Cover-Bild Dius
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26,00
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  • Verlag: Diogenes
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 352
  • Ersterscheinung: 22.10.2025
  • ISBN: 9783257073560
Stefan Hertmans

Dius

Ira Wilhelm (Übersetzer)

Als Dius an seiner Haustür klingelt, ist Anton überrascht und irritiert. Keiner seiner Studenten an der Kunsthochschule ist bisher so ungeniert in sein Privatleben vorgedrungen. Oder hat ihm gar seine Freundschaft und einen Schreibplatz in einem alten Dorfhaus inmitten nordisch rauer Landschaft angetragen. Im Wechsel aus konzentriertem Arbeiten und langen Spaziergängen entwickelt sich dort ein fast altmodisch anmutendes Band der Freundschaft zwischen den beiden Männern, während sich ihre jeweiligen Leben zu Hause nicht ohne Komplikationen weiterdrehen.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.11.2025

Freundschaft

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Klappentext:
Als Dius an seiner Haustür klingelt, ist Anton überrascht und irritiert. Keiner seiner Studenten an der Kunsthochschule ist bisher so ungeniert in sein Privatleben vorgedrungen. Oder hat ihm ...

Klappentext:
Als Dius an seiner Haustür klingelt, ist Anton überrascht und irritiert. Keiner seiner Studenten an der Kunsthochschule ist bisher so ungeniert in sein Privatleben vorgedrungen. Oder hat ihm gar seine Freundschaft und einen Schreibplatz in einem alten Dorfhaus inmitten nordisch rauer Landschaft angetragen. Im Wechsel aus konzentriertem Arbeiten und langen Spaziergängen entwickelt sich dort ein fast altmodisch anmutendes Band der Freundschaft zwischen den beiden Männern, während sich ihre jeweiligen Leben zu Hause nicht ohne Komplikationen weiterdrehen.

„Dius“ von Stefan Hertmans ist ein Roman über eine Freundschaft.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen Dius und Anton. Anton ist Dozent an der Kunsthochschule. Als eines Tages Dius an seiner Tür klingelt, ist Anton überrascht. Denn er mag es nicht, wenn Studenten in sein Privatleben eindringen. Doch zwischen Anton und Dius entsteht eine Männerfreundschaft.
Als Leser*in lauscht man den Gesprächen der Männer bei ihren langen Spaziergängen und lernt sie dabei gut kennen.

Stefan Hertmans erzählt die Geschichte aus der Perspektive von Anton.
Zu Beginn haben sie ein Verhältnis, wie es zwischen Lehrer und Schüler üblich ist. Doch im Laufe der Geschichte geht es weit darüber hinaus und wird zu einer festen Männerfreundschaft.

Stefan Hertmans hat kraftvolle Charaktere erschaffen. Es hat mir Freude gemacht, Dius und Anton durch ihre Geschichte zu begleiten.
Es wird viel über Kunst gesprochen, ja, es werden ganze Gemälde beschrieben.
Genauso ist es mit der Musik, auch hier werden Arien und Choräle besprochen.

Die Beschreibung der Gemälde oder der Musik, hört sich vielleicht schwer an, ist es aber nicht. Dem Autor ist es gelungen, diese Gespräche leicht in seine Geschichte einfließen zu lassen.

Die Entwicklung der Charaktere hat mich beeindruckt. Anton, der am Anfang eher abweisend und launisch war, entwickelt sich als guter Gesprächspartner und Freund.

Stefan Hertmans erzählt die Geschichte in einem angenehmen Schreibstil. Die Sprache ist kraftvoll.
Die Geschichte fängt in einem gemächlichen Tempo an, das sich im Laufe immer weiter steigert.

„Dius“ ist ein gelungener literarischer Roman, den ich mit Begeisterung gelesen habe.

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Veröffentlicht am 09.11.2025

Brilliant

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„Am späten Nachmittag kann der Mond hier so surreal und groß über dem Horizont aufgehen, dass man glaubt zu träumen; dann wird einem mit Schrecken bewusst, wie schnell die Erde sich dreht. Mir schien auf ...

