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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2025

Eine Kindheit auf dem Dorf

Lebensversicherung
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Wer sich bislang noch nicht mit Versicherungen auskannte, wird es jetzt nach der Lektüre dieses Buchs ganz sicher tun. Bachs Protagonistin entstammt nämlich einer Familie, in der es in beiden Linien eine ...

Wer sich bislang noch nicht mit Versicherungen auskannte, wird es jetzt nach der Lektüre dieses Buchs ganz sicher tun. Bachs Protagonistin entstammt nämlich einer Familie, in der es in beiden Linien eine Anzahl von Versicherungsvertretern gegeben hat und auch ihre Eltern sind in diesem Metier erfolgreich tätig, und zwar in einem westdeutschen Dorf in den 1980er/1990er Jahren. Ausgehend von fundierten, knappen Erläuterungen zu jeder nur erdenklichen Versicherung blickt die Ich-Erzählerin auf ihre Kindheit, ihre Jugend und ihr junges Erwachsenenalter zurück. Wohlbehütet in einer weit verzweigten Familie aufgewachsen erzählt sie alle möglichen Details aus ihrem eigenen Leben und dem Leben ihrer Verwandten. Sie kommt vom Hölzchen aufs Stöckchen, aber alles ist sehr interessant zu lesen, zumal es sehr lebensnah ist und ich selbst manch ähnliche Erinnerung an meine Vergangenheit habe. Bei aller Geborgenheit, die das Mädchen erfährt, verwundert es umso mehr, nach und nach zu erfahren, wie sehr es von Ängsten geplagt ist. Sie entwickelt eine Angststörung, hortet Medikamente, hat Brechanfälle und Panikattacken.
Ein sehr schöner Gesellschaftsroman mit Milieustudie.

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Veröffentlicht am 17.09.2025

Zwei ruhige Liebesgeschichten

Sunny
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Karin Kalisa ist manchem vielleicht durch ihren Roman „Sungs Laden“ bekannt. „Sunny“ enthält nunmehr zwei Liebesgeschichten, verknüpft durch die beiden männlichen Liebenden.
Der eine ist der sechzehnjährige ...

Karin Kalisa ist manchem vielleicht durch ihren Roman „Sungs Laden“ bekannt. „Sunny“ enthält nunmehr zwei Liebesgeschichten, verknüpft durch die beiden männlichen Liebenden.
Der eine ist der sechzehnjährige Jon, der der Schule verwiesen wird und fürchtet, jetzt den Kontakt zu seiner Mitschülerin Sunny zu verlieren, deren Liebesgeschichte sich gerade erst angebahnt hatte. Außerdem plagen ihn Ängste wegen seines weiteren schulischen Fortkommens. Der andere ist der wesentlich ältere Benno, der in der DDR Dolmetscher für afrikanische Sprachen an einer Jugendhochschule (Kaderschmiede) in Brandenburg war und sich dort in die die Äthiopierin Alemee verliebte. Nach beider Ausweisung nach Afrika zerbrach ihre Beziehung. Weil Benno seine Sehnsucht nach Alemee nie verloren hatte, nomadisierte er noch lange in Afrika umher, bis er dann irgendwann nach Deutschland zurückkehrt und dort auf dem Gelände der ehemaligen Hochschule auf Jon trifft.
Abwechselnd wird von beider Liebesgeschichten erzählt, in sehr schönem sanftem, poetischem Tonfall. Außerdem werden auch gesellschaftliche Fragen kritisch angesprochen (z.B. das Bildungssystem in Berlin) und wird ebenso kritisch auf Einrichtungen der ehemaligen DDR geschaut (Jugendhochschule). Eine schöne Abrundung erfährt das Ganze durch das Auftreten von Jons Eltern, zweier eher lebensuntüchtiger Naturwissenschaftler und Philosophen, die sich herrliche Wortgefechte liefern.
Ich habe das Buch gerne gelesen, hätte am Ende aber gerne eine plausible Erklärung für die Trennung von Benno und Alemee gehabt.

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Veröffentlicht am 14.09.2025

Die Geschichte eines Alkoholikers

Das Schwarz an den Händen meines Vaters
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Dieser Roman schildert sehr eindrucksvoll, was es mit einer Familie macht, die einen Alkoholiker unter sich hat. Der Vater der Ich-Erzählerin hat die typische Trinker-Karriere hinter sich. Selbst Sohn ...

