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Veröffentlicht am 16.02.2022

Lesenswerte Familiengeschichte des Autors mit jüdischen Wurzeln

Wo wir zu Hause sind
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Nicht in Romanform ist dieses Buch geschrieben, sondern nach Art einer Reportage, beruhend auf persönlichen Gesprächen. Der Autor, selbst 1970 in Ostberlin geboren und dort noch heute mit seiner kleinen ...

Nicht in Romanform ist dieses Buch geschrieben, sondern nach Art einer Reportage, beruhend auf persönlichen Gesprächen. Der Autor, selbst 1970 in Ostberlin geboren und dort noch heute mit seiner kleinen engeren Familie lebend, spürt seiner weit verzweigten großen Familie nach, die es während des Nationalsozialismus von Berlin nach England, Frankreich, Österreich, Israel verschlagen hat, weil sie Juden und zum Teil auch in sozialistischen/kommunistischen Organisationen tätig waren und von der allein sein Großvater nach dem Zweiten Weltkrieg nach Berlin zurückgekehrt ist. Im Fokus stehen dabei seine Großtante Ilse und deren Cousinen Hilde und Irmgard. Es ist wirklich atemberaubend zu lesen, welche Wege diese Menschen doch unfreiwillig gegangen sind und welche Leben sie sich aufgebaut haben. Sehr interessant sind die Überlegungen zur Bedeutung von Heimat und Judentum sowie die Schilderungen über die Lebenswege der Nachfahren der drei Frauen, die teilweise wieder nach Berlin zurückkehren.
Sehr lesenswert.

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Veröffentlicht am 12.02.2022

Lesenswerter Lebenseinschnitt

Das Vorkommnis
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Ob Julia Schochs neuer Roman, der Auftakt einer Trilogie sein soll, autobiografisch ist oder von einer fiktiven Autorin erzählt, bleibt offen, ist letztlich auch egal. Jedenfalls schreibt die (fiktive) ...

Ob Julia Schochs neuer Roman, der Auftakt einer Trilogie sein soll, autobiografisch ist oder von einer fiktiven Autorin erzählt, bleibt offen, ist letztlich auch egal. Jedenfalls schreibt die (fiktive) Autorin über ein „Vorkommnis“ von vor inzwischen einigen Jahren, das sie die ganze Zeit über beschäftigt hat. Seinerzeit stellte sich ihr auf einer Lesung eine fremde Frau als ihre Halbschwester vor, als die ältere Tochter ihres gemeinsamen Vaters. Das ist Anlass für sie, über ihre Familie, insbesondere ihre Beziehungen zu ihren Eltern, ihrer mittleren Schwester und ihrem Mann, die Alltäglichkeit dieser neuen Familienkonstellation, ihre Kindheit in der DDR nachzudenken. Heraus kommen viele Erinnerungsbruchstücke.
Ich empfand den Roman als sehr schön und faszinierend, durchaus auch anspruchsvoll zu lesen. Die geschilderten Gedanken sind es wert, dass ihnen nachgegangen wird. Gelungen ist, wie gekonnt Bezug auf andere bedeutende literarische Werke genommen wird.

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Veröffentlicht am 12.02.2022

Erinnerungen an den Bruder

Löwenherz
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Wie schon in ihren früher erschienenen Romanen „Die Bagage“ sowie „Vati“ und anknüpfend an diese erzählt die Autorin von ihrer eigenen Familie. Dieses Mal steht das Leben ihres jüngeren Bruders Richard ...

Wie schon in ihren früher erschienenen Romanen „Die Bagage“ sowie „Vati“ und anknüpfend an diese erzählt die Autorin von ihrer eigenen Familie. Dieses Mal steht das Leben ihres jüngeren Bruders Richard im Fokus, zu dem Monika seit seiner Geburt bis zu seinem frühen Tod ein inniges und besonderes Verhältnis hatte. Die Autorin greift für die Geschichte auf eigene Erinnerungen sowie die ihres Ehemannes zurück. Es ergibt sich ein wunderbares Portrait eines eigenartigen Mannes. Interessant sind auch die immer wieder eingeflochtenen Werdegänge der weiteren Verwandten der Autorin. Den Schreibstil empfinde ich als sehr besonders und sich angenehm lesend.
Ein besonderes Buch für Leser mit Interesse an Familiengeschichten.

