Cover-Bild Und Federn überall
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24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Luchterhand
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 352
  • Ersterscheinung: 29.08.2025
  • ISBN: 9783630877457
Nava Ebrahimi

Und Federn überall

Roman - Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2025 - »Einer der schönsten Romane des Jahres.« Stefan Kister, Stuttgarter Zeitung
Ausgewählt als einer der »100 besten Romane des Jahres.« DIE ZEIT
Wie bleiben wir menschlich, wenn das Leben immer härter wird? Der neue Roman der Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin. Eine Kleinstadt in der norddeutschen Provinz. Sechs Menschen, die ein neues Kapitel in ihrem Leben aufschlagen. Ein Tag, der alles verändert.


Nebel liegt über den Feldern und dem Kanal. Es ist, als ob der Winter nicht zu Ende gehen will in der kleinen Stadt Lasseren im Emsland. Hier auf dem platten Land ist jahrein, jahraus nicht viel los. Wer Arbeit sucht, kommt an Möllring nicht vorbei, dem riesigen Geflügelschlachthof am Stadtrand. Für eine Handvoll Menschen beginnt dieser Montagmorgen mit großen Erwartungen. Sonia, alleinerziehende Mutter, hofft auf einen Job weit weg vom Hühnchen-Zerlege-Fließband. Für die junge Ingenieurin Anna steht mit dem Testlauf eines neuen Automatisierungsverfahrens bei Möllring so gut wie alles auf dem Spiel. Merkhausen wiederum, verlassener Ehemann mit einem Faible für Polinnen und zuständig für die Prozessoptimierung im Schlachtbetrieb, fiebert einem Date am Abend entgegen. Und dann ist da noch der geflüchtete Afghane Nassim, der sich in eine Affäre mit der zwanzig Jahre älteren Justyna verstrickt und fest daran glaubt, dass seine Gedichte die deutschen Beamten erweichen werden. Um diese zu übersetzen, ist Roshi, deutsch-iranische Autorin, extra aus Köln angereist. Als ein rücksichtsloser Fahrradfahrer dem sehbehinderten Mann mitten im Ort den Blindenstock kaputt fährt, bringt Nassim es mithilfe des örtlichen Radiosenders nicht nur zu lokaler Berühmtheit. Er bringt auch die Menschen dazu, der eigenen Wahrheit ins Auge zu sehen.

Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Nava Ebrahimi taucht ein in das Leben einer kleinen Stadt im Emsland und verknüpft die Geschichten von sechs Menschen zu einem mitreißenden Gesellschaftsroman über die Frage: Wie bleiben wir menschlich, wenn das Leben immer härter wird?

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.01.2026

Ein Tag, sechs Leben & die Frage nach unserer Menschlichkeit

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"Und Federn überall" ist der neuste Roman von Nava Ebrahimi, erschienen bei Luchterhand und war 2025 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin erzählt darin von sechs Menschen ...

"Und Federn überall" ist der neuste Roman von Nava Ebrahimi, erschienen bei Luchterhand und war 2025 für den Deutschen Buchpreis nominiert. Die Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin erzählt darin von sechs Menschen in einer norddeutschen Kleinstadt, deren Leben sich an einem einzigen Montag auf unerwartete Weise berühren. Im Zentrum: Arbeit, Migration, Klassismus und die Frage, wie Menschlichkeit unter ökonomischem Druck bestehen kann.

Meine Meinung
Dieses Buch war mein erstes von Nava Ebrahimi und ganz sicher nicht mein letztes. Ich hatte es mir bereits als Rezensionsexemplar gesichert, doch erst ihre persönliche Vorstellung und kurze Lesung auf der Buch Wien durch die Autorin haben mich wirklich hineingezogen. Dann ging alles schnell: Zwei Tage, und ich war durch :D

Was mich besonders begeistert hat, sind die vielschichtigen, extrem lebensnah gezeichneten Figuren. Sechs Perspektiven, die sich klar voneinander unterscheiden lassen und zunächst scheinbar lose nebeneinander stehen, bis sich am Ende alles verdichtet. Dieses finale Bild, in dem alle Fäden zusammenlaufen, werde ich so schnell nicht vergessen. Mehr möchte ich dazu an der Stelle nicht sagen.

Ebrahimi schreibt präzise, politisch und zugleich zutiefst empathisch. Sätze wie „Die Wirtschaft hasste es, von Menschen abhängig zu sein.“ (S. 45) oder „Hinter einem Schreibtisch sitzen, dazu brauchte es nur ein kleines bisschen Mitdenken.“ (S. 124) legen schonungslos offen, wie Klassismus, Leistungsdenken und Entmenschlichung ineinandergreifen.