Dieser Roman schildert sehr eindrucksvoll, was es mit einer Familie macht, die einen Alkoholiker unter sich hat. Der Vater der Ich-Erzählerin hat die typische Trinker-Karriere hinter sich. Selbst Sohn eines Trinkers (der sogar im Suff bei Eiseskälte draußen erfriert), gerät er auch schon früh an den Alkohol und trinkt zunehmend mehr. Alkoholbedingt verliert er seine Arbeitsstelle, so dass die Familie in Geldnöte gerät. Zusätzlich frönt er Glücksspiel und Sportwetten. Seine Familie zieht er mit in den Sumpf. Die Ehefrau wird zur Co-Alkoholikerin, die Tochter sogar früh selbst exzessive Trinkerin. Das Beeindruckende ist, dass die Familie untereinander zusammenhält und der Vater ein guter Vater ist, die Erzählerin sogar ein Papa-Kind ist. Der Zusammenhalt geht noch über den Krebstod des Vaters hinaus, über ihn wird nur Gutes gesprochen.
Das Buch hat genug Potential, vor übermäßigem Trinken zu warnen, ohne dass es stets den Zeigefinger hochhält. Es ist gut zu lesen. Etwas verwirrend empfand ich lediglich die Zeitsprünge zwischen Gegenwart und Kindheit der Erzählerin. Mir war nicht immer sofort klar, von welcher Zeit gerade erzählt wurde.

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Etwas langatmig

Die Assistentin
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Von Caroline Wahl habe ich bereits „22 Bahnen“ und „Windstärke 17“ gelesen, die mir beide gut gefallen haben. Von ihrem neuesten Werk bin ich allerdings enttäuscht. Vielleicht lag es zum Teil mit daran, ...

Von Caroline Wahl habe ich bereits „22 Bahnen“ und „Windstärke 17“ gelesen, die mir beide gut gefallen haben. Von ihrem neuesten Werk bin ich allerdings enttäuscht. Vielleicht lag es zum Teil mit daran, dass ich es in der Hörbuch-Version angehört habe. Die Autorin selbst zum Einlesen zu gewinnen, erscheint mir nicht die beste Wahl. Ihre Stimme empfand ich als zu monoton. Aufgefallen sind mir immer wieder ein Lispeln und die Aussprache von „sch“ als „ch“ (z.B. realistich statt realistisch), was in meinen Ohren wie ein Sprachfehler klingt. Von diesen Formalien abgesehen, war die Geschichte als solche recht fesselnd. Die junge Charlotte tritt nach Abschluss ihres Studiums ihre erste Stelle als Assistentin in einem großen Münchner Verlag an, eher auf Drängen ihrer Eltern, die sie nicht mehr finanziell unterstützen wollen, denn eigentlich hätte sie lieber Musik gemacht. In ihrem neuen Umfeld ist Charlotte total unglücklich. Das fängt bereits mit ihrer Wohnung an und setzt sich fort in fehlenden Freunden/Beziehungen und der räumlichen Trennung von ihren Eltern. Das Schlimmste aber ist ihr Chef, ein exzentrischer, despotischer Verleger, der mit Zuckerbrot und Peitsche arbeitet. Charlotte erlebt auf der Arbeit in nur wenigen Monaten viele Facetten von Psychoterror, was sie krank macht. Unterstützung findet sie von kaum jemandem. Die Eltern spielen gar alles herunter und drängen sie zum Durchhalten, solange sie keine andere Stelle hat. Eigentlich alles aktuelle Themen, die im heutigen Arbeitsleben vielleicht gar nicht so selten sind und in denen sich mancher wiederfinden kann. Das Zuhören wurde mit der Zeit allerdings zunehmend mühevoller, weil immer wieder die gleiche Art von Drangsalierungen geschildert wurde. Gestoßen habe ich mich ferner an den vielen stichwortartigen Einblendungen auf zukünftige Ereignisse. Das sollte wohl die Spannung erhöhen, hatte aber den Beigeschmack, schlicht den Umfang der Geschichte zu strecken.

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Veröffentlicht am 07.09.2025

Die Abgründe im Menschen

Die Verdorbenen
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Kurz und leicht zu lesen ist der neueste Roman des Autors, von dem ich zuletzt „Das Philosophenschiff“ und „Frankie“ gelesen hatte.
Es geht um den österreichischen Studenten der Germanistik und Politikwissenschaft ...

Kurz und leicht zu lesen ist der neueste Roman des Autors, von dem ich zuletzt „Das Philosophenschiff“ und „Frankie“ gelesen hatte.
Es geht um den österreichischen Studenten der Germanistik und Politikwissenschaft Johann. Aus seiner Zeit in Marburg Anfang der 1970er Jahre erzählt der Ich-Erzähler 40 Jahre später. Eigentlich ist er ein ganz normaler Student, der mehreren Jobs nachgeht und Schriftsteller werden will, aber von der Liebe nichts weiß. Das ändert sich, als er mit seiner Kommilitonin Christiane und deren langjährigem Freund Tommi eine Dreiecksbeziehung aufnimmt. Es folgen weitere Abgründe: er bestiehlt seine Eltern und ist in zwei Tötungstaten verwickelt.
Völlig unaufgeregt werden uns Gedanken zu Liebe, Schuld und Besessenheit dargelegt. Die Geschichte ist faszinierend und sehr lesenswert.

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