„Am späten Nachmittag kann der Mond hier so surreal und groß über dem Horizont aufgehen, dass man glaubt zu träumen; dann wird einem mit Schrecken bewusst, wie schnell die Erde sich dreht. Mir schien auf einmal alles so unbedeutend und leer. Wir sind wie verzauberte Affen, die kopfüber in der Wirklichkeit hängen, sagte ich.“

Anton arbeitet an einer Kunsthochschule und schreibt an seiner Dissertation. Er führt sein Leben eher gewöhnlich, ohne großen Höhen und Tiefen. Eines Tages steht Dius vor seiner Tür. Er ist Student bei ihm und bietet ihm seine Freundschaft und einen ruhigen Platz zum schreiben an. Anton ist erst sehr überrascht, geht erstmal auf Abstand. Doch ist er auch neugierig, schaut sich den Schreibplatz an und verbringt zukünftig viel Zeit dort. Dius ist auch da und auf langen Spaziergängen kommen sie sich immer näher. Eine ungewöhnliche und tiefe Freundschaft beginnt und wir Leser dürfen die Beiden über viele Jahre dabei begleiten.

Philosophische Gespräche und Gedanken, eine zarte Melancholie und unheimlich viel Tiefgang beschert uns dieses grandiose Buch. Die Story kommt erst recht einfach daher, wurde durch die poetische, feinfühlige Schreibweise zu einem wahren Schatz. Kluge, authentische Protagonisten, die uns tief in ihr Herz und ihre Seele blicken lassen. Eine ungewöhnliche, wunderbar tiefe Freundschaft, die viel aushalten muss. Das alles literarisch anspruchsvoll und doch ganz leicht zu lesen. Anton verliert sich teilweise in der Einsamkeit, erträgt die Menschen nur noch schwer. Mit Dius ist es anders. Sie verstehen sich blind, brauchen oft nicht viele Worte. Für mich ein großartiger Roman, der nachhallt und hoffentlich noch in vielen Jahren gelesen wird.

Sprachlich herausragend, absolut brilliant. Für mich ein neues ❤️ Buch. Ich bin absolut begeistert. Lest dieses Buch!!!

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Freundschaft oder Obsession ?

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Im Jahre 2024 lag der Länderschwerpunkt der Leipziger Buchmesse auf den Niederlanden und der 1951 geborene Stefan Hertmans gehört zu den wichtigsten Vertretern der literarischen Szene der Niederlande und ...

Im Jahre 2024 lag der Länderschwerpunkt der Leipziger Buchmesse auf den Niederlanden und der 1951 geborene Stefan Hertmans gehört zu den wichtigsten Vertretern der literarischen Szene der Niederlande und Flanderns.
Die regelmäßige Veröffentlichung niederländischer Literatur ist eines der Verdienste des Diogenes-Verlages; die zuletzt von Hertmans erschienenen Romane wurden alle von Ira Wilhelm grossartig ins Deutsche übertragen.
Bei diesem 2024 im Original erschienenen Roman bedurfte sein Titel >>Dius<< freilich nicht der Übersetzung, in der lateinischen Sprache besteht ein Bezug zu >>göttlich<< oder >>heilig<<.

Heilig mutet es freilich nicht an, was der titelgebende Romanheld eingangs der Handlung so treibt, es ist eher ein Grenzüberschreitung, die Kunstvorlesung seines Dozenten zu stören und ihn gar daheim mit einem aberwitzig anmutendem Vorschlag aufzusuchen.
Der Beginn einer tiefen Freundschaft ? Oder doch einer Obsession ?

Dies freilich muss der Leser selbst entscheiden, der hineingezogen wird in eine entstehende Freundschaft, welche zunächst das Lehrer-Schüler-Verhältnis sprengt und die schliesslich ein ganzes Menschenleben an - und aushält.
Erzählt wird all dies aus der Perspektive von Anton, dem grüblerischen Dozenten und Analytiker, zehn Jahre älter als Dius und viel mehr der Theorie zugewandt als dem praktischen Leben.
Seine sensible Unentschlossenheit zeigt sich auch im Auf und Ab mit seiner Geliebten Lys, zunächst eine Affäre, später eine schier unerfüllbare Sehnsucht.

Und mittendrin Dius, ein unberechenbarer, kraftvoller junger Mann, bar jeglicher Konventionen, ein Meister des Praktischen im Herstellen von menschlichen Körpern nachempfundenen Möbelstücken, gleichsam aber auch ein feingeistiger Maler blutender Wunden, oft genug seiner eigenen.
Dius ist auf seine Art tatsächlich göttlich und verkörpert überwiegend die Mischung von Wahnsinn und Genie, dabei gänzlich aus seiner Zeit gefallen.
Anton verfällt ihm auf seine Art, mit Folgen, die ihn ungemein bereichern und erfüllen sollen, gleichwohl aber ein Leben lang eine Last bleiben werden.

