eltern, die beste Freundin. Gemeinsam ist ihnen, dass sie von dem Ereignis traumatisiert sind und sich zugleich die (Mit-)Schuld an dem Geschehenen geben. Sie zermartert die Frage, ob sie etwas hätten ändern können, wenn sie in einem bestimmten Zeitpunkt anders gehandelt hätten. Es verwundert nicht, dass die Beteiligten an Trauer und Traumata seelisch und körperlich erkranken. Wie alternatives Handeln ausgesehen hätte, stellt die Autorin gelungen auf eingefügten schwarzen Seiten dar. Es ist dem gesamten Buch anzumerken, dass es sich um ein Herzensthema der Autorin handelt. Das beschließt sie letztendlich mit der Auflistung von Anlaufstellen zur Hilfe für Betroffene. Ihre Neigung zu Naturwissenschaften lebt die Autorin letztendlich auch in diesem Roman aus. Die beste Freundin der Getöteten ist Astrophysikerin und mit Hilfe von dazu gehörigen Dingen wie Weltall, Sternen etc. macht sie der kleinen Tochter erfolgreich Mut.

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Veröffentlicht am 15.10.2025

Gelungene Familiengeschichte aus dem Jahr 1974

Der Plattenspieler unter der Dachschräge
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In diesem Roman begegnet uns ein viertes Mal der Protagonist Siegfried (Sigi) mit seiner Familie aus den früheren Romanen des Autors „Die Welt war eine Murmel“, „Die Welt war voller Fragen“ und „Wenn die ...

In diesem Roman begegnet uns ein viertes Mal der Protagonist Siegfried (Sigi) mit seiner Familie aus den früheren Romanen des Autors „Die Welt war eine Murmel“, „Die Welt war voller Fragen“ und „Wenn die Welt nach Sommer riecht“. Er schließt nahtlos an diese an. Doch lassen sich alle vier Bücher auch völlig unabhängig voneinander lesen, ohne dass man zuvor einen früheren Band gelesen haben muss.
Der Erzähler Sigi ordnet in der Gegenwart die Diafotoaufnahmen seiner verstorbenen Mutter. Dieses ist für ihn Anlass, aus seiner Jugend im Jahr 1974 auf einem österreichischen Dorf zu erzählen, als er 16 Jahre alt war. Dabei geht es vor allem um seine Schulzeit auf dem Gymnasium kurz vor der Matura und sein Alltagsleben zu Hause. Gerade in mir, die ich auch ein Kind der 1960er Jahre bin, wurden viele schöne Erinnerungen geweckt. Denn auch ich habe einen Ferienjob gehabt, um mir wie Sigi einen Plattenspieler kaufen zu können, und habe ähnliche Musik wie er gehört und die Tanzstunde besucht. Von den damaligen gesellschaftlichen Einstellungen der Menschen wird ein realistisches Bild gezeichnet, wenn es etwa um die Mitbestimmung der Schüler in der Schule geht. Sigi lässt beim Erzählen so manche Anekdote einfließen, wodurch alles recht humorvoll erscheint und er als rundum sympathischer Erzähler rüberkommt, gerade auch, weil er oft redet, ohne zuvor darüber nachzudenken. Als erfrischend und authentisch empfinde ich, dass die eine oder andere typisch österreichische Vokabel in den Text einfließt. Was ich überhaupt nicht in der epischen Breite wie geschehen lesen wollte, war, wie oft Sigi allein oder mit seinen Mitschülern zu Glimmstengel und Bierflasche greift. Ich kann mir kaum denken, dass zu damaliger Zeit die Schüler gleich nach Schulschluss in die Kneipe gegenüber gegangen sind. Trotzdem:
Ein Buch, dem ich eine volle Leseempfehlung gebe, auf noch eine Fortsetzung hoffend.

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Veröffentlicht am 07.10.2025

Zum 13. Mal: Kultheldin Andrea Schnidt

Ungezügelt
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Nachdem ich die Protagonistin Andrea Schnidt bereits in vielen, wenn nicht sogar allen der 12 (!) vorangegangenen Bänden von Susanne Fröhlich durch ihr Leben begleiten durfte, geht es jetzt um einen neuen ...

Nachdem ich die Protagonistin Andrea Schnidt bereits in vielen, wenn nicht sogar allen der 12 (!) vorangegangenen Bänden von Susanne Fröhlich durch ihr Leben begleiten durfte, geht es jetzt um einen neuen Lebensabschnitt. Andrea, mittlerweile 60, will beruflich noch einmal durchstarten und zwar als Schriftstellerin mit der Absicht, einen Old Romance-Roman zu schreiben. Da sie das allerdings vor ihren Liebsten geheim hält, sind Missverständnisse natürlich vorprogrammiert.
Wie ich nicht anders erwartet habe, ist der Autorin erneut ein äußerst humorvoller Roman gelungen. Die Geschichte rund um Andrea Schnidt, ihre mittlerweile erwachsenen Kinder, ihre Enkelkinder, die Schwiegermutter ihrer Tochter und ihren so herrlich hessisch babbelnden Ex-Schwiegervater Rudi lebt von Missverständnissen und Bredouillen der Protagonistin, in die sie sich immer wieder hineinmanövriert, auch weil sie sich um alle in ihrer Familie kümmert. Da ich mich genau im gleichen Alter wie Andrea befinde, habe ich mich in sie und ihre Situation gut hineinversetzen können. So manch gute Erkenntnis lässt sich aus den diversen eingestreuten Gedankengängen Andreas bzgl. des Alterns gewinnen. Etwas gestört habe ich mich daran, dass das Thema Sex so en détail erörtert wurde, insbesondere in Andreas Schreibversuchen und ihren Erinnerungen an ihr früheres Leben. Nicht jeder will das lesen. Das Ende des Buches ist offen für eine weitere Fortsetzung, die für mich eine vergnügliche Pflichtlektüre wäre.

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