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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.03.2026

Ein liebevoller, spannender und inspirierender Comic

Der Comic-Club
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Dieses Comic hat mir ausgesprochen gut gefallen. Als großer Comic-Fan war ich sofort begeistert. Es ist wirklich ein Werk für Liebhaber oder für alle, die es noch werden möchten.

Im Mittelpunkt steht ...

Dieses Comic hat mir ausgesprochen gut gefallen. Als großer Comic-Fan war ich sofort begeistert. Es ist wirklich ein Werk für Liebhaber oder für alle, die es noch werden möchten.

Im Mittelpunkt steht eine Gruppe von Kindern, die sich in der Schulbibliothek zusammenfindet und mithilfe der Bibliothekarin einen Comic-Club gründet. Alle teilen die Leidenschaft für Comics und erschaffen vor allem ihre eigenen Geschichten. Die Charaktere sind vielfältig und divers gestaltet. Besonders die Kinder sind sehr sympathisch, liebenswert und haben alle ihre ganz eigenen Eigenheiten und Stärken. Dadurch fällt es leicht, sich mit ihnen zu identifizieren, zudem jedes Kind seine eigenen, auch familiären, Herausforderungen mit bringt.

Die Geschichte behandelt Themen wie Freundschaft, Träume und Familie, also ganz alltägliche Dinge, die jeden betreffen. Dabei ist das Comic spannend und gleichzeitig humorvoll erzählt. Es liest sich sehr kurzweilig und lebendig, sodass ich richtig mitfiebern und mitfühlen konnte. Gegen Ende wurde es überraschend emotional und berührend, bei mir sind sogar ein paar Tränen geflossen.

Ein weiterer Hauptschwerpunkt des Comics liegt auf der Frage, wie Comics eigentlich gemacht werden. Und dies, das ist eine große Stärke, wird fast wie nebenbei vermittelt. Man erhält viele spannende Einblicke in die Welt des Comiczeichnens: verschiedene Techniken werden dargestellt, es wird gezeigt, wie man am besten Gefühle zeichnet, Szenen zeichnet und wie Text und Bild zusammen kommen. Die unterschiedlichsten kreativen Herangehensweisen werden hier gezeigt und es findet sich eine Fülle an Ideen und Inspiration. Besonders gefallen hat mir auch die leicht philosophische Ebene, die immer wieder mitschwingt.

Auch die Gestaltung ist sehr hochwertig: klare Figuren, kräftige Farben und ein insgesamt sehr ansprechender Look. Am Ende gibt es noch zusätzliches Material, ein Interview mit den Machern des Comics, die in der Szene keine Unbekannten sind, sowie ein hilfreiches Glossar.

Ich empfehle das Comic besonders für Kinder ab 10 Jahren, aber auch für Teenager und Erwachsene. Vor allem für alle, die Comics lieben oder mehr darüber erfahren möchten, wie man selbst Comics zeichnet und gestaltet, ist es eine klare Empfehlung!

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Veröffentlicht am 26.02.2026

Optimistisch und praxisorientiert

Deinen Selbstwert bestimmst nur du
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In diesem gut verständlichen Buch widmet sich ein südkoreanischer Psychiater dem Thema Selbstwert. Er erklärt, was Selbstwert eigentlich bedeutet, warum er so entscheidend für ein erfülltes Leben ist und ...

In diesem gut verständlichen Buch widmet sich ein südkoreanischer Psychiater dem Thema Selbstwert. Er erklärt, was Selbstwert eigentlich bedeutet, warum er so entscheidend für ein erfülltes Leben ist und wie man ihn stärken und stabilisieren kann. Dabei zeigt er anschaulich auf, welche Wechselbeziehungen zwischen Selbstwert sowie Handeln, Denken und Fühlen bestehen.

In mehreren Kapiteln beleuchtet der Autor die Beziehung zu anderen in Partnerschaft, Familie, Freundeskreis und Beruf, ebenso wie die Beziehung zu sich selbst und die Bedeutung von Selbstliebe. Er geht der Frage nach, warum wir uns minderwertig fühlen, wie ein Minderwertigkeitskomplex entstehen kann und vor allem, wie sich dieser wieder auflösen lässt. Deutlich wird: Ohne Selbstliebe bleibt auch der Selbstwert brüchig und ohne einen stabilen Selbstwert ist ein glückliches, zufriedenes Leben kaum möglich.

Besonders überzeugend ist der ganzheitliche Ansatz. Der Autor betrachtet Gedanken- und Wahrnehmungsmuster, ungünstige Gewohnheiten, den Umgang mit Gefühlen und deren Regulation und bezieht auch körperliche Aspekte mit ein. Zudem ordnet er den allgemein sinkenden Selbstwert vieler Menschen in den Kontext unserer heutigen Gesellschaft ein, die geprägt von Schnelllebigkeit, Technisierung und einer Flut an Entscheidungen ist. Diese Perspektive empfand ich als sehr entlastend.