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Veröffentlicht am 08.02.2022

Eine Lehrerin in den 1960er Jahren mit DDR-Vergangenheit

Die Dorfschullehrerin
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Dieser Roman betrifft die Zeit in den Monaten vor dem Mauerbau in der DDR und nimmt so manche der damaligen Besonderheiten im Leben diesseits und jenseits der Grenze in unterhaltsamer und interessanter ...

Dieser Roman betrifft die Zeit in den Monaten vor dem Mauerbau in der DDR und nimmt so manche der damaligen Besonderheiten im Leben diesseits und jenseits der Grenze in unterhaltsamer und interessanter Weise auf.
Wie nach dem Empfinden der DDR-Oberen flüchten bedrohlich viel zu viele Menschen in die Bundesrepublik. Zu ihnen gehört auch die Protagonistin, die Lehrerin Helene Winter. Vor dem Grenzübertritt wird sie gefasst und inhaftiert, ihre Tochter wird in ein Heim gesteckt. Durch Kontakte gelingt Helene die Ausreise in den Westen. Sie tritt eine Stellen an einer Schule in einem Dorf im Zonenrandgebiet an, um ihrer auf der anderen Seite der Grenze inzwischen bei Helenes Vater lebenden Tochter nahe sein und sie vielleicht nach geglückter Flucht in Empfang nehmen zu können. Als Lehrerin ist sie bald sehr beliebt. Auch eine Liebe zu einem Mann ist ihr vergönnt. Doch wird ihr größter Wunsch in Erfüllung gehen?
So manches von dem Leben in der sozialistischen DDR kannte ich bereits, da ich selbst in den 1960er/1970er Jahren aufwuchs. Andere Informationen waren neu für mich. Deshalb empfand ich das Buch als lesenswert. Wie es eigentlich häufig bei fiktiven Familiengeschichten vor realem historischem Hintergrund der Fall ist, so lief dann im Leben von Helene vieles doch zu glatt und wird sie selbst als zu gut dargestellt, so dass die Geschichte manchmal konstruiert wirkt. Das gleiche gilt für den etwas hölzernen Schreibstil. Das ist aber dem Unterhaltungsfaktor geschuldet und tut der insgesamt positiven Bewertung keinen Abbruch.

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Veröffentlicht am 03.02.2022

Einblicke in die geschlossene psychiatrische Station

Ungefähre Tage
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Wer selbst keine Berührungspunkte zu psychisch erkrankten Menschen hat, kann sich wohl eher nur vage vorstellen, wie es auf einer geschlossenen Station einer psychiatrischen Einrichtung vor sich geht. ...

Wer selbst keine Berührungspunkte zu psychisch erkrankten Menschen hat, kann sich wohl eher nur vage vorstellen, wie es auf einer geschlossenen Station einer psychiatrischen Einrichtung vor sich geht. Einen nachhaltigen Eindruck zu den dortigen Verhältnissen gibt daher dieser Roman. Im Fokus steht hier das Verhältnis eines Pflegers zu einer Patientin. Pfleger „Grün“, wie er von allen genannt wird, ist seit zwanzig Jahren Pfleger auf der geschlossenen Station. Er trägt selbst ein Trauma aus seiner Vergangenheit mit sich, über das er nie geredet hat. Zu einer neuen Patientin, die an Wahnvorstellungen leidet und Stimmen hört, durchaus aber auch klare Phasen hat, sucht er von Anfang an die Nähe. Ihr gegenüber öffnet er sich sogar. Irgendwann überschreitet er jedoch die Grenzen und es stehen strafrechtliche Vorwürfe gegen ihn im Raum, ganz zu schweigen von fatalen Auswirkungen in seinem Familienleben.
Als leichte Kost empfand ich den Roman nicht, was nicht nur an dem eher bedrückenden Thema liegt. Mit seinen interessanten Einblicken in den Psychiatriealltag ist er es aber allemal wert, gelesen zu werden. Anschaulich wird auf den sehr schweren Berufsalltag der Pfleger in der Psychiatrie hingewiesen, die an ihre Grenzen gebracht werden. Nach dem ersten Lesen ist mir noch nicht klar, welche Bedeutung den Schilderungen betreffend die Archäologie zukommt. Die entsprechenden Passagen waren schwer zu verstehen.

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