Der beginnend in den 1980er Jahren zwischen Belgien und Bergamo angesiedelte Roman ist wie geschaffen für lange Abende am Kachelofen oder neuzeitlich halt in der Nähe vom Kamin, am besten mit einer Tasse Tee und der Möglichkeit, Musik zu hören und Kunstwerke zu betrachten.
Denn das Werk strotzt nur so von musikalischen Anspielungen und Beschreibungen,
von Gesualdos Madrigalen, einer verzauberten Welt voller Arien, Fugen, Passacaglien, Sarabanden oder Chorälen, Mahlers Urlicht, den letzten Sonaten von Schubert in der Interpretation von Alfred Brendel oder dem eindrucksvollen Klagelied von Dieterich Buxtehude.
Und damit nicht genug - es werden Gemälde beschrieben wie die Allegorie der Liebe von Bronzino, die den Leser immer wieder vor die Frage stellen - weiterlesen oder innehalten, um das Gemälde selbst zu betrachten.
Doch dies ist keineswegs ein störendes Moment, es fügt sich in die drängende Handlung ebenso ein, wie die vielen nachdenklichen Impulse, die uns Stefan Hertmans mit auf den Weg gibt:
über das Leben, welches etwas ist, was dir geschieht, nicht etwas, was du dir wünschst, über das Glück, den Widerschein unserer Vorurteile, den Verlust der Mitte (mit einem Bild von Asger Jorns), über den Kunstbetrieb und die Selbstgefälligkeit des Bürgertums wie über Sitz und möglichem Gewicht unserer Seele, über Jugend oder den Schatten der eigenen Selbstgefälligkeit.

Die Melancholie des Textes etwa wird deutlich in einem meinem Lieblingssätze :
>> ...viel zu wissen fällt uns leicht, etwas zu erkennen hingegen schwer ...<< .

Ob Anton je die verborgene Botschaft unter der Schreibtischplatte wird lesen können, die ihm sein Freund Dius in den Zeiten grösster Vertrautheit hineingetischlert hat ?

Und schließlich noch ganz am Rande : in einer kurzen Sequenz wird eine der drastischsten Trennungen in Form einer Haushaltshalbierung beschrieben - köstlich.

Wer noch immer nicht von diesem Buch überzeugt ist, der begebe sich zu seinem Buchladen des Vertrauens, bestaune das Cover und lese dort den ersten Satz des Romans - ihm werden nach dem sicheren Erwerb des Romans (dem lediglich ein Lesebändchen fehlt) etliche Stunden Freude und Erkenntnisgewinn sicher sein.

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Veröffentlicht am 27.10.2025

Dius

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Ein tiefsinniges, in sich greifendes Buch, das die Seele berührt und voller Melancholie, Klang und Kunst ist und still in den Leser hineinfließt. Es beginnt Anfang der 80iger Jahre im letzten Jahrhundert. ...

Ein tiefsinniges, in sich greifendes Buch, das die Seele berührt und voller Melancholie, Klang und Kunst ist und still in den Leser hineinfließt. Es beginnt Anfang der 80iger Jahre im letzten Jahrhundert. Egidius ein Kunststudent, steht plötzlich vor der Tür seines Dozenten Anton und bietet ihm an, seine Studien in aller Ruhe in einem unbewohnten Landhaus in Ganzevliet, einem Polderlandstrich, fortzuführen. Was Anton zunächst nur an den Wochenenden in Anspruch nahm, weitet sich schließlich aus. Die beiden Männer, die nur ein Altersunterschied von zehn Jahren trennt, machten lange Spaziergänge in der Natur, beobachteten die Vegetation, die Tierwelt und den Wandel der Jahreszeiten. Es entstand eine tief verbundene Männerfreundschaft. Zwar hatten sie auch Frauenbekanntschaften, doch ihre Innigkeit konnte niemand zerstören. Dius brach sein Studium ab und malte nun für sich und fertigte exzentrische Möbel an. Doch dann machte durch ein absichtlich gemachtes Fehlverhalten seitens des egozentrischen Dius der Freundschaft ein Ende. Viele Jahre später erschien Dius wieder mit einem mongoloiden Mädchen vor Antons Tür. Dius war fast nicht mehr zu erkennen, sein Gesicht war durch Narben vollkommen entstellt. Langsam nähern sich die Freunde wieder aneinander, doch dem Zusammensein dieser Freundschaft war nur noch eine kurze Spanne gegönnt. Ein Buch über tiefgründige Freundschaft, Mißtrauen, Einsamkeit und viel Kunst (Malerei und Musik) machen daraus ein literarisches Werk. Der Autor schreibt in leisen und melancholischen Tönen, man vergißt die Banalität des Alltags und träumt sich in das einsame Anwesen mit dem traumhaften Garten und all den Früchten. Die einfache asketische Lebensweise dort auf dem Land, läßt den beiden Künstlern ihre künstlerische Freiheit bei dem einem im Schreiben, bei dem anderen im Malen. Ich bin total begeistert in diese andere Welt eintauchen zu dürfen. Das Cover zeigt das Portrait eines adonisgleichen Jünglings.