Obwohl ich bereits viel zum Thema Selbstwert und Selbstliebe gelesen habe, konnte ich aus diesem Buch neue Impulse, Ideen und konkrete Praxistipps mitnehmen. Interessant fand ich zudem die moderne asiatische Perspektive, die einen kleinen Einblick in die südkoreanische Gesellschaft vermittelt.

Sehr hilfreich sind die übersichtlichen Zusammenfassungen am Ende jedes Kapitels. Der Autor schreibt klar, sympathisch und menschlich, seine Gedanken sind gut nachvollziehbar und stets lösungsorientiert. Vor allem überzeugt die große Fülle an praktischen Übungen und Anregungen. Er macht deutlich, dass reines Lesen den Selbstwert nicht erhöht, und motiviert konsequent dazu, das Gelesene im Alltag umzusetzen. Einige der Übungen habe ich bereits ausprobiert und sie unterstützen mich spürbar im täglichen Leben.

Fazit: Der Selbstwert kann jederzeit (wieder) gestärkt werden. Dieses (Arbeits-) Buch zeigt auf ganzheitliche, motivierende und praxisnahe Weise, wie das gelingen kann, und ist eine klare Empfehlung für alle, die ihren Selbstwert nachhaltig verbessern möchten.

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Veröffentlicht am 04.10.2025

Liebevoll gestaltetes Vorlesebuch für die Winterzeit

Das Haus mit der kleinen roten Tür
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Dieses liebevoll gestaltete Vorlesebuch erzählt die Geschichte von dem Mädchen Olivia und der kleinen Maus namens Maus. Es ist Winter, und Olivia lebt allein in ihrem Haus. Die Maus wohnt in einem Baum ...

Dieses liebevoll gestaltete Vorlesebuch erzählt die Geschichte von dem Mädchen Olivia und der kleinen Maus namens Maus. Es ist Winter, und Olivia lebt allein in ihrem Haus. Die Maus wohnt in einem Baum nebenan, bis ein Sturm ihr Zuhause zerstört. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach einer neuen Unterkunft und wählen schließlich einen umgestürzten Blumentopf. Doch in der Nacht können sie beide nicht recht schlafen. So nimmt Olivia die Maus zu sich, und beide wohnen nun zusammen unter einem Dach. Von nun an sind sie nicht mehr allein und schaffen sich ein gemütliches Zuhause voller Wärme und Geborgenheit.

Das großformatige Buch gefiel mir aufgrund der wunderschönen Illustrationen. Die kurzen, klaren Texte sind ideal zum Vorlesen und werden von detailreichen Bildern begleitet, die zum Entdecken einladen. Auf fast jeder Seite verbergen sich zusätzlich Klappen mit weiteren Illustrationen. Das Papier ist stabil genug, so dass die Klappen nicht gleich beschädigt werden, jedoch nicht so robust, dass es sich für ganz kleine Kinder eignet. Daher halte ich die Altersempfehlung des Verlags (ab 4 Jahren) für passend.

Das Buch vermittelt auf einfühlsame Weise die winterliche Stimmung, die Geborgenheit eines warmen Zuhauses und den Wert von Freundschaft und Gemeinschaft.

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Veröffentlicht am 23.09.2025

Portrait eines innerlich zerrissenen jungen Mannes

Hundesohn
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In diesem Text ringt ein junger Mann um seine Selbstfindung und um Liebe. Er ist in Berlin aufgewachsen und stammt aus dem türkischen Kulturkreis. Als Kind war er wiederholt Rassismus, Diskriminierung, ...

In diesem Text ringt ein junger Mann um seine Selbstfindung und um Liebe. Er ist in Berlin aufgewachsen und stammt aus dem türkischen Kulturkreis. Als Kind war er wiederholt Rassismus, Diskriminierung, Missbrauch und Verhöhnung ausgesetzt. Er liebt Männer... und hasst sie.
Er ist unglücklich in Hassan, diesen "Hundesohn" verliebt, und wir lesen von seinen Sehnsüchten, Gedanken und Gefühlen. Wir erfahren von seinen vielfältigen Männerbekanntschaften, von seinen inneren Konflikten und Widersprüchen sowie von seiner freundschaftlichen Beziehung zu seiner besten Freundin, die ihn unterstützt. Er erzählt von seiner Familie, von seinem Aufwachsen und seine innere Zerrissenheit wird immer wieder deutlich.