Fazit
"Und Federn überall" ist ein Roman, der mitten aus dem Leben schreibt und dabei erstaunlich leise und kraftvoll zugleich ist. Das offene Ende mag irritieren, fühlt sich aber konsequent an. Für alle, die Gesellschaftsromane mit Tiefgang lieben.

Danke an @netgalleyde und @luchterhandliteratur für das Rezensionsexemplar.

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Veröffentlicht am 04.11.2025

Entscheidungen und Konsequenzen

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Entscheidungen und Konsequenzen

Können wir unser Leben immer so beeinflussen, wie wir es gern würden? Oder sind da Hürden im Weg, die wir nicht bestimmen können?

Sechs Menschen, die unterschiedlicher ...

Entscheidungen und Konsequenzen

Können wir unser Leben immer so beeinflussen, wie wir es gern würden? Oder sind da Hürden im Weg, die wir nicht bestimmen können?

Sechs Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, verbringen einen Tag in der Stadt Lasseren und sie begegnen sich bewusst oder unbewusst und ihre Handlungen werden einiges beeinflussen.

Sonia, alleinerziehende Mutter, hofft auf einen besseren Job. Ingenieurin Anna kämpft um den Erfolg ihres Projekts im Geflügelschlachthof Möllring. Merkhausen, einsam, träumt von einem neuen Anfang und der geflüchtete Afghane Nassim sucht Halt in seiner Liebe zu der älteren Justyna und in seinen Gedichten. Ein kleiner Unfall von Nassim bringt dann eine Geschichte ins Laufen, die alle beeinflussen wird.

Ich habe das Buch geliebt. Es ist zwar am Ende eine Erzählung, wie sie sich gerade jetzt irgendwo abspielen könnte, doch die Autorin hat Worte und Beziehungen der Figuren untereinander gefunden, die mich ganz in das Leben der Figuren haben eintauchen lassen. Ich kann gut nachvollziehen, warum es auf der Longlist des deutschen Buchpreises gelandet ist.

Es ist nicht stürmisch und jagt von einem Ereignis zum nächsten, sondern erzählt mit einer ganz eigenen Kraft die Geschichte der Protagonisten. Ihre Gedanken, Handlungen und Gespräche sind nahbar und lassen einen mit Fragen zurück. Ob und wie man selbst gehandelt hätte. Wie wäre es dann verlaufen? Hätte man es besser machen können?

Ein starkes Buch, das noch viel mehr Aufmerksamkeit bekommen sollte.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Originell und sehr vielschichtig

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Die Handlung spielt an einem Tag im Emsland, in einer provinziellen Kleinstadt, deren wichtigster Arbeitgeber ein Geflügelkonzern ist. Was zunächst nach einer eher trockenen Ausgangslage klingen mag, entpuppt ...

Die Handlung spielt an einem Tag im Emsland, in einer provinziellen Kleinstadt, deren wichtigster Arbeitgeber ein Geflügelkonzern ist. Was zunächst nach einer eher trockenen Ausgangslage klingen mag, entpuppt sich als alles andere als langweilig.
Im Zentrum stehen sechs sehr unterschiedliche Figuren: Nassim, ein halbblinder Dichter aus Afghanistan; Rosha, eine iranische Schriftstellerin; Justyna aus Polen, die in der Altenpflege arbeitet; Anna aus Siebenbürgen, die eine selbstentwickelte Kameratechnologie an den Geflügelkonzern verkauft; Merkhausen, Prozessoptimierer im selben Unternehmen; und schließlich Sonia, eine alleinerziehende Mutter, die am Fließband des Konzerns arbeitet.

Kapitelweise wechseln die Perspektiven, sodass man die Ereignisse abwechselnd durch die Augen dieser Figuren erlebt. Ihre Lebenswege kreuzen sich, beeinflussen einander und eröffnen immer neue Blickwinkel. Jede Figur ist facettenreich, einfühlsam und nahbar gezeichnet. Viele haben Migrationserfahrungen, entweder persönlich oder durch ihre Familien. Alle Figuren sind von einer Grundspannung durchzogen: Sie stehen an Wendepunkten, sind unzufrieden, ringen mit den Grenzen ihres Handlungsspielraums, sei es durch ökonomische Abhängigkeit, gesellschaftliche Strukturen, durch familiäre oder kulturelle Prägungen oder durch eigene Lebenserfahrungen. Sie müssen Entscheidungen treffen, Momente des Ausbruchs und kleine Verschiebungen werden sichtbar, auch Überreaktionen.

Besonders faszinierend fand ich die Dichte und Vielfalt der Themen. Neben eindringlichen Einblicken in die Lebensrealitäten der Figuren verwebt die Autorin kunstvoll ein spannendes Kapitel deutsch-polnischer Geschichte, das mir bislang unbekannt war. Ebenso überzeugend sind die gesellschaftskritischen Dimensionen: Fragen von Migration und Integration, Kapitalismuskritik, Tierschutzfragen, die Thematisierung des (mir bislang ebenfalls unbekannten) „Wooden Breast“-Syndroms, eine Krankheit, die aus der Massentierhaltung hervorgegangen ist. All dies wird nicht belehrend, sondern im Kontext der Figuren und ihrer Schicksale erzählt.