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Veröffentlicht am 25.10.2025

Kintsugi des Herzens

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Im Diogenes Verlag erscheint der Roman Dius vom Stefan Hertmans.

Egidius de Blaeser, genannt Dius, ist ein unkonventioneller Kunststudent, der eines Tages bei seinem Dozenten Anton auftaucht und ihn ...

Im Diogenes Verlag erscheint der Roman Dius vom Stefan Hertmans.

Egidius de Blaeser, genannt Dius, ist ein unkonventioneller Kunststudent, der eines Tages bei seinem Dozenten Anton auftaucht und ihn um seine Freundschaft bittet. Anton ist überrascht und neugierig und kann sich dem Charme von Dius nicht entziehen. Getragen von ihrer gemeinsamen Liebe für die Kunst entsteht zwischen ihnen eine Freundschaft, sie verleben gemeinsam Zeit in einem alten Dorfhaus inmitten der Natur an der flämischen Küste und ahnen nicht, wie sehr diese Freundschaft ihrer beider Leben verändern wird.

"Und obwohl für mich zwischen dem, was ich von der Liebe und dem, was ich von der Freundschaft erwartete, ein himmelweiter Unterschied bestand, trafen sich Liebe und Freundschaft in einem Punkt. Dieser Punkt aber war flüchtig, sprunghaft und unmöglich klar ins Visier zu nehmen. " Zitat S. 266

Die in zwei Zeitebenen spielende Geschichte ist eine fiktive, ist aber von eigenen Freundschaften des Autors inspiriert. Hertmans lässt Anton als Erzähler von den Erinnerungen an die Zeit mit Dius erzählen.

Der Roman erzählt von einer ungewöhnlichen Freundschaft, die sich in eine gewisse Abhängigkeit entwickelt. Anton ist beeindruckt von Dius künstlerischem Schaffen und verbringt viel Zeit in der ländlichen Ruhe des Dorfhaus, wo die Polder-Landschaft inspirierende, eindrucksvolle Farben und Lichtspiele präsentiert. Antons lebt in der Stadt in einer Beziehung mit Nouka, doch an den Wochenenden zieht er mit den Unterlagen für seine Doktorarbeit aufs Land und genießt die Ruhe und die Natur.

Wie es zu einem Kunstdozenten passt, begleiten die Figuren unterschiedliche Einblicke in die künstlerische Welt der Malerei und viele Erlebnisse werden von klassischer Musik begleitet. Das war für mich eine Anregung, mich über die entsprechenden Komponisten zu informieren und mir die entsprechende Musik anzuhören. Wer also musikalische Interessen hegt, wird mit diesem Roman intensiv versorgt.

Die Ausarbeitung der Charaktere erfolgt mit vielen Gefühlen, die sich in alle emotionalen Richtungen bewegen. Von Bewunderung, Zuneigung über Achtung und Erotik wandelt sich die Ansicht in Wut und Empörung, die aus schmerzhaften Erlebnissen heraus entsteht. Die Zeit heilt aber die Wunden und Anton als ein sehr verständnisvoller Mensch.

Ich muss zugeben, am meisten hat mich die erzählerische Ausdrucksfähigkeit und literarische Stärke Stefan Hertmans beeindruckt, an dessen Wirkung sicher die Übersetzerin Ira Wilhelm einen entscheidenden Anteil hat. Mit eindrucksvollen Sätzen und detailverliebten Beschreibungen begleitet man die beiden Protagonisten und wird von Dius eigenwilligen Handlungen überrascht. Der wunderbare Schreibstil hat mich zum Weiterlesen verführt und die Entwicklung der Figuren und ihrer speziellen Verbindung hat mich sehr gefesselt. Ich wollte wissen, wie die Bezeihung der Protagonisten endet.

Stefan Hertmans intensiv erzählter Roman hat mich beeindruckt mit der ungewöhnlichen Freundschaft, die sich auf die Bereiche der Kunst, Philosophie und Musik ausweitet. Diese empfehlenswerte Geschichte regt zum Nachdenken an, welche Spuren wir hinterlassen, wenn wir sterben?