Der Text ist essayistisch, anekdotenhaft und experimentell. Kurze Kapitel wechseln sich ab, der Stil liest sich assoziativ, manchmal etwas surrealistisch und kafkaesk. Man muss sich wirklich darauf einlassen. Gesellschafts- und kulturkritische Überlegungen werden angesprochen. Immer wieder treten zudem sprachphilosophische Gedanken auf, die sich speziell mit der türkischen Sprache befassen. Türkisch, Arabisch, Englisch und Französisch finden sich in Sätzen wieder, die oftmals eingefügt sind. Die Sprache ist gefühlvoll, poetisch und berührend; an einigen Stellen auch hart, rauh und direkt.

Mich konnte dieser moderne Text nur bedingt überzeugen. Mit der experimentellen Form hatte ich Schwierigkeiten und sie strengte mich sehr an. Zu oft schweifte er von der eigentlichen Handlung ab, die mich tatsächlich stärker interessierte als die essayistischen Einschübe. Zudem habe ich zu wenig Berührungspunkte mit der türkischen Sprache, um voll eintauchen zu können. Die Thematik hatte mich eigentlich sehr interessiert, nur die Form katapultierte mich immer wieder aus dem Lesefluss.

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Veröffentlicht am 09.09.2025

Originell und sehr vielschichtig

Und Federn überall
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Die Handlung spielt an einem Tag im Emsland, in einer provinziellen Kleinstadt, deren wichtigster Arbeitgeber ein Geflügelkonzern ist. Was zunächst nach einer eher trockenen Ausgangslage klingen mag, entpuppt ...

Die Handlung spielt an einem Tag im Emsland, in einer provinziellen Kleinstadt, deren wichtigster Arbeitgeber ein Geflügelkonzern ist. Was zunächst nach einer eher trockenen Ausgangslage klingen mag, entpuppt sich als alles andere als langweilig.
Im Zentrum stehen sechs sehr unterschiedliche Figuren: Nassim, ein halbblinder Dichter aus Afghanistan; Rosha, eine iranische Schriftstellerin; Justyna aus Polen, die in der Altenpflege arbeitet; Anna aus Siebenbürgen, die eine selbstentwickelte Kameratechnologie an den Geflügelkonzern verkauft; Merkhausen, Prozessoptimierer im selben Unternehmen; und schließlich Sonia, eine alleinerziehende Mutter, die am Fließband des Konzerns arbeitet.

Kapitelweise wechseln die Perspektiven, sodass man die Ereignisse abwechselnd durch die Augen dieser Figuren erlebt. Ihre Lebenswege kreuzen sich, beeinflussen einander und eröffnen immer neue Blickwinkel. Jede Figur ist facettenreich, einfühlsam und nahbar gezeichnet. Viele haben Migrationserfahrungen, entweder persönlich oder durch ihre Familien. Alle Figuren sind von einer Grundspannung durchzogen: Sie stehen an Wendepunkten, sind unzufrieden, ringen mit den Grenzen ihres Handlungsspielraums, sei es durch ökonomische Abhängigkeit, gesellschaftliche Strukturen, durch familiäre oder kulturelle Prägungen oder durch eigene Lebenserfahrungen. Sie müssen Entscheidungen treffen, Momente des Ausbruchs und kleine Verschiebungen werden sichtbar, auch Überreaktionen.

Besonders faszinierend fand ich die Dichte und Vielfalt der Themen. Neben eindringlichen Einblicken in die Lebensrealitäten der Figuren verwebt die Autorin kunstvoll ein spannendes Kapitel deutsch-polnischer Geschichte, das mir bislang unbekannt war. Ebenso überzeugend sind die gesellschaftskritischen Dimensionen: Fragen von Migration und Integration, Kapitalismuskritik, Tierschutzfragen, die Thematisierung des (mir bislang ebenfalls unbekannten) „Wooden Breast“-Syndroms, eine Krankheit, die aus der Massentierhaltung hervorgegangen ist. All dies wird nicht belehrend, sondern im Kontext der Figuren und ihrer Schicksale erzählt.

Der Roman ist humanistisch, feministisch, tiefgründig und zugleich unterhaltsam. Das offene Ende wird sicher nicht allen gefallen; für mich passte es jedoch gut, da der Fokus weniger auf einer Auflösung als vielmehr auf einer Momentaufnahme der Figuren liegt. Liebend gern hätte ich allerdings auch weiterlesen wollen.

Insgesamt liest sich das Buch fesselnd, berührend, ernst und zugleich komisch, satirisch, philosophisch und hochaktuell. Ein origineller und klug komponierter Roman,der mich nachhaltig beeindruckt und begeistert hat!

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