Der Roman ist humanistisch, feministisch, tiefgründig und zugleich unterhaltsam. Das offene Ende wird sicher nicht allen gefallen; für mich passte es jedoch gut, da der Fokus weniger auf einer Auflösung als vielmehr auf einer Momentaufnahme der Figuren liegt. Liebend gern hätte ich allerdings auch weiterlesen wollen.

Insgesamt liest sich das Buch fesselnd, berührend, ernst und zugleich komisch, satirisch, philosophisch und hochaktuell. Ein origineller und klug komponierter Roman,der mich nachhaltig beeindruckt und begeistert hat!

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Veröffentlicht am 02.12.2025

Beschäftigt mich noch sehr

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Ich habe immer ein Problem mit vielen Protagonisten in Büchern; ich kann mir kaum Namen merken und wenn ich von Anfang bis Ende überlegen muss, wer nun wer ist, dann lege ich das Buch meistens mit schlechter ...

Ich habe immer ein Problem mit vielen Protagonisten in Büchern; ich kann mir kaum Namen merken und wenn ich von Anfang bis Ende überlegen muss, wer nun wer ist, dann lege ich das Buch meistens mit schlechter Bewertung zur Seite. Dieses hier ist anders. Es sind auch viele Leute, nämlich 6 Personen. Alle unterschiedlich, ganz unterschiedlich und wahnsinnig gut gezeichnet. Alle Personen befinden sich zur selben Zeit an dem selben Ort, sind aber so Grund verschieden, dass es Spaß machte, ihnen zuzusehen. Handlungsort: Geflügelfleischmassenbetrieb. Ein Thema, welches mich seit Jahren begleitet - und ich finde, viel zu selten in Büchern thematisiert wird. Gut, dass es dieses hier gibt. Im Buch gibt es keine krassen Handlungen und Drama, die Geschichte erzählt verschiedene Perspektiven, Menschen und ihre Lebensentwürfe. Ein Buch, dass mich immer noch sehr beschäftigt.

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Veröffentlicht am 09.10.2025

Gesellschaftskritik

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Ein Geflügelimperium und die Menschen in einem kleinen Ort im Emsland. Die alleinerziehende Sonia, gefangen in einem harten Job im Geflügelschlachthof, ist zunehmend überfordert mit ihrer Arbeit und ihren ...

Ein Geflügelimperium und die Menschen in einem kleinen Ort im Emsland. Die alleinerziehende Sonia, gefangen in einem harten Job im Geflügelschlachthof, ist zunehmend überfordert mit ihrer Arbeit und ihren pubertierenden Kindern. Sie hofft auf einen besseren Job. Merkhausen ist in dieser Firma in einer leitenden Position tätig, sucht eine Frau fürs Leben mit polnischen Wurzeln. Nassim, ein Flüchtling mit einer Augenkrankheit, schreibt Gedichte und ist auf der Suche nach einem bessern Leben. Die Polin Justyna trifft Nassim gelegentlich. Sie mag ihn sehr aber mehr als eine Freundschaft Plus ist für sie nicht drin. Er ist zwanzig Jahre jünger und sie auf der Suche nach einem deutschen Mann via Internet. Roshi ist eine iranische Schriftstellerin. Nassim versucht sie zu überzeugen seine Gedichte ins Deutsche zu übersetzen. Anna verkauft eine selbstentwickelte Software zur Überprüfung der Fleischqualität an die Firma, so können zukünftig Arbeitsplätze eingespart werden.

Diese Personen und deren komplexe Beziehung untereinander werden verwebt zu einer gemeinsamen Geschichte, in der Flucht, Geschlechterrollen und Migration eine große Rolle spielen. Im Mittelpunkt steht der Geflügelkonzern. Die Arbeit dort ist anstrengend und monoton.
Einfühlsam und poetisch erzählt wird dieser gesellschaftskritische Roman, der berührt und fasziniert zugleich. Jeder kämpft für sich allein, hat eigene Sorgen und Nöte. Trotz der vielen Protagonisten kommen wir den einzelnen Menschen sehr nah, bekommen Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle. Eine Momentaufnahme aus der Realität stellvertretend für viele andere Menschen. Ich hab den Roman sehr gern gelesen, allerdings kam mir das Ende zu schnell. Da hätte es sich für mich gern noch einiges aufklären dürfen.

Für alle Liebhaber von gesellschaftskritischen Romanen, in denen Migration eine große Rolle spielt, ist dieses Buch eine Empfehlung.

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